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Full text of "Die Bücher der geheimnisse Henochs : das sogenannte slavische Henochbuch"

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in 2010 with funding from 

Boston Public Library 



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DER BENAHBMEF 



EHE MODERNE EEBEN-JESE-FAESOHUNG 



DES 

HEBEN EBBST EÜLEE VON DEE PLANITC 

AUFGEDECKT VON 

D. Dr. CARL SCHMIDT 

PROFESSOR DER THEOLOGIE AN DER UNIVERSITÄT BERLIN 

UNTER MITARBEIT 

VON 

Dr. HERMANN GRAPOW 



mp 




LEIPZIG 

J. C. HINRICHS'sche BUCHHANDLUNG 

1921 



TEXTE UND UNTERSUCHUNGEN 

ZUR GESCHICHTE DER ALTCHRISTLICHEN LITERATUR 

ARCHIV FÜR DIE VON DER KIRCHENVÄTER- COMMISSION 

DER PREÜSSISCHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN UNTERNOMMENE 

AUSGABE DER ÄLTEREN CHRISTLICHEN SCHRIFTSTELLER 

HERAUSGEGEBEN VON 

ADOLF VON HARNACK und CARL SCHMIDT 
3. REIHE 14. BAND HEFT 1 &? 
44. BAND HEFT 1 



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Druck von August Pries in Leipzig. 



Inhaltsverzeichnis. 

Seit ο 

Untersuchungen 1 

Beilage I .79 

Beilage II 84 

Beilage III 88—95 



Motto: Es wird Zeit, deiner Frechheit Maß 
und Ziel zu setzen. [v. Hütten.] 

Die Veröffentlichung der vorliegenden Abhandlung in den 
TU bedarf einer kurzen Rechtfertigung. Denn die TU haben 
es ausschließlich mit der Erforschung der alten Kirche zu tun; 
hier handelt es sich um eine Fälschung aus der neuesten Zeit. 
Wenn auch ein Präzedenzfall in der Abhandlung von Harnack 
vorliegt: „Die Pfaffschen Irenäus-Fragmente als Fälschungen 
Pfaffs nachgewiesen" (TU, NF. V", 3), so ist doch der singulare 
Charakter unserer Abhandlung im Rahmen der TU nicht zu 
leugnen. Die Publikation erklärt sich in erster Linie aus der 
Tatsache, daß nach der Behauptung des Herausgebers der Benan- 
brief die Übersetzung einer Papyrusrolle in koptischer Sprache 
aus dem 5. Jahrhundert darstellt, deren Urtext auf einen grie- 
chischen Originalbrief des ägyptischen Arztes Benan um 83 n. Chr. 
zurückgeht. Das wäre in der Tat ein Fund ersten Ranges, dem 
auch die TU die Aufnahme nicht versagen würden. Ohne Zweifel 
müßten alle Freunde des Christentums, Theologen wie Laien, 
in größte Aufregung versetzt werden, sollte es sich bewahrheiten, 
daß in dieser ausführlichen Biographie des Briefschreibers 
echte persönliche Reminiscenzen eines Zeitgenossen und Freundes 
Jesu während seines Aufenthaltes in Leontopolis und Heliopolis- 
Anu vorliegen. Dann hätte Herr Pastor Warncke mit seinem 
Urteil nicht so unrecht, wenn er in dem Benanbrief trotz spä- 
terer Überarbeitung und koptisch- christlicher Zusätze die groß- 
artigste Verteidigungsschrift Christi aus heidnischer 
Feder erblickt. Es wäre in der Tat „ein Umsturz einer zwei- 
tausendjährigen Unkenntnis mit all ihren unzutreffenden Voraus- 
setzungen" ; die Theologen müßten ihre bisherigen Leben-Jesu- 
Forschungen zum alten Eisen werfen. 

T. u. TL '20: Schmidt-Grapow. 1 



2 Schraidt-Grapow: 

Und nicht genug damit, in einem besonderen Festartikel 
in der Landeszeitung von Neustrelitz 1919 Nr. 186 zum 8üsten 
Geburtstage des Pastor Warncke, des begeisterten Vertreters 
und Verfechters der Echtheit des Briefes, hat Herr von der 
Planitz diesem Funde einen zweiten ebenso bedeutsamen hinzu- 
gefügt. Er bringt nämlich die überraschende Kunde, eine Papyrus- 
rolle in griechischer Sprache in einem Museum entdeckt zu haben, 
auf der der Name Jesu von Anu deutlich zu lesen wäre, so daß 
damit allem Streite um die Echtheit des Benanbriefes ein Ende 
bereitet wäre. Überhaupt hat der Herausgeber mit seinem Benan- 
brief eine Reklame inszeniert, die wohl kaum zu überbieten ist; 
das konnte er sich um so mehr leisten, als das Buch in seinem 
eigenen Verlage erschien, denn hinter dem Verlage Piehler & Co. 
steht als Inhaberin seine Frau, d. h. er selbst. Vor mir liegt 
ein kleines Heftchen von 16 Seiten, das in unzähligen Exem- 
plaren verbreitet wird und den sensationellen Titel trägt: „Die 
jüngsten Entdeckungen über Jesus. Neue Untersuchungen und 
Beweise sowie Meinungen und Urteile über den Benan-Brief 
(Brief des ägyptischen Arztes Benan aus der Zeit Domitians 
über Jesus und die ersten Christen)." Da lesen wir die An- 
kündigung „Jesu Jugend und Erziehung aufgeklärt" aus der 
Feder eines Herrn R. L. ; es folgt ein kurzes Referat von Pastor 
W. Warncke: „Was ist der Benanbrief?" Ein gewisser Dr. H. GL 
verkündet uns unter dem Titel: „Neue epigraphische Beweise 
für die Richtigkeit der Benan-Nachrichten", daß Herrn v. der 
Planitz das Verdienst gebühre, eine Frage gelöst zu haben, 
die 2000 Jahre hindurch die Menschheit beschäftigt 
hätte, und daß alle bisherigen Theorien der privilegierten 
Kirchengeschichtsprofessoren, von denen bisher nicht ein ein- 
ziger auf den Gedanken gekommen wäre, in Ägypten nach Jesus 
Umschau zu halten, in sich zusammengebrochen wären. Zu ihm 
gesellt sich ein Astronom namens Arthur Stentzel, der durch, 
seine wissenschaftlichen Arbeiten in der „Astronomischen Corre- 
spondenz" „neue astronomische Beweise für die Richtigkeit der 
Benan-Nachrichten" erbracht haben soll. Und wenn wir dann 
neben anderm noch hören „was die Agyptologen sagen", „was 
die Historiker sagen" und „was die Theologen sagen", so möchte 
ich fragen, wer solchem Anreißertum widerstehen und nicht den 
Wunsch hegen möchte, diesen kostbaren Schatz zu besitzen und 



Der Benanbrief. 3 

an der Quelle die neu entdeckten Wahrheiten über Jesus selbst 
zu schöpfen? 

Der Benanbrief hat im J. 1910 das Licht der Welt erblickt. 
Wie aus den Angaben des Herausgebers hervorgeht, hat die 
Publikation in den theologischen Kreisen vielfache Ablehnung 
gefunden. Ich kenne von dieser Polemik nur eine kurze Anzeige 
von Prof. Jülicher in der Christlichen Welt 1912, Nr. 2; im 
übrigen ist wohl der Streit in den kleineren Kirchenzeitungen 
ausgefoehten, so daß er das größere Publikum nicht in Mit- 
leidenschaft gezogen hat. Jene Anzeige von Prof. Jülicher hat 
nicht das Wohlgefallen des Herrn v. der Planitz gefunden, denn 
er will glauben machen, daß „von Marburg aus, dieser schon 
vor Jahrhunderten berüchtigten Hochburg der Ketzerrichter, 
eine förmliche Hetze gegen den Schweigenden organisiert wurde". 
Ich habe von einer derartigen Hetze nichts bemerkt, im Gegen- 
teil: es ist geradezu bedauerlich, daß die wissenschaftlichen Ver- 
treter der Theologie an der Publikation mit einer gewissen vor- 
nehmen Ignorierung vorübergegangen sind, ohne zu ahnen, 
welche Verwüstung sie in weiten Kreisen der gebildeten Laien- 
welt angerichtet hat. Infolge jener überaus regsamen Propa- 
ganda hat nämlich der Brief innerhalb wie außerhalb Deutschlands 
ein größeres Lesepublikum gefunden; es sind gewissermaßen Benan- 
gemeinden entstanden, die zu dem Jesu von Anu in einem be- 
sonderen Verhältnis stehen. Was man längst intuitiv geahnt, 
ist jetzt urkundlich beglaubigt. Jesus ist in der ägyptischen 
Kultweisheit aufgewachsen und hat wie andere Menschen in 
Ägypten eine natürliche Entwicklung durchgemacht, die seinen 
so hoch entwickelten Geist, seine so vollendete Sittlichkeit, seine 
so überlegene Führernatur erst in das rechte Licht rückt, da er 
alles das in seiner engen Heimat, besonders in dem kleinen Naza- 
reth als Sohn Josephs des Zimmermanns sich nicht aneignen 
konnte. Dieses Geheimnis der ägyptischen Jugenderziehung Jesu 
hat in den Kreisen der Anthroposophen, Theosophen, Occul- 
tisten und Freimaurer scheinbar mächtigen Beifall gefunden. 
Deshalb konnte v. der Planitz es wagen, alle Theologen, welche 
die Authentizität seines Benanbriefes bezweifelten, mit Hohn und 
Spott zu überschütten, er konnte sie als Dunkelmänner hinstellen, 
welche dem verdummten Volke die Wahrheit vorenthalten, um 
sich ihre Kreise nicht stören zu lassen und ihre Stellung nicht 



4 S ckmidt- Grap ow : 

zu gefährden. Das löste in jenen Kreisen, die mit Geringschätzung 
auf die Kirche und ihre Vertreter herabsehen, selbstverständlich 
den gewünschten Widerhall aus. Zehn Jahre sind, wie gesagt, 
verstrichen, und es entsteht die Frage, ob eine wissenschaftliche 
Untersuchung sich heute noch lohnt, da zu viele glaubensschwache 
Geister angesteckt sind und das Gift nicht so schnell aus dem 
kranken Volkskörper ausgeschieden werden kann. 

Wenn ich trotzdem mit einer Spezialabhandlung hervor- 
trete, so treibt mich nicht dazu — das brauche ich wohl kaum 
zu bemerken — ein apologetisches Interesse, noch viel weniger 
ein brennendes Verlangen nach einer literarischen Fehde, son- 
dern ein Zufall hat mich auf den Benanbrief gestoßen. Als ich 
nämlich im August vorigen Jahres an den Mecklenburgischen 
Seen zur Erholung weilte, machte mir ein Volksschullehrer Mit- 
teilung von jenem Festartikel an Pastor Warncke — er hatte 
scheinbar auf ihn einigen Eindruck gemacht, da der Verfasser 
mit so großer Bestimmtheit seine Entdeckung anpries. Ich 
bringe ihn behufs Orientierung der Leser in den Beilagen unter 
Nr. 1 zum Abdruck. Der Artikel erregte natürlich mein beson- 
deres Interesse, sollte doch der neue Papyrus aus Ägypten stam- 
men, mit dessen Papyrusliteratur meine Spezialforschungen auf 
dem Gebiete des Griechischen und Koptischen so eng verknüpft 
waren. Mir war deswegen auch der Benanbrief nicht unbekannt 
geblieben; ich lebte damals der festen Zuversicht, daß eine 
Publikation mit derartigen sensationellen Nachrichten bald in 
der Versenkung verschwinden würde. Jetzt bemerkte ich zu 
meinem Schrecken, daß ich mich einer schweren Täuschung hin- 
gegeben hatte. Deshalb trat ich Herrn v. der Planitz in einem 
offenen Briefe (Landeszeitung Neustrelitz 1919, 204, 3. IX.) ent- 
gegen und ließ darin meine Skepsis in betreff der Echtheit des 
Benanbriefs wie des neuentdeckten griechischen Papyrus durch- 
blicken, insbesondere forderte ich die Publikation des Textes 
der beiden Originale. Ich bringe im Anhang diesen Artikel 
unter Nr. 2 zum Abdruck. Darauf erschien prompt in derselben 
Zeitung (Nr. 214, 14. IX.) ein offener Brief von Pastor Warncke, 
dem Paladinen meines Gegners, und im Anschluß daran ein 
fulminanter Artikel des Herrn v. der Planitz (Nr. 233, 7. X.), 
den ich ebenfalls im Anhange unter Nr. 3 der Öffentlichkeit 
übergebe, da er ganz charakteristisch für den Verfasser ist und 



Der Benanbriefc 5 

nur zu sehr das Milieu illustriert, aus dem der Benanbrief selbst 
genossen ist. Er wollte scheinbar bluffen und mir alle Lust zu 
weiterer Polemik verleiden. Darin hatte er sich aber gründ- 
lichst geirrt. Jetzt blieb mir nichts anderes übrig, als den Fehde- 
handschuh aufzunehmen und die Ausgabe des Benanbriefes einer 
gründlichen Prüfung zu unterziehen; insbesondere galt es, den 
Quellen nachzuspüren, welche die Grundlage für das Machwerk 
bildeten. Zu der Ausgabe kamen noch drei Bände Kommentar 
hinzu, die mir bis dahin ganz unbekannt geblieben waren. Meine 
Nachforschungen sollten bald von Erfolg gekrönt werden, denn 
der Fälscher hatte eine große Dummheit begangen — aber wel- 
cher Fälscher begeht trotz aller Gerissenheit keine Dummheit! — 
er hatte nämlich den Benan zum Helden seines Romans gemacht; 
dieser Name kommt nur ein einziges Mal in der ägyptischen 
Geschichte vor; er ist deshalb ganz singulär und taucht nir- 
gendswo unter den Tausenden von überlieferten Personennamen 
wieder auf. So lag denn das für die Fälschung benutzte ägyp- 
tologische Material bald offen zutage. Ich verfaßte einen umfang- 
reichen Aufsatz für die Landeszeitung, um zunächst meine 
Mecklenburgischen Landsleute über den wahren Sachverhalt auf- 
zuklären und den Benanschwindel aufzudecken. Meine Ent- 
gegnung war sehr scharf, da ich von innerer Empörung über 
den Zynismus des Herausgebers erfaßt war, der auch jetzt noch 
sich als die von der versippten Theologenzunft verfolgte Unschuld 
hinstellte und sich als den Kämpfer für die mit Bewußtsein unter- 
drückte Wahrheit aufspielte. Mein Artikel erschien wegen des 
großen Umfanges in verschiedenen Absätzen. Ich bringe diesen 
hier nicht wieder zum Abdruck, da er durch die vorliegende 
Publikation überholt ist. 

Inzwischen traten Umstände ein, die eine noch umfassen- 
dere Behandlung des Themas erforderten. Deshalb habe ich 
mich entschlossen, in der vorliegenden Abhandlung die Frage 
nach der Echtheit des Benanbriefes vor dem Forum der litera- 
rischen Welt zum Austrag zu bringen. In der Zeitung war 
doch der Kreis der interessierten Leser ein sehr geringer, und 
die Aufdeckung wäre bald in Vergessenheit geraten. Um aber 
nicht als Theologe der Voreingenommenheit geziehen zu werden, 
habe ich noch einen Ägyptologen in der Person von Dr. Grapow 
zur Mitarbeit herangezogen. Das wird wohl ein objektives Urteil 



6 Schiaidt-Grapow: 

ermöglichen, und so leben wir beide der Hoffnung, daß wir den 
literarischen Markt baldigst von diesem Schwindelerzeugnis be- 
freien werden. 

Zur Orientierung wird es zunächst nötig sein, die Persönlich- 
keit des Herausgebers näher zu beleuchten, da den meisten Lesern 
der Name des Ernst Edler von der Planitz ganz unbekannt sein 
wird. Er ist nach den Angaben des Buches „Wer ist's" (1912) 
1857 geboren, besuchte die Universität München und die Sor- 
bonne in Paris, unternahm nach der Vollendung der Universi- 
tätsstudien große Weltreisen als Kulturhistoriker, dessen Be- 
richte in den verschiedensten Zeitungen erschienen. Er kann 
heute auf eine sehr umfangreiche literarische Tätigkeit zurück- 
blicken, da er sich in den verschiedensten Literatur gattungen be- 
tätigt hat. Wir hören von epischen, lyrischen und dramatischen 
Dichtungen, von Romanen und Erzählungen, von kulturhistori- 
schen Studien und Hofgeschichten. Unter letzteren sind zu nennen 
„Die volle Wahrheit über den Tod des Kronprinzen Rudolf v. 
Osterreich" oder „Die Lüge von Mayerling" oder „Die Denk- 
schrift der Baronin Vetsera über die Katastrophe von Mayerling" 
oder „Der Roman der Prinzessin Luise von Coburg". Alle diese 
Werke sind in den Jahren 1900 — 1902 erschienen, so viel wir 
konstatieren können; sie gehen also unserm Benanbrief voraus. 
Aber vergebens sucht man in dieser großen Reihe von literari- 
schen Produktionen, die die Zahl hundert weit übersteigen, nach 
einem streng wissenschaftlichen Werk; noch viel weniger taucht 
eine Schrift auf, die auf einen Kenner des Koptischen und 
Ägyptischen nur entfernt schließen läßt. Wäre wirklich Herr 
v. der Planitz ein Mann der Wissenschaft von eminenten Kennt- 
nissen, besonders auf dem Gebiete der Ägyptologie und des Ur- 
christentums , wie Pastor Warncke ihn rühmt, so müßte man 
sich schier wundern, daß er sein Licht so lange unter den 
Scheffel gestellt und erst im späteren Lebensalter eine so epoche- 
machende Ausgabe eines koptischen Papyrus veranstaltet hat, 
die ihn mit einem Schlage zu dem' bedeutendsten Kenner der 
koptischen Sprache stempeln würde. Im übrigen erlauben wir 
uns kein Urteil über ihn als Schriftsteller, da wir keine Zeit 
gefunden haben, uns in seine Schriften zu vertiefen. Nach den 
Reklameblättern soll v. der Planitz „einer der größten lebenden 
deutschen Dichter sein", der „sich aus eigener Kraft eine litera- 



Der Benaiibrief. 7 

rische Stellung geschaffen, die ihn über die große Mehrzahl der 
andern heraushebe". Er wird bezeichnet als „ein deutscher 
Sienkiewicz", als ein „Wahrheitssucher", der „von edelstem 
Idealismus getragen", der „zweifellos zu denen gehöre, welchen 
die nächsten Sitze nahe den ganz Großen gebühren." So kann 
sich v. der Planitz zahlreicher Bewunderer und Bewunderinnen 
rühmen. Aber ein Dichter und Komanschriftsteller ist in unsern 
Augen noch kein Gelehrter und Forscher; beide Naturen ver- 
tragen sich gewöhnlich nicht in einer Brust. 

Die Benanserie umfaßt im ganzen fünf Bände. Die Text- 
ausgabe enthält zwei Bände unter dem Gesamttitel: „Ein Jugend- 
freund Jesu. Brief des ägyptischen Arztes Benan aus der Zeit 
Domitians. Nach dem griechischen Urtext und der späteren 
koptischen Überarbeitung." Erster Teil: „Die Ereignisse bis 
zum Tode Jesu", zweiter Teil: Die Ereignisse nach Jesu Tod." 
An diese Textausgabe schließen sich zwei Bände Kommentar, 
betitelt: „Leben und Kultur zur Zeit Christi" und „Rom und 
Reich zur Zeit der ersten Christen." Den Abschluß bildet eine 
umfassende Darstellung der an der Hand der neuentdeckten 
Quelle gewonnenen Erkenntnisse, betitelt: .Jesus und sein Werk 
im Lichte des Benanbriefes." Da v. der Planitz seine Ausgaben 
ohne Jahreszahlen veröffentlicht hat, lassen sich diese auch nicht 
genau feststellen. 

Was ist nun der Benanbrief? Welches ist sein Inhalt? Als 
Verfasser gilt Benan, ein ägyptischer Priesterarzt aus Memphis, 
der an seinen Freund Straton, den Rhetor und ehemaligen Ge- 
heimsekretär des Kaisers Tiberius einen umfangreichen Brief 
schreibt, in welchem er gewissermaßen seine eigenen Memoiren 
der Nachwelt anvertraut. Benan ist mit Straton bekannt ge- 
worden, als er im Amphitheater in Pompeji von dem Ausbruch 
des Vesuv überrascht wurde und dem drohenden Tode durch 
eine glückliche Flucht auf einer Galeere des Plinius nach der 
Insel Capri entronnen war. In dem angeregten Gespräch mit 
Straton kam die Rede auf die Christianer. Benan gibt sich als 
Jugendfreund des von den römischen Christen verehrten Jeho- 
schua zu erkennen und auf der andern Seite erkennt Straton 
in letzterem den Mann, dessen• Schweißtuch einst den todkranken 
Tiberius geheilt. Deshalb möchte er gern Näheres über den 
ägyptischen Jehoschua erfahren, aber da gerade eine günstige 



8 Sckmidt-Grapow : 

Schiffsgelegenheit zur Abreise nach Ägypten sich bietet, trennt 
Benan sich von Straton mit dem Versprechen, seine Erinnerungen 
über seinen Jugendfreund ihm schriftlich zu übersenden. 4 Jahre 
sind seitdem verflossen; Straton ist inzwischen nach Rhodos über- 
gesiedelt und hat von dort einen Mahnbrief an Benan gerichtet. 
Letzterer beginnt seinen Bericht mit dem Stern der Weisen und 
Jesu Geburt. Ein gewisser Putiphra, Astronom auf der Stern- 
warte zu Anu-Heliopolis, ist zur Entdeckung des Siriussternes 
in das Land der Apriu (= Hebräer) von dem Oberpriester des Re- 
Tempels, Ranebchru geschickt, und entdeckt diesen am 1. Mesori, 
wo am selben Tage und zur selben Stunde ein Knäblein ge- 
boren wird. Dieses wird ihm zur Erziehung von den Eltern 
übergeben, und so gelangt das Kind nach Anu, wo es von 
Ranebchru in ahnungsvollem Schauen der künftigen Größe in 
einem Tempelgebet an Re begrüßt wird. Ranebchru läßt das 
Kind durch eine jüdische Amme im benachbarten Leontopolis 
aufziehen. Schon frühzeitig wird er zum Rabbiner durch Pinehas, 
den Oberpriester des jüdischen Oniastempels , ausgebildet; das 
hindert ihn aber nicht, den Verkehr mit seinem väterlichen heid- 
nischen Beschützer aufrecht zu erhalten. Als er das Alter von 
12 Jahren erreicht, stirbt Putiphra, und es erwacht in dem 
Knaben die Sehnsucht nach der Heimat und der Mutter. Nach 
glücklicher Seefahrt und Landung in Tyrus erreicht er Nazareth, 
wo er die Eltern und Geschwister vorfindet. In ihrer Begleitung 
begibt er sich zu Ostern nach Jerusalem und erregt als Leser 
der Schriften und Deuter der Propheten das größte Aufsehen 
unter den Schriftgelehrten. Aber bald packtihn wieder die Sehnsucht 
nach den Brüdern in Ägypten, und die Mutter muß ihn schweren 
Herzens wieder ziehen lassen. Nach seiner Rückkehr nach 
Leontopolis wird er von jetzt ab ständiger Gast in Heliopolis. 
Benan, der dort zur Erlernung der ärztlichen Kunst ebenfalls 
weilt, schließt mit ihm Freundschaft und tauscht mit ihm seine 
religiösen Ansichten über den einzigen Gott, den allgütigen Vater 
aus. Später übt Jehoschua seine ärztliche Kunst, wie er sie bei 
den Priestern gelernt hat, aus und erregt großes Aufsehen wegen 
seiner glänzenden Heilerfolge. Die heimischen Frauen sind von 
heimlicher Liebe zu dem stattlichen'Fremdling erfüllt, insbesondere 
die Asartis, Tochter des reichen Getreidehändlers Senbu, ohne 
daß diese aber irgendwelche Gegenliebe findet. Im Alter von 



Der Benanbrief. 9 

26 Jahren erhält Jehoschua den Besuch von seinem berühmten 
Landsmann Philo von Alexandrien und führt 10 Tage lang tief- 
sinnige Gespräche über religiöse Probleme, nachdem er früher 
mit der jüdischen Sekte der Therapeuten Bekanntschaft ge- 
macht und von ihnen Einflüsse erfahren hatte. Sterbend ruft 
Pinehas seinen Liebling Jehoschua an sein Lager und fordert 
ihn auf, als Lehrer und Heiler in das Land der Väter zu ziehen. 
Diesem Wunsche gemäß verabschiedet er sich von Ranebchru 
und schließt sich einer Karawane nach Hebron an, indem er die 
trauernde Asartis zurückläßt. Nach Verlauf von 3 Jahren, da 
keine Kunde von dem Abgereisten nach Anu gelangt war, wird 
auf Veranlassung von Asartis Benan behufs Forschung nach dem 
Schicksal des Jehoschua abgeschickt. In Begleitung des mit 
ihm befreundeten Arztes Saites aus Koptos, unter Gebets- 
anrufungen des Ranebchru macht er sich auf und gelangt ge- 
rade am Tage der Kreuzigung vor Jerusalem an. Noch auf dem 
Wege erfährt Benan das traurige Schicksal seines Freundes und 
begibt sich zunächst nach Bethanien, um in der Frühe des 
nächsten Morgen die Richtstätte Golgatha aufzusuchen. Da die 
Kreuze leer gefunden, begeben sich Benan und Saites zum Grabe 
und erleben hier die Naturwunder bei der Auferstehung und 
die Erscheinung des Auferstandenen selbst. Sie sind es auch, 
die den beiden Frauen in ihren weißen Priestergewändern be- 
gegnen; dann aber kehren sie nach Bethanien zurück, wo sie im 
Hause des Lazarus die trauernde Mutter Jesu treffen und ihr 
Kunde von dem Auferstandenen bringen. Wiederum erscheint 
ihnen Jesus und sie hören seine Wehklage über Jerusalem, ferner 
ein drittes Maliin Bethanien, wo er das Brot bricht, zuletzt läßt 
er die Jünger aus Jerusalem rufen und nimmt Abschied von ihnen 
mit dem Auftrage, seine Botschaft zu verkündigen. Benan bringt 
bei seiner Rückkehr dem Ranebchru und Senbu die Kunde von 
dem Tode des Jehoschua. Um sein Gedächtnis zu ehren, läßt 
Ranebchru die Priesterschaft bei dem Sphinx das Totengericht 
über den Fremdling abhalten, den er als den Gerechtesten und 
Treusten den Göttern der Unterwelt ans Herz legt. Während 
dieses Aktes tritt in Heliopolis ein unerhörtes Ereignis ein, 
nämlich das Erscheinen des Phönix im Sonnentempel, welches 
Ranebchru auf den unsterblichen Jehoschua deutet. Asartis aber 
kann den Tod des heimlich Geliebten nicht überwinden, alle 



10 Schmidt-Grapow: 

Trostsprüche können nichts helfen; von Trauer verzehrt, siecht 
sie dahin und wird durch den Tod von ihrem Liebeskummer 
befreit. 

Damit endet der 1. Teil des Benanbriefes und zugleich der 
Bericht über den Jehoschua von Anu-Heliopolis. 

Der 2. Teil enthält die Ereignisse nach Jesu Tod. Benan 
kommt als Begleiter einer schwer erkrankten vornehmen Römerin 
nach Italien und landet in Misenum gerade in dem Moment, wo 
der Kaiser Tiberius todkrank in der Villa des Lucullus danieder- 
liegt. Im Vertrauen auf die Kunst der ägyptischen Arzte soll 
Benan helfen, aber vergebens; er kann nur noch die Einbalsa- 
mierung des Toten auf Befehl des Caligula ausführen und sich 
seinem Gefolge nach Rom anschließen. Er wird Leibarzt des 
Kaisers und nimmt in dieser Eigenschaft an den Feldzügen in 
Gallien und Britannien teil. Nach seiner Rückkehr tritt er in 
den Kreis der damals berühmten Literaten Roms, zu denen 
Seneca, Petronius, Martial, Persius, Juvenal, Epiktet und andre 
gehören. Das Amt eines kaiserlichen Leibarztes behält er auch 
unter Claudius bei; auch an dessen Sterbebette weilt er. Unter 
der Regierung des Nero wird er Zeuge des furchtbaren Brandes 
der Welthauptstadt und der daran sich anschließenden entsetzlichen 
Christenverfolgung. Durch seinen inzwischen nach Rom übergesie- 
delten Sohn Nisakhons erhält Benan Kunde von der Sekte der Chri- 
stianer und erlangt dadurch die Gewißheit, daß diese mit den An- 
hängern seines Jugendfreundes Jehoschua von Anu identisch 
sind. Von Neugierde getrieben, will er die Christianer selbst 
kennen lernen, und so sucht er den im Tullianum gefangenen 
Paulus auf und trifft bei dieser Gelegenheit mit Seneca zusammen, 
der soeben eine Unterredung mit dem Apostel gepflogen hat. 
Benan wird Zuhörer einer gewaltigen Missionspredigt des Paulus 
und lernt bei seinem Weggange auch einen Kollegen, den Arzt 
Lukas, den Begleiter des Paulus, kennen. Es folgt die lebendige 
Schilderung der Christenmartyrien in den Gärten des Caligula 
und im vatikanischen Cirkus unter den Augen des Nero. Der 
Aufenthalt in Rom nähert sich dem Ende. Die Verschwörung 
des Piso gegen Nero bedroht nach der Aufdeckung auch das 
Leben des Benan, und so sucht er sein Heil in der Flucht. Zu 
Schiff gelangt er nach Antiochien in Syrien. Die politische 
Situation ist dort von schwarzen Wolken umgeben. Juden- 



Der Benanbrief. \\ 

massakers sind ausgebrochen, der Aufstand der Juden ist im An- 
züge. Infolgedessen nimmt die Flucht ihre Fortsetzung über 
Tyrus, Ptolemais und Sepphoris nach Galiläa. Unterwegs macht 
die Karawane in Nazareth Halt, da Benan die Heimat seines 
Jugendfreundes in Augenschein nehmen will, aber alle per- 
sönlichen Erkundigungen haben keinen Erfolg; nicht einmal die 
ältesten Bewohner wissen etwas von ihm und seiner Familie, nur 
eine trübe Erinnerung an Jakobus, den ältesten Bruder, ist ge- 
blieben. Die Ankunft in Jerusalem findet unter dem Eindruck 
der Niederlage der Römer unter Cestius statt. Der Aufstand der 
Juden ist in vollem Gange. Etwa 40 Jahre sind seit der ersten 
Anwesenheit in Jerusalem verflossen, eine große Veränderung des 
Äußeren der Stadt hat stattgefunden, aber auch die früheren 
Bekannten in Bethanien sind dahingestorben. Dagegen tritt 
Benan in Verkehr mit der Gemeinde der Nazarener, wird mit 
ihrem Vorsteher Jakobus und dem Apostel Johannes bekannt. 
Inzwischen sind heftige Parteikämpfe ausgebrochen, die viele 
Opfer fordern, darunter auch den Jakobus, der von der Mauer 
des Tempels in das Kidrontal gestürzt wird. Das veranlaßt den 
Johannes, den Benan als Freund der Nazarener zur Flucht nach 
Pella jenseits des Jordan aufzufordern, aber Benan bleibt in der 
Stadt, wird aber als römischer Spion von dem Gewalthaber Simon 
verhaftet, jedoch nach Heilung von dessen Frau auf freien Fuß 
gesetzt. So kann er nach Cäsarea abziehen, wo er mit Titus, 
dem Befehlshaber der römischen Legionen, zusammentrifft, zu- 
gleich auch mit seinem Sohne, der vorher aus Jerusalem ge- 
wichen. Er wird zum Leibarzt des Feldherrn erkoren und wird 
im Gefolge desselben Zeuge der Belagerung und Eroberung 
Jerusalems. Nach Abzug des siegreichen Titus bleibt er noch 
zur Pflege der Verwundeten zurück und erlebt noch eine groß- 
artige Predigt des Johannes auf den Trümmern der Stadt in- 
mitten der zurückgekehrten Nazarener. Benan schließt sich dem 
Gefolge des Titus wieder an, kommt zunächst nach Ägypten, wo 
er mit dem Apostel Markus zusammentrifft. In Rom erlebt er 
den Triumphzug des Vespasian und Titus über die Juden, unter 
denen er. den Führer Simon und den greisen Johannes nebst zahl- 
reichen Christianern erblickt. Lukas ersucht den Benan um Er- 
rettung des Johannes ; der erste Versuch bei Vespasian hat keinen 
Erfolg, doch auf Fürsprache bei Titus wird Johannes nach 



12 Schmidt-Grapow: 

Ephesus verbannt und letzterer verabschiedet sich in Gegenwart 
des Lukas bei einer gemeinsamen Mahlzeit von seinem . Retter. 
Benan begibt sich nach dem Tode des Vespasian nach Pom- 
peji und erlebt hier das Schauspiel der christlichen Märtyrer im 
Amphitheater und zugleich den Ausbruch des Vesuv. Damit 
kehrt die Erzählung wieder zum Anfang des Briefes zurück und 
beschließt mit einem Ausblick auf den Sieg des Christentums aus 
dem Munde des Heiden. 

Überblicken wir nun noch einmal das Ganze, so liegt ein 
umfangreiches Tatsachenmaterial vor, das auf den ersten Blick 
den Eindruck der Neuheit erweckt; aber das könnte nur für den 
gewöhnlichen Laien der Fall sein, der in eine ihm bisher un- 
bekannte Kulturwelt versetzt wird. Ein Fachmann läßt sich 
durch solche Eindrücke nicht täuschen; die Frische und Aus- 
malung bei der Schilderung ist nur eine scheinbare, in Wahrheit 
ist alles recht blaß gehalten, vor allem erhalten wir trotz der 
großen Stoffmasse keine wirklich neuen Erkenntnisse. Und das 
müßte doch unbedingt der Fall sein, hätten wir eine echte Ur- 
kunde aus dem 1. Jahrhundert vor uns. Wir müßten von neuen 
intimen Schilderungen der weltgeschichtlichen Ereignisse geradezu 
erdrückt werden; statt dessen ist der vorgetragene Stoff uns wohl 
bekannt, und das, was neu ist, trägt einen höchst zweifelhaften 
Charakter an sich. Das reich und mannigfaltig pulsierende Leben 
der römischen Kaiserzeit kommt garnicht zur Geltung, vielmehr 
schmeckt alles nach künstlicher Mache, riecht alles nach altem 
Bücherstaub. Überhaupt muß man sich sehr darüber wundern, 
daß ein einzelner Mensch in der damaligen Zeit an allen welt- 
historischen Ereignissen persönlich teilgenommen hat; man merkt 
nur zu sehr den Romanschriftsteller, der alles nach einem be- 
stimmten Plane komponiert und seinen Helden stets immer im 
entscheidenden Moment auf die Weltbühne bringt, so daß er wie 
ein deus ex machina bei der Kreuzigung Jesu, bei dem Brande 
Roms und der Eroberung Jerusalems erscheint. Und dabei 
schreckt der Verfasser auch nicht vor Absurditäten zurück, wenn er 
ζ. B. Philo im Oniastempel den Jesus besuchen läßt oder ein 
Gespräch Senecas mit Paulus inszeniert, um dem gefälschten Brief- 
wechsel zwischen Paulus und Seneca einen historischen Anstrich zu 
geben. Wie ist es ferner möglich, daß die nachPella geflüchteten 
Nazarener schon unmittelbar nach der Eroberung der Stadt, 



Der Benanbrief. 13 

wieder auftauchen und ihr Führer Johannes auf den Trümmern 
eine Eede hält? Wie malt der Schriftsteller sich die Mitnahme 
des soeben geborenen Jesusknäblein durch Putiphra nach Ägypten 
aus? Denn auf der langen Reise durch die Wüste hatte er doch 
keine Amme bei sich, und das arme Wesen müßte schon längst 
gestorben sein, ehe es Heliopolis erreichte. Nachträglich wird 
bemerkt, daß Eanebchru das Knäblein einer jüdischen Amme 
übergab. Hier scheint die Geschichte von Moses einen Einfluß 
ausgeübt zu haben, aber hier war auch die Übergabe des Knaben 
an eine Amme gleich nach der Auffindung durch die Tochter 
des Pharaoh wohl motiviert. Und nicht zuletzt müssen wir 
staunen über die ungeheure Frische des Gedächtnisses bei einem 
Manne von so hohem Alter. Da der Brief im Jahre 83 n. Chr. 
geschrieben sein soll und nach Meinung des Herausgebers (Bd. III, 
S. 14) Benan etwas jünger als Jesus war, so hatte er doch immer- 
hin das stattliche Alter von über 70 Jahren. 

Doch wir wollen nicht von vornherein als Kritiker und 
Skeptiker auftreten, sondern vielmehr den Versuch machen, die 
Worte des Herausgebers Bd. V, S. 156 zu beherzigen: „Den 
reinsten Genuß und die nachhaltigste Erbauung an dem Buch 
wird darum jeder Leser haben, der sich ebenso, als hätte er die 
Bibel in der Hand, ohne jeden polemischen Nebengedanken in 
die Erhabenheit dessen vertieft, von dem diese Schriftzeichen be- 
richten. Dann wird er in greifbarer Plastik die Gestalten vorüber- 
wandeln sehen, von welchen wir so viel hören und so wenig 
wissen, und er wird bestätigt finden, daß Religion und Ge- 
schichte untrennbar sind für sinngemäßes Betrachten". Dem- 
zufolge wollen wir auch zunächst mit Andacht die Begleitworte 
hören, die v. der Planitz seiner Ausgabe mit auf den Weg gegeben 
hat: „Nach 34 jährigem Studium und Quellenvergleich über- 
gebe ich hiermit den Benan-Brief der Öffentlichkeit. Diese alte 
Handschrift, welche der Polyhistor Rabenau Anfangs der sech- 
ziger Jahre des vorigen Jahrhunderts entdeckt beziehungsweise 
erworben hat, wird voraussichtlich den Anstoß geben, Betrachtung 
und Kritik des Lebens Jesu, die seit David Strauß schulmeisterlich 
klügelnder Atzarbeit in eine gewisse Brüchigkeit geraten sind, 
in neue Bahnen zu lenken. Zum mindesten wird der Benan- 
brief die Forschung veranlassen, in bezug auf die seit Jahr- 
tausenden im tiefsten Dunkel liegende Jugend des Heilands 



14 Schmidt-Grapow: 

ganz neue bisher unbeachtete Stoffgebiete zu betreten" (Vor- 
wort zu Bd. I S. 5). Und einen noch größeren Dithyrambus lesen 
wir im Vorwort zu Bd. II, S. 7 f.: „Wie schon der Titel „Die 
ersten Christen" andeutet, umfaßt der vorliegende zweite Teil 
des Benan-Briefes das Aufkeimen des Christentums nach dem 
Tode Jesu und zwar hauptsächlich in Jerusalem und Born, wo- 
selbst Benan Jahrzehnte lang Zeuge dieses Emporwachsens 
war. Daneben aber bietet der Briefschreiber wichtige Auf- 
schlüsse über das Leben im kaiserlichen Rom, die gesellschaft- 
lichen Zustände unter den ersten Cäsaren und das Gären in allen 
Teilen des römischen Reiches. Diese Aufschlüsse geben ein 
lückenloses abgerundetes Bild jener Zeit, das bis heute ziemlich 
verworren vor den Blicken der Nachwelt gestanden hatte. Erst 
wenn man die Schilderungen dieses Zeitgenossen eines Tiberius, 
Caligula und Nero gelesen hat, begreift man, daß eine Lehre wie 
die des Nazareners, welcher an Stelle stumpfen Genusses, brutaler 
Gewalt, viehischer Verrohung und läppischen Aberglaubens zum 
erstenmal die Würde des ebenbürtigen Menschen und das Ver- 
trauen zu einem allgütigen Gott proklamierte, gleich einem Sturm 
die Länder durchbrausen und die schwüle Luft klären mußte, 
welche so viele Jahrtausende die Gemüter sklavisch geknechteter 
Völker bedrückt hatte. Das Wunder der Erlösung, das bisher 
für die Nachwelt unbegreiflich inmitten der römischen Welt wie 
etwas Fremdes, Meteorartiges erschienen war, wird durch diesen 
Bericht zur historischen Konsequenz, die kommen mußte gleich 
dem Sprossen der Saat, nachdem der Boden gedüngt und be- 
reitet war. Das Christentum ist darnach nicht mehr der Triumph 
jüdisch-partikularer Reform ge danken, sondern das Aufleuchten 
einer Weltidee, wie sie erhabener und siegreicher in diesem 
brausenden Völkergetümmel nicht ersonnen werden konnte. Ob 
göttlich oder genial — die Idee des Christentums ist das Höchste, 
was jemals von menschlichen Lippen ausgesprochen und ver- 
kündet wurde, und selbst der Atheist wird in dieser Beleuchtung 
das „Wunder" als solches nicht zu leugnen vermögen". 

Aber wird der Β enanbrief der Menschheit diesen ungeheuren, 
unbezahlbaren Dienst leisten und uns von allen Zweifeln über 
die Entstehung des Christentums, vor allem über die innere 
und äußere Entwicklung seines Stifters befreien? Ist uns wirk- 
lich eine echte Urkunde mit lebendigen Reminiscenzen an Jesus 



Der Benanbrief. 15 

geschenkt, die wenn auch nicht alle, so doch manche Rätsel 
löst, die über die Zeit vor dem öffentlichen Auftreten in Palä- 
stina ausgebreitet sind? Können wir jene Worte des Heraus- 
gebers Bd. V, S. 21 unterschreiben? Sie lauten: „Mögen darum 
die einen den Benan-Brief als vollwertig anerkennen, andere 
als apokryph verwerfen, wieder andere als Ideenschöpfung 
irgend eines ägyptischen Mönches erklären, wieder andere ein 
Gedicht, nichts weiter nennen! Gleichviel! Das eine, worauf 
es allein ankommt, werden sie nicht zerstören können: das ist 
die Möglichkeit, den Benan-Brief als Ideen-Schlüssel zu benutzen 
zu dem großen Geheimnis, welches bisher das Leben Jesu umgab". 

Leider sind wir so grausamen Gemüts, alle diese schönen 
Illusionen zu zerstören. Denn für uns lautet die These nicht: 
„Trägt der Inhalt des aus dem Altertum stammenden Benan- 
briefes apokryphen oder authentischen Charakter", sondern also : 
„Hat überhaupt ein Brief aus der Feder eines ägyptischen 
Arztes Benan, sei es im griechischen, sei es im koptischen Ge- 
wände jemals existiert?" oder noch genauer: „Hat von der Planitz 
wirklich eine von ihm an der Hand eines antiken Originals an- 
gefertigte Übersetzung vorgelegt oder ist diese Übersetzung selbst 
eine ganz moderne Fälschung des Herausgebers?" Indem wir 
die Frage dergestalt formulieren, sind wir des Streites über den 
Wert oder Unwert der in dem Briefe enthaltenen Nachrichten 
zunächst überhoben und können gleich mit einer kritischen 
Untersuchung über die Herkunft, das Alter, die Sprache der 
Urkunde auf Grund der Angaben des Herausgebers beginnen. 

Nach Bd. V, S. 124 wurde der Benanbrief anfangs der 
60 ger Jahre des vorigen Jahrh. entdeckt ; nach S. 19 wird 
die Auffindung direkt auf das Jahr 1860 verlegt. Als Entdecker 
wird ein in München im Jahre 1879 im Alter von 82 Jahren 
verstorbener Polyhistor und Privat gelehrter namens Freiherr von 
Eabenau eingeführt. Nach Mitteilung an den Herausgeber hat 
Rabenau das Ms. persönlich von einem Fellachen des 
Dorfes Mit Rahine (südlich von Kairo auf dem Boden des alten 
Memphis gelegen) gekauft, indem der Verkäufer behauptete, die 
Papyrusrolle — denn um eine solche handelt es sich — in einer 
Grabkammer bei Sakkära gefunden zu haben. Der Käufer hatte 
keine Ahnung von seinem Schatze, denn erstlich war die Ur- 
kunde in viele Stücke zerbröckelt, so daß man den Inhalt nicht 



16 Schmidt-Grapow: 

sofort feststellen konnte , andererseits hatte er sie nur der 
Kuriosität halber erworben und mit nach Europa, d. h. nach 
München genommen. Erst an der Hand seiner Spezialstudien 
sei er allmählich darauf gekommen, welchen Schatz das zer- 
mürbte Material verberge. In jahrelanger Arbeit und mit un- 
säglicher Mühe wären die Fetzen zusammengefügt. Nach der 
Zusammensetzung erfolgte die Entzifferung, d. h. die Übersetzung 
des Textes. V. der Planitz behauptet, daß der Zustand des 
Originals eine fließende Übersetzung in modernem Sinne nicht 
ermöglichte. Zunächst war die Übersetzung eine rein mechanische, 
Wort neben Wort setzende, gleichviel ob die Worte, unterein- 
ander verglichen, einen Sinn darstellten oder nicht. Diese wort- 
wörtliche Übersetzung lag vor, als v. der Planitz im Jahre 1876 
den alten Herrn in München kennen lernte und im Frühjahr 1877 
aus seinem Munde von diesem Schatze hörte. Eine zweite ab- 
gerundete Verdeutschung, genauer: eine moderne Umarbeitung 
der ersten starren Wortübertragung sollte die nächste Etappe 
der Arbeit sein. Rabenaus Plan ging dahin, den Brief mit einem 
großen Kommentar in wissenschaftlicher Aufmachung für die 
Fachwelt zu veröffentlichen. An eine Ausgabe für das große 
Publikum dachte er nicht. 14 Jahre hatte er bereits an der 
Ausgabe gearbeitet, aber bei dem immerwährenden Zuwachs an 
Material kam er nie zu Rande. Daher kam die Idee auf, daß 
v. der Planitz, der junge Kulturhistoriker und Agyptologe, 
dem Rabenau als Assistent zur Seite stehen und unter seinen 
Augen das Manuscript zum Abschluss bringen sollte. Mit der 
ganzen Begeisterung der Jugend machte v. der Planitz sich ans 
Werk und in wenigen Monaten hatte er sich vollständig ein- 
gearbeitet. Als Vergleichsbasis für Materialstudien wurden das 
Antiquarium und die Glyptothek in München benutzt und dort 
zum Teil überraschende Resultate erzielt. Nach zwei Jahren an- 
gestrengtester Arbeit lag eine Übersetzung der UrÜbersetzung in 
modernem Gewände vor. In der Freude seines Herzens über 
das Gelingen der Arbeit schenkte Rabenau an seinem 80. Geburtstage 
dem Herrn v. der Planitz das Original unter der Bedingung, ihm den 
Papyrus bis an sein Lebensende zu überlassen, um so noch trotz seines 
hohen Alters Gelegenheit zu Verbesserungen und Neuentdeckungen 
zu besitzen. Herr v. der Planitz selbst sollte in Paris weiter seinen 
Studien obliegen und daselbst imLouvre in derselben Weise wie in 



Der Benanbrief. 17 

München die alten Denkmäler studieren und nach Vergleichs- 
material durchforschen. Infolgedessen reiste er im Herbst 1878 
im Besitze der zweiten verbesserten Übersetzung ab. Der väter- 
liche Freund starb bald darauf zu Anfang 1879. Sein Nachlaß 
soll verschleudert sein, ohne daß v. der Planitz Kunde davon er- 
hielt. Nach zweijährigem Aufenthalt in Frankreich kehrte v. der 
Planitz mit großer Ausbeute im Louvre heim , aber die Arbeit ge- 
riet wegen des Verlustes der Originalhandschrift ins Stocken; erst 
später nahm er die Publikation wieder auf, nachdem er für die 
Echtheit des Benanbriefes glänzende Bestätigungen gefunden 
hatte. Nach 34 jährigem Studium konnte die Ausgabe dem 
Publikum vorgelegt werden. 

Soweit der Bericht des Herausgebers (Bd. V, S. 124 ff). Wer 
ist nun der Entdecker und der erste Bearbeiter des Benanbriefes? 
Der Name des Herrn von Rabenau ist unter den Agyptologen 
eine unbekannte Größe, kein biographisches Lexikon, kein eigenes 
Werk gibt Kunde von seiner Existenz. Herr v. der Planitz setzt 
ihm Bd. V, S. 124 f folgendes Ehrendenkmal: „Ich bin im Laufe 
der folgenden Zeit mancher europäischen Berühmtheit gegenüber 
gestanden, Männern der Wissenschaft, Entdeckern und Forschern, 
Kathederrednern nnd Bücherschreibern: vor Rabenau konnte 
bisher keiner bestehen. Rabenau ist mir einer der Beweise dafür, 
daß die stillen, unbekannten geistigen Größen im Land vielfach 
die gefeiertsten Modeberühmtheiten turmhoch überragen, ohne 
daß mitunter der nächste Nachbar davon eine Ahnung hat. 
Rabenau hatte unter seinem schneebedeckten Scheitel ein Wissen 
aufgespeichert, das jedem die Wage hielt, sein Spezialgebiet 
konnte heißen wie es wollte. Rabenau, der als einsamer Jung- 
geselle ein stilles Gelehrtenleben führte, war nicht nur Ägypto- 
loge; seine Kenntnisse umklammerten ebenso die Mauern von 
Jerusalem, die Felswände der Akropolis und die Zinnen des 
Kapitols. Er war Polyhistor in des Wortes erschöpfender Be- 
deutung. Auf der Staatsbibliothek in der Ludwigstraße gehörte 
er zu den notorischen Erscheinungen. Den Mittelpunkt seiner 
Kreise aber bildete seine geliebte Bibel, ein Handexemplar im 
Umfang eines Lexikons. Es war mit Schreibpapier durchschossen 
und mit gelehrten, besonders sprachtechnischen, historischen und 
religionsphilosophischen Notizen vollgepfropft. Die ganze antike 
Kultur wurde von ihm nach Beziehungen zu dem Buche der 

T. u. U. '20: Schmidt-Grapow. 2 



18 Schmidt- Grapow: 

Hebräer durchstöbert. Auch die Ägyptologie und die damals 
noch in den Kinderschuhen steckende Assyriologie (Keilschrift!) 
waren für ihn nur Aussichtspunkte, um von ihnen sein gelobtes 
Land zu betrachten." 

Diese lebensvolle Schilderung kann nicht aus der Luft ge- 
griffen sein, wenigstens muß dahinter eine Persönlichkeit stecken, 
die wirklich gelebt hat. Aber wer ist diese ? Wir haben durch 
Herrn Prof. von Bissing, den derzeitigen Inhaber des ägypto- 
logischen Lehrstuhles in München, nach diesem geheimnisvollen 
Gelehrten Nachforschungen anstellen lassen, aber ohne jeden 
Erfolg. Das muß um so mehr wundernehmen, als in den 
60ziger und 70ziger Jahren Agyptologen aves rarissimi waren, 
deren Namen man in Deutschland an den Fingern abzählen 
konnte. Da gibt uns v. der Planitz einen kleinen Fingerzeig, 
hinter das Geheimnis zu kommen, wenn wir uns daran erinnern, 
daß er im Jahre 1876 die Universität München bezog, um kultur- 
historische Studien zu treiben. Gab es damals an der Universi- 
tät einen Agyptologen in offizieller Stellung? Allerdings, das 
war Prof. F. J. Lauth, der seit 1869 dieses Fach vertrat und 
seit 1875 ordentliches Mitglied der Münchener Akademie der 
Wissenschaften war. Das war in der Tat ein Polyhistor im 
wahren Sinne des Wortes, denn sein Wissen umspannte nicht 
nur das klassische Altertum, — er war ursprünglich Gymnasial- 
professor gewesen — sondern auch den Orient, speziell die Sprache 
der alten Ägypter, deren Entzifferung er seine Hauptkräfte ge- 
widmet hatte. Aber so profunde auch seine Gelehrsamkeit war, 
so ermangelte sie der Selbstzucht und trieb die merkwürdigsten 
Blüten, so daß er im Jahre 1882 mit der Akademie in Konflikt 
geriet und seine Mitgliedschaft niederlegte. Heinrich Brugsch 
hat von ihm in seiner „Ägyptologie" , 1891, S. 142 folgende 
Charakteristik gegeben: „Wir beklagen es aufrichtig, daß einer 
der kenntnisreichsten und philologisch durch gebildetsten älteren 
Agyptologen unter uns Deutschen, Prof. F. J. Lauth aus München, 
es nicht verstanden hat, seine ungebändigte Phantasie zu zügeln, 
sondern in wissenschaftlichen Werken und populären Schriften 
die Goldkörner seines Wissens in die Spreu unglaublichster Ein- 
bildungen zu werfen. Es hält schwer für den Nichtkenner 
der ägyptologischen Studien und ihrer Fortschritte das Echte 
von dem Falschen zu unterscheiden, so daß die nutzbringende 



• Der Benanbrief. 19 

Verwertung seiner zahlreichen Arbeiten mit den größten Gefahren 

für die wissenschaftliche Wahrheit verbunden ist 

Hätte Lauth es verstanden, mit weiser Mäßigung und mit Auf- 
gabe seiner exzentrischen Ansichten seinen Stoff zu behandeln, 
so würde er mit Recht den Ruf eines der verdienstvollsten Ge- 
lehrten erlangt und behauptet haben." — Steht nun fest, daß v. der 
Planitz in München ägyptologische Studien getrieben hat, so 
kann dies nur unter Lauth geschehen sein, denn zwei Agypto- 
logen gab es in dieser Zeit in München nicht. Da taucht der 
Verdacht auf, daß der Name von Rabenau ein Pseudonym ist. 
Auch paßt auf Lauth die Bemerkung, daß er seine Forschungen 
mit der Bibel in Zusammenhang gebracht hat, er hatte sich näm- 
lich auch mit den assyriologischen Studien beschäftigt, denn nach 
eigener Angabe „aus Ägyptens Vorzeit", 1881, S. 64 hat er einen 
populär gehaltenen Aufsatz in der Augsburger Allgem. Zeitung, 
1875 Nr. 174 veröffentlicht unter dem Titel: „Assyrische Ent- 
deckungen", speziell über die Flutsagen. Von hier aus versteht 
man auch erst den Satz in der Schilderung des Rabenau von 
seiten des Herrn v. der Planitz: „Die erst vor einigen Jahren 
so großes Aufsehen erregenden assyrischen Parallelen der Bibel- 
texte hatte er bereits 40 Jahre früher vorweg genommen. Als 
dahinter das berühmte Schlagwort „Bibel und Babel" auftauchte, 
konnte es mir nur ein Lächeln ablocken, so wenig neu waren 
mir diese pompös verkündeten „Entdeckungen" ". Und direkt 
auf Lauth werden wir gestoßen, wenn v. der Planitz fortfährt: 
„Es war die Zeit, in der kurz zuvor jene beiden ägyptischen 
Papyrus-Urkunden in hieratischer Schriftart bekannt geworden 
waren, welche zum erstenmal Hinweise auf Moses, den Hebräer, 
offenbarten". Denn einzig und allein Lauth ist es gewesen, der 
im Jahre 1868 eine Schrift veröffentlichte unter dem Titel: 
„Moses, der Ebräer nach zwei ägyptischen Papyrus-Urkunden 
in hieratischer Schriftart". Wir haben also in jenen Worten 
eine Paraphrase des Lauth'schen Titels vor uns, ebenso sind die 
weiteren Bemerkungen, wie wir noch feststellen werden, wört- 
lich diesem Buche entnommen. Also Rabenau und Lauth sind 
ein und dieselbe Persönlichkeit: das war wenigstens schon ein 
Resultat von einigem Wert für die Quellenforschung, und die 
Vermutung fand Bestätigung durch Herrn v. Bissing, dem die 
Schilderung des Herrn v. der Planitz mitgeteilt war: „alle Nach- 

2* 



20 Sehmidt-Grapow: 

forschungen nach einem Herrn v. Rabenau sind, wie vorauszu- 
sehen, vergeblich gewesen; schon ehe ich den Schluß Ihres 
Briefes gelesen hatte, war ich überzeugt, daß es sich um eine 
Hypostase des seligen Lauth handeln müsse. Ob er selbst sich 
einmal Rabenau genannt hat, kann ich nicht sagen. Zu Helio- 
polis hatte er sehr intime Beziehungen, und als Gymnasiast hat 
er auf mich einen solchen Eindruck gemacht, daß ich an ihn 
geschrieben habe, aber eine Antwort habe ich nicht erhalten". 
Freilich sprechen andere Momente gegen die Identität, denn 
Lauth ist nicht 1879 im Alter von 82 Jahren, sondern 1895 im 
Alter von 73 Jahren in München gestorben, er war 1822 geboren. 
Auch war er kein Privatgelehrter, sondern ein wohlbestallter 
Professor und lebte nicht einsam als Junggeselle, wenigstens war 
er schon 1848 verheiratet. Ob er als Witwer gestorben, ließ 
sich im Augenblick nicht feststellen. Hatte aber vielleicht v. 
der Planitz allen Grund uns den Namen seines Lehrers zu ver- 
schweigen, um die Benutzung von dessen Werken nicht zu ver- 
raten, und hat er deshalb seine Leser irre führen wollen? 
Jedenfalls erwächst Herrn v. der Planitz die Aufgabe, die Exi- 
stenz des Rabenau zu erweisen; es könnte ihm ja nicht schwer- 
fallen, unsere Hypothese umzustoßen. 

Nach Angabe des Herausgebers war das Ms. eine Papyrus- 
rolle. Sie war stark zerstört, und so mußte das Ganze erst 
mühsam zusammengesetzt werden. Da nun bei diesem Geschäft 
Textlücken oder schwer lesbare Stellen übrigbleiben, so ist dies 
auch bei unserem Papyrus vorauszusetzen. Nun weist der 
Benanbrief eine Anzahl Lücken auf, z. B. c. 56, 1 ; 61,6.7; 62, 1. 6 ; 
63, 1; 74, 1. Diese sollen alle ein gemeinsames Merkmal erkennen 
lassen (s. Bd. III, S. 9), daß sie nämlich sich nur auf solche 
Zeitabschnitte beziehen, in welchen der Autor in keinem Zu- 
sammenhang mit Jesus und den Christen stand (vgl. auch Bd. V, 
S. 148). Daraus folgert v. der Planitz, daß diese Abschnitte 
von einem späteren christlichen Besitzer als gegenstandslos be- 
seitigt worden sind, da man an dem Inhalt kein Interesse mehr 
hatte. Dann liegen aber diese Lücken vor der Abschrift des 
Ms's, sind also bewußte Eingriffe in den Text. Wo sind nun die 
Lücken auf Grund des schadhaften Materials? Die einzigen 
Stellen dieser Art scheinen in Bd. I aufzutauchen, nämlich 12, 15. 
16; 13,2; aber ist das bei dem Umfange des Ms. nicht etwas 



Der Benanbrief. 21 

zu wenig? Es ist ja möglich, daß die moderne Fassung der 
Übersetzung für das große Publikum diese Lücken unterdrückt 
hat; es sollten mithin die Leser in dem Genüsse ihrer Lektüre 
nicht gestört werden. Die freie Übersetzung zeigt sich sehr 
häufig in dem rythmischen Aufbau der Sätze, aber das durfte 
doch dem Übersetzer nicht einen Freibrief geben, seinen Text zu 
modeln, wie es ihm beliebt. Deshalb wäre eine Vorlage des 
Textes selbst eine dringende Notwendigkeit für die Kontrolle 
gewesen, aber dagegen sträubt sich v. der Planitz mit Händen 
und Füßen. Das erregt schweren Verdacht. Und mit der lücken- 
losen Übersetzung hängt sicherlich auch zusammen das Fehlen 
jeglicher Fragezeichen bei schwierigen Stellen und bei unbe- 
kannten Worten. Wer je ernsthaft mit der Übersetzung kop- 
tischer Texte sich beschäftigt hat, weiß ein Lied von der müh- 
seligen Arbeit zu singen. Nach v. der Planitz war die von 
Eabenau veranstaltete erste Übersetzung eine rein mechanische, 
wortwörtliche. Das sieht aber eher nach einem altägyptischen 
als nach einem koptischen Texte aus, denn bei hieroglyphischen 
Texten wandten die ersten Entzifferer die wortwörtliche Methode 
an, ohne auf den Sinn viel zu achten. Nun müßten aber im 
Texte zahlreiche Worte vorgekommen sein, die wir bisher 
nicht kannten. Hat der Übersetzer deren Bedeutung mit divina- 
torischem Blicke erraten? Hier kann uns nur der Text selbst 
Aufklärung geben. Aber dieser existiert ja heute nicht mehr: 
denn die Verschleuderung des Nachlasses beim Tode des Rabenau 
soll doch dem aufmerksamen Leser verraten, daß dabei auch 
das Ms. abhanden gekommen ist. Der Verlust war für v. der 
Planitz in jeder Hinsicht ein unersetzlicher, denn erstens war 
er des kostbaren Schatzes beraubt und zweitens mußte er die Publi- 
kation machen, ohne das Original zur Hand zu haben. Wundern 
muß man sich nur, daß v. der Planitz scheinbar keine Anstrengung 
gemacht hat, den Besitzer des Papyrus zu eruieren, aber noch 
mehr darüber, daß der Papyrus nicht im Laufe der Jahre irgendwo 
wieder aufgetaucht ist. So ist v. der Planitz wenigstens d-er 
Mühewaltung der Edition überhoben. Aber nein, es müßte doch 
noch eine Abschrift des Originals vorhanden sein. Denn eine 
Übersetzung eines koptischen Textes vom Original aus ist ein 
Ding der Unmöglichkeit. Der koptische Text zeigt nämlich 
scriptio continua und die einzelnen Wörter müssen erst sinngemäß 



22 Schmidt-Grapow: 

abgetrennt werden. Wenn nun Herr Rabenau 14 Jahre an der 
Übersetzung gearbeitet und weitere 34 Jahre v. der Planitz dem 
Studium und dem Quellenvergleich geopfert hat, so wäre das 
nur möglich, wenn neben dem Original eine Abschrift vorhanden 
war; auch werden wir an verschiedenen Stellen des Kommentars 
auf den Text verwiesen (vgl. 2, 5; 6, 10; 12, 16; 19, 11; 26, 12; 
34, 3; 35, 3; 54, 8; 55, 6; 59, 11; 62, 13). Könnte man wenigstens 
Einsicht in diese Abschrift nehmen! Ein solches Verlangen ist 
doch kein unbilliges. 

Das koptische Ms. soll eine Papyrusrolle darstellen. Das 
widerspricht den bisherigen Beobachtungen, denn bis heute ist 
noch kein einziges koptisches Literaturdenkmal auf einer Rolle 
aufgetaucht; unsere ältesten koptischen Papyrushandschriften 
kennen nur den Codex, d. h. die Buchform. Wiederum müßte 
der Benanbrief eine Ausnahme bilden. Und hinzu kommt noch 
die Frage nach dem Umfang der Rolle. Die Übersetzung des 
Textes umfaßt im Drucke ca. zwei Bände von zusammen 230 Seiten. 
Im 5. Jahrh., aus dem das Ms. stammen soll, war eine größere 
Unziale gebräuchlich, deshalb müßte die Rolle viele, viele Meter 
umfassen, ja eine Rolle könnte unmöglich den Text bieten, da 
ihre Länge eine gewisse Grenze hat. Über sechs bis sieben 
Meter kann die Länge nicht betragen. 

Noch rätselhafter wird die Sachlage, wenn wir hören, daß 
das Ms. in Memphis kopiert sein soll und der Text den boheirischen 
(memphitischen) Dialekt zeigt. Wie erwähnt, datiert v. der Planitz 
die Abschrift auf das 5. Jahrhundert. Hier müßte ein grober 
Irrtum vorliegen, denn im 5. Jahrhundert gab es überhaupt noch 
keine koptischen Übersetzungen im boheirischen Dialekt, viel- 
mehr stammen unsere ältesten Hdd. aus dem 9. Jahrhundert. 
Vorher waren die Denkmäler der koptischen Literatur im ober- 
ägyptischen bzw. thebanischen Dialekte abgefaßt, nur im Gau 
von Achmim, wo das berühmte Kloster von Atripe lag, war noch 
längere Zeit der Lokaldialekt des Achmimischen herrschend und 
in diesem Dialekt sind uns die ältesten koptischen Denkmäler 
erhalten. Im übrigen ist die koptische Literatur im memphi- 
tischen Dialekte fast ausschließlich durch das Medium der 
thebanischen Übersetzungen hindurchgegangen. Wie kann also 
ein memphitischer Papyrus überhaupt existieren? Und weiter 
hören wir, daß als Fundort des Papyrus das Jeremiaskloster in 



Der ßenanbrief. 23 

Memphis, genauer Sakkära, nach den sicheren Nachforschun- 
gen sich herausgestellt habe. Das kann noch nicht Rabenau 
gewußt haben, da v. d. Planitz Bd. V, S. 128 auf die im Jahre 1908 
angestellten Ausgrabungen verweist. Von den Publikationen des 
Herrn Quibell scheint v. der Planitz keine Ahnung zu haben, denn 
sonst hätte er dort entdeckt, daß alle Inschriften auf den Grab- 
stelen des Klosters, das vom Ende des 5. Jahrh. bis zur Mitte 
des 9. Jahrh. existierte, den thebanischen Dialekt aufweisen. Wie 
kann also ein memphitischer Papyrus in diesem Kloster auf- 
bewahrt sein? Es macht in der Tat den Eindruck, als ob hier 
vom memphitischen Dialekt geredet wird, weil als Fundort 
Memphis angegeben wurde und infolgedessen Stadt und Dialekt 
miteinander identifiziert wurden. 

Aber vielleicht sind das in den Augen des Herrn v. d. Planitz 
professorale apodiktische Behauptungen ohne jede reale Basis; 
deshalb wollen wir seiner Aufforderung gemäß das ganze Werk 
auf uns wirken lassen. Dabei erlebt man die überraschende Tat- 
sache, daß der Text einen ganz hybriden Charakter trägt. Neben 
rein griechischen Worten und Redensarten wie 5, 3: Charin soi 
echo mürian; 6, 12: Eu soi genoito hä poreia; 59, 8: Tinos deo- 
menos häkeis; 74, 9: Ouch hora mellein ist der Text mit zahl- 
reichen lateinischen Redensarten und Worten gespickt. Da hören 
wir von Tablinum, Peristylium, Vestibulum, Cestus, Fauces, 
Cinctus, Cuniculus, Cavea prima, Populäres, Muliones, coena 
viatica etc. etc.; ferner treten uns Redewendungen entgegen, wie 
z. B. 3, 3: Christiani ad leones; 3, 7 Ludus de morte Oaesaris; 
10, 11: Dominus etDeus noster sie fieri jubet; 41, 10: Igne Natura 
Renovatur Integra; 69, 3: Oderint dum metuant; 64, 4: histrio, 
auriga collustrat sua ridicula; 67, 4: manum de tabula; 67, 8: 
Credat Judaeus Apella; 71, 9: Nulluni niagnum ingenium sine 
mixtura dementiae etc. etc. Dazu kommen rein ägyptische Wort- 
formen und Ausdrücke, wie z.B. neb, jeterho, romet, mafka, 
uzat, techen, metu, mapu, marina, neh,cherheb, ferner Personen- 
namen wie Benan (passim), Heribaset (55, 11), Hathorse (61, 3), 
Nisakhons (61, 3), Putiphra (8, 7), Hartatef (12, 16), Mesu (12, 16), 
Bakenchons (12, 16), Ranebchru (passim), Sebekhotep (8, 5), Ra- 
messu (12, 15), Menuptah (8, 2; 12, 17. 18) etc., Ortsnamen wie 
Netercherti (53, 3), Abidu (53, 4), Patores (55, 7), Roseti (54, 8), 
Amenti (55, 15), Anu (passim), Enet (33, 8), Net (2, 1; 17, 4), 



24 Schmidt- Grapow: 

Tes-Hor (100, 5), Sechet-Amiu (100, 8) etc., Götternamen wie 
Nepera (1, 2), Hapi (1, 5), Ptah (1, 5), Bennu (54, 4), Sopdet (9, 1), 
Hap(2, 6), Besä (26, 9) etc., Völkernainen wie Apriu(9, 2), Fencha 
(Korn, zu 1, 2), Aolana (12, 17) etc. Zu diesen treten sogar hebräisch- 
aramäische Wörter wie Jeschua (44, 11), Jehoschua (passim), 
Jeruschalajim (44, 11), Sefillan (22, 10), Hasajja (32, 6). Und dann 
vor allem die Titel- und Eandzeichnungen des Urtextes, wie sie 
Bd. I, S. 11 und 'Bd. II, S. 9 abgedruckt sind! Diese muten in 
einem koptischen Ms. geradezu grotesk an. Unwillkürlich fragt 
man: Cui bono? Denn es liegt doch eine Übersetzung yor, die 
für koptische Leser, besonders für die Mönche, bestimmt war! 
Wenn wir auch zugestehen, daß die Kenntnis der griechischen 
Sprache unter den ägyptischen Christen weit verbreitet war: die 
lateinischen und hebräischen Brocken mußten für sie gänzlich 
unverständlich sein. Ein Übersetzer hätte ihnen solche Hiero- 
glyphen nicht angeboten. Und welcher Gebildeter der heutigen 
Zeit könnte wohl den Brief ohne Zuhilfenahme eines Kommentars 
verstehen! Ein Kopte konnte leider den von v. der Planitz an- 
gefertigten noch nicht benutzen. Da muß man sagen: DerBenan- 
brief war für den koptischen Leser eine unverdauliche Speise. 
Aber kennen wir denn aus dem Altertum ein einziges Werk, sei 
es in lateinischer, sei es in griechischer Sprache, das solchen 
Mischmasch aufweist? Wir glauben, auch v. der Planitz wird uns 
keines dieser Art aufführen können. Da drängt sich die Ver- 
mutung auf, daß wir gar kein antikes Werk, sondern ein modernes 
Machwerk vor uns haben. Denn in modernen Büchern, bzw. 
Komanen gibt man für den gebildeten Laien solche fremd- 
ländische Brocken zum Besten. 

Nun, auch Herr v. der Planitz hat sich über diesen Tatbestand 
seine Gedanken gemacht und folgende These ausgeheckt: Der 
Originalbrief, den Benan anStraton abgeschickt, war in griechischer 
Sprache abgefaßt, da diese die damals herrschende Welt- und 
Verkehrssprache der Gebildeten war und ein Grieche mit einem 
Briefe in demotischer Sprache nichts anfangen konnte. Zwischen 
der griechischen und der koptischen Übersetzung müsse sich 
außerdem ein Bindeglied in demotischer Sprache befunden haben. 
Dies beweisen die zahlreichen altägyptischen Namen wie Benan, 
Nepera, Menab, Sebekhotep (hieroglyphisch mit einem Krokodil 
im Namen), Putiphra, Ranebchru, Hathorse, Nisakhons etc., welche 



Der Benanbrief. 25 

sich in die koptische Übersetzung verirrten. Im griechischen Ur- 
text waren die ägyptischen Namen gräzisiert worden: Benan in 
Bäon, Putiphra in Petephres etc. Nach langer Frist wäre dann 
ein Kopte gekommen und hätte aufs neue übersetzt, hätte aber 
mit den verschiedenen Namen nichts anfangen können. Die als 
Bandzeichen stehengebliebenen Hieroglyphen wären ihm vollends 
Eätsel gewesen; daher hätte er sie gemischt mit griechischen und 
demotischen Namen einlach stehen lassen. So käme es, daß im 
Text jetzt griechische, demotische und koptische Namen und allerlei 
hieroglyphische Zwischenzeichnungen für ein und dieselbe Person 
sich vorfänden. Mit den Ortsnamen wäre es nicht anders ge- 
gangen. Der Übersetzer schrieb richtig koptisch Membe, im 
Eifer des Geschäftes oder aus Gedankenlosigkeit ließ er ruhig 
Mennufer stehen, was demotisch wäre, und an andern Stellen 
schrieb er ganz gelassen wieder Memphis (also den griechischen 
Ortsnamen) ab. Aber auch andere Ortsnamen wie das ägyptische 
Anu, das griechische Heliopolis usw. wurden durcheinander ge- 
worfen. Das gleiche gelte von den zahlreichen griechischen und 
auch lateinischen Stellen, die der demotische Schreiber aus irgend- 
einem Grunde stehen ließ und die der Kopte dann einfach ab- 
malte. Aus diesen Erscheinungen folgert v. der Planitz, daß dem 
Kopten zwei Manuskripte, ein demotisches und ein• griechisches, 
vorgelegen hätten, nach welchem er seine Überarbeitung an- 
fertigte. Doch läßt v. der Planitz auch die Möglichkeit offen, daß 
Benan seinem ägyptischen Schreiber den Brief in ägyptischer 
Sprache (demotisch) diktiert und der Schreiber sodann auf dessen 
Geheiß darnach einen griechischen Text zurecht gemacht hätte. 
In diesem Fall hätten wir also ein demotisches Konzept und 
einen griechischen Botenbrief als Unterlagen für die späteren Ab- 
schriften. Als das Christentum auch in Memphis zur Herrschaft 
gelangt wäre und das Demotische abzusterben begonnen, wäre 
der heidnisch-demotische Brief in das christliche Koptisch über- 
tragen. In dieser zweiten Umwandlung wäre der jedenfalls noch 
im Text unveränderte Brief dann in römischen Besitz gelangt, 
oder wenigstens in den Besitz eines Mannes, der lateinisch sprach 
und schrieb. Das sollen die rätselhaften Buchstaben S. D. G. zu 
Beginn und die Buchstaben Q. D. B. V. am Ende des Briefes er- 
weisen. Wenn man die ersten Buchstaben mit dem römisch- 
christlichen Spruch „Soli Dei Gloria" und die zweiten mit „Quocl 



26 Schmidt-Grapow: 

Deus Bene Vertat" übersetze, so käme ohne weiteres Klar- 
heit in diese später geschriebenen Zeichen und die Persönlich- 
keit des Schreibers. Dieser Schreiber wäre ein die lateinische 
Kirchensprache beherrschender Christ (vermutlich ein Priester) 
gewesen, der mit den Buchstaben andeuten wollte, daß dieses 
Dokument eines Heiden nur deshalb verwahrt wurde, weil es 
christliche Reminiszenzen enthielt (Bd. V, S. 139 ff; vgl. Bd. III, 
S. 7ffu. Bd. IV, S. 7f). 

Man hat schon manchen blühenden Unsinn gedruckt gelesen, 
aber das hier Vorgetragene übersteigt doch alles Maß. In dem 
Benanbrief 67, 8 steht die Redensart: Credat Iudaeus Apella, die 
v. der Planitz im Kommentar Bd. IV, 38 richtig wiedergibt: „Das 
mag der Jude Apella dir glauben!" oder „Einem Schafskopf, aber 
nicht mir, magst du das weismachen!" Herr v. der Planitz scheint 
noch nie ein antikes Original in Händen gehabt zu haben, auch 
keine Ahnung von der Überlieferung antiker Abschriften zu be- 
sitzen. Ein koptischer Abschreiber soll gedankenlos die heid- 
nische Sonnenscheibe oder den Horusgott mit der Doppelkrone ab- 
gemalt haben! Ein koptischer Schreiber soll einen demotischen 
Text übersetzt haben! Das erstere hätte gegen seinen christ- 
lichen Glauben verstoßen, das zweite wäre an seiner Unkenntnis 
des Demotischen gescheitert. 

Vor allem, wenn es sich um einen koptischen Text handelt, 
so müßten die ägyptischen Wörter in griechischer Buchstaben- 
schrift, die ja auch die Vokale bezeichnet, wiedergegeben sein. 
Diese Sachlage ist darum außerordentlich beachtenswert, weil be- 
kanntlich die ägyptischen Schriftarten (Hieroglyphisch, Hieratisch, 
Demotisch 1 ) nur die Konsonanten schreiben, die Vokale aber 
gänzlich unbezeichnet lassen. Uns lägen also, wollten wir dem 
Papyrus glauben, in diesen Worten und Namen vokalisierte 
Formen vor, die wir — wäre der Brief echt — wissenschaftlich 
garnicht hoch genug einschätzen könnten; zeigen sie doch einen 
so auffallenden Vokalismus, daß man sie nur als uralte Formen 
ansprechen könnte, und nicht als Vokalisationen, wie Benan oder 
der koptische Schreiber sie zu ihrer Zeit, also im 1. bzw. im 



1) Herr v. der Planitz scheint mit dieser Unterscheidung nicht ganz 
vertraut zu sein, denn im Kommentar Bd. III, S. S spricht er vom Hiera- 
tischen, meint aber das Demotische. 



Der Benanbrief. 27 

5. Jahrh. n. Chr., gehört und gesprochen haben müßten. Wir 
sagen „müßten", denn wir besitzen für eine Anzahl von alt- 
ägyptischen Worten und für nicht wenige Eigennamen aus 
griechischen und koptischen Urkunden solche späten Wieder- 
gaben, die aber ein ganz anderes Aussehen haben als die Wort- 
formen des Benanbriefes. Diese zeigen nicht nur sehr merk- 
würdige volle Vokale verschiedener Färbung, sondern auch noch 
den vollständigen Konsonantenbestand, wie ihn das einzelne Wort 
wohl vor Jahrtausenden besessen haben mag, aber zu Beginn 
unserer Zeitrechnung nicht mehr aufweisen konnte. Denn die 
Worte sind im Laufe der Sprachgeschichte sowohl im Konsonanten- 
bestand als auch im Vokalismus stark vereinfacht und ver- 
schliffen worden. Von Pi-dj-pB-r [dem Putiphra des Briefes' 
war zu der Zeit, in der der Brief geschrieben sein soll, nur noch 
etwas wie pdpr übrig, das man πετεφρη sprach. Der Gottes- 
name Sbk [in Sebekhotep des Briefes] lautet in den damit ge- 
bildeten Eigennamen nur noch öox-, ΰεκ-, ϋνκ-, 6κε-, hat also 
sein b längst verloren 1 ; der Stadtname iwnw [Benans Ami] 
wurde etwa 'ön (vgl. )Mk) gesprochen; der Name Nisakhons würde 
etwa έϋχωνοις gelautet haben usw. Also Formen, wie sie dem 
Briefschreiber geläufig sein mußten, liegen uns in jenen Wörtern 
nicht vor. Aber auch keine alten Formen! Die scheinbar so 
echten ägyptischen Namen etc. des Benanbriefes gehen nämlich 
in Wirklichkeit auf ganz andere und recht trübe Quellen zurück, 
Da die ägyptische Schrift, wie erwähnt, nur die Konsonanten 
bezeichnet, so müssen wir — wollen wir uns diese Konsonanten- 
gruppen überhaupt aussprechbar machen — Vokale einschalten, 
die natürlich zum Teil ganz willkürlich gewählt sind, zum Teil 
auf die späteren koptischen Wortbildungen zurückgehen. Wir 
nehmen uns das Recht zu diesem Verfahren, sind uns aber stets 
bewußt (oder sollten es wenigstens sein), daß die so gewonnenen 
vokalisierten Formen künstliche Gebilde sind; kein alter Ägypter 
irgendeiner Zeit würde auch nur ein Wort verstehen, hörte er 
uns in diesem künstlichen Idiom sprechen. Was Nepera sein 
sollte, könnte er nicht ahnen; erst .wenn wir das Wort auf- 



1) Vgl. dazu Kommentar zu 8,5: „Sebekhotep ist ein echter alter 
ägyptischer Name, der jedenfalls aus der Umschrift stehen blieb. Eine 
hieroglyphische Randnotiz zeigt das Bild eines Krokodils in seinem Namen !" 



28 Sckniidt-Grapow: 

schrieben, würde er wissen, daß der Getreidegott gemeint sei, 
dessen Name den Konsonantenbestand nprj hat. Nun hat sich 
diese Erkenntnis der völligen Vokallosigkeit der ägyptischen 
Schrift erst in den letzten Jahrzehnten in der Wissenschaft 
durchgesetzt. In den siebziger Jahren, als v. d. Planitz seine 
..Studien" unter Lauth in München machte, wußte man davon im 
Allgemeinen noch nichts, man hielt insbesondere die Zeichen für 
die jetzt als Konsonanten erkannten Laute Aleph (i), Aji'n ( ), 
w und/ für echte Vokalzeichen, die man a, o, u, i, e und ähnlich 
las und sprach. Daraus folgt mit Evidenz, daß das Ms. nicht 
aus dem Altertum stammen kann, es müßte denn sein, v. der Planitz 
suche sich durch die Ausflucht zu retten, daß diese Vokalisierungen 
von ihm mit Bewußtsein vorgenommen seien. Aber dann entsteht 
die Frage, wie denn diese Wortformen im koptischen Ms. lauten. 

Doch auch dies wird den Fälscher vor seinem Schicksal 
nicht retten. Denn er behauptet doch, daß der Benanbrief in 
einer koptischen Bearbeitung im memphitischen Dialekt vorliege. 
Wenn das wirklich der Fall, müßte doch dieser Dialekt bei Be- 
sprechung einzelner schwieriger Stellen zutage treten. Da lesen 
wir Komment, zu 2, 5: Im Text steht nicht „Sonne" sondern Neb 
d. i. „der Herr". Das ist aber nicht koptisch, sondern alt- 
ägyptisch; im Kopt. lautet „der Herr" nicht Neb, sondern TTINHB 
tmemphit.) Das gleiche gilt von Komment, zu 6, 10: „Im Text: 
..Jeterho", womit der ägyptische Priester-Gelehrte den Nil be- 
zeichnete;" der koptische Übersetzer hätte doch ohne Zweifel für 
den Nil FtFpo theb., oder lApO, lApco memph. eingesetzt. 
Ganz unglaublich klingt die Bemerkung im Komment, zu 19, 12: 
.,Im Text steht romet" = Menschen. Das ist aber die moderne 
Vokalisierung des Konsonantenbestandes von rmt der ältesten 
Epoche; in der demotischen Zeit war das auslautende /von rmt 
längst verschwunden, die Kopten sprachen theb. po>MF, memph. 
pCDMl. In einem echten memphitischen Texte müßte also letz- 
tere Form auftauchen. 

Doch wir wollen von diesen ägyptischen Wörtern absehen 
und Uns den griechischen ■ zuwenden. Bekanntlich sind die kop- 
tischen Schriften mit zahlreichen griechischen Wörtern durch- 
setzt, da die heimische Sprache zu arm war, um sie wieder- 
zugeben, aber man gliederte diese griechischen Wörter gram- 
matikalisch in das Satzgefüge ein. Nun lesen wir im Komm. 



Der Benanbrief. 29 

zu 19, 15: „Im Text blieb die griechische Bezeichnung kyrios 
pantokrator unübersetzt stehen". Diese Gruppe war den kopt. 
Übersetzern ja aus der Bibel wohl bekannt, sie gaben sie stets 
mit nxOElC ΓΠΤΑΝΤΟΚρΑΤωρ (theb.) oder TTiTc ΤΤΙΠΑΝΤΟ- 
ΚρΑΤΟΰρ (memph.) wieder. Nicht besser sieht eine zweite Stelle 
aus, wenn es im Komment, zu 22, 5 heißt: „Im Text blieb die 
Bezeichnung kyrios ton dünameon unübersetzt stehen". Auch 
hier hätte der Übersetzer das ihm geläufige TTXOFIC ΝΝΆγΝ AMIC 
(theb.) oder 17()C NNl^yNAMTC (memph.) eingesetzt. Wo bleibt 
nun der koptische Text? Von diesem findet man im ganzen 
Briefe keine Spur. Der Herausgeber scheint überhaupt keine 
Ahnung von der koptischen Sprache zu haben, er hat wohl noch 
nie einen koptischen Text in der Hand gehabt und doch will er 
einen so schwierigen Text übersetzt haben! Da müßten wirklich 
Wunder geschehen sein. Und wer soll ihm glauben, daß er 
34 Jahre auf diese Editionsarbeit verwendet hat! Denn dann 
hätte er die besten Jahre seines Lebens geopfert und, um es 
gleich offen auszusprechen, ganz nutzlos. Eine solche Editions- 
arbeit setzt Bodenständigkeit voraus, oder will Herr v. der Planitz 
etwa behaupten, daß er das Ms. auf seinen weiten Eeisen mit- 
genommen hat? Und wie viel Zeit blieb ihm bei seiner sonstigen 
literarischen Fruchtbarkeit für den Benanbrief übrig? 

So treten uns auf Schritt und Tritt Anstöße schwerwiegenster 
Art entgegen, die die Echtheit des von v. der Planitz heraus- 
gegebenen Textes in Frage stellen. Wir wollen die bisher ge- 
wonnenen Beobachtungen noch einmal kurz zusammenfassen: 

1) Der als Entdecker und erster Entzifferer der Handschrift 
bezeichnete Freiherr von ßabenau ist ein Pseudonym, hinter dem 
sich höchstwahrscheinlich der Münchener Agyptologe Prof. Lauth 
verbirgt. 

2) Die lückenlose Übersetzung der angeblich zerfaserten 
Papyrusrolle ist auffällig. 

3) Papyrus rolle η für koptische Literaturdenkmäler sind 
bisher unbekannt. 

4) Boheirische Texte aus dem 5. Jahrhundert kann es nicht 
gegeben haben. 

5) Die zahllosen altägyptischen, griechischen, lateinischen, 
hebräischen Wörter verraten moderne Mache. In einem antiken 
koptischen Papyrus können sie nicht gestanden haben. 



30 Schmidt-Grapow: 

Gegen letzteren Punkt würde Herr v. der Planitz wohl am 
entschiedensten Protest einlegen und ihn als echte Professoren- 
weisheit charakterisieren, denn nach ihm sollen ja gerade die so- 
genannten altägyptischen Namenformen den „heidnisch-nationalen 
Standpunkt des ßenan" beweisen. Daher soll unser erster Nach- 
weis der Fälschung der Frage nach der Herkunft jener so echt 
klingenden ägyptischen Worte im Benanbrief gewidmet sein. 
Unsere Antwort lautet: Diese modernen Bildungen mit falsch ge- 
lesenen Vokalen hat v. der Planitz aus allerlei ägyptologischen 
Werken, mit besonderer Vorliebe aus den Büchern seines 
Lehrers Lauth zusammengetragen. Man braucht nur ein Werk 
oder eine Abhandlung γοη Lauth in die Hand zu nehmen, so 
begegnet uns der Name von Ann (=Heliopolis), denn für diese 
Stadt hatte er, wie wir noch sehen werden, eine besondere Ver- 
ehrung. Deshalb begreifen wir auch, warum sein gelehriger 
Schüler gerade Anu zum Mittelpunkt seiner Fälschung gemacht 
hat. — Putiphra, in der gräzisierten Form Petephres, der Astronom 
von Anu, stammt aus Lauth, Manetho und der Turiner Königs- 
papyrus, München, 1865 S. 153, wo es heißt: „Die Vokalisation 
des hebräischen Namens ist ganz buchstäblich treu die alt- 
ägyptische : Pu-ti-phra' während Πετεφρης der LXX die spätere 
Aussprache geworden". Das Wörtchen „spätere" hat der un- 
wissende Fälscher natürlich nicht verstanden, und so ist der Un- 
sinn von den zwei verschiedenen Formen im selben Briefe ent- 
standen mit der kritischen Bemerkung Komment, zu 8, 7, daß 
„ägyptische Namen in dieser gräzisierten Zusammensetzung damals 
im römischen Reich vielfach im Umlauf gewesen zu sein scheinen". 
Auch eine Übersetzung des Namens erlaubt sich v. der Planitz 
mit „Gabe des Phra". Das kann aber nicht von Lauth stammen, 
da dieser als Gelehrter ganz genau wußte, daß ph der Artikel 
zu Ra ist, also „Gabe des Ra" zu übersetzen ist, wie wir es 
richtig auch bei Lauth, Erklärendes Verzeichnis der in München 
befindlichen Denkmäler des ägyptischen Altertums, München 1865 
S. 55 lesen. Hat etwa v. der Planitz eine seiner sonstigen Schlimm- 
besserungen verbrochen, indem er jene Stelle benutzte? Denn 
in dem Benanbriefe lautet die Form sonst stets Re statt Ra; 
aus der Vorlage bei Lauth ist also Ra stehengeblieben. — Auch 
Sebekhotep ist ein uns bekannter Name, der aus Lauth's Manetho 
S. 235 abgeschrieben ist, wo er als ein König der 13. Dynastie 



Der Benanbrief. 31 

erscheint; Lauth handelt dort von dem Krokodil in dem Namen 
Sebek, deshalb verstehen wir bei v. der Planitz die Bemerkung 
im Komment, zu 8, 5, daß dieser Name ein echter alter ägyp- 
tischer ist, der jedenfalls aus der Urschrift stehen geblieben sei, 
und lustig erfindet er eine hieroglyphische Kandnotiz mit dem 
Bild eines Krokodils in seinem Namen. — Ein alter Bekannter 
ist ferner Bakenchons, der Oberbaumeister. Herr v. der Planitz 
will uns Mätzchen vormachen, indem er die Stelle 12, 6 ver- 
stümmelt wiedergibt mit Β ch . . . und im Komment, dazu sich 

als Fachmannn aufspielt: „Nach neuern Forschungen findet sich 
ein Oberbaumeister Bakenchons zur angegebenen Zeit in den 
Inschriften der Steinbrüche von Hamamat, ohne daß dort näheres 
über ihn angegeben wird. Ob dieser gemeint ist, bleibt dahin- 
gestellt". Es ist sehr niedlich, „von neueren Forschungen" 1 zu 
hören, denn in Wahrheit handelt es sich um die Übersetzung 
der Münchener Statue des Bakenchons, die Lauth in der Zeitschr. 
d. Deutsch.-Morgenl. Gesellsch. Bd. 17 (1863) S. 544ff. gegeben 
und auch in seinem „Verzeichnis" S. 45 f. kurz besprochen hatte. 
Die Ausgabe selbst hat v. der Planitz ohne Zweifel überhaupt 
nicht in die Hand genommen, er fand voll Genüge an dem „Ver- 
zeichnis". 

Von dieser Statue redet er auch Bd. V, 35 und entlehnt aus 
dem „Verzeichnis" die Angabe, daß die Stele aus dem 14. Jahrh. 
v. Chr. stammt und 1818 von Riffaud in Theben entdeckt wurde. 
Lauth hatte in wilder Kombination aus diesem Oberbaumeister 
des Amoneums in Theben zur Zeit Ramses II einen der Frohn- 
vögte der Hebräer beim Bau der Stadt Ramses gemacht und 
zugleich auf eine Inschrift im Steinbruche von Hammamat hin- 
gewiesen, auf welcher ein Bakenchons als 22. Vorfahr eines ge- 
wissen Tosortera-Imhotep unter Darius I genannt wird. Diese 
letzte Angabe hat v. der Planitz scheinbar mit dem Bakenchons 
auf der Münchener Stele verwechselt, oder hat er mit Absicht 
seine Quelle an dieser Stelle unterdrücken wollen? — Geradezu 
amüsant ist die Verewigung eines von Lauth falsch gelesenen 
Namens im Papyrus. Denn wenn es 8, 6 (vgl. 33, 13; 51, 6) heißt: 

1) Der Ausdruck „neuere Forschung" ist eine sehr geläufige Phrase 
(vgl. zu 8, 2; 12, 17. Bd. V, 57. 133. 135). Soll damit den Lesern Sand in 
die Augen gestreut werden oder geht vielleicht der erste Entwurf des 
Benanbriefes auf die 70ger Jahre zurück? Das würde manches erklären. 



32 Schmidt- Grapow: 

„Denkst du noch des großen Ranebchru, des Oberpriesters und 
gewaltigsten Dieners des Ee, des Rufers der goldenen Sonne", 
so soll, wie aus dem Kommentar zu 8,6 deutlich hervorgeht, 
„Rufer der goldenen Sonne" eine Übersetzung des Namens 
Ranebchru sein. Dieser ganze Unsinn geht auf Lauth, Manetho 
S. 214 zurück, wo er den Namen eines Königs der 11. Dynastie 
Ra-neb-chru liest (statt Neb-cheru-Re, denn die Ägypter stellen 
den Namen des Gottes in der Schrift gern voran) und fälsch- 
licher Weise mit „Solis aurei vox" übersetzt. Was macht nun 
v. der Pianitz mit seiner Vorlage ? Er übersetzt vox mit „Rufer", 
und so findet sich, wie durch ein Mysterium, der falsche Name 
Ra-neb-chru neben einer noch falscheren Übersetzung: „Rufer 
der goldenen Sonne" in dem angeblich 1800 Jahre früher ge- 
schriebenen Benanpapyrus! Das ist nun der Mann, der Jesu 
Größe und Zukunft geahnt haben soll! Sicherlich hat dieser 
König der 11. Dynastie sich nicht träumen lassen, welche Rolle 
er in einem modernen Jesusroman spielen sollte. 

Nach diesem Präludium kommen wir zu der Hauptperson, 
zu dem noch berühmteren Benan, dem Verfasser des Briefes. 
Diesen Namen hat v. der Pianitz aus Lauth, Manetho S. 249 f 
aufgegabelt, wo er als zweiter Hyksoskönig auftritt. Die uns 
bei den Excerptoren des Manethonischen Geschichtswerkes über- 
lieferten Namensformen dieses Hyksosfürsten sind: Bvojp, Βηων, 
Banon. Benan ist u. W. nicht handschriftlich überliefert, sondern 
eine von Lauth zurechtgemachte Form auf Grund seiner Um- 
schrift des Königsringes. Sie soll seine Etymologie decken: 
„Ben-än, offenbar ein semitischer Name, gebildet wie Benjamin 
„Sohn der Rechten"; er zerlegt sich von selbst in "p^ - !- 1 B en_ 
oin „Sohn des Auges", d. h. Lieblingssohn". Die Tollheit dieser 
aus der Luft gegriffenen Deutung, die Lauth selbst später wieder 
aufgegeben hat, um sie durch die nicht weniger verkehrte „Sohn 
der Wende" (Ägypt. Chronologie, Straßburg 1877, S. 136 f) zu 
ersetzen, kann nur ein Ägyptologe voll würdigen; aber Lauth 
ist doch wenigstens so weit vernünftig, daß er den Namen für 
„semitisch" erklärt — denn im Ägyptischen heißt der Sohn nicht 
ben, sondern sB, 6i-. Und noch etwas anderes hat Lauth richtig 
gesehen, daß nämlich die Variante ΒΗΩ,Ν ein Schreibfehler für 
Bvcov ist, der durch Verlesung von iVund Η entstanden. V. der 
Pianitz aber greift diese nie gesprochene falsche Schriftform 



Der Benanbrief. 33 

als Bäon auf, um dem ägyptischen Benan einen „von den Griechen 
und griechisch sprechenden vornehmen Römern" gebrauchten 
Bäon an die Seite stellen zu können. Er erklärt ferner den 
Namen für altägyptisch und geht in der Deutung noch über 
Lauth hinaus, indem er sagt: „Benan (Ben-Än) heißt zu deutsch 
„Sohn des Auges" oder „Sohn von An(u)". Also frei übersetzt: 
„Sohn der Sonne" (Bd. III, 11 f). Diese Bedeutung soll ergeben, 
daß ein interner Tempelname vorliege, wodurch Identität und 
Zugehörigkeit des Namenträgers zum Sonnentempel von Anu 
erwiesen sei. — Mit solchen „wissenschaftlichen" Erklärungen 
kann man in der Tat Berge versetzen. Das ist etwa so, als 
wenn jemand „der Tor" und „das Tor" verwechselte oder noch 
ärger; denn das angebliche Wort „an" für „Auge" schreibt 
sich l jn "py, das vermeintliche Anu-Heliopolis (denn das soll im 
Namen stecken) iwnw, also in hebräischen Buchstaben 1D1\ 
Wir haben uns lange gefragt, wie der Fälscher darauf gekommen 
ist, sich für den Helden seines Machwerks gerade diesen Hyksos- 
namen auszusuchen \ Die Erklärung dafür scheint uns in der 
Lauthschen Deutung des Namens zu liegen und in der Zusammen- 
stellung mit Benjamin 2 , denn hier hatte v. der Planitz ja einen 
Namen, wie gemacht, um in allen Sprachen des Papyrus ver- 
standen zu werden: für die Ägypter hieß er Benan, die Griechen 
und Römer sagten Bäon, die Juden Benoin. Dazu nun noch 
die selbstgefertigte Deutung „Sohn der Sonne"! Mehr bedurfte 
es nicht, um den Namen des Hyksoskönigs (beiläufig lebte dieser 
etwa 1650 v. Chr.) zum Zögling der Priesterschule in Heliopolis 
und Arzt in Memphis und zugleich zum Zeitgenossen Jesu zu degra- 
dieren. Aber wir sind mit dem Namen noch nicht zu Ende. 
Denn der Fälscher hat es sogar gewagt, die bei Lauth, Manetho 
S. 249 abgedruckte, lediglich konstruierte hebräische Etymologie 
■pi^p auf das „Titelblatt" zu setzen, mit dem er den ersten 
Band seiner Ausgabe „geschmückt" hat. Dazu setzt er oben- 
drein auch die angeblich Pap. Sallier I, 1, 7 vorkommende hie- 



1) Da er ein großer ägyptischer Arzt sein soll, so hätte sich Imhotep, 
der Asklepios der Griechen, an sich besser dafür geeignet, v. der Planitz 
hätte für diesen Namen bei Lauth, Manetho S. 145 das nötige Material 
finden können. 

2) Das Benjamin von Lauth hat v. der Planitz nicht vergessen, er 
bringt es Bd. III, 12. 

T. u. U. *20: Schmidt-Grapow. 3 



34 Schmidt- Grapow: 

ratische Schreibung des Namens (die, nebenbei bemerkt, auf 
einem Irrtum Lauths beruht) samt ihrer modernen, irrigen, hiero- 
glyphischen Transkription und einem BEN AN ΣΕΓ BH£iN l 
in griechischer Kapitalschrift. All diesen Unsinn fand er 
größtenteils a. a. 0. bei Lauth , vor und wagte es gleichwohl ihn 
als „Titel- und Randzeichnungen des Urtextes" seinen Lesern 
aufzuschwatzen! Aber da er sich offenbar nie selbst mit ägyp- 
tischer Schrift beschäftigt hat oder als Student nur kurze Zeit 
die Anfangsgründe kennen gelernt hat — trotz seiner wieder- 
holten Behauptung, Ägyptologe zu sein — , so läßt er bei der 
hieratischen Schreibung den Königsring stehen, der wohl dem 
Hyksoskönige zugestanden hätte, sich aber für den Privatmann 
Benan nicht eignet. Und da Lauth diesen Ring um den Namen 
bei seiner hieroglyphischen Umschreibung zufällig fortließ, fehlt 
er auch bei v. der Planitz. 

Überhaupt kann der Fälscher wohl abschreiben, aber keines- 
wegs immer richtig. Da wir nun gerade bei den famosen „Titel- 
und Randzeichnungen des Urtextes" sind, so wollen wir gleich auch 
die anderen herrlichen Dinge hier mit erledigen. Gegen die 
geflügelte Sonnenscheibe auf dem Blatt in Bd. I des Briefes 
läßt sich so wenig sagen wie gegen die Zeichnung des als König 
dargestellten Sonnengottes Horus auf dem Blatt in Bd. II, das 
ebenfalls solche „Rand- und Schlußzeichen des Urtextes" enthält; 
sie sind an sich in Ordnung; nur ist trotz v. der Planitz uner- 
klärlich, wie diese heidnischen Embleme in ein koptisches Ms. 
geraten sind. Nun, wir wollen unsere Entdeckung Herrn v. der 
Planitz nicht vorenthalten: 

Diese beiden Darstellungen sind nämlich aus Dümichen, 
Geographie d. alt. Ägyptens Berlin 1887 (Oncken'sche Welt- 
geschichte, Abt. I, Bd. 1) S. 41 entnommen, wo sie beide auf• 
derselben Seite stehen. Dabei hat den Fälscher nicht im min- 
desten geniert, daß die geflügelte Sonnenscheibe den in Edfu 
verehrten Sonnengott darstellt, also mit Heliopolis gar nichts 
zu tun hat; ebenso gibt das Bild des gekrönten Horus den Gott 
von Edfu wieder. Umso merkwürdiger ist es, daß sich diese 



1) AVie kommt seu = sive hierher? Hat v. der Planitz einen latei- 
nischen Kommentar zu der Stelle vor sich gehabt, an der die verschiedenen 
Varianten angegeben waren? 



Der Benanbrief. 35 

heiligen Bilder in einem christl.-kopt. Papyrus aus Memphis 
in so tadellos glatter Zeichnung finden neben den anderen „Titel- 
und Bandzeichnungen", die eine recht ungelenke Hand verraten. 
Der kopt. Schreiber (will sagen Hr. v. der Planitz) hat ganz offen- 
sichtlich dieselben Klischees benutzt, die auch für Dümichens 
Buch verwendet sind. Unregelmäßigkeiten in der Zeichnung 
der gefl. Sonnenscheibe machen das evident! 

Wir kommen jetzt zu den unter der Sonnenscheibe ab- 
gemalten Hieroglyphen, die in einer darunter stehenden wunder- 
lichen Unziale mit veritas solis orientis übersetzt sind. Das ist 
aus Lauth, Manetho S. 231 gestohlen, ist aber in der hierogly- 
phischen Wiedergabe bei v. der Planitz so entstellt, daß wir 
zunächst gar nicht wußten, was der Fälscher überhaupt wollte. 
Denn er hat aus einem / 1 des Vorbildes ein ι — ~i gemacht 

und das 1} zu einem schlangenähnlichen Gebilde umgestaltet. 

Es handelt sich um den auf der Louvrestele C 11 erwähnten 

'S ΛΛΛΛΛΛ ΛΛΛΛΛΛ*\^ (^ ΟΩΕίΓ~Ν I 

Hyksoskönig i , f © ^b 1 ( Q «„, o^ J dessen ersten 

Namen Lauth, wie gesagt, mit „veritas solis orientis" und dessen 
zweiten er, unter Verlesung des C in Θ (statt wie es sein sollte 
in ®), mit „Sol universi" übersetzt. Und wie der erste, so hat 
auch der zweite Name bei v. der Planitz Gnade gefunden: er 
taucht unter den Schlußzeichen Bd. II auf. Mit den Lauthschen 
Irrungen geben wir uns nicht ab; sie erledigen sich für die 
Wissenschaft von selbst. Aber daß der Fälscher sie nicht richtig 
abschreiben konnte, ist doch bezeichnend. Dazu muß er noch 
auf eigene Faust sich eine Schlimmbesserung leisten. Lauth 
hatte „sol universi" übersetzt, wenn auch falsch, so doch inso- 
fern begründet, als Lauth ©λλλλαλ^ rn dr (statt hndr) las: 
v. der Planitz stellt zu dem von Lauth als Genitiv aufgefaßten 

1) Bemerkenswert ist, daß dies der dritte König ist (und zwar wieder 
ein Hyksos, den Lauth allerdings zur 12. Dynastie rechnet), der seinen 
alten Nanien in Lauth-Planitzscher Umgestaltung für den Benanpapyrus 
hergeben muß. Aber da sich v. der Planitz gerade in tliese Hyksoskönige 
verliebt hat, muß noch ein vierter König daran glauben, nämlich Saites, 
der zum Arzt von Koptos und Reisebegleiter des Benan nach Jerusalem 
gestempelt wird. Er war nach Lauth, Manetho S. 248 Vorgänger des 
Benan. 

3* 



36 Schmidt-Grapow: 

universi noch einen Dativ soli. Und nun höre man die herr- 
lichen Tiraden Bd. III, S. 9: Die Hieroglyphen lauten nämlich: 
„Die Wahrheit der Sonne des Orients". Also echt ägyptisch 
eine Zeile voll Mystik und Umschreibung und doch den Inhalt 
erschöpfend. Die Sonne des Orients, welche dem Ägypter iden- 
tisch war mit Re, dem Sonnengott, zu dessen Tempelgemeinschaft 
in Heliopolis der Verfasser zählte , war ihm der Inbegriff aller 
religiösen, sittlichen und kulturellen Begriffe. Er wollte also 
jedenfalls ausdrücken, daß das, was er zu berichten habe, alles 
an Wahrheit und Tatsächlichkeit zusammenfasse; mit anderen, 
Worten: daß die Wahrheit des Orients alles übrige vorhandene 
Licht gewissermaßen überstrahle. Diese Auffassung wird be- 
stätigt durch die Schlußworte des Papyrus (im zweiten Teil), 
welche sagen: „Und die Sonne des Orients wird zum Lichtquell 
des Universums. Aber nicht Re, sein Sohn Horus, der als Sonne 
des Orients erscheint, besiegt und beherrscht diesmal das Weltall". 
Diese letzte Wendung ist, wie wir sehen werden, ein versteckter 
Hinweis auf Jesus, als den Gottessohn, der das neue Licht über die 
Welt strahlen läßt. — Die Wahrheit der Sonne des Orients wird 
also verkörpert durch Jesus, den personifizierten Ausfluß dieser 
Sonne". — Nun wissen wir wenigstens, wozu jene beiden benutzten 
Namen dienen und welche tiefe mystischen Geheimnisse sie offen- 
baren sollten. Nur schade, daß dies alles eitel Täuschung ist. 
Doch wir sind mit diesen unerquicklichen Titelzeich- 
nungen noch nicht zu Ende. Auf dem ersten Blatt steht ganz 

unten Τ /\ _ und daneben μεμφις, MFMBF, also der 

ΛΛΛΛΛΛ Ö ' > W 

hieroglyphische Name der Stadt Memphis mn-nfr resp. nach 
Lauth-Planitz Mennufer und die griechische und die koptische 
Form. Damit soll der Ort bezeichnet sein, wo das Ms. (genauer 
der Brief) geschrieben worden ist. In der Schreibung der Hiero- 
glyphen versagt v. der Planitz wieder vollkommen, denn er 
schreibt γ~~ί statt iiiüfj. — Schließlich stehen auf Blatt 1 in der 
Mitte drei sonderbare Zeichen und auf Blatt 2 noch vier gleicher 
Art. Es soll sich um Abkürzung eines lateinischen Zaubersegens 
handeln, den ein abergläubischer Epigone zwischen die gefürch- 
teten heidnischen Hieroglyphen gesetzt hätte, um deren „teuflische" 
Kraft zu brechen, ebenso seien auch die Schlußbuchstaben eine 
magische Formel (Bd. IV, S. 8 f.). Es wird daher die erste Zeile 



Der Benanbrief. 37. 

mit Soli deo g]oria und die zweite mit Quod deus bene vertat 
wiedergegeben. Das ist aber wirklich Hokuspokus, berechnet, 
auf die mystisch gestimmten Gemüter Eindruck zu machen. 

Wir wollen unsere Leser nicht durch Behandlung aller 
Namensformen ermüden, sondern nur noch einen eklatanten 
Fall herausgreifen. Benan ist mit der Dame Hathorse (61,3) 
verheiratet, beider Sohn heißt Nisakhons (61, 3). Vielleicht geht 
der Name der Frau auf Lauth, Manetho S. 238 zurück, wo von 
einem Prinzen Hathor-si die Rede ist. Möglicherweise käme 
aber auch der Name Hathorsit (Lauth, Erkl. Verzeichnis S. 45) 
in Betracht. Auf jeden Fall ist aber Hathorse ein Unding, denn 
es handelt sich doch um einen weiblichen Namen „Tochter der 
Hathor", während Hathorse „Sohn der Hathor" bedeuten würde ; 
Der Name würde richtig Set-Hathor lauten, da der Name der 
Göttin nur in der Schrift aus Ehrfurcht vorangestellt ist. — 
Nisakhons ist ein häufiger Männername, über dessen Lautie- 
rung wir bereits o. S. 27 gesprochen haben. Auf welche 
Stelle bei Lauth oder sonstwo dieser Name zurückgeht, inter- 
essiert uns nicht weiter. Nur einige derjenigen Stellen des 
Papyrus wollen wir noch besprechen, die durch künstliche 
Lücken im Text oder durch Bemerkungen im Kommentar wie 
„im Text steht . . .", „freie Übersetzung statt . . ." den Schwindler 
in den Geruch des sorgsamen und gewissenhaften Gelehrten 
bringen sollen. Die Tatsache der Fälschung des Ganzen wird 
durch sie nur zu deutlich werden! 

Die Lücke im Benanbrief 12, 15, wo es von den Hebräern 

heißt, „daß sie zuschleppengezwungenwurdenfürB ch , 

den unübertrefflichen Baumeister" ergänzt v. der Planitz spielend 
im Kommentar mit „Steine" und „Bakenchons". Schwieriger 
scheinbar war für ihn die folgende 12, 16 „zerstörte Textstelle": 
„Mesu, der Sohn des .. mr .... ein .. . der göttlichen Sprache, 
der das Totenbuch erforscht und die .... des Hartatef". Aber 
es gelingt ihm, . . mr ... zu Amram, den bekannten Vater des 
Moses, zu ergänzen und „die Regeln (Formeln) des Hartatef" 
einzusetzen. Hätte er aber sein Orakel, nämlich Lauth: „Moses, 
der Ebräer" aufgeschlagen, so würde er nach dessen Übersetzung 
des Pap. Anast. I, 11, 1 (a. a. 0. S. 86) mit völliger Sicherheit 
emendiert haben können: „ein[geweiht in die Geheimnisse] der 
göttlichen Sprache" und würde ebendaselbst auch die glänzende 



3 § Schniidt-Grapo w : 

Bestätigung seiner „Formeln" gefunden haben. Schade, dafiLauth 
nicht den Benanpapyrus kannte; er hätte sich das Fragezeichen 
bei „Formeln" sparen können! 

Weiter kommt eine „verzerrte Textstelle", die im Benan- 
brief 12, 16 „in freier Übersetzung" mit „durch sein gewaltiges 
Wissen, das alles Sein und Denken umfaßte und jede geheime 
Wissenschaft" wiedergegeben wird. Es ist reichlich „frei" über- 
tragen, denn die Stelle soll nach dem Kommentar in der Über- 
setzung also lauten: „sein Wissen war ein Haufen von Steinen 
und Meßstangen und eine geheime Kiste (Kasten, Schrank) von 
Schriftrollen". In der Lauthschen UrÜbersetzung (a. a. 0. S. 86 
= Pap. Anast. I, 11, 5) steht nämlich: „dein Wissen ist ein Ge- 
birg an Gewichten und Maßen, eine geheime Bibliothek, un- 
durchsichtig" 1 . Undurchsichtig pflegen ja Kisten (Kasten, 
Schränke) zu sein; dafür ist der Schwindel hier um so durch- 
sichtiger. 

Außer solchen selbst fabrizierten „Lücken" machen v. der 
Planitz auch einzelne Worte Schwierigkeiten, und er gibt seinen 
Bedenken im Kommentar gerne Ausdruck, allerdings in der Hoff- 
nung, für Leser zu schreiben, die ebenso unwissend wie er selbst 
alles gutgläubig hinnehmen. Wir wollen zu seiner Belehrung 
einige dieser künstlichen Schwierigkeiten zu lösen suchen. 

Zu Benan 26, 12 „meine Brüste sind Kupfer" heißt es im 
Kommentar: „im Text steht mafka. Das Wort ist unübersetzbar, 
da Vergleichsunterlagen fehlen" ; v. der Planitz vermutet weiter, 
daß dies böse Wort mafka „Kupfer, vielleicht auch Bronze" be- 
deuten soll. Die Lösung dieser Skrupel bietet Lauth, Moses d. 
Ebr., S. 17: „Leider wird hierdurch die Streitfrage, ob mafka 
Kupfer oder Türkis bedeute, nicht entschieden". Türkis ist keine 
Bronze, aber mafka ist auch kein Türkis, sondern der Grünstein, 
der Malachit! 

24, 2 steht im Text „unter der Sykomore"; der Kommentar 
verrät, daß „ägyptisch" neh dastände. Neh ist kein ägyptisches 
Wort; die Sykomore heißt nehet (nh.t). Auf eine Femininal- 
endung kommt es dem Kommentator nicht an. Aber soll nicht 



1) Schwerlich hat v. der Planitz diese Weisheit aus der Übersetzung 
des Papyrus, sondern von S. 51 übernommen, wo Lauth für seinen Mesu 
die Stelle benutzt. 



Der Benanbrief. 39 

der Papyrus im boheiriscli-memph. Dialekt abgefaßt sein? Dann 
müßte .im Text doch Νθγ<η (theb. Νθγ£Ε) stehen! 

Wir dürfen uns nicht weiter darüber wundern, daß dieser 
seltsame Kopte ebensowenig koptisch yersteht wie v. der Planitz. 
Sonst würde es nicht angehen, daß im Kommentar zu 19, 11: 
„die Menschen der schwarzen Erde" gesagt wird: „im Text steht 
romet". Herr v. der Planitz hatte wohl dies romet, die moderne, 
zurechtgemachte Umschreibung des altägypt. rmi, irgendwo auf- 
gegriffen, aber koptisch heißt der „Mensch" nicht mehr romet, 
sondern mit Verschleifung der Endung t pü)MF (theb.), bzw. 
pü)Ml (boh.) (s. o. S. 28). Aber auch nicht pü)Ml dürfte im Texte 
gestanden haben, sondern dessen tonlose Form, da „der Mensch 
der schwarzen Erde" im boheir. Dialekt TTipFMNXHMl lautet. 

Doch wir wollen dies nicht weiter verfolgen. Von einem 
gelehrten Fälscher sollte man doch zum wenigsten erwarten 
dürfen, daß er eine Ahnung von den Sprachen hat, die seine 
Fälschung decken sollen. Daß v. der Planitz auch nicht von 
des Gedankens Blässe angekränkelt ist, vielmehr wie ein blind 
Tappender gänzlich unwissend an sein Geschäft gehen würde, 
darauf waren wir nicht gefaßt. 

Aber die Verehrer des Benanbriefes werden sich vielleicht 
durch solche Untersuchungen nicht in ihrem Glauben an die Echt- 
heit beirren lassen, indem sie darauf hinweisen, daß Herr v. der 
Planitz noch große Trümpfe in der Hand habe. Denn dieser 
behauptet mit großer Emphase, wissenschaftliche Stützpunkte 
während seines 30 jährigen Studiums gewonnen zu haben, durch 
die der Inhalt des Benanbriefes für die Nachwelt erst seine reale 
Berechtigung gewinne. Sagt er doch selbst Bd. V, S. 137, daß 
ohne diesen Beweis der Brief trotz Papyrus und Urschrift wertlos 
sei, vielmehr ein Roman, eine Phantasie wäre. Er will daher 
ganz selbständig und ganz unabhängig vom Benanbrief, als ob 
dieser gar nicht existierte, das neue Material auf seine Authen- 
tizität prüfen. Das muß natürlich allgemeines Vertrauen er- 
wecken. Dieses neue Material läßt sich dahin zusammenfassen, 
daß Jesus seine Jugend in Ägypten, speziell in Leontopolis zu- 
gebracht, wo er als Lehrer (Rabbi) ausgebildet wurde, daß er zu- 
gleich in dem nahen Anu-Heliopolis Unterricht in der ägyp- 
tischen Kultweisheit und in der Arzeneikunde am hochberühmten 
Tempel des Re genossen habe, daß er im Alter von 30 Jahren 



40 Schmidt-Grapow: 

als Emissär der jüdischen Reformgerneinde nach dem Heimat- 
lande Palästina abgereist, dort als Arzt gewirkt und als Refor- 
mator des Judentums gegen die jerusalemische Priesterschaft 
aufgetreten sei, aber in diesem Kampfe seinen tragischen Kreuzes- 
tod erlitten. So eröffnen sich Perspektiven von ungeheurer Trag- 
weite für den Kultur- und Religionshistoriker. 

Urkunde bleibt Urkunde, auch wenn sie uns noch so schmerz- 
hafte Nachrichten überliefert und noch so liebgewordene An- 
sichten vernichtet. Vor urkundlichen Tatsachen muß sich jeder 
beugen, das ist der oberste Grundsatz für jeden wissenschaft- 
lichen Forscher; das gilt auch für den Theologen. Die Wahrheit 
kann und darf nie unterdrückt werden, das wird sich immer 
rächen. Aber dem Forscher liegt auch die Pflicht ob, nicht wie 
die große Masse jeden Fund unbesehen anzunehmen, vielmehr 
muß sich jede neue Urkunde erst im Feuer der Kritik als echt 
bewähren. 

So wenden wir uns nun zu den von v. der Planitz auf- 
gestellten Grundpfeilern seines Beweises für den authentischen 
Inhalt des Benanbriefes. Es sind 16 Punkte Bd. V, S. 133 f zu- 
sammengestellt. An erster und zweiter Stelle stehen folgende: 

1) Die von keinem anderen antiken Schriftsteller außer 
Benan gemeldete Nachricht, daß Sextus Africanus der erste Präfekt 
Ägyptens unter Domitian gewesen ist. 

2) Die epigraphische Bestätigung dieser Meldung durch die 
von Benan erwähnte, bisher in der gelehrten Welt unbekannte 
und erst neuerdings am Memnonskoloß zu Theben entdeckte In- 
schrift: Funisulana Vettulla C . . . TI Africani Praef. Aeg. uxor 
audi Memnonem Pr. Id. Febr. hora IS anno I Imp. Domitiani Aug. 
cum iam tertio venissem. 

Auf S. 46 gibt der Herausgeber noch folgende Erläuterung: 
„Sextus Africanus war nach dem Benanbrief der erste Präfekt 
Ägyptens unter Domitian. Da über Sextus Africanus bei keinem 
anderen antiken Schriftsteller irgendwelche Nachrichten zu finden 
sind, ja von einem Sextus Africanus überhaupt nichts bekannt 
war, so war es von größter Wichtigkeit, festzustellen, ob das 
Steinbild des Amenophis, von dem Benan im Zusammenhange 
mit dieser Inschrift spricht, vielleicht noch existierte und die In- 
schrift selbst noch vorgefunden werden konnte, um so eine Be- 
stätigung seiner Nachricht zu erhalten. Nach langem Suchen 



Der Benanbrief. 41 

unter allen ägyptischen Denkmälern und deren Inschriften kam 
ich erst auf das nächstliegende. An der Hand ägyptischer Texte 
habe ich festgestellt, daß ßenan mit seiner Notiz nichts anderes 
gemeint hatte, als die Memnonkolosse zu Theben, die er, wie 
er selbst berichtet, mit seinen Enkelkindern gesehen hat. An 
einem dieser Steinriesen befindet sich nun tatsächlich eine In- 
schrift, die allerdings stark zerstört, aber heute noch stückweise 
zu lesen ist. Ihr Inhalt aber läßt keinen Zweifel, daß sie die 
von Benan erwähnte Inschrift ist, welche den Inhalt des Benan- 
brief es beglaubigt". 

Flösse nur eine kleine Dosis wissenschaftlichen Blutes in 
den Adern des Herrn v. der Planitz, so hätte er doch zunächst 
seine Schritte zu den Corpora inscriptionum gelenkt und dort 
Nachforschungen bei den Inschriften auf den Memnonskolossen 
angestellt. Wären ihm diese Werke nicht ganz unbekannte 
Größen gewesen, so hätte er auch ohne Mühe festgestellt, daß 
die fragliche Inschrift der Funisulana Vettulla im Corp. Inscr. 
Latin, ed. Mommsen III, 1 Nr. 35 und bei Dessau, lnscriptiones 
latin. selectae 11, 2, Nr. 8759 e publiziert ist. Dort hätte er auch 
bemerkt, daß die Inschrift bereits von den ersten wissenschaft- 
lichen Pionieren des Pharaonenlandes wie Norden, Pococke, 
Letronne abgeschrieben und von Lepsius zum ersten Male in den 
Vornamen richtig gelesen wäre. Auch hätte er wegen der Prä- 
fekten Ägyptens Einsicht genommen in das Buch von Cantarelli : 
La serie dei prefetti di Egitto I, 1906. Dort hätte er S. 35 ge- 
funden, daß eine Inschrift in Schedia bei Alexandrien, datiert 
unter der Regierung des Kaisers Titus vom Jahre 80/81, ge- 
funden ist 1 , die den vollen Namen dieses Präfekten Γαΐος 
Τέττιος αφρικανός Καϋοιανός trägt. Also der Präfekt hieß 
Cajus Tettius Africanus, ein Präfekt namens Sextus Africanus 
hat in dieser Zeit überhaupt nicht existiert. Benan als an- 
geblicher Zeitgenosse des Präfekten müßte doch seinen wirklichen 
Namen gewußt haben. Herr v. der Planitz will seine Leser 
glauben machen, er selbst hätte erst die Inschrift nach längerem 
Suchen auf den Memnonskolossen entdeckt. Da ertappen wir 
ihn auf einer bewußten Unwahrheit. Denn die Quelle für seinen 



1) Vgl. De Ricci, Archiv f. Papyrusforsch. II, 1903, S. 436 ff; Schiff, In- 
schriften aus Schedia (Festschrift für 0. Hirschfeld p. 374ff). 



42 Schmidt- Grap ο w : 

Sextus Africanus bildet das schon oft erwähnte „Erklär. Ver- 
zeichnis" von Lauth. Dort finden wir, was man wohl kaum ver- 
mutet hätte, auf S. 48 die Inschrift in der gleichen Verstümmelung 
und in der gleichen falschen Ergänzung wie bei v. der Planitz. 
Lauth las fälschlich S statt C, gab eine Lücke an, obwohl diese 
auf allen älteren Abschriften sich nicht vorfindet, vielmehr das 
Gentile nur unrichtig wiedergegeben wird 1 . 

Nach v. der Planitz kann diese seine Entdeckung von dem 
Präfekten Sextus Africanus nicht dick genug unterstrichen werden, 
da wir in ihm einen chronologischen Anker besitzen, an den sich 
Benans Berichte überTiberius, Caligula, Claudius, Nero, Vespasian 
und Titus anreihen; er soll zugleich die Existenz eines griechischen 
Urtextes erweisen, weil sich der Briefschreiber auf heidnische 
Denkmalinschriften berufe, welche dem frühmittelalterlichen 
christlichen Überarbeiter nicht mehr bekannt sein konnten sowohl 
in bezug auf ihre Existenz wie in bezug auf den inneren Zusammen- 
hang (S. 47 f). Das sinkt nun alles mit dem Pseudo-Sextus-Afri- 
canus ins Grab. Der chronologische Anker ist für immer ab- 
geschnitten, denn mit der Datierung des Briefes auf das 2. Jahr 
des Domitian = 83 n. Chr. ist endgültig aufgeräumt. Da der Prä- 
fekt Sextus Africanus eine Mache des Lauth vom J. 1865 ist, 
fällt ohne weiteres der Benanbrief in eine, spätere Zeit. Nicht 
also Benan hat den Namen auf seiner Eeise nach Theben auf 
dem Fuße des Memnonskolosses gelesen, sondern v. der Planitz 
hat auf Grund jener Notiz von Lauth die ganze Geschichte in 
den von ihm fingierten Brief aufgenommen. Und es fehlt 
diesmal wieder nicht an einer Schlimmbesserung. Lauth hatte 
richtig den Nachsatz: cum iam tertio venissem übersetzt: „als 
ich bereits zum 3. Male gekommen war", d. h. bei der dritten 
Anwesenheit hatte die Gattin das Naturwunder des Memnons- 
kolosses erlebt. Herr v. der Planitz gibt folgende Übersetzung: 
„nachdem ich bereits zum 3. Male [vergebens] gekommen war". 
Durch diesen eigenmächtigen Einschub „vergebens" wird an- 
gedeutet, daß Punis. Vettulla bereits dreimal vergeblich in Theben 

1) Die Lücke bei Lauth. erklärt sich daraus, daß er in seiner Vor- 
lage das Gentile nicht deuten konnte, deshalb setzte er vorsichtig Punkte. 
Zu der Lesung Sextus wurde er durch den Obelisken der Münchener 
Sammlung verführt, wo nach der Inschrift ein Sextus Africanus dem 
Domitian zu Ehren diesen Obelisken errichtet hat. 



Der Benaiibrief. 43 

geweilt hat, also jetzt zum vierten Male anwesend ist. Bei 
diesem Dilettantismus soll man v. der Planitz noch ernst nehmen. 

Wir kommen zum 3. Grundpfeiler; dort lesen wir: „Die von 
keinem anderen antiken Schriftsteller mitgeteilte chronologische 
Festlegung der Geburt Jesu beim Erscheinen des Sirius „am 
ersten Tag des Mesori" im Lande der Apriu, welche erst die 
jüngste astronomische Forschung nachgerechnet und bestätigt ge- 
funden hat." 

Das bezieht sich auf die Textstelle 9, 1 — 2, wo Sebekhotep 
an Benan beim Wiedersehen die Worte richtet: „Denkst du noch, 
wie Putiphra wurde ausgesandt von Ranebchru, zu suchen den 
rotäugigen Sopdet in den Ländern der aufgehenden Sonne? 
Weißt du noch, weißt du, wie er, mit seiner Karawane der Sonne 
entgegenreisend, den Stern entdeckte am ersten Tag des Mesori 
im Lande der Apriu?" Daran wird weiter die Kunde geknüpft, 
daß am selben Ort, am selben Tage und zur selben Stunde, da 
der Sopdet erschien, Putiphra ein soeben geborenes Knäblein 
fand und es von der Mutter übernahm , nachdem er dem Kinde eine 
große Zukunft ge weissagt. 

Was die jüngsten astronomischen Forschungen anbetrifft, 
die diese chronologische Festlegung der Geburt Jesu auch jetzt 
auf Grund neuer Berechnungen bestätigen sollen, so ist nach dem 
Reklameheft der Astronom Arthur Stentzel gemeint, der nach- 
gewiesen haben soll, daß der von Putiphra „am 1. Tag des 
Mesori" unter Augustus entdeckte Stern der Halley'sche Komet 
gewesen sei. Im Kommentar (Bd. III, S. 35) hören wir dann, 
daß Jesus am 1. Mesori, dem Sirius-Frühaufgang, u. z. im Jahre 3 
v. Chr. geboren sei. 

Dieses Kukuksei hat wiederum der selige Lauth gelegt, 
denn im Jahre 1876 veröffentlichte er in der Beilage zur Augsburg, 
Allg. Zeitung Nr. 46. 47 einen Aufsatz unter dem Titel „Unsere 
Zeitrechnung" und in demselben Jahre in den Transactt. of the 
Soc. of Bibl. Arch. IV, S. 226 ff einen Artikel: „On the date of the 
Nativity (dazu vgl. Ägypt. Chronol. S. 236, Aus Ägypt. Vorzeit 
S. 501 f und Augustus-Harmais in den Sitzungsb. der Münch. 
Akad. phil. hist. Cl. 1877, S. 215f). Lauth deutet den Stern der 
Weisen auf die identische Sothiserscheinung während der Tetraeris 
5 — 2 vor unserer Zeitrechnung am 1. Tage des Mesori im Wandel- 
jahre. Er folgt hier den Untersuchungen von Bosanquet in den 



44 Schuiidt-Grapow: 

Transactt. of the Soc. of Bibl. Arch. I, (1872) p. 93 ff, welcher die von 
Josephus bezeugte, dem Tode des Herodes vorangehende Mond- 
finsternis als das Jahr der Geburt Christi 3 vor unserer Zeit- 
rechnung nachzuweisen versuchte. Das hängt bei Lauth mit 
seinem sonderbaren chronologischen System von Epochalkönigen 
zusammen. Nun hat sich Lauth bei Erörterung seiner These 
folgende Ausführung geleistet: „Ist es nun bei den so be wandten 
Umständen zu verwundern, daß man in Ägypten der Coincidenz 
des Siriusaufgangs mit dem 1, Mesori besondere Aufmerksamkeit 
geschenkt haben wird, und daß man folglich innerhalb des 
Quadrienniums 5 — 2 vor unser Ära die Geburt eines jungen 
Horus erwartete? Wird dadurch Christi Geburt mythisch? Ich 
denke, dies ist nicht der Fall.. . . Man benutzte eben den Stern der 
Magier, d. h. den Frühaufgang des Sirius am 1. Mesori, um 
Christi Geburt bleibend chronologisch zu fixieren". Solche 
Phantastereien von Lauth sind natürlich in den Augen des Herrn 
v. der Planitz ein Evangelium, und so wird daraus für den 
Benanbrief die Geschichte von dem Putiphra im Lande der 
Apriu fabriziert, um sie dann von hinten herum im Kommentar 
wieder als selbständige Nachricht neben dem Briefe vorzuführen. 
Das ist nicht mehr Selbstbetrug, sondern wirklicher Betrug. — 
Daß wiederum Lauth die trübe Quelle, zeigt noch deutlich die 
Bemerkung Bd. V, S. 18, daß Jesus sich selbst in bewußtem 
Gegensatz zu dem offiziellen kaiserlich-römischen Titel „Divi 
filius" genannt habe „der Menschensohn". Denn Lauth schreibt 
ζ. B. in der Ägypt. Chronologie S. 236: „des Menschen Sohn" 
ο νιος τον άν&ρώπον, wie sich Christus so oft genannt, ist als 
Gegensatz zu dem Θεον νιος, Θεον ΣεβαΟτοΰ νιος, ά. h. Au- 
gustus und Tiberius, erst recht verständlich". Man sieht zu- 
gleich daraus, wie v. der Planitz das Lauthsche Gut verwässert. 
Dabei kann es auch hier nicht ohne „Mißverständnis" abgehen. 
Sehr amüsant ist nämlich die Vermischung des Gottes des Ostens, 
Sopdu, mit der weiblichen Sopdet, dem Siriusstern; aus beiden 
wird ein Mixtum compositum gebraut, und so lesen wir: „den 
rotäugigen Sopdet in den Ländern der aufgehenden Sonne" 
(Text u. Komment, zu 9, 1). 

Indem wir uns die nebensächlichen Punkte 4 — 8 schenken, 
wollen wir uns zu der These 9 wenden, die also lautet: „Die 
Entdeckung, daß sowohl die Bergpredigt wie die „Werke der 



Der Benanbrief. 45 

Gerechtigkeit" schon Jahrhunderte vor Christo in Ägypten als 
heimische Tempelsätze auf ägyptischen Stelen eingemeißelt wurden, 
die noch heute vorhanden sind". Herr v. der Planitz tut sich 
auf diese Entdeckung viel zu gute, er möchte dafür ausdrücklich 
die Priorität in Anspruch nehmen. Sämtliche Sprüche der 
Bergpredigt beruhen nach ihm auf uraltägyptischen Quellen, und 
damit ist Jesu Werden und Bildungsgang in Ägypten echt und 
unanfechtbar festgelegt. Der Satz Matth. 5, 7 „denn sie werden 
Barmherzigkeit erlangen" und ebenso das Wort 5,6: „Selig sind die, 
die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie 
sollen satt werden" trete mit einem Schlage ins reinste Licht des 
Verstehens. Er macht sich anheischig, tausende Beispiele auf 
ägyptischen Stelen zum Erweise seiner These zu bringen. Was 
er aber in Wahrheit an Beispielen bringt, sind Nachweise aus 
den Münchener ägyptologischen Sammlungen; auf die zahlreichen 
Parallelen in London und im Louvre wird nur verwiesen Κ Herr 
v. der Planitz motiviert dies damit, daß er absichtlich nur solche 
gewählt, die in Deutschland zu finden sind, damit der deutsche 
Leser sie jederzeit erreichen und vergleichen könne. Aber warum 
denn keine Beispiele aus dem ägyptischen Museum in Berlin? 
Ist dies nicht die größte Sammlung und von Kaulsdorf, dem 
jetzigen Wohnsitze des Herrn v. der Planitz, schnellstens zu er- 
reichen? Die Antwort fällt nicht schwer: Beim Übersetzen 
hätte ihm sein Lehrer und Meister gefehlt. Lauth hatte nämlich 
im Jahre 1865 sein „Erklärendes Verzeichnis" über die Samm- 
lung in dem Antiquarium und der Glyptothek veröffentlicht. Der 
Anstand hätte nun verlangt, dieses Buch zu nennen, aber das 
darf nicht geschehen, da sonst der Plagiator sofort entlarvt 
werden könnte. Welcher Leser sollte überhaupt diesen alten 
Schmöcker aus der Bibliothek hervorholen, der selbst von zünf- 
tigen Ägyptologen selten in die Hand genommen wird und 
höchstens noch antiquarisches Interesse hat? So schien v. der 
Planitz vor Überführung seines Plagiats gesichert, aber es hat 
doch nicht sein sollen. 



1) Von dem vielgerühmten Material aus dem Louvre hören wir 
kaum etwas. Die Ausbeute muß doch sehr gering gewesen sein und 
offensichtlich deshalb, weil er die ägyptischen Inschriften nicht entziffern 
konnte. 



46 Schniidt-Grapow: 

An erster Stelle Bd. V, S. 34 wird erwähnt die Stele des 
Priesters Ro'i und seiner Frau Totoui im Antiquariuni mit der 
Inschrift: „Ich habe getan das Gefallen der Menschen und die 
Wünsche der Götter. Ο ihr (Götter) yon Abydus, lasset mich 
deswegen zu euch. gelangen, auf daß ich sei im Heile bei Ke 
und gerechtfertigt bei Osiris". Lauth Verz. S. 18 1 beschreibt 
dieselbe Stele und gibt von dem Texte des Gebetes folgendes 
Stück: „0 ihr Götter yon Abydus und der Unterwelt all, lasset 
mich zu euch gelangen, mein Herz reinigen, auf daß ich sei im 
Heile bei Ra, gerechtfertigt bei Osiris; denn ich habe getan das 
Gefallen der Menschen, die Wünsche der Götter deshalb". Daß 
v. der Planitz auch hier die Personennamen genau in der 
Lesung yon Lauth wiedergibt, verwundert nicht weiter; daß die 
heutigen Lesungen, wenn er sich einen modernen Katalog des 
Antiquariums gekauft, ein ganz anderes Aussehen zeigen, davon 
scheint seine liebe Seele nichts zu ahnen. Peinlicher wirkt aber 
die Tatsache, daß er als Plagiator sich gemüssigt fühlt, an der 
Übersetzung zu modeln, denn er hat die beiden Sätze umgestellt. 
Dies hätte ihm aber gar nicht passieren können, wenn er die 
Übersetzung an der Hand des Originals fertiggestellt hätte. Um 
also die unlautere Benutzung fremden geistigen Eigentums zu 
verschleiern, hat er hier Alterationen an seiner Quellenvorlage 
vorgenommen. Darin liegt Methode! Und da will v. der Planitz 
uns weismachen, daß er ägyptische Texte lesen und übersetzen 
kann! — Das zweite Beispiel liefert eine Stele derselben Sammlung 
von dem Aufseher des Amoneums namens Nechtsebak mit dem 
Texte: „Ich habe weder gerastet bei Tag noch geruht bei Nacht; 
also gewähre mir, daß mir werde zu teil in der Unterwelt, was 
jedem Verklärten und Weisen". Niemand würde wohl klug aus 
dem Inhalt des Textes, wenn er nicht Lauth Verz. S. 22 zu Rate 
zöge, wo es heißt: „Weiterhin rühmt er sich der Günstling des 
Königs gewesen zu sein und seinen Dienst verrichtet zu haben, 
ohne je zu rasten am Tage, ohne je zu schlafen in der 
Nacht, suchend zu verrichten den Dienst, so der König ihm 
aufgetragen". Daran knüpft er den Wunsch „seinem Herrn 

1) Aus diesem Buche von Lauth (S. 7) stammen, nebenbei bemerkt, 
die modernen Lesungen und Übersetzungen: Amenti (55, 15) = „Land der 
Verborgenheit", Netercherti (53, 3) = „göttliche Unterwelt", Roseti (54, 8) 
= „Pforte der Umkehr". 



Der Benanbrief. 47 

nachzufolgen zum Bezirke Peq, mit Vergunst des Unnofris, 
gleichwie das zu Theil wird in der göttlichen Unterwelt jedem 
Verklärten und Weisen". Was hat nun dieser Lakaienlohn mit 
der Bergpredigt Jesu zu tun? Das möchte uns doch v. derPlanitz 
des Näheren noch ausführen. 

Als dritter Beleg dient eine Stelle am Sarge des Priesters 
Chensuemrenpa: „Nicht tat ich eine Lüge an der Stätte der 
Wahrheit, nicht nahm ich das Brot, gab es vielmehr dem Be- 
dürftigen. Also ihr Götter, verborgen im Westen, öffnet mir, 
der ich komme!" Bei Lauth, Verz. S. 50 lesen wir 1 : „Er spricht: 
Ο ihr Götter und Göttinnen, verborgen im Westen an der Stätte 

des Gottes (Osiris) öffnet mir, der ich komme, der ich 

gehe; ich bin vollkommen würdig nach meinem irdischen Wandel, 
gehüllt ist mein Leib und entfesselt meine Seele. Ich bin eine 
vergöttlichte Seele. Nicht that ich eine Lüge an der Stätte der 
Wahrheit, nicht nahm ich das Brot, gab es vielmehr dem Be- 
gehrenden". Wiederum hat v. der Planitz nach dem gleichen 
Rezepte die Sätze umgestellt; die Göttinnen scheinen ihn etwas 
geniert zu haben für den Vergleich mit der Bergpredigt, sie sind 
deshalb aus dem Texte entfernt. Verwundert faßt man sich an 
den Kopf und fragt: Was haben jene Sätze mit Matth. 5, 6 zu tun? 

Nach diesem Vorgeschmack wollen wir auch die ägyptischen 
Vorgänger für Christi Lehre von den Werken der Barmherzigkeit 
ins Auge fassen. Da figuriert an erster Stelle die Statue des 
Amonpriesters Bakenchons mit dem Texte: „Ich war ein Vater 
meinen Dienern und schützte das Gedeihen ihrer Familien. Ich 
reichte meine Hand den Unglücklichen und gab Nahrung den 
Armen, dienend meinem Gotte und befolgend seine Gebote. 
Möge er mir dafür verschaffen eine Dauer im Glücke". Lauth 
hatte über diese Statue wie oben bereits erwähnt, eine ausführ- 
liche Monographie in der Zeitschr. d. Deutsch-Morgenl. Gesellschaft 
1863 S. 544ff. unter dem Titel: „Der Hohepriester und Oberbau- 
meister Bakenchons, ein Zeitgenosse Moses, in der königl. Glyp- 
tothek zu München", veröffentlicht — nebenbei bemerkt eine der 
besten Arbeiten von Lauth — im Verz. S. 45 f. gibt er uns eine 
Reihe Textproben, aus denen v. der Planitz seinen Text zu- 



1) Der Sarg befindet sich nicht im Antiquarium , sondern in der 
Glyptothek. 



48 Scfrüiidt-Grapow: 

sarninengestoppelt hat. Dort lesen wir auf dem Rückenpfeiler 
unter anderem folgendes: „Ich war ein guter Vater gegen meine 
Untergebenen, indem ich gedeihen machte ihre Geschlechter, 
indem ich meine Hand reichte den Unglücklichen und zu leben 
gab den Armen und den Dienst verrichtete in seinem Tempel". 
Von der stark verstümmelten Sockelinschrift gibt er folgende 
Stelle: „Kind oder Beweibter, die ihr gedeihet im Leben, welche 
das Glück von heute über das Gestern setzen und das Morgen, 
kehret euch an meine Tugend, der ich seit meiner Jugend, bis 
dal.s ich ein Greis geworden im Innern des Amoneums war, 
dienend meinem Gotte, beachtend seine göttliche Ab- 
sicht. Möge er mir verschaffen eine Dauer im Glücke 
nach 110 Jahren!" Jetzt erkennt man beim Vergleich, wie 
ganz eigenmächtig v. der Planitz den Text aus zwei verschiedenen 
Sätzen zusammengeschweißt und dabei diese aus dem natürlichen 
Zusammenhang gerissen hat. Mit solcher Methode kann man 
sich schon „Beweise" verschaffen! Aber v. der Planitz hat noch 
eine Parallele zu Matth. 25, 35-39 auf der altägyptischen Stele 
des Sängers Petharpuchrat und seiner Gemahlin Ghumi entdeckt: 
„Ich reichte Brot dem Hungrigen, Wasser dem Durstigen, Klei- 
dung dem Nackten, Herberge dem, der ihrer bedurfte". Dies- 
mal hat er> wenigstens Lauth Verz. S. 19 wörtlich zitiert und 
erlaubt sich im Hochgefühl seiner Leistung folgenden Ausruf: 
„Hier ist in Stein gemeißelt Wort für Wort die Lehre Christi 
aus dem Munde eines heidnischen, lange vor Christus verstorbenen 
Ägypters zu lesen, der dem Osiris, der Isis und dem Horus 
opfert. Wo in aller Welt findet sich eine griechisch- oder 
römisch-heidnische oder auch hebräische Inschrift, die so mit 
Jesu Lehre übereinstimmte!?" Jetzt kann er auch der urteils- 
losen Masse den Satz vortragen: „Mit ägyptischen Leitsätzen 
auf den Lippen eröffnet also der direkt aus Ägypten gekommene 
Jesus seine Mission als Reformprediger in Palästina und bis an 
sein Ende (in den Werken der Barmherzigkeit usw.) kommt er 
immer wieder auf ägyptische Ideen zurück". Ja, müssen es denn 
immer ägyptische Inschriften auf Steinen sein? Kennt v. der Planitz 
keine Literaturdenkmäler des späteren Judentums, die Zeugnis 
ablegen von der Nächstenliebe, die durch Jesu Predigt noch 
vertieft ist? Lauth hat vieles auf dem Gewissen und trägt un- 
bewußt eine große Schuld, daß sein jeder Kritik barer Plagiator 



Der Benanbrief. 49 

seine Ausgeburten der Phantasie gleichsam als Gemeingut der 
Wissenschaft weiter tradiert hat, aber Lauth war als Philologe und 
Forscher gewissenhaft genug, um nicht mit zurechtgeschnitzten 
Texten seine Leser täuschen zu wollen. Diese Beweise bleiben 
an den Rockschößen des Herrn v. der Planitz hängen; er 
nimmt ja auch, wie erwähnt, die Priorität dafür ausdrücklich in 
Anspruch 1 . Wir wollen ihn noch darauf hinweisen, daß der 
Tote auf den Stelen das Epitheton ornans „gerechtfertigt" nach 
der Übersetzung -von Lauth erhält und Lauth Verz. S. 47 von 
dem Gut der Rechtfertigung spricht. Sollte da nicht etwa 
Paulus seine Rechtfertigungslehre aus Ägypten, bezw. von Jesus 
durch Vermittlung der Apostel erhalten haben? Wir stellen 
dies dem Herrn v. der Planitz als Material zur Verfügung. 

Für die Arbeitsmethode wollen wir aber noch ein Beispiel 
von größerem Interesse besprechen, da es mit den „Werken der 
Barmherzigkeit" in Verbindung gebracht wird. In Bd. V, S. 38 Anm. 
heißt es: „Auf der Grabstele des Priesters Har (jetzt in Cairo) 
lesen wir: „Gegeben habe ich Brot dem Hungernden, Wasser 
dem Dürstenden, Kleidung dem Nackten. Aufgenommen habe 
ich Reich und Arm (wörtlich: „Vornehme und Arbeiter"), wenn 
sie kamen des Weges, indem ich weit ausbreitete die Türflügel 
dem Ankommenden usw". Man staunt zunächst ob der Ge- 
lehrsamkeit des Herausgebers, aber nur zu schnell verfliegt der 
Nimbus. Diesmal ist wieder einmal Lauths Manetho die Quelle, 
wo er S. 58 f folgendes Referat gibt: „Auf einer Grabstele in 
einem Hotel in Cairo .... sagt der Verstorbene (Har), nach An- 
führung seiner (meist priesterlichen) Titel: „0 ihr Lebenden auf 
Erden etc. etc Gegeben habe ich Brot dem Hungernden, 

1) Die These von Jesu Beeinflussung durch Ägypten ist durchaus 
nicht so neu, wie es v. der Planitz darstellt. Ihm selbst ist nicht un- 
bekannt, daß nach talmudischen Erzählungen Jesus seine Zauberei aus 
Ägypten gebracht haben soll. Nach b. Sanhedrin 10öb ist ferner Jesus im 
reiferen Alter vor König Jannai nach Alexandrien geflohen. Auch bot ja 
Matth. 2, 13 f genug Anhaltspunkte. Daß solche Theorien in der Luft 
liegen, zeigt das Buch des Occultisten Franz Hartmann: The life of Je- 
hoshua. The prophet of Nazareth, London 1909, der die Nachricht in San- 
hedrin zur Grundlage seines occultistischen Jesus macht und ihn zum 
Eingeweihten in den ägyptischen mysterious brotherhood avanciert (S. 39 ff ) # 
Man verlernt das Staunen, wenn man hinter die Quellen der Herren 
kommt. 

T. u. U. '20: Schmidt-Grapow. 4 



50 Schmidt-Grapow: 

Wasser dem Durstigen, Kleidung dem Nackten. Gereicht habe 

ich Nahrung (?) dem Ibis, dem Sperber, der Katze, dem Schakal 

Aufgenommen habe ich Vornehme wie Arbeiter auf dem Wege 
(od. der Reise), die Türflügel ausbreitend den Kommenden (zu mir) 
von einer Fahrt, und gewährend ihnen etwas, zu beleben sie damit. 
Es wandte Gott sein Angesicht auf mich zum Entgelt für jenes, 
so ich getan: er gewährte, daß ich alt w.urde auf Erden". Nach 
v. der Planitz befindet sich die Stele „jetzt in Kairo"; das ist aber 
eitel Dunst, denn im Jahre 1865 stand sie wahrscheinlich in 
dem Garten eines deutschen Hotels (Hotel du Nil?) und erhielt 
Lauth einen Abklatsch davon. Wo diese Stele sich jetzt be- 
findet, oder ob sie überhaupt verloren gegangen ist, läßt sich im 
Augenblick nicht feststellen. Ferner will sich v. der Planitz 
durch die Bemerkung in Klammern den Anschein geben, als 
ob er seiner freien Wiedergabe der Textstelle „Reich und Arm" 
die wörtliche Übersetzung „Vornehme und Arbeiter" hinzufüge, 
während in Wahrheit letzteres die Übersetzung Lauths ist. 

Aber noch in anderer Hinsicht ist die Notiz von Lauth über 
die Har-Stele von besonderem Interesse, denn dieser bemerkt 
(Manetho S. 59): „Dieser Text allein beweist schon, daß die 
Ägypter sich zu einer sehr hohen Stufe der Moral und reinen 
Gotteserkenntnis erhoben hatten. Unsern Priester Har hinderte 
die Pflege der heiligen Tiere durchaus nicht an der Erkennung 
und Bekennung des einen Gottes" und vorher: „daß die Idee 
des einen Gottes bei den Ägyptern allgemein bekannt war, 
wird durch ihre ganze Literatur außer Zweifel gestellt". Von 
dort her scheint v. der Planitz die Idee von dem Monotheismus 
der Ägypter bezogen zu haben (vgl. auch Lauth, Aus Äg. Vor- 
zeit S. 37 ff), daher die Bemerkung Bd. III, S. 36: „Der viel- 
Serühmte Monotheismus der Israeliten war nichts weiter als eine 
semitische Weiterbildung der einheitlichen Gottesidee von Anu, 
woselbst Moses unter priesterlichem Einfluß genau wie später 
Jesus aufgewachsen und erzogen war". Diese Idee tritt uns im 
Benanbrief 12, 9 entgegen, wo Benan von den Therapeuten be- 
richtet: „Sie wissen wie wir, daß ein Einziger lebt, von dem, 
durch den und in dem alle Dinge waren und sind" und dazu die 
Bemerkung im Kommentar Bd. III, S. 43: „Vermutlich haben wir 
hier den Hauptlehrsatz der monotheistischen Glaubenslehre von 
Anu vor uns, aus dem Moses seinen Jahwe-(Jehovah-)Ge- 



Der Benanbrief. 5^ 

danken entwickelt hat". Aber auch Jesus soll diesen Leitsatz aus 
der ägyptischen Religionsanschauung in seine neue Lehre hinüber- 
genommen und so Judentum und Heidentum verschmolzen haben 
und zwar wird dies damit begründet, daß Paulus den Satz Roem. 
11 , 36 von den „Zwölfen" übernommen habe und diese ihn von Jesus 
(vgl. Bd. V, S. 31). Wenn hinzugefügt wird, daß im Re-Tempel 
zu Heliopolis nach dem Benanbrief und andern antiken Quellen 
der Satz noch bestimmter lautete: „Er lebt, der Einzige, von dem, 
durch den und in dem alle Dinge waren und sind", so scheidet 
der Benanbrief von vorn herein aus, und daß andere antike 
Quellen vorhanden sind, gehört wiederum zu den Selbst- 
täuschungen des Verfassers. Konstatieren wollen wir nur, daß 
v. der Planitz das εις αυτόν des Paulus mit „in dem" übersetzt 
und damit seine griechischen Kenntnisse dokumentiert. 

Woher hat er aber nun die profunde Weisheit betreffs der 
heidnisch-ägyptischen Priesterschaft des wissenschaftlich und 
ethisch alle Kultstätten des Altertums überragenden Sonnen- 
tempels zu Heliopolis? Jeder wird dies nach dem bisher Vor- 
getragenen sofort erraten, nämlich von seinem Meister Lauth. 
Man kann geradezu behaupten, daß Lauth einen Sparren für 
Heliopolis-Anu hatte, der sich natürlich auf seinen Nachbeter 
v. der Planitz vererbt hat. Diese Vorliebe für Anu datiert seit 
seiner Reise nach Ägypten (3. Brief in der Augsburg. Allg. 
Zeit. 1873). Seitdem gilt Anu als die XJrmetropolis Ägyptens 
(Aus Äg. Vorzeit S. 65), sie ist die Urstätte der religiösen Ein- 
richtungen Ägyptens, indem alles Uralte im Totenbuche auf dieses 
Anu zurückgeführt wird (ebend. S. 66). Die ersten beiden ge- 
schichtlichen Dynastien wurden nicht von der oberägyptischen 
Stadt This (Thinis) Thanaiten genannt, sondern von Taui-Anu, 
dem häufigsten Vertreter des einfachen Anu. Und vor allem be- 
stand dort die hohe Schule altägyptischer Weltweisheit, die erste 
Hochschule der antiken Welt, zu der nicht bloß Ägypter und 
Semiten wie ζ. B. Mesu (Moses) und Manetho, sondern auch noch 
aus Griechenland Pythagoras, Piaton, Eudoxus und Andere sich 
begaben und dort in allen Wissenschaften sich Rates holten 
(vgl. dazu „Vorzeit" S. 50. 89). So gilt Anu als die Hochschule 
für die medizinischen und astronomischen Studien. 

Solche herrlichen Entdeckungen Lauths durfte sich v. der 

Planitz nicht entgehen lassen. Jetzt erkennen wir, warum 

4* 



52 Schmidt-Grapow: 

Putiphra zum Astronomen des Re-Tempels von Anu kreiert wird. 
Jetzt staunen wir nicht mehr, woher die Weisheit Bd. V, S. 49 f 
stammt, daß außer den vielen Ägyptern, die dort studierten, auch 
vom Ausland Philosophen, Astronomen, Arzte und Geschichts- 
forscher zusammenströmten, und daß eine Reihe griechischer Be- 
rühmtheiten hier aufgeführt werden. Vor allem wissen wir jetzt, 
warum Anu die Lehrstätte für die medizinische Ausbildung Jesu 
war, und wie der durchgeistigte Kult des Sonnengottes auf 
seine religiösen Anschauungen nicht ohne Eindruck geblieben ist. 

Als Gegenstück zu Heliopolis erscheint Leontopolis mit seinem 
jüdischen Oniastempel. Je weniger wir aus den Quellen über 
diese jüdische Gründung wissen, um so mehr weiß y. der Planitz 
uns über das Leben und Treiben daselbst zu berichten. Hier 
wären alle Vorbedingungen gegeben gewesen für die Entwicklung 
Jesu zum Reformator seiner Glaubens- und Stammesgenossen. 
(Bd. V, S. 25). „Am Oniastempel amtierte" — so behauptet v. 
der Planitz — „eine hochgebildete, dem Sektenstreit in Jerusalem 
entrückte Priesterhierarchie. Der auffälligste Unterschied war, 
daß in Jerusalem eine ausgesprochen orthodoxe Buchstaben- 
Richtung herrschte, während die jüdische Priesterschaft des 
Oniastempels infolge ihrer engen Beziehungen zu den ale- 
xandrinischen Religionsphilosophen und den Wissenschaftlern in 
Heliopolis einen freireligiösen Standpunkt einnahm, der später 
in Jesus seinen größten Vertreter finden sollte". Die gewaltige 
geistige Höhe des Oniastempels, welchen er dabei vertrete, „er- 
kläre sich aus zwei Nährquellen: einesteils aus der "hoch- 
entwickelten alexandrinischen Judenschule, anderenteils aus der 
universellen Wissenschaftlichkeit des benachbarten Sonnentempels 
in Anu" (Bd. 5, S. 67f). 

Vor diesem selbstgezimmerten Hintergrunde baut v. der 
Planitz seinen Benanbrief auf und gibt als Romanschriftsteller 
eine eingehende Schilderung der örtlichen und geistigen Wechsel- 
beziehungen zwischen den beiden Tempeln und deren Vorstehern. 
Und obwohl er doch den ganzen Stoff aus den Fingern gesogen 
hat, behauptet er mit beispielloser Unverfrorenheit, daß wegen 
der Einzelheiten des Berichtes nur ein Zeit- und Ortskundiger 
der Verfasser sein könne. Alle Haupt- und Nebenmomente sprächen 
dafür, daß wir Authentisches vor uns hätten. Der christliche 
Kopte des 5. Jahrh. hätte von alledem nichts mehr beobachten 



Der Benanbrief. 53 

können, müßte also folgerichtig Unterlagen für seine Darstellung 
der alten verschollenen Verhältnisse gehabt haben, sofern er 
sie sieht einfach abschrieb (Bd. V, S. 48). Da hat v. der 
Planitz endlich einmal ein wahres Wort ausgesprochen, wenn er 
für „christliche Kopte" sich selbst einsetzt; denn er hat den 
Stoff aus Lauth herbeigeholt und moderne Keisehandbücher für 
die Ortsschilderungen abgeschrieben. Daher darf auch der be- 
kannte Marienbaum beim heutigen Matarije, in der Nähe des 
alten Anu gelegen, nicht fehlen. Zu der Sykomore begibt sich 
Jesus, nachdem er die Kranken geheilt; um ihn scharen sich die 
Kinder der Ägypter und Hebräer, um seinen Erzählungen zu 
lauschen, und streiten sich, welchem von beiden Völkern Jeho- 
schua angehöre (c. 24; Bd. I, S. 59 f). Diese Stelle wird uns 
als ebenso hochinteressant wie wichtig angepriesen, denn sie gebe 
den ersten und einzigen Anhaltspunkt, daß in dem ehemaligen 
Heliopolis noch heute ein Best von Erinnern an Jesu Aufent- 
halt sich durch die Jahrhunderte fortgeerbt habe, indem eine 
Sykomore gezeigt, unter der Jesus auf der Flucht nach Ägypten 
mit seinen Eltern geweilt. Diese Sage und die tausendjährige 
Verehrung gäben die unzweifelhafte Unterlage für die Annahme, 
daß schon in den Erzählungen der frühesten Christenheit Helio- 
polis in irgendeinem lokalen Zusammenhang mit der Person Jesu 
gestanden haben müsse. „Man wußte im 1. Jahrh. in der Gegend 
noch, daß Jesus hier gelebt habe, man wußte es vielleicht nicht 
mehr genau, aber einer sagte es dem andern: dort bei der 
Sykomore auf dem Platz der Getreidespeicher ist er gar oft mit 
uns gesessen, als wir noch Kinder waren. Als dann die ersten 
Generationen ausgestorben und die vier im 2. Jahrh. nieder- 
geschriebenen Evangelien als die allein maßgebenden Berichte 
über Jesum zur Geltung sich durchgerungen hatten, verknüpften 
die Nachgeborenen die vorhandene lokale Überlieferung mit dem 
Bibelbericht des Matthäus (2, 14 — 15) über die „Flucht nach 
Ägypten" und ließen nun nicht mehr den erwachsenen Jesus bei 
den Kindern, sondern Jesus selbst als Kindlein hier rasten. Wer 
sich mit der Erforschung von Sagenbildung beschäftigt hat, 
wird mir zweifellos zustimmen, daß hier eine Wurzel vorliegt, 
die in dem Bericht des Benanbriefes ihre Schößlinge emportreibt". 
— Solches Geschwätz muß natürlich auf gläubige Gemüter Ein- 
druck machen, da sie nicht ahnen können, mit welchem Material 



54 Schmidt-Grapow. 

und mit welchen Mitteln der Fälscher arbeitet, um den Baum 
zu einem der greifbaren Beweise zu stempeln, daß der Benan- 
brief historisches Tatsachenmaterial berge (Bd. V, S. 59 f u. 
Komment. Bd. III, S. 57). Schade, daß sein Lehrer Lauth noch 
keine Kunde von dem authentischen Benanbrief gehabt hat, als 
er in seinem Reisebrief (Nr. 47 der Augsburg. Allg. Zeitung) bei 
der Beschreibung des alten Heliopolis unter anderm schrieb: 
„Wo wird sich dieselbe (sc. heilige Familie) in Ägypten aufgehalten 
haben? Die Legende trifft auch hier das Richtige, indem sie 
Matarieh und die große weitästige Sykomore als den Fleck an- 
gibt, wo sie im Schatten Kühlung und Ruhe gesucht 

Der natürliche Zielpunkt der Flucht war die Judenstadt Oniu". 
Lauth wußte damals noch nichts von einem Jesus von Anu; er 
erblickte vielmehr in der Erzählung von der Sykomore eine Er- 
innerung an die Flucht der heiligen Familie nach Leontopolis. 
Ist hier vielleicht die Keimzelle für die Romanbildung des Herrn 
v. der Planitz zu suchen? Jedenfalls ist es eine unglaub- 
lich leichtfertige und absurde Behauptung, daß die Lokalsage 
stets lebendig geblieben sei seit den Tagen des Tiberius. 
Dies steht auf derselben Höhe wie die Bemerkung zu 
80, 3 (Komment. IV, S. 55), daß das Grab der Maria, der 
Mutter Jesu, sich nach uralter Tradition, die bis auf die Apostel- 
zeit zurückreiche, in nächster Nähe des Gartens Gethsemane 
befinde. 

Doch wir haben uns in diesem Exkurs sehr weit von dem 
eigentlichen Thema entfernt, welches das von Herrn v. der Planitz 
vorgelegte ägyptische Material aus den Münchener Sammlungen 
zum Gegenstand hatte. Nun erinnern wir uns, daß nach der 
Darstellung des Herrn v. der Planitz bei der Zusammenarbeit 
mit Rabenau als Vergleichsbasis für Materialstudien das Anti- 
quarium sowie die Glyptothek in München fleißig benutzt und 
dort zum Teil überraschende Resultate erzielt worden sein sollen 
(Bd. V, S. 131). Jetzt wissen wir, worin diese Materialstudien be- 
standen haben, vor allem — und das ist das überraschende Re- 
sultat — wissen wir jetzt, daß Rabenau mit Lauth identisch ist. 
Aber das war nicht der lebendige Lauth, sondern der verstorbene 
Lauth in seinen hinterlassenen Büchern, hier speziell in seinem 
Katalog der Münchener Sammlungen. So ertappt man endlich 
den Fälscher auf frischer Tat. 



Der Benanbrief. 55. 

Wir könnten damit aufhören, aber wir wollen doch nicht 
verfehlen, noch die 11. These (Bd. V, S. 135) kritisch zu würdigen, 
die also lautet: „Die durch Benan gebotene erstmalige Erklärung 
der Rätsel, welche sich um Mosis Existenz gruppieren und neuer- 
dings durch die in Memphis entdeckten Papyri Anastasi glän- 
zende Bestätigung gefunden haben". Näheres erfahren die Leser 
über diesen Fund ebend. S. 126 f: „Es sind dies der Papyrus 
Anastasi I der „Select Papyri" des britischen Museums, und 
Papyrus Anastasy I, 350 der Leydener Sammlung, die C. Lee- 
mans herausgegeben hat. Nach Notizen („Notices sommaires") 
des französischen Ägyptologen Chabas sind Anhaltspunkte vor- 
handen, daß die beiden Urkunden in den Ruinen des alten 
Memphis aufgefunden worden sind, aus denen ja auch der 
Benan-Brief stammt. Nach Chabas und dessen bahnbrechendem 
Werk „Voyage d'un Egyptien en Syrie etc." entstammen alle 
diese Urkunden einem unterägyptischen Grab, wohin sie aus 
einem altägyptischen Archiv gekommen waren. Die Schriftzüge 
zeigen den Charakter der Ramessidenzeit. Damit ist das zeit- 
liche Zusammentreffen der Niederschrift und der historischen 
Existenz Mosis erwiesen". Wir brauchen die ägyptologischen 
Kenntnisse des Herrn v. der Planitz nicht weiter anzustaunen, 
da sie dem schon oft erwähnten Werke von Lauth, Moses der 
Ebräer nach zwei ägyptischen Papyrus-Urkunden in hieratischer 
Schriftart, München, 1868 fast wörtlich entnommen sind, also von 
neuerdings entdeckten Papyri keine Rede sein kann. Lauth hatte 
S. 3 geschrieben: „Die Urkunden, aus denen ich meinen Stoff 
entnehme, sind: Papyrus Anastasi I der „Select Papyri" des Bri- 
tischen Museums, und Papyrus Anastasy I 350 der Leydener 

Sammlung, die Herr C. Leemans herausgegeben hat Ich 

werde sie der Kürze wegen einfach mit i und y bezeichnen. 
Über den Fundort haben wir leider keinerlei bestimmte Nach- 
richten, da jedoch Papyrus Leydensis I 351 nach den „Notices 
sommaires" des Herrn Chabas in (oder vielmehr bei den Ruinen 
des alten) Memphis aufgefunden worden ist, und dieses Akten- 
stück entschieden zu y (I 350) gehört, so dürfen wir auch letz- 
terem die gleiche Herkunft zuschreiben. Was den Papyrus i 
betrifft, so überhebt mich seine ausführliche Behandlung durch 
Chabas in seinem bahnbrechenden Werke: „Voyage d'un 
Egyptien etc." jeder näheren Beschreibung desselben. Auch 



56 Schmidt- Grapow: 

dieser scheint, nach manchen Anzeichen zu schließen, aus einem 
unterägyptischen Grabe oder Archive zu stammen" 1 . Was haben 
nun die Eätsel über Mosis' Existenz mit dem Benanbrief zu tun? 
Das geht zurück auf eine Episode 12, 14f, wo Jehoschua den 
begierig horchenden Knaben, zu denen auch Benan gehörte, von 
den früheren Schicksalen seines Volkes in Ägypten auf Grund 
der Mitteilungen des Obervorstehers Pinehas Kunde gibt, d. h. 
von Moses und dem Exodus. Unwillkürlich fragt man, was 
diese Nachrichten mit dem übrigen Inhalt des Benanbriefes zu 
schaffen haben, da sie fast ganz unmotiviert auf den ersten Augen- 
blick erscheinen und nur gewaltsam eingefügt. Offensichtlich 
kam es dem Romanschreiber darauf an, sich eine breitere 
historisch-religionsgeschichtliche Basis zu schaffen, die stark genug 
war, seinen Lügenbericht zu tragen. Er bedurfte anderer, älterer 
Beziehungen zwischen dem israelitischen Gottesglauben und 
Ägypten, vor allem solcher zu der Priesterlehre von Anu- 
Heliopolis. Es galt, den von dem Jugendfreund Benan ge- 
zeichneten Bildern von Jesu Leben und Wirksamkeit nicht bloß 
den passenden zeitgeschichtlichen Rahmen zu geben, sondern auch 
einen Hintergrund, von dem sie sich gut und glaubhaft ab- 
höben. Für dieses Unterfangen hatte ihm Lauth in seinem oben- 
genannten Buche über Moses ein unerschöpfliches Material ge- 
liefert. Denn nach den wilden Phantasien seines Meisters war 
Moses, der Hebräer, nicht nur in jenen beiden ägyptischen Ur- 
kunden genannt, sondern auch sein Vorleben war aufgedeckt: 
er hatte als heidnisch-ägyptischer Priesterschüler des Re in 
Anu geweilt, war Schreiber und Forscher über die Formeln des 
berühmten Weisen, des Prinzen Hartatef, gewesen, hatte eine 
große Reise durch Syrien unternommen, für den Pharao Kriegs- 
züge gegen die Aolana geführt, war als Rebell gegenKönigMenuptah 
aufgetreten und hatte zuletzt nach vielen Tumulten die Apriu 
von Anu aus Ägypten geführt. — Das waren natürlich für den 
jungen Jehoschua ganz unbekannte Fakta, und so mußte denn 



1) v. der Planitz hat das Referat von Lauth nicht genau verstanden, 
wenn er zunächst die beiden Urkunden in den Ruinen des alten Memphis 
aufgefunden sein läßt, während Lauth dies nur für Pap. Anastasi I 350 
und Pap. Leid. I 351 behauptet. Für Pap. Anastasi I dagegen nimmt er 
als Fundort ein unterägypt. Grab oder Archiv an. Das hat dann v. der 
Planitz sich in seinem Sinne zurechtgelegt und beides zusammengewürfelt. 



Der Benanbrief. 57 

Benan ihm sein bei den Priestern des Sonnentempels gewonnenes 
Wissen über Moses resp. Mesu ausschütten: „Wir aber im Tempel 
wußten noch mehr von diesem Mesu, der das Volk am Nil einst 
verhetzte. Wußten, daß er, ein Günstling des Königs, durch- 
streifte die Länder mit tausend von Kriegern. Wußten, daß er, 
voll Unruhe und Drang als Marina war gezogen gegen die re- 
bellischen Aolana in Rohana. Wußten, daß Tharbä, die Tochter 
des Königs, ihm ausgeliefert Saba, die Festung. Wußten, daß 
er, dann selbst ein Rebell, aufgestanden ist gegen Menuptah, 
den König, und daß er nach vielen Tumulten die Menge der 
Apriu geführt hat von Anu hinüber jenseits der Seen 1 ". Die 
Knaben von damals müssen großes Interesse für religiöse und 
geschichtliche Fragen gehabt haben, Jehoschua war ja kaum 
12 Jahre alt. Wie alt war aber Benan in jener Zeit? möchten 
wir neugierig v. der Planitz fragen. Denn nach eigener Be- 
rechnung soll Benan ein jüngerer Zeitgenosse Jesu gewesen sein, 
und zwar soll er etwa 10 Jahre jünger gewesen sein (Komment, 
zu 1, 3). In diesem Falle hätte aber Benan im Verhältnis zu 
dem 12 jährigen Jesus nur ein Alter von 2 Jahren gehabt. Es 
kann also in der Rechnung etwas nicht stimmen, d. h. der Roman- 
schreiber hat diese Ungereimtheit nicht bemerkt. Gute und 
selbständige Kenntnisse über Moses scheinen aber Jesus sowohl 
wie Benan nicht besessen zu haben, oder deutlicher gesagt, ihre 
Erinnerungen reichen gerade soweit, als Lauth nach seinem Buche 
in den beiden Papyri entdeckt zu haben glaubte, d. h. sie sind 
sämtlich ohne jeden historischen Wert trotz der hohen Autorität 
dieser gelehrten Zeugen. Pinehas sowohl wie die Re-Priester 
hätten ihren Schülern großen Unsinn vorgetragen, den sie über- 
haupt nicht hätten verantworten können. 

Wir haben ja schon Proben zur Genüge vorgelegt von der 
Frechheit, mit der im Benan gefälscht ist, und ebenso oft haben 
wir gezeigt, wie töricht v. der Planitz bei diesem seinem Ge- 
schäft vorgegangen ist. Aber angesichts dieser Mosesepisode 
können wir uns eines gewissen Mitleids mit dem Plagiator kaum 
erwehren, der wie ein hilfloses Kind alles vertrauensvoll ab- 
geschrieben hat, was sein Idol Lauth an Verkehrtem vorgebracht 



1) Hier muß die „Übersetzung" ganz frei sein, da die Sätze den 
hexametrischen Aufbau verraten. 



58 Schmidt-Grapow : 

hat. Hätte y. der Planitz sich auch nur ein wenig um die Auf- 
nahme dieser Phantastereien Lauths in der Fachwelt (und nicht 
bloß in dieser) bekümmert, so hätte er stutzig werden müssen. 
Aber völlig urteilslos, ja gänzlich blind sich nur auf Lauth und 
immer wieder auf Lauth stützend, hat v. der Planitz hier mit 
der Geschichte von Moses dem Hebräer in den ägyptischen 
Texten sich geradezu unsterblich blamiert. Von dem ganzen 
Wust ist auch nicht ein Buchstabe haltbar; alles und jedes ist 
falsch, und übrigens als mindestens sehr fragwürdig schon 
gleich nach dem Erscheinen des Lauthschen Buches erkannt 
worden. Heute, resp. 1910 vollends mit diesen „neuerdings" 
Ergebnissen vor das große Publikum zu treten, mutet uns wie 
ein Narrenstreich an. Und es ist im Grunde ein schweres Un- 
recht, begangen an Lauth, wenn seine unhaltbaren Hypothesen, 
die wir alle für längst zerstoben hielten, in dem modernen Ge- 
wände des Schwindelpapyrus aufs neue zu einem Scheinleben 
erweckt werden. Denn Lauth war unbedingt ein ehrlicher Mann, 
der von der Wahrheit seiner Resultate vollkommen überzeugt 
war; hier werden seine wissenschaftlichen Irrtümer von einem 
Betrüger ausgenutzt 1 . Doch wir sind es dem Leser schuldig, 
wenigstens im Groben die Verkehrtheiten zu erweisen. Das 
Proton-Pseudos von der Erwähnung des Moses in ägyptischen 
Texten beruht in der Hauptsache auf falscher Erklärung Lauths 
von einzelnen Stellen des Papyr. Anastasi I, den der französische 
Gelehrte Chabas 2 zuerst herausgegeben und übersetzt hat. Die 

1) Lauth hatte S. SO seinen „Moses" mit folgenden Worten beschlossen: 
„Ein Mann, dem der König (Ramses II) sowie der Kronprinz (Menuptah) 
so wichtige Aufträge erteilten, wie die Expedition nach Rohana und gegen 
die Schasu — die Aufstellung von Statuen und Obelisken; ein Mann, 
dessen Gunst und Verwendung von andern gesucht wird, konnte keine 
gewöhnliche Persönlichkeit sein: er mußte, so zu sagen, zum Hause des 
Pharao gehören. Als Richter, Schriftsteller, Heerführer, als Forscher über 
religiöse Dinge in eigentümlicher Weise .... hatte er sich passend vor- 
bereitet zu dem großen Berufe: Befreier, Gesetzgeber und Seher (Ver- 
fasser des Pentateuch?) — kurz, der größte Mann seines Volkes zu wer- 
den. Seine Reise nach Syrien, Phönizien, Palästina, Sinai-Halbinsel ist 
als Einleitung und Vorbereitung jenes weltgeschichtlichen Zuges anzu- 
sehen, den die Menschheit als Exodus bezeichnet". Und nun nehme man 
den Benanbrief, Bd. V, 37 ff zur Hand! 

2j Es ist charakteristisch, daß v. der Planitz dies Buch zitiert, das 
er nie eingesehen hat, sondern nur aus Lauth kennt. Dabei wird nun 



Der Benänbrief. 59 

Gesamtauffassung des Papyrus tut hier nichts zur Sache; für 
sie müssen wir auf Erman, Ägypten und ägyptisches Leben im 
Altertum, Tübing. 1885, S. 508 ff und auf Gardiners Neuheraus- 
gabe der Handschrift: Egyptian Hieratic texts, Part. I, Leipz. 1911 
verweisen. Denn es wird sich sogleich zeigen, daß Alles von 
der falschen oder richtigen Lesung und Deutung einiger ägyp- 
tischer Wörter und Namen abhängt: 

1) Moses. Der Mesu des Pap. Anast. I, 18, 2 ist nach Gar- 
diners Vermutung ein Kurzname des Königs Ra-mesu 1 ; jeden- 
falls hat er mit der Persönlichkeit des biblischen Moses absolut 
nichts zu tun. Der Mesu des Pap. Leidens. I 350, verso IV, 27 
kann nicht als Stütze für die falsche Identifikation mit Moses 
herangezogen werden, wie Lauth es S. 19 tut, denn an dieser 
Stelle liegt überhaupt kein Name Mesu vor, sondern ein Ptah- 
mesu. Lauth las den ersten Teil des Namens falsch. — Damit 
wird alles, was über die Persönlichkeit des Moses im Benänbrief 
und im Kommentar vorgebracht wird, hinfällig. 

2) Apriu. Die Apriu (pr, geschrieben c ß(zvj)r(3) sind 
nicht, wie man früher glaubte und im Benänbrief überall zu 
lesen bekommt, die Hebräer. Diese Gleichsetzung unterliegt aus 
sprachlichen und sachlichen Gründen an sich schon großen Be- 
denken; dazukommt, daß c /r eine Art Kananäischer Truppe be- 
zeichnet, und zwar niederen Ranges gegenüber den daneben ge- 
legentlich genannten Mrjn (Lauths „Marina"), die den syrischen 
Adel zu bezeichnen scheinen. 

3) Aolana. Was Lauth als „die Aolana" (Pap. Anast. I, 
17,3) las, ist, wie schon De Rouge, gegen den Lauth mit Un- 
recht polemisiert, richtig gesehen hatte, ein Wort: nrn (ge- ' 
schrieben n{ß) ' (i) r(w) η (ί), von Lauth irrigerweise in ni Artikel 
„die" und c 3rwn3, ^SlwnB zerlegt) und bezeichnet eine Art 
Truppe im ägyptischen Heere; das Wort entspricht semitischem D"n3>5 



wieder ängstlich vermieden, den Namen von Lauth irgendwie zu er- 
wähnen. 

1) Gardiner bemerkt in seiner Ausgabe: In a pamphlet which appeared 
in 1868, F. J. Lauth sought to prove that the Mohär i. e. the Egyptian tra- 
veller whose adventuresSin Syria are described in Anastasi I, was none 
other than the biblical Moses. This hypothesis which was principally 
based on Anast. 1, 18, 2 has deservedly passed into oblivion. — Auf die Toten- 
auferstehung im Benänbrief konnte er allerdings nicht gefaßt sein. 



ßfj Schmidt- Grapow: 

4) Rohana. Man las früher Anast. I, 17, 3 irrig r (i) h (i) 
η (i), das mit rkn, den Namen von Hammamat (östl. von Koptos) 
zusammengebracht wurde. Gardiner hat in seiner Neuausgabe 
des Papyrus die Lesung in d($)h(?)n(2) berichtigt. Der Name 
bedeutet jedenfalls eine Landschaft in Syrien, vielleicht nach der 
Vermutung von Gardiner d{ß)h{j) „Phönizien". Im übrigen 
hat v. der Planitz im Kommentar zu der Stelle in unnatürlicher 
Bescheidenheit behauptet, über die Aolana in Rohana wisse man 
nichts — er hat sich dabei wohl verschrieben und für er ein 
man gesetzt. Lauth wußte schon allerlei darüber zu sagen, aber 
da es ohne Erörterungen sprachlicher Art, die v. der Planitz 
obendrein nicht verstehen konnte, nicht abging, hat er im 
Kommentar lieber auf eine Erklärung verzichtet. Das ist der 
wahre Sachverhalt. 

5) Mapu. Moses soll ein Mapu (Papyr. Anast. I, 10, 8 und 
sonst) gewesen sein, d. h. nach Lauth (Moses S. 54) und v. der 
Planitz (Komment, zu 12, 16) ein Mitglied des Richterkollegiums 
der „Dreißig", das außer in Theben und Memphis auch in Helio- 
polis als königlicher Gerichtshof fungierte. So .wird Moses, der 
Günstling der Pharaotochter, zum Richter in Anu gestempelt. 
Der Titel „Mapu" ist von Lauth nach dem Vorgang von Chabas 
mit einem koptischen Zahlwort MATT=30 zusammengebracht 
worden, dieses aber lautet MÄÄB (theb.) und MAB (boh.). In 
Wahrheit ist nicht ms^w.=mpw zu lesen, sondern m{j)-pw, wohl 
aus 7/z(/)=„wer? was?" und /z£/==„das ist" bestehend, im Sinne 
eines Appellativums. Gardiner übersetzt zweifelnd „good Sir". 

Doch genug von diesen und anderen Einzelheiten. Es 
bleibt dabei, daß das über Moses im Benanbrief Vorgebrachte 
und als neueste Entdeckung Angepriesene grundfalsch, ja völlig 
aus der Luft gegriffen ist: Nichts von seinem Vater Amram, 
nichts von Bakenchons als dem Frohnvogt der unglücklichen 
Apriu, nichts auch von Tharbae und Sabal Diese letzten beiden 
Namen sind ebenfalls aus Lauth' s Moses S. 52 entwendet, der 
also schreibt: „Es verdient jedenfalls Beachtung, daß er auch 
nach jüdischer Sage (Syncellus, I 227) einen Feldzug nach 
Aethiopiens Hauptstadt Saba unternahm, welche er dadurch 
leichter eroberte, daß Θαρβή, die Tochter des damaligen Aethi- 
openkönigs, sich in den schönen Heerführer verliebte und ihm 
die Festung überlieferte". Daß Lauth dabei ausdrücklich von 



Der Benanbrief. 61 

einer jüdischen „Sage" spricht, ist für v. der Planitz Grund 
genug, die Geschichte als historisch beglaubigt in seinen Schwindel- 
text einzufügen! 

In diesem Sammelsurium von unsinnigen Behauptungen 
durfte die Exodusfrage nicht fehlen. Was wir darüber bei v. 
der Planitz (vgl. auch Bd. V, S. 54 f) zu lesen bekommen, ent- 
spricht den gehegten Erwartungen. Von der angeblichen 
Kebellion des Moses gegen Menuptah steht natürlich kein Wort 
in ägyptischen Texten, und was über die Pest und den Aussatz 
der Israeliten gefabelt wird, geht auf Manetho und dessen Ex- 
cerptor Josephus zurück. Im Einzelnen hier den Fälscher nach- 
prüfen oder gar ihn widerlegen zu wollen, hätte keinen Zweck. 
Es hieße, das ganze Exodusproblem l aufrollen, wollten wir das 
Durcheinander von Verkehrtem im Papyrus und Kommentar 
entwirren. Es werden obendrein die Namen der ägyptischen 
Könige durcheinandergewürfelt und die Regierungszahlen bald 
so, bald anders je nach der benutzten Quelle angegeben. Für 
die Beurteilung des Ganzen genügt es zu wissen, daß Lauth das 
Datum des Exodus genau auf das Jahr 1491 v. Chr. bestimmen 
zu können glaubte (Aus Ag. Vorz. S. 332) und daß v. der Planitz 
dies als historische Tatsache unbesehen aufnimmt, wobei er 
seinen Meister noch falsch ausschreibt (vgl. Komment, zu 8, 2). 

Dergestalt sieht der religionsgeschichtliche Hintergrund aus, 
durch den v. der Planitz seine Leben-Jesu- Fälschung in die rechte 
Beleuchtung rücken wollte. Man kann nicht leugnen, daß beide 
einander wert sind. Die so viel gerühmten Grundpfeiler des 
Beweises für die Echtheit des Benanbriefes sind elendiglich zu- 
sammengebrochen. 

Damit könnten wir bereits abbrechen mit unseren „Ent- 
deckungen", aber zum Nutz und Frommen der Benanenthusi- 
asten wollen wir noch einzelne Fälle dreister Entlehnungen auf- 
decken. Im Kommentar zu 55, 16 heißt es: „Stele, Gedenkstein, 
welcher in der Totenkammer aufgestellt wurde. Das Material 
ist fast immer Kalkstein. Oben ist die Stele bogenförmig ab- 
gerundet .... „0 ihr, die ihr vorüberwandelt!" [eine Textstelle, 

1) Wir verweisen dafür auf die besonnene Zusammenstellung des in 
Betracht kommenden ägyptischen Materials durch Spiegelberg, Der 
Aufenthalt Israels in Ägypten im Lichte der ägypt. Monumente, Leip- 
zig 1904. 



62 . Sckmidt-Grapow: 

die v. der Planitz erklären will] Anruf der Lebenden, der auch 
im Abendland später Aufnahme fand: „Siste viator!" — „Steh 
still, Wanderer!" — Soweit der gelehrte Kommentator. Man 
sollte nun meinen, daß nicht viel zur Beschreibung einer Toten- 
stele gehört, vor allem für einen Agyptologen von Fach, als 
welcher doch v. der Planitz bei seinen Lesern gelten will; auch 
wird man es nicht für unmöglich halten, daß er selbst gelegent- 
lich ein „siste viatoi" auf einem Grabstein gelesen habe. Doch 
wir irren uns. Bei Lauth, Erkl. Verzeichn. S. 16 lesen wir: 
„Unter dieser Benennung (d. h. Stelen) begreift man die Gedenk- 
steine, welche von den Angehörigen der Verstorbenen in der 
Totenkammer aufgestellt oder an den Wänden angebracht wurden. 
Sie bestehen in der Begel aus Kalkstein, sind oben bogenförmig 
gerundet, oder eckig mit einer architektonischen Ausladung 
usw." und auf S. 6: „Bisweilen scheinen rechts und links Statuen 
aufgestellt mit der Bitte: „0 ihr Vorbeigehenden usw., verrichtet 
das Übliche (Gebet) usw." wie auf den Grabsteinen der neueren 
Zeit das Siste viator!" 

Aber was wollen alle derartigen Unehrlichkeiten des Heraus- 
gebers besagen gegenüber den Fälschungen des Briefschreibers 
v. der Planitz? Gewiß sind die Angaben des Kommentars für 
die Beurteilung der ganzen Sachlage höchst wichtig, denn sie 
sollen ja nach dem Willen des Herausgebers die von dem Brief- 
schreiber vorgebrachten angeblichen Tatsachen stützen, sie als 
alt und authentisch erweisen, aber schließlich sind die Erklärungen 
eben doch nicht der Text; für sie wird nicht die Behauptung 
der Originalität und des hohen Alters erhoben. Der Brief aber soll 
sowohl alt wie originell sein, ein Werk des Arztes Benan zur 
Zeit Domitians — und er ist in Wahrheit ein Werk des Herrn 
v. der Planitz aus dem vorigen Dezennium. Keine bloße Phan- 
tasie etwa, sondern ein Mosaik aus vielen größeren oder kleineren 
Steinen, die er bald hier, bald da ausgebrochen hat, die er um- 
gemodelt und in der Form leicht geändert hat, um sie dann 
mittels eines Kittes eigener Fabrik zu einem neuen Bilde zu- 
sammenzufügen. Und diese Herstellungsart des Papyrus ist 
durchaus berechnet: durch sie soll dem Ganzen der Schein des 
Echten verliehen und dem Fälscher die Möglichkeit gegeben 
werden, sich für die Echtheit auf ähnlich klingende Stellen aus 
antiken Texten zu berufen, nur daß in allen Fällen die Ahnlich- 



Der Benanbrief. 



63 



keit künstlich ist, da ja die angezogene alte Textstelle keine 
Parallele bietet oder einen neuen Beleg enthält, sondern eben 
identisch ist mit den entsprechenden Worten des Briefes, für 
die sie als Beweis unabhängig vom Brief angezogen wird. 

Im Mittelpunkt des ganzen Anuspuks im Benanbrief steht 
das „Tempelgebet von Heliopolis" (34, 1 — 15), in dem der Ober- 
priester Ranebchru den Sonnengott um günstiges Geleit für 
Benan und Saites bei ihrem Aufbruche nach Palästina anfleht. 
Das Tempelgebet wird als einer der großartigsten Abschnitte des 
Benanbriefes angepriesen; man erkenne in ihm nicht nur die 
religiösen Anschauungen seiner Zeit, sondern finde bei näherer 
Betrachtung sehr bald die verschiedenen Elemente (altägyptische 
Grundformeln, hellenistische Anthropologie und orientalische 
Mystik), aus denen er gewoben sei. Das Packende aber sei die 
Entdeckung, daß der berühmte paulinische Satz Roem. 11, 36, 
den Paulus jedenfalls aus der Nazarenergemeinde in Jerusalem 
und durch diese also von Jesu übernommen hat, direkt aus dem 
ägyptischen Tempel von Anu stamme (s. o. S. 51). Jedenfalls 
sei dieses Tempelgebet unverändert aus dem Urtext in die kop- 
tische Übersetzung herübergekommen. — So sind auch wir ge- 
zwungen, diesen Text ausführlicher zu behandeln, als er es im 
Grunde verdient, da er ja wie alles andere ebenfalls durch v. 
der Planitz gestohlen ist. Das Gebet stammt nämlich aus dem 
so oft. genannten Buche von Lauth „Moses, der Ebräer". Lauth 
hatte seinem Buche im Anhange eine vollständige Übersetzung 
des Leidener Papyr. I 350 (auch Papyr. Anastasy genannt) bei- 
gegeben, der eine Sammlung von Hymnen auf Amon enthält, 
die etwa um 1300 v. Chr. niedergeschrieben sein mögen. 

Der ägyptische Text ist sehr umfangreich, — er hätte wohl 
20 und mehr Seiten des Formats der Benanserie eingenommen, 
statt der 2 Seiten des „Tempelgebets", — und so mußte ihn v. 
der Planitz, da er ihn offenbar möglichst vollständig geben wollte. 
ζ. T. stark überarbeiten, aber er hat doch Vieles fast wörtlich 
übernommen, so daß die Benutzung leicht illustriert werden kann 



Benanbrief 34. 

1. Höre mich Einziger! Höre 
den Beter! 



Pap. Leiden I 350 (nach Lauth) 
IV, 17—18 

DerEinzige, Gepriesene, 
Er versetzt in Wohlbefinden. 



64 



Schmidt-Grapow : 



2. Du dessen Bild unter Mil- 
lionen nicht zu entdecken ist, 
denn kein Gott vermag es zu 
malen auf die Wände des Tem- 
pels, gib Geleit meinen Söhnen! 



6. Der Tag und die Nacht 
ist dein Werk. Die Sterne hast 
du gesetzt an ihre Plätze und 
aller Raum ist erfüllt von dir. 



7. Theben ist wohl ein Pa- 
last: aber dein Ruhm strahlt 
von Anu. Der Sonnendiskus 
ergießt seine Strahlen über 
Amon; du aber bist selbst diese 
Sonne, die leuchtet über allen 
Göttern. 

9. Du nährst die Götter und 
erhältst die Menschen, du gibst 
ihnen Maß und bleibst selbst 
unermeßlich. Du stehst ver- 
hüllt vor ihren Augen und be- 
seitigst selbst jeden Schleier. 
Du schaust in jede Kammer 
und kennst die Bitten, ehe sie 
gesprochen. 



Verehrt wird er mehr als die 
Götter; nicht ist bekannt das 
Bild seines Geistes; er bewegt 
sich nach oben, er senkt sich 
nach unten; nicht weiß irgend 
ein Gott sein wahres Aus- 
sehen; nicht ist sein Bild- 
nis gemalt auf Wänden. 
II, 16: 

Ausgedehnt wie derLän- 
der Raum (bist du); indem 
du machst deinen Zeit- Gang, 
den täglichen; Schöpfer des 
Standpunktes der Gestirne; 
Tage und Nächte sind ge- 
legt in deine Hände. 

II, 24: 

Ein Palast ist Theben, 
Anu eine Wohnung des 
Ruhmes. 

III, 1: 

Der Sonnendiscus des 
Himmels ergießtseineStrah- 
len über dich; 

III 14—16: 

Reicher Gott, du besorgst 
ihre Sättigung! Verhüllter 
am Wesen, sich entziehend 
der Messung, gebend Gebote 
den Menschen, unwiderspro- 
chene! Durchdringend mit den 
Augen, beseitigend den 
Nebel; . . . . erschließenddie 
Kammern nach den Antrieben 
seines Herzens; er lenkt sein 
Augenpaar wie sein Ohrenpaar 
auf allen seinen Wegen nach 
seinem Belieben; dasKommen 



Der Benanbrief. 



65 



der noch nicht Bittenden 
ist ihm offenbar; .... 

IV, 12—13: 

Geheimnisvoller an Ge- 
stalt, Glänzender an For- 
men, wunderbarer Gott, 
vielfältiger an Gestalt. 

IV, 13 u. 15: 

Er ist der Alte der Be- 
wohner von Anu; Er 

ist der Allherr, der Anfang 
aller Wesen. 

II, 1—2: 

. . . die Anbetung seiner Ge- 
heimnisse, sie widerhallt im Be- 
zirke der Sonnenstadt, sie 
ertönt von den Mauern: 
Ο mächtigster Gott, Geist 



12. Deine Gestalt ist Ge- 
heimnis, deine Form ist Glanz, 
dein Werk ist Wunder, dein 
Leben ist die Jahrzahl der 

Götter. 

13. Du bist der Alte von Anu, 
den sie nennen Anfang aller 
Wesen. 



14. Und von den Mauern 
deines Tempels erschallt der Ge- 
sang: 

15. „0 mächtigster Gott, Geist 
der göttlichen Geister. Du Einer 
und Einziger, dessen Wesen j der göttlichen Geister, wie 
verborgen ruht in den acht Göt- der anderen Seelen; ο Einer, 
tern. Höre uns! Höre ans!" | Einziger; ο Gott, ehrwürdiger, 

dessenNamen verborgen ist 
! in den 8 Göttern! 

Diese auszugsweise Gegenüberstellung der Lauth'schen Über- 
setzung und ihrer Bearbeitung im Benanbrief spricht deutlich 
genug für die Fälschung, für die es an sich gleichgültig ist, ob 
Lauth richtig oder falsch übersetzt hat 1 . Man wird jedenfalls 
künftig nicht mehr diesen „echt heidnischen Bestandteil" als 
Beweis für die „Echtheit" des Benan-Papyrus anführen dürfen, 
vollends nicht, da v. der Planitz selbst freundlicherweise dafür 
gesorgt hat, den Schwindel auch für seine begeistertsten An- 
hänger evident zu machen! Denn er hat in Abschnitt 8 seines 
Tempelgebets aus Lauth eine Lesung mit übernommen, die beim 
besten Willen nicht dem guten Benan zugeschrieben werden 
kann: 



1) Die Hymnen sind von Gardine r, Zeitschr. f Äg. Spr. u. Alter- 
tumskunde Bd. 42 (1905), S. 1 ff neu herausgegeben und übersetzt worden. 
T. u. U. '20: Schmidt-Grapow. 5 



66 



Schmidt-Grapow : 



8. Es schwillt der Nil aus 
seinen Quellen, ein Cherub 
rauscht ihm voraus und breitet 
seine Flügel. Schnell wie der 
Gedanke jagt er dahin, hinab 
nach dem Meere, kündend den 
kommenden Segen, den du uns 
sendest. 



III 1-3: 

Es schwillt der Nil aus 
seinen Quellen auf deine 
Veranlassung; die Erde hält 
dein Bildnis; Schöpfer des 
Fremdlandes nach den Rat- 
schlüssen des Seb; dein Name 
ist siegreich, dein Geist ge- 
wichtig; nicht ist ein Wisser 
des Bösen würdig zu verehren 
deinen Geist; dein Haupt ist 
von einem göttlichenCheru 
(-b?), welcher ausbreitet 
seine beiden Flügel; schwe- 
bend strebt er und erreicht 
ihn in der Dauer eines 
I Augenblickes. 
Lauth hat den „göttlichen Cherub" wenigstens mit einem 
Fragezeichen versehen, das b wai; ihm bedenklich; Planitz läßt 
das Zeichen des kritischen Zweifels fort — er weiß nicht, was 
das für ein Gefühl ist — , und so „rauscht der Cherub" in seinem 
lächerlichen Gebet, als ob er das in Ägypten gewöhnlich zu tun 
pflegt. Leider stimmt die Sache aber nicht so ganz: Was L. 
aus unbekannten Gründen Cheru(-b?) las, ist in Wahrheit bjk 
zu lesen, und die Stelle (Pap. Leiden I 350, 3, 3) heißt richtig: 
bjk ntrj pd dnhzvj „ein göttlicher Sperber, der die Flügel aus- 
breitet". Und nicht genug damit, v. der Planitz fühlt sich als 
Religionshistoriker und erlaubt sich zu Cherub im Komment. 
Bd. III, S. *68 folgende ungeheuerliche Bemerkung: „Wie er- 
sichtlich, stammt nicht nur der Monotheismus der Juden, sondern 
auch deren Engelglaube aus Ägypten. Man denke an die beiden 
Cherubime auf der Bundeslade des aus Ägypten fliehenden 
israelitischen Volkes". Sapienti sat! 

Als Einleitung zum ersten Gleichnis Jesu vom Weizen er- 
zählt Benan: „Wir gingen eben an einer Tenne vorüber, auf 
welcher der Drescher, seinen Ochsen treibend, sang: „Dresche, 
mein Ochslein, dresche! Tritt fest und sicher und gut! Dresch 
dir das Futter und mir das Brot! Haben wir beide dann keine 
Not! Dresche, mein Ochslein, dresche!" (21, 1—2). Dazu sagt 



Der Benanbrief. 67 

der Kommentar: „das Drescherlied, offenbar ein beliebtes Volks- 
lied, ist wohl wörtlich, aber in deutsche Rhythmen geordnet, frei 
wiedergegeben." Nun, dem eben läßt sich nicht beipflichten. 
Man übersetzt frei oder wörtlich, aber nicht beides, wie es v. 
der Planitz angeblich tat: In Wirklichkeit hat er gar nicht über- 
setzt, denn das obige Lied ist eine sehr freie Umdichtung eines 
Liedchens, das uns in einem Grabe aus der 18. Dyn. bei der 
heutigen Stadt El Kab in Oberägypten erhalten ist und das 
folgendermaßen lautet: „Drescht für euch, drescht für euch, (ihr) 
Ochsen, drescht für euch! Stroh [für euch] zum Futter, Korn 
für eure Herren! Gönnt euch keine Ruhe!" So die bessere Fas- 
sung des in zwei Varianten vorliegenden Originals, das der 
Fälscher natürlich nicht vor Augen gehabt hat. Aber mit welcher 
der vielen deutschen Übersetzungen v. der Planitz gearbeitet hat, 
läßt sich nicht sagen. Allzu genau war diese offenbar nicht, 
oder das „tritt fest und sicher und gut" ist seine Erfindung. 

Das würde uns nicht wundern, da er in einem andern ganz 
ähnlichen Fall mit der Übersetzung auch mehr „frei" als „wörtlich" 
verfahren ist, d. h. nicht mit seiner Übersetzung aus dem nicht 
vorhandenen Papyrus, sondern mit der von ihm benutzten 
deutschen Übertragung der sogenannten „Klagen der Isis und 
Nephthys", die uns in mehreren späten Papyrus erhalten sind. 
Diese Klagen der beiden Göttinnen um den toten Bruder und 
Gatten Osiris haben dem Fälscher als Muster für seine „Klage 
der Asartis" (55, 12) um Jesus gedient. Aber so sehr auch der 
Dichter v. der Planitz mit dem Agyptologen und Fälscher v. der 
Planitz durchgegangen ist, soviel ist doch geblieben, um diesmal 
die Quelle aufzufinden, aus der die UrÜbersetzung stammen 
könnte. Das „kehre zurück" des Liedes der Asartis paßt zu gut 
zu dem „kehre wieder" der alten Brugschen Übersetzung jenes 
Papyrus (Die Adonisklage und das Linoslied, Berlin 1852, 
S. 22 — 23), als daß hier kein Zusammenhang bestehen sollte, 
es sei denn, daß auch Lauth oder ein Anderer das ständige 
„Komm in dein Haus" des Originals so ungenau mit „kehre 
zurück" übersetzt haben sollte. Halten wir uns an das Wahr- 
scheinlichere, indem wir die Nachdichtung des Herrn v. der Planitz 
„der Klage der Isis, jedenfalls eines sehr alten ägyptischen 
Liedes" (Kommentar zu 55, 12) mit der Brugschen Übersetzung 
vergleichen: Im Benanbrief heißt es: „kehre zurück und komme, 

5* 



58 Schmidt-Grapow: 

ach komme wieder, Osiris! Kehre zurück und schaue, ach 
schaue die trauernde Schwester! Kehre zurück und tröste, ach 
tröste sie, einziger Bruder! Sieh', wie sie leidet und weint, wie 
ihre Wangen erbleichen! Kehre zurück und schaue, ach schaue 
die trauernde Schwester! Horch, wie sie ruft und klagt: Mein 
Bruder, wo ist er, mein Bruder? Kehre zurück und komme, ach 
komme wieder, Osiris!" Von der Brugschen Übersetzung der 
Klagen — die viel länger sind, als es nach v. der Planitz scheint 
— geben wir hier nur die für die Erkenntnis der Fälschung in 
Betracht kommenden Stellen: „Kehre wieder, kehre wieder, 
Osiris, kehre wieder! .... damit du mich schaust, deine Schwester, 
die dich liebet .... Ach schöner Jüngling, kehre wieder, kehre 

wieder mein Herz ist betrübt um dich .... Ich bin ja deine 

Schwester, . . . wie ich klage um deinetwillen, wie ich weine und 
gen Himmel schreie, auf daß du hörest mein Flehen .... kehre 
wieder .... damit du schauen mögest .... Sprich doch mit 
uns!" — Man sieht deutlich genug, denken wir, daß diese Sätze 
aus den Klagen der Isis und Nephthys dem Fälscher für sein 
„neues Lied" zum Muster gedient haben und wie sie es getan. 
Andererseits würde v. der Planitz vermutlich sich auf eben diese 
Übersetzung berufen, um zu beweisen, daß Asartis ganz im alt- 
ägyptischen Geist und Stil jammert — denn es gibt hier ja eine 
echt ägyptische Parallele zu ihrem Lied! 

Der Spruch, den Benan am Krankenlager des Caligula her- 
betet (Brief 59, 12), lautet also : „Treib aus seinen Adern die tük- 
kische Nubierin, die sein Blut vergiftet und seine Glieder in 
Schweiß setzt! Verscheuche sie, deren Nase nach hinten ragt, 
im Dunkel der Nacht und laß ihren Platz erfüllen von dem 
jungen Blute, das Kraft ihm leihe zu weiterem Leben und 
Ruhme". — Dies stammt aus Pap. Berlin 3027, den Erman 1901 
in den Abhdlgn. der Berl. Akad. als „Zaubersprüche für Mutter 
und Kind" erstmalig veröffentlicht hat. Der Fälscher hat 
aber vermutlich nicht diese wissenschaftliche Ausgabe be- 
nutzt — wie sollte er das auch als Laie können! — , sondern 
das schon 1899 erschienene „Handbuch aus den Papyrus der 
Berliner Museen", in dem Erman auf S. 77 ff eine Übersetzung 
des Papyrus im Auszug gibt. Die in Betracht kommenden 
Stellen lauten (S. 77 = Pap. Berl. 3027, 1, 10): „Laufe aus, du, 
die im Dunkel kommt, die im ... . eintritt, deren Nase nach 



Der Benanbrief. 69 

hinten steht, deren Gesicht verkehrt ist, der entgeht das, wes- 
wegen sie kam" und auf S. 78 (=Pap. 3027, 2, 8): „Fließe aus, 
du Asiatin, die aus der Fremde kommt, du Negerin, die aus 
der Wüste kommt!" Diese beiden (übrigens in verschiedenen 
Sprüchen stehenden) Anrufungen an die als fremdes böses Weib 
gedachte Krankheit hat der Fälscher in geänderter Form (mit 
,,Nubierin" statt „Negerin" usw.) kombiniert und sie mit Zu- 
sätzen eigener Fabrik als neuen Spruch dem guten Benan in den 
Mund gelegt, der natürlich nicht ahnt, daß sein „Ruf an die 
Gottheit" (59, 12) eigentlich Rufe an die Krankheit selbst sind. 
Übrigens entstammt unter anderm auch das „seine Glieder in 
Schweiß setzt" des Schwindeltextes derselben Quelle: In dem 
zweiten echten Spruch heißt es nämlich weiter: „Komme in 
seinem Harn, komme im Niesen seiner Nase, komme im Schweiß 
seiner Glieder". Das ganze Drum und Dran dieser Kur: „die 
metu seiner Stirn waren heiß" usw. (Benan 59, 11) ist natürlich 
aus ähnlichen Diagnosen ägyptischer medizinischer Papyrus ent- 
liehen, wohl aus dem Pap. Ebers 1 , aus dem der Fälscher im 
Kommentar Parallelen zu dem hier im Benanbrief Vorkom- 
menden anführt. Diese „Parallelen" sollen die Echtheit be- 
zeugen: in Wahrheit sind sie die Quellen des gefälschten Brief- 
textes. Wenn im übrigen Benan seine hohen Patienten Caligula 
und Claudius vor allem durch Erbrechenlassen und mit Abführ- 
mitteln heilt (60, 8 und 63, 3), so natürlich nur deshalb, weil 
v. der Planitz irgendwo gelesen hatte, daß dergleichen Rezepte 
in den mediz. Papyrus nicht selten sind, und weil er den daraus 
aufgegriffenen Fachausdruck „Öffnung des Leibes" (63, 3) gern 
an den Leser bringen wollte. 

In den bisher erörterten Fällen hat PL sich ganzer Texte 
oder doch größerer Textabschnitte bedient. Bei anderen Ge- 
legenheiten genügen ihm ein paar Sätze aus einem der wenigen 
ägyptischen Texte, die ihm in Übersetzungen zugänglich waren. 
So geht 33, 5 der Vergleich „Ihre Pferde sind schnell wie Panther, 
ihre Augen wie glühende Kohlen und sie jagen den Feind wie 
der Sturmwind" augenscheinlich auf Pap. Anast. I, 18, 5 zurück: 

1) Oder aus Pap. Berlin 3038, dessen Ausgabe durch. Brugsch (Rec. 
de mon. II S. 101—120) der Fälscher nennt (vgl. Benanserie Bd ΙΠ, 60), 
den er aber vermutlich auch in der Übersetzung Ermans in dem oben 
genannten Handbuch benutzte. 



70 Schmidt- Grapow: 

„du spannst Pferde an, schnell wie Schakale, .... wie das 
Stürmen des Windes, wenn er losbricht", wobei in Planitz' 
Wiedergabe die „Panther, ihre Augen wie glühende Kohlen" 
auf Lauths falscher Übersetzung „die Eosse sind hurtig wie die 
Panther, rot ist ihr Auge" beruht. Auf keinen Fall könnte es 
so im Brief des Benan gestanden haben; denn der Panther ist 
nie das Bild der Schnelligkeit im Ägyptischen und der Vergleich 
der Augen mit glühenden Kohlen ist ebenfalls ganz unägyptisch. 
Aber auf dergleichen kommt es v. der Planitz nie an: läßt er 
doch auch 8, 5 den alten Priester tränenden Auges Benan an 
die schöne Zeit erinnern, da „sie saßen auf den Matten unter 
den Säulen rings um den Erheller der Schrift, malend den 
Hymnusauf dieTontafeln", und erklärterdoch selbst imKommen- 
tar, daß „der Hymnus ein Übungsstück gewesen sei, das die 
Schüler auf TafelnvonTon niederschrieben (einkratzten)". Diese 
Verquickung von Keilschrift und ägyptischer Schrift ist so arg, 
daß man vermuten möchte, der alte Priester hätte über diese Tor- 
heit seines geistigen Vaters und Erklärers seine Tränen vergossen. 

Bei Lauth hatte v. der Planitz im Manetho auf S. 239 unten 
einen Namen gefunden, den Lauth „A! na" las und mit „Wehe 
mir" übersetzte. Und weiter hatte er in demselben Buch auf 
S. 61 gelesen, daß auf einer Stele zu Neapel der Sonnengott an- 
gerufen wird: „Vereiniger der beiden Welten, Fürst der Gegend 
des Sonnenaufgangs, dessen Licht erleuchtet die Welt, dessen 
rechtes Auge die Sonnenscheibe, dessen linkes Auge der Mond 
ist; seine Seele ist die strahlende Mittagssonne". Beide Stellen 
schienen ihm nicht ungeeignet, zu einem Klageruf an den Re 
kombiniert zu werden, den er für seinen Brief gerade brauchte, 
und so schuf er das Lied des Ranebchru 51, 9: „A! na! A! na! 
Gott aller Götter, unsterblicher Re, .... dein rechtes Auge ist 
die Sonne, dein linkes der Mond, deine Seele das Licht. Du 
siehst und durchleuchtest alles Sein und Geschehen. Du allein 
weißt, warum dies geschehen" (nämlich der Tod Jehoschuas). 
Dazu heißt es nun im Kommentar: „A! na! wehe mir (ägyptischer 
Klageschrei)" und „dein rechtes Auge usw. . . . Licht": stehende 
Gebetsformel; denn sie findet sich in gleichem Wortlaut als Anruf 
an Re auf der Stele von Neapel, welche Brugsch entziffert hat". 

Nachdem auf die Nachricht von Jesu Tod ein Toten gericht 
über den Dahingegangenen im Tempel von Anu abgehalten 



Der Benanbrief. 71 

ist (52, 1 — 3), wobei dem Fälscher die ägyptischen Darstellungen 
vom Gericht im Jenseits und die daraus entstellte griechische 
Erzählung bei Diodor I 72 von einem Gericht auf Erden nach 
dem Tode wunderlichst im Text und Kommentar durcheinander 
gehen, und das „Ertönen der Posaunen" sowie „die Bildung des 
Ringes" bei der Aufstellung der Priester stark an die Mystik 
der Zauberflöte erinnern, begibt sich die gesamte Priesterschaft 
einige Zeit darauf nachts zum großen Sphinx bei Gise. Denn 
der im Sphinx dargestellte Sonnengott soll den im Totengericht 
sündlos befundenen Sohn auch der ganzen Welt als den einzigen 
Gerechten bekunden. 

Das Material für diese „Fahrt zum großen Sphinx" (Brief 
Kap. 53) fand v. der Planitz wieder bei Lauth in dessen Buch, 
Aus Ägyptens Vorzeit, 1881, S. 52, 59. 145 f. Die Namen des 
Sphinx „Neb" und „Harmachu", sein „rotes Gesicht" u. A. hat 
er diesem Werk entnommen, und dazu vor allem auch die An- 
regung zu dem Gebet, das der unvermeidliche Ranebchru vor 
dem Gotte rezitiert. Lauth erwähnt nämlich auf S. 146 die be- 
rühmte Stele Thutmosis IV, auf welcher der König erzählt, daß 
er den Sphinx vom Sande befreit habe, als der Gott selbst im 
Traume „gleichwie ein Vater zu ihm, als seinem Sohu" davon 
gesprochen hätte. Und im Gebet der Herren v. der Planitz- 
Ranebchru-Benan steht folglich auch gleich zu Anfang: „Möge 
Jesus die Stimme des Neb vernehmen: „Ich rede zu dir, gleichwie 
ein Vater spricht zu seinem Sohne". Im Weiteren aber mußte 
der Fälscher sich, da Lauth den Text der Stele nicht übersetzt 
hat, nach einer anderen Quelle umsehen, die er dann auch glücklich 
in seinem Leibbuch „Moses der Ebräer" fand. Denn wenn es in 
der Rede des Gottes im Gebet bei Benan weiterhin heißt: „Du 
sollst in meiner Lichtbarke fernerhin fahren am Himmel"; „Ne- 
pura reiche dir das Brot und Hathor die Getränke"; „Osiris 
selbst soll dich laden zur Tafel, wenn er kommt aus Abydos, 
und führen dich in den Kreis der ewigen Götter." „Selbst ein 
Gott, sollst du wandeln in jeder Gestalt an jeglichem Orte", so 
ist das nur eine Paraphrase folgender Stellen aus Pap. An. I, den 
Lauth a. a. 0. S. 82 übersetzt hat: „mögest du durchfahren den 
Himmel" (III, 4); „es möge reichen dir Nepura Brote, Hathor Ge- 
tränke" (IV, 1); „empfange Speisen von der Tafel des Osiris, 
welcher hervorgeht mit Nahrung aus Abydos" (IV, 3); „du tretest 



72 Schmidt-Grapow: 

ein zu dem Götterkreise" (IV, 4); „stehest an dem dir beliebenden 
Ort in allen Gestalten" (IV, 5). 

Diese Verheißung geht auch prompt in Erfüllung. Denn 
bevor die Priester zum Tempel zurückkehren, geschieht das größte 
der Wunder: ,, Während wir Jehoschua bei Memphis ehrten, war 
Phoinix über dem Tempel in Anu erschienen, hatte auf dem 
Altar des Re gebaut sein Nest aus Myrrhen, sich selbst darin 
verbrannt und war aus den Flammen verjüngt zur Sonne empor 
dann wieder gestiegen" (54, 4) und Banebchru deutet den Vor- 
gang: „Jehoschua ist der, den er deutet. Als der Knabe ge- 
boren wurde, erschien Sopdet am Himmel. Als der Mann dahin- 
ging, erschien Bennu auf Erden. Sowie dieser Bennu aus seiner 
Asche entstieg, so ist Jehoschua erstanden vom Grabe" (54, 78). 

Im Einzelnen auf dieses Gewirr von falschen und halb- 
richtigen Nachrichten über den Phönix einzugehen, die der 
Fälscher zum Teil im Kommentar angibt (es sind verschiedene klass. 
Autoren wie Tacitus, Plinius u. a., die er zitiert), ist zwecklos. 
Nur sei betont, daß der kopt. Schreiber den Namen des Phönix 
mit Bennu wiedergibt: das ist nicht nur falsch, da der Name bmv 
lautet und nur ein η enthält 1 sondern auch recht seltsam, da 
das griech. φοίνιξ, dasselbe Wort ist wie bnw. Das weiß aber 
der arme Kopte nicht, weil v. der Planitz das nicht weiß: im 
Kommentar steht als Erklärung für ,, Bennu" nur „Vogel 2 "! 
Die Idee von der Einflechtung dieser Phönixepisode verdanken 
wir aber nicht dem alten Benan, sondern dem seligen Lauth, 
der nicht genug von den Sothis- und Phönixperioden in seinen 
Büchern orakeln konnte. Der Tempel des geheiligten Anu war 
ja einzig und allein der Ort, an dem der Phönix erschien und 
dessen Erscheinen festlich in Anu begangen wurde. (Lauth, 
Moses S. 62 f.). Die Verwendung von Lauth zeigt sich noch 
deutlicher in zwei Kleinigkeiten: 54, 8 liest man in der Rede 
des Ranebchru betreffs Jehoschua „erstanden vom Grabe". Nach 
dem Komment, zu der Stelle heißt es im Text wörtlich: „So ist 
sein Hervorkommen am Tage". Das stammt aus Lauth „Moses" 
S. 51, wo vom „Kapitel vom Hervorkommen an einem Tage" 
d. h. von der einstigen Auferstehung die Bede ist. — Der Text 

1) Das stammt von Lauth, der in seinem „Moses" stets bennu schreibt 
(s. S. 57 f). 

2) Das kommt daher, daß Lauth von „Vogel" spricht. 



Der Benanbrief. 73 

bei Benanfährt fort: „wie er selbst durch sein Wort bestätigt hat". 
Dazu bemerkt v. der Planitz: „im Text wörtlich: „bewahrheitend 
in seiner Rede". Diese Redensart fand er auf derselben Seite bei 
Lauth: „Es ist das Kennen dieses Kapitels bewahrheitend (recht- 
fertigend) seine (des Verstorbenen) Rede auf Erden". An beiden 
Stellen handelt es sich um Überschriften des Totenbuches, des- 
halb auch die Verwertung bei der Totenrede des Ranebchru. 
Man hätte einem Oberpriester größere geistige Selbständigkeit 
als Benutzung des geistigen Eigentums von Lauth zugetraut! 

Der Text des Briefes klingt aus in eine Betrachtung des 
Heiden Benan: „Nochmals kämpfen die Götter, so scheint es, die 
gewaltige Schlacht von Tes-hor. Nochmals steht Re an der 
Spitze der Götter des Lichts, wie ich in Atbu gelesen am Tempel 
desHorus. Aber nicht Re, sein Sohn Horus, der als Sonne des 
Orients erscheint, besiegt und beherrscht diesmal das Weltall. 
Und die Sonne des Orients wird zum Lichtquell des Universums" 
(100, 5). Setzen wir, wie es gedacht ist, für Horus: Jesus, und 
für Re: Gott, so hat Benan ja Recht behalten. Nur in einem irrt 
er: nicht am Tempel von Atbu hat der alte Benan das gelesen, 
sondern der moderne v. der Planitz bei Dümichen in dessen Geo- 
graphie d. a. Ägyptens, Berlin 1887 (Onckens Weltgesch. 1, 1), der 
auf S. 43 den Horusmythus behandelt und dabei auch von dem 
„Kampf" „in Tes-Hor" und von „Atbu" als dem Namen der 
Stadt Edfu spricht! * 

Wir stehen am Ende unserer kritischen Untersuchung des Be- 
nanbrief es. Bis jetzt ist nur das ägyptologische Material — und auch 
dieses nur lückenhaft — geprüft worden; es fehlt noch für den 
zweiten Textband die Aufdeckung der Quellen, welche für die Ge- 
schichte des ältesten Christentums und für die römische Kaiserge- 
schichte verwendet sind, aber eine Untersuchung dieses Stoffes würde 
genau dasselbe Bild ergeben. Nur zur Charakterisierung der 
Arbeitsmethode möchten wir aus der Fülle ein instruktives Bei- 
spiel herausgreifen. Kapitel 6 hat v. der Planitz betitelt: Kaiser 
Tiberius und Jesus. In diesem erinnert Benan den Straton an 
ihre erste Unterredung über die Christianer und ihren Jehoschua 
bei der Begegnung auf der Insel Capri. Straton habe ihm er- 
zählt von dem Antrag des Kaisers und dessen Rede im Senat, 

1) Es ist dieselbe Stelle, aus der die beiden Titel Vignetten entlehnt 
sind (s. o. S. 34). 



74 Schmidt-Grapow: 

diesen Jehoschua unter die Götternamen zu schreiben und seine 
Anhänger zu achten wie jene des Osiris, der Astarte und anderer 
Götter des Orients. Auf die verwunderte Frage des Beuan, 
welches die Ursache zu solchem sonderbaren Antrage gewesen, 
habe Straton das bisher sorgfältig gehütete Geheimnis preisge- 
geben. Darnach wäre Tiberius von einer furchtbaren Krankheit 
heimgesucht gewesen, die kein Arzt, auch kein ägyptischer oder 
chaldäischer Zauberer heilen konnte. Da hätte Procula, die Ge- 
mahlin des Pilatus, mit dem Brief ihres Mannes ein Tuch von 
angeblicher Heilwirkung geschickt. Tiberius hätte über diese 
Naivität gelacht und das Tuch• unbeachtet beiseite gelegt. Nach 
einiger Zeit hätte Abgar, Toparch von Edessa (Syrien), über Je- 
hoschua und eine ähnliche Heilung berichtet; infolgedessen wäre 
auf Befehl des Kaisers das Tuch geholt worden und letzterer 
habe es sich auf das Haupt gelegt, verwundert halb und halb 
auch noch spottend. Zum eigenen Erstaunen wäre er von Stund 
ab von der Krankheit geheilt. Das Tuch wäre dann nach Per- 
gamon gebracht und dort im Tempel des Asklepios als Weih- 
geschenk aufgehängt. Zugleich wäre ein Eilbote an Pilatus 
mit der Meldung über Herkunft und Ursache des Tuches ge- 
schickt. In dem Berichte stand zu lesen: „Das Tuch erhielt seine 
Heilkraft durch einen Juden, namens Jesus, der Judäa erregt 
hatte durch seine Taten und Reden. Dieser, ein Zauberer von 
seltsamen Kräften, der Tote erweckt und Lahme geheilt hat, wie 
sie bezeugten, war als Freund der Dämonen und Lästerer des 
Tempelgottes der Juden verurteilt worden zum Tode. Schwer 
keuchend, das Kreuz zur Richtstätte schleppend, empfing er, von 
der Last des Pfahles im Schweiße, das Tuch, sich Kühlung zu 
schaffen. Eine Römerin, Veronica, hatte es ihm mitleidig gereicht 
und zurück dann wieder empfangen. ..." 

In dem vorliegenden Kapitel sind 3 verschiedene Überlie- 
ferungen geschickt kompiliert: 1. die schon bei Tertullian, Apo- 
logeticus c. 21 um 200 n. Chr. auftauchende Legende von einem 
Bericht des Pilatus an Tiberius, der in dem sogenannten Evan- 
gelium Nicodemi, resp. in den Acta Pilati seine spätere schrift- 
liche Fixierung gefunden hat; 2. der apokryphe Briefwechsel 
zwischen Abgar von Edessa und Jesus, in welchem ersterer Jesus 
um Heilung bittet und ihm sein Reich als Zufluchtsort anbietet, 
aber durch Jesus auf die Sendung eines seiner Jünger nach der 



Der Benanbrief. 75 

Himmelfahrt vertröstet wird (vgl. Eusebius, Kirchengeschichte, 
um 325 n. Chr.); hier in der späteren Kombination mit dem 
Tiberiusbriefwechsel; 3. die Veronicalegende betreffs der Entstehung 
des Schweißtuches, resp. des wundertätigen Sudariums auf dem 
Wege nach Golgatha. 

Diese Gelehrsamkeit verdankt v. d. Planitz höchstwahrschein- 
lich dem von ihm zitierten Werke von Lipsius, Die Pilatusakten 
(1871), deshalb auch die Kenntnis der griechischen Akten des 
Petrus und Paulus und des Transitus Mariae in syrischer Sprache. 
Auch ist ihm nicht unbekannt, daß es sich um spätere christliche 
Legenden handelt. Wir vernehmen im Kommentar zu Kapitel 6 
folgende kritische Stimme (Bd. III, S. 26): „Dieses Kapitel, so- 
weit von Procula, Veronica usw. die Rede ist, war in der heid- 
nischen Urschrift jedenfalls nicht vorhanden. Es trägt einen 
ausgesprochen nachchristlichen Charakter und spiegelt den Sagen- 
geist, der erst lange nach Benans Zeitalter die christlichen Kreise 
beherrschte. Es handelt sich also zweifellos um eine Einschal- 
tung des späteren christlich-koptischen Überarbeiters, der bei 
der Erwähnung des (jedenfalls echten) Pilatusbriefes die Gelegen- 
heit benützte, an diesen anzuknüpfen und die nachchristlichen 
Sagen, welche in jener Zeit beim Volke sehr beliebt waren, zu 
erzählen". — Das klingt ja ganz plausibel, aber diese Über- 
arbeitung müßte doch schon im 5. Jahrhundert durch den Kopten 
stattgefunden haben? Wie aber kommt der Kopte zu der letzten 
Phase der Veronicalegende, die dasSudarium auf dem Leidenswege 
nach Golgatha entstanden sein läßt ? Das ist nach den tiefgründigen 
Untersuchungen von v. Dobschütz, Christusbilder, S. 197 ff eine 
spezifisch abendländische Ausgestaltung der Legende und taucht 
erst im 14. und 15. Jahrhundert in Südgallien und Deutschland 
auf. Dieses eine Beispiel würde also den schlagenden Beweis für 
die Unechtheit des Benanbriefes liefern. Wir brauchen daher gar- 
nicht die in Aussicht gestellte Publikation des zweiten griechischen 
Anu-Papyrus abzuwarten, denn auch dieser trägt von vornherein 
das Zeichen der Unechtheit an der Stirn, da niemals in einer grie- 
chischen Urkunde der Name Anu für Heliopolis vorkommen kann l . 

1) Herr v. der Planitz will diesen Papyrus am 28. April 1919 in einem 
öffentlichen Museum entdeckt haben. Da -während der Kriegszeit eine 
Reise ins Ausland nicht möglich war, muß das Museum in Deutschland 
liegen Ist vielleicht ein Papyrus der Berliner Sammlung gemeint? 



76 Schmidt- Grapow: 

Vielleicht haben wir in den Augen mancher unserer Fach- 
genossen dem Schwindelwerke viel zu viel Ehre angetan, indem 
wir es in gewissem Grade als wissenschaftliches Werk werteten, 
statt es als Roman niedrigster Gattung kurzer Hand zu er- 
ledigen; sie werden vielleicht die Achsel zucken, daß wir soviel 
kostbare Zeit, die einer besseren Sache wert gewesen wäre, ver- 
schwendet haben, aber jene ahnen nicht, welche hohe Wertung 
der Benanbrief unter den Theosophen, Anthroposophen und 
Occultisten, um von den gebildeten Laienkreisen ganz zu 
schweigen, genießt. Das Bach ist — Gott sei's geklagt — keine 
Eintagsfliege in der Geistesverwirruug der heutigen Zeit ge- 
wesen. Es mußte deshalb gründliche Arbeit getan werden, um 
den Schwindel aufzudecken. Das Resultat ist ja geradezu er- 
schreckend. Unwissenheit i , Anmaßungund Unwahrhaftig- 
keit haben an der Wiege des Benanbriefes gestanden, und man 
kann nicht sagen, welches von den dreien den größten Anteil 
an diesem Machwerk hat. Erschütternd wirkt die Tatsache, daß 
dieses Buch 10 Jahre hindurch den literarischen Markt be- 
herrschen und zahlreiche Leser und begeisterte Anhänger finden 
konnte. Wenn auch zu diesem Erfolge die Riesenreklame bei- 
getragen hat, so liegt doch die wahre Ursache dieser betrübenden 
Erscheinung in der nicht abzuleugnenden Tatsache, daß große 
Teile unseres Volkes in religiöser Hinsicht krank sind. Wie 
einst in der Kaiserzeit die Masse mit dem Staatskultus völlig zer- 
fallen war und deshalb planlos und wahllos ihre religiösen Be- 
dürfnisse in den orientalischen Mysterienreligionen zu befriedigen 
suchte, wie einst die edelsten Geister ihre Blicke auf die Weis- 
heit der Perser und Inder richteten und von dort die religiöse 
und sittliche Erneuerung ihres Volkes erwarteten, so hat auch 
in heutiger Zeit das Volk den Kontakt mit der Staatskirche 
verloren und folgt, aus Mißtrauen gegen diese Staatskirche, 
blindlings jedem Schwindler und Charlatan, der ihm neue Ent- 



1) Ist es denn nicht ein Zeichen von unglaublicher Ignoranz, die 
Entstehung der Septuaginta auf das Jahr 70 v. Chr. zu verlegen? Herr 
v. der Planitz scheint den Namen Septuaginta von der Jahreszahl der 
Entstehung, nicht von der Zahl der Übersetzer abzuleiten (vgl. Bd. V, 
S. 27. 15). — Im Text 22, 10 hören wir von Sefillan und im Kommentar 
von den Stirnrollen der Juden, aber Sefillan ist barer Unsinn, da die 
„Tephillin" gemeint sind. Jedes solide Wissen fehlt. 



Der Benanbrief. 77 

deckungen über Jesus verheißt; die ernster Gestimmten be- 
rauschen sich an der angeblichen tiefen Kultweisheit und Mystik 
des Orients. Indien und Ägypten sind wieder Trumpf! Und 
wer von dort geheimnisvolle Kunde bringt, kann auf gläubige 
Abnehmer rechnen. Die Fälscher haben ein leichtes Spiel. Auf 
solchem empfänglichen Boden konnte denn auch in den letzten 
Dezennien eine ganze Schwindelliteratur über Jesus aufsprießen. 
Wir heben daraus hervor das Buch vonNotowitsch: „Die Lücke 
im Leben Jesu" 1894 — von Ferd. Schmidt: „Vor 1900 Jahren. 
Rückblicke auf Begebenheiten in Palästina vor 1900 Jahren", 
resp. „Wer war Jesus?", Oranienburg 1906 — ferner „Das 
Leben Jesu." Enthüllungen nach bisher unbekannten Quellen 
von Dr. Otomar Zar-Adusht Ha > Nish, übersetzt von Da- 
vid Amman. — Franz Hartmann: The life of Jehoschua. The 
prophet of Nazareth. London 1909, 

Herr v. der Planitz hat den Satz (Bd. V, S. 175) geprägt: 
„Die Wahrheit schlummert wohl, aber sie stirbt nicht". Furcht- 
barer konnte dieser Satz sich nicht an seinem Urheber selbst 
rächen. Er hat in seinem letzten Artikel alle Hebel in Be- 
wegung gesetzt, um der drohenden Entlarvung zu entgehen. Er 
hat an das Mitgefühl der Leser ob der rücksichtslosen Verfolgung 
von Seiten der gefühlslosen Theologen während langer schwerer 
Krankheit appelliert, er hat seinen großen Ahnen aus der Refor- 
mationszeit, den Kanzler Hans Edler von der Planitz, aus dem 
Grabe heraufbeschworen, er hat seine Verachtung über jede 
professorale Zensur im voraus ausgesprochen und zuletzt als un- 
schuldig Angeklagter sich geweigert, vor dem Richterstuhl des 
Kaiphas zu erscheinen — alles das hat nicht verhindert, ihm die 
Maske vom Gesicht zu reißen. Die Stunde hatte geschlagen, wo 
die Wahrheit wieder zum Leben erwachte. In seiner ganzen 
Blöße steht dieser geriebene und gewissenlose literarische 
Fälscher vor uns da. Ein Mann, der mit solch eiserner Stirn 
sich als Hüter der Wahrheit aufspielt und seine Gegner auf 
das Schwerste verdächtigt, ein Mann, der anderen gegenüber den 
Vorwurf des geistigen Diebstahls erhebt und diese in einem be- 
sonderen Buche „Die Lüge" an den Pranger stellt, selbst aber 
die Bücher des Lauth und Anderer in der schamlosesten Weise 
geplündert hat, ein solcher Mann verdient u. E. keine milden 
Richter, mag er auch noch ein so berühmter Schriftsteller sein. 



78 Schmidt- Grapow: Der Benanbrief. 

In seiner Eigenschaft als Tagesschriftsteller muß er keine hohe 
Schätzung seines Lesepublikums gewonnen haben, denn sonst 
hätte er es kaum gewagt, ihm ein solch seichtes und ober- 
flächliches Elaborat vorzulegen. Was aber Betrug ist, bleibt 
Betrug, auch auf dem Gebiete der Literatur. Hätte v. der Planitz 
seinen Benanbrief als Roman in die Welt gesetzt, niemand 
würde mit ihm ernstlich gerechtet haben. Vielleicht hätten sich 
manche daran sogar erbaut, wie sie sich an „Quo vadis?" oder 
,,Ben-Hur" oder „Die letzten Tage von Pompeji" erbauen, aber 
ein Leben-Jesu fälschen und urbi et orbi dieses als historisches 
Dokument eines Zeitgenossen Jesu marktschreierisch anpreisen 
und damit Jesus ohne jeden urkundlichen Beweis zum Adepten 
ägyptischer Priester herabdegradieren, das ist in unsern Augen 
eine schwere Versündigung am Stifter unserer Religion, oder 
noch allgemeiner, ein Verbrechen an der Menschheit selbst. Und 
wenn nun gar auf dem Vorsatzblatte von Bd. II das Kreuz mit 
,ln hoc signo' erscheint, so wirkt das geradezu blasphemisch. 
Wir unsererseits wollen definitiv Abschied nehmen von 
Herrn Ernst Edler v. d. Planitz und seinem Schwindelerzeug- 
nisse, in der Hoffnung, daß auch unter den Benanfanatikern, 
sollte unsere Abhandlung in ihre Hände gelangen, die Erkenntnis 
sich Bahn brechen wird, daß sie das Opfer eines literarischen 
Betruges geworden sind, da der Jesus von Anu eine Schöpfung eines 
Romanschriftstellers ist, der den Stoff aus sekundären modernen 
Quellen zusammengestohlen und durch die pseudogelehrten kultur- 
historischen Schilderungen sein Lesepublikum gründlichst düpiert 
hat. Auf alle Fälle glauben wir, einen kleinen Beitrag geliefert 
zu haben zu dem interessanten Kapitel der religiösen Unter- 
strömungen der Gegenwart, die heute unter der Maske der ur- 
kundlichen Funde und Entdeckungen ihre Anhänger zu gewinnen 
suchen. 



Beilage Ι 1 . 

Eine neue Entdeckung über Jesus. 

Dem Nestor deutscher Theologen und Bibelforscher, 
W. Warncke in Neustrelitz, zum 80. Geburtstag gewidmet von 
Ernst Edler νο,η der Planitz. 

In Neustrelitz führt in beschaulicher Ruhe ein greiser 
Gelehrter sein stilles Dasein. Manch einer seiner Nachbarn 
ahnte vielleicht nicht bis zur Stunde, daß der Name dieses Ge- 
lehrten in allen Ländern, in denen Deutsch gesprochen wird, 
bekannt und verehrt ist. W. Warncke, ehedem Pfarrer, jetzt 
Privatgelehrter, ist der Mann, der vor kurzem unter einem 
Regenschauer von Briefen, Postkarten und Telegrammen seinen 
80. Geburtstag gefeiert hat. Daß er aber diesen Geburtstag 
unter Umständen begangen hat, glänzender und rühmlicher als 
ehedem mancher Potentat, davon hat er selbst bis zur Stunde 
keine Ahnung. Wenn ich heute, etwas verspätet, Stadt und Land 
von Neustrelitz davon Kunde gebe, so liegt dies daran, daß die 
frohe Botschaft am Tage des Festes selbst noch nicht reif war, 
der breitesten Öffentlichkeit übergeben zu werden. Allerlei Vor- 
arbeit mußte noch vorher zum Abschluß gebracht werden. — 

Einem Gelehrten kann man zweifellos kein erfreulicheres 
Geburtstagsgeschenk auf den Tisch legen, als den wissenschaft- 
lichen Beweis, daß er in einem heißen, jahrelang geführten 
Kampf der Meinungen endlich obsiegt hat, d. h. daß er als 
Einziger gegen Tausend Recht behält. Warncke ist so ein 
Eisenkopf, der gegen Tausende focht in einer Zeit, als Tradition 
und Schulweisheit in geschlossener Schlachtreihe gegen ihn 
standen und nur einige Unbefangene erkannten, daß Warncke 
die Tatsachen auf seiner Seite habe. Es handelte sich, wie 
heute alle Welt weiß, um den bekannten Streit, ob Jesus in 
Nazareth als Zimmermannslehrling und Autodidakt aufgewachsen 



1) Der Abdruck der Beilagen erfolgt mit Genehmigung der Schrift- 
leitung der „Landeszeitung für beide Mecklenburg". 



§0 Scktnidt-Grapow: 

sei, wie manche aus den Evangelien herauslesen, oder aber ob 
Jesus seine Jugend in Anu, einer Stadt in Ägypten als Tempel- 
schüler verlebt hat, dort sodann zuerst als Gotteslehrer und 
wundertätiger Heiler aufgetreten und erst später von hier als 
reifer Mann nach Palästina gezogen ist, um dort seine Mission 
zu erfüllen, wie das der viel umstrittene Benan-Brief aus der 
Zeit Domitians ausführlich berichtet. Als der Benanbrief seiner- 
zeit (durch A. Piehler & Co. in Berlin) zum erstenmal in den 
Buchhandel gebracht wurde, trat Warncke, durch ein langes 
Leben in biblischen und geschichtlichen Problemen genau orien- 
tiert und durch seine bedeutenden Sprachkenntnisse in Griechisch 
und Hebräisch unterstützt, sofort voll Feuer für „Jesus von 
Anu", wie der Benanbrief den Heiland nennt, ein, konnte aber, 
da er, wie schon gesagt, Tradition und Schule gegen sich hatte, 
nur schrittweise das Terrain der öffentlichen Meinung erobern. 
Die schärfste Waffe, welche gegen ihn geführt wurde, war die 
Frage, ob er außer dem Benanbrief (über den es so viele 
Meinungen wie Leser gab) noch eine andere antike Quelle 
aufweisen könne, in welcher „Jesus von Anu" genannt werde. 
Dies mußten Warncke und seine Anhängerschaft leider ver- 
neinen und so blieb der Kampf unentschieden. Jahre gingen dar- 
über hin. Der Weltkrieg brach aus und wenn auch der Benan- 
brief in dieser Zeit noch mehr als zuvor gelesen und selbst 
in den Schützengräben besprochen wurde, so stand doch die ent- 
scheidende Frage wie ein trennender Wall zwischen den Parteien. 

Heute ist dieser Wall verschwunden. — 

Die so lange gesuchte zweite antike Quelle ist ge- 
funden. 

In einem ägyptischen Grabe ist ein heidnischer Papyrus 
entdeckt worden, welcher, wie Inhalt, Sprache und Schreibart 
ergeben, in der allerersten christlichen Zeit geschrieben wurde 
und sich an einer Stelle auf Jesu ägyptischen Aufenthalt 
bezieht. Die wunderbar schön erhaltene Schriftrolle ist, ohne 
daß Finder und Käufer von diesem Inhalt etwas ahnten, nach 
Europa, gebracht und in einem öffentlichen Museum deponiert 
worden. Der Papyrus ist also im Original jedermann zugäng- 
lich. Trotzdem blieb er bis heute unübersetzt und die wichtige 
Stelle wurde infolgedessen von der Geschichtsforschung nicht be- 
achtet. Die wenigen Philologen, denen sein Inhalt zu Gesicht 



Der Benanbrief:, Beilage I, g^ 

gekommen sein mag, haben die entscheidende Stelle entweder 
übersehen, oder, was wahrscheinlicher ist, die hohe geschichtliche 
Bedeutung dieser Stelle nicht erkannt: denn sonst hätte doch 
einer von ihnen mit Hinweis auf diese Stelle in den Kampf 
eingegriffen, welchen Warncke und seine Anhänger in den letzten 
zehn Jahren um den Aufenthalt Jesu in Ägypten geführt haben. 
So kam es, daß kein Gelehrter weiter um die wichtige Stelle 
sich bekümmerte, trotzdem sie vor aller Welt offen da lag, bis 
ich sie kürzlich entdeckte. 

Wenn ich auf Einzelheiten hier nicht weiter eingehe, so 
geschieht es, weil ein Zeitungsartikel nicht ausreicht, um die er- 
forderlichen antiquarischen Erläuterungen durchzuführen, und 
weil ich eine ausführliche Darlegung meiner Entdeckung noch 
in Arbeit habe. Nur so viel sei daher vorläufig mitgeteilt: 

Schon vor Jahren hatte ich in Paris in der dortigen Na- 
tional-Bibliothek in einem heidnischen Papyrus zweimal den 
Namen Jesus gelesen. Aber die beiden Stellen waren für die 
Festlegung der geschichtlichen Persönlichkeit Jesu wertlos. 
Sie lassen lediglich erkennen, daß der Name Jesu schon sehr 
früh auch in heidnische Kreise gedrungen war. Immerhin haben 
die beiden Stellen für die Untersuchung des Urchristentums 
Bedeutung. Ich kann hier nicht weiter darauf eingehen. 

Ganz anders liegen die Verhältnisse mit meiner neuen Ent- 
deckung; denn die betreffende Stelle gibt direkt Auskunft 
über Jesu Aufenthalt in Ägypten und bestätigt unzwei- 
deutig die wichtigen Angaben des Benanbriefes. 

Zwei Tage vor Warnckes 80. Geburtstag, am 28. April 1919, 
stieß ich beim Überlesen der in Ägypten gefundenen, bisher 
unübersetzten heidnischen Papyrusrolle auf eine Stelle, in welcher 
Jesus als Heiler von einer Krankheit genannt wird. Aber 
nicht „Jesus Christus", wie die paulinischen Christen in Klein- 
asien und Griechenland verkündeten, auch nicht „Jesus von 
Nazareth", wie die Apostel in Jerusalem predigten und später 
die Evangelisten schrieben, sondern Jesus vonAnu, wieBenan 
der Ägypter, der Verfasser des Benanbriefes, ihn nennt. 

Der betreffende Satz ist in der antiken Schriftrolle tadellos er- 
halten; die Schrift gut und deutlich; kein Wort gekürzt oder ver- 
wischt. Vor allem der Name Jesus vonAnu ist klar leserlich. 

Damit aber ist der historische Wert dieses Fundes noch nicht 

T. u. U. '20: Schmidt-Grapow. 6 



82 Sclimidt-Grapow : 

erschöpft;, vielmehr spricht eine ganze Reihe von Anhaltspunkten 
dafür, daß die Schriftrolle selbst in Anu geschrieben worden ist, 
und zwar sehr bald nachdem Jesus die Stadt Anu verlassen hatte, 
jedenfalls noch im selben Jahrhundert , und zwar von einem Heiden. 

Auch der mit geschichtlichen Quellenstudien nicht vertraute 
Leser wird jetzt ahnen, daß damit für die Erforschung des 
Lebens Jesu eine unschätzbare Grundlage gewonnen ist und 
daß der viel umstrittene Benanbrief mit einem Schlage seinen 
vollen zeitgenössischen Wert erhält; mit anderen Worten, daß 
Warncke.die Schlacht gewonnen hat. 

Wie kommt nun, frage ich, der antike heidnische Schreiber, 
der ebenso wie Benan ein Ägypter war, dazu, Jesum, welcher 
von den Evangelisten stets der „Mann von Nazareth" genannt 
wird, als „Jesus von Anu" zu bezeichnen? 

Ohne den Benanbrief bliebe die Frage ein unlösbares Rätsel 
So aber ist die Antwort einfach: Ganz Unterägypten war damals 
voll von dem Ruhm des jungen wundertätigen Heilers und 
Gotteslehrers in Anu, zu dem die Leute, wie der Benanbrief 
berichtet, in Scharen strömten. Die Evangelisten, welche nie 
in Ägypten gewesen sind und aus syrischen Quellen geschöpft 
haben, wußten nichts oder wollten nichts von diesem ägyptischen 
Vorleben Jesu wissen. Die Tradition, welche sie vertraten, floß 
von Jerusalem über Kleinasien und Griechenland nach Rom. 
Sie haben ebenso wie Paulus Ägypten ängstlich gemieden. 
Weiteres kann mau in meinem Buch „Jesus und sein Werk" 
nachlesen. Eines nur sei hier festgelegt: 

Die Beweiskette, deren erste Glieder Warncke geschmiedet 
hat, ist lückenlos und kann nicht mehr zerrissen werden. Jesus 
von Anu ist jetzt eine historisch erwiesene Persönlichkeit 
Unter dem Druck dieser Tatsache bricht der große Streit in 
sich zusammen, der beinahe das ganze 19. Jahrhundert und den 
Anfang des 20. ausfüllte, der Streit über die Frage, ob Jesus 
überhaupt gelebt habe. Der ungeheure Aufwand von Dialektik, 
den David Strauß daran verschwendet hat, nachzuweisen, das 
Leben Jesu sei nichts als ein Mythus, wird zur Spiegelfechterei, 
die These eines Kalthoff, .Jesus sei nichts als ein Symbol, zur 
Paraphrase. Wie zwei Riesenobelisken ragen jetzt die Zeugnisse 
der beiden heidnischen Papyrusrollen, die des Benanbriefes 
und jene des Anu-Ägypters am Eingang einer neuen Geschichts- 



Der Benanbrief: Beilage I. 83 

auffassung empor, die Jesum als das betrachtet, was er in Wirk- 
lichkeit gewesen, ein Auserwählter, oder, wie Benan ihn nennt, 
der Weise von Ann. 

Was die Evangelien uns berichten, kommt für den Historiker 
erst in zweiter Reihe; denn ihre Verfasser sind Partei und daher 
subjektive Berichterstatter, Die beiden Heiden dagegen stehen 
außerhalb der christlichen Strömung ihrer Zeit und berichten 
rein objektiv. Daß manch ein Theologe sich auch jetzt noch 
sträuben wird, zuzustimmen, ist menschlich; denn die von ihm 
so lange gehätschelte Hypothese über den Zimmermannslehrling, 
der, zwischen Hobelspänen sitzend, die Bibel las, zerfließt zu 
Schaum, und an seine Stelle tritt der Gottesgelehrte, der Rabbi, 
wie ihn die Jünger selbst nannten, der an einer Tempelschule 
die Elemente seines Wissens gesammelt hat. 

Luther hat bekanntlich das Johannis-Evangelium über alle 
übrigen gestellt; und rein religiös betrachtet, steht es auch 
zweifellos am höchsten. Aber Johannes hat mit seinem Satz 
vom logos („und das Wort ward Fleisch") jeder geschichtlichen 
Betrachtung den Boden entzogen. Er hat der Nachwelt sug- 
geriert, Jesus habe als ein in sich abgeschlossener Faktor die 
Erde betreten. Kein Wunder, wenn die Christen des zweiten 
Jahrhunderts in Arabien und Syrien, wenn sie nachts vor ihren 
Zelten und Hütten saßen, sich allerlei Märchen erzählten vom 
Jesuskind, das schon als Säugling gepredigt und als Hemdmatz 
Tote erweckt habe. Jetzt wissen wir, daß Jesus ebenso wie jeder 
menschliche Geist auf Erden eine Entwicklung durchgemacht hat, 
und niemand vermag mehr den geschichtlichen Charakter der 
Person Jesu und damit Jesus selbst zu leugnen. Diese Er- 
kenntnis war es, welche Warncke trotz seiner orthodoxen Richtung 
bestimmte, für den „Jesus von Anu :i in die Schranken zu treten. 

Daß der Inhalt des Benanbriefes, auf welchen Warncke sich 
stützte, nach seinem Bekanntwerden von Jahr zu Jahr durch 
neue Entdeckungen auf dem Gebiet der Altertumskunde an 
Wahrscheinlichkeit gewann, konnten selbst Warnckes Gegner nicht 
abstreiten. Und als gar neue Ausgrabungen in Pompeji, Ostia und 
Ägypten Tatsachen zu Tage förderten, von denen bis dahin 
nur der Benanbrief gesprochen hatte, sonst aber kein Ge- 
lehrter und kein Archiv etwas wußte, konnte über den endgül- 
tigen Ausgang des Kampfes kein Zweifel mehr sein. 

6*. 



§4 Scimiidt-Grapow : 

Ich erinnere hier nur an die sensationelle Entdeckung des 
seit 1800 Jahren im Vesuvausbruch verschwundenen Hafens von 
Pompeji, dessen Lage und Entfernung von der Stadt der Be- 
nanbrief genau beschrieben hatte und der tatsächlich fünf Jahre 
nach Erscheinen des Benanbriefes so gefunden wurde, wie der 
Benanbrief angibt, während die Altertumsforscher bis dahin, d. h. 
jahrzehntelang ihn an ganz anderer Stelle vergebens gesucht hatten. 

Alle diese Nebenumstände waren ebenso viele Fingerzeige 
dafür, daß der Benanbrief auch in bezug auf Jesus sicherlich 
genau den Tatsachen entsprechend Bericht erstattet hatte. Und 
nun stehen wir nach fast zehnjährigem Kampf plötzlich vor 
einem zweiten ägyptischen Dokument des Altertums, und in die- 
sem Dokument lesen wir klar und deutlich den Namen „Jesus 
von Anu" als den eines wunderwirkenden Heilers von Krankheiten, 
so wie ihn das Volk am Nil zur Zeit Benans zu nennen pflegte. 

Jesus hat also gelebt, und zwar zuerst in Ägypten und dann 
in Palästina genau so, wie uns Benan berichtet. 

Die Entdecknng des zweiten heidnischen Papyrus, darüber 
kann kein Zweifel sein, ist darum für die Jesus-Frage epoche- 
machend. Sie beweist, daß unser verehrter Altmeister Warncke 
nicht für ein Phantom gekämpft hat, sondern mit feinem wissen- 
schaftlichen Instinkt die Wahrheit gewittert hat zu einer Zeit, 
da alle gegen ihn waren. Sein 80. Geburtstag hat ihm die glän- 
zende Genugtuung gebracht, als Sieger aus diesen heißen Kämpfen 
der Meinungen hervorzugehen. Kein Gegner wird mehr hämisch 
fragen: wo ist die zweite antike Quelle, durch welche die erste 
viel umstrittene bestätigt wird? Denn diese zweite Quelle für 
„Jesus von Anu" ist gefunden. Wer wagt es zu behaupten, 
daß nicht noch eine dritte und vierte sich finden wird, wie 
Warncke schon vor Jahren hellseherisch seinen Gegnern ent- 
gegengerufen hat?! 

Beilage II. 

Offener Brief an Herrn Edler von der Planitz. 

Sehr geehrter Herr! 
Von einem wissensdurstigen Dorfschullehrer wurde mir ihre 
Widmung zum 80. Geburtstage des Pfarrers W. Warncke in 



Der Benanbrief:' Beilage II. S5 

Neustrelitz übermittelt, die Sie in der Landeszeitung am 13. August 
für Stadt und Land von Neustrelitz veröffentlicht haben. Ich 
bedauere lebhaft, daß mir die Persönlichkeit des Jubilars wie 
seine wissenschaftlichen Leistungen nicht weiter bekannt sind, 
doch ist dies für den Augenblick ohne Bedeutung, da meine 
Zeilen sich nicht an dessen Adresse wenden, sondern Ihren Auf- 
satz im Auge haben, den sie nachträglich auf den Geburtstags- 
tisch des Gefeierten legen, und der dem größeren Publikum zu- 
gleich eine überraschende Kunde von Ihrer „neuen Entdeckung 
über Jesus" bringt. Ohne Zweifel konnten Sie dem Geburtstags- 
kinde kein herrlicheres Geschenk überreichen als die Freuden- 
botschaft, daß seine wissenschaftliche Auffassung, Jesus hätte 
seine Jugend nicht in Nazareth, sondern in Anu ; einer Stadt 
Unterägyptens, verlebt, wäre dort als Gotteslehrer und wunder- 
tätiger Heiliger aufgetreten, um später seine Wirksamkeit nach 
Palästina zu verlegen, endlich eine weitere urkundliche Bestäti- 
gung gefunden hätte. Jene Auffassung, für deren Richtigkeit 
Pfarrer Warncke jahrelang einen mutigen Kampf geführt haben 
soll, gründete sich, wie Sie selbst hervorheben, auf den viel 
umstrittenen Benanbrief, aber dem unkundigen Leser verraten 
Sie mit keiner Silbe, daß Sie der Entdecker und Herausgeber 
jenes angeblichen Briefes gewesen sind, wenn Sie auch auf die 
Publikation bei A. Piehler & Co. in Berlin verweisen. Sie 
treten also gewissermaßen bescheiden hinter dem alten Kämpen 
zurück, aber im Grunde sind Sie es selbst, der sich in diesen 
Ausführungen ein Denkmal des Sieges über Tradition und Schul- 
weisheit setzt. 

Ihre Publikation des Benanbriefes war mir seinerzeit nicht 
unbekannt geblieben, aber ich muß bekennen, daß ich diesen 
Brief allen Beunruhigten gegenüber für eine Mystifikation bezw. 
Fälschung erklärt habe, und diesen meinen Standpunkt vertrete 
ich auch heute noch mit aller Entschiedenheit. Denn Sie haben 
sich bis jetzt wohl gehütet — wenigstens ist mir das Gegenteil 
nicht bekannt — , den betreffenden Brief im Original der ge- 
lehrten Welt vorzulegen, damit alle imstande sind, Ihre Über- 
setzung an der Hand des Textes zu kontrollieren, und alle Zweifel 
an der Echtheit des Überlieferten niedergeschlagen werden. Sie 
verstecken dagegen ihren Schatz in geheimnisvoller Weise und 
wollen das verschleierte Bild von Sais den profanen Blicken 



§(5 Schmidt- Grapow: 

nicht ausliefern. Dieses Ihr Verhalten verstärkt meinen Verdacht 
der Fälschung. 

Heute verkünden Sie uns eine neue Mär. Wiederum sind 
Sie der glückliche Entdecker eines Papyrus, der in einem ägyp- 
tischen Grabe gefunden sein soll. Ihrem Berichte zufolge han- 
delt es sich um eine Papyrusrolle, welche in der allerersten 
christlichen Zeit geschrieben wurde und einen heidnischen Text 
bietet. Sie bekräftigen, daß der Papyrus jetzt in einem öffent- 
lichen Museum deponiert und daher jedermann im Originale zu- 
gänglich sei. Dort wollen Sie ihn in Händen gehabt und in ihm 
eine einzige Stelle entdeckt haben, die direkt Auskunft über 
Jesu Aufenthalt in Ägypten resp. in Anu gebe und damit un- 
zweideutig die Angaben des Benanbriefes bestätige. Ihre An- 
gaben erwecken, da sie so bestimmt lauten, beim unbefangenen 
Leser unbedingtes Vertrauen. Sic datieren sogar Ihren epoche- 
machenden Fund auf den 28. April d. J., zwei Tage vor dem 
80. Geburtstage Ihres verehrten Freundes. Aber zunächst macht 
stutzig, daß Sie wiederum uns den Fundort Ihres Schatzes vor- 
enthalten, oder fürchten Sie vielleicht, daß Ihnen von anderer 
Seite die Priorität strittig gemacht werden könnte? Sie ver- 
trösten uns freilich auf eine ausführliche Darlegung Ihrer Ent- 
deckung, indem Sie zugleich betonen, daß ein Zeitungsartikel 
nicht ausreiche, um die erforderlichen antiquarischen Erläute- 
rungen durchzuführen. Das klingt ganz plausibel und ist auch 
löblich, doch wie merkwürdig, daß gerade Ihnen zwei verwandte 
Texte von so einzigartigem Charakter in die Hände gefallen sind, 
während Sie sonst als Papyrologe sich niemals betätigt haben. 
Denn wenn Sie von einem heidnischen Text sprechen, so ver- 
stehen Sie aller Wahrscheinlichkeit nach darunter nicht eine 
Urkunde in griechischer, sondern in ägyptischer Sprache, in 
welcher ja auch der Benanbrief abgefaßt sein soll. Sie suchen 
Ihre Entdeckung damit zu erklären, daß die wenigen Philologen, 
denen der Inhalt des Papyrus zu Gesicht gekommen sein möge, 
die entscheidende Stelle entweder übersehen oder, was wahr- 
scheinlicher sei, die hohe geschichtliche Bedeutung der betreffenden 
Stelle nicht erkannt hätten. Dieses zugegeben — denn das 
passiert häufig — , so möchte ich die Frage an Sie richten, ob 
Ihnen unveröffentlichte Papyri ohne weiteres in die Hand ge- 
geben werden, und ob Sie, wenn das der Fall, überhaupt eine 



Der Benanbrief; Beilage II. 87 

derartige Kenntnis der ägyptischen Sprache besitzen, um eine 
solche Urkunde im Stegreif zu lesen. Denn Entzifferer derartiger 
schwieriger Texte rennen nicht auf der Straße umher, und von 
Ihnen wird nur behauptet, daß Sie ein bekannter Schriftsteller 
und Kulturhistoriker sind. Sind Sie vielleicht einer Selbsttäu- 
schung zum Opfer gefallen, oder ist diese zweite Quelle in 
gleicher Weise eine Fiktion wie der Benanbrief und sollen sich 
beide Texte gegenseitig beeidigen? Denn eine antike Fäl- 
schung, wie sie im Altertum keineswegs etwas Ungewöhn- 
liches war, kommt hier nicht in Frage, da der Bericht nach 
Ihren Angaben rein objektiv auf eine historische Persönlichkeit 
sich beziehen soll, die scheinbar zur Zeit des Schreibers noch lebte. 

Ich für meine Person möchte nicht den Lebensabend des 
Jubilars verdüstern, aber die Verwirrung zahlreicher Gewissen, 
welche in der heutigen Zeit doppelt beklagenswert ist, zwingt 
mich dazu, von vornherein vor den „betrogenen Betrügern" zu 
warnen. Kennen Sie ein Original mit dem von Ihnen skizzierten 
Inhalt, so fordere ich Sie auf, bei Ihrer Publikation dieses in 
Faksimile uns vorzulegen, damit wir uns nicht so sehr mit der 
Person des Entdeckers als mit dem Text selbst beschäftigen 
können. Wir treiben keine Geheimwissenschaft, auch die Theo- 
logie lehnt jeden Okkultismus ab. Die christliche Religion 
braucht durchaus nicht das Licht der Öffentlichkeit zu fürchten, 
und ihre wissenschaftlichen Vertreter werden jede Entdeckung, 
die das Leben Jesu wie die Geschichte des Urchristensums be- 
trifft, mit Freuden begrüßen und sine ira et studio behandeln, 
aber daraus erwächst ihnen auch die Pflicht, die Glieder der 
Kirche und die öffentliche Meinung vor jeder Mystifikation 
und Irreführung zu bewahren. Deshalb fällt Ihnen die Auf- 
gabe• zu, die Wahrheit Ihrer Entdeckungen durch die Original- 
urkunden vor dem Forum der Öffentlichkeit zu erweisen, 
und sehe ich Ihrer angekündigten Publikation mit Spannung 
entgegen. 

In vorzüglicher Hochachtung 

Ihr ergebenster 

Carl Schmidt 

Professor der Theologie 

an der Universität Berlin. 



S8 Schmidt- Grapow: 

Beilage III. 

Eine neue Entdeckung über Jesus. 

Von Ernst Edler von der Planitz. 

Am 13. Augast veröffentlichte ich in der „Landeszeitung" 
einen Festartikel zu Warnckes 80. Geburtstag, indem ich zugleich 
die freudige Gelegenheit dazu benützte, auf eine Entdeckung hin- 
zuweisen, welche der langjährigen Arbeit unseres verehrten Alt- 
meisters eine Genugtuung brachte, deren Bedeutung viel größer 
ist, als ich in wenigen Zeilen andeuten konnte. Dieser Artikel 
hat, wie zahlreiche Zuschriften an mich und Warncke bestätigen, 
Freude in allen Kreisen ausgelöst, welche ohne Vorurteil den 
Kampf verfolgten, der um den Benanbrief seit fast zehn Jahren 
gefochten wurde; denn der Benanbrief brachte bekanntlich zuerst 
Kunde über „Jesus von Anu", d. h. über die Jugendzeit Jesu 
und dessen Aufenthalt in der ägyptischen Stadt Anu während 
seiner Entwicklungsjahre. Als der Benanbrief zum erstenmal 
(durch den Verlag A. Piehler & Co., Berlin) weiteren Kreisen zu- 
gänglich gemacht wuide, fiel jener Teil evangelischer Theologen, 
welche, Gott sei's geklagt, ihre persönlichen Interessen mit der 
Sache Jesu vermischen, über den Herausgeber her und be- 
arbeiteten ihn in einer Weise, für die mir der passende Aus- 
druck fehlt. Die Herren waren nämlich der Meinung, Jesu An- 
wesenheit in Ägypten sei eine die Kirche schädigende Aussage, 
welche schon deshalb zu bekämpfen sei, weil die Evangelisten 
hierüber schweigen. Jene Theologen übersahen aber, daß die 
Evangelien keine Geschichtsbücher, sondern Erbauungs- 
bücher sind und daher keinen Anlaß hatten, auf Jesu Jugend, 
die sie, wie bekannt, ignorieren, näher einzugehen. Nur Mat- 
thäus bringt eine kurze Notiz über Ägypten. Diese aber ge- 
nügt, um erkennen zu lassen, daß die ersten Christen darum 
gewußt haben. Da der Herausgeber des Benanbriefes, nämlich 
der Schreiber dieser Zeilen, in all dem Lärm schwieg, so or- 
ganisierte man schließlich von Marburg aus, dieser schon vor 
Jahrhunderten berüchtigten Hochburg der Ketzerrichter, eine 
förmliche Hetze gegen den Schweigenden. Seine Person, seine 
Ehre, seine literarischen Arbeiten, nichts wurde geschont. Sogar 
seine Ahnen, die sich einst stolz Edler genannt hatten, ver- 



Der Benanbrief:' Beilage III. 89 

spottete man und machte sich über deren „edlen" Nachkommen 
lustig, ohne zu ahnen, welches Zeugnis rubrizierter Dummheit 
sich die Spötter damit ausstellten. Die lachenden Herren der 
Theologie wußten nämlich nicht und wissen es bis heute nicht, 
daß sie es. dem größten Vorfahren dieses „edlen" hauptsächlich, 
ja vielleicht sogar ausschließlich verdanken, wenn sie mit ihren 
Amtsbrüdern, die sich an diesem Spektakel nicht beteiligten, 
heute in Amt und Würden sitzen; denn mein Vorfahre Hans 
v. der Planitz, der von Kaiser Karl dem Fünften das erbliche 
Adelsprädikat Nobilier (d. h. der Edlere) zu seinem alten Ritter- 
namen erhalten hatte, weil er als Kanzler des Kurfürsten von 
Sachsen bei der Kaiserwahl im Jahre 1519 es durchgesetzt 
hatte, daß nicht der mit allen Mitteln werbende König von Frank- 
reich, sondern der Habsburger auf den deutschen Kaiserthron 
kam — dieser Hans, sage ich, war es auch gewesen, welcher 
der Sache Luthers zum diplomatischen, d. h. politischen Sieg 
in Deutschland verhalf, was gleichbedeutend ist mit dem Sieg 
der Reformation. „Wäre Hans von der Planitz nicht, so wäre 
ich Hans dahinten gewesen" schrieb schon nach der Leipziger 
Disputation Luther in seiner drastischen Art an den Kurfürsten 
von Sachsen. Eine deutsche Akademie hat vor wenigen Jahren 
erst in einem 700 Seiten umfassenden Folioband Planitz' diplo- 
matische Korrespondenz in Sachen Luthers herausgegeben. 

Daß der so mißhandelte Nachkomme dieses Mannes, der wie 
kein zweiter dem deutschen Volke den größten Dienst auf 
nationalem und religiösem Gebiet geleistet hat, in jener Zeit 
seiner Verhöhnung schwer krank und daher völlig wehrlos war, 
beengte den Geist der kampfeifrigen Theologen wenig; und als 
u. a. Warncke für den Mißhandelten eintrat, da unterschlugen 
evangelische Kirchenblätter ganz einfach dessen Gegenartikel oder 
verweigerten deren Abdruck. Es muß einmal öffentlich fest- 
genagelt werden, wie der Kampf um den Benanbrief gefochten 
wurde. Als endlich der Herausgeber nach schwerer Krankheit 
langsam genesend, selbst auf den Plan treten konnte, um die 
Gegner mit wissenschaftlichen Waffen herauszufordern, da ward 
es plötzlich sehr stille im Tale von Socho. 

Und nun erlebe ich die freudige Überraschung, auf eine an- 
tike Papyrusrolle zu stoßen, in welcher der Name „Jesus von 
Anu" genannt wird, und sofort beginnt die alte Hetze. Wieder 



91) Schniidt-Grapow: 

ist es ein Universitätsprofessor der Theologie, der wie ehedem 
seine Kollegen in Marburg, Tübingen und anderwärts meine ge- 
schichtlichen Untersuchungen über das Urchristentum, diesmal 
in einem offenen Brief in der Landeszeitung vom 3. September 
„korrigieren", d. h. vernichten will, weil ihm und seinen Kol- 
legen die Resultate meiner Arbeit im höchsten Grade unbequem 
sind. Immerhin gefällt mir die Offenheit, mit der mein neuester 
Widersacher, Herr Professor Carl Schmidt in Berlin, mir gegen- 
übertritt. Ich liebe Opponenten, die, um mit den alten Deutschen 
zu reden, ein steifes Genick haben. Für Witzeleien, wie sie 
seinerzeit Schmidts Kollege, der in seinem Kreise sehr geschätzte 
Professor Jülicher in Marburg ζ. B. produzierte, indem er sich 
über die Stelle im Benanbrief „Der weise Kleine" (gemeint ist 
der Säugling Jesus) und anderes lustig machte und sich damit 
in den Augen aller Agyptologen blamierte, habe ich nur ein 
Achselzucken. Um der großen Sache willen, um die es sich 
hier handelt, will ich daher die Beleidigung übersehen, welche 
Schmidts offener Brief enthält, und ihm antworten. — — 
Zunächst eine prinzipielle Auseinandersetzung: 
Herr Professor Schmidt schreibt in seinem Artikel: ,,Die 
christliche Religion braucht nicht das Licht der Öffentlichkeit 
zu fürchten, und ihre wissenschaftlichen Vertreter werden 
jede Entdeckung" usw. — Darauf erwidere ich, daß die Religion 
keine Wissenschaft ist, und ich infolgedessen „wissenschaft- 
liche Vertreter" derselben nicht kenne. Schmidt verwechselt 
Begriffe, und das ist schlimm für einen Professor der Theologie, 
der sozusagen von Begriffen lebt. Er verwechselt seine Schul- 
stube mit jener aus Furcht und Sehnsucht geborenen instink- 
tiven Ahnung eines Höchsten, die wir Religion nennen. 

Wenn Schmidt aber trotzdem darauf beharren sollte, als 
Wissenschaftler eingeschätzt zu werden, so frage ich ihn, wie will 
er als solcher seinen Satz begründen: „Die Verwirrung zahlreicher 
Gewissen zwingt mich" ? Wo bleibt in diesem Fall der erste Grund- 
satz aller Wissenschaft, die Obj ektivität, dienichts anderes kennt, 
als die Erforschung der Wahrheit, gleich viel ob die Resultate der 
Forschung zunächst „verwirren" oder nicht? (Nebenbei bemerkt, 
sie verwirren nur so lange, als bis die Menschheit sich an das 
Neue gewöhnt hat.) Ein echter Wissenschaftler kennt keine 
Zweckmäßigkeitsgründe bei seiner Arbeit: Er forscht. — Basta! 



Der Benanbrief: Beilage III. 91 

Das, worüber Schmidt sich erregt, ist übrigens gar keine 
„religiöse" Frage, sondern eine rein historische. Die Dogmen 
der Kirche sowohl wie die Empfindungen der Laien werden von 
meinen Forschungen in keiner Weise berührt. Als Historiker 
bearbeite ich lediglich den Entstehungsprozeß des Christen- 
tums, also dessen geschichtliche Entwickelung. Was bekümmert 
es ein wahrhaft religiöses Gemüt, ob die Vergangenheit sich so 
oder so abgespielt hat? Wenn sich also ein Theologe trotzdem 
in diese Arbeiten mischt, so überschreitet er die seiner Stellung 
gezogenen Grenzen. Mit anderen Worten: Ein Professor der 
Theologie, der die Religion als Wissenschaft zu ,, schützen" 
sucht, ist ein Widerspruch in sich selbst. Und weil dieser 
innere Widerspruch tatsächlich besteht, so kommt die Theologie, so 
weit sie sich wissenschaftlich gebärdet, aus den Konflikten nie heraus. 

Die christliche Religion als solche hat mit Wissenschaft 
überhaupt nichts zutun. Sie ist ein ethisches Postulat. Nichts 
weiter. Und als solches hat es Jesus „der Weise von Anu" be- 
handelt und von diesem Standpunkt aus seinen Kampf gegen 
die Tempelsippe in Jerusalem geführt. Es ist derselbe Kampf, 
den noch heute alle Anhänger einer unabhängigen religiösen 
Auffassung gegen versipptes Religion swächtertum führen. Als 
Vertreter des letzteren stellt Schmidt sich selbst vor, indem er 
schreibt: „ich fordere Sie auf, uns das Faksimile vorzulegen, 
damit wir uns beschäftigen können". Schmidt maßt sich also 
ex cathedra mir gegenüber ein Richteramt an, das ihm gar nicht 
zusteht. Titel und Amt und was er sonst noch von der Milchkuh 
konzessionierter Lehrtätigkeit genießt, berechtigen ihn noch lange 
nicht, einen freien, in der Arbeit ergrauten Forscher, der selbstlos 
der Wissenschaft ohne all diese nützlichen Arabesken dient, vor 
sein selbstgezimmertes Prätorium zu zitieren. Ich gehe weder 
zu Kaiphas noch zu Salomon Morgenstern. Ich verachte mit 
Schopenhauer jede Art professoraler Zensur, wenn sie apodiktisch 
sich gebärdet; denn ich erinnere mich, daß noch 1890 ein Kollegium 
von Professoren die Idee des lenkbaren Luftballons für eine Utopie er- 
klärt hat; daß 1803 ein ebensolches Kollegium den Gedanken, Steine, 
d. h. Meteore, könnten vom Himmel fallen, als verrückt verspottet 
hat, und daß wenige Jahre vor Entdeckung des Benanbriefes 
Bunsen den berüchtigten Satz über die Unfähigkeit mancher 
Professoren, etwas aus erster Hand zu lernen, niedergeschrieben hat. 



92 Schmidt- Grapow: 

In Übereinstimmung damit spreche ich dem Professor der 
Theologie Carl Schmidt, der mich in unerhörter Weise wie einen 
Windbeutel verdächtigt, nicht nur die Berechtigung, sondern 
auf Grund der in seinem offenen Brief bekundeten Kenntnisse 
auch die Befähigung ab, in historischen Dingen ein die Mit- 
welt bindendes Urteil zu fällen. Was ich Herrn Schmidt ein- 
räume, ist einzig, mit mir über die strittige Frage zu diskutieren. 
Wie will er als Theologe Kichter in antiquarischen Unter- 
suchungen sein, wenn er ebenso wie sein Kollege Jülicher nicht 
einmal über die elementarsten Dinge am Nil Bescheid weiß? 
Wüßte er Bescheid, so redete er nicht von ,, einer ägyptischen 
Sprache", in welcher nach seiner Mutmaßung der Benanbrief 
(ein Schriftstück aus der Zeit des Kaisers Domitian) abgefaßt 
worden ist. Diese Behauptung allein beweist, daß Schmidt weder 
über den Benanbrief, noch über das Schriftwesen Ägyptens in 
der fraglichen Zeit orientiert ist; denn für die antike Literatur 
am Nil kommen nicht weniger als sechs Schriftsprachen in Be- 
tracht. Wer sie kennt, weiß daher auch, daß von „einer ägyp- 
tischen Sprache" in solchem Zusammenhang nicht gesprochen 
werden kann. Und trotzdem scheut sich Schmidt nicht, mir 
das Wort „Fälschung" zuzurufen. Bei solcher Schärfe des Ur- 
teils wäre es mir interessant, zu erfahren, welche Bezeichnung 
er für die Art hat, mit der er den Benanbrief öffentlich in Ver- 
ruf zu bringen sucht! Wäre für diese Art nicht viel eher das 
ominöse Wort am Platz, nachdem sein Artikel zu erkennen gibt, 
daß er die Benanliteratur gar nicht kennt? Oder ist es viel- 
leicht nicht doch so etwas wie ein theatralisch inszeniertes, mit 
Autoritäten wahn drapiertes Autodafe auf offenem Markt, wenn 
man mit Berufung auf Amt und Titel etwas im Dekretstil in 
Q iner Zeitung verdammt, das zu verdammen man gar nicht in 
der Lage ist? Warum schweigt sich Schmidt über die von 
mir in meinem Festartikel erwähnten Tatsachen aus, daß seit 
Erscheinen des Benanbriefes im Jahre 1910 die neuesten Aus- 
grabungen Zug um Zug die Angaben des Benanbriefes be- 
stätigen in Punkten, welche der Altertumskunde bis dahin 
völlig unbekannt gewesen waren? Die Lage des erst 1913 
entdeckten Hafens von Pompeji, die Inschriften in Ostia, die 
Funde in Ägypten? Wie reimt sich das Wort „Fälschung", 
welches Schmidt gebraucht, mit solchen nachträglichen außer- 



Der Benanbrief: Beilage III. 93 

halb des Machtbereichs eines Fälschers liegenden Bestätigungen 
zusammen? Sollte der „Fälscher", der 1860 den Benanbrief ge- 
funden hat, vielleicht Hellseher gewesen sein und fünfzig Jahre 
vorausgeschaut haben, was man einst finden werde? 

Schmidt, das ist leicht zu ergründen, kennt von dem ge- 
samten, umfangreichen Material nichts, als einige Hetzartikel 
seiner Presse und mit deren Eedensarten jongliert er. Das 
ist dieselbe Praxis, die ich bei einem Professor des Koptischen 
an einer anderen Universität kennen lernte. Dieser Schulmeister 
schrieb eines Tages ebenfalls einen offenen Brief und belehrte 
mich mit großem Selbstbewußtsein, daß gewisse literarische 
Eigenheiten des Benanbriefes in keinem anderen antiken Papyrus 
zu finden seien und daß „folglich" der Benanbrief unecht sei. 
Zwei Tage später stand meine Antwort gedruckt in derselben 
Zeitung, und in dieser wies ich dem Herrn Universitätsprofessor 
nicht weniger als zehn antike Papyrusrollen im Original nach, 
welche von den bestrittenen Eigenheiten geradezu wimmeln. 
Seitdem habe ich von dem gelehrten Herrn nichts mehr gehört. Es 
scheint darnach eine Professorenkrankheit zu sein, jeden für einen 
„Fälscher" zu erklären, der zufällig mehr weiß wie ein Professor. 

Gegenüber solcher Taktik bekommt man den Verdacht nicht 
los, daß die Herren gar nicht um die Sache selbst, sondern einzig 
um ihr gefährdetes Ansehen fechten: weil die Nachrichten aus 
Ägypten schlecht zu ihren verstaubten Hypothesen passen. Bei 
der prekären Stellung, die Schmidt als Wissenschaftler zur 
Religion einnimmt, ist das nicht verwunderlich. Aber er ver- 
wechselt nach dem, was er schreibt, auch Religion und Christen- 
tum, was zweierlei ist. Religion ist Gefühlssache. Das Christen- 
tum ist ein historischer Prozeß, und zwar ein Prozeß, der 
nicht nur durch zwei Jahrtausende von Jesus zu uns herabläuft, 
sondern auch Jahrtausende über Jesus hinaufreicht. Was Jesus 
in Anu und Kapernaum gelehrt hat, sind nicht „Offenbarungen", 
wie Schmidts archaistisch verkalkte Schule behauptet, sondern 
die Verwertung ethischer Weistümer, welche Jesus als Tempel- 
schüler in Ägypten studiert hat. Ich fordere Herrn Profes- 
sor Schmidt zum Beweis dessen auf, mich öffentlich zu wider- 
legen, wenn ich hiermit kundgebe, daß die „Werke der Barm- 
herzigkeit", welche Jesus in Palästina lehrte, bereits drei- 
tausend Jahre v. Chr. von den ägyptischen Sonnenpriestern 



94 Schmidt- Grapow: 

in Anu auf Stein und Holz niedergeschrieben wurden, und zwar 
wörtlich und in derselben Eeihenfolge, wie Jesus (nach 
Matthäus) sie vorgetragen hat. Ich fordere den Herrn weiter 
auf, meine Behauptung als „Fälschung" nachzuweisen, daß Jesus 
die Elemente der Bergpredigt (Matthäus) bereits in Ägypten 
in ebenso uralten Schriften vorgefunden und für seine Lehr- 
zwecke verwertet hat und daß ferner sämtliche Gleichnisse 
Jesu ohne Ausnahme ägyptisch sind. Sobald Schmidt ge- 
sprochen, werde ich ihm nicht nur sagen, wo ich die Werke 
der Barmherzigkeit in Hieroglyphen, älter als Moses, die Quelle 
der Bergpredigt in hieratischer Schrift ebenso alt entdeckt 
habe; sondern ich werde ihm die betreffenden altägyptischen, 
cl. h. vorchristlichen Stellen sogar übersetzen, damit er dieselben 
von Sprachkundigen an den antiken Originalen, die sich in 
Europa befinden, nachprüfen lassen kann. 

Schmidts beleidigende Verwunderung, die er in seinem Ar- 
tikel zum Ausdruck brachte und die er jetzt vielleicht wieder- 
holen wird, daß gerade ich das alles über Jesus entdeckt habe, 
wird an der logischen Kraft der Tatsachen nichts ändern. Sie 
bestätigt lediglich die beschränkte Wissenschaftlichkeit dieser als 
Richter gestikulierenden Theologieprofessoren, die bis heute 
nichts davon ahnten, daß Jesus mit ägyptischen Sentenzen, 
die in Palästina völlig unbekannt waren, seine Lehrtätigkeit da- 
selbst begonnen hat, daß er also, wie der Benanbrief meldet 
und der Anu-Papyrus bestätigt, in der ägyptischen Gelehrtenstadt 
Anu sich aufgehalten und gebildet hat. Da aber Schmidt auf 
Zweckmäßigkeit, beziehungsweise den Schutz der Kirche (die, 
nebenbei bemerkt, eine nachträgliche Organisation, nicht aber 
die Religion Jesu ist,) so großen Nachdruck legt, so frage ich: 
wird etwa die Lehre von den Werken der Barmherzigkeit des- 
halb plötzlich wertlos, weil ich an der Hand der Urschriften 
nachweise, daß sie älter als Jesus ist? Verliert die Bergpredigt 
deshalb ihren Seelentrost, weil es mir gelungen ist, die ägyp- 
tische Quelle zu entdecken, aus der Jesus sie geschöpft hat? — 
Als Historiker bin ich der Meinung, daß die Persönlichkeit Jesu 
durch die Aufhellung seines Entwickelungsganges nur noch an 
Glanz gewinnt; denn jetzt erst begreifen wir, mit welcher 
Genialität Jesus seine Lehre aufgebaut, die vorgefundenen 
Wahrheiten als solche erkannt und für seine Lehrzwecke ver- 



Der Benanbrief: Beilage III. 95 

wertet hat. Schmidt redet von der „Verwirrung der Gewissen". 
Aber nichts verwirrt mehr als die Ausnahmestellung, welche der 
Person Jesu innerhalb seines Kulturkreises von den Theologen 
noch immer zugewiesen wird; nichts reizt das Volk mehr zum 
Widerspruch, als die veraltete Schulpraxis, welche Jesus als 
Inkarnation religiöser Begriffe zu erklären sucht. Jesus 
hat als Mensch, wie jeder andere, eine Entwicklung durch- 
gemacht; sagt doch schon Lukas: „und Jesus nahm zu an 
Weisheit, Alter und Gnade." 

Wenn über meinen neuen Arbeiten vorläufig noch zum Teil 
eine gewisse „Mystik" schwebt, wie Schmidt es nennt, so sind 
die Gründe einzig folgende: Zu meiner Zurückhaltung haben 
mich die Art und Weise gebracht, mit der man mich jahrzehnte- 
lang geplündert hat. In England hat man mich einfach ab- 
geschrieben, ohne auch nur meinen Namen zu nennen. In Nor- 
wegen ist mir ganz Ähnliches . passiert. In Paris ist eine andere 
„Autorität" so weit gegangen, sogar die Orig'inalzeichnungen aus 
meinen Büchern zu stehlen und in ihrer Schrift mit abzudrucken. 
In meinem Bach „Die Lüge", das in jeder Buchhandlung zu haben 
ist, enthüllte ich den Diebstahl und forderte die Autorität öffentlich 
auf, mich zu widerlegen. Paris ist mir die Antwort bis heute schul- 
dig geblieben. Ich könnte diese Beispiele noch vermehren; aber 
sie genügen, um darzutun, daß ich berechtigt bin, diesmal etwas 
weniger vertrauensselig zu sein. Historische Untersuchungen, 
welche auf dieUrcmellen zurückgehen, lassen sich nicht von heute 
auf morgen schreiben. Sie erfordern langjährige Vorarbeiten. 
Meine Priorität kann ich also nur dadurch sichern, daß ich nichts 
aus der Hand gebe, was nicht in allen Punkten erledigt ist. 

Professor Schmidt verlangt von mir, daß ich ihm den Anu- 
Papyrus im „Faksimile" vorlege. Ich werde mehr tun. Ich 
w T erde ihm und aller Welt kein Faksimile, sondern das antike 
Original selbst vorlegen. Weder Schmidt noch ich werden 
dann das letzte Wort in diesem Streite haben. ' Das letzte Wort 
wird der alte Ägypter selbst sprechen, so wie er vor 1800 Jahren 
gesprochen hat, und melden von einem, den sie nannten „Jesus 
von Anu" und der als Gottesmann und Heiler der Kranken in 
Ägypten verehrt und berühmt war, wie es der viel bekämpfte 
Benanbrief ausführlich berichtet. 



Im Verlage der J. C. Hinrichs'sehen Buchhandlung in Leipzig 
ist erschienen: 

Gespräche Jesu mit seinen Jüngern 
nach der Auferstehung 

Ein katholisch-apostolisches Sendschreiben des 2. Jahrhunderts 

Nach einem koptischen Papyrus des Institut de la mission archool. frangaise au Caire 
herausgegeben, übersetzt und untersucht 

von 

D. Dr. Carl Schmidt 

Professor an der Universität Berlin 

■VII, 814 Seiten. S". Mit Lichtdruck-Faksimile der Handschrift. M. 44 — 
(Texte und Untersuchungen zur Geschichte der altchristl. Literatur, 48. Bd.) 

Prof. D. A. Juli eher in der „Christlichen Welt" (1920, 26): „Der 
Berliner Kirchenhistoriker Carl Schmidt, zurzeit die erste Autorität auf 
dem Gebiet der koptischen Literatur, hat vor 29 Jahren in Ägypten Bruch- 
stücke einer apokryphen Apostelschrift gefunden, die Gespräche des auf- 
erstandenen Jesus mit seinen Jüngern enthielt. In mühseliger, aber auch 
schön belohnter Arbeit an diesem koptischen Fragment ist das Werk er- 
wachsen, das jetzt als ein Moniurnent gediegener Gelehrsamkeit, 
glänzenden Scharfsinns und umfassenden Weitblicks vor uns 
steht. Ein Beitrag zur Geschichte nicht Jesu und der Apostel, 
wohl aber der Kirche während der ersten drei Jahrhunderte, 
in dem alle Zweige dieser Geschichte, Äußeres und Inneres, 
Lehre und Leben, Verfassung und Literatur mannigfaltige 
Förderung empfangen" 

Prof. D. Adolf von Harnack in der „Theolog. Literaturzeitung" 
(1919, 21/22): „In den fünf Jahreu des Kriegesund der Revolution haupt- 
sächlich hat Schmidt in stiller Arbeit dieses große Werk hergestellt, 
das die kirchliche Altertumsforschung so bedeutend fördert. 
Man gewinnt angesichts desselben die schon wankend gewordene Zuver- 
sicht zurück, daß die Forschung protestantischer Gelehrter auf dem Gebiete 
der ältesten Kirche noch eine Zukunft hat." 

Prof. D. G. Grützmacher in der „Theologie der Gegenwart" (1920,4): 
„Die 'Publikation des Berliner Kirchenhistorikers C. Schmidt ist eine 
Sensation für die Geschichte des alten Christentums ... Es 
ist nicht möglich, auf Einzelheiten einzugehen, aber jeder Leser wird aus 
dem Referat den Eindruck bekommen, daß es sich um eine für die Ge- 
schichte des alten Christentums außerordentlich wich.tige 
Urkunde handelt, falls die Hypothese von Schmidt über Zeit, Ort und 
Charakter des Schriftstückes zutrifft. Mich hat seine scharfsinnige 
Untersuchung in allen entscheidenden Punkten überzeugt .... Prof. 
Schmidt sei der Dank für seine Arbeit, die ein Monumentalwerk 
deutscher Forschung ist, ausgesprochen." 

Zu dem Preise tritt bis auf weiteres ein Teuerungszuschlag des Verlages von 60 •/<, ; 
dazu Sortimenterzuschlag. Preis für das Ausland nach den Bestimmungen des Börsen- 
vereins der Deutsehen Buchhändler. 



DIE 

BÜCHER DER GEHEIMNISSE HENOCHS 

DAS SOGENANNTE SLAYISCHE HENOCHBUCH 

HERAUSGEGEBEN 

VON 

G. NATHANAEL BONWETSCH 




LEIPZIG 

J. C. HINBICHS'sche BUCHHANDLUNG 

1922 



TEXTE UND UNTERSUCHUNGEN 

ZUR GESCHICHTE DER ALTCHRISTLICHEN LITERATUR 

ARCHIV FÜR DIE VON DER KIRCHENVÄTER-COMMISSION 

DER PREÜSSISCHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN UNTERNOMMENE 

AUSGABE DER ÄLTEREN CHRISTLICHEN SCHRIFTSTELLER 

HERAUSGEGEBEN VON 

ADOLF VON HARNACK UND CARL SCHMIDT 

3. REIHE 14. BAND HEFT 2 

44. BAND HEFT 2 



Druck von August Pries in Leipzig. 



Inhaltsverzeichnis. 

Seite 

1. Einleitung V 

2. Längere .Redaktion 3 

3. Kürzere Redaktion 61 

4. Anhang 107 

5. Register (I. Schriftstellen; II. Andere Schriften; III. Namen) 122—124 



Einleitung. 

1. Die handschriftliche Überlieferung. 

Nur in altslavischer Übersetzung ist das „Buch der Ge- 
heimnisse Henochs" erhalten. Daß es ursprünglich griechisch 
geschrieben war, zeigt Kap. 30, 13 die Erklärung des Namens 
Adams aus den Anfangsbuchstaben der Namen der vier Himmels- 
gegenden. Auf die ursprünglich hebräische Abfassung einzelner 
Teile schloß mit Unrecht Charles (s. u.) aus von ihm irrtümlich 
vermuteten Bezugnahmen darauf in den „Testamenten der zwölf 
Patriarchen" (s. u.). Die ganze Schreibweise des Verfassers je- 
doch, besonders die stete Voranstellung des Prädikats, trägt 
hebräischen Charakter. Verwertet ist der Septua gintat ext. Be- 
ziehungen auf das slav. Henochbuch lassen sich in der griechi- 
schen Literatur nachweisen. Aber selbst Fragmente des slav. 
Henochbuehes sind im griechischen Original nicht erhalteD. 

Über die Handschriften des slav. Henochbuehes unterrichtet 
eingehend nach den Aufzeichnungen M. Sokolovs Speranskij 
in den „Vorlesungen" („Lektüre" Ctenija) der „Kais. Gesellschaft 
für russische Geschichte und Altertümer an der Moskauer Uni- 
versität" (fortan zitiert als Ctenija) 1910, IV, S. 10 ff. — Sokolov 
unterscheidet drei Eedaktionen des slav. Henochbuehes: eine 
längere, eine mittlere und eine kürzere. Die von ihm als Ver- 
treterin einer mittleren Redaktion behandelte Handschrift (U) 
gehört jedoch vielmehr einfach der kürzeren Redaktion an. 

Seiner Wiedergabe der längeren Redaktion (Ctenija 1899, 
IV) hat Sokolov die Handschrift Nr. 321 der Belgrader Volks- 
bibliothek (= Sj zugrunde gelegt, eine Handschrift in verlän- 
gertem Quart. Sie war schon 1882 von V. Makuschev im „Rus- 
sischen Philolog. Boten" beschrieben, kurz auch von L. Stojanovic 
im Katalog der Volksbibliothek von Belgrad, IV (Belgrad 1 903) 
S. 225—230 (Nr. 447). Sokolov teilt S. 10—20 eingehend ihren 



VI Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

Inhalt mit. Bruchstücke von fünf Handschriften sind in ihr 
vereint, alle in mittel bulgarischer Rechtschreibung, wohl aus der 
gleichen Zeit, etwa dem 16. Jahrh. Von demselben Schreiber 
wie das Henochbuch ist in jener Handschrift auch die Johannes- 
apokalypse, ohne Erklärung, geschrieben. Ein Faksimile des 
Eingangs des Henochbuches bei Sokolov, Cten. 1910, IV, 183. 

Die südrussische Handschrift des Henochbuches (= P) aus 
der Bibliothek Chludovs, aus d. J. 1679, in Quart, hat A. Pop ο ν 
ausführlich beschrieben, Cten. 1880, III, 66 ff.; vgl. auch Sokolov, 
Cten. 1910, IV, 32 f. Sie ist gewidmet dem jungen Alexander 
KonstantinovitschOstroschskij. Sie besteht aus zwei, nur durch den 
Einband verbundenen Teilen. Der zweite enthält auf Bl. 1 — 25 
„Das Buch von den Geheimnissen Henochs". Von derselben 
Hand folgt hernach Kyrill Trankvillion über die Kreuzesabnahme 
und anderes. Nach der Überschrift ist angemerkt: „Abgeschrieben 
in der Stadt Poltava, bei der zarischen Kirche der Auferstehung 
unseres Herrn Gottes und Erlösers Jesu Christi, im Jahre der 
Erschaffung der Welt [Lücke für die Zahl], aber der Erlösung 
unseres Herrn Gottes Erlösers Jesu Christi im eintausendsechs- 
hundertneunundsiebzigsten {αχοϋ*). Nach der Fürsorge (za staran- 
jam) des Hieromonachs, des geehrten Herrn Vaters Gennadius, 
des gewesenen Abtes zu Poltava. Bei dem Kloster der Himmel- 
fahrt des Herrn." 

Näher Ρ als S steht eine Sokolov erst nach der Drucklegung 
seiner Edition (1895) durch einen seiner Zuhörer A. Jacimirskij 
in Abschrift zugegangene, in Rumänien angefertigte Handschrift 
in bulgarischer Schriftform (St. Petersb. Akad. d. Wiss. 13. 3. 25), 
s. 16; vgl. Sokolov, Cten. 1910, IV, 44—53 (bei mir J). Sie ist 
eine Handschrift in Quart, von 125 Bl. Das Henochbuch bildet 
Blatt 93— 125 ihren dritten Bestandteil, erst durch den Einband 
mit dem Vorhergehenden vereint. Ihre beachtenswerteren Ab- 
weichungen von S teilt Sok. S. 48 — 53 mit; der Schluß der an- 
gehängten Legende vomPriestertumMelchisedeks fehlt (von 3,5 an). 
Als eine Abschrift von Ρ ist anzusehen der Text eines Frag- 
ments des Henochbuches, das sich in Nr. 3058 des Rumjancev- 
schen Museums in Moskau, s. 18, in Quart, auf Bl. 391 f. findet 
(ohne Zusammenhang mit den übrigen Teilen der Handschrift): 
„Buch Henochs, des Sohnes Areds. Aus der köstlichen Perle. 
Die Woche, in der Gott dem Henoch zeigte" usw. c. 28—32. 



Einleitung: 1. Die handschriftliche Überlieferung. VII 

Wie in Ρ ist der Text in Abschnitte geteilt nach den Wochen- 
tagen; auch die Fehler von Ρ kehren wieder, daher trägt es 
nichts aus. Abgedruckt ist der Text des Fragments von So- 
kolov Cten. 1899, IV, Ulf. und 1910, IV, 145 ff. Es gibt sich als 
entnommen der „Köstlichen Perle" des Kyrill Trankvillion (heraus- 
geg. Tschernigov 1646), deren Text mit dem Henochbuch in 
Einer Handschrift vereinigt war. 

Die kürzere Fassung des slavischen Henochbuches bietet 
Nr. 3 (18) aus der Sammlung Uvarovs (vgl. Archimandrid 
L e ο ni d , Systematische Beschreibung der slavisch-russischen Hand- 
schriften der Sammlung des Grafen A. S. Uvarov 1893 [russisch]. 
Es ist eine Handschrift des ausgehenden 15. Jahrh., in Folio (bei 
Sokolov und mir U), beschrieben von Sokolov, Ctenija 1910, IV, 
33 — 44. Sie enthält die ATlichen geschichtlichen Bücher, Jose- 
phus „Über die Gefangennahme Jerusalems" (Bl. 371 — 615) und 
Bl. 626 v ff. das Henochbuch. Ihre Varianten hat Sokolov im Ap- 
parat seiner Ausgabe des längeren Textes (Cten. 1899) mitgeteilt, 
Speranskij sie nach Sokolovs Niederschrift selbständig ediert, 
Cten. 1910, IV, 109 ff. 

Zur Grundlage seiner Ausgabe der kurzen Kedaktion, Cten. 
1899, IV, 81—102 (bzhw. —107), hat Sokolov genommen eine 
Handschrift E. Barsovs, russischer Schriftform, ans dem Ende 
des 17. Jahrh., in Quart (über sie Sokolov, Cten. 1910, IV, 54—69), 
mit 334 BL, von Einer Hand geschrieben; in einzelnen Heften 
fehlen Blätter, auch Anfang und Schluß der Handschrift fehlt. 
Mit den historischen und kommentierenden Paläen und Methodius 
von Patara (dem Apokryphon), dem Nikodemusevangelium, den 
Chronographen wurde Einiges von Popov in den Ctenija von 
1881 herausgegeben. Das Henochbuch ist in der Handschrift 
Bl. 9— 34 v vollständig mitgeteilt, nicht wie die übrigen Sachen 
nur auszugsweise. 

Die gleiche kürzere Eezension enthält eine zweite Hand- 
schrift E. Barsovs, aus dem Jahre 1701, in Quart. Sie besteht 
aus zwei Teilen, die nur durch den Einband miteinander verbunden 
sind: Bl. 52 — 129 bilden ein Selbständiges für sich. Sie umfassen 
vorzüglich Schriften eschatologischen Inhaltes: Hippolyt De 
consummatione mundi, Johannes auf dem Berg Thabor, Jesaja 
(bei Porflrjev, Apokryphe Erzählungen S. 263 f.), die Fragen des 
Bartholomäus, Ps. Chrysostomus (Euseb. Emes.) über den Täufer 



VIII Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

in dem Hades, 87 — 98 das Henochbuch in verkürzter Redaktion, 
aber unvollständig und mit Auslassungen — ähnlich wie in der 
Belgrader und der Wiener Handschrift — , die Paulus- und 
Baruchapokalypse u. a. Schon Sokolov hat die weitgehende 
Übereinstimmung mit den beiden genannten Handschriften 
erkannt. 

Der Codex mit dem serbischen Text, Nr. 151 (443) der Bel- 
grader Volksbibliothek, 189 Blätter, in Quart, s. 16/17, ist 
ebenfalls aus zwei verschiedenen Handschriften gebildet. Die 
erste Hälfte (Bl. 1 — 24), die Bl. 1 — 11 den verkürzten Henoch- 
text enthält, gehört dem ausgehenden 16. Jahrh. an. Der Henoch- 
text ist von Novakovic in den Starine der südslavischen Aka- 
demie (Agram) 1884 S. 70 — 81 herausgegeben worden. Die 
Handschrift enthält noch die Antwort des Athanasius auf die 
Frage: Was ist vollkommenes Christentum?, Väteraussagen über 
das Mönchtum, die Vita Basilius des Neuen. Russizismen zeigen 
das Zurückgehen auf einen russischen Text des verkürzten Henoch- 
buches (vgl. Sok., Cten. 1910, IV, 73f.), wohl auch erst des 
16. Jahrh. 

Sehr genau trifft mit dieser Handschrift zusammen (s. u.) 
die der Wiener Hofbibliothek Nr. 125, in Quart, 17. Jahrh., 
362 Blätter umfassend. Sie enthält u. a. Methodius von Patara, 
die Fragen der Apostel über die Gottesmutter, die Fragen des 
Bartholomäus, die Paulusapokalypse, Bl. 308 v — 330 das Henoch- 
buch. In der Handschrift finden sich auch die Johannesapoka- 
lypse auf dem Thaborberg Bl. 330 v ff. und die Frage nach dem 
vollkommenen Christentum mit der Antwort des Athanasius. 
Auch hier ist der sonstige Inhalt meist eschatologischen Charak- 
ters. Andere Abschnitte der Handschrift zeigen noch mehr als 
das Henochbuch die Abhängigkeit von russischen Texten (vgl. 
Sok. S. 77). — Der Henochtext ist von mir für meine erste Aus- 
gabe des Henochbuchs kollationiert worden. Sokolov hat die 
Varianten der Belgrader und Wiener Handschrift gegenüber der 
ersten Barsovschen in seiner Wiedergabe der letzteren mitgeteilt. 
Die Barsovschen Handschriften bei mir (wie bei Sokolov) Β und 
Β l , die von Novakovic veröffentlichte und die Wiener V, bzw. 
V n und V v . 

Neben den Handschriften des vollständigen Henochbuches 
gibt es noch eine handschriftliche Überlieferung einzelner Teile 



Einleitung: 1. Die handschriftliche Überlieferung. IX 

(vgl. über sie in. Bericht bei Harnack, Gesch. d. altchristl. Literatur I, 
2, 914), durchweg abhängig von der kürzeren Redaktion. In 
erster Stelle kommt hier in Betracht der Chronograph (= C). 
Er ist enthalten zum Teil in Nr. 590 des Rurnjancevmuseums 
(Pisk. 155), 18. Jahrh., Bl. 134* und 135 (Sok. Cten. 1910, IV, 
147 f.). Ferner in dem Chronographen des Nezinschen Histor. 
philol. Instituts Nr. 39, 17. Jahrh., Bl. 16 v (20 v ), 36, 50 v — 52 v ; 
in den Handschr. Undoljskijs Nr. 728 Bl. 8 v ff., 729 Bl. 24*ff., 
und in der Ausgabe A. Popovs, Übersicht der Chronogr. II, 
164; Sok. ebend. S. 148 — 159 (der Text der Nezinschen Handschr. 
mit den Varianten der anderen und von B 1 ). Es handelt sich 
um Parallelen zu c. 11—16 (in Rum. 590 bis c. 13), 37, 40 f., 
47, 58. 

Die älteste handschriftlich erhaltene Überlieferung von Be- 
standteilen des Henochbuches findet sich im Merilo pravednoje 
(„Wage der Gerechtigkeit" = M). Den Text von Μ bietet schon 
eine Handschrift des 14. Jahrh. Nr. 15 der Bibliothek des Ser- 
gievschen Dreifaltigkeitsklosters (Tr. Serg. Laura), Bl. 36 — 38 
(bei Tichonravov, Denkmäler (s. u.) I, 20 — 23. — Sokolov teilt 
a, a. O. S. 93 die Varianten mit, die sich ihr gegenüber in 
Nr. 489 (202) der Moskauer Synodalbibliothek finden, einer 
Handschrift in Großquart. Der auf Bl. 335 — 337 die Frag- 
mente des Henochbuches enthaltende zweite Teil der Handschrift 
Bl. 335—350 gehört nach der Schrift dem Anfang des 15. Jahrh. 
an. — Dem 16. Jahrh. gehört an Nr. 682 (330) der Moskauer 
Synodalbibliothek, in Großquart. 427 Bl. Inmitten von Viten 
und Auszügen aus Abhandlungen auf Bl. 156 das „Wort aus den 
Bücheru des gerechten Henoch", in dem gleichen Umfang wie 
im Merilo, nur mit stärkeren Abweichungen (bei Sok. S. 94 f.). 
Auf Μ geht auch zurück der Absclmitt aus der Kormcaja des 
Jahres 1620 in Nr. 238 Bl. 727 v des Rumjancevmuseums, 
herausgegeben von A. Pypin in Kuschelev-Bezborodko, Pamj. 
star. russk. lit. (s. u.) III, 15 f. Es kommt aber auch mit ihr 
überein — wie auch immer ihr Verhältnis zu Μ zu erklären ist — 
Nr. 253 der Moskauer Synodalbibliothek (die Berechnung 
der Jahre auf Bl. 800 geht bis 1622), in Folio, mit 1134 Blättern. 
Nach der gegen die Bogumilen gerichteten Abhandlung eines 
Athanasius an Pankov (Kusch. -Bezb. 111, 84 f.) folgt auch hier 
auf Bl. 543 aus dem Henochbuch: „Höret, Brüder ist. ,Kinder' 



X Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

in M), bevor daß alles ward" etc. wie in M; nur ist hier alles 
in kleine Abschnitte geteilt (bei Sok. Cten. 1910, IV, 155—157) 
und sind die Aussprüche dem Presbyter Jeremias zugeschrieben 
(Die Abhandlung des Athanasius kennt die Erzählung des Presb. 
Jeremias vom Kreuzesholz). — Eine eingehende Vergleichung 
des Textes von Μ mit S und Β (bzhw. V) bietet Sok. a. a. 0. 
S. 107—118. Aus Kap. 40-53. 58-61. 65 hat die „Wage der 
Gerechtigkeit" geschöpft. 

Mit dem Text von Μ trifft auch fast vollständig zusammen 
der des Erzbischofs Gennadius von Novgorod in seinem Send- 
schreiben an Joasaf, Erzbischof von Rostov und Jaroslav i. J. 1489; 
herausgegeben von Popov, Ctenija 1879 S. 142 ff.; doch kann er 
das Henochbuch unmittelbar benutzt haben, da, was das Henoch- 
buch c. 65 enthält, in Μ auf § 1 und 10 verteilt ist (vgl. Sok. 
S. 118f.). 

Über den Sammelcodex 793 des Sergievschen Klosters s. 
unten 6. — Fast wörtlich entlehnt aus einer Angabe zum 
26. März ist die Bemerkung über Henoch und die Geburt 
Melchisedeks (vgl. A. Popov, Bibl. Materialien XX, 150f., Ctenija 
1890) in Nr. 387 (3) der Moskauer Synodal-Druckerei — 
in Großquart, in dem betreffenden Teil 15. Jhd., Parenios ge- 
nannt — , einer Kompilation aus der Bibel, den Paläen, Chro- 
niken, Apokryphen, genau beschrieben von A. Orlov, Die Biblio- 
thek der Moskauer Synodalen Druckerei, Moskau 1896; vgl. 
Sokolov, Cten. 1910, IV, 104. 

2. Ausgaben. 1 

In der wissenschaftlichen Literatur gedenkt zuerst A. Gorskij 
des slav. Henochbuchs, in seiner berühmten Beschreibung der 
slavischen Handschriften der Moskauer Synodalbibliothek: II, 2 
(1859) S. 626 f. und II, 3 S. 739. Das dort berücksichtigte Frag- 
ment ward ediert von A. Pypin im 3. Bd. von Kuschelev- 
Bezborodko, Pamjatniki starinnoj russkoj literatury („Denkmäler 
der alten russ. Literatur"), St. Petersb. 1862 S. 15f nach der 
Kormcaja des Rumjancevschen Museums v. J. 1620 Nr. 238 (s. o.), 
und von N. Tichonravov, Pamjatniki otrecennoj russkoj lite- 



1) Eine Übersicht gibt Sokolov, Ctenija 1910, IV, lff. 



Einleitung: 2.' Ausgaben. XI 

ratury („Denkmäler der apokryphen russ. Liter."), St. Petersb. 
1863, I, 20ff., aus dem Merilo pravednoe des Sergievklosters der 
Dreifaltigkeit Nr. 15 (auch jene kurze Zusammenfassung, welche 
die Schrift über Melchisedek einleitet; s. o.). — In seiner Über- 
sicht der Chronographen russ. Kedaktion, 2. Lief. (Moskau 1869) 
S. 154 f., 162—169 gab dann Α. Ρ ο ρ ο ν weitere Fragmente desHenoch- 
buches heraus, enthalten in einem Bericht „über die Schöpfung 
der sieben Tage und der ganzen Welt, über den Schöpfer und 
Erschaffer und seine dreifaltige Benennung etc."; unter seinen 
Quellen nennt der Bericht in letzter Stelle Henoch. Diesem 
sind entnommen die Abschnitte „Über den Gang der Sonne und 
ihren Übergang, Über den Gang des Mondes und Über die 
Schöpfung Gottes und seine Worte". — J. Porfirjev in „Apo- 
kryphe Sagen von alttestamentlichen Personen und Geschehnissen" 
(russ., Kasan 1872) berücksichtigt nur die von Pypin und Tichon- 
ravov herausgegebenen Fragmente, erst in den „Apokr. Erz. v. 
ATI. Pers. und Gesch. nach den Handschriften der Soloveckischen 
Bibliothek" (russ., St. Petersb. 1877. Sbornik (Sammelwerk) der 
Abteilung der russ. Sprache u. Liter, der Kais. Akad. d. Wiss. 
Bd. 17, 1) hat er auch die von Popov edierten angemerkt. A. 
Popov aber hat dann den vollständigen Text der „Geheimnisse 
Henocbs" herausgegeben in seinen „Bibliographischen Materialien" 
IV. Ein südrussischer Sammelkodex des Jahres 1 679 S. 66 — 139 
(in den Ctenija 1880) nach einer Handschrift der Bibliothek 
Chludovs (P). — Diese zunächst wenig beachtete Ausgabe ist 
auch Stojan Novakovic entgangen, der das slav. Henochbuch 
(in der kürzeren Fassung) nach Nr. 151 der Belgrader Volks- 
bibliothek edierte (Starine 16 S. 67 ff. 1884 [V E ]). Jetzt wandte 
Matvej Sokolov seine Forschungen dem slavischen Henochbuch 
zu. Er entdeckte 1886 in Nr. 321 der Belgrader Volksbibliothek 
einen noch älteren, vollständigeren und korrekteren Text des 
Henochbucb.es, den er mit Α bezeichnete (bei mir S). 1891 wurde 
ihm durch M. Speranskij eine Abschrift aus Nr. 125 der Wiener 
Hofbibliothek übermittelt [V v ]. Beiden letzteren Handschriften 
gegenüber vertritt eine selbständige Textgestalt die von Sokolov 
unter den Manuskripten E. Barsovs aufgefundene Handschrift (B). 
Ihren Text hat er Ctenija 1899, IV, S. 81—102 (bzhw. 107) her- 
ausgegeben, unter Beifügung der Varianten von V n und V v . 
Durch Leonids Beschreibung der Handschriften des Grafen Uvarov 



XII Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

(s. o.) wurde Sokolov aufmerksam auf Nr. 3 [18] (U), Ctenija 1910, 
IV, 109 ff.; er hat, wie oben S. VII bemerkt, in seiner Ausgabe des 
längeren Textes neben den Varianten aus Ρ auch die aus U mit- 
geteilt; dagegen ist ihm erst nach Fertigstellung seiner Ausgabe 
B 1 zugegangen. Auch Jacimirskijs Text der längeren Redaktion 
konnte er nicht mehr verwerten. Sokolovs Ausgabe erschien 
(Ctenija 1899, IV) unter dem Titel: „Materialien und Bemerkun- 
gen zur alten slavischen Literatur. 3. Lief. VII Das slavische 
Henochbuch II, Text mit lateinischer Übersetzung" : S. 1 — 80 die 
längere Redaktion (mit dem Anhang über das Priestertum Melchi- 
sedeks) und S. 81 — 107 die kürzere Redaktion (mit dem gleichen 
Anhang), S, Hl ff. noch das angeblich aus der „Köstlichen Perle" 
stammende Fragment. 

M. Sokolov hat seine lange Jahre hindurch (seit 1882) mit soviel 
Hingebung fortgesetzte Arbeit am slav. Henochbuch nicht ver- 
mocht zu Ende zu führen (gest. 1906). Aber seine Materialien hat 
M. Speranskij herausgegeben (Ctenija 1910, IV). Zunächst, als 
„mittlere Redaktion", die Handschrift Uvarovs (S. 109 — 130), 
dann die zweite Barsovs (S. 131 — 142); hierauf Fragmente des 
Henochbuchs: aus Nr. 3058 des Rumjancevmuseums (S. 145 — 147), 
aus Rum. Nr. 590 (147 f.), aus den Chronographen (S. 148—153; 
tatsächlich gehört auch Rum. 590 zu diesen), aus Rumjancevmus. 
578 über den Priester Melchisedek (S. 153ff.), aus Mosk. Synod. 
Bibl.253 (S. 155—157) aus der „Wage", aus Nr. 793 des Sergiev- 
klosters den kurzen Bericht über den Priester Melchisedek (ob. 
S. X). Es folgen noch als Beigaben S. 163 — 175 der Liber 
Ioannis und die kaukasische hebräische Legende von Henoch 
und Moses (175—182). 

Noch vor der Edition Sokolovs war die Ausgabe von Charles 
und Morfill erschienen: The Book of the Secrets of Enoch, 
übertragen ins Englische (Oxford 1896). Die Herausgeber ver- 
fügten dabei neben den Editionen von Popov und Novakovie 
über das ihnen zugestellte Manuskript der Ausgabe Sokolovs. — 
Sie kamen mit ihrer Veröffentlichung einer von mir in Angriff 
genommenen Übertragung des slav. Henochbuches ins Deutsche 
zuvor: „Das slavische Henochbuch", Abhandl. d. Gott. Ges. 
d. Wiss., Berlin 1896. Während Charles-Morfül die längere 
und kürzere Redaktion zu einer Einheit verarbeiteten, habe ich 
die beiden getrennt vorgelegt. Dies hat auch Charles getan in 



Einleitung: 3. Das gegenseitige Verhältnis der Handschriften. XIII 

seiner mit N. Forbes bewerkstelligten zweiten Ausgabe in den 
von ihm edierten Apocrypha and Pseudepigrapha of the 
Old Testament. II. Pseudepigrapha S. 431 — 469. Auch diese 
Ausgabe hält sich an die Handschriften Ρ und V und ist ebenso 
wie die frühere durch lehrreiche Anmerkungen ausgezeichnet. 



3. Das gegenseitige Verhältnis der Handschriften. 

Welches ist das Verhältnis der Handschriften zueinander? 
Klar ist, daß die längere Redaktion (A) keine Erweiterung der 
kürzeren (Red. B) bietet. Vielmehr liegt in Redaktion Β eine 
absichtliche Kürzung der längeren vor, die mitunter zu einer 
Verdunkelung des Originals geführt hat (vgl. Sok., Ctenija 1910, 
IV, 34 ff.). Die Vergleichung ihres ganzen Textes zeigt dies ohne 
weiteres. Noch deutlicher ist, daß alle Handschriften auf Eine 
slavische Übersetzung zurückgehen. Andererseits ist der kürzere 
Text nicht aus einer der erhaltenen Handschriften der längeren 
Redaktion (A) geflossen; er dient daher auch zur Feststellung 
der ursprünglichen Textgestalt der slavischen Version und ihrer 
Vorlage. 

Unter den Handschriften der Rezension Α sind J und Ρ 
enger miteinander verbunden als mit S. Es genügt an' c. 21, 6 
zu erinnern mit seinen Angaben in J und Ρ über den 8. bis 
10. Himmel. Wo S und J zusammengehen, haben sie die Prä- 
sumption des ursprünglichen Textes für sich. Doch gilt es die 
Möglichkeit im Auge zu behalten, daß die Vorlage von Ρ noch 
eine andere handschriftliche Überlieferung neben dem mit J ge- 
meinsamen Archetypus gehabt haben könnte, auf die vielleicht 
auch die Kapitelüberschriften in Ρ zurückgehen. 

Was die kürzereRedaktion und die aus ihr geflossenen 
Fragmente in Μ und C anlangt, so treffen V n und V v fast buch- 
stäblich zusammen, so daß sie geradezu als Eine Handschrift zu 
verwerten sind. Aber auch die Übereinstimmung von B 1 mit V 
ist eine weitgehende, namentlich die Auslassungen sind zumeist 
die gleichen. — Dagegen treffen Β und C im Wesentlichen zu- 
sammen, was ja dem chronographischen Charakter der Hand- 
schrift Β durchaus entspricht. — Wenn Sokolov U als mittlere 
Redaktion bezeichnet, so trifft dies, wie Β lehrt, nicht zu. U ist 
die älteste erhaltene Handschrift der kürzeren Redaktion. In U 



XIV Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

ist zwar, wie Sokolov (Cfcen. 1910, IV, 36 f.) gezeigt hat, nicht 
selten der ursprüngliche Text geändert worden, aber andererseits 
hat ihn doch auch U mehrfach wieder bewahrt. Änderungen 
in U sind z. B. in 1, 6 f. vüstach für vüzbnuv, 4, 1 vo svete 
angl für s agglj, 7, 3 zlostupnici für otstupnici, 8, 1 nevidiuio 
für nesvedomo, 36, 1 rukopredanie für rokj prezdania^l, 2 postavisa 
für ostavisa. Aber 39, 2 hat U richtig gly für aggli, 41, 2 pridjt 
für privelj, 42, 6 prinosy für srsno, S. 50, 3 i znoj für izgonit. 
U weist ebenso Züge des nordrussischen Dialekts auf, wie Spuren 
eines südslavischen, bulgarischen Originals. 

Älter noch als U sind Handschriften vonM (Merilo pravednoje). 
Trotz Herübernahme in ein anderes Werk ist der Text in Μ 
ein guter. 

Das Stemm a der Handschriften ist demnach folgendes: 

Die slavische Übersetzung 
Redaktion Α Redaktion Β 



S p p Μ (Genn) ^^ JL^ B1 

Yn Vv 

Namentlich das Verhältnis der kürzeren zur längeren Redak- 
tion zeigt, in wie freier Weise der Text behandelt worden ist; 
auch hat man kein Bedenken getragen, einen Ausdruck durch 
einen sprachlich geläufigeren zu ersetzen. Die Entscheidung für 
die eine oder andere Lesart wird öfters in der Schwebe bleiben 
müssen. Umso wichtiger war es, die ganze handschriftliche 
Überlieferung vorzulegen. — Die Wiedergabe der Handschriften 
durch Sokolov ist eine sorgfältige, wie ein Vergleich der Texte 
mit den ebenfalls von Sokolov mitgeteilten Varianten zeigt. 
Aber die Benutzung des Apparates ist durch seine ganze Anlage 
äußerst erschwert. — Bei der längeren Redaktion habe ich die 
Blattseiten von S angemerkt, bei der kürzeren die von U. 

4. Die literarische Verwertung des slavischeiiHenochfouches. 

Eine Verwertung des slavischen Henochbuches in den 
„Testamenten der zwölf Patriarchen" hat Charles darzutun 
versucht. Ich folgte ihm in meiner ersten Ausgabe S. 6, jedoch 
tatsächlich nur mit starken Bedenken, und sehr bald überzeugte 



Einleitung: 4. Die literarische Verwertung des slay. Henochbuches. XV 

ich mich davon, daß eine Bezugnahme der „Testamente" auf das 
Henochbuch sich nicht sicher beweisen läßt (so auch Schürer 
in Theol. Lit. Zeit. 1896). Wollten die „Testamente" sich auf 
eine ältere Autorität berufen, so konnte es eben nur Henoch 
sein. Berührungen liegen ja vor: vgl. Test. Dan. 5 των πνευμάτων 
της πλάνης' άνεγνων γάρ εν βίβλω Ένώχ τον δίκαιον, οτι ο 
άρχων νμών (αντών?) έϋτϊν 6 Σατανάς, mit sl. Hen. 18, 3; 
Test. Naphth. 4 άνεγνων εν γραφή αγία Ενώχ, οτι καίγε και 
νμεϊς άποοτήοεο&ε άπο κνρίον, πορενόμενοι κατά πάοαν πονηρίαν 
έϋ-νών και ποίηϋετε κατά πάοαν ανομίαν Σοδόμων, καϊ έπαξαι 
νμϊν κνριος αίχμαλωϋίαν . . εως αν άναλώοη κνριος πάντας 
νμας mit Hen. 34, 2. 3; mit dieser Stelle auch Test. Beni. 9 
υπονοώ δε καϊ πράξεις εν νμϊν ον καλάς έοεοθ-αι, απο λόγων 
Ένώχ τον δίκαιον πορνενοετε γάρ πορνείαν Σοδόμων και 
άπώληοϋ-ε εως βραχν, entfernt auch Test. Jud. 18 άνεγνων εν 
βίβλοις Ένώχ τον δίκαιον, όοα κακά ποιήοετε έπ έΰχαταις 
ήμέραις. — Charles hat auch auf den Zusammenhang von 
Hen. 18, 9 mit Apoc. Zeph. bei Clemens Alex. Strom. V, 11, 77 
hingewiesen: ανέλαβε ν με καϊ άνηνεγκέν με εις ονρανον πέμπτον 
καϊ έϋ-εώρονν άγγέλονς καλονμένονς κνρίονς . . νμνονντας &ε6ν 
άρρητον νψιοτον. 

Eine Bezugnahme auf das slavische Henochbuch dürfte eher 
vorliegen bei Clemens von Alexandrien Eclog. proph. 1, 2, 1 
ο Δανιήλ λέγει ομόδοξων τω Ένώχ τω ειρηκοτι' καϊ είδον 
τ ας νλας πάΰας. Ebenso bei Origenes De princ. IV, 35: Scrip- 
tum . . est in eodem libello dicente Enoch, universas materias 
inspexi; vgl. slav. Hen. 40, 1. 12. Vgl. auch De princ. I, 3, 2 mit 
slav. Henoch 24 ff. — Auf eine literarische Beziehung inAscensio 
Esaiae 8, 16 mit Henoch schließt Charles daraus, daß dort die 
Worte omnium una species et gloria aequalis weniger dem Zu- 
sammenhang entsprechen als Hen. 19, 1, und er vergleicht Apoc. 
Petri 19 ϊΰη δε ην ή δόξα τών εκεί οίκητόρων, auch Apoc. Petri9 
(Akhmimbruchstück) mit Hen. 1, 5. Auch auf Beziehungen zum 
Henochbuch in den Sibyllinen ζ. B. II, 75 und 88 zu Henoch 50, 5. 
51, 1 hat Charles hingewiesen und auf Sib. III, 24, 6, die Deu- 
tung des Namens Adams. Ebenso darauf, daß es im Testament 
Abrahams S. 115 ed. James heißt: ο αποδεικννμενος οντός 
εϋτιν ο διδαοκαλος τον ονρανον καϊ της γης καϊ γραμματεύς 
της δικαιοϋννης Ενώχ' απέϋτειλεν γάρ κνριος αντονς ένταν&α, 



XVI Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

iva άπογράφωοιν τάς αμαρτίας καϊ τάς οικαιοΟννας εκαΟτον. 
Auf Henoch 41, 2 scheint zurückzugehen IV Esra 4, 12 melius 
erat nos non adesse quam advenientas pati; weniger sicher ist 
eine Beziehung yon IV Esra 6, 38 ff. zu Henoch 27, 1. — Groß 
ist die Übeinstimmung der griechischen Baruchapokalypse 
c. 6 ff. S. 88 ff. ed. James (Texts and Studies V, 1, Camhr. 1899) 
mit dem slavischen Henoch. Baruch c. 6 heißt es: καϊ λαβών 
με ηγαγέν με όπον 6 ήλιος εκπορεύεται καϊ έδειξε μοι άρμα 
τετραέλαοτον ο ην νπόπνρον . .' {καϊ ην) έλαννομενον το άρμα 
νπ αγγέλων τεϋΟαράκοντα' καϊ ίδον ορνεον περιτρέχονέμπροϋϋ-εν 
τον ηλίου . . . καϊ είπέν μοι ο άγγελος' τοντο το ορνεον 
παρατρέχει τω ηλίω καϊ τ ας πτέρυγας εφ απλών δέχεται τ άς 
πυριμόρφους ακτίνας αυτόν . . . καϊ είπέν μοι ο άγγελος' Φοίνιξ, 

καλείται το όνομα αυτόν καϊ ήλϋ-εν φωνή λέγουΰα' φωτοδοτα, 

δός τω κόομω το φέγγος ... 7 . . ορώ το ορνεον . . καϊ οπιοΰ-εν 
τούτου τον ηλιον εξαΰτραπτόντα καϊ τους αγγέλους μετ αύτοΰ 
φέροντας καϊ οτέφανον επϊ την κεφαλήν αντον' . . καϊ αμα τω 
λάμψαι τον ηλιον έξέτεινε καϊ ο φοίνιξ τάς αντον πτέρνγας . . 
8 καϊ λαβών με ηγαγέν με επϊ δυομάς . . . ορώ τονς αγγέλονς, 
καϊ ήραν τον οτέφανον άπο της κορυφής αυτοΰ (sc. τοΰ ηλίου) . . . 
καϊ είπέν μοι 6 άγγελος' 6 ϋτέφανος τον ηλίου, όταν τηνήμέραν 
διαδράμη, λαμβάνουοιν τέοΰαρες άγγελοι τοΰτον καϊ αναφέρουΰιν 
εις τον ουρανον καϊ άνακαινίζουοιν αυτόν ... 9 . . καϊ είπον . .' 
κύριε, δείξόν μοι καϊ ταύτη ν (sc. την ϋεληνην), παρακαλώ, πώς 
εξέρχεται καϊ ποϋ απέρχεται . . . καϊ τή επαύριον ορώ καϊ ταύτην 
εν οχηματι γνναικος καϊ καϋ-ημένην επϊ άρματος τροχού . . καϊ 
πάλιν ήρώτηϋα' καϊ τι έοτιν οτι ποτέ μεν αυξει, ποτέ δε 
λήγει. Eine direkte Entlehnung liegt jedoch nicht vor. — Be- 
ziehungen zum Henochbuch könnten bestehen in den apokryphen 
Fragen des Bartholomäus („Nachrichten" d. Kön. Ges. d. 
Wiss. zu Göttingen, philol. hast. Klasse 1897; vgl. bes. S. 36). 
Wie im slav. Henoch c. 5f.; 19; 40, 8 — 11 werden auch in den 
„Fragen d. Barth." 4, 31 ff. Engel geschildert, die eine übermäßige 
Wirkung der verschiedenen Winde zu verhüten haben, 4, 45 
wird von Engeln über Hagel, Donner und Blitz geredet (vgl. 
auch Epiphanius De mensur. et ponder. c. 22). Wie nach slav. 
Hen. 31, 4 war auch nach den Bartholomäusfragen der Name 
des Teufels ursprünglich Satanael (4, 25 πρώτον έλεγόμην 
Σαταναηλ. ο ερμηνεύεται εξάγγελος ϋεον' οτε δε άπέγνων 



Einleitung: 4. Die literarische Verwertung des slav. Henochbuches. XVII 

άντίτυπον τον ϋ-εοΰ εκλη&η το όνομα μου Σατανάς; er der 
erste der Engel, die aus Feuer gebildet waren (4, 28 &εός . . 
ελαβεν δράκα πυρός; vgl. Hen. 29, 3). — Auf Henoch geht irgend- 
wie zurück, was in dem Liber Ioannis (Thilo, Codex apocryphus 
Novi Test. I, 884 ff., Döllinger, Beiträge zur Sektengesch. des 
Mittelalters II, 85ff. [1890], abgedruckt auchÖten. 1910, IV, 165ff.) 
S. 170 steht : Elevavit Henoc super firmamentum et ostendit deitatem 
suarn et praecepit ei dari calamum et atramentum et sedens scripsit 
sexaginta Septem (septuaginta sex) libros et praecepit, ut ad- 
duceret eos in terram, et tradidit eos filiis suis. — Eine, wahr- 
scheinlich nur mittelbare, Beziehung besteht zwischen der „Dis- 
putation des Panhagioten mit einem Azymiten" bei A. Vassiljev, 
Anecdota graeco-byzantina (Moskau 1893) S. 179 — 188 (auch 
herausgegeben von N. Krasnoseljcev, Odessa 1896; Speranskij, 
Viz. Vrem. 1895 Nr. 4; slavisch ediert von A. Popov, Moskau 
1875. P. Vjazemskij, St. Petersb. 1879). Von dem Paradies heißt 
es auch bei dem Panhagioten (Vass• 183) μέϋον φ&ορας και 
άφϋ-αροίας γίνεται , vomBaum άβ^1ιθ\3βη9χρνθοειδεςκαιπεριοκέπει 
τον παράδειϋον καϊ έχει άπο όλων των φυτών των ξνλων^ 
wie Henoch 8, 4 f. Von der Sonne wird gesagt (Vass. 184) 
οδηγονοιν αντον την ημέραν καϊ δεκαπέντε χιλιάδας αγγέλων 
und το δε πϋρ άγγελοι τω δίδωοιν (Hen. 11, 4 f.), ebenso (Vass. 
185) ανατέλλει, και ευ&ύς δύο ορνεα καλούμενα γρΰψι το εν 
καλείται φίριξ (φοίνιξ) και το έτερον χαλέδρις . . και βρέχουΰιν 
τον ηλιον ίνα μη καύοη τον κόΰμον und es wird die Sonne 
begrüßt φωτοδότα; vgl. auch Sokolov, Cten. 1910, IV, 136—144. 

Die Deutung des Namens Adams 30, 13 findet sich auch in 
Ps. Cyprian De montibus Sina et Sion 4. Das Wort von den 
sieben Jahrtausenden Hen. 33, 1 kehrt wieder bei Barnabas 15, 4, 
Iren. Adv. haer. V, 28, 3, Origenes De creatis 12 bei Methodius 
S. 499, 25ff.; inwieweit auf Henoch zurückgehend steht dahin. — 
Die „zwei Wege" begegnen Hen. 30, 15. — Auf Verwandtes in 
der jüdischen Literatur weist Charles hin in Pseudepigrapha 
S. 428f. 

Die Berührungen mit dem Neuen Testament sind an den 
betreffenden Stellen angemerkt. 

Seinerseits zeigt sich das slavische Henochbuch von Sirach 
(vgl. ζ. B. 43,2ff.; 47,5; 52,8; 61,2.4; 65,2. 4) und vom äthio- 
pischen Henoch abhängig, wohl auch von dem Weisheitbuch 

T. u. U. '22: Bonwetsch. Β 



XVIII Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

(vgl. 65, 4). Für die Herkunft aus Ägypten Charles XXVI und 
Pseudepigr. S. 426. 

Der Bestand des Tempeldienstes wird noch vorausgesetzt, 
vgl. besonders 59, 2. Crawf. Burkitt, Jewish and Christian 
Apocalypses, London 1914, S. 75 f. bezweifelt den jüdischen 
Charakter des Henochbuches; mir scheint er sich aus seinem 
ganzen Inhalt mit Sicherheit zu ergeben. 

5. Die Gliederung des Buches. 

Durch neue Ansätze macht sich die Gliederung des Buches 
kenntlich: Cap. 24, 39, 55 bzhw. 58 beginnt eine neue Schilde- 
rung. Der erste Abschnitt zeigt die Aufnahme Henochs in den 
Himmel und was er daselbst schaut, sowie den Auftrag dies 
aufzuzeichnen: c. 1 — 23. Der zweite enthält einen Bericht über 
die Schöpfung und die Herabsendung des Henoch zu den Seinen: 
c. 24 — 38. Der dritte spricht aus, was alles Henoch an Geheim- 
nissen der Schöpfung geschaut, und schließt daran an Ermah- 
nungen zu einem rechten Verhalten (c. 39 — 54). Der vierte ent- 
hält die Ansprache des von den Seinen scheidenden Henoch 
und dessen Hinwegnahme (c. 55, bzhw. 59 — 67). Kap. 68 ist 
ein angehängtes Schlußcapitel. — Das Werk gibt sich klar als 
wesentlich auf Kompilation beruhend zuerkennen. Schon die 
Einheitlichkeit der Sprache zeigt aber die Einheit des Autors. 

6. Die Legende vom Priestertum Methusalems, Nirs 
und Melchisedeks. 

Als einen Teil des Henochbuches bieten die Handschriften 
S, J, U und Β die Legende über das Priestertum Methusalems, 
Nirs und Melchisedeks. Sie ist aber auch enthalten in Nr. 578 
(Piskarev 143) des Rumjancevmuseums (= R), aus dem Ende 
des 16. Jahrh., Blatt 164 v — 168, unter dem Titel: „Aus den ge- 
heimen Büchern Henochs über den Priester Melchisedek, wie er 
geboren ward von der toten Sophonima (abgedruckt von Sokolov- 
Speranskij, Cten. 1910, IV, 153 — 155); hier folgt auf einen kurzen 
Bericht über das Priestertum Methusalems und Nirs die Erzäh- 
lung von Melchisedek. Der Text fast völlig = B, daher fast nie 
von mir notiert. Ebenso in einer von Tichonravov a. a. 0. 1, 28 — 31 



Einleitung: 5. D. Glied, d. B. 6. D. Leg. v. Priest. Methus. usw. XIX 

herausgegebenen Handschrift, Nr. 27 des Kirillo-Beloz. Klosters, 
aus dem 17. Jahrh. (= T). Auch gibt Nr. 793 der Bibliothek des 
Sergievschen Dreifaltigkeitsklosters, 16. Jahrh., zunächst eine Mit- 
teilung' über Henoch: „Und es waren ihm 360 Jahre, und er ging 
hinauf in den Himmel mit Engeln und sie zeigten ihm alle un- 
aussprechliche und unerforschliche Weisheit Gottes, den Tron des 
Herrn und die unaussprechlichen Gesänge der Engel und alle 
sieben Himmel; welche genannt werden die geheimen Bücher He- 
uochs, die er sah und aufschrieb. Und wieder stieg er herab. Und 
es versammelten sich zu ihm seine Söhne und alles Volk, und er 
fing an zu ihnen zu reden heilsame Worte und befahl die Bücher 
zu bewahren seinen Söhnen in Ewigkeit." Es folgt Henoch c. 67, 
dann in kurzer Zusammenfassung die Legende über Methusalem 
und Nir und, ebenfalls verkürzt, die über Melchisedek entsprechend 
dem Text von U und B. Herausgegeben ward der Text zuerst 
von Tichonravov a. a. 0. 1, 28 und von Sokolov-Speranskij, Cfcen. 
1910, IV, 161 f. — Dem Vorgang von Charles -Morfill folgend, 
habe ich die Legende als Anhang beigegeben. 

Auch diese Ausgabe beabsichtigt keine Untersuchung des 
slavischen Henochbuches, sie will nur für eine solche, die drin- 
gend erwünscht ist, die textliche Überlieferung möglichst voll- 
ständig bereitstellen. 

Über die kalendarischen Angaben des slav. Henochbuches 
handelt Charles im Journal of Theological Studies, Januar 1921, 
gegenüber den Ausführungen von Mrs. Maunder in „The Ob- 
servatory 41" (1918), 309—316. Eine Erwiderung darauf von 
J. K. Fortheringham im Oktoberheft des J. of Theol. St. 

Der Preußischen Staatsbibliothek, insbesondere dem Herrn 
Generaldirektor der Preußischen Bibliotheken, Herrn Wirkl. Ge- 
heimrat Dr. Milkau sage ich für gütige Überlassung der Ctenija 
ehrerbietigen Dank. 



B* 



DIE BÜCHEE DER GEHEIMNISSE HENOCHS 

LÄNGERE REDAKTION 



T. u. U. '22: Bonwetsch. 



Verzeichnis der Handschriften. 

S = Nr. 321 der Belgrader Volksbibliothek, herausgegeben von Sokolov. 
J = Jacimirskijs Handschrift, jetzt St. Petersburger Akad. d. Wiss. 

13. 3. 25. 
Ρ = Die von Popov herausgegebene Handschrift aus der Bibliothek 

Chludovs vom Jahr 1679. 
U = Nr. 3(18) der Handschriften Uvarovs, als Vertreterin der kürzeren 

Eedaktion gelegentlich herangezogen. 

Sok = Sokolov. — Tich = Tichonravov, Denkmäler der apokryphen 
Literatur I. — Öten. = Vorlesungen über russ. Gesch. und Literatur an 
der Moskauer Universität. — < = fehlt. — 



Die Bücher der heiligen Geheimnisse des Henoch, 

des weisen Mannes und großen Schreibers, den der Herr auf- 
nahm und ihn liebte, damit er sehe die Wohnungen des Höch- 
sten, und des sehr weisen und großen und unbegreiflichen und 
5 unveränderlichen Gottes Königreichs, des Allmächtigen, und des 
sehr wunderbaren und herrlichen und leuchtenden und vielaugigen 
Standes der Diener des Herrn und des unbewegbaren Trones des 
Herrn und der Ordnungen und Offenbarungen der leiblosen Heer- 
scharen und der unaussprechlichen Verbindung der großen Menge 

10 der Elemente und der mannigfachen Schauspiele und des un- 
aussagbaren Gesangs der Heerscharen der Cherubim und des 
unermeßlichen Lichtes Augenzeuge werde. 

I. Zu jener Zeit, sprach Henoch, als mir vollendet wurden ein- 
hundertundfünfundsechzig Jahre, zeugte ich meinen Sohn Mathusal. 

15 Und danach lebte ich zweihundert Jahre, und ich vollendete alle 
Jahre meines Lebens, dreihundertfünfundsechzig Jahre. Im ersten 2 

5 vgl. c. 22. 13 Gen. 5, 21—23. 

1 „Das Buch von den Geheimnissen Henochs, des Sohnes Areds, 
des weisen und Gott liebenden Mannes" P. Nach Angaben über Ort u. 
Zeit der Handschrift (s. Einl.) folgt in Ρ als Überschrift „Von dem 
Leben und von dem Sohn (sSe, 1. „Traum" sne) Henochs"; alsdann „Es 
war ein weiser Weiser (1. „weiser Mann" muz mudr), und der große Werk- 
meister („Künstler" chudoznik) liebte ihn, und der Herr nahm ihn auf, 
damit er sehe" etc. wie in S 2 „Schreibers" kniznika (vgl. U, Hen. 15, 1 
u. Test. Abrah. S. 115 γραμματεύς της δικαωσννης Ένώχ): „Künstlers" 
chudoznika SJ vgl. Ρ 3 „liebt" S — „d. Wohnungen d. H."-vysnjaja 
zitija: vysnjaju zitie S ^„und" 1 ^? 5 „und" < Ρ 7 „(unbeweg) 
baren — Offenbarungen" < S, aber Lücke von 2 Zeilen — „unbewegb." 
nepodvizimago Sok: „unerreichbaren" nepostizimago Ρ 9 „Verbin- 

dung" slozenia: „Dienstes" sluzenija Ρ — „großen" < Ρ 13 „sprach 
er" Ρ 15 „Danach aber" Ρ — „und ich voll." i ispoljnich: „und" i 

< S 16 „meines" < S — „Im ersten— Tag" < Ρ 

1* 



4 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

Monat an dem bestimmten Tag, am ersten Tag des ersten Monats, 
war ich, Henoch, in meinem Hause allein, und ich ruhte auf 
meinem Bette schlafend. Und als ich schlief, stieg auf großes 3 
Leid in mein Herz, und ich war weinend mit meinen Augen im 
5 Schlaf, und ich konnte nicht verstehen: Was ist dieses für ein 
Leid oder was wird mir widerfahren? Und es erschienen mir 4 
zwei überaus sehr große Männer, wie ich solche niemals auf der 
Erde gesehen hatte. Und es waren ihre Angesichter wie die 5 
Sonne leuchtend, ihre „Augen wiebrennende | Fackeln", aus ihrem 1 

10 Mund Feuer hervorgehend; ihre Kleidung Federn(?) von ver- 
schiedenem Aussehen, ihre Füße purpurn, ihre Flügel leuchten- 
der als Gold, ihre Arme weißer als Schnee. Und sie standen 
zu Häupten meines Bettes und riefen mich mit meinem Namen. 
Ich aber erwachte von meinem Schlaf und sah deutlich jene 6 

15 Männer stehend bei mir. Ich aber eilte und betete sie an und 7 
erschrak und es ward bleich an Aussehen mein Angesicht vor 
Furcht. Und es sprachen zu mir jene Männer: Sei mutig, Henoch, 8 
in Wahrheit fürchte dich nicht; der ewige Herr hat uns zu dir 
gesandt. Und siehe, du gehst heute mit uns hinauf in den 

20 Himmel. Und sage deinen Söhnen und allen Kindern deines 9 
Hauses alles, so viel sie tun sollen ohne dich auf der Erde in 
deinem Hause, und | niemand soll dich suchen, bis daß dich der l v 

9 Dan. 10, 6. — 15 Dan. 5, 5. 

2 „Henoch" < Ρ 3 „schlafend" spe S : „und schlief" i spach Ρ 
4 „In meinem Herzen" J — „war" bech: „sprach" rech S — „im Schlaf 
— Leid" < S, aber eine Lücke von 2 Zeilen 5 „er konnte nicht" J 

6 „oder" + Ρ 7 „solche" < S J 9 „i. Augen aber" Ρ — „und aus" Ρ 
10 „ihre Kleidung" odeanie ich S, „durch Kleidung" odejaniem Ρ — 
„Federn" perie P^Sok, corrupt: „Gesang" penie SJ, „durch G." peniem Ρ 
(peniju U) — „verschiedenem" „vorzüglichem" Sok mit HSS der kür- 
zeren Redaktion (razdnaja B 1 , razlicno B), „Verteilung" Red. Α (raz- 
deanie S, razdanie J, razdajanija P) (razdajaniju U) 11 „(von) Aus- 

sehen, ihre Füsse" vidom, nogy ich Sok : vidom mnogych S, vidom 
mnogy J, nur vidom Ρ 12 „Und" < Ρ 14 „erwachte": „stand auf" Ρ 

15 „bei mir": „mir gegenüber" JP — „eilte und" < JP — „sie" < J 

16 „ward bleich" obelisja: „überströmte" (?) obliasja S: „veränderte sich" 
izmenisja JPSok („glänzte" blestasja U) — „an Aussehen" zreniem S: 
„das Aussehen" videnie Ρ (privideniem U): < J — „meines Angesichts" Ρ 

17 „die Männer" S 18 „inWahrheit" < Ρ — „Herr": „Gott" Ρ 
19 „heute" < J 21 „dich" < J 



Längere Eedaktion: Cap. I, 2 — 111,1. 5 

Herr zurückbringt zu ihnen. Und ich eilte ihnen gehorchend 10 
und ging hinaus aus meinem Hause und verschloß die Tür, wie 
sie mir gesagt hatten. Und ich rief meine Söhne: Mathusalam 
und Kegim und Gaidad und tat ihnen kund, soviel mir gesagt 
5 hatten jene sehr wunderbaren Männer. 

II. Höret, meine Kinder, nicht weiß ich, wohin ich gehe 
oder was mir begegnet. Jetzt, meine Kinder, weichet nicht von 2 
Gott; vor dem Angesicht des Herrn wandelt und seine Urteile 
bewahret. Nicht wendet ab die Opfer eures Heils, so wird der 

10 Herr nicht abwenden die Arbeit eurer Hände; und beraubet 
nicht der Gaben den Herrn, so wird auch der Herr nicht be- 
rauben der Erwerbungen seine durch Gaben Liebenden in euren 
Vorratshäusern, benedeit den Herrn mit den Erstlingen der Herde 
und den Erstlingen eurer | Stiere, so wird Segen auf euch sein 2 

15 in Ewigkeit. Und weichet nicht vom Herrn und betet nicht an 
eitle Götter, Götter „die nicht gemacht haben den Himmel und 3 
die Erde", noch andere Kreaturen. Denn sie werden umkom- 
men und die, welche sie anbeten. Und es mache treu der Herr 4 
eure Heizen in seiner Furcht. Und jetzt, meine Kinder, suche 5 

20 niemand mich, bis daß mich der Herr zu euch zurückbringt. 

III. Es geschah, als ich geredet hatte zu meinen Söhnen, 
riefen mich jene Männer und nahmen mich auf ihre Flügel und 

3 vgl. Gen. 4, 18. — 15 1 Sam. 12. 20. — 16 Jer. 10, 11. — 17 Prov. 

23, 17. 

1 „ihnen" vor „geh." < S — „zu gehorchen" Ρ 2 „wie mir be- 
fohlen war" Ρ 3 „Methusal" Ρ 1 „Gaidad" LXX — „und tat . . kund"' 
i ispovedach: i<S 5 „s. wund. Männer": „Wunder" JP 6 „Be- 

lehrung. Wie Henoch seine Söhne belehrte. Erste (seil. Abhandlung)" 
als Überschrift in Ρ — „Höret mich" Ρ 7 „Jetzt aber" Ρ — „Kin- 

der": „sage ich euch" + Ρ 8 „vor seinem Angesicht" J — „des Herrn 
— betet nicht an" Z. 15 < Ρ — „Urteile": „Gebote" J 9 „wendet ab 
d. Opfer" otvratite zertvyi mit U: „entweiht die Gebete" omrazite mo- 
litvy SJ» 10 „abwenden" otvratit mit U: „verkürzen", sükratit SJ — 
■ „und beraubt n." SJ 12 „und seine" SJ 14 „Stiere" junot: „Spröß : 
linge" vnuejat J 16 „Götter, die — umkommen" < J — „Götter, Göt- 
ter" < Ρ 17 „noch a. Kreat."< Ρ 19 „seiner Furcht" strach svoi: 
„seinen Gebieten" stranach svoieh Ρ 21 „Von der Aufnahme Henochs. 
Wie ihn nahmen die Engel in den ersten Himmel. Zweite (seil. Ab- 
handlung)" als Überschr. in Ρ — „Und es g." J — „Henoch geredet 
hatte zu s. S." Ρ 22 „riefen— Männer" < Ρ — „mich": „ihn die 

Engel" Ρ 



6 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

trugen mich empor in den ersten Himmel. Und sie stellten mich 2 
hin auf die Wolken, und siehe sie gingen. Und wieder höher 
sah ich die Luft, und höher sah ich den Aer. Und sie stellten 3 
mich hin auf den ersten Himmel. Und sie zeigten mir ein sehr 
5 großes Meer, größer als das Meer der Erde. | 

IV. Und sie brachten vor mein Angesicht die Obersten und 2 V 
Herrscher der Ordnungen der Sterne. Und sie zeigten mir zwei- 
hundert Engel, welche Macht haben über die Sterne und die 
Kompositionen der Himmel; und sie fliegen mit ihren Flügeln 

10 und umgehen alle Umherirrenden (Planeten). 

V. Und daselbst schaute ich und sah die Schatzkammern 
des Schnees und des Eises und die Engel, welche halten ihre 
schrecklichen Behältnisse, und die Schatzkammern der "Wolken, 
von wo sie ausgehen und eingehen. 

15 VI. Und sie zeigten mir die Schatzkammern des Taus wie 

Olivenöl und die Engel, die bewahren ihre Schatzkammern, wie 
sie sie zuschließen und sie aufschließen. Und das Aussehen 
ihrer Gestalt um vieles mehr als alle Blumen der Erde. 

VII. Und es ergriffen mich jene Männer und führten mich 

20 hinauf in den zweiten Himmel. Und sie zeigten | mir, und ich 3 
sah eine Finsternis größer als die Finsternis der Erde. Und da- 

7 Hen. 72, 1. 80, 1. 82, 9. — 11 Hiob 38, 22. Hen. 60, 17 f. — 15 Hen. 
60, 20. — 21 Hen. 17, 6. — Hen. 21, 10 (2 Ptr. 2, 4. Juda 6). 

1 „mich": „ihn" Ρ 2 „siehe sie gingen" se grjadeachu: „siehe, 

ich ging" se grjadech J: „daselbst schaute ich" tarn gljadachP 3 „Luft, 
u. höher" < Ρ 6 „Von den Engeln, die über die Sterne herrschen. Dritte" 
als Überschr. in Ρ — „Und" < Ρ (7 „Sterne": „und zeigten mir i. Läufe 
und ihreÜbergänge von Jahr zu Jahr" + U) 9 „Kompositionen" slozenieS, 
slozenija J: „Dienste" sluzenija Ρ 11 „Davon, wie die Engel die Be- 
hältnisse des Schnees halten. Vierte Abhandlung" als Überschr. in Ρ — 
„und sah" -f- Ρ 12 „und des Eises" < Ρ 13 „d. Schatzkammern" 

< Ρ — „die Wolken" Ρ 11 „sie aufgeht und eingeht" J 15 „Vom 
Tau und vom Olivenöl und von vorzüglichen Blumen. Fünfte Abhandlung" 
als Überschr. in Ρ — „Und" < Ρ — „die Schatzkammer" Ρ — „und 
wie" S IG „u. (< P) d. Engel — aufschließen" erst nach „Erde" SJP — 
„wie sie zugeschlossen u. aufgeschlossen werden" JP; „wie sie zugeschlos- 
sen werden und sie aufschließen" S 18 „ihrer Gestalt aber" Ρ — 
„jede Blume" S 19 „Davon wie Henoch aufgenommen ward in den 
zweiten Himmel. Sechste Abhandlung" als Überschr. in Ρ — „Es er- 
griffen mich aber" Ρ 20 „u. ich sah" < Ρ 



Längere Redaktion: Cap. III, 2— VIII, 3. 7 

selbst sah ich bewachte Gefesselte, hangend, erwartend das• un- 
ermeßliche Gericht. Und jene Engel waren dunkeln Aussehens, 2 
mehr als die Finsternis der Erde, und sie taten unaufhörlich 
Klage alle Stunden. Und ich sprach zu den Männern, die mit 
5 mir waren: Weshalb werden diese unaufhörlich gepeinigt? Es 3 
antworteten mir die Männer: Diese sind vom Herrn Abgewichene, 
die nicht gehorchten dem Gebot des Herrn, sondern durch ihren 
eigenen Willen erwählend, sind sie abgewichen mit ihrem Für- 
sten, und mit denen, welche befestigt sind am fünften Himmel. 

10 Und mich jammerte ihrer sehr, und jene Engel fielen vor mir 4 
nieder und sprachen zu mir: Mann Gottes, bitte für uns zum 
Herrn. Und ich antwortete ihnen und sprach: Wer bin ich, ein 5 
sterblicher | Mensch, daß ich für Engel bitten sollte? Wer aber 3 V 
weiß, wohin ich selbst gehe und was mir begegnet, oder wer . 

15 wird bitten für mich? 

VIII. Und es ergriffen mich von dort die Männer und 
führten mich empor in den dritten Himmel und stellten mich 
in die Mitte des Paradieses. Und jener Ort unaussprechlich 
durch Schönheit. Und ich sah alle Bäume schön blühend und 2 

20 ihre Früchte reif und wohlriechend und alle Nahrung beständig 
sprudelnd, mit duftendem Wohlgeruch. Und in der Mitte der 3 
Baum des Lebens an jenem Orte, an dem der Herr ruht, wenn 
er hineingeht in das Paradies. Und jener Baum ist unaussagbar 

10 Hen. 13,4. — 12 Hen. 15, 2 ερωτήσαι νμας έδει περί των άν&ρώπαη• 
και μή τους άνθ-ρώπονς περί νμών. — 18 Gen. 2, 8 f. 2. Cor. 12, 2. 4. — 
19 Gen. 2, 9 f. Apoc. 22, 2. Hen. 32, 3. 6; vgl. Hen. 29-32. — 21 Gen. 2, 9 
Apoc. 2, 7. Hen. 24, 4. 25, 3. 4. 

1 „große und unerm." JP 3 „tuend" Ρ 6 „von Gott Abg." Ρ 
7 „des Herrn": „Gottes" Ρ 8 „erwählten sie und wichen ab" JP 

9 „und m. d." < S 10 „m. jammerte" pozalichsja: pozalich si S — „u. jene 
Engel": „jene aber" Ρ 11 „Mann": „Mensch" Ρ 12 „und sprach" 
< Ρ 13 „Mensch" < J — „aber" < Ρ 14 „selbst" < P: „nun" J 
16 „Von der Aufnahme Henochs in den dritten Himmel. Siebente Ab- 
handlung" als Überschr. in Ρ — „jene Männer" Ρ 18 „in die Mitte": 
„daselbst. Ich aber blickte herab und sah die Orte („den Ort" J)" JP 
„Und j. Ort" < JP — „unaussprechl." nesvedimo S, nesvedomiP: („un- 
sichtbar" nevidimo U) 20 „reif" zreli, zrech Ρ — „beständig" prisno 
mit U : „herzugebracht" prinesena SJP; „und" + S 23 „hinaufgeht" S 
„Und— Luft" S. 8, 14 kürzer U 



8 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

durch Schönheit und Duft, und geschmückt mehr als alle Kreatur, 4 
die es gibt, und von allen Seiten an Gestalt aussehend wie Gold 
und purpurn und feurigen Aussehens, und er | bedeckt das ganze 4 
Paradies. Er hat von allen Pflanzungen der Bäume und von 5 
5 -allen Früchten; seine Wurzel ist im Paradies am Ausgang der 
Erde. Das Paradies aber ist zwischen der Verweslichkeit und 
Unverweslichkeit. Und es gehen hervor zwei Quellen, die eine 
läßt strömen Honig und Milch, (die andere) Ol und Wein, und 
sie teilen sich in vier Teile und umgehen mit stillem Lauf, sie 

10 gehen herab in das Paradies Edem zwischen der Verweslichkeit 6 
und Unverweslichkeit. Und von da gehen sie hervor und teilen 
sich in vierzig Teile und sie geht hervor in kleinen Teilen über die 
Erde und hat die Umkehr ihrem Kreis wie die andern Elemente 
der Luft. Und nicht ist daselbst ein unfruchtbarer Baum, und 7 

15 jeder Baum mit schönen Früchten, und jeder Ort ist gesegnet. 8 
Und dreihundert überaus leuchtende Engel, welche das Paradies 
bewahren, und mit nie aufhörender Stimme | und schönem Gesang 4v 
dienen sie dem Herrn alle Tage und Stunden. Und ich sprach: 
Welch ein überaus schönerOrt ist dies! — Und es sprachen zu 



4 Panhag. Vassilj., Anecdota S. 183. — 7 Apoc. Pauli S. 52 ed. Tisch. 



1 „geschmückt" krasno, ukrasena P: „Schmuck" ukrasenie J 2 „die 
es gibt": „seiend" J — „und" < S(J?) — „an Gestalt" nach „purpurn" 
in S 3 „purpurn" cervlenno P: crüveno SJ — „bedeckt alles. Das 
Paradies aber" Ρ 4 „Und er hat" J — „von a. — und" < P— „Pflanz, 
der" sazdenii J: „gepflanzten" sazdennych S — Panhag. έχει από όλων 
των φντών των ξύλων 7 „Und" < S — Apoc. Pauli S. 64 Tisch, πο- 
ταμοί τέσσαρες έκνκλονν αυτήν, ρέοντες μέλι καϊ γάλα και ε'λαιον και 
οίνο ν — „die Eine" edin S: „welche" eze JP 8 „lassen entströmen" Ρ — 
„die andere" Sok: „und" S, „und ihre Quellen lassen entströmen" P: 
„u. Quellen, die entströmen lassen" J 9 „sie teilen sich" JP: „sie 
gehen auseinander" JP — „und sie" Ρ 10 „gehen herab" nischodjat 
JP: „gehen heraus" ischodjat S — „Edom" S — vgl. Panhag. S. 183 μέσον 
φΰορας και άφ&αρσίας γίνεται 11 „u. teilen— hervor" < Ρ 12 „Teile" 
< S — „in kl. Teilen" potunku SP — „über" „längs" po: < JP 
13 „und" < S — „haben" Ρ 14 „Der Luft" < Ρ — „u. jeder — 

Früchten" < Ρ 15 „jeder": „der ganze" S: < Ρ — „gesegnet" 

blagoslovestvenno: „duftend" blagovonno U 17 „nie aufhör. 

schönem Gesang und nie schweigenden Stimmen" Ρ 18 „und 

Stunden" < S (?J) 



Längere Kedaktion: Cap. VIII, 4— Χ,-4. 9 

mir die Männer: IX. Dieser Ort, Henoch, ist den Gerechten be- 
reitet, welche erdulden alle Widerwärtigkeiten in ihrem Leben, 
die ihre Seelen anfechten, welche abwenden ihre Augen von der 
Ungerechtigkeit und vollbringen ein gerechtes Gericht, und „zu 
5 geben Brot den Hungernden" und die Nackten zu bedecken mit 
Gewand und aufzurichten die Gefallenen und zu helfen den Ge- 
kränkten und den Waisen; welche wandeln ohne Tadel vor dem 
Angesicht des Herrn und ihm allein dienen; ihnen ist dieser Ort 
bereitet zum ewigen Erbteil. 

10 X. Und es führten mich jene Männer in die Gegend des 

Nordens; und sie zeigten mir daselbst einen überaus schrecklichen 2 
Ort, und jede Qual j der Peinigung an jenem Ort, grausame 5 
Finsternis und lichtloser Nebel; und nicht ist daselbst Licht, 
sondern dunkles Feuer brennt beständig. Und ein feuriger Strom 

15 herabkommend auf jenen ganzen Ort; hier ist Feuer, dort aber 
Frost und Eis, es brennt und macht frieren. Und überaus grau- 3 
same Kerker und drängende und unbarmherzige Engel, tragend 
scharfe Werkzeuge, unbarmherzig peinigend. Und ich sprach: 4 

1 Hen. 25, 7 ος ήτοίμασεν άν&ρώποις τα τοιαύτα όικαίοις. — 3 Ρθ. 118 
(.119), 37. Jes. 33, 15. 58, 7. Jer. 22, 3 Ezech. 18, 7. Mt. 25, 34. — 7 Luc. 1, 6 
9 Hebr. 9, 14. — 12 Apoc. 19, 20. 20, 10. 14f. 21, 8. Hen. 14, 13. — 15 Hen. 14, 
13. — 16 vgl. Apoc. Ptr. 6. 8. Test. Abrak. Α 12. 

1 „jene Männer" Ρ — „Die Offenbarung dem Henoch des Ortes 
der Gerechten u. Barmherzigen (milostivych : mltvach P). Achte Ab- 
handlung" als Überschr. in Ρ — „ο Henoch" Ρ 2 „in i. Leben" < Ρ — 
3 „die anf." ize („und" i SJU) ozlobjat: „von denen, die anf." ot ozlobfja- 
justich Ρ — „welche" ize: „und" i "SJ (U) 4 „daß sie geben .. be- 

decken . . aufrichten" P: „bedeckt . . aufrichtet" J 7 „und" < Ρ — 

„und welche" Ρ 8 „und ihnen" Ρ 10 „Hier zeigten sie dem He- 
noch die schrecklichen Orte und die verschiedenartigen Peinigungen. 
Neunte Abhandlung" als Überschr. in Ρ — „führten m. empor" Ρ 
12 „und" + Ρ — „Qual" < Ρ — „und Peinigung" J — „und grau- 
same" Ρ 13 „lichtloser": „unerhellbarer" Ρ 14 „sondern": „und" S 

15 „herabkommend" nachodjastie S (nachodjasti U), „gehend" chod- 
jaStija J: „ausgehend" ischodjaste Ρ — „und jener ganze Ort . . u. dort" Ρ 

16 „kaltes Eis"? — „brennt" zezet S: „Brand"? „Durst"? zazda Ρ 
— „m. frieren" zebet: „Frieren" zjablostj Ρ — „und es in. frieren, brennt" J 

17 „Kerker uznice S, jaznici, uznici Ρ — „drängende" tuzni: „dunkle" 
tumnii J: „schreckliche" gruzny Ρ („grausame" ljutei U) — Test. Abrah. 
άγγελοι ανηλεείς . . ανηλεώς τνπτοντες — „und" < J 18 „unbarmherzige 
Peinigung" Ρ 



10 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

Wehe, wehe, welch überaus schrecklicher Ort ist dies! Und es 
sprachen zu mir die Männer: Dieser Ort, Henoch, ist bereitet 
denen, die Gott verunehren, welche tun auf Erden Böses: wider- 
natürliche Unzucht, welches ist Knabenschänderei in den hinteren 

5 Durchgang sodomitisch, Zaubereien, Beschwörungen, dänionische 
Magien, und welche sich rühmen mit ihren bösen Taten: Dieb- 5 
stahl, Lügen, Verleumdungen, Neid, ungerechtem Gedenken, 
Unzucht, Totschlag, welche stehlen die Seelen der Menschen 
heimlich, | unterdrückend die Armen und wegnehmend ihre Habe 5 V 

10 und selbst reich werden aus fremder Habe, indem sie ihnen 
Unrecht antun. Welche, vermögend zu sättigen, durch Hunger 
töteten die Darbenden, und vermögend zu bekleiden, auszogen 
die Nackenden. Welche nicht erkannten ihren Schöpfer, sondern 6 
anbeteten leblose Götter, die nicht können sehen noch hören, eitle 

15 Götter; gestaltend Bilder, und anbeteten unreines Händewerk. 
Diesen allen ist dieser Ort bereitet zu ewigem Erbteil. 

XL Und es nahmen mich jene Männer und führten mich 
hinauf in den vierten Himmel. Und sie zeigten mir daselbst 
alle Läufe und Übergänge und alle Strahlen des Lichts der 

20 Sonne und des Mondes. Und ich maß ihre Läufe und verglich 
ihr Licht, | und ich sah: ein siebenfaches Licht hat die Sonne 2 6 

1 Hen. 21 , S τότε εΐπον ως φοβερός ό τόπος ούτος. — 2 vgl. Mt. 
25, 41. Apoc. 21, 8. Apoc. Petri 17 — 13 Lev. 19, 4. — 21 Hen. 72, 

37. 73, 2. 

2 „jene Männer" Ρ 3 „Böses": „widern. — sodomitisch" + P: 
ob mit Recht? 6 „und" u. „Diebst. — Totschi." < SJ 7 „unger. 
Ged"? μνησικακία? zlopomneniem 9 „heimlich" otajani SJ: „die 
unglücklichen (Menschen)" okajanii — „unterdr. — bekleiden" Z. 12 
anders U — „unterdrückend" daveste: „sehend" vidjaste Ρ 11 „durch 
Hunger" gladom : „die Hungernden" gladnija Ρ 12„und"< Ρ 13 „Und 
welche" Ρ — „sondern" nju S: „und" Ρ 14 „anbeten" S — „Götter": 
„Götzen" J — „die n. k. sehen noch hören" < S — „und eitle" S 
15 „Götter" < S — „ausgehauene Bilder" „Bilderstatuen" Ρ — „und" 
<S? 16 „unter diesen dieser Ο." Ρ 17 „Hier nahmen sie den 
Henoch in den vierten Himmel, wo der Lauf der Sonne und des Mon- 
des ist. Zehnte Abhandlung" als Überschr. in Ρ — „Und" < Ρ 19 „u. 
Übergänge" i prechozdenie S: „die vorangehen" predchodnaja Ρ 20 „Mon- 
des" mesjacnago S, lunnago JP 21 „siebenfaches" < Ρ — „welches 
hat" Ρ 



Längere Redaktion: Cap. X, 4 — XII, 2. 11 

mehr als der Mond. Ihr Kreis und ihr Wagen, auf welchem 
fährt ein jedes von ihnen, wie der Wind gehend mit sehr 
wunderbarer Schnelligkeit, und nicht hat sie Ruhe bei Nacht 
und Tag, indem sie gehen und zurückkehren. Und vier große 3 
5 Sterne, ein jeder habend unter sich tausend Sterne zur Rechten 
des Wagens der Sonne, und vier zur Linken, ein jeder habend 
unter sich tausend Sterne, alle zusammen achttausend, und 
gehend mit der Sonne beständig. Und es führen sie am Tage 4 
fünfzehn Myriaden Engel, in der Nacht aber tausend Engel — 

10 ein jeder Engel hat je sechs Flügel — , welche gehen vor dem 
Wagen, und Feuer geben ihr hundert Engel. XII. Und Geister 5 
fliegend in der Gestalt zweier Vögel, | der eine wie ein Phönix, 6 V 
und der andere wie ein Chalkedrius, ihre Gestalten die eines 
Löwen, ihre Füße und Schwanz und Haupt eines Krokodils; ihr 

15 Aussehen purpurn wie ein Regenbogen, ihre Größe neunhundert 2 
Maß; ihre Flügel die der Engel, und ein jeder von ihnen hat 
je zwölf Flügel, welche treiben den Wagen der Sonne, tragend 
Tau und Hitze. Und wie der Herr befiehlt, so wendet sie sich 



3 Hen. 41, 7. — 12 Apoc. Bar. 7. — 18 Hen. 75, 5 ff. 



1 „Ihr . . ihr" Singular in Ρ 2 „fährt ein jedes v. i".: „sie immer 
geht" JP — „vorübergehend" Ρ ; „immer vorübergehend" J 8 „haben 
sie Ruhe" S — „Tag u. Nacht" JP 4 „ihr (d. Sonne) Gehen u. ihr 

Zurückkehren" JP — „Und" < Ρ 5 „Sterne" < S (J?) — „jeder Stern 
hat" Ρ 7 „und gehend" i chodjaäte: „ausgehend" ischodjaste Ρ 

8 „Und — d. Sonne" Z. 17 kürzer U — „führen" vodjat: „acht haben auf" 
pazjat Ρ 9 „Engel" < JP — „und in" J — „Engel" < JP 10 „ein 
jeder — geben ihr" Z. 11: Es gehen aus („aus" < J) mit den Engeln („die 
Engel" J) vor dem Wagen der Sonne Sechsflügelige, in Flamme Feurige, 
und es zünden an und entzünden die Sonne" JP 11 („U. Geister":) 
„Von den sehr wundersamen Elementen der Sonne. Elfte Abhandlung" 
als Überschr. in Ρ und + „Und ich schaute und sah andere" — „Geister 
— Löwen" Z. 14: „fliegende Elemente der Sonne, deren Namen Phönixe 
und Chalkadren, wunderbar und erstaunlich („erst. u. wund." J), mit Löwen- 
gestalt" JP 14 „Löwen": boum Sok — „ihre" < JP — „Fasse" 
noge: ote J 16 „und" < Ρ — „von ihnen" < Ρ 17 „treiben" 
rnjucet S (ελαννόμενον το άρμα Baruchapoc.) „acht haben (pazjat) u. 
laufen („acht hat u. läuft" J) mit der Sonne" JP 18 „Hitze u. Tau" 
JP — „Und — befiehlt": „wie ihnen befohlen ist von Gott" JP — „wen- 
den sie um" S 



12 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

um, und sie geht unter und geht auf am Himmel und unter 
der Erde, mit dem Licht ihrer Strahlen läuft sie einen bestän- 
digen Lauf. 

XIII. Und es trugen mich hinweg jene Männer in den 
5 Osten jenes Himmels. Und sie zeigten mir die Tore, durch 
welche die Sonne herausgeht zu den festgesetzten Zeiten und 
nach den Umläufen des Mondes des ganzen Jahres und nach der 
Zahl des Stundenmaßes Tag und Nacht. Und ich sah sechs 2 
große geöffnete Tore, ein jedes Tor habend Stadien | einundsechzig 7 

10 und ein Viertel eines Stadiums. Genau habe ich gemessen und 
habe erkannt so groß ihre Größe, — durch welche ausgeht die 
Sonne und geht in den Westen, und sie wird gleich und sie geht 
hinein alle Monate. Und durch die ersten Tore geht sie heraus 3 
zweiundvierzig Tage, durch die zweiten fünfunddreißig Tage, 

15 durch die dritten fünfunddreißig Tage, durch die vierten fünf- 
unddreißig Tage, durch die fünften fünfunddreißig Tage, durch 
die sechsten zweiundvierzig Tage. Und wieder kehrt sie zurück 4 
aus den sechsten Toren nach dem Umlauf der Zeiten und geht 
hinein durch die fünften Tore fünfunddreißig Tage, durch die 

20 vierten fünfundreißig Tage, durch die dritten fünfunddreißig 
Tage, durch die zweiten fünfunddreißig Tage. Und so enden 5 
die Tage des ganzen Jahres, nach der Rückkehr der vier Zeiten. 



5 Hen. 72, 3 „Und ich sah sechs Tore, aus denen die Sonne hervor- 
geht, und sechs Tore, wo die Sonne untergeht". — 13 Hen. 72, 6—31. 



1 „geht unter": „geht" Ρ — „gehen auf" S — „am . . unter" J: „am 

d d 

. . auf" po . . po S: „unter . . unter" po . . po Ρ 2 „läuft — Lauf" (tecet 
tecenie P, tu be süteceniem J) < S 4 „Es nahmen die Engel den 
Henoch und stellten ihn in den Osten an die Tore der Sonne. Zwölfte 
Abhandlung" als Überschrift in Ρ — „Und" < Ρ — „hinweg" < S 
5 „jenes Himmels" < JP — „zeigten mir": „stellten mich an" P: < J — 
„die Tore der Sonne, wo" P: „der Tore d. Sonne, wo" J 6 „zu d. 
festg. Z.": „nach der Festsetzung der Zeiten" JP 7 „n. d. Umlauf der 
Monde" JP 9 „große" < JP — „und e. jed." S — „einunddreißig" U 
10 „genau" ispitno: „und wahrhaftig" i istinno Ρ 12 „sie werden 

gleich" S — „geht hinein" vchodit: „geht auf" vÜschodit Ρ 13 „Und 
— zweiundv. Tage" Z. 17 < JP 14 zweiundv.": „fünfunddreißig" U 

18 „und— Und" Z. 21 < JP 22 „die Tage" < Ρ — „Rückkehr" vüz- 
vratom: vazvrastom J — „vier" drech: dnj J 



Längere Redaktion: Cap. XII, 2— XV, 2. 13 

XIV. Und wieder hoben mich hinauf jene Männer auf den 
Westen des Himmels: Und sie zeigten mir sechs große | geöffnete 7 V 
Tore, entsprechend dem Umlauf der östlichen Tore gegenüber, 
durch welche daselbst die Sonne untergeht, nach der Zahl der 
δ Tage dreihundertfünfundsechzig und ein Viertel. Ebenso geht 2 
sie unter durch die westlichen Tore. Und wenn sie heraus- 
geht aus den westlichen Toren, so nehmen vierhundert Engel 
ihre Krone und tragen sie zum Herrn, die Sonne aber wenden 
sie mit ihrem "Wagen, und sie geht hinüber ohne Licht sieben 3 

10 große Stunden der Nacht. Und in der achten Stunde der 
Nacht bringen vierhundert Engel die Krone und krönen sie. 
XV. Und alsdann singen die Elemente der Sonne, genannt 
Phönixe und Chalkedren, und deswegen rauschen (zittern) alle 
Vögel mit ihren Flügeln, sich freuend über den Lichtspen- 

15 der, singend mit ihren Stimmen: Es kommt der Lichtspender 2 

2 Hen. 72, 3 „Sechs sind im Osten und sechs im Westen, und 
alle sind genau nach dem andern gerichtet". — 6 Apoc. Baruch 8. — 
16 Apoc. Baruch 6. 

1 „Sie nahmen den Henoch in den Westen. Dreizehnte Abhand- 
lung" als Überschr. in Ρ — „hoben m. hin." vüznesosta S: „führten m. 
hinweg" otvedosa Ρ („führten rn. hinauf" vozvedosta U) — „auf d. W. 
d. Himmels": „in die Gegenden des Westens" Ρ 2 „sechs": „fünf" S 
3 „ihm gegenüber, wo" emu ideze P: emuze J 4 „daselbst" < P(J?) 
„und nach" S 5 „und vier" J — „Ebenso wiederum" Ρ 6 „zu den 
westl. Τ " JP — „Und wenn — krönen sie" Z. 11: „Unter der Erde („und" 
-+- J) legt sie ab ihre Leuchte der Größe („Majestät") und (< P) ihre 
Klarheit („die Klarheit ihrer Majestät"?). Da (poneze) nun die Krone 
ihres (< J) Glanzes im Himmel (< J) ist vor dem Herrn („Gott" J) und 
von vierhundert Engeln bewacht. Und die Sonne geht herum unter der 
Erde auf dem Wagen, ohne das große Licht, welches ihr großer Glanz 
ist („ohne — ist" < P), und ist dunkel (e temno: stemu J, „steht" stoit P) 
sieben große Stunden in der Nacht und macht die Hälfte des Laufes 
(„Kades" übers. J: < P) unter der Erde, und wann (< J) sie zur Nähe des 
Ostens kommt in der achten Stunde der Nacht, bringt (1. „bringen") sie 
ihre Leuchte herbei und die Krone des Glanzes, und es brennt die Sonne 
mehr als Feuer" JP 8 wohl „wendet ihren Wagen" mit U 10 „große" 
velikich: likjich S 11 „Engel, 400 Engel" S 12 „Die Elemente der 
Sonne. Die Phoenixe und Chalkidren sangen" als Überschr. in Ρ — „Und" 
< Ρ — „alsdann" < S — „der Sonne" < S 13 „Chalkidren" Ρ — 

„Lichtsp.": „Lebensspender" J • 15 „singend m. i. Stimmen": „und san- 
gen („singen" J) den Gesang nach dem („n. d." < J) Gebot des Herrn" JP 



14 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

und gibt Licht seiner Kreatur. — Und sie zeigten mir diese 3 
Berechnung des ) Ganges der Sonne und die Tore, durch die 8 
sie eingeht und herausgeht; denn diese Tore sind die großen 
Tore, welche Gott gemacht als Stundenmaß des Jahres. Darum 4 
5 ist die Sonne eine große Kreatur; ihr Umlauf bis zu achtund- 
zwanzig Jahren, und wieder fängt sie von yornen an. 

XVI. Die andere Berechnung, die des Mondes, zeigten mir 
jene Männer, alle seine Läufe und Umläufe und zwölf große ge- 
krönte Tore von Westen gen Osten, durch die eingeht und aus- 

10 geht der Mond zu den gewohnten Zeiten. Er geht ein durch 2 
die ersten Tore einunddreißig Tage in die Orte der Sonne genau, 
durch die zweiten fünfunddreißig Tage genau, durch die dritten 
dreißig Tage genau, durch die vierten dreißig Tage genau, durch 
die fünften einunddreißig Tage außerordentlich, durch die sechsten 

15 einunddreißig Tage genau, durch die siebenten dreißig Tage ge- 
nau, durch die achten einunddreißig Tage außerordentlich, durch 
die neunten einunddreißig Tage genau, durch die zehnten dreißig 
Tage genau, durch die elften | einunddreißig• Tage genau, durch S v 

7 Hen. 73, 1 „sah ich ein anderes Gesetz für das kleine Licht, welches 
Mond genannt wird". — 10 Hen. 73, 4 ff. 

1 „und — Kreatur": „zu geben Glanz („Leuchten") der ganzen 
Welt" PJ, und + „Und es wird die Morgenwache, welches sind die 
Strahlen der Sonne; und es geht aus die Sonne über das Angesicht 
(„üb. d. Ang." < P) der Erde und empfängt ihren Glanz („ihr Leuchten") 
zu erleuchten das ganze Angesicht der Erde". JP — „u. geben" S 
2 „durch die" indze: ize Ρ 3 „u. herausgeht" < Ρ — „denn.. T." 

< Ρ 4 „Stundenmaße" Ρ 5 „ist . . e. gr. Kreatur": „ist groß- 

geschaffen" S — „ihr Umlauf — v. vom an" + JP 7 „Sie nahmen den 
Henoch und wieder stellten sie ihn in den Osten zum Umlauf („Berech- 
nung" ? rastecenie) des Mondes. Fünfzehnte Abhandlung" als Überseht•. 
in Ρ — „Und die" J — „Berechnung" razeetenie S, rastecenie Ρ („An- 
ordnung" rastlnenie U) 8 „und alle" J — „alle s. Läufe und Und. 
und" •< Ρ — „seine" < S — „gekrönte" vencana JP: „ewige" vecnaja S 
9 „von Westen" < S — „und" < S 10 „Gewohnheiten der Zeiten" Ρ 
— „durch die — Sonne": „in die ersten Tore der westlichen Orte („die 
westl. a. d.O." J.) der Sonne: durch die ersten Tore ein(unddreißig Tage) 
genau" JP („genau" izvestno) 13 „durch d. 5.-6. Tore genau" < J 
14 „außerord.": „genau" Ρ („ausnahmsweise" izja§teno U) 16 „d. d. 
neunten 35 T. genau (ispitno S: izvestno JP)" 18 „genau": „außer- 

ordentlich" Ρ — „genau": „außerord." U 



Längere Redaktion: Cap. XV, 2— XVII, 1. 15 

die zwölften zweiundzwanzig Tage genau. Und ebenso durch 3 
die westlichen Tore nach dem Umlauf und nach der Zahl der 
östlichen Tore. So geht er und vollendet das Jahr durch Tage. 
Der Sonne sind dreihundertundfünfundsechzig Tage und ein 4 
5 Viertel eines Tages, aber dem Jahr des Mondes dreihundertund- 5 
vierundfünfzig, machend zwölf Monate, berechnet zu neunund- 
zwanzig Tagen, beraubt um elf Tage des Sonnenkreises, welches 
sind auf jedes Jahr die Epakten des Mondes. Jener große Kreis 6 
umfaßt funfhundertzweiunddreißig Jahre. Durch vier (Viertel) 

10 geht er in drei Jahren, das vierte füllen sie genau aus. Des- 
halb sind sie ausgenommen außerhalb des Himmels in drei Jahren 
und werden in der Zahl der Tage nicht zugezählt; weil diese 
verändern die Zeiten der Jahre, zwei neue Monate zur Voll- 
machung, zwei andere zur Verringerung. Und wenn vollendet ] 7 

15 werden die westlichen Tore, so geht er zurück und geht hin zu 9 
den östlichen mit seinem Licht. So geht er Tag und Nacht auf 
(nach) den Kreisen des Himmels, niedriger als alle Kreise des 
Himmels, schneller als die Winde. Und fliegende Geister, je 
sechs Flügel einem jeden Engel. Sieben Berechnungen (?) hat 8 

20 der Kreis des Mondes, einen Umlauf habend von neunzehn Jahren. 

XVII. Inmitten aber der Himmel sah ich gewaffnete Scharen, 

dienend dem Herrn mit Tympanen und Instrumenten (Organen), 

4 Hen. 74, 10 ff. — 17 Hen. 73, 2 „Und sein Umkreis ist wie der 
Umkreis des Himmels, und seinen Wagen, auf dem es fährt, treibt der 
Wind".— 20 Vgl. Kommentierte Palaea S. 45 ff. 

1 „achtundzwanzig T." P. 3 „Und so" Ρ „durch Tage" < JP — 
4 „Und der Sonne" Ρ — „und vier" J 6 „berechnet" < Ρ 7 „und 
werden („wird" J) beraubt" JP 8 „auf j. J.": „des ganzen Jahres" Ρ 
9 „Dnrch vierte geht er" cetverutimi chodit S („durch vier ausgenom- 
mene geht er" cetyrmi izjastenymi chodit U): „Das vierte geht vor- 
über" cetvertyj mimochodit JP 10 „füllt" JP 11 „ausgenom- 
men" izjati: „genommen" vzjati Ρ 13 „die Zeit" Ρ — „auf zwei" Ρ 
15 „gehen sie zurück" S — „und geht" i idet: „und" < S 16 „sei- 
nem" < Ρ — „Und so" Ρ — „geht er unter" J 18 „Geister": „und Ele- 
mente und Engel" + Ρ — „e. j. der Engel" Ρ 19 „Und sieben" J — 
„E. siebenfache Berechnung" (?) sedmorastecenie Ρ („dies ist die Ber." U) 

— „Berechn." razcjteni S, rascetenie J 20 „der Mond , Kreis u. Umlauf" J 

— „Kreis — habend" < Ρ — „von"po: „bis („auch bis" J) do JP ; „und wieder 
fängt er von Anfang an" J 21 „Von den Gesängen der Engel , welche 
nicht möglich ist auszusagen. Sechzehnte Abhandlung" als Überschr. in Ρ 
22 „und mit" J 



16 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

mit nie aufhörender Stimme und schönem Gesang. Und ich 
ergötzte mich hörend. 

XVIII. Und es nahmen mich jene Männer und führten mich 
empor auf ihren Flügeln in den fünften Himmel. Und ich sah 
5 daselbst viele und unzählbare Heerscharen, genannt Gregoroi. 
Und ihr Aussehen wie das Aussehen von Menschen, und ihre 
Größe mehr | als großer Giganten; und ihre Angesichter finster 9 V 
und Schweigen ihres Mundes immerdar; und nicht war ein 2 
(Gottes-) Dienst auf dem fünften Himmel. Und ich sprach zu 

10 den Männern, die mit mir waren: Weshalb sind diese überaus 
finster und ihre Angesichter bekümmert und ihr Mund schwei- 
gend, und ist kein (Gottes-) Dienst auf diesem Himmel? Und 3 
es sprachen zu mir die Männer: Dies sind die Gregoroi, die ab- 
gefallen sind von dem Herrn, zweihundert Myriaden, mit ihrem 4 

15 Fürsten Satanael, und die nach ihnen gingen in ihrer Nachfolge, 
die Gebundene sind auf dem zweiten Himmel, umfangen von 
großer Finsternis. Die herabstiegen auf die Erde von dem 
Tron des Herrn an den Ort Hermon und brachen die Gelübde 
auf dem Gipfel des Berges Hermon; und sie sahen die Töchter 5 

4 vgl. Hen. 15. — 13 Hen. 6, 1. 2. Syncellus S. 20ff. (ωμοσαν 
πάντες ομον). — 17 „Und es waren im ganzen 200, und sie stiegen herab 
auf den Ardis, das ist der Gipfel des Berges Hermon" (Syncellus ήσαν 
δε ούτοι διακόσιοι oi καταβάντες εν ταϊς ήμέραις Ίάρεδ εις τήν κορνφήν 
τον Έρμονιειμ υρονς). — 19 Gen. 6, 4. 5. Hen. 7. 

1 „Gesang": „Stimme und mit schönem u. nie aufhörenden (< J) 
und vorzüglichen („verschiedenartigem" razlionym) Gesang, welchen aus- 
zusagen unmöglich ist; und ein jeder Verstand (ihn) bewundernd, ein 
solcher wunderbarer und erstaunlicher ist der Gesang jener Engel" JP 
— „Und ich": „Ich aber" Ρ 3 „Von der Aufnahme des Henoch in 

den fünften Himmel. Siebzehnte Abhandlung" als Überschr. in Ρ — 
„Und" < Ρ — „jene" < Ρ — „und — empor" < JP („trugen m. empor" U) 

4 „auf ihren Fl." < Ρ — „Himmel": „und stellten mich hin" + JP — 

5 „und" < S 6 „ihr" < Ρ — „wie d. Auss." < Ρ 8 „und" vor „Schw." 
<P 10 „Weshalb — Himmels" < J 13 „die Männer" <P 

14 „v. d. Herrn" ot ga: ot ia S — „zweihundert" Myr." s tjmu: sta Ρ 

15 „gingen— Nachf." < Ρ 16 „Gebundene" vor „in ihr. Nachf." in S: 
< Ρ 17 „Die" ize: „Und von ihnen" i ot nich JP — „stiegen herab 
drei" JB — „auf die Erde" + J 18 „und" < Ρ — „brachen" pretrü- 
goäja S, protorgoäasja JP (pretorgu U) 18 „Gelübde"? S 19 „und 
sie— Weiber" < S (U) 



Längere Eedaktion: Cap. XVII— XIX, 1. 17 

der Menschen, daß sie schön sind und nahmen sich Weiber, 
und es ward befleckt die Erde durch ihre Taten und die Frauen 
der Menschen; | großes Böses tun sie zu allen Zeiten dieses Aeons, 10 
frevelnd Vermischungen yollbringend. Und es werden geboren 
5 Giganten und große Kiesen und große Dämonen. Und deshalb rich- 
tete sie Gott mit großem Gericht. Und sie beklagen ihre Brüder 
und werden Schmach erleiden am großen Tag des Herrn. Und 7 
ich sprach zu den Gregoroi: Ich sah eure Brüder und ihre 
Werke und ihre Qualen und ihr großes Flehen; and ich betete 

10 für sie; aber der Herr hat sie verurteilt unter der Erde, bis daß 
enden Himmel und Erde in Ewigkeit. Und ich sprach: Warum 
wartet ihr auf eure Brüder und haltet nicht Gottesdienst vor § 
dem Angesicht des Herrn. Eichtet auf eure (Gottes-) Dienste 
und dienet vor dem Angesicht des Herrn, damit ihr nicht erzürnt 

15 den Herrn euren Gott bis ans Ende. Sie gehorchten | meiner 9 io v 
Zurechtweisung und traten in vier Ordnungen auf diesem Himmel. 
Und siehe, während ich mit den Männern stand, posaunten 
vier Posaunen zusammen mit lauter Stimme, und es sangen die 
Gregoroi einstimmig, und es stieg empor ihre Stimme vor dem 

20 Herrn traurig und kläglich. 

XIX. Und es nahmen mich von dort jene Männer und trugen 
mich empor in den sechsten Himmel. Und ich sah daselbst sieben 
Legionen der Engel, sehr leuchtende und überaus herrliche, und 
ihre Angesichter glänzend, mehr als die Strahlen der Sonne 

25 strahlend, und nicht ist ein Unterschied ihres Angesichts oder 

1 Gen. 6, 2. Hen. 7, 1 και ελαβον εαντοΐς γυναίκας . . και ηρξαντο . . μιαί- 
νεσθ-αι εν ανταΐς. — 4 Gen. 6, 4. 5. Hen. 7. — 5 Hen. 10, 12 ff. — 
23 vgl. Mt. 13, 43. Ase. Es. 8, 16. 

2 „befleckten die Erde" Ρ — „und d ; Fr. d. M. < P(J?) 3 „gr. 
Böses t. sie" < Ρ (J?), aber + „welche" 4 „frevelnd und Verm". Ρ 

ζ 

(J?) — „gebärend („erzeugend") Giganten" J — 5 „und" i: „welche" i? 
9 „ihre großen Qualen" JP — „u. ihr gr. Flehen" < JP 12 „eure" 
<P 13 „Und richtet a." Ρ 14 „u. dienet" < Ρ 15 „den Η. e. 
Gott": „euren Herrn" JP — „Und sie" Ρ 16 „traten" stasu: „sprachen" 
reäa Ρ — „diesem" < Ρ 17 „m. jenen Männern" Ρ — „und es pos." 
JP 19 „vor dem Angesicht des Herrn" S 20 „traurig u. kläglich" 
< S 21 „Von der Aufnahme des Henoch in den sechsten Himmel. 

Achtzehnte Abhandlung" als Überschr. in Ρ 23 „Legionen" cetj, catu 
(soctan U wie 20, 1) 24 „das Leuchten der Sonne" JP 25 „ihres" <S 

T. u. U. '22: Bonwetsch. 2 



IS Die Bücher der Geheimnisse Henoclis. 

der Gestalt oder der Zusammensetzung ihres Gewandes. Und 2 
jene machen die Ordnungen und lehren den Lauf der Sterne 
und die Umkehr der Sonne und die Veränderung des Mondes 
und die gute Ordnung der Welt, und die böse Ordnung sehend, 3 
δ [und] machen sie Gebote und Belehrungen und süß [ lautenden 11 
Gesang und jedes preisende Loblied- Dies sind die Erzengel, 
die über den Engeln sind, und einem jeden Leben des Himmels 
und der Erde geben sie das Maß. Und Engel, welche sind über 4 
die Zeiten und Jahre, und Engel, welche über die Flüsse und 

10 Meere, und Engel, welche über die Früchte der Erde und über 
alles Kraut und alle Speise gebend jedem Lebewesen ; und Engel aller 
Seelen der Menschen, und sie schreiben auf alle ihre Taten und 5 
ihr Leben vor dem Angesicht des Herrn. Und in ihrer Mitte 6 
sieben Phönixe und sieben Cherubim, sieben Sechsflügelige, die 

15 Einer Stimme sind und einstimmig singen, und nicht ist möglich 
ihren Gesang zu erzählen, und es freut sich der Herr über 
seinen Fußschemel. 

XX. Und es erhoben mich von dort jene Männer und trugen 
mich empor in den siebenten Himmel. Und ich sah daselbst 

20 ein überaus großes Licht und alle feurigen Heere der großen | 
Erzengel und der leiblosen Kräfte und Herrschaften, der Prin- il v 
cipen und Mächte, der Cherubim und Seraphim, der Trone und 

2 Hen. 82, 10 ff. — 4 Apoc. 16, 5. — 11 vgl. Mt. 18, 10. — 21 Jes. 
6, 2. Ezech. 10, 12. Eph. 1, 21. Ool. 1, 16. Hen. 14, 14. 18 f. 61, 10. 71, 6 ff. 

1 „d. Gestalt" „d. Umfangs" (formae Sok) obdrzania — „Zusammen- 
setzung" süprilosenija S, soprelozenie P, prilozenija J (sopriodrüzanija U) 
„ihres" < Ρ 2 „und" + Ρ 3 „die Veränd. des Mondes oder die 

Umkehr der Sonne" Ρ 4 „und .. sehend — Maß" Z. 8 kürzer U 

5 „süßen und lautenden" Ρ 6 „jed. pr. Lobl.": „alle Loblieder" Ρ 
7 „und" < Ρ — „Leben" zitie = ζωή, κατοικία, πολίτευμα 9 „welche 
sind" J 10 „Engel, w": „welche sind" Ρ — „Engel über a. Kr." Ρ — 
11 „und" < Ρ — „alle Speise" vüseku pistju: „allen Speise" vsem pisfcu 
Ρ (kipjastim vsim U) — „aller S. d. M. und sie" S: „welche alle S. 
d. M." JP 13 „Und" < Ρ 14 „und sieben Sechsfl." Ρ — „und die" S 
15 „und"i < Ρ — „möglich" < S 16 „sie freuen sich" SJP — 

„über den Herrn"? po ο gsde Ρ 17 „seinen" svoemu S, emu Ρ 

18 „Von dort nahmen sie den Henoch in den siebenten Himmel. Neun- 
zehnte Abhandlung" als Überschr. in Ρ — „und trugen m. empor" 
< Ρ 20 „alle" < Ρ — „die großen Erzengel . . die Herrschaften" 
usw. JP 21 „und" 1 <P 



Längere Redaktion: Cap. XIX, 1 — XXI, 3. 19 

Vielaugigen, zehn Legionen, die leuchtenden Stände derOphanim. 
Und ich fürchtete mich und erzitterte durch große Furcht. Und 2 
es nahmen mich jene Männer und führten mich in ihre Mitte 
und sprachen zu mir: Sei mutig, Henoch, fürchte dich nicht. 
5 Und sie zeigten mir den Herrn von ferne, sitzend auf seinem 3 
sehr hohen Tron, und alle Heerscharen des Himmels herzu- 
getreten standen auf zehn Stufen ihrem Bang nach und beteten 
an den Herrn; und wieder traten sie auf ihre Plätze in Freude 4 
und in Fröhlichkeit und in unermeßlichem Licht, singend Lieder 

10 mit leisen und sanften Stimmen. Aber die Herrlichen, die ihm 
dienen, (XXI) treten nicht hinweg des Nachts, | noch gehen sie 12 
fort des Tags, stehend vor dem Angesicht des Herrn und voll- 
bringend seinen Willen; die Cherubim und Seraphim, um den 
Tron stehend, und die Sechsflügeligen, bedecken seinen Tron, 

15 singend mit leiser Stimme vor dem Angesicht des Herrn. 

Und als ich alles dieses gesehen, sprachen zu mir die Männer: 
Henoch, bis hierher ist uns mit dir zu gehen befohlen. Und es 2 
gingen von mir hinweg die Männer, und fortan sah ich sie 
nicht. Ich blieb allein am Ende der Himmel. Und ich fürchtete 

20 mich und fiel auf mein Angesicht und sprach in mir: Wehe 
mir, was hat mich gefunden? — Und es sandte der Herr einen 3 
von seinen Herrlichen, den Erzengel Gabriel. Und er sprach zu 

5 Jes. 6, 1. Apoc. 4, 3. 19, 4. Hen. 14, 18. 20. — 11 Jes. 6, 2. 3 
Hen. 14, 23. 

1 „zehn": „neun" Ρ — „den leucht. Stand" S — „Otanim"S: „Jo- 
anit" Ρ 3 „jene" + Ρ — „in ihre Mitte" ν sredju ich: „in ihre Gefolg- 
schaft" ν sledü ich Ρ 5 „mir" < Ρ 6 („Tron":) „Was nun ist, wes- 
wegen der Herr dort verweilt auf dem zehnten Himmel? auf dem zehnten 
Himmel („weswegen — Himmel": „der zehnte" J) ist Gott; auf hebräische 
Sprache heißt er Aravot" + JP, offenbar Glosse — „herzugetr.": „traten 
herzu" Ρ 7 „ihrem" -f- Ρ 9 „und" vor „in unermermeßlichem 

Licht" + Ρ 11 „Davon, wie hier den Henoch die Engel verließen, am 
Ende des siebenten Himmels und von ihm unsichtbar hinweggingen. 
Zwanzigste Abhandlung" als Überschr. in Ρ — „d. Nachts — Tags" < Ρ 
12 „und" < Ρ 14 „und" < Ρ — „Sechst!.": „und Vielaugigen und" + JP 
14 „seinen ganzen Tron" JP 15 „d. Herrn": „Heilig, heilig, heilig 
ist der Herr, der Herrscher (< J) Zebaoth. Voll sind die Himmel und 
die Erde deiner („seiner" J) Herrlichkeit" + JP 16 „Als" Ρ 18 „jene 
Männer" Ρ 19 „Und ich" Ρ — „des siebenten Himmels" Ρ 21 „mir" 
< J 

2* 



20 -Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

mir: Sei mutig, Henoch, fürchte dich nicht! Stehe auf 'und gehe 
mit mir und stehe vor dem Angesicht des Herrn in Ewigkeit. — 
Ich antwortete ihm | und sprach: Wehe mir, mein Herr, meine 4 12 1 
Seele ist aus mir gewichen vor Furcht und Zittern. Kufe zu mir 

5 die Männer, die mich bis zu diesem Ort geführt, da ich diesen 
vertraute, und mit diesen werde ich gehen vor das Angesicht 
des Herrn. Und es riß mich hinweg Gabriel, wie hinweggerissen 5 
wird ein Blatt vom Winde, nachdem er mich erfaßt, und stellte 
mich vor das Angesicht des Herrn. XXII. Und ich sah den 

10 Herrn ins Angesicht, und sein Angesicht stark und sehr herr- 
lich, wunderbar und sehr furchtbar, schrecklich und schauervoll. 
Wer bin ich, auszusagen das unumfaßliche Wesen des Herrn und 2 
sein sehr wunderbares und unaussagbares Angesicht und den 
Chor seiner Vielaugigen und Vielstimmigen und den sehr großen 

15 und nicht mit Händen gemachten Tron des Herrn und um ihn 
die Stände der Chöre der Cherubim und die Heerscharen der 3 
Seraphim und ihre ununterbrochenen | Gesänge; das unveränder- 13 

1 Hen. 14, 24 f. 15, 1 (vgl. 71, 15). 

1 „Stehe auf, gehe mit mir und" nach „Ewigkeit" in Ρ 3 „Und 
ich" Ρ — „Wehe mir" J: „in mir" SP 4 „Rufe zu mir": „Und rufe" J; 
„Und ich rief" Ρ — „zu mir" < JP δ „den Mann, der mich geführt" Ρ 
„da — vertraute": „auf diese vertr. ich" Ρ 8 „nachdem — erfaßt" < Ρ 

9 „des Herrn": „Und ich sah den achten Himmel, der auf hebräische 
Sprache heißt Muzaloth, Veränderer der Zeiten, der Trockenheit und 
Feuchtigkeit, der zwölf Zodien, welche sind über dem siebenten Himmel. 
Und ich sah den neunten Himmel, der auf hebräische Sprache genannt 
wird („den wir auf hebräisch nennen" P) Kuchavim, wo sind die 
himmlischen Häuser der zwölf Zodien" + JP: dann Ρ als Überschrift: „In 
dem zehnten Himmel führte den Henoch der Erzengel Michael vor das 
Angesicht des Herrn. Einundzwanzigste Abhandlung" und -f- PJ („Und 
auf" J) „Auf dem zehnten Himmel Araboth" — „Und — schauervoll": 
„Ich sah das Aussehen des Angesichts des Herrn, wie Eisen glühend 
im Feuer und (< J) herausgenommen [und] Funken sprühend („sprüht" 
J) und brennt. So sah auch (< P) ich das Angesicht des Herrn, das An- 
gesicht aber des Herrn ist unaussagbar, wunderbar und sehr furchtbar 
und überaus sehr schrecklich" JP: „sein Angesicht ist wie glühendes 
Feuer" am Rand in S — 12 „Und wer" Ρ — „unaussprechliche 
Wesen" Ρ 13 „unaussagb. Ang. und": „Angesicht, und nicht ist mir 
auszusprechen" Ρ 14 „Vielaug." mnogoocenny Sok: „Vielgelehrte" 

mnogoucenny SJP — „Vielst.": „verschieden Stimmigen" Ρ 17 „und 
welches ihre" Ρ — „das — Größe": „und seine unveränderliche Schön- 
heit und die unaussagbare Größe" Ρ 



Längere Redaktion: Cap. XXI, 3— ΧΧΠ, 12. 21 

liehe und unaussagbare Bild seiner Schönheit, und die Größe 
seiner Herrlichkeit, wer wird sie aussagen? Und ich fiel nieder 
und betete an den Herrn. Und der Herr sprach mit seinem 
eigenen Mund zu mir: Sei mutig, Henoch, fürchte dich nicht, δ 
5 Stehe auf und stehe vor meinem Angesicht in Ewigkeit. Und 
es erhob mich der Archistrate ge des Herrn Michael und führte 6 
mich vor das Angesicht des Herrn. Und es sprach der Herr 
zu seinen Dienern, sie versuchend: Es trete herzu Henoch, zu 
stehen vor meinem Angesicht in Ewigkeit. Und es beteten an 7 

10 die Herrlichen den Herrn und sprachen: Er trete herzu nach 
deinem Wort. Und es sprach der Herr zu Michael: Tritt herzu 8 
und entkleide Henoch von den irdischen Kleidern und salbe ihn 
mit meiner guten Salbe und kleide ihn in die Kleider meiner 
Herrlichkeit. Und es tat so Michael, wie der Herr zu ihm ge- 9 

15 sprechen: er salbte mich und bekleidete mich. Und das Aus- 
sehen | jener Salbe war mehr als ein großes Licht und ihre Fettig- 13 v 
keit wie guter Tau und ihr Duft Myrrhen und wie die Strahlen der 
Sonne glänzend. Und ich schaute auf mich selbst, und ich war 10 
wie einer von seinen Herrlichen, und nicht war ein Unterschied 

20 des Anblicks. 

Und es rief der Herr einen von seinen Erzengeln mit Namen 11 
Vrevoel, welcher auch war schneller an Weisheit mehr als die 
andern Erzengel und schreibend alle Werke des Herrn. Und 12 
es sprach der Herr zu Vrevoel: Bringe heraus die Bücher aus 

25 meinen Behältnissen und nimm das (Schreib-) Rohr und gib es 
dem Henoch und zeige ihm die Bücher. Und es eilte Vrevoel 
und brachte zu mir die Bücher, auserlesene, von Myrrhen 



12 vgl. Sach. 3, 4. 5. 



1 „des Bildes . . der Größe" J 2 „Ich aber" Ρ 3 „und" < Ρ 
5„Ewigk.":„desHerm" + J 6„desHerrn"<P 10 „Er": „Henoch" Ρ — 
„trete herzu" da . . vüstupit: „trete hinweg" da . . otstupit JP 11 „Wort": 
„Herr" + J 12 „seinen ird. Kl." Ρ 13 „und" vor „kleide" < S 
17 „von Myrrhen" S — „und" < Ρ 19 „u. nicht — Anblicks" < Ρ 
22 „Vrevoel" SJ: „Pravuel" stets Ρ („Vereveel" U), „Uriel" Hen.) — 
„auch warf?)" i besju (i bjaäe U): „welcher kundtuend" ize vesta Ρ — 
„mehr" < S 25 „ßohr": „der Schnellschreibung" + Ρ 26 „Und — 
Bücher" wohl wegen d. Homöotel. < PJ 



22 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

und gab mir das Rohr der Schnellschreibung aus seiner Hand. 
XXIII. Und er war redend zu mir alle Werke des Himmels und 
der Erde und des Meers und aller Elemente, ihre | Übergänge 14 
und Läufe und ihrer Tiere Donner und Sonne und Mond 
5 und Sterne und ihre Läufe (und) ihre Veränderungen und Zeiten 
und Jahre und Tage und Stunden und die Aufgänge der Wolken 
(und) die Ausgänge der Winde; die Zahlen der Engel und die 
Gesänge der gewaffneten Heere, und jegliche Sache der Menschen 
und jede Sprache der Lieder und die Leben der Menschen, und 2 

10 die Gebote und Belehrungen und süßstimmige Gesänge und alles, 
soviel sich gehört zu lernen. Es erzählte mir Vrevoel dreißig 
Tage und dreißig Nächte, und nicht verstummte sein Mund 3 
redend. Ich aber ruhte nicht schreibend alle Kennzeichnungen * 
aller Kreatur. Und als ich vollendet hatte dreißig Tage und 

15 dreißig Nächte, [und] sprach zu mir Vrevoel: Siehe, so viel ich 
dir erzählt habe und so viel du geschrieben hast; setze dich, 
schreibe auf alle Seelen der Menschen, so viel ihrer noch nicht 
geboren | und ihre vor der Welt bereitete Orte. Denn alle Seelen 14 v 
sind bereitet vor der Bildung der Erde. Und ich saß zum 

20 zweiten mal dreißig Tage und dreißig Nächte und schrieb 
auf alles genau und ich schrieb dreihundertsechsundsechzig 
Bücher. 

2 Hen. 72. — i vgl. S. 27, 21. — 18 vgl. Mt. 25, 34. 

1 „und — Schnellschr." < Ρ 2 „Und er": „Von der Niederschrift 
Henochs, wie er niederschrieb seine wanderbaren Wanderungen und die 
Gesichte („Erscheinungen") des Himmels, und er selbst niederschrieb 
dreihundertsechsundsechzig Bücher. Zweiundzwanzigste Abhandlung" 
als Überschr. in Ρ 3 „alle Elemente und" Ρ 4 „ihrer . . und" < J — 
„Tiere (?) Donnern" zivotgrümenie S zivotgrürnenia J: „Donner der 
Donner" gromovügrymenija Ρ („Wandern"?): tonitrua secundum zo- 
diacum Sok — „und" vor „Sonne" < Ρ 5 „und" vor „ihre L." < Ρ 
6 „und" vor „Tage" < Ρ — „d. Wolken u. Ausg." < Ρ 7 „und die 
Zahlen" Ρ — „d. Ges. d. gew. Heere" pesni vüoruz.enich voi S: pes- 
nech voobrazenie svoe Ρ 11 „Und es erzählte" Ρ — „dreißig T. — 
Vrevoel" Z. 15 < Ρ 13 „zu schreiben" J 14 „und aller" J 

15 „Siehe" se: „Alles" vsja Ρ — „und so viel" < Ρ 16 „du geschr. 
hast" napisa: „haben wir geschr." napisachom Ρ 17 „und schreibe" Ρ 
19 „bereitet": „vor der Welt" + Ρ — „ich saß" sedech: „alles" vsja P: 
„und aller" i vüsech J 20 „schrieb auf" spisach S, ispisach P: < J 



Längere Redaktion Cap. ΧΧΠ, 12— XXV, 2. 23 

XXIV. Und es rief mich der Herr und sprach zu mir: Henoch, 
setze dich zu meiner Linken mit Gabriel. Und ich betete an 
den Herrn. Und es sprach zu mir der Herr: Henoch, Geliebter, 2 
so viel du siehst, so viel sind stehend und gehend und durch mich 
5 vollendet. Ich aber tue es dir kund, bevor daß alles, so viel von 
Anbeginn ich geschaffen aus dem Nichtsein und aus dem Un- 
sichtbaren Sichtbares. Höre, Henoch, und vernimm diese meine 
Worte. Denn auch meinen Engeln habe ich meine Geheimnisse 3 
nicht kund getan, noch habe ich ihnen zu wissen gegeben ihr 

10 Aufstehen, noch haben sie mein Unbegrenztes und der Kreatur 
Unbegreifliches erkannt, welches ich dir heute kund tue. Denn 
bevor alles Sichtbare war, wandelte ich allein in dem Unsicht- 4 
baren, wie | die Sonne von Osten in den Westen und vom Westen 15 
in den Osten. Aber auch die Sonne hat Ruhe in sich, ich aber 5 

Ιό fand keine Ruhe, weil ich war alles schaffend. Und ich beschloß 
aber aufzustellen einFundament, („eine Grundfeste") und zu schaffen 
die sichtbare Kreatur. XXV. Und ich gebot, daß im Obersten 
herabkomme von dem Unsichtbaren Ein Sichtbares. Und es kam 
herab der überaus sehr große Adoel. Und ich schaute ihn, und 

20 siehe im Leib jener habend ein großes Licht. Und ich sprach 2 
zu ihm: Löse dich auf, Adoel, und es werde sichtbar ein aus dir 

5 (Gen. 1, 1. 2) Sap. 11, 17. Hebr. 11, 3. — 17 Sap. 11, 17. 

1 „Über die großen Geheimnisse Gottes, welche Gott offenbarte 
und kund tat dem Henoch, und er sprach mit ihm von Angesicht zu An- 
gesicht. Dreiundzwanzigste Abhandlung" als Überschr. in Ρ — „und" 
< Ρ 2 „dich" < S 3 „Geliebter" + Ρ 4 „und s. v. sind" S — 
„und geh. u. d. mich" < Ρ — „und" 2 < J, tilgt Sok δ „aber" < J — 
„kund tuend" SJ — „alles" < Ρ 7 „Sichtbares" SJ, „das Sichtbare" 
Ρ („zum Sichtbarsein" U) — „Höre — Worte" + Ρ 9 „zu w. geg." po- 
vedach: „bekannt" ispovedach Ρ 10 „Aufstehen" vüstania, exordium 
Sok: „Cumpositionen" U — „noch — Kreatur": „noch mein unbegrenz- 
tes Reich, noch haben sie erk. meine Kreatur" P; „noch mein U. und 
hab. erk. die Kreatur (welche)" J . 1-1 „in sich" P: „sich" SJ (suam 
Sok) — „aber" < JP 16 „Fundamente" Ρ — „und" -f- Ρ 17 „Gott 
tut dem Henoch kund, wie aus der untersten Finsternis herabkommt 
das Sichtbare und das Unsichtbare. Vierundzwanzigste Abhandlung" 
als Überschr. in Ρ 17 „Und" < Ρ — „Obersten" SJ: „Untersten" Ρ 
(U) 18 „herabkomme" SJP: „hervorgehe" U — „E. Sichtb.": „das Sicht- 
bare" Ρ — „U. es kam herab" i sünide SJP: „U. es ging hervor" i izide U 
20 „im" < Ρ — „Licht" sveta: „Aeon" veka U 



24 - Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

Abgetrenntes. Und er löste sich auf und es ging hervor ein sehr 3 
großes Licht, und ich aber inmitten des Lichtes. Und als irgend- 
wie das Licht sich bewegte, ging aus dem Licht hervor ein großer 
Aeon, offenbarend die ganze Kreatur, die ich beschlossen hatte 
5 zu schaffen. Und ich sah, „daß gut". Und ich stellte mir hin * 
einen Tron und setzte mich auf ihn. | Und zum Licht aber sprach ^ 
ich: Gehe du hinauf höher als der Tron und befestige dich und 
werde das Fundament dem Obersten. Und nicht ist höher als 5 
das Licht irgend etwas anderes. — Und wiederum neigte ich mich, 

10 schaute von meinem Tron. XXVI. Und ich rief zum andern 
mal in dem Untersten und sprach: Es gehe hervor von dem 
Unsichtbaren eine Feste und Sichtbares. Es ging hervor der 
Archas fest und schwer und überaus schwarz. Und ich sprach : 
Tue dich auf, Archas, und es werde sichtbar ein aus dir Ge- 2 

15 borenes. Und er löste sich auf. Es ging hervor ein dunkler, 
überaus sehr großer Aeon, tragend die Schöpfung aller Unteren. 
Und ich sah, „daß gut". Und ich sprach zu ihm: Gehe du herab 3 
abwärts und befestige dich und werde das Fundament des Unteren. 
Und es geschah, und er ging herab und befestigte sich und 

20 ward das Fundament den Unteren; und nicht ist unter der 
Finsternis irgend etwas anderes. 

2 Gen. 1, 3. — 6 Gen. 1, 10. — 8 P'rov. 8, 27. — 17 Gen. 1, 10. 

1 „Abgetrennte" razresaemoe mit U: „Geborene" razdaemoe SJ: < 
Ρ — „und" < S — „s. großes" < SJ 2 „d. großen Lichtes" Ρ — 

„irgendwie" kako („so" tako U) 8 „sich bew."? — „und es ging" S — 

(„sehr" + J) „gr. Aeon und" JP 6 „aber" < Ρ 7 „Gehe du (< J) 
hinauf höher und befestige dich hoher als d. Tr. u. werde" JP 8 „werde" 
budi: „ich werde" bjudju S 9 „neigte ich mich" voskJonichsja; „neigte 
er sich" vüsklonisja S, wohl aus „m. geneigt habend" vusklonivsja; vüs- 
klonsja J 10 „Gott ruft von dem Untersten zum zweitenmale, daß 

hervorgehe der Archas und Tjazis und der überaus Eote. Fünfund- 
zwanzigste Abhandlung" als Übersehr. in Ρ 11 „ν. d. Uns. eine Feste 
und Sichtbares" mit U: „aus dem Unsichtbaren der Feste Unsicht- 
bares" („eine unsichtb. Feste" Sok) S: „der Archas fest, und es ging 
hervor aus dem Unsichtbaren fest" P; „Einer aus dem Sichtbaren 
Sichtbares der Feste; es ging hervor Archas" J — „Und es ging" Ρ 

13 „schwer" tjazkj: tjazis Ρ — „schwarz" mit U cern: „rot" cermen SP 

14 „sichtbar" < Ρ 18 „werde — befest, sich und" < S 19 „Und es 
geschah" < J 



Längere Bedaktion: Cap. XXV, 2— XXVIII, 3. 25 

XXVII. Und ich gebot, daß genommen werde von dem 
Licht und von der Finsternis, und | sprach : Werde dick und um- 16 
fangen von Licht, und das breitete ich aus und es ward Wasser. 2 
Und ich breitete es aus über der Finsternis, unter dem Licht, 3 

5 und so festigte ich die Wasser, das ist den Abgrund. Und ich 
gründete mit Licht um das Wasser und machte sieben Kreise 
von innen und bildete wie Chrystall, feucht und trocken, das 
ist wie Glas aussehendes Eis, Umgehungen den Wassern und 
den anderen Elementen. Und ich zeigte einem jeden seinen 

10 Weg, den sieben Sternen, daß sie ein jeder von ihnen auf seinem 
Himmel so wandelten. Und ich sah, „daß es gut". Und ich 
schied zwischen Licht und zwischen Finsternis, das ist zwischen 4 
den Wassern hüben und drüben. Und ich sprach zum Licht: 
Werde du Tag, und ich gebot der Finsternis, daß werde Nacht. 

15 Und „es ward Abend und es ward wiederum Morgen, das ist 
der erste Tag". 

XXVIII. So befestigte ich die Kreise des Himmels. Und ich 
sprach, daß sich sammle | das untere „Wasser, welches ist unter 16 
dem Himmel, in Eine Sammlung", und daß seine Wellen aus- 

20 trockneten. Und es geschah also. Und von den Wellen machte 2 
ich' festes und großes Gestein. Und aus dem Gestein zog ich 
zusammen das Trockene; und ich „nannte das Trockene Erde". 3 
Und inmitten der Erde nannte ich den Schlund, das heißt den 

HV.B.Esra6,38ff. — 11 Gen. 1,104. 6. 8. — 14 Gen. 1,4.5. — 18 Gen.l, 
9.10. 

1 „Davon, wie Gott das Wasser gründete und es umgab mit Licht 
und schuf auf ihm sieben Inseln. Sechsundzwanzigste Ahandlung" als 
Überschr. in Ρ 2 „umfangen" obito (obvito J): „es ward jener" bystj 
to Ρ 6 „um" okrugu: okrugü SJ: circulum Sok 7 „das ist Glas 

und Eis" S 8 „Umgehung" Ρ — „und" < S 9 „e. jeden von ihnen" Ρ 
12 „zwischen" 2 < S 14 „Werde du": „daß es werde" Ρ — „ich ge- 
bot" < JP 15 „wiederum" < Ρ — „das ist" < Ρ 17 „Die 
Woche, in welcher Gott dem Henoch zeigte alle seine Weisheit und 
Stärke, durch (crez: „ohne" prez P) alle sieben Tage, wie er machte alle 
Kräfte des Himmels und der Erde und jederlei sich Bewegendes bis zum 
Menschen" als Überschr. + Ρ — „Und so" Ρ — „den Kreis d. Η." Ρ — 
„ich sprach" < Ρ 18 „sich sammeln" S 19 „austrockne das Ge- 
woge" JP 20 „Und von": „Aus" Ρ 21 „aus" ot: „bei" ο S — „zog 
ich zus." sogruzich JP: „mischte ich" sogrezich S 23 „Schlund" 
propastj P, upadok S J?; aber vgl. Eed. Β 



26 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

Abgrund. Das Meer sammelte ich an Einem Ort und band es 4 
mit einem Joch zusammen. Und ich sprach zu dem Meer: 
Siehe, ich gebe dir „eine ewige Grenze", und du wirst nicht 
durchbrechen von deinen Wassern. Und eine solche Feste 
5 festigte ich und gründete ich über den Wassern. Diesen Tag » 
nannte ich mir den erstgeschaffenen. Alsdann „ward Abend und" 
wieder „Morgen, und es ward der zweite Tag". 

XXIX. Und allen aber den himmlischen Heerscharen bildete 
ich eine Bildung feurige Natur. Und es blickte mein Auge auf 

10 einen festen und viel harten Stein und von dem Blitzen meines 
Auges empfing auch der Blitz die wunderbare Natur: sowohl | 2 
Feuer im Wasser und Wasser im Feuer, weder löscht dieses 17 
jenes, noch trocknet jenes dieses aus; deswegen ist der Blitz 
schärfer und heller als das Leuchten der Sonne und weiches 

15 Wasser ist fester als harter Stein. Und von dem Stein aber 3 
schnitt ich ab ein großes Feuer; und von dem Feuer schuf ich 
die Ordnungen der leiblosen Heerscharen zehn Myriaden Engel; 
auch ihre Waffen feurig und ihre Kleidung flammendes Feuer. 
Und ich gebot, daß sie stehen ein jeder in seiner Ordnung. 

20 Einer aber von der Ordnung der Erzengel, sich abgewandt 4 
habend mit der Ordnung, welche unter ihm, empfing einen un- 
möglichen Gedanken, daß er setze seinen Tron höher als die 

3 Ps. 103 (104), 9. Prov. 8, 29. Jer. 5, 22. — 6 Gen. 1, S. — 22 Jes. 
14, 14. 

1 „sainrn. ich" sobrach: sobra S — „an Einem Ort": „an Einen 
Ort" S 4 „Wassern": „Elementen" Ρ — „Und" < Ρ — „e. solche" 

takovu: „so" tako JP — „Feste" < J 5 „üb. dem Wasser" Ρ 

7 „wieder . . u. es ward" < J 8 „Montag ist ein Tag. Die feurige Na- 
tur" als Überschr. in Ρ — „zu allen" SP — „Heerscharen" voem Ρ (voitn U): 
„seinen" svoimSJ 9 „Bildungen" J: <S — „den feurigen Naturen" oder 
„von feuriger Natur" Ρ — „Und — wiederk." S.31, 7 anders U — „Und" < S 
10 „e. f. und(<J) viel h." tirmum et durum valde Sok: tvrüdi i (< J) 
mnogo zestoky S, tverdy mnogü zestoku Ρ — „von" < Ρ 11 „auch"< Ρ — 
„wunderbare" divnoe P: „des Wassers" vodnoja S 12 „weder" ni: 
„und" i Ρ — „dieses" < Ρ 13 „trocknet . . aus" issusaet P: ususajut S 
14 „schärfer — Leuchten d.": „heller als die" Ρ 15 „ist" <; P, — 

„härter als fester Stein"? J — „aber" < Ρ 17 „Myriaden" <; Ρ 

20 „Hier ward herabgeworfen Satanael von der Höhe mit seinen Engeln" 
als Überschr. in Ρ — „sich abwendend" J 21 „und empfing" Ρ 



Längere Redaktion: Cap. XXVIII, 4— XXX, 7. 27 

Wolken über der Erde, damit er gleich werde meiner Kraft. 
Und ich warf ihn hinab von der Höhe mit seinen Engeln. Und 5 
er war fliegend in der Luft beständig über dem Abgrund. 

XXX. Und ich schuf so alle Himmel. Und es ward | „der 17 v 
5 dritte Tag". Und am dritten Tag gebot ich der Erde, wachsen 
zu lassen große und fruchttragende Bäume und [Berge,] jedes 
süße Kraut und jeden gesäten Samen. Und ich pflanzte das 
Paradies und verschloß es und setzte gewaffnete feurige Engel 
hin, und so machte ich die Erneurung der Erde. Und alsdann 

10 „ward Abend, und es ward Morgen, der vierte Tag". Und 2 
am vierten Tag gebot ich, daß werden „große Leuchten" an den 
Kreisen des Himmels. An dem ersten und höchsten Kreise setzte 
ich den Stern Kronos, an dem zweiten niedriger setzte ich die 3 
Aphrodite, an dem dritten den Ares, an dem vierten die Sonne, 

15 an dem fünften Zeus, am sechsten Hermes, am siebenten aber, 
dem kleinsten, den Mond, und mit den kleinsten Sternen schmückte 4 
ich den unteren Α er. Und ich setzte die Sonne zur Erleuchtung 5 
des Tages und den Mond und die Sterne zur Erleuchtung der | 
Nacht: und daß die Sonne gehe gemäß einem jeden Tier und 18 

20 die zwölf Tiere gemäß dem Umlauf des Mondes. Und ich setzte 6 
ihre Namen und die Donner ihrer Tiere und ihre Neugeburten 
und ihre Horologien, wie sie umlaufen. Und alsdann „ward Nacht 7 

3 vgl. Eph. 2, 2. — 4 Gen. 1, 13. 11. — 7 Gen. 2, 8. — 8 Gen. 3, 24. — 
10 Gen. 1, 19. — 11 Gen. 1, 14. 16. — 17 Gen. 1, 16. — 22 Gen. 1, 23. 20—26. 

1 „er werde jener Rang" J — „dem Range m. Kraft" Ρ 3 „be- 
ständig" vüinno: vinu SP, viny J — s. auch c. 7 5 „Und" < P, aber 
+ wie als Überschr. „Dienstag" 6 „u. fruchttragende" < S — „Berge" 
gory corrupt -f- (travy „Gräser"?) — „jed. s. Kr." < JP 7 „und" < 

J — „jeden" < Ρ — „Und" < SJ 8 „es" < SJ 9 „der Erde. Und". 
< Ρ 10 „Und" < P, aber „Mittwoch" als Überschr. 13 „die Sterne, 
krnno; aber an" Ρ — „niedriger setzte ich" < Ρ 14 „an d. v. d. S." 

<P 15 „aber dem kleinsten" <S 17 „d. unt. Aer. Und" aier dolnii: 
„und den unteren" a dolnimP — „setzte" postavich: pristavicbj 19 „und" 
vor „daß" < Ρ — „daß . . gehe" da chodit; „untergehe" zachodit J — 
„gemäß e. j. T.": per quodque zodium Sok — „u. die — Umlauf" (i zivot 
bi te obchozdenie rnscu, et zodia duodecim ad circuitum lunae Sok): „der 
zwölf (bi) Tiere und dem Umlauf" Ρ 20 „ich setzte" nach „Namen" 
in Ρ 21 „und" <P — „die Donner" gremenie S, gremenijaP: wohl 
das „Wandern" (von grjasti) — „u. ihre Neug." < Ρ 22 „sie um- 
läuft" + Ρ — „Und" < Ρ — „Nacht": „Abend" Ρ 



28 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

und es ward Morgen, der fünfte Tag". Und am fünften Tag 
gebot ich dem Meer, und es erzeugte Fische und gefiederte Vögel, 
sehr mannigfaltige, und alle Reptile, welche auf der Erde kriechen, 
und die auf der Erde wandelnden Vierfüßler und die in der Luft 
5 Fliegenden, männliches und weibliches Geschlecht, und eine jede 
Seele, die atmet den Geist des Lebens. „Und es ward Abend, g 
und es ward wiederum Morgen, der sechste Tag". Und am 
sechsten Tag gebot ich meiner Weisheit den Menschen zu machen 
aus sieben Bestandteilen: sein Fleisch von der Erde, sein Blut 

10 von dem Tau, von der Sonne seine Augen (und) von dem Ab- 
grund des Meers, seine Knochen aus Gestein, seine Gedanken | 
von der Schnelligkeit der Engel und von den Wolken, seine 18 v 
Sehnen und Haare von dem Kraut der Erde, seine Seele von 
meinem Geist und vom Wind. Und ich gab ihm sieben Wesen- 9 

15 heiten: das Gehör dem Fleisch, das Sehen den Augen, das 
Riechen der Seele, das Fühlen den Sehnen, den Geschmack dem 
Blut, dem Gebein Geduld, dem Denken Süßigkeit. Siehe, ich 
sann aus das kunstvolle Wort zu zeigen („reden"). Von der un- 10 
sichtbaren aber und der sichtbaren Natur (Wesenheit) schuf ich 

20 den Menschen, von beidem, Tod und Leben, und ein Bild kennt 
das Wort, gleichwie irgendeine andere Kreatur, im Großen klein 
und im Kleinen groß. Und auf der Erde setzte ich ihn als ii 
zweiten Engel, ehrenvoll und groß und herrlich. Und ich setzte 
ihn zum König der Erde, das Königtum habend durch meine 12 
6 Gen. 1, 31. — 8 Prov. 8, 30. — 24 Gen. 1, 28; vgl. Gen. 2, 20. 

1 „Und" < P, aber „Donnerstag" als Überschr. 2 „u. es erz.": „daß 
es hervorbringe"P — „gefiederte" + Ρ 3 „sehr mannigf." mnogo razlicnye 
S: „große Mannigfaltigkeit" mnogorazlicie Ρ 6 „den Geist d. Lebens" 
duch zivoten P: „aller Lebendigen" vsech zivotnych S 7 „wiederum" 
< Ρ — „Und" < P, aber „Freitag" als Überschr. 9 „erstens seinFl." Ρ — 
„zweitens s. Bl." Ρ 10 „drittens s. Α." Ρ — „ν. d. S." Ρ (und + „ vier- 
tens"): „und d. S." S — „von — Meers" < Ρ 11 „seine" < S — „Gestein; 
fünftens" Ρ 12 „und von" < S : „sechstens" + Ρ 13 „Sehnen" „Adern" 
— „und seine Haare" JP — „Erde; siebentens" Ρ 14 „Wesenheiten" 
sensus empfiehlt Sok 17 „die Gebeine der Geduld" Ρ — „Siehe" < Ρ 
18 „sann aus" „beschloß"pomyslich — „zu zeigen" „zu erzählen" „zu sagen" 
(utdiceretSok)skazati 20 „beidem"oboego:„seinembeiden"obojuegoP — 
„kennt" vestj: „ward" be? 21 „irgendeine" Acc. nekaku S, nekakoJ: 
. nekaja Nom. P: „keine"? — „andere" inu: nu JP — „im" < Ρ 24 „auf 
der Erde" Ρ — „das — Weisheit": „König zu sein und zu haben meine 
Weisheit" P: „das Königtum zu haben meine Weisheit" J 



Längere Eedaktion: Cap. XXX, 7— XXXI, 2. 29 

Weisheit. Und nicht war ihm eine gleiche auf der Erde von 
meinen seienden | Kreaturen. Und ich setzte ihm einen Namen 19 
von vier. Bestandteilen: von dem Osten, von dem Westen, vom 
Norden, vom Süden. Und ich setzte ihm vier auserlesene Sterne 14 
5 und nannte seinen Namen Adam. Und ich gab ihm seinen 15 
Willen. Und ich zeigte ihm zwei Wege, Licht und Finsternis. 
Und ich sprach zu ihm: Jenes gut, aber dies böse, damit ich 
wisse, ob er Liebe hat zu mir oder Feindschaft, damit offen- 
bar werden in seinem Geschlecht die mich Liebenden. Ich aber 

10 sah seine Natur, er aber kannte nicht seine Natur. Deswegen 16 
ist Unwissenheit das Uebel des Sündigens, weil („daß"?) ihm zu 
sündigen ist. Und ich sprach: Nach dem Sündigen (nichts) 
anderes als der Tod. Und ich setzte ihm Schatten, und legte 
auf ihn einen Schlaf, und er schlief ein. Und ich nahm ihm, 17 

15 während er schlief, eine Rippe und machte ihm ein Weib und 
damit durch das Weib ihm der Tod komme. Und ich nahm 
seinen letzten Buchstaben und nannte ihr | den Namen Mutter; 19 
d. h. Eva. XXXI. Adam und Mutter, von Erde und Leben. — 
Und ich machte „einen Garten in Edem gegen Osten", daß sie 

20 beobachten das Testament und er bewahre das Gebot. Und ich 2 
machte ihm die Himmel geöffnet, daß er sehe die Engel singend 
das Siegeslied; und Licht ohne Finsternis war beständig im 

3 vgl. Sibyll. III, 24. — 5 vgl. Sir. 15, 14 f. — 6 Jer. 21, 8. Barn. 18, 1. 
Did. 1, 1. — 13 Gen. 2, 21f. Sir. 25, 24. 1 Tim. 2, 14. — 19 Gen. 2, 8. 

1 „auf": „von" Ρ — „und von" S 3 „von Süden, vom Norden" Ρ 
δ „seinen": „ihm den" Ρ — „Und — Willen" < Ρ 7 „jenes": „dieses" Ρ 
8 „ob er zu mir Liebe hat" Ρ 10 „er" on: oi S — „kannte n.": „sah 
nicht" Ρ 11 „Unwiss." nevedenie: „Nicht sehen" nevidenie Ρ — „des 
Sund., weil" < Ρ 12 „ist" < Ρ — „η. and." ne ino: ino S, nu Ρ 

13 „ich — Schatten und" < Ρ — „Schatten" „eine Hütte" senj: „e. Schlaf" 
sünj ? 14 „ihm": „von ihm" Ρ 15 „währ. er schlief" < Ρ 1(> „ihm .. 
komme" < J 17 „Buchstaben" „Wort" slovo 18 „Gott übergab dem 
Adam das Paradies und gab ihm ein Gebot, zu schauen die geöffneten 
Himmel, und daß er schaue die Engel singend das Siegeslied. Sieben- 
undzwanzigste Abhandlung" als Überschr. in Ρ — „(und) der Mutter 
von Erde und Leben" (i) mti zemlün (zemlüni J) i ziznj SJ: „hat (1. „und 
Mutter") das irdische Leben" imat (1. i mat) zemnuju ziznj P: (ex- 
plicatur) terrestris, Eva mater et vita Sok 19 „Garten" ogradu S: 

grad Ρ — „Edom" S — „er beobachte" Ρ 20 „Und" < Ρ 22 „und 
war" Ρ 



30 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

Paradies. Und es erkannte der Teufel, daß ich eine andere Welt 3 
schaffen will, weiL alles dem Adam Untertan ward auf Erden, 
es zu besitzen und zu beherrschen. Der Teufel ist der untersten 4 
Orte, er wird Dämon, weil er (sich) machte fliehend aus dem 
5 Himmel zum Satan, denn er hatte den Namen Satanael. Daher 5 
veränderte er sich von den Engeln. Die Natur veränderte er 
nicht, sondern den Sinn, da ja ein Geist der Gerechten und der 
Sünder, und er erkannte seine Verurteilung und die Sünde, die 
er zuvor begangen. Und deswegen | machte er einen Anschlag 6 

10 wider Adam. Auf solche Weise ging er in das Paradies und 
verführte die Eva. Dem Adam aber nahte er sich nicht. — 
Aber wegen ihrer Unwissenheit habe ich sie verflucht. Aber 7 
was ich zuvor gesegnet hatte, die habe ich nicht verflucht; aber 8 
welche ich zuvor nicht gesegnet habe, auch die habe ich nicht 

15 verflucht; weder habe ich den Menschen verflucht, noch die 
Erde, noch eine andere Kreatur; sondern die böse Frucht des 
Menschen. Deswegen (ist) gut die Frucht der Schöpfung, durch 
den Schweiß der Arbeit. XXXII. Und ich sprach: „Du bist Erde 
und in dieselbe Erde wirst du gehen", von der ich dich genommen, 

20 und nicht vernichte ich dich, sondern ich sende dich, von wo 
ich dich genommen. Alsdann kann ich dich wieder nehmen bei 
meinem zweiten Kommen. Und ich segnete alle meine Kreatur, 
die sichtbare und die unsichtbare. Und ich „segnete den siebenten 2 

1 Sap. 2, 24. — 3 vgl. Theoph. ad Aut. II, 28. Method. de Autex. 19, 4. 
11 Gen. 3, 6. 2 Cor. 11, 3. — 16 Gen. 3, 17. 19. — 18 Gen. 3, 19. Gen. 2, 7. 

2 „alles" vse Sok: „ist" est SJP 3 „und es" S — „ist d. Dämon 
d. unt. Orte" Sok 4 Theoph. ad Autol. II, 28 δαίμων δε και δράκων κα- 
λείται δια το άηοδεδρακέναι αυτόν από τον 9-εον — „und es wird" J — 
„Dämon bes — „fliehend" bezaj: beze S — „machte" sütvoril S, 
sütvori JP (zweimal in P) 6 „veränd. er n., sond." ne premeni nu S: 
ne premennym J 10 „geht er" S — „in d. Parad." < Ρ 12 „ihrer . . 
sie" < P, „ihrer" < J 13 „aber— nicht verflucht" < JP 15 „auf 
d. Erde" + vor „noch d. Erde" J 17 „Desw. — Schöpfung" < Ρ — 
„sind gute Kreaturen die Früchte"? J — „d. d. Schweiß" potom: 
rursus Sok 18 „Nach der Versündigung (Adams) schickt Gott den 
Adam zur Erde, „von der ich dich genommen", aber will nicht ihn ver- 
nichten im kommenden Aeon. Achtundzwanzigste Abhandlung" als 
Überschr. in Ρ — „Und" < Ρ — „sprach zu ihm" Ρ 19 „dieselbe" 
tuzde: „ebenso" tozde P, „wieder" J 20 „sende dich" P: „dich" < S 
21 „auch wieder" Ρ 23 „unsichtb.": „Und es war Adam fünf und 
eine halbe Stunde im Paradies" + Ρ — „segnete" < S 



Längere Redaktion: Cap. XXXI, 2— ΧΧΧΠΙ, 6. 31 

Tag", an dem ich „ruhte von allen meinen Werken". XXX1IL Am 
(Als) achten Tag aber setzte ich denselben | achten Tag, daß er sei 20 v 
der erste, der ersterschaffene meines Nichttuns, und daß sie ge- 
wandelt werden zum Bild des siebenten Tausends, und der achte 
5 werde zum Anfang der (acht) Tausende. Wie vom ersten Tag 2 
der Woche, so auch der achte Tag der Woche sollen beständig 
wiederkehren. Und jetzt aber, Henoch, so viel ich dir gezeigt 3 
und so viel du erkannt hast und so viel du gesehen hast auf 
den Himmeln und so viel du gesehen hast auf der Erde und 

10 so viel ich geschrieben habe in den Büchern, durch meine Weis- 
heit habe ich ausgedacht alles dieses zu machen, und ich habe 
es gemacht vom höchsten Fundament bis zum niedrigsten und 
bis zum Ende. Und nicht ist ein Berater noch Erforscher meiner 4 
Schöpfungen. Ich bin selbst ewig und nicht mit Händen ge- 

15 schaffen. Ohne Änderung mein Gedanke, mein Berater ist meine 
Weisheit und mein Wort ist Tat. Und | meine Augen sehen 21 
auf alles. Wenu ich blicke auf alles, so stehen sie und erzittern 
vor Furcht. Wenn aber ich abwende mein Angesicht, so wird 
alles vernichtet. Setze deinen Verstand, Henoch, und erkenne 5 

20 den, der zu dir redet, und nim m dir die Bücher, welche du selbst 
geschrieben hast. Und ich gebe dir Samuel und Raguel, die dich 
heraufgeführt haben zu mir. Steige herab auf die Erde und zeige 6 

1 Gen. 2, 3. 2. — 4 Barn. 15, 8. — 13 Jes. 40, 13. Sir. 42, 21. Ps. 32 

(33), 9. 103 (104), 29. 22 Hen. 81, 5. 6. 

1 „Tag": „welches igt der Sabbat" + Ρ — „er ruhte v. a. seinen 
W." Ρ 3 „der erste" < Ρ — „Nichttuns"? nedela S: „über s. Werke" 
nad dela ego Ρ — „gewandelt werden" obrastajutsja: obrastaetsja J: „obrja- 
stutsja Ρ 4 „Tausends": „Der Anfang der Gottlosigkeit, die Zeit des 
Endes der Jahre, nicht Monat (m), noch Woche, noch Tag, noch Stunde" 
am Rand in S: in JP im Text „Zeit des Nichtrechnens. (bescetenie J„ 
„Gottlosigkeit" bezcestia SP) und ohne Ende, weder Jahre, noch Monate, 
noch Wochen, noch Tage, noch Stunden" — „des sieb. Taus.": „der sieb. 
Tausende" S — „und— Tausende": „des achten Tausend" Ρ 5 „Wie — 
wiederkehren" < Ρ 8 „auf d. Hirn.": „des Himmlischen" Ρ 10 „du 
geschrieben hast" S 11 „und alles" Ρ — „zu machen" < P: „zu voll- 
enden" J 13 „Berater" sovetnika JP: „Mitwisser" süvestnika S — 
„Erforscher" slednik mit U: naslednik SJP 17 „Wenn — alles, so": 
„wie sie" P: < J 19 „Und setze" Ρ 20 „zu dir" < SJ 21 „Sa- 
moel" S („Semeel" U) — „Rusuel" U — „der dich . . geführt hat" SJ 
22 „zu mir" kü mne: knigy Ρ — „Und steige" Ρ 



32 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

deinen Söhnen, so viel ich zu dir gesprochen und so viel du 
gesehen von dem untersten Himmel bis zu meinem Tron. Alle 7 
Heerscharen habe ich geschaffen und alle Kräfte, und nicht 
ist einer, der mir widersteht oder mir nicht gehorcht, denn alle 
5 gehorchen meiner Alleinherrschaft und dienen meiner alleinigen 8 
Macht. Und gib ihnen die mit deiner Hand geschriebenen Bücher, 
und sie sollen sie lesen und mich kennen lernen, den | Schöpfer 21 ' 
des Alls. Und sie sollen erkennen, daß kein anderer Gott ist 
außer mir. Und sie sollen geben die von deiner Hand geschrie- 9 

10 benen Bücher, die Kinder den Kindern und Geschlecht dem Ge- 
schlecht und Verwandte den Verwandten. Und ich gebe dir, 
Henoch, zum Sachwalter meinen Archistrategen Michael, für 10 
deine Handschrift und die Handschriften deiner Väter Adam und 
Seth und Enos, Kainan, Maleleel und Ared, deines Vaters; und 

15 nicht werden sie vernichtet werden bis zum letzten Aeon, weil 
ich geboten habe meinen Engeln Ariuch und Pariuch, die ich 
auf die Erde gesetzt habe als ihre Bewahrer. Und ich gebot 
den Zeiten, daß sie sie behüten, daß sie nicht umkommen in der 
zukünftigen Flut, die ich bin machend in deinem Geschlecht. 

20 XXXIV. Ich nun kenne die Bosheit der Menschen, daß sie 
nicht tragen werden das Joch, das ich ihnen aufgelegt habe, 
sondern werden abwerfen | mein Joch und werden aufnehmen 22 
ein anderes Joch und säen eitlen Samen und anbeten eitle Götter 
und werden abwerfen meine Einzigkeit. Und die ganze Erde 

8 Deut. 32, 39. Jes. 44, 6. 45, 5. 6. — 13 Gen. 5, 9—18. 

2 „Auch alle" Ρ 3 „habe ich nämlich" Ρ — „und" vor „alle" 

< Ρ 5 „u. dienen— Macht" < Ρ 6 „Und" < Ρ — „die . . Bücher" 

< J 8 „Gott" („Schöpfer" U): < SJ 11 „Verw. d. Verw." juzniki 
juznikom: „Völker den Völkern" jazyki jazykom Ρ 13 „deine Hand- 
schrift und" < Ρ — „und" hier stets (außer vor „Ared") < Ρ 14 „Malle- 
leel" Ρ — („und"): „Gott klagt an die Menschen die Götzendiener, 
die sodomiti sehen Blutschänder und bringt deswegen die Flut auf sie. 
Dreißigste Abhandlung" als Überschr. in P, aber „und nicht — auf- 
gelegt habe" < Ρ 15 „nicht werde ich sie vernichten" S 16 „Arioch 
und Marioch" U 22 „sond. w. abwerfen" mit U: „und (< P) sie haben 
abgeworfen" SJP — „meine Gebote u. mein Joch" Ρ — „u. w. aufn. e. 
a. Joch" < Ρ 23 „säten" vusease S: „stellten auf" vostaSa Ρ — „Sa- 
men": „Gott nicht fürchtend" + Ρ — „u. anbeten" mit U: „beteten an" 
S: „beteten mich nicht an, sondern fingen an anzubeten" Ρ 24 „haben 
abgeworfen" SP — „m. Alleinherrschaft" U 



Längere Kedaktion: Cap. XXXIII, 7— XXXVI, 1. 33 

wird sich verkehren durch Ungerechtigkeiten und Vergewaltigun- 2 
gen und Unzuchtsünden und bösen Dienst. Und deswegen bringe 
ich eine Flut auf die Erde, und die Erde selbst wird zertrümmert 
werden in großem Schlamm. XXXV. Und ich lasse überbleiben 

5 einen gerechten Menschen von deinem Stamme mit seinem ganzen 
Hause, welcher tun wird nach meinem Willen. Und aus ihrem 
Samen wird aufstehen ein anderes Geschlecht, ein letztes großes. 
Aber von ihnen werden viele überaus unersättlich sein. Und bei 2 
der Herausführung jenes Geschlechts werde ich ihnen offenbaren 

10 die Bücher deiner Handschrift und deiner Väter, da die Wächter 
der Erde (sie) zeigen werden | treuen Männern, meinen Lieb- 22 1 
habern, welche meinen Namen zum Eitlen nicht nennen; und 3 
jene werden sie zeigen jenem Geschlecht, und jene, wenn sie sie 
gelesen haben, werden verherrlicht werden am Ende mehr als 

15 am Anfang. — XXXVI. Jetzt aber, Henoch, gebe ich dir einen 

1 Eph. 5, 12. Ps. Cypr. 3 (III, 134). — 2 Gen. 6', 17. — 3 Ps. Cypr. 2. — 
15 Hen. 81, 6. ' 

1 „haben sie verkehrt" sogruzisa (contraxerunt Sok) P: „hat sich 
verkehrt" sügrezisja „befleckt" Sek S (sügrezitisja = σνμφνρεο&αι,, άνα- 
στρέφεσ&αι, σνμπίπτειν): „wird sich versündigen" sogresit U 2 „Unz. u. 
bös. Dienst": „schlechte Unzuchtsünden d. i. einer mit dem anderen in 
den hinteren Durchgang, und jegliche anderen unreinen Übeltaten, die 
schändlich sind zu sagen" Ρ („Unzucht des Götzendienstes" U) 3 „d. 
Erde": „und vertilge alle" -+- Ρ — „die Erde wird ganz" Ρ — „zertr. w." 
sükraiitsja: ονοοείβται sotrusitsja U 4 „Und": „Gott läßt übrig Einen 
gerechten Menschen vom Geschlecht Henochs u. mit seinem ganzen Hause, 
der Gott wohlgefiel nach seinem Willen. Einunddreißigste Abhandlung" 
als Überschr. in Ρ — „Und — Willen" < Ρ 6 „tun wird" sütovritj: „zu 
tun" sütvoriti S — „Von Abraham und Mose und den Söhnen Israels 
und von ihrer Versündigung" am Rand in S (nicht in J) — „Und" i: 
„Siehe" se Ρ — „ihrem": „seinem" J 7 „letztes": „hernach" Ρ 8 „Und" 
< Ρ — „b. d. Herausf." vü izvode S: „herausführend" vüzvodja J, 
vozvedjai Ρ 9 „w. ich . . offenb." javlja S: „offenbarend" javljaja Ρ 
(„werden offenbar werden" javjatsja U) 10 „und" < Ρ — „da" oder 
„welchen" imze SJP: „ihnen (werden)" im? 11 „und meinen" Ρ 

12 „ζ. Eitlen" „vergeblich" vsue — „nennen" prizovut SJ: priznavajut Ρ 

13 „zeige" J — „jenem" onomu SJ: „einem andern" inomu Ρ 15 „Gott 
gebot dem Henoch, dreißig Tage auf der Erde zu leben, zu geben 
Wissenschaft seinen Söhnen und Kindeskindern; nach dreißig Tagen 
ward er wieder aufgenommen in den Himmel. Zweiunddreißigste Ab- 
handlung" als Überschr. in Ρ — „Und jetzt" J — „aber" < JP 

T. u. U. '22: Bonwetsch. 3 



34 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

Termin des Wartens, dreißig Tage zu vollbringen in deinem 
Hans, kund zu tun deinen Söhnen und allen deinen Hausgenossen 
alles von meinem Angesicht, damit sie hören das zu ihnen durch 
dich Geredete und lesen und erkennen, daß nicht ist ein anderer 
5 Gott außer mir, und sie sollen immer bewahren deine Gebote 
und sollen anfangen die Bücher deiner Handschrift zu lesen und 
zu beachten. Und nach dreißig Tagen werde ich senden nach 2 
dir meinen Engel, und er wird dich nehmen von der Erde und 
von deinen Söhnen zu mir. 

10 XXXVII. Und der Herr rief Einen von den obersten Engeln, 

einen furchtbaren und schrecklichen, und | stellte ihn neben mich. 23 
Und das Aussehen jenes Engels weiß wie Schnee und seine Hände 
Eis an Aussehen, habend große Kälte. Und er machte erkalten 
mein Angesicht, weil ich nicht ertrug die Furcht des Herrn, wie 

15 nicht möglich ist zu ertragen das Feuer des Ofens und die Glut 
der Sonne und den Frost der Luft. — Und der Herr sprach zu 2 
mir: Henoch, wenn nicht dein Angesicht hier erkältet wird, kann 
kein Mensch dein Angesicht schauen. 

XXXVIII. Und es sprach der Herr zu jenen Männern, die 

20 mich zuvor heraufgeführt hatten: Henoch soll hinabsteigen auf 
die Erde mit euch, und ihr sollt ihn erwarten bis zu dem be- 
stimmten Tag. Und sie setzten mich des Nachts auf mein Bett. 2 
Und Methusalam wartete auf mein Kommen, Tag und Nacht 
wachend Wache an meinem Bett, und er ward erschrocken, 

4 Dt. 32, 39. Jes. 44, 6. 45, 5—46, 9. — 7 Hen. 81, 6. — 17 Exod. 34, 30. 

1 „d. Wartens" prezdanija: prezdeni J: <P 2 „und tue kund" 
Ρ — „allen": „alles" SJ 3 „alle" Ρ — „zu ihnen" im: i S, mi J 

5 „Gott" < S — „immer" vsegda P: „alle" vjsi S — „deine" S: „meine" 
Ρ 6 „zu 1. u. z. b." < S 8 „sie werden d. n." S 10 „Und— ihnen" 
S. 35, 3 andere U — „Hier ruft Gott einen Engel. Dreiunddreißigste Ab- 
handlung" als Überschr. in Ρ 12 „Und — Schnee": „an Aussehen 
weiß" Ρ — „weiß": „war" J 13 „wie Eis das Auss." Ρ 14 „er- 
trug" S(U): „ertragen konnte" Ρ 16 „d. Luft" vüzdusnago: bezdus- 
nago J 17 „erkältet wird" ustuditsja: „beschämt wird" ustyditsja Ρ — 
19 „Es hatte Hoffnung Mathusal, und er erwartete seinen Vater Henoch an 
seinem Bett Tag und Nacht. Vierunddreißigste Abhandlung" als Überschr. 
in Ρ 21 „ihn" < J — „bestimmten" urocnago SJ: „genannten 
urecennago Ρ 23 „Methusal" Ρ — „wartete" caase: „erwartend" ca- 
juste Ρ 24 „Wache wachend" stregyj strazu: „wachend" straza Ρ 



Längere Redaktion: Cap. XXXVI, 1— XXXIX, 6. 35 

als er mein | Kommen hörte. Und ich sprach zu ihm, daß alle 3 23 v 
meine Hausgenossen zusammenkommen sollten, damit ich zu 
ihnen alles rede. Ich aber redete zu ihnen: XXXIX. Ο meine 
Kinder, meine Geliebten, höret die Zurechtweisungen eures Vaters, 

5 so viel ist nach dem Willen des Herrn. Ich bin heute gesandt 
zu euch, von dem Mund des Herrn zu euch zu reden, so viel 
gewesen ist und so viel jetzt ist und so viel sein wird bis zum 
Tag des Gerichts. Höret, meine Kinder, nicht aus meinem Mund 2 
tue ich euch heute kund, sondern aus dem Mund des Herrn, der 

10 mich zu euch gesandt. Denn ihr höret meine Worte aus meinem 
Mund, eines euch gleich geschaffenen Menschen; ich aber hörte 
aus dem feurigen Mund des Herrn. Denn der Mund des Herrn 
ist ein feuriger Ofen und seine Worte sind (feurige) Flamme, 
hervorgehend. Ihr zwar, meine Kinder, sehet mein Angesicht Β 

15 eines euch gleich geschaffenen Menschen, ich aber bin ein Schauer 
des Angesichts des Herrn, wie Eisen vom Feuer | durchglüht 24 
und hinweggenommen Funken sprüht und brennt. Ihr zwar 4 
schauet meine Augen eines euch an Zeichen gleichen Menschen; 
ich aber sah die Augen des Herrn wie die Strahlen der Sonne 

20 leuchtend und erschreckend die Augen der Menschen. Ihr zwar, 5 
meine Kinder, sehet die euch helfende Rechte eines euch gleich 
geschaffenen Menschen; ich aber sah die mir helfende Rechte 
des Herrn, die den Himmel erfüllt. Ihr zwar sehet den Umfang 6 
meines Leibes, eines dem euren gleichen, ich aber sah den Um- 

25 fang des Herrn, den unermeßlichen und unvergleichlichen, des 

1 Hen.91,1. 

2 „damit — rede" < SJ 3 „Ich — ihnen" < Ρ — „Klagende Zu- 
rechtweisung Heuochs zu seinen Söhnen, mit Weinen und großem 
Trauern sprechend zu ihnen. Fünfünddreißigste Abhandlung" als 
Überschr in Ρ — „Ο. m. Κ. —Vaters": „Höret, m. Kinder" SJ 6 „von— 
reden" < Ρ 7 „gew. ist" : „ist u. war" Ρ 8 „Höret, m. Κ." < Ρ — 
„denn nicht" Ρ 9 „denn es hat m. zu e. der Herr ges." Ρ — „der . . 
gesandt" pustenago: pustena J 10 „Ihr nun" Ρ — „meine" < Ρ 
11 „ich aber— Menschen" Z. 15 < Ρ 13 „Worte" gly: „Engel" aggli 
SJP — „feurige" + mit U 15 „aber" < Ρ — „bin e. Schauer" videc 
esmj : „habe gesehen" videlj esmj J (videch U) 17 „und" < Ρ — „hinw. 
und F. spr." J 19 „aber" < Ρ 21 „hei f. . . helf." pomagäjustu: „zu- 
winkend . . zuw." pomavajustu U — „die Eechte eines euch helfenden 
Menschen" Ρ — „euch" vor „gl. gesch." < J 22 „aber" < Ρ — „d. 
Rechte des m. helfenden Herrn und" Ρ 24 „Leibes" tela mit U: „Tat" 
dela SJP 25 „unvergl." bezprikladno: „vergleichlichen" prikladno Ρ 



3g Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

keine Grenze ist. Ihr nun höret die Worte meines Mundes, ich 7 
aber hörte die Worte des Herrn wie großen Donner in unauf- 
hörlicher Verwirrung („Zusammenstoß"?) der Wolken. Und 8 
jetzt, meine Kinder, höret die Eede eines irdischen Vaters: 

5 ängstlich und gefährlich ist es zu stehen | vor dem Angesicht 24 v 
eines irdischen Königs, [furchtbar und sehr gefährlich ist es] 
weil der Wille des Königs Tod und der Wille des Königs Leben; 
um wie viel mehr ist es furchtbar und gefährlich zu stehen vor 
dem Angesicht des Königs der Könige und der irdischen und 

10 der himmlischen Heerscharen; wer wird bestehen jenen endlosen 
Schmerz ! 

XL. Jetzt nun meine Kinder, ich weiß alles, das eine nun 
(zwar) aus dem Mund des Herrn, das andere aber haben meine 
Augen geschaut von Anfang bis zum Ende und vom Ende bis 

15 zur Wiederkehr. Ich weiß alles und habe alles in die Bücher 2 
geschrieben: die Himmel und ihr Ende und ihre Fülle und alle 
Heerscharen, und ihre Läufe habe ich ausgemessen und habe 
aufgeschrieben der Sterne große unzählbare Menge. Welcher 3 
Mensch sieht ihre Umkehrungen und Umläufe? denn nicht ein- 

20 mal die Engel kennen ihre Zahl; ich aber habe die Namen aller 
aufgeschrieben. Und den Kreis der Sonne habe ich ausgemessen * 
und ihre Strahlen habe ich ausgezählt | und ihren Eingang in 25 
alle Monate und ihre Ausgänge und alle ihre Läufe; ihre Namen 
habe ich aufgeschrieben. Den Kreis des Mondes habe ich aus- 5 

12 Clem. Eclog. 2, 1. Orig. De princ. IV, 35. — 17 Hen. 43, 1. 2. 

1 „ich aber": „wie ich" Ρ 2 „unaufhörlicher" ne prestannom SJ: , 
„unaufhörlich" neprestanno Ρ 4 „ird. Vaters" oca zerrmago („von e. 

ird. König" ο cri zemnom U) 5 „wie ängstlich" Ρ — „ängstl." bo- 

jaznno JP: „Angst" bojaznj S 6 „furchtbar — Leben" < Ρ 8 „um 
so viel" S — „mehr" + Ρ — „furchtbar und gef." < SJ 9 „d. himm- 
lischen Königs" Ρ — „d. Könige u. cl. ird." < P, aber + „des Herr- 
schers der Lebenden und der Toten" 11 „Schmerz" boleznj : „Furcht 
(bojaznj) oder die große Glut. Aber es rief" etc. wie oben c. 37, 1 U 
12 „Henoch unterweist seine. Kinder alles wahrhaftig aus dem Mund des 
^Herrn , wie er sah und hörte und aufschrieb. Sechsunddreißigste Ab- 
handlung" als Überschr. in Ρ — „Jetzt nun": „Und jetzt" Ρ 14 „und — 
Wiederkehr" < Ρ IS „die Sterne u. die große unz. M." JP 
19 „sieht": „sah" Ρ — „und" < S — „Umläufe": „Eingänge" Ρ 
21 „Und" < S 22 „h. ich ausgez. — v. d. Tagen" S. 37, 6 < Ρ 
23 „Ausg.": „Aufgänge" oder „Aufgang" J 



Längere Redaktion: Gap. XXXIX, 6— XL, 10. 37 

gemessen und seine Minderung, welche durch alle Tage, und 
sein Abnehmend), da er schmilzt auf jeden Tag und" zu allen 
Stunden. Ich habe gesetzt vier Zeiten und von den Zeiten habe 6 
ich gemacht vier Kreise und in den Kreisen habe ich gesetzt 

5 Jahre (und von den Jahren) habe ich gesetzt Monate und von 
den Monaten habe ich gerechnet die Tage und von den Tagen 
habe ich ausgemessen die Stunden (und) habe gezählt und auf- 
geschrieben. Alles, was ernährt auf der Erde, habe ich erforschend 7 
aufgeschrieben und jeden gesäten und ungesäten Samen, den die 

10 Erde wachsen läßt, und alle Pflanzen und jedes Kraut und jede 
Blume und ihren Duft und ihre Namen. Und die Wohnungen 8 
der Wolken und ihre Gesetze und ihre Flügel und wie sie Eegen 
bringen und die Regentropfen habe ich alle | erforscht. Und ich 9 25 v 
habe aufgeschrieben das Getön des Donners und (das Wunder) 

15 des Blitzes. Und man hat mir gezeigt ihre Schlüssel und ihre 
Be wahrer und ihren Aufgang und ihren Ausgang, wohin sie 
gehen. In ein Maß werden sie mit einer Kette emporgehoben 
und mit einer Kette herabgelassen, damit sie nicht durch eine 
schwere Krankheit und Wut Wolken des Zornes hinabwerfen und 

20 verderben alles auf der Erde. 

Ich habe aufgeschrieben die Schatzhäuser des Schnees und 10 
die Behältnisse des Eises und die frostigen Lüfte und habe be- 
obachtet ihre Zeiten, wie ihre Schlüsselinhaber mit ihnen die 
Wolken anfüllen, und nicht erschöpfen ihre Schatzhäuser. — 

12 Hen. 41, 3. 60, 20 f. — 14 Hen. 41, 3. 59. 60, 13—15. 22. — 
21 Hen. 60, 17 f. — 24 Hen. 41, 4. 

1 „Minderung" chudenie: „Gang" chozdenie J (vgl. U) 2 „Ab- 

nehmen" ustepstvia (decrescentias Sok): ustsvia J — „und": „Nacht" + J 
7 „und" < Ρ 8 „was ernährt" krümstvuema: kromuäestvuema Ρ — 

„erforschend" propitaju S : „ernährend" prepitaja Ρ 9 „jeden": „allen" Ρ 
10 „Erde" zemle S, zemlju Ρ — „jede": „alle" Ρ 12 „Gesetze" us- 
tavy S (ustavich J): „Elemente" „Bestandteile" sostavi Ρ — „und" vor 
„wie" < Ρ 13 „und ich habe" Ρ — „alles" wohl Ρ 14 „Getön" 
tuton S (tuten TJ): „Weg" putj Ρ — „d. Wunder" mit ü: < SJP („die 
Blitze" J) 16 „u. ihr. Ausg." < Ρ — „wohin" juduze S: „wo" ideze J: 
„durch den" imze Ρ 17 „Kette . . Kette" uzoju U: juzoja S, jazvoju 
J, jazeju Ρ — „wird er emporg. . . wird er herabg." J — „emporg. u. m. 
e. Kette" < Ρ 19 „Krankheit" jazoju S, jazvoju J, jazeju P: „Zorn" 
empfiehlt Sok — „zornig Wolken"? 23 „wie" < Ρ 



38 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

Ich habe aufgeschrieben die Lager der Winde und habe beob- 11 
achtet und gesehen, wie ihre Schließer tragen Wagen und Maße, 
und zuerst zwar legen sie in die Wagen hinein, zuzweit | aber in 26 
Maße , und mit dem Maß lassen ' sie heraus kunstvoll auf die 

5 ganze Erde, damit sie nicht durch schweres Schnauben die Erde 

schwanken machen. — Ich habe ausgemessen die ganze Erde 12 

und ihre Berge und Hügel und Felder und Bäume und Gestein 

H und Flüsse und alles, was ist. Ich habe aufgeschrieben die Höhe 

von der Erde bis zum siebenten Himmel und abwärts bis zum 

10 untersten Hades. Und (ich sah) den Ort des Gerichts und den 
sehr großen Hades geöffnet und klagend. Und ich sah wie die 
Gefangenen leiden, erwartend das unermeßliche Gericht. Und 13 
ich schrieb auf alle durch den Richter Gerichteten und ein jedes 
Gericht derselben und alle ihre Werke. 

15 XLI. Und ich sah alle Vorväter von Ewigkeit mit Adam 

und Eva, und ich seufzte und weinte über das Verderben 
ihrer Gottlosigkeit (und sprach): Wehe mir, (wegen) meiner 
Schwäche und (der) meiner Vorväter. Und ich dachte in 
meinem Herzen [ und sprach: Selig der Mensch, der nicht 2 26 1 

20 geboren worden, oder der geboren nicht gesündigt hat vor dem 
Angesicht des Herrn, damit er nicht komme an diesen Ort, noch 
trage das Joch dieses Ortes! 

XL11. Und ich sah die Schließer und die Wächter der Tore 
des Hades stehend, wie große Schlangen und ihre Angesichter 

25 wie erloschene Lichter und ihre Augen feurig und ihre Zähne 
entblößt bis zu ihrer Brust. — Und ich sprach vor ihrem An- 2 

19 Hen. 38, 2. 

1 „Denn ich" Ρ 3 „und" < Ρ — „legt hinein" J — „in ein 

Maß" J 4 „und" < Ρ δ „Schnauben" „Blasen" dychaniem SJP 
6 „Und ich" J, „Denn ich" Ρ 7 „und" (bis „alles") stets < Ρ — 
„alle Hügel" Ρ 10 „Und— u. sprach" Z. 19, kürzer U 13 „d.d. 

Richter" sudieju P: sjudie S: sjudia J 15 „Und": „Davon wie He- 

noch beweinte die Übertretung Adams" als Überschr. in Ρ 16 „w. und 
sprach" Ρ 17 „Ο wehe" J — „wegen": „und" P: < SJ 18 „und" 

< SJ 20 „und nicht ges." Ρ 22 „trage" ponesl: „bringe" prinesil 
J, prinosil Ρ 23 „Davon, wie Henoch sah die Schließer und die 

Wächter der Tore des Hades stehend" als Überschr. in Ρ — „Und" 
<P 26 „entblößt— Brust": „scharf, und ich sah" Ρ — „Und — und 
es preist" S. 40, 7 < Ρ 



Längere Redaktion: Cap. XL, 11— XLII, 10. 39 

gesicht: Möchte ich ferner euch nicht sehen, noch eure Taten 
hören, und möchte keiner von meinem Stamm zu euch kommen; 
wie in Geringem sie gesündigt in diesem Leben, aber im ewigen 
Leben werden sie immer leiden. 
5 Ich ging hinauf in den Osten in das Paradies Edem, wo be- 3 

reitet ist die Kühe den Gerechten, und das geöffnet ist bis zum 
dritten Himmel und verschlossen ist von dieser Welt. Und 4 
Wächter sind gestellt an den sehr großen | Toren des Ostens 27 
der Sonne, flammende Engel singend nie schweigende Sieges- 

10 lieder, sich freuend über das Kommen der Gerechten. Beim δ 
letzten Kommen wird er herausführen Adam mit den Vorvätern 
und wird sie hierherführen, daß sie sich freuen, wie ein Mensch 
seine Geliebten herbeiruft mit ihm Mahl zu halten, und jene ge- 
kommen mit Freuden [und] reden vor dem Palast jenes Mannes, 

15 mit Freuden erwartend sein Mahl, das Genießen des Guten und 
des unmeßbaren Reichtums, und Freude und Fröhlichkeit im 
Licht und in ewigem Leben. — Ich aber sage euch, meine Kin- 6 
der: Selig ist, wer fürchtet den Namen des Herrn und vor seinem 
Angesicht immer dient und ordnet Gaben mit Furcht, Opfer des 

20 Lebens, und das ganze Leben gerecht lebt und stirbt. Selig ist, 7 
wer ein gerechtes Gericht vollbringt, nicht wegen | Lohnes, son- 27 v 
dern der Gerechtigkeit, noch erhoffend hernach irgendwelche 
Dinge; hernach wird ihm kommen ein Gericht ohne Ansehen der 
Person. Selig, wer bekleidet die Nackenden mit Gewand und 8 

25 dem Hungernden gibt sein Brot. Selig, wer richtet ein gerechtes 9 
Gericht der Waise und Witwe und einem jeden Gekränkten 
hilft. Selig, wer umkehrt von dem veränderlichen (krummen?) 10 

5 Gen. 2, 8. Mt. 25, 34. — 6 2 Cor. 12, 2; vgl. o. c. 8 f. — 8 Gen. 
3, 24. — 13 vgl. Lc. 14, 16. — 21 Ezech. 18, 8. Sach. 7, 9. — 24 Ezech. 
18, 7 (Jes.58, 7). — 25 Ps. 9, 39 (10, 18). Jes. 1, 17. Sach. 7, 10 (Jer. 22, 3). — 
27 Prov. 4, 11. 

2 „hören" unusüj: unumil J — „kommen" pricletj mit U: „führen" 
privelj S 3 „wie — m. Kinder" Z. 17 kürzer in U — „in diesem" vü 

sie: vune J — „im": „nicht" J 5 „Edom" S 13 „s. Gel." ljubimie 
si: „die Liebhaber" ljnbimici J — „jene": „von jenen" J 15 „s. Mahl" 
obeda ego: „Mahl zu halten" obedati J 18 „Selig der Mensch" J 

19 „Opfer" prinosy mit U, prno seja J: srno sie S 20 „d. ganze" 

vjsju: vu sie S 27 „umkehrt" vozrazitjsja mit U: „zurückk." vozvra- 
titsja J (vozvratisja S) — „veränderlichen" primenna mit U: „zeitlichen" 
vremjanna SJ 



40 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

Weg dieser eitlen Welt und geht auf dem geraden Weg, der 
in jenes Leben ohne Ende führt. Selig, wer säet gerechten 11 
Samen, weil er wird ernten siebenfältig. Selig, in wem ist 12 
Wahrheit, daß er rede Wahrheit zu seinem Nächsten. Selig, 13 

5 welchem ist Barmherzigkeit in seinem Mund und Sanftmut in 
seinem Herzen. Selig, die erkennen jedes Werk des Herrn, von 14 
Gott gemacht, und es preist, denn die Werke des Herrn sind 
gerecht, aber die Werke der Menschen j die einen sind gut, aber 28 
die andern böse, und an den Werken werden die Künstler er- 

10 kannt. 

XLIII. Ich, meine Kinder, habe jedes Werk und jedes Maß 
und jede gerechte Wage, ich habe sie ausgemessen und auf- 
geschrieben, wie mir der Herr geboten hat. Und in allem diesem 2 
fand ich einen Unterschied. Wie ein Jahr geehrter ist als ein 

15 Jahr, so ist auch ein Mensch geehrter als ein (anderer) Mensch: 
der eine wegen großer Habe, ein anderer aber wegen Weisheit 
des Herzens, ein anderer aber wegen eines gewissen Verstandes, 
ein anderer aber wegen Klugheit, ein anderer aber wegen 
Schweigen des Mundes, ein anderer aber wegen Keinheit, ein 

20 anderer aber wegen Stärke, ein anderer aber wegen schöner 
Gestalt, ein anderer aber wegen Jugend, ein anderer aber wegen 
Scharfsinns, ein anderer aber durch den Anblick des Leibes, 
ein anderer aber durch viel Gefühl, daß sie überall gehört 
werden. Aber | keiner ist größer, als der Gott fürchtet; dieser 3 28 v 



2 Sir. 7, 3. — 1 Sach. 8, 16. Eph. 4, 25. — 8 Mt. 7, 16. 20. 
16 Sir. 10, 30. — 24 Sir. 10, 22. 



1 „ger. Weg": „Weg der Gerechten" J — „der . . führt": „und er 
wird leben in jenem Leben ohne Ende" J 4 „daß sie reden" SJ (TT) 
6 „vom Herrn" J 7 „sind ger.": „daß sie ger. sind" Ρ 8 „gut" < Ρ 
11 „Henoch zeigt seinen Kindern, wie er die Gerichte Gottes ausge- 
messen und aufgeschrieben. Neununddreißigste Abhandlang" als 
Überschr. in Ρ 12 „jede ger. Wage": „jedes gerechte Gericht" Ρ — 
„ich habe sie" < Ρ 18 „wie — Unterschied" < Ρ 15 „so ist — als 
e. (and.) Mensch" < J — „auch" < Ρ 16 „die einen . . die anderen . . die 
anderen" Ρ 19 „mit dem Mund" JP — „ein anderer" ov: von „e. a. 
a. w. Stärke" an stets „andere" ovi S 20 „seh. Gest." blgoobraznyja 

J, blgoobrazne Ρ 23 „Gef. v. vielem" Ρ — „er üb. geh. wird" Ρ 

24 „Aber" < Ρ 



Längere Eedaktion: Cap.XLII, 10— XLV, 2. 41 

wird der Herrlichste sein in jenem Aeon. — XLIV. Der Herr hat 
mit seinen eigenen Händen den Menschen geschaffen zur Ähn- 
lichkeit seines Angesichts, den Kleinen und den Großen hat der 
Herr gemacht. Wer schmäht das Angesicht eines Mensehen, 

5 schmäht das Angesicht eines Königs, und (wer verabscheut das 
Angesicht eines Menschen), verabscheut das Angesicht des Herrn. 
Wer verachtet das Angesicht eines Menschen, verachtet das An- 
gesicht des Herrn. Wer Zorn antut einem jeden Menschen, 2 
ohne Schaden, ihn wird der große Zorn des Herrn ernten. Wer 3 

10 speit in das Angesicht eines Menschen, Schmach wird ihn ernten 
am großen Gericht des Herrn. Selig der Mensch, welcher nicht 4 
richtet sein Herz mit Bosheit auf einen jeden Menschen und 
hilft dem Gerichteten und aufhebt den Zerbrochenen und übt 
Barmherzigkeit an dem Bedürftigen; weil am Tag des großen Ge- ° 

15 richts jedes Maß und jede Wage und jedes Gewicht wie auf einer 
Wage(?), | das heißt auf einer Wage aufgehängt und zum Ver- 29 
kauf steht, und er wird erkennen sein Maß und mit dem Maß 
wird er seinen Lohn empfangen. — XLV. Wer eilt und bringt ein 
Opfer vor das Angesicht des Herrn, so wird der Herr beeilen 

20 die Erwerbungen seines Werks und wird ihm ein gerechtes Ge- 
richt machen. Wer mehrt die Leuchter vor dem Angesicht des 2 

3 Gen. 1, 27. 2, 7. — 13 Mt. 5, 42. — 14 Mt. 7, 2; Lc. 6, 38. — 
18 vgl. Ps. 39 (40), 7. 50 (51), 18 f. Jes. 1, 11. Mich. 6, 6-8. Sir. 32 
• (35), 1—5. 

1 „Henoch belehrt seine Söhne, daß sie nicht schmähen das An- 
gesicht eines Menschen, eines kleinen oder großen. Vierzigste Abhand- 
lung" als Überschr. in Ρ — „hat . . gesch." suzda: „gesch. habend" 
sozdav Ρ 3 „hat ihn . . gemacht" JP 4 „Und wer" SJ — „e. 

Menschen — Ang. (e. Κ.)" < Ρ 5 „wer verabsch. d. Ang. e. Menschen" 
mit U: < SJP 7 „d. Ang. e. Menschen, ver." < Ρ 8 „Und wer" Ρ 
9 „Zorn wird ernten, das große Gericht" J 10 „Schmach" ukoriznj 

S : ukoryznenno Ρ 12 „e. jeden" vüsekogo: „einen" kogo Ρ 13 „dem 
Gekränkten und Ger." Ρ — „aufnimmt" JP 15 „denn jedes Maß" 

Ρ — „alle Wagen" SJP — „auf e. Wage" („beim Kauf"'?) na kuponi S: 
„zum Verkauf" na kupli Ρ (U) 16 „a. e. Wage" na merile: „a. e. 

Maß" na mere J 17 „und" vor „er" < Ρ — „u. mit d. Maß" < J 

18 „Gott zeigt, daß er nicht will von den Menschen Opfer noch Brand- 
opfer, sondern ein reines und zerknirschtes Herz. Einundvierzigste Ab- 
handlung" als Überschr. in Ρ — „Wer": „wenn" + Ρ — „u. bringt": „zu 
bringen" JP 19 „Herrn": „ein Opfer" + Ρ — „auch d. Herr" Ρ 

20 „ihm" < P: „nicht" + JP 



42 -Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

Herrn, so wird der Herr mehren seine Behältnisse im Reiche 
des Höchsten. Begehrt etwa der Herr Brot oder Leuchter oder & 
Rinder oder Stiere oder irgendwelche andere Opfer? Das ist * 
nichts, sondern er begehrt ein reines Herz, und mit allem dem 
5 prüft er das Herz der Menschen. 

XL VI. Höret, mein Volk, und vernehmet die Worte meines 
Mundes. Wenn jemand einem irdischen König irgendeine Gabe 
darbringt, während er etwa Untreue sinnt in seinem Herzen, 
wird nicht, es erkannt habend, der König über seine Gaben 

10 zürnen und ihn dem Gericht übergeben? Oder wenn ein Mensch 2 
einen Menschen täuscht durch Unwahrheit, mit der Zunge gut, 
aber mit dem Herzen böse, wird nicht das | Herz dies erkennen 29 v 
und er selbst in sich richten, daß es nicht ein Gericht der Ge- 
rechtigkeit ist? Und wenn der Herr das große Licht senden 3 

15 wird, in dem wird sein ein gerechtes Gericht ohne Ansehen der 
Person den Gerechten und den Ungerechten, und niemand 
wird dort verborgen bleiben. 

XLVII. Und jetzt, meine Kinder, setzet euren Sinn auf 
eure Herzen und höret die Worte eures Vaters, so viel ich 

20 euch kund tue aus dem Mund des Herrn, und nehmet 2 
diese Bücher der Handschrift eures Vaters und leset sie, 

1 Dan. 7, 27. — 4 Po. 50 (51), 12. Mt. 5, S. — 18 Hagg. 2, 15. 

1 „s. Behältnis" Ρ — „im Reich" P: „des Reiches" S 2 „oder Rin- 
der'^ Ρ 4 „Gott beg." Ρ 5 „des Menschen" Ρ 6 „Davon, daß wie ein 
irdischer König von den Menschen keine verabscheuungswerten und un- 
reinen Gaben annimmt, so am wie Adel mehr Gott unreine Gaben verab- 
scheut, sondern mit Zorn sendet er weg und nimmt seine Gaben nicht 
an. Zweiundvierzigste Abhandlung" als Überschr. in Ρ — „Höret — 
Mundes" Η- Ρ 7 „irg. Gaben" JP 8 „habend etwa Gedanken der Un- 
treue" Ρ — „während" < J 9 „es gesehen h." S — „über die Gaben" J — 
„über ihn zürnen und seine Gaben nicht annehmen und ihn zur Verurteilung 
übergeben" Ρ 11 „durch Täuschung" Ρ — „d. Unw.": „Unwahrheit" 
J — „sich gut stellt" Ρ 12 „wird — Ger. ist" Z. 14: „wird jener nicht 
erkennen die Tücke seines Herzens, und er selbst wird verurteilt werden, 
weil seine Unwahrheit (Ungerechtigkeit) allen offenbar geworden ist" Ρ 
14 „send. w. auch in die Finsternis, wird sein" viell. richtig U 15 „ger. . . 
ohne A. d. Ρ." < Ρ 18 „Henoch unterweist seine Söhne aus dem 

Mund Gottes und gibt ihnen die Handschrift dieses Buches. Dreiund- 
vierzigste Abhandlung" als Überschr. in Ρ — „Jetzt aber" Ρ 19 „und" 
< Ρ — „ich . . kund tue" < Ρ 20 „ist aus" Ρ 21 „und" < Ρ 



Längere Bedaktion: Cap. XLV, 2— XLVIII, 2. 43 

und in ihnen werdet ihr erkennen alle Werke des Herrn. 
Viele Bücher sind [waren] von Anfang der Kreatur und werden 
sein bis zum Ende der Welt; aber keine einzigen werden euch 8 
kund tun wie meine Handschrift; sie fest haltend, werdet ihr 

5 nicht dem Herrn sündigen. Denn es ist kein anderer außer dem 
Herrn, weder im Himmel, noch auf der Erde, noch im Untersten, 
noch in Einern Fundament. Der Herr hat festgestellt die Funda- 4 
mente auf dem Unbekannten und hat ausgebreitet | die Himmel 30 
auf dem Sichtbaren; die Erde hat er auf den Wassern gestellt, 

10 und das Wasser hat er gegründet auf dem nicht Feststehendem, 
er, der die unzählbare Kreatur allein gemacht. Wer hat aus- 5 
gezählt den Staub der Erde oder den Sand des Meeres oder die 
Tropfen des Regens oder den Tau der Wolken oder das Wehen 
der Winde? Wer ist, der zusammengebunden die Erde und das 

15 Meer mit unlöslichen Ketten und die Sterne aus Feuer ausgehauen 
und den Himmel geschmückt? XLVIII. Und hat gestellt in ihre 
Mitte die Sonne, daß sie wandle gemäß den sieben Kreisen des 
Himmels? Der gestellt hat einhundertzweiundachtzig Trone, 
damit sie herabgehe zum kleinen Tag, und wieder einhundert- 

20 undzweiundachtzig, damit sie herabgehe zum großen Tag, und 2 

5 Dt. 32, 39. Jes. 44, 6. 8. 45, 5. 6. 14. 18. 21 f. 46, 9. — 7 Ps. 103 (104) 
2. 135 (136), 5. 6. Jes. 40, 22. 42, 5. 44, 24. 51, 13. Sach. 12, 1. 2 Ptr. 3, 5. — 
12 Sir. 1,2. — 16 Sir. 16, 27. 

1 „und in — haltend" Z. 4: „Denn es sind viele Bücher, und in 
ihnen werdet ihr kennen lernen alle Werke des Herrn, so viel sind von 
Anfang der Kreatur (und) sein werden bis ans Ende der Welt; aber 
wenn ihr werdet meine Handschrift halten" Ρ 3 „der Welten" J 

7 „d. Fundament" S 9 „auf dem Sichtbaren und Unsichtbaren" JP — 
„und die Erde" JP — „gestellt" S(ü): „gefestigt" JP 10 „und — Fest- 
steh." < Ρ — „u. die Wasser" J 11 „er, der'• ize: „und" i Ρ — „allein" 
< JP — „Und wer hat das Wasser und das Fundament des nicht Fest- 
stehenden ausgezählt oder d. Staub d. E. und d. Sand d. Μ." Ρ 13 „der 
Wolken": „des Morgens" utrünuju P: „des Windes" vetrüniju J 14 „ist, 
der zus. gebunden" est spiel (splja J): „angefüllt" est ispolni Ρ („zus. 
gejocht" sprjagl U) 15 „in. unl. Ketten" i neraz. juzarai (jazami SJ): 

„und den unl. Winter" i neraz. zimu Ρ — „habe ich . . ausgeh." Ρ (U) 
16 „u. ich habe den H. geschmückt" Ρ — „Und" < P: wohl „welcher" 
ize mit U 17 „und die Sonne" S; „Von dem Gang der Sonne ge- 

mäß den sieben Kreisen. Vierundvierzigste Abhandlung" als Überschr. 
in Ρ 18 „Der gestellt hat": „welche sind aufgestellt" („Aufstellung" 
P) JP 19 „zum" < Ρ — „einhundertundzweiundfünfzig" Ρ — 

20 „herabgehe" süchodit: 1. „hinangehe" vüschodit 



44 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

zwei große Trone, welche sie hat, wo sie ruht, zurückkehrend 2 
hierhin und * dorthin , höher als die Trone des Mondes. Von 
dem Monat Pamovus vom siebzehnten Tag geht sie herab bis 
zum Monat Thivith, und vom siebzehnten Thivith steigt sie an. 
5 Und so geht die Sonne gemäß allen Kreisen des Himmels. Wenn 3 
sie kommt zur Erde nahe, so freut sich die Erde und läßt 
wachsen ihre Frucht; wenn sie aber hinweggeht, dann trauert 
die Erde, die Bäume aber und alle Früchte haben keine Triebe. 
Dies alles mit Maß und feinem Stundenmaß hat er festgesetzt 4 

10 als Maß durch seine Weisheit, das Sichtbare und das Unsicht- 
bare. Aus dem Unsichtbaren hat er alle Sichtbarkeit gemacht, δ 
selbst unsichtbar seiend. So verkündige ich euch, meine Kinder, 6 
•gebt die Bücher euren Kindern und in alle eure Geschlechter 
und den Verwandten. Welche verständig sind und Gott furch- 7 

15 ten, werden sie annehmen, und sie werden ihnen wohlgefälliger 
sein als alle gute Speise auf der Erde, und sie werden sie lesen 
und ihnen anhangen. Und die Unverständigen und die den g 
Herrn nicht erkennen und Gott nicht fürchten, werden sie nicht 
annehmen, sondern werden sie verwerfen und werden | beschwert 31 

20 werden von ihnen. Selig, wer ihr Joch trägt und sie herbeizieht, 9 
weil er wird losgesprochen werden am Tag des großen Gerichts. 

11 Hebr. 11, 3. — 11 Hen. 92, 1. — 15 Hen. 82, 3. 

1 „Trone hat sie" J 3 „Pamovus" (=Thamuz): „Civan"(=Sivan) JP 
4 „Thivith" (=Teveth) S, „Theved" J: „Thevan" Ρ — „und" < Ρ — „Thi- 
vith": „Theved" J•. „Thevad bis" Ρ 5 „d. Sonne— kommt"<P 9 „alles 
m. Maß": ,, alles Maß" Ρ — „feinem" drobnym S, drobnych J: „gutem"' 
dobrym Ρ — „und er hat festges." JP 11 „Aus d. Uns. und Sicht- 

baren" J — „Sichtbarkeit" videnie SJ: „das Sichtbare" oder „sichtbar" 
vidima Ρ („in Sichtbarkeit" vo videnii U) 12 „auch selbst" Ρ 

13 „und gebt" Ρ (U) — „und" vor „in" < Ρ 14 „Verw." juzniki: 

„Völker" jazyki JP — „und G. f.": „werden G. f. und" Ρ 15 „und 

sie — lesen": „und sie werden sie lieb gewinnen mehr als alle 
Speise und Güter der Erde und werden sie lesen" Ρ — „ihnen" < J — 
„das Wohlgefällige und es wird" J 17 „er wird ihnen anhangen" J — 
„Und d. Unv. und" < Ρ — „Aber („Und") die Unv." J 18 „w. s. n. 
annehmen" ne priimut ja: priimutsja Ρ 19 „w. sie verwerfen" otvrügjut 
ja: „w. verworfen werden" otvrugjutsja SJP: „und werden sie nicht an- 
nehmen, ein furchtbares Gericht wartet ihrer" + Ρ 20 „Selig der 
Mensch, der" Ρ — „es herbeiz." J 21 „w. losgespr. w." otresitsja: 
„(wie) ein Pflügender" orjusti S („es finden wird" obrjaätet e U) 



Längere Redaktion: Cap. XLVIIL 2— L, 4. 45 

XLIX. Denn ich schwöre euch, meine Kinder, aber ich schwöre 
dies nicht mit einem einzigen Eid, weder bei dem Himmel, noch 
bei der Erde, noch bei einer anderen Kreatur, die der Herr ge- 
macht hat. Denn es spricht der Herr: Nicht ist in mir Eid noch 
5 Ungerechtigkeit, sondern Wahrheit. Und wenn unter den 

. Menschen nicht ist Wahrheit, so mögen sie schwören mit dem 
Wort: Ja, ja, wenn aber, so: Nein, nein. Und ich schwöre euch: 2 
Ja, ja, daß bevor ein Mensch ward im Mutterleibe, ich habe einen 
Ort des Gerichts bereitet einer jeden Seele und ein Maß und 

IQ eine Wage, so viel er leben wird in diesem Aeon, damit in ihm 
geprüft werde der Mensch. Ja, Kinder, täuscht euch nicht, dort 
ist zuvor bereitet ein Ort einer jeden menschlichen Seele. 

L. Ich habe das Werk eines jeden j Menschen in einer 31 1 
Schrift niedergelegt, und keiner kann sich verbergen, der auf 

15 der Erde geboren, noch wird sein Werk verborgen bleiben. 
Ich sehe alles wie in einem Spiegel. Jetzt nun, meine Kinder, 2 
in Geduld und Sanftmut verweilet die Zahl eurer Tage, auf daß 
ihr den endlosen "Aeon ererbet, der der letzte sein wird. Jeden 3 
Schlag und jede Wunde und Glut und jedes böse Wort, wenn 

20 auf euch kommt Anfechtung (Unfall) und Wunde um des Herrn 
willen, erduldet das alles um des Herrn willen. Und vermögend 4 
hundertfältige Vergeltung zu vergelten, vergeltet weder den 

2 Mt. 5, 34f. — 14 Hen. 9, δ. — 16 (vgl. 1 Cor. 13, 12). — 17 (Lc. 
21, 19). — 17 Sir. 2, 4. 1 Ptr. 2, 19. 

1 „Henoch unterweist seine Söhne, nicht zu schwören, weder bei 
dem Himmel, noch bei der Erde, und er zeigt die Verheißerin Gottes 
noch im Mutterleibe. Fünfundvierzigste Abhandlung" als Überschr. in 
P — „Denn"<P 8 „d. Herr": „Gott" Ρ 4 „Nicht ist"<SJ δ „Und" 
< Ρ 7 „Ich aber" Ρ 8 „ich habe . . e. jed. Seele": „ist . . bereitet zur ~ 
Euhe jener Seele" Ρ 9 „des Gerichts" sudnoe mit U : „e. jeden" po 
edinomu SJP — „u. e. Wage" i stavilo: „ist aufgestellt" ustavlenno Ρ 
10 „er leben wird": „er will" Ρ 11 „denn dort" Ρ 13 „Davon, wie 
kein auf der Erde Geborener sich verbergen kann, noch sein Werk ver- 
borgen bleiben; sondern er gebietet sanftmütig zu sein, Anfechtungen 
und Schmähungen zu dulden, Witwen und Waisen nicht zu kränken. 
Sechsundvierzigste Abhandlung" als Überschr. in Ρ — „in Schriften" J 
15 „können seine Werke" Ρ 16 „wie in e. Spiegel" < Ρ 17 „ver- 
weilet" prebudeteS: „verbringt" pro vozdajte S 18 „die endl. Aeonen" 
J — „der d. letzte (posledni) s. wird" < P: „die die letzten (poslednici) 
9. werden" J 19 „und" < Ρ — „u. Glut" i ζ noj mit U: izgonit S: < 
Ρ — „wenn — alles": „u. Anfechtungen erd." Ρ 21 „Wenn auf euch 

kommen böse Vergeltungen" Ρ 22 „und vergeltet" S 



46 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

Nahen noch den Fernen; weil der Herr vergeltend ist, und er 
wird euch ein Rächer sein am Tag des großen Gerichts, auf daß 
ihr nicht werdet allhier von Menschen gerächt, sondern dort 
von dem Herrn. Ein jeder von euch möge sein Gold und Silber 5 
5 verderben um des Bruders willen, damit er empfange einen 
vollen Schatz in [ jenem Aeon. 32 

LI. Der Waise und der Witwe und dem Fremdling reichet 
dar eure Hände entsprechend eurer Kraft. Verberget nicht euer 2 
Silber in der Erde. Helft dem Elenden in der Trübsal, und 

10 nicht wird euch finden Trübsal in euren Schatzkammern und 
zu der Zeit eurer Arbeit. Ein jedes drückende und schwere 3 
Joch, wenn es auf euch kommt, um des Herrn willen traget es 
alles und löset es, und so werdet ihr euren Lohn finden am Tag 
des Gerichts. — Des Morgens und Mittags und Abends ist es * 

15 gut in den Tempel des Herrn zu gehen, um zu preisen den 
Schöpfer des Alls. Denn es wird ihn preisen jedes Atmen, und 3 
es lobt alle Kreatur die sichtbare und die unsichtbare. 

LH. Selig der Mensch, der auftut seinen Mund zum Lob des 
Gottes Sabaoth und lobt den Herrn mit seinem ganzen Herzen. 

20 Verflucht, wer auftut seinen Mund zur Schmähung | des Armen 2 32 v 

1 Dt. 32, 35. Sir. 28, 1. 2. Lc. 14, 14. Eöm. 12, 17. 19 (1 Th. 5, 15. 1 Ptr. 
3, 9). — 4 Prov. 19, 17. Sir. 29, 10. Lc 6, 38. — 7 Sach. 7, 10. Sir. 7, 32. 
14, 13. 29, 20. Orac. Sibyll. Π, 75. 88. — 8 Sir. 29, 10. 4, 4. — 11 Sir. 2, 4. 
1 Ptr. 2, 19. 3, 14. — 14 Ps. 54 (55), 17. Dan. 6, 10. — 16 Ps. 150, 6. — 
20 Sap. 1, 11. 

1 „n. d. F.": „noch dem Feind" Ρ — „ist und" < Ρ 3 „son- 

dern -Herrn" < Ρ 4 „möge . . erschöpfen" Ρ — „sein" < JP 7 „Die 
Waisen u. die Witwen u. den Fremdling kränket nicht, damit nicht der 
Zorn Gottes komme auf euch. Eeichet dar" Ρ — „Henoch lehrt seine 
Söhne, daß sie nicht verbergen sollen Schätze in die Erde, sondern er 
gebietet Almosen zu geben den Armen. Siebenundvierzigste Abhand- 
lung" als Überschr. in Ρ 8 „Hände": „den Armen" + Ρ — „Verberget— 
Erde"< S 9 „Elenden" bednomu mit U: „Gläubigen" vernomu SJP 
10 „werden euch finden" SP — „in e. Seh. u." < Ρ (ü) 11 „Und 

ein" Ρ 12 „traget": „duldet" Ρ 13 „u. löset es" < Ρ - „werdet - 
finden" obrjastete: obresteja S 15 „um zu preisen" mit U: „wegen des 
Preises (eines Schöpfers)" P: < J: „wegen" < S 18 „Gott lehrt seine 
Gläubigen, wie^sie sollen seinen Namen loben. Achtundvierzigste Ab- 
handlung" als Überschr. in Ρ — „des Gottes Sabaoth" + Ρ 19 „gan- 
zen" < Ρ 20 „Verfl. ein jeder Mensch" Ρ — „a. Mund": „s. Herz" S — 
„Schmähung": „und schmähend" S — „den Armen" S: < Ρ (J?) 



Längere Redaktion: Cap. L, 4— LII1, 2. 47 

und lästernd den Nächsten. Selig, wer auftut seinen Mund be- Β 
nedeiend und lobend Gott. Verflucht, wer auftut seinen Mund 4 
zu Flüchen und zur Lästerung vor dem Angesicht des Herrn 
alle seine Tage. Selig, wer benedeit alle Werke des Herrn; 5 

5 verflucht, . wer schmäht alle Kreaturen des Herrn. Selig, wer 6 
ausschaut aufzurichten die Arbeiten seiner Hände; verflucht, wer 8 
ausschaut zu vertilgen fremde. Selig, wer bewahrt die Funda- 9 
mente seiner Väter von Anbeginn; verflucht, wer verdirbt die 10 
Festsetzungen seiner Vorfahren und Väter. Selig, wer pflanzt 11 

10 Frieden und Liebe; verflucht, wer verstört die durch Liebe Fried- 12 
fertigen. Selig, wer, wenn er auch nicht mit der Zunge spricht 13 
Frieden, und in seinem Herzen ist Friede gegen alle. Verflucht, 14 
wer mit seiner | Zunge spricht Friede, aber in seinem Herzen 33 
ist ihm kein Friede. — Alles dies wird in Maßen und in Büchern 15 

15 dargetan am Tag des großen Gerichts. 

LII1. Jetzt nun, meine Kinder, wollet nicht sagen: Unser 
Vater ist bei Gott und steht vor (ihm) für uns, er wird uns los- 
bitten von Sünden. Es ist daselbst ein Helfer keinem einzigen 
Menschen, der gesündigt hat. Sehet, daß alle Werke eines ^ 

20 jeden Menschen ich aufgeschrieben habe, bevor sie getan, 

3 Sir. 23, 11. 13. — 7 Prov. 22, 28. Hen. 99, 14. — 9 Mt. 5, 9. — 

13 Ps. 27 (28), 3. 54 (55), 22. 61 (62), 5. 

1 „zur Lästerung (Verleumdung) des N., denn er schmäht Gott" Ρ 
— „und bened." S 3 „zu Lästerungen" Ρ 5 „alle" < Ρ — 

„Kreatur" JP 6 „ausschaut — seiner Hände" vgl. U — „aufzur. 

die Gefallenen" Ρ 7 „ausschaut und eifrig ist" Ρ 8 „ν. Anbe- 

ginn": „welche festgestellt sind" + Ρ — „verdirbt" raskazaet: „zer- 
stört" razvraätaet Ρ 9 „u. Väter" < Ρ 10 „der Liebe" S — „d. 
L. Friedf.": „die sich ihrer Nächsten Erbarmenden" Ρ 11 „wer— 
gegen alle" Z. 12: „mit der Zunge spricht und mit friedfertigem Herzen 
zu allen" Ρ — „m. seiner Zunge" J 12 „und": „aber" J 13 „seiner" 
< Ρ — „seinem . . ihm" < Ρ 14 „Friede": „sondern Schwert" + Ρ 

14 „Denn dies alles" Ρ 16 „Daß wir nicht sagen: Unser Vater ist 
vor Gott, er wird für uns einstehen am Tage des Gerichts. Denn dort, 
wissen wir, vermag. nicht der Vater dem Sohn zu helfen, noch der Sohn 
dem Vater. Neunundvierzigste Abhandlung" als Überschr. in Ρ 
17 „und" < Ρ — „f. uns — Sünden": „und er wird Fürbitte tun für 
unsere Sünden" Ρ 18 „von unseren Sünden" J — „Denn es ist" Ρ 
20 „getan" sütvorenna S: „seinem Tun" tvorenija ego P, „dem Tun" 
sütvorenia J 



48 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

und ich schreibe auf, was getan wird unter allen Menschen bis zur 
Ewigkeit. Und niemand kann vernichten das mit meiner Hand Ge- 3 
schriebene, weil der Herr alles sieht, auch die Gedanken der 
bösen Menschen, wie sie sind eitle, wo sie liegen in den Schatz- 

5 kammern der Herzen. Jetzt nun, meine Kinder, höret alle Worte 4 
eures Vaters, so viel ich zu euch redend, damit ihr nicht trauert 
sprechend: | Warum hat unser Vater nicht uns gezeigt zu jener 33 v 
Zeit diesen unseren Unverstand? LIV. Es sollen sein zum Erbe 
eurer Euhe die Bücher, die ich euch gegeben, verberget sie 

10 nicht, allen, die wollen, zeiget sie, damit sie kennen lernen die 
sehr wunderbaren Werke des Herrn. — LV. Denn siehe, meine 
Kinder, es ist genaht der Tag meines Termins und die mir be- 
stimmte Zeit steht da und nötigt mich zu meinem Weggang, und 
die Engel, welche mit mir gehen wollen, stehen auf der Erde, 

15 erwartend das ihnen Gesagte. Ich werde morgen hinaufgehen 2 
in den höchsten Himmel, in mein ewiges Erbe. Deswegen ge- 3 
biete ich euch, meine Kinder, daß ihr tut alles Wohlgefällige 
vor dem Angesicht des Herrn. 

LVI. Es antwortete Methusalam seinem Vater Henoch und 

20 sprach: Was ist dir gefällig, deinen Augen, Vater, so wollen 

3 Ps. 93 (94), 11. — 11 Ps. 138 (139), 14. — 16 (Gal. 4, 26). 

1 „u. ich sehr, auf" < Ρ — „was man tut" J 2 „vernichten" 

raskazitl•. „zeigen oder erzählen" skazati ili raskazati Ρ 3 „alles— Men- 
schen": „sieht alle Gedanken der Menschen" Ρ — „alles" < J — „auch . . 
d. bös. Menschen" < Ρ 4 „Menschen"< J 6 „rede" Ρ 7 („zu":) „Henoch 
unterweist seine Söhne, daß sie die Bücher auch anderen geben. Fünf- 
zigste Abhandlung" als Überschr. in Ρ 8 „unseren" < Ρ — „Es soll 
sein" JP 9 „verb. . . nicht" ne potaite: „gebt" podavajte Ρ (ab. vgl. U) 
10 „zeiget" skaziti: „und unterweiset" i nakaziti Ρ — „kennen lernen": 
„sehen" Ρ 11 „sehr groß wund." Ρ — „Dieses zeigt Henoch seinen 
Söhnen und mit Weinen zu ihnen redend: Meine Kinder, es ist genaht 
mir die Stunde hinaufzugehen in den Himmel. Siehe die Engel stehen 
vor mir. Einundfünfzigste Abhandlung" als Überschr. in Ρ — „Meine 
Kinder, s. nun" Ρ 12 „meines" + Ρ — „mir bestimmte" < Ρ 

13 „denn sie stehen da und nötigen" Ρ — „und" < S — „Weggang 
von euch" Ρ — „und" < Ρ 14 „der Engel, welcher soll m. mir 

gehen, steht" J — „jene nun stehen" Ρ 15 „erwartend": Plural auch 
i n j _ „Denn ich" Ρ 16 „in d. Himmel, in das höchste Jerusalem" Ρ 
17 „m. K." < Ρ — „zu tun" Ρ 19 „Meth. erbittet vom Vater den Segen, 
damit er ihm bereite Speise des Essens. Zweiundfünfzigste Abhandlung" 
als Überschr. in Ρ — „und" < S 20 „Vater": „Henoch" S 



Längere Eedaktion: Cap. LEI, 2— L VIII, 2. 49 

wir Speise bereiten vor | deinem Angesicht, damit dn segnest unsere 34 
Häuser und deine Söhne und alle deine Hausangehörigen, und 
dein Volk verherrlicht werde über dir, und so du hernach hin- 
weggehest, wie es dem Herrn gefällig ist? Es antwortete Henoch 2 

5 seinem Sohn Methusalam und sprach: Höre, mein Kind, von da 
an, daß mich gesalbt hat der Herr mit der Salbe seiner Herr- 
lichkeit, ward Speise nicht in mir, und ist irdischer Süßigkeit 
nicht eingedenk meine Seele, noch verlangt mich nach irgend 
etwas Irdischem. 

10 LVII. Aber, mein Kind Methusalam, rufe deine Brüder und 

alle Kinder eures Hauses und die Altesten des Volks, damit ich 
zu ihnen rede und hinweggehe, wie mir vorliegt. — Es eilte Methu- 2 
salam und rief herbei seine Brüder Kegim und Riman und Uchan 
und Chermion und Gaidad und alle Altesten des Volks, und er 

15 rief sie herbei vor das Angesicht seines Vaters Henoch. Und 
sie beteten an vor seinem Angesicht. | Und Henoch schaute auf 34 v 
sie und segnete sie und sprach zu ihnen redend: LVIII. Höret 
mich, meine Kinder, heute, in jenen Tagen kam um eures Vaters 
Adam willen herab der Herr auf die Erde, und zu besuchen alle 

20 seine Kreaturen, die er selbst gemacht hatte in den früheren 
Tausend des Aeons, und als er nach diesen allen den Adam ge- 
macht hatte. Und es rief herbei der Herr alle Tiere der Erde 2 
und alle Reptile der Erde und alle Vögel, die in der Luft fliegen, 
und brachte alle vor das Angesicht unseres Vaters Adam, 

10 Hen. 91, 1. — 22 Gen. 1, 28. 2, 19 f. Sir. 17, 4. 

1 „bereite ich" Ρ — „Speise" < Ρ — „und damit" Ρ 2 „und a. 
d. H."<P 3 „dein"<S 4 „wie der Herr geredet" Ρ 5 „Methu- 
salam" + Ρ — „und" < Ρ — „mein" < Ρ 7 „ward . . nicht" < JP — 
„ward . . n. einged." J 10 „Henoch gebot seinem Sohne Methusalam, 
alle seine Brüder zu rufen. Dreiundfiinfzigste Abhandlung" als Überschr. 
in Ρ — „Aber" < Ρ — „in. K. Meth." + Ρ — „alle deine" Ρ 12 „Und 
es" Ρ 13 „und" vor ßiman, Oherm. u. Gaid. < Ρ — „Ariim" „Achazu- 
chan" „Oharimion" ü 14 „u. Gaidad" < U — „und er r. sie h." < Ρ 
15 „Und— auf sie" < Ρ 16 „er betete an" J 17 „und" vor „sprach" 

< Ρ — „redend" < Ρ — „Unterweisung Henochs an seine Söhne. 
Vierundfünfzigste Abhandlung" als Überschr. in Ρ 18 „mich, meine . . 
heute" -f- Ρ — „an dem Tag" J — „jenen" < S — „als herabkam" Ρ — 
„e. Vaters" < Ρ 19 „und" < S 20 „Kreatur" JP — „in— Aeons" 

< Ρ — „vor dem Tausend des Aeons" J 21 „als" < Ρ 23 „der 
Erde" < Ρ -^ „die . . fliegen" parjaäteju: „gefiederten" pernatyja U 

T. u. U. '22: Bonwetsch. 4 



50 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

damit er Namen nenne allen Vierfüßlern. Und er nannte Namen 
allen auf der Erde Lebenden. Und es setzte ihn der Herr zum König 3 
über alle und unterwarf ihm alles zum Untertansein und machte 
sie stumm und machte sie taub („gering"?) zum Gehorsam und 
5 zu allem Gehorchen, so auch jedem Menschen. Der Herr machte 
den Menschen zum Herrn seinem ganzen | Besitz. Und der Herr 4 
richtet keine einzige Seele eines Tiers wegen des Menschen, son- 
dern er richtet die Seelen der Menschen wegen der Seelen der 
Tiere im großen Aeon. Denn ein besonderer Ort ist den Men- 5 

10 sehen, und wie ist aller Seelen der Menschen nach der Zahl, so 
auch der Tiere, und nicht eine einzige Seele kommt um, die der 
Herr gemacht hat, bis zum großen Gericht. Und alle Seelen der 6 
Tiere klagen den Menschen an, der sie schlecht weidet. 

LIX. Wer frevelt an den Seelen der Tiere, frevelt an seiner 

15 eigenen Seele. Weil der Mensch herzuführt von reinen Tieren 2 
und ein Opfer macht, damit er habe Heilung seiner Seele, und 
darbringend zum Opfer von reinen Tieren und Vögeln, und ist 
Heilung dem Menschen, er heilt seine Seele. — Alles, was euch 3 
zur Speise gegeben ist, bindet es an den vier Füßen, das ist 

20 Heilung, gut handelt er, er heilt seine Seele. Wer tötet irgend 4 
ein Tier ohne Wunde, der ist tötend seine eigene Seele und 
frevelt an seinem eigenen Fleisch. Wer irgend einen Schaden δ 
(„Frevel") antut jedwedem Tier im Verborgenen, es ist ein Frevel, 
1 „ damit — Vierf." < Ρ — „nenne": „sage" J — „und es nannte 
Adam" Ρ — „Namen" -f- Ρ 2 „ζ. König" < J 3 „z. Untertans." : 
„unter seine Hand" Ρ 4 „in. . . taub („gering")" oglusi, reddidit surda 
Sok — „und" < J — „z. Geh. (na povinovenie) u. zu a. Geh.": „z. Be- 
fehl des Geh. u. zu allem Gehorchen" J, „z. Befehl u. zum Gehorsam und 
zum Gehorchen" Ρ 5 „dem Menschen. So auch jeden M. machte d. 
Herr zum" Ρ — „auch" < J 6 „Der Herr aber" Ρ 8 „d. Seelen d. 
T.": „der der Τ." Ρ 9 „in diesem Aeon" Ρ 10 „und" < Ρ — „jede 
Seele der Menschen" Ρ — „aller" < J — „so kommen die Tiere nicht 
um, und alle Seelen der Tiere" Ρ 12 „Und— der Tiere" < Ρ — 

„jede Seele . . klagt an" J 13 „wenn er" Ρ 14 „Es unterweist 

Henoch alle Söhne, weswegen sie nicht sollen berühren Einder wegen 
des Ausflusses. FünfundfÜDfzigte AbhandluDg" als Überschr. in Ρ 
16 „und — macht" •. „zu machen ein Opfer der Sünde halber" JP — „u. 
wenn man darbringt" P, „u. bringt sie dai" J 17 „Tieren und" < S 
18 „Heilung" iscelenie: „Samen" semenieS — „und erheilt" J — „Alles, was" 
vse eze: „Alles aber" vse ze Ρ 19 „es" < Ρ 20 „handelt er": „es ist Hei- 
lung" + S — „Aber wer" Ρ — „irgend ein" < Ρ 21 „ohne Fessel" S — 
„der— Seele" < J — „der tötet" Ρ 22 „Und wer" Ρ 23 „und er frevelt" JP 



Längere Bedaktion: Cap.,LVIII, 2 — LXI, 4 51 

er frevelt an seiner eigenen Seele. LX. Wer Schaden antut der 
Seele eines Menschen, tut Schaden an seiner eigenen Seele, und 
nicht ist ihm Heilung seines Fleisches, noch Vergehung in Ewig- 
keit. Wer einen Mord vollbringt an der Seele eines Menschen, 2 

5 tötet seine eigene Seele und erschlägt seinen eigenen Leib, und 
nicht ist ihm Heilung in Ewigkeit. Der, welcher einen Menschen 3 
in irgend eine Schlinge verschließt, wird selbst in sie gefangen 
werden, und nicht ist ihm Heilung in Ewigkeit. Der, welcher 4 
einen Menschen in ein Gericht verschließt, nicht wird mangeln 

10 seine Eache im großen Gericht in Ewigkeit. Wer verkehrt 5 
handelt oder etwas redet gegen jede Seele, Gerechtigkeit wird 
ihm nicht bereitet in Ewigkeit. | — LXI. Jetzt nun, meine Kinder, 36 
bewahret eure Herzen vor jeder Ungerechtigkeit, welche der 
Herr haßt. Wie ein Mensch erbittet seiner eigenen Seele von Gott, 

15 so soll er tun jeder lebenden Seele. Denn in dem großen Aeon — 
ich weiß alles — sind viele Behältnisse bereitet den Menschen, den 2 
Guten gute, den Bösen aber böse, viele ohne Zahl. Selig, wer 3 
in die guten Häuser eintritt, denn in den bösen ist keine Ruhe, 
noch Wiederkehr. — Höret, meine Kinder, kleine und große! i 

20 Wenn ein Mensch Worte in seinem Herzen setzt, zu bringen Gaben 
vor das Angesicht des Herrn von seinen Arbeiten, und seine 

6 Ps. 7, 16. 34 (35), 8. Prov. 26, 27. 28, 10. Eccl. 10, 8. Sir. 27, 29. — 
10 Ps. 100 (101), 4. — 13 Sir. 15, 13. Mt. 7, 12. Lc. 6, 31. — 16 Sir. 39, 25. 
Jon. 14, 2. Hen. 39, 4. 7. 8. 41, 2. 

1 „Schäden" S 3 „seines" < Ρ 6 „w. . . verschließt" „w. . . ver- 
strickt" (vrejaj U) vareej S: ,,w. . . hineinlegt" vlagajaj Ρ 7 „in sie" < 
J — «gef. w." vüveznet: vüneznet J 8 ,,w. . . verschl." vareej S, 
vreja U: „w. . . hineinlegt" vlagajaj Ρ 9 „irgend ein" Ρ — 

„Gericht" sud: „ein Gefäß" sosud Ρ 11 „etwas redet" cto 

gljt J, „etwas redend" cto glja S, „Böses redet" slovyt zlo Ρ — 
„bereitet er sich nicht" Ρ 12 „Henoch unterweist seine Söhne, sich 
zu hüten vor Ungerechtigkeit und die Hände den Armen auszustrecken, 
oft von seinen Arbeiten ihnen zu geben. Siebenundfünfzigste Abhand- 
lung" als Überschrift in Ρ 13 „vor allem ÜDgerechten" S, „vor 
jeder ungerechten Handlung" J 14 „und von Gott" S 15 „gr. 
Aeon" vece velicem: velice velicei J 16 „daß sind" Ρ — „dem Men- 
schen" S 17 „den G. ein gutes, den B. aber ein böses" SJ 
— welche . . eintreten" Ρ 18 „denn" < SJ 19 „n. Wiederkehr" ni 
vüzvraätenia: süravneetsja -j- J: „noch Umkehr" ni obrastenija U — 
„meine" + Ρ 20 „Worte („ein Wort" U): „einen guten Gedanken" Ρ — 
„bringt" Ρ 

4* 



52 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

Hände vollbringen es nicht, dann wird der Herr abwenden sein 
Angesicht von der Arbeit seiner | Hände, und nicht vermag er 36 v 
zu finden die Arbeit seiner Hände. Wenn aber seine Hände es 5 
vollbringen, und sein Herz murrt, nicht aufhört der Schmerz 

5 seines Herzens, es unaufhörlich Murren übt, so hat er auch nicht 
einen einzigen Erfolg. 

LXII. Selig ist der Mensch, welcher in seiner Geduld Gaben 
bringt vor das Angesicht des Herrn und sie vollbringt, weil 
dieser wird Vergebung der Sünden finden. Wenn er aber vor 

10 der Zeit zurückgibt sein Wort, ist ihm keine Reue („Buße"). 
Wenn aber vorübergeht die bestimmte Zeit, und er vollbringt, 
nicht wird er wohlgefällig sein, nicht ist Reue nach dem Tode; 
weil jedes Werk, welches vor der Zeit und nach der Zeit der 
Mensch tut, ganz ein Ärgernis | ist vor den Menschen, aber vor 37 

15 Gott Sünde. 

LXIII. Wenn ein Mensch den Nackenden kleidet und dem 
Hungernden gibt sein Brot, der wird Vergeltung von Gott finden. 2 
Wenn aber sein Herz murrt, bereitet er ein zweifach Böses, sich 
Vernichtung und dem, was er gibt, und nicht wird ihm ein 

20 Finden der Vergeltung dem gegenüber. Und der Arme, wenn 3 
sein Herz gesättigt wird oder sein Fleisch bekleidet wird und 
er Hochmut übt, der verdirbt alles Dulden seiner Armut und 
nicht wird er finden Vergeltung des Gutestuns, weil verabscheut 4 

4 Sir. 32 (35), 10 f. 2 Cor. 9, 7. — 16 Ezech 18, 7. Jes. 58, 7. — 18 -Dt. 
15, 10. — 22 Prov. 6, 16 f. (Ps. 17 (18), 28. 100 (101), 5). 

2 „und nicht — Hände" zweimal in 'S (J?) 4 „d. Schmerz" < Ρ 
7 „Davon, wie es sich gehört, seine Gabe darzubringen mit Glauben, 
und wie nicht ist eine Reue nach dem Tode. Achtundfünfzigste Ab- 
handlung" als Überschr. in Ρ — „seine Gabe mit Glauben" Ρ 8 „u. 
sie vollbringt" < Ρ — „weil" < SJ 9 „wird sie, Verg." J — „vor 

d. Zeiten" J 10 „seine Worte" Ρ 11 „bestimmte": „genannte" Ρ — 
„Zeit — vollbringt" < J — „α. er vollbringt" < Ρ 12 „und nicht ist" J 
13 „u. nach d. Zeit" <P 15 „ist es Sünde" Ρ 16 „Davon, daß 

nicht die Armen zu verachten, sondern ihnen eifrig („treulich" rovno) zu 
geben, damit nicht wider dich gemurrt werde vor Gott. Neunundfünfzigste 
Abhandlung" als Überschr. in Ρ — „die Nackenden" Ρ — „oder dem 
Hung." J — „die Hung. sättigt" Ρ 17 „der" < Ρ — „von Gott" + Ρ 
19 „ber. er Vern." S — „und" 2 < Ρ 20 „d. Arme, wenn" niStii egda•. 
„seine Speise, damit" piäta ego da Ρ 21 „bekl. w.": „Bekleidung" 
Ρ — „und" < Ρ 23 „weil" zane: za Ρ 



Längere Redaktion: Cap. LXI, 4— LXIV, 5. 53 

von dem Herrn ein jeder hochmütige Mensch und jeder sich er- 
hebende Mann. Und jedes lügnerische Wort ist mit Ungerechtig- 
keit geschärft und mit der Schärfe eines tödlichen Schwertes 
ist es ausgeschnitten, und dies Auschneiden hat keine Heilung | 
5 in Ewigkeit. 37 v 

LXIV". Und als Henoch diese Worte zu seinen Söhnen 
gesprochen hatte und zu den Fürsten des Volkes, [und] hörte 
alles Volk, die Nahen und die Fernen, daß der Herr Henoch 
ruft, und sie beschlossen sprechend: Gehen wir und küssen wir 2 

10 Henoch. Und es kamen herab bis zu zweitausend Mann und 
kamen an den Ort Achuzan, wo Henoch daselbst war und seine 3 
Söhne. Und es kamen die Ältesten des Volks und die ganze 
Versammlung und beteten an und küßten den Henoch und sprachen 
zu ihm: Unser Vater Henoch, sei du benedeit dem Herrn, dem 4. 

15 ewigen König. Jetzt segne deine Söhne und alles Volk, damit 
wir verherrlicht werden vor deinem Angesicht heute, weil du 5 
verherrlicht wirst vor dem Angesicht des Herrn in Ewigkeit; 
denn dich hat der Herr erwählt mehr als alle Menschen auf der 
Erde und dich gesetzt zum Aufschreibenden seiner Kreaturen, 

20 der sichtbaren und der unsichtbaren, und zum Wegnehmer | 
der Sünden der Menschen und zum Helfer deiner Haus- 38 
kinder. 

Henoch erwiderte seinem Volk, zu ihnen allen spre- 
chend: 

20 Jon. 1, 29. — 

1 „sich erhebende" velicav S: „großsprecherige" velereciv Ρ 
2 „Mann" < Ρ — „ist auch" Ρ 3 „geschärft" obostreno: „umgehen" 
„angetan" oblozeno Ρ 4 „u. dies — Ewigkeit": „und ins Feuer ge- 

worfen und brennt in Ewigkeit" Ρ 6 „Davon, wie der Herr den He- 
noch ruft; das Volk aber beschloß, zu gehen, ihn zu küssen an dem Ort 
genannt Achuzan. Sechzigste Abhandlung" als Überschr. in Ρ — 
„Und" < Ρ — „diese Worte" + P 7 „und— und" < Ρ 8 „alles 
sein Volk" S — „Fernen u. d. Nahen'' Ρ 9 „und . . sprechend" 

< Ρ — „und" < Ρ 10 „bis zu" < Ρ 11 „Azuchan" U — „da- 
selbst" < Ρ 15 „Und jetzt" Ρ — „Söhne" < J 16 „vor deinem 
Anges." J 17 „in Ewigk." < J 18 „mehr— Hauskinder" Z. 21: 
„zum Ankündiger, wegzunehmen unsere Sünden" U 19 „gesetzt" 
postavi: „gelassen" ostavi Ρ 23 „Und Henoch" Ρ — „ihnen" < Ρ — 
„sprach er" J 



54 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

LXV. Höret, meine Kinder, bevor, daß alles ward, und be- 
vor, daß geschaffen ward alle Kreatur, machte der Herr alle 
seine Kreatur, die sichtbare und die unsichtbare. Wie viele 2 
Zeiten waren und vorübergingen, — erkennet, daß nach diesem 
5 allem er den Menschen erschuf zu seinem Bilde und Ähnlichkeit; 
und er setzte ihm ein Augen zu sehen und Ohren zu hören und 
das Herz zu sinnen und die Vernunft Rat zu halten. Und es 3 
löste der Herr den Aeon auf um des Menschen willen und machte 
alle Kreatur um seinetwillen und teilte in Zeiten, und von den 

10 Zeiten ordnete er Jahre, und von den Jahren setzte er Monate, 
und von den Monaten setzte er Tage und der Tage setzte er | 38 v 
sieben; und in diesen setzte er Stunden, und die Stunden teilte 4 
er genau ein; damit der Mensch erwäge die Zeiten und damit 
er zähle die Jahre und die Monate und Tage und Stunden und 

Ιό die Veränderungen und die Anfänge und die Enden, und damit 
er zähle sein Leben von Anbeginn und bis zum Tod, und damit 
er bedenke seine Sünde, und damit er schreibe sein Werk, das 
böse und das gute; da jedes Werk nicht verborgen ist vor dem 5 
Herrn, damit ein jeder Mensch wisse seine Werke, und damit 

20 niemand übertrete alle seine Gebote, und damit er meine Hand- 
schrift halte fest von Geschlecht zu Geschlecht. — Wenn enden 6 
wird alle Kreatur, die sichtbare und die unsichtbare, welche der 
Herr geschaffen hat, a]sdann geht ein jeder Mensch in das 
große Gericht des Herrn. Alsdann werden vernichtet werden 7 

2 Gen. 1, 1. 2 ff. — 5 Gen.l, 27. Sir. 17, 3. 6. 7. — 11 Sap. 7, 18 f. 

1 „Von der Unterweisung Henochs seiner Söhne. Einundsechziste 
Abhandlung" als Überschrift in Ρ — „alles — bev. daß" < Ρ 2 „m. d. 

Herr": „setzte der Herr den Aeon der Schöpfung, und hernach machte er" 
richtig U — „alle — unsichtbare": „alles Sichtbare und Unsichtbare" Ρ 
4 „waren und (< J)" JP: „gewesen" S — „nach (diesen)" P: „wegen 
(dieser)" J: < S 5 „und Ähnl.": „nach der Ahnl."'P 7 „u. d. 

V.": „mit der Vera." Ρ — „Und" J („Alsdann" U) : < SP 8 „löste" 
(„teilte'?) izjreäi SJ: (razresi U): „und es schaute" i zrjaSe Ρ — „den 
Aeon — willen" vek clka dela: „alle Werke der Menschen" vsja dela 
clca P; „Werke jedem Menschen" vüsekomu clku dela J 9 „Kr. um 
s.": „seine Kreatur" Ρ — „und" 2 < Ρ 10 „in Jahre" S 11 „setzte er" 
vor „Tage" < S 12 „u. d. Stunden" < Ρ 14 „u. Tage" < Ρ 

15 „Veränderung" Ρ 17 „seiner Sünden" J 20 „niemand" niktoze: 
„er niemals" nikogda Ρ 22 „welche" jaze: „wie" jakoze P. 24 „des 
Herrn" < Ρ — „Und alsd." Ρ 



Längere Redaktion: Cap. LXV, 1-LXVI, 3. 55 

die Zeiten, und Jahre werden fortan nicht sein, noch | Monate, noch 89 
Tage, noch Stunden; sie werden aufgelöst und fortan werden 8 
sie nicht gerechnet, sondern es beginnt der Eine Aeon. Und alle 
Gerechte, welche entfliehen werden dem großen Gericht des 
5 Herrn, werden vereinigt werden in dem großen Aeon. Und der 
große Aeon der Gerechten beginnt, und sie werden ewige sein. 
Und fortan wird sein unter ihnen weder Arbeit (Mühsal), noch 9 , 
Schmerz, noch Leid, noch Harren, noch Not, noch Gewalttat, 
noch Nacht, noch Finsternis, sondern das große Licht wird ihnen 

10 (immerdar) sein (und) eine große, unzerstörbare Mauer und das 
große und unverwesliche Paradies; denn alles Verwesliche wird 
vorübergehen, aber das Unverwesliche wird kommen, und es 
wird sein ein Obdach einer ewigen Wohnung. 

LXVI. Jetzt nun, meine Kinder, bewahret eure Seelen von 

15 jeder Ungerechtigkeit, welche der Herr haßt, und vor seinem 
Angesicht wandelt mit Furcht | und Zittern und ihm allein dienet. 39 v 
Den wahren Gott betet an, nicht die stummen Götzen, | sondern 2 
sein Gepräge betet an. Und jedes gerechte Opfer bringet vor 
das Angesicht des Herrn, aber das ungerechte haßt der Herr. 

20 Denn alles sieht der Herr, was ein Mensch gedenkt in seinem 3 
Herzen, und was ihn die Vernunft berät, denn ein jeder Gedanke 

7 Apoc. 21, 4. — 15 Sir. 15, 13. Dt. 10, 12. 20. Phil. 2, 12. — 

20 1 Chron. 28, 9. Ps. 93 (94), 11. 

1 „alle Zeiten" Ρ — „und werden" Ρ — „noch T.": „und 
Tage" S 2 „und Stunden" S — „s. w. aufgelöst" (dissipabuntur Sok) 
rasipljatsja S, rasypletsja J: „wird hinzugetan" prilepitsja (κολλάσ&αι 
Ρ: < U 3 „sond. es beg." nu vüstanet, nu stanet J (U): „es) 

beg." nastanet Ρ δ „Und" < Ρ 6 „als ewige leben" Ρ 7 „noch 
Schmerz" <J 8 „noch Not" ni nuzdy P: nuzjdna SJ 9 „und 

es wird i." Ρ 10 „immerdar . . und" -f- mit U — „Mauer" stena: „Lich- 
tes"sveta J 11 „große" (auch U): „helle" Ρ 12 „aber— Wohnung": „und 
es wird das ewige Leben sein" Ρ 14 „Es lehrt Henoch seine Söhne und 
alle Ältesten des Volkes, wie sie sollen mit Furcht und Zittern wandeln 
vor dem Herrn und ihm allein dienen, und nicht die Götzen anbeten, son- 
dern den Gott, welcher Himmel und Erde gemacht hat und alle Krea- 
tur und („zu"?) seinem Gegenbild. Zweiundsechzigste Abhandlung" als 
Überschr. in Ρ 15 „und" < Ρ 16 „und Zittern" + Ρ 17 „Den 
wahren Gott betet an, nicht die stummen Götzen, sondern sein Gepräge 
(nacertaniju) betet an" -+- Ρ 20 „was": „wenn" Ρ — „seinem" < S 

21 „denn": „und" Ρ 



56 -Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

ist beständig vor dem Herrn. Wenn ihr schauet zum Himmel, 4 
so ist da der Herr, weil der Herr die Himmel gemacht hat. 
Wenn ihr schauet auf die Erde, so ist da der Herr, weil der 
Herr die Erde gefestigt und auf sie alle seine Kreatur gesetzt 
5 hat. Wenn ihr bedenket die Tiefen des Meers und alles unter 
der Erde, so ist dort der Herr, weil der Herr alles gemacht hat. 
Betet nicht an eine Kreatur der Menschen, noch eine Kreatur δ 
Gottes, verlassen habend den Herrn aller Kreatur, da keine Tat 
verborgen ist | vor dem Angesicht des Herrn. — Wandelt, meine 6 40 

10 Kinder, in Langmut, in Sanftmut, in Mißhandlung, in Kümmer- 
nis, in Glauben (Treue), in Gerechtigkeit, in Verheißung (?), in 
Schwachheit, in Gescholtenwerden, in Schlägen, in Versuchungen, 
in Beraubung, in Blöße, einander liebend, bis daß ihr hinaus- 
geht aus diesem Aeon der Schmerzen, damit ihr Erben werdet 

15 des endlosen Aeons. Selig sind die Gerechten, welche entfliehen 7 
werden dem großen Gericht des Herrn, weil sie leuchten werden 
siebenfach mehr denn sie Sonne, weil in diesem Aeon eine Sieben- 
zahl von allem ausgesondert ist: von Licht und Finsternis und 
Speise und Süßigkeit und Bitterkeit und Paradies und Pein, 

20 Feuer, Frost und anderem. — Alles dies legte ich nieder in der 
Schrift, damit ihr es leset und erkennet. 

LXVII. Als Henoch zu seinem Volk geredet hatte, sandte der 
Herr eine Dunkelheit auf die Erde, und es ward Finsternis und 

1 Ps. 138 (139), 8. 9. — 5 Jer. 16, 17. — 10 2 Cor. 11, 27. — 16 Mt. 13, 43. 



1 „beständig" prisno: „ein Opfer" prinos SJ — „Herrn": „wel- 
cher d. Erde — Kreatur" hier, in Ρ 2 „so" to: „siehe" se J 
„weil — Kreatur ges. hat" Z. 4 < Ρ 3 „Wenn ihr hinaufschaut" J 
7 -„noch e. Kr. Gottes" < Ρ 10 „Sanftm.": „Ehren" cesti + Ρ 11 „in 
Glauben— bis daß" Z. 13 und Z. 14 „damit — erkennet" Z. 21 < U — „in 
Ger.": „und Ger." Ρ — „in Verh." ν obetovanii: „in Gefährdung" ν be- 
dovanii? 12 „in Versuchung" S 13 „in Blöße, in Beraubung" Ρ 
16 „d. Herrn" < Ρ 17 „e. Siebenzahl" sedmorica: „d. siebente Teil" 
sedmaja castj Ρ 18 „und" stets < Ρ 19 „Pein": „Feuer, Frost und 
anderem" + Ρ 20 „dies" < Ρ — „legte er η." Ρ 22 „Es sandte 
der Herr eine Dunkelheit auf die Erde und bedeckte das Volk und He- 
noch, und er ward aufgenommen in den höchsten Himmel; und es ward 
Licht. Dreiundsechzigste Abhandlung" als Überschrift in Ρ — „Es ge- 
schah, als" Ρ — „und es sandte d. Herr" P: „da sandte er" J 



Längere Redaktion: Gap. LXVI, 3— LXVIII, δ. 57 

bedeckte jene Männer, welche standen mit Henoch. Und es 2 
eilten die Engel und nahmen den Henoch und trugen ihn empor 
in den höchsten Himmel, wo der Herr ihn aufnahm und ihn 
stellte vor sein Angesicht in Ewigkeit. Und es wich die Finster- 
nis von der Erde, und es ward Licht. Und es sah das 3 
Volk und erkannte nicht, wie Henoch hin weggenommen 
ward, und sie priesen Gott; und alsdann gingen sie alle in ihre 
Häuser. 

LXVIII. Henoch aber ward geboren am sechsten Tag des 
Monats Pamovus und lebte dreihundertfünfundsechzig Jahre. Auf- 
genommen aber ward er in den Himmel im Monat Nisan am 
ersten Tage, und er blieb im Himmel sechzig Tage, schreibend 2 
alle Bezeichnungen (Zeichen) der ganzen Kreatur, die der Herr 
gemacht hat. Und er schrieb dreihundertsechsundsechzig Bücher | 41 

■*-° und übergab sie seinen Söhnen, und verweilte auf der Erde 3 
dreißig Tage, mit ihnen redend, und ward wieder aufgenommen 
in den Himmel, an desselben Monats Pamovus demselben sechsten 
Tage, an welchem er auch geboren wurde und zu derselben 
Stunde. Wie ein jeder Mensch hat die gleiche Natur dieses * 

20 gegenwärtigen Lebens, so auch die Empfängnis und die Geburt 
und den Hinweggang aus diesem Leben. Zu der Stunde, in 
welcher er empfangen wird* in der er auch geboren wird, in 
derselben geht er auch heim. — Es eilten aber Methusalam 5 
und seine Brüder, alle Söhne Henochs, und erbauten einen Altar 

25 an dem Ort Achuzan, wo Henoch aufgenommen ward. Und sie 

1 „und mit Hen. redeten" Ρ — „es eilten die Engel — empor" 
„sie nahmen ihn" Ρ 3 „und ihn aufn." Ρ ί „in Ewigkeit" 

< Ρ 7 „Gott": „Und sie fanden die Hülle in welcher ist die Aufprägung 
der unsichtbare Gott" -f- Ρ — „alsdann" < Ρ — „alle" < S 9 „aber" 
<P 10 „Pamovus": „Civan" P, „Civai" J — „er lebte aber" Ρ 

11 „aber" + Ρ — „im Monat" < J — „Nisan" („Nizan" J): „Civan" Ρ 

12 „er schrieb" Ρ 13 „alle diese Β." Ρ 15 „sie" < Ρ 16 „dreißig 
Τ." < J — „m. ihnen preisend" J: < Ρ 17 „desselben . . dems." < 
Ρ — „desselben civai" J — „Pamovus": „Civan" („Ciban") Ρ — „und 
dems." S 18 „an w.": „an demselben Tag (er a. geb. wurde)" Ρ 
19 „gleiche" tücno (ae'qualem Sok); „dunkle" temno SJP 20 „gegen- 
wärtigen" < Ρ 21 „Stunde" < S 22 „empf. ward . . ward er 
. . ging er" Ρ 23 „aber" < S 24 „und alle" S 25 ,genannt 
Achuzan" Ρ („Azuchan" U) — „von wo und wo H. aufg. w. in d. 
Himmel" Ρ 



58 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

nahmen Rinder und Stiere und riefen herbei alles Volk und 
opferten Opfer vor dem Angesicht des Herrn. Und es kamen 7 
alles Volk | und die Altesten des Volkes, die ganze Versammlung 4Γ 
zu ihnen zur Fröhlichkeit und brachten Gaben den Söhnen 
5 Henochs und machten eine Fröhlichkeit sich freuend und fröh- 
lich seiend drei Tage. 

1 „herbeigerufen habend a. V." Ρ 2 „es kamen — Vers.": „das 

Volk gekommen" S 4 „zu ihnen" Ρ — „eine gr. Fröhl." Ρ 6 „Tage": 
„Gott lobend, der ihnen ein solches Zeichen (Bezeichnung) gegeben durch 
Henoch, den ihm Wohlgefälligen, und daß sie geben sollten ihren Söhnen 
von Geschlecht zu Geschlecht, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen" + Ρ 

Zu S. 31, 1 „Gott zeigt dem Adam, der Aeon dieser Welt werde 
hein 7000 Jahre, aber das achte Tausend ist das Ende: weder Jahr, noch 
Monat, noch Woche noch Tag. Neunundzwanzigste Abhandl." als Über- 
schr. in Ρ — Zu S. 51, 1 „Wie nicht gebührt einen Menschen zu töten, 
weder mit der Waffe noch mit der Zunge. Sechsundfünfzigste Ab- 
sandl." als Überschrift in Ρ 



DIE BÜCHER DER GEHEIMNISSE HENOCHS 

KÜRZERE REDAKTION 



Verzeichnis der Handschriften. 

U = Handschrift 3 (18) des Grafen Uvarov, Ende s. 15. 

Β = Erste Handschrift E. Barsovs, Ende s. 16. 

ßi = Zweite Handschrift E. Barsovs, v. J. 1701. 

Vn = Nr. 151 (443) der Belgrader Volksbibliothek (Ausgabe von Nova- 
kovic), s. 16/17. 

V v = Nr. 125 der Wiener Hofbibliothek, s. 17. 

C = Der Chronograph, in Nr. 590 des Eumjancevmuseums, Nr. 39 des 
Nezinschen Histor. philol. Instituts, Nr. 728' und 729 der Hand- 
schriften Undolskijs und in der Ausgabe A. Popovs, Übersicht der 
Chronographen II, 164. 

Μ = Merilo pravednoe („Wage der Gerechtigkeit") in Nr. 15 des Sergiev- 
schen Dreifaltigkeitsklosters s. 14 (M) und in Nr. 489 (202), 253 (M s ) 
und 682 der Moskauer Synodalbibliothek. 

Genn =• Sendschreiben des Erzbischofs Gennadius von Novgorod v. J. 1489 



Das Buch der Geheimnisse Henochs. 

(I). Zu jener Zeit, sprach Henoch, als mir vollendet wurden 
dreihundertundfünfundsechzig Jahre, | im ersten Monat an dem 2 
bestimmten Tag, und ich allein in meinem Hause war, beküm- 
5 mert und weinend mit meinen Augen. Und ich ruhte auf meinem 3 
Bett schlafend. Und es erschienen mir zwei überaus sehr große 4- 
Männer, welcherlei ich niemals gesehen auf Erden — ihre An- 5 

1 Gen. 5, 21-23. — 7 vgl. Apoc. 1, 16. 

1 „DiesesBuch die Geheimnisse („des Geheimnisses"?), die Offenbarun- 
gen Gottes an Henoch, die er daselbst sah und die Erzählung vom Para- 
dies" B 1 „Aber dies die Bücher die Geheimnisse, die Offenbarung Gottes 
an Henoch" V. „Die Genesis (bytija) des gerechten Henoch" Β Bl. 626 v 
und -{-Erstes Kapitel Vierzehn. Es erweckte ihnen Gott den weisen 
Mann und großen Schreiber im Geschlecht; angenommen (prijat: „es 
nahm (ihn) an" prija?) der Herr zu sehen die unteren und oberen 
(,das Untere u. Obere'?) Wohnungen (zitija) des unveränderlichen Reiches 
des Allmächtigen". „Aus den geheimen Büchern von der Entrückung 
des gerechten Henoch. Ο Herr segne, Herrscher" U, und + „Des weisen . 
Mannes, des großen Schreibers, den der Herr aufnahm, ein Schauer zu 
werden (viditelj byti: ,vidite ljubite' U) der Wohnung des Höchsten (,der 
höchsten Wohnung'?) und des sehr weisen und großen, unveränderlichen 
[und des] Beiches des allmächtigen Gottes ^und) des sehr großen viel- 
augigen und unbeweglichen Trones des Herrn, des sehr leuchtenden 
Standes der Diener des Herrn und der Ordnungen. der Kräfte, der feuer- 
geborenen himmlischen Heerscharen, der unaussagbaren Verbindung 
der großen Vielheit der Elemente und der mannigfaltigen Schauspiele 
und der unkündbaren Gesänge der Heerscharen der Cherubim (und) 
des unmeßbaren Lichtes ein Schauer zu werden". 2 „Und zu" U — 

„sprach H." < VB 1 — „mir" < ßi 3 „Jahre" < U — „im e.": „des 

zweiten" VB 1 — „Monats" V: < B 1 4 „Tag": „des ersten Monats" + 
U — „und ich . . w.": „war ich" U: „verweilte ich" VB 1 — „weinend 
u. bekümmert" ÜB 5 „Als ich ruhte" U 6 „schlief" U — „Und" 
< U — „sehr" < U 7 „wie ich sie" U — „das Angesicht" U — „i. Ang. 
aber leuchteten" B 1 



62 -Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

gesiebter leuchtend wie die Sonne, ihre Augen wie brennende 
Fackeln, aus ihrem Mund Feuer hervorgehend, ihre Kleider vor- 
zügliche Federn, und ihre Arme wie goldene Flügel. Und sie 
standen zu Häupten meines Bettes und riefen mich mit meinem 
5 Namen. Ich aber erwachte von meinem Schlaf, und die Männer 
standen bei mir deutlich. Ich aber beeilte mich und stand auf | 
und betete sie an. Und es erbleichte mein Angesicht durch die 
Erscheinung vor Furcht. Und es sprachen zu mir die Männer: ^ 
Sei mutig, Henoch, fürchte dich nicht. Der ewige Herr hat uns 

10 zu dir gesandt, und siehe, du wirst heute mit uns hinaufgehen 
in den Himmel, und du sollst sagen deinen Söhnen und den 9 
Kindern deines Hauses alles, so viel sie tun sollen auf der Erde 
und in deinem Hause. Niemand aber soll dich suchen, bis daß 
dich zurückbringt der Herr dein Gott zu ihnen. Und ich ge- ^ 

15 horchte und ging, rief meine Söhne Methusalom und Regim und 
tat ihnen kund, so viel zu mir die Männer geredet. 

II. Und siehe, meine Kinder, ich weiß nicht, wohin ich gehe 
oder was mir begegnet, und jetzt, meine Kinder ? tretet nicht 
ab von dem Herrn, j Vor dem Angesicht des Herrn wandelt und'2U627 

i vgl Dan. 10, 6.-9 vgl. z. B. Mt. 14, 27. — 15 vgl. Gen. 4, 18. — 
18 vgl. 1 Sam. 12, 20. 

l„leucht. — Augen" < U — „brannten wie Feuer" U 2 „a. seinem 
Mund" U — „ging . . hervor" B 1 — „wie Feuer" U — „und ihre Kleider" U 

— „und Federn" i perje B 1 : „Gesänge" penie, penija, peniju UBV wie Red. 
A: and siaging Forb; „vorzügl." „mannigfaltige" razdnaja B, razlicno VB 1 : 
razdajaniju U 3 „Und sie st." u. „mich" + B 1 5 „erwachte" vozbudichsja 
B: „erwacht" vüzbnuvjsja B 1 , vuzbnuvj V: „aufgestanden" v&stav U — 
„und— und" < B 1 , „und— mir" < V 6 „deutlich" + U — „beeilte 
mich" uskorich: ujadryich V — „aufgestanden" B 1 7 „erbleichte" 
oblijasja: „glänzte" blestasja U — „durch die Erscheinung" privideniem 
U; vgl. S „durch das Sehen" zreniem: „d. d. Weinen" rydaniem B, rde- 
niem B 1 : < V 9 „Henoch" enose : junose (wie auch später B) BV V 

— „und fürchte" B 1 10 „und" < B* — „heute m. uns" < Β 11 „die 
Himmel" B 1 — „und" < B 1 — „sage" TJ — „u. allen Kindern d. Hau- 
ses" B 1 : < U 12 „tun sollen" sütvoroet V: sotvori Β 13 „und" 
< vB 1 — „in" < B: „von" U — „Und niem." B 1 — „aber" + ÜB 1 
14 „dein Gott" < UVB 1 — „ihnen gehorcht habend und" U 15 „ging 
hinaus und rief" B* — „Methusael" Β — „ßegim" V v , „Eigim" 
ÜB, „Erigim" B 1 16 „alles, so viel" B* — „Männer": „Engel" B* 
17 „Und" < Β — „meine— nicht": „ich weiß, Kinder, ich weiß nicht" 
U — „ich w. nicht-m. Kinder" < ßi 19 „von Gott" UV — „Und 
vor" ÜB 1 



Kürzere Redaktion: Cap. I, 5 — V, 1. 63 

seine Urteile bewahret, nicht wendet ab die Opfer unseres Heils, 
und nicht wird abwenden der Herr die Arbeiten eurer Hände; 
beraubt nicht den Herrn der Gaben, so wird nicht der Herr 
(euch) berauben eurer Erwerbungen in euren Behältnissen. 
5 Benedeit den Herrn durch die Erstlinge der Herden eurer Kinder, 
so werdet ihr sein Gesegnete des Herrn in Ewigkeit. Und tretet 
nicht ab von dem Herrn und betet nicht an eitle Götter, Götter, 
die „nicht gemacht den Himmel und die Erde"; sie werden ver- 
gehen. Es mache treu der Herr eure Herzen in seiner Furcht. — 3 
,10 Und jetzt, meine Kinder, niemand suche mich, bis daß mich 1 
zurückbringt der Herr zu euch. 

III. Und es geschah, als ich zu meinen Söhnen geredet 
hatte, riefen mich die Männer und nahmen mich auf ihre Flügel 
und trugen mich empor in den ersten Himmel und stellten mich 
15 daselbst hin. IV. Und sie brachten vor mein Angesicht die 
Obersten, die Herrscher der Ordnungen der Sterne. Und sie 
zeigten mir ihre Gänge und ihre Übergänge von Jahr zu Jahr, 
und sie zeigten mir die zweihundert Engel, (III, 2) die herrschen 
über die Sterne der Kompositionen der Himmel. Und sie zeigten 
20 mir daselbst ein sehr großes Meer, mehr denn das Meer der 
Erde. Und die Engel flogen mit ihren Flügeln. V. Und sie 2 

7 Lev. 18, 5. Dt. 8, 19. Jer. 10, 11. — 9 Prov. 23, 17. — 19 Hen. 72, 
1. 80, 1. 82, 9. 

1 „und nicht" ÜB 1 — „nicht— von dem Herrn" Z. 7 < VB* 

— „wendet ab" otvratite U („befleckt" omrazite Rec. A) : okrupite 
Β — „der Opfer" Β — „und eures Heils" U 2 „Hände" : „Benedeiet 
den Herrn" + Β 4 „und in" U — „Behältnissen" cbranilnicach U : 
„Häusern" chramnicecb Β 5 „der Herden" + U — „Rinder" junicj : 
„Jünglinge" junosj Β : noty (aus junoty) U 6 „in Ewigkeit" -j- U — 
„Und" < U 7 „und Götter, die" Β — „Götter" < Ußi 8 „nicht 
gem." < B 1 — „sie werden vergehen" < U 9 „Es mache treu" U: 
„Es wird treu machen" B: „und (< B 1 ) machet treu" („Herr" <) VB 1 — 
„in eurer Furcht" B; „in der Furcht Gottes" VB* 10 „Jetzt, Kin- 
der" Β 11 „zurückwendet" ÜB — „der Herr Gott" Β 12 „Das 
Aufsteigen Henochs in den ersten Himmel" als Überschr. in VB 1 — 
„Und — hatte". < Β 13 „und es riefen" BVB 1 — „mich" 2 < Β 

— „Flügel": „Erster Himmel" als Überschr. + U 14 „brachten 
mich" V 15 „mein" < Vn 16 „der Herrscher" Β (< Vn?) 
17 „ihre Gänge — zeigten mir" < Β — „ihren Gang" U 18 „zweih." 
dvesti: „im Licht" vo svete U — „die herrschen — Himmel" < VB 1 
19 „der Kompositionen" slozenii U: „Dienste" sluzenii BVB 1 — „U. s. 
zeigten — ausgehen" vor „U. s. z. m. d. Schatzkammern" in V: < B 1 



54 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

zeigten mir „die Schatzkammern des Schnees und des Eises" 
und die schrecklichen Engel, welche bewahren jene Schatzkam- 
mern. Sie zeigten mir die Behältnisse der Wolken, von wo sie 
aufsteigen und ausgehen. VI. Und sie zeigten mir die Schatz- 
5 kammern des Taus wie Olivenöl und die Engel, welche be- 
wahren ihre Schatzkammern, und ihr Aussehen wie jede Blume 
der Erde. 

VII. Und es nahmen mich die Männer und führten mich 
hinauf in den zweiten Himmel. Und sie zeigten mir daselbst 

10 Gebundene, Bewahrte des unmeßbaren Gerichts. Und daselbst 
sah ich gerichtete Engel weinend. Und ich sprach zu den Männern, 2 
die mit mir waren: Weshalb werden diese gepeinigt? Und es 3 
antworteten mir die Männer: Diese sind von dem Herrn Ab- 
gewichene, die nicht gehorchten der Stimme des Herrn, sondern 

15 durch ihren eigenen Willen ratschlagten. Und mich jammerte 4 
ihrer sehr. Und die Engel fielen vor mir nieder und sprachen 
zu mir: Mann Gottes, bitte du für uns zum Herrn! Und ich ant- 
wortete ihnen und sprach: Wer bin ich, ein sterblicher Mensch, 



1 Hiob 3S, 22. Hen. 60, 17. 18. — 4 Hen. 60, 20. — 10 Hen. 21, 10 
2 Ptr. 2, 4. Judas 6. — 16 Hen. 18, 4. — 18 Hen. 15, 2 έρωτήοαι νμας εόει 
περί των άν&ρώπων και μή τονς άν&ρώπονς περί νμών. 



2 „und" < U - „jene" < UB 1 3 „Und sie" U — „daselbst die Ben." 
U und + „die Schatzkammern und sie zeigten mir daselbst die Behältnisse. 
4 „auf st. u. ausg.": „ausgehen und eingehen" Β — „aufsteigen": „eingehen'' 
U — „Und— d. Schatzk.'^B 1 5 „und"<U 6 „und ihr"<B — „Aus- 
sehen": „Kleid" VB 1 — „wie alle Blumen" U 8 „Das Aufsteigen des 
Henoch zum zweiten Himmel" als Überschr. in V; „D. zweite Himmel" 
ÜB 1 8 „nahmen m.": „stellten in." V: „von dort" + B 1 — „jene Männer" 
U: < B 1 — „führten . . hinauf" vozvedose B: „trugen . . empor" vjzne- 
sosta, voznesli VB 1 : „stellten" U: „die Männer" + B, „v. dorf' + B 1 9 „da- 
selbst" < ÜB 10 „daselbst": < BV 11 „Engel" < V — „Eng. ger. 
und weinend" B 1 — „Ich aber sprach" Β 12 „Und" < U 13 „antw." 
„sprachen" VB 1 — „sind" < VB 1 — „Abgewichene" otstupnicy : zlostu- 
nicy U 16 „sehr" ^UB 1 — „Und" < U — „jene Engel" B 1 ; „d. ge- 
richteten Engel" Β — „fielen n." poklonisa . . sja U, poklonise . . sja V, 
pokloniäasj B 1 : „niedergefallen" poklonivsu Β — „und" < Β 17 „zu 
mir" < Β — „möchtest du für uns bitten" VB 1 — „zum Herrn": „zu 
Gott" VB 1 — „antwortete" otvestach UV: „geantwortet habend" otvestav 
Β : „sprach zu" B 1 18 „und sprach" < VB 1 — „Was bin ich" B 1 



Kürzere Redaktion Cap. V, 2— VIH, 8. 65 

daß ich bitten sollte für Engel? Wer weiß, wohin ich gehe, 
oder was mir begegnet, oder wer wird für mich bitten? 

VIII. Und es nahmen mich von dort die Männer und führten 627 v 
mich hinauf in den dritten Himmel und stellten mich in die 
5 Mitte des Paradieses. Und der Ort unaussprechlich durch die 
Schönheit des Aussehens. Jeder Baum schön blühend, alle 2 
Frucht reif, alle Nahrung beständig sprudelnd, aller Duft 
wohlriechend. Und vier Ströme vorüberfließend mit stillem 
Lauf, der ganze Garten jede gute Art erzeugend zur Nahrung; 

10 und der Baum des Lebens an jenem Ort, an dem der Herr ruht, 3 
wenn er hineingeht in das Paradies; und jener Baum ist unaus- 
sagbar an Schönheit des Wohlgeruchs. Und der andere Baum 5 
daneben, ein Ölbaum, fließen lassend Ol immerdar. Und jeder 7 
Baum guter Frucht, und nicht ist daselbst ein unfruchtbarer 

15 Baum, und der ganze Ort ist gesegnet. Und die Engel, welche 8 
das Paradies bewahren, überaus leuchtende, mit nie aufhörender 
Stimme Und schönem Gesang dienen sie dem Herrn alle Tage. 
Und ich sprach: Welch ein überaus schöner Ort ist dies! Und 

4 Gen. 2, 8 f. 2 Kor. 12, 2. 4. — 8 Gen. 2, 9 f. Apok. 22, 2. Hen. 32, 
3. 6; vgl. Hen. 29-32. — 10 Gen. 2, 9. Apok. 2, 7. Hen. 24, 4. 25, 3 f. 

1 „daß ich b. sollte": „wie kann ich b." B 1 — „Wer aber weiß" 
ÜB 1 2 „was": „wer" U — „oder . . für mich" < V : „wie kann ich" B l 
3 „Das Aufsteigen in den dritten Himmel" als Überschr. in V: „Dritter 
Himmel" ÜB 1 — „nahmen" pojasta, vzjali B l : „stellten" postavista V — 
„d. Männer" < B 1 — „und" < U — „führten . . hinauf" vozvedoäa B, 
vuzvedosta U: „trugen . . hinauf" vüznesosta VB 1 5 „jener Ort" ÜB 1 

— „unaussprechlich" nesvedomo Β , nesvedomo B 1 : „unsichtbar" nevi- 
dimo U 6 „und Aussehen" B 1 — „Und jeder Baum" V: „Denn alles" 
B 1 — „schön blühend" blagozvetüno: blagosvetno VB 1 — „und a. Fr." 
Β IV 7 „Frucht": „Pflanze" Β — „Duft wohlr." dychanie blagovonno 
ÜB: „alles duftend" vse dychanno VB 1 9 „der ganze („jeder") Garten" 
vsjak grad IT: „jedes Reptil" vsjak gad B: „und" VB 1 — „jede .. Art" 
< U — „zur" < Β 10 „der Herr" : „Gott" V 11 „d. Herr hineing." ü 

— „hineing." vchodit: vjschodit V — „und" < Β 12 „an überaus 
(großer) S.chönh." ßi — „Und" < Β 13 „ließ . . fließen" V — „immer- 
dar": „der Frucht" V, < Β — „jeder B. — Baum" ÜB 1 : „alle Bäume 
gute Früchte bringend" B: „nicht ist daselbst ein unfruchtb. Baum" VB 1 
14 „und" < U 15 „der ganze Ort": „jeder Baum" VB 1 — „gesegnet" 
blagoslovenno: „voll Wohlgeruch" blagovonno vi eil. richtig U 16 „und 
mit" Vßi 17 „und" < ÜB — „dem Herrn": „Gott" U: < Β 
18 „Und es sprachen zu mir" B 1 — „Und" < U 

T. u. U. "22: Bonwetsch. 5 



66 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

es antworteten mir die Männer: IX. Dieser Ort, Henoch, ist den 
Gerechten bereitet, die erdulden Widerwärtigkeiten in ihrem 
Leben und anfechten ihre Seelen und abwenden ihre Augen von 
der Ungerechtigkeit und vollbringen ein gerechtes Gericht: zu 

5 „geben Brot den Hungernden" und „die Nackten zu kleiden" 
und zu bedecken mit Gewand und aufzurichten den . Gefallenen 
und zu helfen den Gekränkten; die vor dem Angesicht des Herrn 
wandeln und ihm allein dienen; ihnen ist dieser Ort bereitet 
zum ewigen Erbteil. 

10 X. Und es erhoben mich von dort die Männer und trugen 

mich in den Norden des Himmels. Und sie zeigten mir daselbst 
einen überaus furchtbaren Ort: jede Qual und Peinigung an 2 
jenem Ort, Finsternis und Nebel, und nicht ist daselbst Licht, 
sondern finsteres Feuer, beständig brennend, und ein feuriger 

15 Strom herabkommend auf jenen Ort, Frost und Eis | und Kerker; 3 
und Engel tragend rauhe und scharfe Werkzeuge und peinigend 
ohne Erbarmen. Und ich sprach: Welch ein überaus schreck- 4 
licher Ort ist dies! Und es antworteten mir die Männer: Dieser 
Ort, Henoch, ist bereitet den Unfrommen, die vollbringen Gott- 

1 Hen. 25, 7 ος ήτοίμασεν avQ-QOmoiq τα τοιαύτα δικαίοις. — 4 Ezech. 
18, 7 f.; vgl. [Ps. 118 (119), 37] Jes. 33, 15. 58, 7. Jer. 22, 3 (Tob. 4, 16). Mt. 
25, 35 f. — 7 Lk. 1, 6 (Hebr. 9, 14). — 12 Apok. 19, 20. 20, 10. 14 f. 21, 8. — 
15 vgl. Hen. 14, 13. — 17 Hen. 21, 8 τότε εϊπον ώς φοβερός ό τόπος ούτος 
19 Mt. 25, 41; vgl. Apok. 21, 8. 

1 „Henoch" < U, aber nach „Gerechten" + „dem Henoch" wie Β 

— „den Ger." pravednikom: „den Wunderbaren" predivnym Β 2 „in 
diesem Leben" ÜB 1 3 „die anfechten"? 4 „den Ungerechten" Β 
5 „zu kleiden und" < ÜB 6 „die Gefallenen" VB 1 7 „der . . wan- 
delt u. . . dient" U — „des Herrn": „Gottes" VB 1 8 „zu wandeln" V 

— „ihm a. dienen" < Vn — „denn ihnen" VB 1 — „Ort" < ü 10 „es 
erhoben — trugen mich": „sie trugen mich empor" BB 1 — „erhoben": 
„nahmen" U — „jene Männer" U 11 „daselbst" < Β 12 „und 
jede" B 1 — „Peinigungen" U 13 „und Finsternis" U — „Finst. u. 
Neb." < B 1 — „und" vor „Neb." < Β — „daselbst" < B* 14 „finst. 
Feuer — herabk." ÜB: „Feuer und Flamme u. Dunkelheit kommt herab" 
V: „Finsternis und Nebel, und Feuer und Flamme und Dunkelheit kommt 
herab" B 1 — „brennend": „an jenem Ort" -f- U 15 „auf alle jene Orte" 
U — „und Frost" B* — „und Kerk.": „aus Kerk." B 1 16 „rauhe Engel, 
scharfe Werkz."? — „peinigend" mucaste: musti U 18 „mir": „überaus" 
+ Β — „Dieser" < Β 19 „d. Unfr., die vollbr." : „die Unfrommes vollbr." 
Β — „Gottloses" bezboznaja: „ohne Gottes Gebot" bez bozija velenijaB 



Kürzere Redaktion: Cap. VIII, 8— XI, 2. 67 

loses auf der Erde, die machen Zaubereien und Beschwörungen 
und sich rühmen mit ihren Taten; welche stehlen die Seelen der 5 
Menschen heimlich, die lösen ein Joch bindend, die reich wer- 
den aus Unrecht von fremdem Gut, die, vermögend zu sättigen, 
5 töten die Darbenden durch Hunger und, vermögend zu beklei- 
den, auszogen die Nackten; die nicht erkannten ihren Schöpfer, | β 
sondern eitle Götter anbeteten; indem sie bildeten Bilder und 628 
anbeteten das Geschaffene; diesen allen ist dieser Ort bereitet 
zum ewigen Erbteil. 

10 XI. Und es erhoben mich von dort die Männer und trugen 

mich hinauf in den vierten Himmel. Und sie zeigten mir alle 
Läufe und Übergänge und alle Strahlen des Lichts, sowohl der 
Sonne als des Mondes. Und ich maß ihre Läufe und berechnete 
ihr Licht und ich sah: ein siebenfaches Licht hat die Sonne mehr 2 

Ιό als der Mond, ihr Kreis der Wagen, auf dem ein jedes von 
ihnen fährt, wie der Wind gehend, und nicht haben sie Ruhe, 

14 vgl. Hen. 72, 37. — 15 Hen. 72, 5 „Und die Wagen, in denen es 
aufsteigt, treibt der Wind". 

2 „welche" u. „der Menschen" < U 3 „und heimlich" B 1 — „die 
— bindend": „lösen" B 1 4 „aus" iz: i Β — „Unrecht" obidy: oby- 
cloju VB 1 — „und von" Β — „vermögend zu sättigen" < U 5 „tö- 
ten" morjat, morjastaja B: „töteten" umoriSa U u. + „nicht ver- 
mochten zu sättigen" — „und durch" Β — „nicht verm. zu bekl." ÜB 
6 „d. Nackten, und auszogen" V — „und die" Β 7 „indem — Ge- 
schaffene" < VB 1 — „ind. θ. bilden . . anbeten" Β — „u. anb. d. Ge- 
schaffene": „anbeten das Werk der Hände" U 8 „und diesen" U — 
„dieser Ort" < B 1 — „dieser" < Β 10 „Aufgang des Henoch in den 
vierten Himmel" als Überschr. in V; „Der vierte Himmel" ÜB 1 — Es 
beginnt der Chronograph (= C, bei Sok, Ctenija 1910, IV S. 147 ff.) „Von 
dem Gang der Sonne u. von ihrem Übergang. Henoch" und „Henoch. 
Von dem Gang der Sonne". „Ein gewisser anderer von den alten Hei- 
ligen hat kund getan: Ich sah die sieben Himmel, so redend" — „es 
nahmen mich" BB 1 — „von dort" < U — „d. Männer" < ÜB 1 — „und 
trugen m. h." < U 11 „mir daselbst" U — „alle" < Β 12 „und (< Β) 
Gänge" VBi; <ü — „alle" < B* — „des Lichts, sowohl" < ÜB 
13 „Und—ich sah" < C — „und— ich sah" < B 1 — „und— Licht" < V 

— „und" vor „ber." < U 14 „sah": „ihre Läufe" + V — „sieben- 
faches" sedmogubnj VB 1 , sedmogubny U: „siebenfachen Himmel" sed- 
mogubnoe nebo BC 15 „der Mond": „die Sonne" U — „und ihr 
Kreis" V — „ihre Kreise und den Wagen" B 1 — „und der Wagen" UC 

— „fuhren e. jed. v. i." ßi 16 „geht" Vßi — „und" < VC 

5* 



68 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

weder bei Tag noch bei Nacht, indem sie gehen und zurückkehren. 
Vier große Sterne aber, die sind zur Eechten des Wagens der Sonne, 3 
und vier zur Linken, gehend immer mit der Sonne. Engel gehend 4 
vor dem Wagen der Sonne, XII. fliegende Geister, zwölf Flügel 2 
5 einem jeden Engel, die treiben den Wagen der Sonne, tragend 
Tau und Hitze, wenn der Herr befiehlt | herabzusteigen auf die 3 
Erde mit den Strahlen der Sonne. 

XIII. Und es trugen mich die Männer zum Osten des Himmels. 
Und sie zeigten mir die Tore, durch welche die Sonne ausgeht 

10 zu den bestimmten Zeiten und nach dem Umlauf der Monde des 
ganzen Jahres und nach der Verkleinerung und nach der Ver- 
längerung des Tages und der Nacht. Sechs große Tore geöffnet, 2 
Eines von dreißig Stadien genau; ihre Größe aber maß ich aus, 
und ich konnte nicht begreifen ihre Größe. Und durch jene 

15 Tore, durch welche die Sonne eingeht, geht sie zum Westen. 
Durch die ersten Tore geht sie aus zweiundvierzig Tage, durch 3 
die zweiten Tore fünfunddreißig Tage, durch die dritten fünfund- 

1 Hen. 41, 7. '— 5 Baruchapok. 7. Hen. 75, 5 ff. — 9 Hen. 72, 3 
„Und ich sah sechs Tore, aus denen die Sonne hervorgeht, und sechs 
Tore, wo die Sonne untergeht". — 16 Hen. 72, 6 — 31. 

1 „weder b. Tag n. TS."- B: „b. Tag u. N." U: „weder b. Nacht, 
noch bei Tag" ßiC: „b. Nacht u. Tag" V — „u. sie zurückk." C 2 „Und 
vier" UC — „aber" < BCU — „die sind" suste: „der Erhebenden" 
vysjastich U — „und der Sonne" Β 3 „und" < U — „gehend" < U — 
„Und Engel" UB»0 4 „und flieg. G." CB 1 — „zwölf und zwölf" VB 1 
5 „die" < C — „d. Sonne" < VB 1 6 „und wenn" BC — „Herr Gott" BC 

— „herabzusenden" besser B 1 8 „der Sonne des H." B: „vom H." V 
9 „herausgeht" vychodit U, „aufgeht" vüschodit VB 1 : „eingeht" vchodit 
BC 10 „und zu" V — „n. d. Umläufen" UB l — „d. Mondes („der 
Monde" B) d. g. J.": „eines jeden Mondes" V 11 „und" 1 < BC — 
„u. nach" 2 : „zur" V: < U — „Verlängerung" udljzeuiju VB 1 : ulozeniju 
BC: „Herzukommen" prichoädeniju U 12 „d. Tages u. d. TS": „der 
Tage" U — „große" < U — „Eines geöffnete" U — „geöffnet" otverst: 
otvratj V 13 „Eines — genau" < VB 1 — „dreißig" < Β — „und ihre" 
V — „ihre" < BC — „aber" < V — „maß ich aus" < B 1 14 „und 
ich konnte n.": „kann niemand" Β J — „ihre Größe" velicestva ich: „wie 
viel ihrer" eliko ich B: < B 1 — „Und durch— Rückk. d. Z." S. 69, Z. 8 
< C — „Und" < U 15 „Tore" < UVB 1 — „eingeht" vchodit: „auf- 
geht" vüschodit V 16 „und sie jeht" i idet VB 1 17 „Tore" < U 

— „fünfunddr.": „fünfzigundzehn" ni(?) Β — „dritten 35" < V — „fünf- 
unddr." < Β 



Kürzere Redaktion: Cap. XI, 2— XV, 3. 69 

dreißig Tage, durch die vierten Tore fünfunddreißig Tage, durch 
die fünften Tore fünfunddreißig Tage, durch die sechsten Tore 
zweiundvierzig Tage, und wiederum kehrt sie zurück durch die 4 
sechsten („sechs") Tore nach dem Umlauf der Zeiten und geht 
5 ein durch die fünften Tore fünfunddreißig Tage, durch die vierten 
vierzig Tage, durch die dritten fünfunddreißig Tage, durch die 
zweiten fünfunddreißig Tage. Und es enden die Tage des Jahres 5 
nach der Rückkehr der Zeit. 

XIV. Und es führten mich die Männer hinauf in den Westen 
10 des Himmels. Und sie zeigten mir sechs große geöffnete Tore, 

gemäß dem Umlauf der östlichen gegenüber, durch welche die 
Sonne untergeht gemäß dem Aufgang der östlichen Tore und 
nach der Zahl der Tage. Ebenso geht sie unter durch die west- 2 
liehen Tore. Und wenn sie herausgeht aus den westlichen Toren, 
15 so nehmen vier Engel ihre Krone und bringen sie hinauf dem 

Herrn. | Aber die Sonne wendet ihren Wagen und geht ohne 3 628 v 
Licht; und man setzt ihr wieder auf daselbst die Krone. 

XV. Diese Ordnung der Sonne und die Tore, durch die die 3 
Sonne eingeht und ausgeht, zeigten sie mir. Denn diese Tore 

20 hat der Herr gemacht, das Zeitmaß des Jahres zeigt an die Sonne. 

10 Hen. 72, 3 „Sechs sind im Osten und sechs im Westen, und alle 
eins genau nach den andern gerichtet". — 14 Baruchapok. 8. — 16 Hen. 
72, 5 „Und die Sonne . . wendet um". 72, 9-34. 

1 „Tage" + U — „und d. d. vierten" Β 2 „Tore"i + Β 3 „zwei- 
undvierzig — sechsten Tore" < VB 1 — „zurückkehrend" U 4 „Umlauf" 
obsestviju: „Weggang" otsestiviju V — „und — 35 Tage" < Vn 6 „vier- 
zig Tage": „fünfunddreißig" UVB* — „durch d. dr — zw. 35 T." < Vßi 

— „durch d. zw. 35 Τ." < Β 7 „Und" < V — „die Tage" < Vn — 
„und Jahre" B 1 8 „der Zeiten" U 9 „U. es trugen . . hinauf" 
UVB ι 10 „zum Himmel" Β — „mir daselbst" U 11 „Umlauf" 
obehodu: „Ausgang" vychodu Vn — „östlichen. Umlauf" B 1 — „d. öst- 
lichen des Himmels" U — „und gegenüber" VB 1 12 „daselbst unterg." 
B 1 — „gemäß" < V — „Aufgang": „Eingang" ü 13 „Und ebenso" Β 
14 „Und" < Β 15 „vier" cetyry: „sagt er" rece BC — „ihre" < Vßi 

— „sie" < VB 1 — „und zum" U 16 „d. Sonne" < Β — „geht heraus" 
VB 1 17 „und" < C — „wieder" < U — „daselbst" + ÜB*: „an den 
östlichen Toren" + VB 1 18 „Ordnung" razeinenie BVB 1 : „Unter- 
schiede" razlicenija C: „Wachsen" raStenie U — „Sonne u. die" < VB 1 

— „d. Sonne (eing.)": „sie" UCßi 19 „z. mir d. Engel" VB* — „Denn" 
< VB 1 20 „Zeitmaß" casoberie: casoberenie C, casobie B 1 : „und" + Vß 

— „Anzeige der Sonne" Vu 



70 Die Bücher der Geheimnisse Heuochs. 

XVI. Und die andere Ordnung, die des Mondes, zeigten sie 
mir, alle seine Läufe und alle seine Umläufe zeigten mir die 
Männer, und seine Tore zeigten sie mir: zwölf Tore nach Osten 
zeigten sie mir, ewige, und zwölf Tore ebenso zum Westen, 
5 ewige, durch die der Mond eingeht und ausgeht zu den gewohnten 
Zeiten. Durch die ersten Tore nach Osten geht er ein dreißig 
Tage, und durch die zweiten fünfunddreißig Tage, und durch die 
dritten dreißig, und durch die vierten dreißig Tage, und durch 
die fünften dreißig Tage, und durch die sechsten einunddreißig 2 

10 Tage, und durch die siebenten dreißig Tage, und durch die 
achten einunddreißig Tage, und durch die neunten einunddreißig 
Tage, und durch die zehnten dreißig Tage genau, durch die 
elften einunddreißig Tage außerordentlich, durch die zwölften 
Tore geht er ein und den zweiten Tag (so) genau. Ebenso auch 3 

15 durch die westlichen Tore nach dem Umlauf und nach der Zahl 
der östlichen Tore. So geht er ein auch durch die westlichen 



1 Hen. 73, 1 „sah. ich ein anderes Gesetz für d. kleine Licht, w. d. 
Mond genannt wird". — 6 Hen. 73, 4 ff. 

1 „Und — Mondes": „Von dem Gang des Mondes. Heiioch" Überschr. 
in C, und + (Öten. 1910, IV, 149) „Jener oben erwähnte alte heilige Mann, 
entrückt bis in den siebenten Himmel, wie er zuvor kund getan von der 
Sonne, so aber dort auf dem vierten Himmel auch den Mond gesehen 
habend, so: Seinen andern Unterschied (razlicenie : razcinenie: rastecenie) 
auch" — „zeigte er" BC — „mir die Engel" ßi 2 „und alle" V v — 
„alle— Männer" < B 1 — „alle" < BC — „z. mir — mir": „und" C 
3 „seine" < U — „Tore, und (s. z. in.)" ÜB — „zwölf": „fünf" e 
+ B — „Tore" < B 1 4 „zeigten s. m." < CB 1 — „ewige" vecna B, 
vecnaa V, vocne B 1 : „Kronen" venca U: „gekrönte" vencana? — „und 
— ewige" < UVB 1 — „ebenso" < C 5 „eingeht": „aufgeht" Β l — 

„und ausgeht" < VB* 6 „Durch— des Jahres" S. 71, Z. 4 < C — „Durch 
— zw. Tag genau" Z. 14 < VB 1 — „geht er ein" < U — „31 Tage ge- 
nau" U 7 „35 T. genau" U — „d. d. dritten einunddreißig T. außer- 
ordentlich" (izjasten) U 8 „d. d. v. 30 T. genau" U — „d. d. f. ein- 
unddreißig T. außerordentlich" (izrjaden) U 9 „d. d. s. 31 T. genau" U 
10 „und" < U — „d. d. sieb. 30 T. genau" U — „und" < U — „d. d. 
a. 31 T. außerordentlich" (izrjadno) U 11 „d. d. n. 31 T. genau" (is- 
pytno) U 12 „u. durch — geht er ein" < Β 14 „und — genau": „u. 
durch die zweiten zwölf Tage" B: siehe aber Red. Α „zweiundzwanzig 
Tage genau" 15 „Zahl d. östl." cislu vostocnych: cistocnych Β 

16 „geht er ein": „geht er unter" Vn 



Kürzere Kedaktion: Cap.XVI, 1— XVIII, 1, 71 

Tore und vollendet das Jahr. Mit dreihundertvierundsechzig 5 
Tagen (und) mit vier außerordentlichen Tagen geht er in das 
Jahr. Deshalb sind sie ausgenommen außerhalb des Himmels 6 
und des Jahres, und in die Zahl der Tage werden sie nicht ge- 
δ rechnet, weil sie verändern die Zeiten des Jahres. Zwei neue 
Monate zu seiner Anfüllung, andere zwei neue Monate zu seiner 
Verringerung. Und wenn er vollendet die westlichen Tore, so 7 
kehrt er zurück und geht zu den östlichen mit seinem Licht. 
So geht er Tag und Nacht. Der Kreis um ihn ist gleich dem 
10 Himmel, und sein Wagen, auf den er steigt, ein Wind, welcher 
geht. Uud ziehend seinen Wagen fliegende Geister, sechs Flügel 
einem jeden Engel. Dies ist die Ordnung des Mondes. 

XVII. Inmitten aber des Himmels sah ich gewaffnete Heer- 
scharen, welche dem Herrn dienten mit Tympanen und Instru- 

15 menten (Organen) mit ununterbrochener Stimme. Und ich er- 
götzte mich horchend. 

XVIII. Es nahmen mich von dort die Männer und trugen 
mich hinauf in den fünften Himmel. Und ich sah daselbst viele 

Hen. 74, 10 ff. — 9 Hen. 73, 2 „Und sein Umkreis ist wie der Um- 
kreis des Himmels, und seinen Wagen, auf dem es fährt, treibt der 
Wind". 

1 „dreihundertfünfundsechzig" U, „dreihundertundsechzig" 'ZBVB 1 
2 „vier" < BVßi — „Tagen" + Β 3 „Deshalb": „wird gesagt" + 

VB 1 : „außerhalb des Himmels und des Jahres, deshalb" Β — „sie 
würden ausgenommen" B: „daß man ausnehme" B 1 4 „der Jahre" U 

— „und" vor „in" < B 1 5 „sie veränd.": „verändert werden" VB 1 

— „Zwei — Verringerung" < VB 1 6 „andere — Verr." < U — „und zwei 
andere" C — „neue Monate" < C 7 „Und" < UC — „voll, werden" 
UV 8 „und er kehrt" U — „und" < U — „kehren sie zurück" V 

9 „Und so" Β — „Tag u. Nacht" < VB 1 — „im Kreis" „den Kreisen" 
krugom U — „um ihn" okolo ego U, okolo eja B 1 , eju okolj V: „sein 
Ead" kolo eja BC — „d. Himmel": „der Himmel dem Himmel" Β 

10 „der Wagen" U: „sein Bad" C 11 „Gehende, ziehende" B 1 — 
„Und" + C — „fliegende" < ßi — „fünf Flügel" Β 12 „Ordnung" 
razcinenie (auch rastecenie und razlucenija C) — „Mondes": es endet C 
13 „Und inm."VB 1 — „inmitten" po srede: po strede U — „aber" + U — „sah 
ich"videch:"„gesehen habend"videvB 15 „Und— horch end"<U 16 „sie 
hörend" ßi 17 „Fünfter Himmel" als Überschr. in UBB 1 , „Das Auf- 
steigen Henochs in den fünften Himmel" V — „Es— hinauf": „Und es 
trugen mich von dort die Männer hinauf" V — „Und es n." ÜB 1 — „die 
Männer" < Β 1 , . 



72 Die Bücher der Geheimnisse Heuochs. 

Heerscharen, Egregoroi; und ihr Aussehen wie das Aussehen 
eines Menschen, ihre Größe aber mehr als großer Giganten. Und 2 
ihre Angesichter finster und Schweigen ihres Mundes, und nicht 
war ein (Gottes-) Dienst im fünften Himmel geschehend. Und 

5 ich sprach zu den Männern, die mit mir waren: Weswegen 
sind diese überaus finster, und ihre Angesichter | bekümmert 629 
und ihr Mund schweigend, und ist kein (Gottes-) Dienst auf 
diesem Himmel? Und es antworteten mir die Männer: Dies 3 
sind die Egregoroi, welche trennten von sich zwei Fürsten und 4 

10 die zweihundert, die ihnen folgten und herabstiegen auf die Erde 
und brachen die Gelübde auf dem Gipfel dem Berg Hermon, 
sich zu beflecken mit Weibern der Menschen; und sie befleckten 5 
sich, und es hat sie der Herr gerichtet, und diese beklagen ihre 6 
Brüder, [und] die zur Schmach gewordenen. Ich aber sprach zu 7 

15 den Egregoroi: Ich habe eure Brüder gesehen und ihre Werke 
erkannte ich und ihrer Gebete ward ich inne, und ich betete für 
sie; und siehe, es hat sie der Herr verurteilt unter die Erde, bis 
daß enden Himmel und Erde. Und warum wartet ihr auf eure 8 
Brüder und seid nicht dienend vor dem Angesicht des Herrn? 

20 Richtet auf eure früheren Dienste, dienet dem Angesicht des Herrn. 
Ihr möchtet erzürnen den Herrn, euren Gott, und er wird euch 

2 vgl. Hen. 15. — 11 Hen. 6, 1. 2 (Syncellus S. 20ff.). 5 ώμοσαν πάν- 
τες ομον. 6 „Und es waren im ganzen 200, und sie stiegen herab auf den 
Ardis, das ist der Gipfel des Berges Hermon" (Syncellus ήσαν δε ούτοι 
διακόσιοι οι καταβάντες εν ταΐς ήμέραις Ίάρεδ εις τήν κορνφήν τον Ήρμο- 
νείμ ορονς). — 12 Hen. 7, 1 και ελαβον εαντοϊς γυναίκας καΐ ^ρξαντο 
μιαίνεο9αι εν ανταΐς. 

1 „Heersch." voja: vsja U — „Egregoroi": egrigor B, igory V, igo- 
vory B 1 ; igrigorji, später grigorii U — „und" < U — „ihr Aussehen" 
videnie ich: videchi U 2 „mehr als" vjaSte U, pace VB 1 : videväe Β — 
„Und— Ang. d. Herrn" S. 73, 6< Vßi 4 „im f. H. gesch."<U 6 'diese" 
< U 9 „trennten . . brachen" ottorgu . . pretorguU: ottornu . . pre- 
torgnu Β — „von sich" wie es scheint U: „sich" Β (wohl „von denen 
sich trennten") — „zweihundert Fürsten der zweihundert, die" U 
11 „das Gelübde" U — „a. d. Gipfel" na rame:. na araroe Β 12 „wie 
s. z. befl." Β 14 „über die Schmach, die ihnen geworden" ?B 16 „w. 
ich inne" svedach: sevid U 17 „hat sie . . verurteilt" osudi ich: zdi 
ich B, osudil estj U 19 „und nicht dien. v. d. Ang. d. H. richtet ihr 
auf"? 20 „früheren" < Β — „d. Ang.": „im Namen" U 21 „und" 
<U 



Kürzere Keclaktion: Cap.,XVIH, 1— XLX, 5. 73 

hinabwerfen von diesem Ort. Und sie gehorchten der Mahnung 9 
meiner Zurechtweisung. Und es standen vier Ordnungen auf dem 
Himmel. Und siehe, während ich stand, posaunten vier Posaunen zu- 
sammen, und es begannen zu dienen die Egregoroi wie mit Einer 
5 Stimme, und es stieg empor ihre Stimme zu dem Angesicht des Herrn. 
XIX. Und es nahmen mich von dort die Männer und 
trugen mich hinauf in den sechsten Himmel. Und ich sah da- 
selbst sieben Ordnungen der Engel leuchtende und überaus herr- 
liche, und ihre Angesichter wie die Strahlen der Sonne glän- 

10 zende; und ist kein Unterschied des Angesichts oder des Um- 
fangs oder der Zusammensetzung der Kleidung. Diese verwalten 2 
(und) lehren die gute Ordnung der Welt und den Gang der 
Sterne und der Sonne und des Mondes. Engel und Erzengel 3 
und Engel des Himmels; und alles Leben des Himmels befrieden 

15 sie; sie verwalten aber auch die Gebote und Belehrungen und 
den Wohllaut der Gesänge und jedes herrliche Lob. Und Engel, 4 
welche sind über die Zeiten und Jahre, und Engel, welche sind 
über die Flüsse und über die Meere, und Engel, welche sind 
über die Früchte und das Kraut und über alles Sprudelnde, und 5 

11 Hen. 82, 10. — 16 Apok. 16, 5. 

1 „Und sie geh. — Und siehe" Z. 3 < U — „gehorchet" Β 5 „und" 

< U 6 „Sechster Himmel" UBB 1 : < V — „Und" < Β — „nahmen": 
„führten hinauf" U — „es .. d. Männer": „sie" B 1 7 „und" < V 
8 „sieben" < Β — „Ordnungen" cinj V, cinov B 1 ; soctan U: oto Β — 
„leuchtender u. üb. herrlicher" Β 1 — „und" •< V 9 „Anges." lica: „Strah- 
len" luca U — „wie d. Strahlen leuchtende wie die Sonne" Β — „glän- 
zende („glänzten" B 1 ) wie die Sonne" VB 1 10 „und" < ÜB 11 „Zu- 
sammens."prilozenijaB, sjurelozeniju VB 1 : sopriodruzanija U 12 „(uncb 
lehren" d> izucajut — „gute Ordnung" blagocinie: „Frömmigkeit" bla- 
gocestie Β — „und" < ÜB — „Gang" chozdenie VB 1 : „Lauf" tecenie Β 
„Geburt" γέννηαις rozdenie (cod. rozenie) U 13 „und" 1 < ÜB 1 — „Engel" 
„Und jener Führer (? voza) Engel" U: < B 1 — „u. Erz.": „Engel" V 

< ÜB 1 14• „und" < V — „Engel" angly : „Stimmen" glsy U — „und" i 
„diese" sii V: „Und ich fragte: Wer sind diese? Und es sprachen zu 
mir die Männer: Diese" B 1 — „befrieden" („geben sie das Maß"?) smir- 
jajut 15 „und sie verw. aber auch" B 1 — „aber" < B, „auch" < V 

16 „und Gesänge" UV — „und" < U — „herrl. Lob": „Lob u. Preis" U: 
„im Himmel" + Β — „Und" < Β — „Eng., w. s.": „dieselben Engel" V 

17 „w. sind" < B 1 — „und" < B 1 — „und Engel" < Β — „sind . . sind" 

< UVB 1 18 „und . . welche" < U 19 „und" vor „über alles" < B 1 



74 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

Engel jedes Volkes; und das ganze Leben verwalten sie und 
schreiben es auf vor dem Angesicht des Herrn. In ihrer Mitte 6 
sieben Phönixe und sieben Cherubim und sieben Sechsflügelige, 
indem sie einstimmig einander antiphonieren und einander zu- 
5 singen, und es ist nicht möglich, ihre Gesänge auszusagen; und 
es freut sich der Herr an seinem Fußschemel. 

XX. Und es erhoben mich von dort die Männer und trugen 
mich hinauf in den siebenten Himmel. Und ich sah daselbst ein 
großes Licht und alle feurigen Heerscharen der leiblosen Erz- 

10 engel und den leuchtenden Stand der Ophanim. Und ich fürch- 
tete mich und erbebte. Und es nahmen mich die Männer in ihre 2 
Mitte und sprachen zu mir: Sei mutig, Henoch, fürchte dich nicht. 
Und sie zeigten mir den Herrn von ferne, sitzend auf seinem 3 629 v 
Tron. Und alle himmlischen Heerscharen, in Ordnungen auf 

15 die Stufen tretend, beteten an den Herrn; und sie gingen wieder 4 
hinweg und gingen wieder an ihre Orte in Freude und Fröhlich- 
keit in unermeßlichem Licht. Aber die Herrlichen ihm dienend, 
XXI. treten auch bei Nacht nicht hinweg, noch gehen sie hinweg 

9 Jes. 6, 2. Ezech. 10, 12. Eph. 1, 21. Kol. 1, 16. Hen. 14, 14. 18 f. 
61, 10. 71, 6 ff. — 14 Jes. 6, 1. Apok. 4, 3. 19, 4. Hen. 14, 18. 20. 

1 „jedes Volkes („aller Menschen"?) — Leben": „u. aller Leben" B, 
„u. jedes Volks (aller Menschen?) Leben" V, „jedes Volks („aller Men- 
schen"?) u. d. ganze Leben" B 1 2 „Und in" Ußi 3 „und" 1 < V — 
„und" 2 < UV — „sieben" < U 4 „antiphonieren" < U — „und einzu- 
singen" < Β 5 „und" < ÜB — „ihre Gesänge" penia ich: po nich Β 

— „und" < ü 6 „ergötzt sich" VB 1 7 „Siebenter Himmel" UBB 1 , 
„Der Aufstieg Henochs in den siebenten Himmel" V — „Und sie nah- 
men mich" B 1 8 „daselbst" < U 9 „leiblosen" UVBi; „Engel 
und" Β — „Erzengel": „Erzengel, Engel" U: „und Engel" B 1 

10 „d. leucht. St. d. Ophanim" („Ostanim" V, „Otaim" B 1 ): „den Glanz 
der Seraphim" Β 11 „nahmen" pojastaUB: „stellten" postavista VB 1 

— „in" po: „und" i Β 12 „und sprechend" i gljuäta V: „sprachen" 
glaSe Β — „Sei mutig" < Β — „und fürchte" ßi 14 „Und" < U 

— „himmlischen" < Β — „in Ordnungen", „geordnet" cetij V: soctani U, 
scetani B: < B 1 15 „traten auf" B 1 — „und bet. an" VB 1 16 „und" 1 

< Β — „wieder" < ÜB — „ihren Ort" Β — „und in" Β — „u. in Fröhl." 
ÜB 1 17 „und in unerm." Vßi — „Aber" „Und" a UV: „Und" i Β 

— „Aber d. Herrl.": „und Herrlichkeit" B 1 18 „treten . . n. h." ne 
otstupajut: ne otstupnoto B: „nicht hinwegtretend" ÜB 1 — „auch" 

< ÜB 1 — „Tag u. Nacht" B 1 — „gehen sie hinweg" < 



Kürzere Redaktion: Cap. XIX, 5— XXII, 2. 75 

am Tage, stehend vor dem Angesicht des Herrn und tuend seinen 
Willen; und alle Heerscharen der Cherubim und Seraphim um 
seinen Tron, nicht hinwegtretend, und die Sechsflügeligen be- 
decken seinen Tron, singend vor dem Angesicht des Herrn. 
5 Und als ich alles dies gesehen hatte, gingen von mir hinweg 2 

die Männer, und fortan sah ich sie nicht. Und sie ließen mich 
allein am Ende des Himmels; und ich fürchtete mich und fiel 
auf mein Angesicht. Und es sandte der Herr Einen von seinen 3 
Herrlichen zu mir, den Gabriel. Und er sprach zu mir: Sei 

10 mutig, Henoch, fürchte dich nicht; stehe auf, komm mit mir und 
stehe vor dem Angesicht des Herrn in Ewigkeit. Und ich ant- 4 
wortete und sprach zu ihm: Wehe mir, mein Herr, es ist aus 
mir gewichen meine Seele vor Furcht, rufe zu mir die Männer, 
welche mich geführt haben bis an diesen Ort, weil ich auf jene 

15 vertraute, und mit ihnen werde ich gehen vor das Angesicht des 
Herrn. Und es riß mich hinweg Gabriel, wie hinweggerissen 5 
wird ein Blatt vom Wind, und trieb mich und stellte mich vor 
das Angesicht des Herrn. 

XXII. Und ich sah den Herrn; sein Angesicht stark und 

20 herrlich und sehr furchtbar. Wer bin ich, auszusagen die seien- 2 



7 Hen. 14, 24 f. 15, 1 κάγώ ημην . . επί πρόσωπον μον βεβλημένος 
και τρέμων . . . καϊ προσελ&ών μοι εις των αγίων ήγειρέν με και εατηαεν 
με . . . και της φωνής αντοϋ η^κονσα' μη φοβη&ής ^Ενώχ (71, 15). 



1 „und" < ÜB 2 „u. Seraphim" < U 3 „bedeckend" U 

4 „und singend" V 5 „U. ich sah alles und es" B 1 — „und es gin- 
gen" U 6 „Männer": „die mit mir waren" + B 1 — „sie" 1 < Β — „Und" 
< U — „ließen" ostavisa: daraus „stellten" postavisa U 7 „und" 1 < BB 1 

— „und"2 < U 8 „sandte": „mir" + Β 10 „und fürchte" B 1 — 
„stehe auf" vostani: voin V — „und komm" ÜB 1 11 „antwortete ihm 
und" U: < VB 1 12 „Wehe" uvy: „in" vo ÜB — „mein" < ÜB 

— „denn . . m. Seele" B 1 — „aus mir" <B 13 „und rufe" U: „aber 
rufe" B 1 14 „(m. j.) geredet" povedach U 15 „werde ich gehen" 
UVB 1 : „bin ich gegangen" Β 16 „hinwegg. e. Blatt" (vozmetaetsja B 1 ) 
voschistaet(sja) list: „aufstehen Winde" vostajutsja vetri Β 17 „zog", 
„trieb" muca, mca: „nahm" vjzet V 19 „Vom Schauen des Herrn" 
als Überschr. in ü (2 mal) — „Und ich— Dienst" S. 76, Z. 6 < VB 1 — 
„Und" < U 20 „sehr herrlich u. furchtbar" U — „Wer kann aus- 
sagen" U — „d. 8. Umf." obüjatija . . suste B: objati sustee U: 1. „d. un- 
erfaßbare Wesen", vgl. Α neobetoe sustestvo 



76 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

den („wesenhaften"?) Umfassungen des Herrn, und sein An- 
gesicht, stark und furchtbar, oder sein Vielaugiges und Viel- 
stimmiges, und den nicht mit Händen gemachten sehr großen 
Tron des Herrn und den Chorstand der Heerscharen der 
5 Cherubim und Seraphim um ihn, seinen unveränderlichen und 3 
unaussagbaren und ununterbrochenen herrlichen Dienst? 

Und ich fiel nieder und betete an den Herrn. | Und der 4. 5 
Herr rief mich mit seinem eigenen Mund: Sei mutig, Henoch, 
fürchte dich nicht, stehe auf und stehe vor meinem Angesicht 

10 in Ewigkeit! Und es hob mich auf Michael, der Archistrateg 6 
des Herrn, und führte mich vor das Angesicht des Herrn. Und 
es versuchte der Herr seine Diener und sprach zu ihnen: Es 
trete herzu Henoch, zu stehen vor meinem Angesicht in Ewig- 
keit! Und es beteten an die Herrlichen den Herrn und sprachen: 7 

15 Er trete herzu! Und es sprach der Herr zu Michael: Nimm den 8 
Henoch und | entkleide ihn von den irdischen Kleidern uüd salbe 630 
ihn mit gutem Ol und kleide ihn in herrliche Kleider. Und es 9 
entkleidete mich Michael von meinen Kleidern und salbte mich 
mit guter Salbe. Und das Aussehen der Salbe mehr als großes 

20 Licht, und ihre Salbe wie schöner Tau und ihr Duft wie von 
Myrrhen, wie Strahlen der Sonne leuchtend. Und ich blickte 10 

16 vgl. Sach. 3, 4. 5. 

1 „das Angesicht des Herrn, das starke und sehr furchtbare" U 
2 „Vielaugiges" mnogoocnoe U: mnogoobycnyja ß 3 „und sehr" Β 
4 „und": „oder" U — „d. Chorstand": „den Stand" U 5 „welcher ist um 
ihn"U — „seinen": „oder seinen"U — „veränderlichen"B — „und":„oder"U 
6 „und" < U — „ununterbr. und herrl. („lobpreisenden"?)" U 7 „Und" 

< B 1 — „nieder": „und konnte nicht sehen den Herrn Gott" + VB 1 — 
„und betete an — Er trete herzu" < hier VB 1 , aber -f- hinter „Anblick" 
S. 77, 2, eingeleitet durch „und es wich Furcht und Zittern von mir"; 
ebenso von „Und d. Hen" an auch B 1 9 „stehe auf und" < VB 1 

10 „hob m. emp. .. und" < VB 1 — „Archistr.": „große Erzengel" U 

11 „d. Herrn" 1 < B 1 — „d. Herrn"*: „Gottes" VB 1 — „Und" + ÜB 1 

12 „und" < U 14 „alle Herrlichen" B 1 — „den Herrn" < U — „und 
sprachen" + ÜB 1 15 „Und" < U — „d. Herr Gott" Β ι 16 „ihn" 

< U — „Kleidern" < Β 17 „ihn . . ihn" < Uß — „mit guter Salbe" V: 
„m. heiliger Salbe" B 1 19 „m. gutem Öl" V v , „m. heiligem Öl" B 1 — 
„Und" < Β — „jenes Öls" V, „jener Salbe" B 1 20 „Licht" sveta U, 
vgl. A: „Schnee" snega BVB 1 — „u. ihre — Tau" < Β — „und" < U — 
„wie — leuchtend": „und ihre Strahlen wie die der Sonne" U — „ihr"<V 
— „wie"<B 21 „und wie Str." B 1 



Kürzere ßedaktion: Cap. ΧΧΙΓ, 2— XXIII, 6. 77 

auf mich selbst und ich war wie einer von den Herrlichen und 
nicht war ein Unterschied des Anblicks. 

Und es rief der Herr den Vreteel, Einen von seinen Erz- 11 
engein, welcher war weise, aufschreibend alle Werke des Herrn. 
5 Und es sprach der Herr zu Vreteel: Nimm die Bücher aus den 12 
Behältnissen und gib ein Schreibrohr dem Henoch und sage ihm 
vor die Bücher, Und es eilte Vreteel und brachte zu mir die 
Bücher geschärfte (!) mit Myrrhen(?) und gab mir das Schreibrohr 
aus seiner Hand. XXIII. Und er war mir sagend alle Werke 

10 des Himmels und der Erde und des Meers und aller Elemente 
Läufe und Leben und die Veränderungen der Jahre und der Tage 
Läufe und Wechsel | und die Gebote und Lehren; und süßstim- 2 
migen Gesang; und den Eingang und Ausgang der Wolken und 
Winde und die Sprache der Lieder und die Sprache der gewaff- 

15 neten Heerscharen, und alles, soviel gebührt zu lernen. 

Und es tat mir kund Vreteel dreißig Tage und dreißig Nächte, 3 
und nicht verstummte sein Mund redend. Und ich schlief nicht 6 
dreißig Tage und dreißig Nächte, schreibend alle Zeichen („alles 
Angezeigte"?). — Und als ich geendet hatte, sprach zu mir 

9 Hen. 72. 

1 „selbst": „schauend" + VB 1 2 „d. Anblickes": „Und es wich 
Furcht u. Zittern von mir, und der Herr rief mich — des Herrn" (wie 
oben S. 76, 11) VB^ 3 „der Herr" < Β — „Vereveel" stets U — „von" < Β 
(„seiner Erzeng." B) — „Erzeng.": „Herrlichen" B l 4 „war" < V — 
„u. er schrieb auf" Β 5 „Und" < Β — „dem Behältnis" Β 6 „ein 
Schreibrohr" < B 1 — „sage ihm vor" < Β 7 „Und es — Bücher" < B 1 

— „eilte" uskori: ustroi Β — „zu mir": „mir" U 8 „geschärfte" iz- 
oätreni U, izoostrenny B: ispestreny B 1 („vorzügliche" izjastni A) 9 „Und 
er sagte mir" B l 10 „d. Himmels": „d. Herrn" U — „u. das Meer" U 
11 „Leben" zitija: zivotgrumenie S, gromov grymenija Ρ — „und" < BB 1 

— „Veränderungen" premene U, „Veränderung" preminu Β : „die Zeiten" 
vremena VB 1 — „und Jahre" B 1 12 „und (< B) Wechsel" i izmene- 
nia BV: „und Bezeichnungen" i zaamenija B 1 : „und der Erde" i zem- 
nyja U — „und" < U — „der Gebote Lehre" zapovedej poucenie B 1 , 
wohl aus „Gebote u. (< B) Lehre" zapovedi i ucenie — „und" vor „süßst." 
+ U — „süßstimm. — lernen" Z. 15 < VB 1 13 „die Eingänge der Wol- 
ken u. Ausgänge der Winde" U 14 „d. Lieder" pesne B: „d. Hebräer" 
evreiskyi U — „die Sprache" : „jede Sprache, das neue Lied" U 17 „und" 
vor „nicht" < ßi 18 „Zeichen" (τίτλος'!)•. „Gottes" + Β 19 „ge- 
endet hatte": „anfing" Β — „sprach zu m. — genau" S. 78, Z. 3 < VB 1 



78 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

Vreteel: Sitze, schreibe, soviel ich dir kund getan. Und ich saß 
nun doppelt dreißig Tage und dreißig Nächte und schrieb alles 
genau; ich schrieb dreihundertundsechzig Bücher. 

XXIV. Und es rief mich der Herr und stellte mich zu seiner 
δ Linken, nahe bei Gabriel. Und ich betete an den Herrn. Und 2 
es sprach zu mir der Herr: Soviel du gesehen hast, Henoch, 
Stehendes und Gehendes und von mir Vollendetes, ich tue dir 
kund, bevor daß alles ward von Anbeginn, soviel ich geschaffen 
aus dem Nichtsein zum Sein und aus dem Unsichtbaren zum 

10 Sichtbarsein. Auch meinen Engeln habe ich meine Geheimnisse 3 
nicht kund getan, noch habe ich ihnen ihre Kompositionen be- 
kannt gemacht, noch haben sie mein Unendliches und das Un- 
begreifliche der Schöpfung erkannt; und dir tue ich es heute 
kund: Bevor daß war alles Sichtbare, tat sich auf das Licht. 4 

15 Ich aber fuhr inmitten des Lichts wie allein in dem Unsicht- 
baren, wie die Sonne fährt von Osten nach Westen und von 
Westen nach Osten. Die Sonne aber findet Ruhe, ich aber fand 5 
nicht Buhe, weil ich war alles schaffend. Ich gedachte aber hin- 
zustellen die Fundamente, j zu schaffen die sichtbare Kreatur. — 630 v 

9 Sap. 11, 18. — 10 vgl. c. 40, 3. — 14 Gen. 1, 3. 

2 „nun"<U — „alles" < U 3 „und ich sehr." VB*: „u. ich 
tat kund" U 5 „Und es spr.": es beginnt C (Ctenija 1910, IV, 150) 
,,Und(?) so sprach zu ihm Gott alle seine Worte" 6 „der Herr" < V 
„So viel— Vollendetes" < C — „ich gesehen habe" Β 7 „und" 1 • 2 < Β 
— „Geh.": „Ausgehendes" BB 1 — „ich aber tue dir kund" U — „ich 
werde dir kund tun meine Geheimnisse" C 8 „Über die Erschaffung 
der Kreatur" als Überschr. U — „ward" U: „geschehen" C: „stand" VB 1 : 
„man dir kund getan" (vozvestista) Β 9 „und" < Β 10 „m. Geheimn." 
< C 11 „noch": „oder" C — „ihre Komp." (sostavlenija): „die Geheim- 
nisse u. ihre Bestimmungen" (ustavlenijaj VB 1 13 „erkannt" razu- 
meäa U, razumnej£aja B: „bedeckt" razmyslisa Β ! 0: razmysljae V — 
„und dir — Sichtbare" < VB 1 — „und dir— kund" < C 14 „Denn be- 
vor" BC — „alles": „dies" C — „tat sich auf" otverzesja: „und ich tat 
auf" i otvrjzoch V, i otverzech B 1 15 „d. Lichts" < VB 1 — „wie 
allein" <B: „wie Einer"? — „von den Unsichtbaren" VB 1 16 „u. 
von W. — schaffend" <Vßi — „und" < U 17 „Die S.— nicht Buhe" 
<C — „findet": „fand" Β — „ich— Buhe" < Β 18 „weil— aber: 

„Denn weil ich gedachte alles zu schaffen" C — „weil — schaffend": 
„und weil denn ich alles geschaffen" Β (aber vgl. A) — „Ich ged." urnys- 
lech (umyslich): umysle U 19 „ein Fundament" UO — „und zu" VB 1 
— „Kreatur": „zu schaffen" + Β 



Kürzere Kedaktion: Cap. XXIII, 6 -XXVII. 79 

XXV. Ich gebot, daß in dem Untersten hervorgehe Eines, von 
dem Unsichtbaren ein Sichtbares; und es ging hervor der über- 
aus sehr große Adoel, und ich sah ihn, und siehe er im Leib 
habend einen großen Aeon. Und ich sprach zu ihm: Löse dich 2 

5 auf, Adoel, und es werde ein Sichtbares geboren aus dir. Und 3 
er löste sich auf, und es ging aus ihm hervor ein großer Aeon 
und so tragend alle Kreatur, die ich machen wollte, und ich 
sähe, „daß es gut". Und ich stellte einen Tron mir hin und 4 
setzte mich auf ihn. Zu dem Licht aber sprach ich: Gehe du 
10 höher hinauf und befestige dich und werde das Fundament dem 
Oberen; und nicht ist höher als das Licht irgend etwas anderes. 5 
Und ich schaute, mich aufgerichtet habend von meinem Tron, 

XXVI. und rief im Untersten zum zweiten mal und sprach: Es 
gehe hervor aus dem Unsichtbaren der Feste Ein Sichtbares. Und 2 

15 es ging hervor Aruchas, fest und schwer und überaus schwarz. 
Und ich sah, „daß es gut". Und ich sprach zu ihm: Gehe du hinab 3 
abwärts und befestige dich und werde das Fundament dem Unteren. 
Und er ging hinab und befestigte sich und ward das Fundament 
dem Unteren; und nicht ist unter der Finsternis irgend etwas. 

20 XXVII. Umhüllend aber den Äther mit Licht verdickte 

1 Sap. 11, 18. — 8. 16 Gen. 1, 10. — 10 Prov. 8, 27. 

1 „Und ich gebot" B'C — „wie Einer" BC — „Eines — es ging 
hervor" < VB 1 2 „und" < U — „überaus" zelo: „übel" zle V: < B 1 
3 „Adael" hier U, „Idoel" stets V — „und ich — er" < VB 1 4 „gr. 
Aeon": „sehr großen Stein" VB 1 — „Birst ausein." „Löse dich" razdru- 
sisja: „Löse dich" razreäisja Β 5 „geboren" razdaemo V (wie A), 
razzaemo B: „das Gelöste" razreäaemoe U — „Und so" B 1 6 „loste 
sich" razdruSise V, razrusisja B 1 : „löste sich" razreäisja ÜB — „und" 

< V — „Aeon" : „Stein" V 7 „so" tako : „dorthin" tamo VB 1 8 „ihnen 
mir" Bi 9 „auf sie" B* — „Und zu" B 1 — „aber" < VB* 10 „und"* 

< C — „und"2 < BU 11 „und" < C 12 „U. ich schaute" i zrech: 
az rech U: „und" + Β — „mich aufger. habend" B 1 : „richtete mich auf" 
„lehnte mich zurück" UBC 13 „und" < V — „rief": „von meinem 
Tron" + Β — „im" V: „vom" Β ■ — „und sprach" i rech: ich U: < B 1 
14 „die Feste und" U; „zur Feste" V, „in der Feste" B 1 — „Und es g. 
herv." < Β (nicht auch C) 15 „Aruchaso" C — „fest und": „mit einer 
Feste" U 17 „u. werde — sich und" < V 18 „Und er— Unteren" 

< Bi — „und" vor „bef." + C 19 „und" < BC — „ist aber" BC 
20 „irg. e. anderes" U — „Umhüllend" obyv: „Abgehauen habend" 
otbiv C: od Β — „aber" < B* — „und verd." B 1 



§0 Die Bücher der Geheiirmisse Henochs. 

ich und breitete aus über der Finsternis den Weg des Was- 
sers. XXVHI. Und ich machte fest ein großes Gestein. Den 2 
Wogen aber des Abgrunds gebot ich auszutrocknen auf dem 
Trockenem; ich nannte aber den Schlund des Abgrunds Meer; 3 
(es) gesammelt habend an Einen Ort, band ich es zusammen durch 4 
ein Joch. Und ich gab inmitten von Erde und Meer eine ewige 
Grenze, und nicht wird sie durchbrochen werden von den 
Wassern. Eine Feste aber festigte ich und gründete sie über 
den Wassern. 

10 XXIX.. Zu allen Heerscharen des Himmels aber bildete ich 

die Sonne von großem Licht, und setzte sie an den Himmel, 
damit sie „leuchte auf der Erde". Von dem Gestein aber hieb 3 
ich ab ein großes Feuer, und aus dem Feuer machte ich die 
leiblosen Heerscharen und alle Heerscharen der Sterne, und die 

15 Cherubim und Seraphim und Ophanim und alle diese hieb ich aus 
aus dem Feuer. XXX. Der Erde aber gebot ich hervorzubringen 
alle Arten Bäume [und alle Berge] und jedes lebende Kraut und 
jeden gesäten Samen; bevor daß ich machte die lebendigen 

1 Gen. 1, 7. — 5 Gen. 1, 9. 10 (Gen. 7, 11?). — 8 Ps. 103 (104), 9. 
Jer. 5, 22. — 11 Gen. 1, 17. — 16 Gen. 1, 11. 2, 9. 3, 24. 

1 „und" < U — „breit, aus" prostrech V, prostroch UCB 1 : proch Β — 
„über ihrer Finst." U — „d. Weg d. W. Und": „aber von den Was- 
sern" U — „der Wasser" Ο 2 „Und" < BC 3 „Wogen" volnani: 
„Hügeln" mogilamU — „aber"< Β — „gebot ich"<< Β — „zu Trockenem"?: 

< U 4 „ich nannte" narekocb Β HD (wie A); „auf d. Flüssen" na rekach 
BV: „ich sprach nicht" ne rekoch U — „Schlund" upadok VB 1 : „an den 
Strömen" u potokB; upaddo U 5 „ges. habend" („und ges. hab." B 1 ) 
sübravj V, sobrav B 1 : „sammelte er" sobra BC — „und ich band" B 1 — 
„durch e. Joch" < B l 6 „Und" < UC — „gab" dach: da Β — „inm. 
v. E. u." < U 7 „und" < UBO — „wird s. durchbr. w." pretrjgnetse V, 
pretorgnetsja B 1 , peretergnetsja U: preterpe B, pretorgze C — „dem 
Wasser . . dem Wasser" VB» 8 „aber" < UBC 10 „aber" < V 
11 „und" < VB'C — „sie" < VB» 12 „leuchte": „des Tags" + C — 
„Erde": „den Mond aber eine kleinere Leuchte, damit er ebenso leuchte 
des Nachts" + C 1 3 „d. Feuer" :„d. Gestein" V — „alle leibl."U 14 „und" 
vor „d. Cher." < BOB 1 15 „u. alle diese hieb ich aus" vsja sii izse- 
koch (izsekoäa B), se vse issekoch U, vsja sija issekoch O: vüsekoch V 11 , 
vse sekoch V v , vse izsekoch B 1 16 „gebot ich" povelech: povele Β 
17 „und" vor „alle" < Β — „alle" UC: „hohe" BVB 1 — „lebende" 

< VB 1 18 „jed. ges. S.": „jeden lebendigen Samen, säend Samen" U: 
„jedes Gesäte" B 1 



Kürzere Bedaktion: Cap. XXVII— XXXIII, δ. 81 

Seelen, bereitete ich ihnen Speise. Dem Meer aber gebot ich 7 
hervorzubringen und zu erzeugen seine Fische und jedes Keptil, 
welches auf der Erde kriecht, und jeden fliegenden Vogel. Und 8 
als ich alles dieses vollendet hatte, gebot ich meiner Weisheit, 
5 den Menschen zu machen. 

XXXIII Jetzt aber, Henoch, soviel ich dir gezeigt habe, und 3 
soviel du gesehen hast in den Himmeln und soviel du gesehen 
hast auf der Erde und soviel du geschrieben hast in den Büchern, — 
durch meine Weisheit habe ich ersonnen, alles dieses zu machen; 

10 ich habe es gemacht von dem untersten Fundament bis zum 

höchsten und bis zu ihrem Ende. | Nicht ist da ein Berater, noch 4 631 
Erforscher. Ich selbst bin ewig und nicht mit Händen ge- 
schaffen, mein unveränderlicher Gedanke ist Berater und mein 
Wort ist Tat, und meine Augen blicken auf alles. Wenn ich auf 

1δ alles schaue, so steht es, wenn ich aber mein Angesicht abwende, 
so wird alles vernichtet. Setze deinen Verstand dazu, Henoch, 5 
und erkenne den, der mit dir redet, und nimm die Bücher, die 

1 Gen. 1, 20—26. — 4 Prov. 8, 30. — 11 Jes. 40, 13. Sir. 42, 21. Ps. 32 

(33), 9. 103 (104), 29. 



1 „zur Speise" B 1 2 „hervorzubringen und" -j- VB 1 3 „kriecht" 
„und (< B 1 ) die Tiere u. Haustiere" + VB 1 — „Vogel" pticu: pistu pticu Β 
„Und" < U 4 „ich . . voll, h." skoncach: skonca U — „dieses" < UVB 1 
„gebot ich" povelech („und g. ich" B 1 ): „tat ich kund" povedach V 
5 „mir den Menschen" V 6 „Henoch": „Mensch" C: < U — „so viel": 
„alles (habe ich dir gez.)" Β 7 „siehst . . siehst" Ο — „in den — so 
viel" < VB 1 — „in dem Himmel" C — „du ges. hast" < Β 8 „und" 
<; Β — „du geschr. h." napisa: „ich geschr. habe" napisach ÜB: „geschr. 
ist" napisano C — „in diesen Büchern" V 9 „ersonnen — gemacht": 
„und ich habe es klüglich ersonnen, ich habe es gemacht" U — „ers. . . 
zu machen": „habe ich eingerichtet" B 1 10 „ich habe — Ende": „nach- 

dem ich es gemacht (< B 1 ) vom Höchsten bis zum Untersten" VB 1 
11 „und"<C — „Und nicht" Β 1 — „da" < Β — „noch Erforscher" 
ni slednik U, ni sletnik C: „u. Nachfolger" i naslednika B: < VB 1 
13 „unveränderlich" bezpremenen: „zeitlos" bezvremenen C: < B 1 : „und" 
+ V — „mir Berater . . mir Tat" Ο — „und . . und" < B 1 14 „blicken 
auf", „erspähen", „erforschen" 15 „wenn ich aber m. Ang. abwende" 
vor „Wenn ich aber schaue" (so) in U — „mich abwende" B 1 16 „alles" 
< B 1 — „Henoch": „Mensch" C 17 „und" < Β — „erkenne den, der 
alles dieses geschaffen hat" Cu. endet — „und" < Β — „die ich geschr. 
habe" ÜB 

T. u. U. '22: Bonwetsch. 6 



82 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

du geschrieben hast. Und ich gebe dir die Engel Serneel und 6 
Rasuel, die dich zu mir heraufgeführt haben. Und gebe hinab 
auf die Erde und sage deinen Söhnen, so viel ich zu dir geredet 
habe und so viel du gesehen hast von dem untersten Himmel 
5 bis zu meinem Tron. Alle Heerscharen habe ich geschaffen, 7 
und nicht ist, der sich mir widersetzt oder nicht Untertan ist; 
alle sind Untertan meiner Alleinherrschaft und dienen meiner 
alleinigen Herrschaft. Und gib ihnen die Bücher deiner Hand- 8 
schrift, und sie sollen sie lesen und mich erkennen, den Schöpfer 

10 des Alls, und es sollen auch jene verstehen, daß nicht ein an- 
derer ist außer mir, und es sollen die Bücher deiner Handschrift 9 
öffnen die Kinder den Kindern und die Blutsverwandten den 
Blutsverwandten und ein Geschlecht dem Geschlecht. Denn ich gebe 10 
dir als Mittler, Henoch, meinen Archistrategen Michael, weil deine 

15 Handschrift und die Handschrift deiner Väter, Adams und Seths, 
nicht sollen vernichtet werden bis zum letzten Aeon, da ich ge- n 
boten habe meinen Engeln Arioch und Marioch, welche ich ge- 
setzt habe auf die Erde, sie zu bewahren und den Zeiten („denen 
der Zeit"?) zu gebieten, daß sie bewahren die Handschrift deiner 12 

20 Väter, damit sie nicht vernichtet werde in der kommenden Sint- 
flut, die ich machen werde in deinem Geschlecht. XXXIV. Denn 
ich kenne die Bosheit der Menschen, daß sie nicht werden tragen 

2 Hen. 81, 5. 6. — 8 Hen. 82, 2. 

1 „Und"<B — „die Engel" <U— „Seloel (,,Semiel"VBi) undRusul"B 
4 „und"<U — „ich gesehen habe" U: „dich sehend" B 1 6 „und" 
<UB — „jemand, der" Β — „oder": „und" Β 7 „und alle" U — 
„und" -f- ÜB 1 8 „Gib aber" V 9 „und sie — öffnen" Z. 12 < V — 
„mich" < UBi — „d. Seh. d. Alls": „ihren Schöpfer" ÜB' 10 „auch" 
<ßi — „e. anderer" < B: „Schöpfer" + U 11 „und es — den Bluts- 
verw." Z. 12: „und gib die Bücher deiner Handschrift den Kindern und 
Kindeskindern u. lehre die Blutsverw." U — „d. Handschr.": „d. Hände- 
werks" Β 12 „die Kindeskinder"? — „u. den Blutsverw. u. die Blutsv. 
und Geschl. zu Geschl." B 1 13 „Denn ich g. dir" < VB 1 14 „den 
Archistr." B: „meinen Heerführer" VB 1 15 „u. die Handschriften" B 1 
15 „und Adams" U 16 „soll vern. w." potrebitsja V: potrebisja B 1 

17 „den Engeln" U — „Orioch" V — „welche" ize B, jaze U: „wie" 
jakoze VB 1 18 „sie zu bew." chraniti ju: chartiju V 19 „die Hand- 
schriften" B 1 — „auch d. Väter" V und -f- „daß sie bewahren" 20 „kom- 
menden" < V 21 „Denn" < ÜB 22 „habe erkannt" U 



Kürzere Redaktion: Cap. XXXIII, 5— XXXVI, 1. 83 

das Joch, welches ich ihnen auferlegt habe, noch säen werden 
den Samen, welchen ich ihnen gegeben habe, sondern werden 
abwerfen mein Joch und werden ein anderes Joch aufnehmen 
und säen leeren Samen und eitle Götter anbeten und werden 
5 verwerfen meine Einzigkeit; und die ganze Erde wird verkehrt 2 
werden durch Taten der Ungerechtigkeit und der Kränkung und 
durch Unzucht und Götzendienst. Alsdann führe ich eine Sint- 3 
fiut auf die Erde, und die ganze Erde selbst wird in großen 
Schlamm zertrümmert werden. XXXV. Und ich lasse überbleiben 

10 einen gerechten Mann von deinem Geschlecht mit seinem ganzen 
Hause, welcher tut nach meinem Willen. Und aus seinem 
Samen wird aufstehen ein anderes letztes Geschlecht, ein 
großes und überaus unersättlich. Alsdann beim Herausführen 2 
jenes Geschlechts werden offenbar werden die Bücher deiner | 631 1 

15 Handschrift und deiner Väter, da die Wächter der Erde sie 
zeigen werden treuen Männern, und sie werden sie zeigen 3 
jenem Geschlecht, und sie werden herrlicher werden zu- 
letzt mehr als zu Anfang. — XXXVI. Jetzt aber, Henoch, gebe 
ich dir eine bestimmte Zeit des Termins, dreißig Tage, zu ver- 

20 bringen in deinem Hause, und sage deinen Söhnen, und allen 
von deinem Samen und deinen Hauskindern und jedem, welcher 
ist sein Herz behütend, damit sie durchlesen und erkennen, daß 

7 Gen. 6, 17. Ps. Cypr. 2 (III, 134). — 14 vgl. Dan. 12, 4. — 
18 Hen. 81, 6. 

1 „auferlegt habe" vozdvignuch: „aufzuerlegen" vozdvignuti Β 
2 „sondern": „und" ß — „warfen ab" Vß 1 4 „leere Samen" ß 1 

5 „Einzigkeit": „Alleinherrschaft" U — „w. verk. werden" sogrezitsja B 1 , 
„w. gekränkt w." sügrozitsje V: „w. sündigen" sogreäit ÜB (sügrezisja S, 
sogrusisa P) 6 „und"i < Vßi — „und"2 < B* 7 „und" < U — 

„führe ich" < ßi — „auch ich" V 8 „ganze" < U — „selbst" < VB 1 
10 „v. d. Geschl." < Vß 1 11 „tat" U: „mein Gebot" + Β — „aus 

ihrem Samen" B l 12 „anderes" < U — „letztes Geschl.": „Geschl. 
hernach" VB 1 15 „sie" < B 1 16 „zeigen Männern jenem Geschl." Β 
17 „herrl. w." proslavjatsja U: „rühmen" proslavjat BV: ispravljat („ge- 
recht handeln") B 1 18 „als zuerst" ÜB 1 , „als die Ersten" V — „aber" 
< Β 19 „bestimmte" < ÜB 1 — „Zeit d. T." rok prezdanija: rukopre- 
danie U — „dreißig": ΊΓ B 1 — „zu verbringen" sütvoriti: „verbringe" 
sotvori Β 20 „und" < V — „zu sagen" U — „und — Samen": „von 
mir aus" U — „und" < BV 21 „von— jedem" < Vß 1 — „jedem": 
„alles" BV 22 „erkennen" razumejut: rai + Β 

6* 



g4 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

nicht ist ein Gott außer mir. Und nach dreißig Tagen werde 2 
ich meine Engel nach dir senden, und sie werden dich nehmen 
von der Erde und von deinen Söhnen, soviel ist nach dem Ge- 
bot des Herrn. 

5 XXXTX. Denn ich bin gesandt, von dem Mund des Herrn 

heute zu euch, zu euch zu reden, so viel ist und so viel sein 
wird bis zu dem Tag des Gerichts. Und jetzt, meine Kinder, 2 
nicht aus meinem Mund verkündige ich euch heute, sondern aus 
dem Mund des Herrn, der mich zu euch gesandt hat. Ihr zwar 

10 nun höret meine Worte aus meinem Mund, eines euch gleich 
geschaffenen Menschen, ich aber habe gehört die Worte aus dem 
feurigen Mund des Herrn. Denn der Mund des Herrn wie ein 
feuriger Ofen, und seine Worte feurige Flammen hervorgehend. 
Ihr zwar, meine Kinder, seht mein Angesicht eines euch gleich 3 

15 geschaffenen Menschen, ich aber sah das Angesicht des Herrn 
wie Eisen durchglüht vom Feuer, Funken aussprühend; ihr näm- i 
lieh schauet meine Augen eines euch gleich geschaffenen Men- 
schen, ich aber sah die Augen des Herrn wie Strahlen der 
Sonne, leuchtend und erschreckend die Augen der Menschen. 

1 Dt. 32, 39. Jes. 44, 6. 45, 5/6. 2 vgl. Hen. 81, 6. 

1 „ein Gott" < UBB 1 2 „meine" < ÜB — „zu mir nehmen" U 
3 „und soviel" Β — „soviel— Herrn": „werden sie dich zu mir nehmen, 
denn ein Ort ist dir bereitet. Und du wirst sein vor meinem Angesicht 
von nun an bis in Ewigkeit und wirst sein schauend meine Geheimnisse 
und wirst sein ein Schreiber meinen Knechten, da du sein wirst schrei- 
bend alle Dinge der Erde und dessen, was ist auf der Erde und in den 
Himmeln, und wirst mir sein zum Zeugnis des großen Gerichts des 
Aeons. Alles hat der Herr zu mir gesprochen, wie ein Mann gesprochen 
hat mit seinem Nächsten. (XXXIX.) Und jetzt, meine Kinder, höret die 
Stimme eures Vaters, so viel ich euch heute gebiete, damit ihr wandelt 
vor dem Angesichte des Herrn, und so viel dir zu tun ist nach dem 
Willen des Herrn" U — „ist — Herrn": „nach meinem Willen" VB 1 
5 „Die Unterweisung Henochs zu seinen Söhnen" als Überschr. in VB 1 
„Ich nun" B l 6 das 2. „zu euch" < Β 7 „bis zu dern' ( < Β 

8 „heute" < ÜB 1 9 „der— hat•' < VB 1 — „Denn ihr höret" U 

10 „eines — meine Worte" S. 85, Z. 6 < VB 1 11 „die Worte" < U 

12 „wie" < U 13 „und" < Β — „Worte": „Engel wie" Β — „feurige" 
< Β 14 „Ihr zwar" < U 15 „aber" < U 17 „meine" < U — 
„Augen . . Augen" oeiju . . oeiju: oto oeiju . . oto oeiju Β 18 „sah" 
videch (zrech): rech U 19 „und" < U 



Kürzere Eedaktion: Oap. XXXVI, 1— XXXVII, 1. 85 

Ihr zwar, meine Kinder, sehet meine Rechte, die euch hilft, eines δ 
euch gleichgeschaffenen Menschen, ich aber sah die Rechte des 
Herrn, die mir hilft, erfüllend den Himmel. Ihr zwar seht den 6 
Umfang meines Leibes gleich dem eurigen, ich aber sah den 
δ Umfang des Herrn ohne Maß und unvergleichlich, des kein Ende 
ist. Ihr nun hört meine Worte, ich aber hörte die Worte des 7 
Herrn, wie einen großen Donner | mit unaufhörlichem Werfen 632 
(„Verwirrung") der Wolken. Und jetzt, meine Kinder, höret 8 
die Reden von einem irdischen König. Es ist ängstlich und ge- 

10 fährlich zu stehen vor dem Angesicht eines irdischen Königs, 
furchtbar und sehr gefährlich, weil der Wille des Königs Tod 
und der Wille des Königs Leben; zu stehen aber vor dem An- 
gesicht des Königs der Könige, wer wird bestehen den endlosen 
Schmerz oder die große Hitze? — 

1δ XXXVII. Aber es rief der Herr einen von den obersten Engeln, 

einen schrecklichen, und stellte ihn zu mir. Und das Aussehen 
jenes Engels Schnee, und seine Hände Eis, und er machte er- 
kalten mein Angesicht, weil ich nicht ertrug die große Hitze 

1 „meine" 1 <U — 1. 3 „d. . . hilft" pomogajustu (so auch. A): „zu- 
winkend" pomavajusti, viell. doch richtig, U 4 „Umfang" objatie: 
„Gewand"? περιβόλαιον Hen. 14, 20 5 „und" < U 6 „nun" ubo: 
„denn", „nämlich" bo U — „gehört habend" B 1 — „meine W.": „die W. 
meines Mundes" U: „meine W. aus meinem Mund" B 1 7 „und mit" 
B 1 — „m. unaufhörlichem W." neprestanym metaniem: (mjateniem U): 
„ein unaufh. W." Β 8 „wie der Wolken" B* — „Wolken": „ich aber 
sah — ist" wie Z. 4 ff. hier Vßi — „Jetzt" U, „Jetzt nun" V — „Kinder": 
„Worte" Vn, < V v — „höret — zu stehen": „wenn zu hören eine Bede von 
e. ird. Kön., ängstlich zu stehen, welcher („da"?)" B 1 , wohl aus „Höret 
eine E. v. e. ird. Kön., wenn usw." 9 „die Bede" V; „den Bedenden" U 
10 „zu stehen auch" UV 11 „u. sehr gef." < U — „sehr" < V 

12 „und"<B — „ist Leben" ßi — „zu stehen — Hitze" Z. 14 < V, 
„Und es ward auf mich e. große Hitze" B 1 — „zu stehen" stati U: ata Β 

13 „der Könige" < U 14 „Schmerz" boleznj : „Furcht" bojaznj U 
15 „Aber": Es beginnt C (Ötenija 1910, IV, 150 „Von der Schöpfung 
Gottes und von seinen Worten. Henoch. Jener oben genannte Mann, 
entrückt in den Himmel, sprach kundtuend: Aber" — „Aber": „Und" B 1 
„rief" vusva V: vozda Β — „einen von den Obersten" B; „von seinen 
obersten Engeln" U; ' „Einen von den Engeln, einen Obersten" B 1 
18 „einen schrecklichen" grozna U, grozn C: groze BVB 1 — „und" < U 
„ihn" < BC — „neben mich" B 1 17 „wie Schnee . . wie Eis" B^G 
18 „weil ich" jakoze: jaze B 1 — „ich . . ertrug" trjpech V: sterpe Β — 
„den Schrecken der Hitze des Feuers" viell. richtig L T BC 



86 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

und den Schrecken des Feuers. Und so sprach der Herr alle 
seine Worte zu mir. 

XL•. Jetzt nun, meine Kinder, ich weiß alles: das Eine aus 
dem Mund des Herrn, das andere haben meine Augen gesehen 
5 vom Anfang bis zum Ende und vom Ende bis zur Wiederkehr. 
Ich aber habe alles kennen gelernt und aufgeschrieben in Büchern: 2 
das Ende der Himmel und ihre Fülle, ich habe ausgemessen ihre 
Läufe und ihre Heerscharen; alles habe ich kennen gelernt und 
aufgeschrieben. Die vielzählige Menge der Sterne, welcher Β 

10 Mensch sah ihre wechselnden Umläufe oder ihre Gänge oder ihr 
Zurückkehren oder ihre Führer oder die Geführten? Auch die 
Engel kennen nicht ihre Zahlen, ich aber habe ihre Namen auf- 
geschrieben. Und den Kreis der Sonne habe ich ausgemessen * 
und ihre Strahlen habe ich berechnet, auch ihren Eingang und 

15 ihren Ausgang und alle ihre Läufe, und ihre Namen habe ich 

7 Hen. 43, 1.2. 



1 „Siehe, so" ßi; „Und" < C — „d. Herr": „Gott" C — „a. s. Worte" 

< VB 1 — „alle" < C 2 „zu ihm" C und endet 3 „Jetzt" < VB* — 
„ich abei" Β — „d. Eine usw.": „Und so viel ich gehört aus dem Mund des 
Herrn und so viel meine Augen gesehen, und wer kann mit der Zunge 
aussagen oder erforschen, von Anfang usw." C (Öten. 1910, IV, 152, 7) — 
„d. Eine aus" ovo otü U: „d. Eine" < BVßi 5 „und b. ζ. E." VB* — 
„u. v. Ende — Und ich habe aufgeschr." S. 87, 12: „Und die Wohnungen der 
Wolken, sowohl der Regen bringenden wie der des Donners. Und es 
zeigten mir die Engel, ihre Schlüsselbewahrer sah ich" („Ich sah" B 1 ) 
VBi — „u. v. Ende" + U 6 „Ich— Büchern" < C — „aber" < U — 
„h. kennen gelernt" svedech V, sveda B: „kenne" svern U — „die Bü- 
cher" U 7 „bis zum E. der Himmel" U — „und" < Β — „ich habe 
ausg.", „auszumessen und" C 8 „alles — aufgeschrieben" < C — „alles" 

< U — „h. kennen gel." svedech: suede BU — „u. aufgeschr.": „ich 
vollendete" U 9 „vielzählige": „große unzählbare" UO — „w. Mensch 
sah": „und" C — „welcher" kyi: knich Β 10 „sah": „bedenkt" U 
11 „Zurückkehren" vozvraty UC, vgl. A: vo vraty Β — „die Führer der 
Geführten" Β 12 „ich — aufgeschr.": „und" C — „Namen": „sondern 
nur allein Gott, sie zählend und allen Namen nennend" -f- C 13 „Und": 
„oder" C: <B — „und ich habe ausg." Β — „habe ich — berechnet": 
„auszumessen und ihre Strahlen auszurechnen und" C 14 „und" < Β — 
„Strahlen" luca: lica U — „ihre Eingänge u. ihre Ausgänge" U 15 „ihren" 

< C — „u. ihre N. — aufgeschr.": „oder" C — „und" < U 



Kürzere Eedaktion: Cap. XXXVII, 1— XL, 11. 87 

aufgeschrieben. Den Kreis des Mondes habe ich ausgemessen, 5 
seinen Gang und welches auf alle Tage der Verlust („die Ver- 
ringerung") seines Lichtes auf jeden Tag und Stunde, und welches 7 
ihre Namen. Ich habe aufgeschrieben die Wohnungen der 8 
δ "Wolken und ihren Mund und ihre Flügel und ihre Kegen und 
ihre Tropfen. — Ich habe erforscht und aufgeschrieben das 9 
Dröhnen des Donners und das Wunder des Blitzes, und es 
zeigten mir ihre Schlüsselbewahrer ihren Aufgang, wo sie ein- 
gehen in ein Maß; mit einer Kette werden sie emporgehoben 

10 und mit einer Kette werden sie herabgelassen, damit sie nicht 
durch schwere Wut („Heftigkeit") verwirren die Wolken und 
vernichten, was auf der Erde. Und ich habe aufgeschrieben die 10 
Schatzkammern des Schnees und die Behältnisse des Eises und 
der frostigen Lüfte. Ich beobachtete die Zeiten, wie ihre Schlüssel- 

15 halter die Wolken anfüllen und nicht erschöpft werden die 
Schatzkammern. Ich »habe aufgeschrieben die Lager der Winde, 11 
ich schaute und sah, wie ihre Schließer tragen Wagen und 
Maße, zuerst zwar legen sie in die Wagen, zu zweit aber in das 
Maß, und mit dem Maß lassen sie heraus auf die ganze Erde, 

4 Hen. 41, 3. 60, 20 f. — 6 Hen. 41, 3. 5. 9. 60, 13—15. 22. — 12 Hen. 
60, 17 f. — 16 Hen. 41, 4. 

1 „Und den Kr." U — „h. ich ausg." < C 2 „und seine (< U) 
Gänge" UC — „Tage und" Β — „die Verluste" C — „und— Lichtes": 
„Ich habe berechnet sein Licht" U 3 „und auf jeden" C — „u wel- 
ches" i kija C: „u. in Büchern" i vo knigach U: notrikija Β 4 „Ich 
h. aufgeschr.": „und" C 6 „ihre" vor „Tr." < C — „zu erforschen u. 
aufzuschreiben" C 7 „Dröhnen", „Schall" tutjen U, „Pauke" tupenj C 
(ab. tutonj A): „d. Frost" studenj Β — ,,und es zeigten" (ukazali: uka- 
zati B) m." < C 8 „und den Aufgang" C: „ihre Aufgänge" U — „wo" 
idize, uduze: doze U — „eingehen" vchodjat: „aufgehen" voschodjat B: 
„gehen" U 10 „und" < U 11 „verwirren" sdergnutj: zdruti Β 
12 „U. ich h. aufgeschr.": „oder aufzuschreiben oder zu zeigen" C — 
„Und"<U 13 „d. Behalten." < Vßi — „Eises": „und den Aufgang 
(„Eingang" B 1 ), wo sie aufsteigen („eingehen" B 1 ) in ein Maß usw. — der 
Erde" wie Z. 8— 12 VB* 14 „d. frost. Luft" BtC: „und die Luft u. 
den Frost" BV — „Ich beobachtete": „zu beobachten auch" C — „wie 
— anfüllen" < B 1 — „wie" < C — „Schlüsselhalter" kljucderzcy: kluc- 
ju nici V 15 „ihre Schatzk." 16 „habe aufgeschrieben": „sah" 
VB 1 : „oder" C 17 „ich schaute u. sah"<VB 1 ; „auszuschauen u. zu 
sehen" C — „ihre" < Β — „u. Maße — Wagen" < U 



88 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

damit sie nicht mit schwerem Schnauben die Erde schwanken 

machen. 

Und von dort ward ich hinweggeführt, und ich kam an den 12 

Ort des Gerichts. Und ich sah den Hades aufgetan und ich sah 
5 daselbst ein gewisses | Feld wie einen Kerker, ein Gericht ohne 632 v 

Maß. Und ich kam herab und schrieb auf alle Gerichte der 13 

Gerichteten und alle ihre Fragen („Foltern?") erfuhr ich. 

XLI. Und ich seufzte und vergoß Tränen und weinte über das 

Verderben der Gottlosen. Und ich sprach in meinem Herzen: 2 
10 Selig, wer nicht geboren oder geboren nicht sündigte wider das 

Angesicht des Herrn, damit er nicht komme an diesen Ort, und 

nicht trage das Joch dieses Ortes. 

XLII. Und ich sah die Wächter der Schlüssel des Hades, 

stehend an sehr großen Toren, wie überaus große Schlangen ihre 
15 Angesichter, wie erloschene („dunkle") Lichter ihre Augen, und 

ihre Zähne entblößt bis zu ihrer Brust. Und ich sagte vor ihrem 2 

8 Hen. 38, 2 „Es wäre besser, sie wären nie geboren". 

3 „Und" < U, aber „Der Hades" als Überschr. — „v. dort" < BV 
— „u. kam": „u. hingeführt" B 1 : „und ich kam usw." Μ (vgl. Öten. 1910, 
IV, 115. 93. 95 [157]) 4 „des Gerichts" sudnoe: studenoe („des Fro- 

stes") Β 5 „das. e. gew. F. wie" < VB l — „e. gewisses" nekotoroe 

(nekoe Ms): „gewisse" nekotorye JJ: etero M, + C — „Feld" pole: bole 
MU (boljat u, bolit A) — „wie e. Kerker": „wie Kerker" Μ („in dem 
Kerker" Ms): „und e. Kerker u." VB 1 — „e. Gericht": „Gerichte" C 
6 „Und— dieses Ortes" Z. 12 hier < VB* — „Und" < BC — „kommen 
herab" C — „und" < Β — „Ich schrieb auf" B: „Und . . ich sah" C — 
„alles" Β 7 „ihre Fragen" vüprosy MU: „erfragte ich" voprosich BC 
(auch M) — „erfuhr ich" uvedach M: „sah ich" uvidech U: „und ich 
sah" i videch BVB 1 : < C 8 „Geseufzt habend" BCßi — „ich verg. 
Tr. u." < MU — „weinend" C 10 „oder": „und" V — „wider — 

Herrn" < C: „vor d. Ang " U: „vor Gott" ßi 11 „und— Ortes" < C 

12 „d. J. d. Ortes": „dieses Joches" B 1 — „das Joch" jarma: „den Ge- 
stank" smrada M: „weil schrecklich dieser Gestank u. dieser Ort" -f- Ms 

13 „der Schlüssel" < Μ 11 „stehend": „die furchtbaren und" B 1 — 
„an s. gr." u prevelikich: upreky V — „überaus" < MUß 1 — „Schlangen" 

d d 

aspidi M, aspi U, aspy V, aspidovy B, dove C — „und ihre" UC 
15 „Anges." lica: li U — „und wie" Μ — „und i. A. wie dunkle Flamme" 
VBi _ }/tm d" < Mßi 16 „entbl.": „verdunkelt" B' — „ihrer" < BB* — 
„Brust": „ich sah u. seufzte („Diese sah ich u. geseufzt habend" B l ) und 
weinte über das Verderben der Gottlosen usw. oder geboren usw. — dieses 
Ortes" wie Z. 8—12 VB 1 — „v. i. Ang." ν lice ich: ν licech V 



Kürzere Bedaktion: Cap. XL, 11— XLH, 11. 89 

Angesicht: Besser hätte ich doch euch nicht gesehen, noch ver- 
nommen eure Taten, noch möge einer von meinem Stamm 
kommen zu euch. 

Und von dort ging ich hinauf in das Paradies der Gerech- 3 

5 ten. Und ich sah dort einen benedeiten Ort und alle Kreatur 
benedeit, alle daselbst Lebenden in Freude und in Fröhlichkeit 
und in unermeßlichem Licht im ewigen Leben. Alsdann sagte 6 
ich : Meine Kinder, ich sage euch : Selig, wer fürchtet den Namen 
des Herrn und vor seinem Angesicht dient beständig, und ordnet 

10 Gaben und Opfer des Lebens; und er wird durch das Leben 
leben und (nicht) sterben. Selig, wer vollbringt ein gerechtes 7 
Gericht und den Nackenden bekleidet mit Gewand und dem 8 
Hungernden gibt Brot. Selig, welcher richtet ein gerechtes 9 
Gericht der Waise und der Witwe und einem jeden Gekränkten 

15 hilft. Selig, wer sich zurückwendet von dem wechselnden 10 
(„krummen"?) Weg und wandelt auf den rechten Wegen. Selig, 11 

11 Ezech. 18, 8. Sach. 7, 9. — 12 Ezech. 18, 7. Jes. 58, 7. 

1 „Besser" lepse VB 1 : ne dazdj C: „sprechend" reäa B: < MU — 
„hätte — Taten" < V — „Wäre ich doch weggegangen u. hätte" U — 
„vernommen" vnjal M: vnjadril BC: „gehört" unuäil A: ize vonjradi U 
2 „n. möge einer . . kommen" nize kto da priidet Ms, ni kto pridjet U: 
„mögen nicht kommen" da ne priidut V: „noch ich . . komme" B 1 : „noch 
. . führen" M: „noch führet" ni privedete BC 3 „zu euch": Μ endet 

4 („Paradies der Gerechten") „Aufstieg des Henoch in das Paradies der 
Ger." als Überschr. in V, „Erzählung des Henoch vom Paradies" B 1 , 
„Das Paradies" U — „g. ich hin.": „ward ich emporgetragen" B 1 — 

5 „Und" < C — „dort" tu: tii B 1 6 „ist benedeit" U — „und alle" 
CVB 1 — „daselbst" < UC — „in unerm. Fröhlichkeit" („Licht" <) B 1 
7 „und im ew." UCB 1 — „Leben": es endet C — „Und alsdann" Β — 
„sagte ich" glagolach: glagolaB 1 8 „und jetzt sage ich euch" VB 1 — 
„d. Nam. d. H.": „Gott" V 9 „und vor — beständig" < B 1 : „gehor- 
sam" V, u. „Und ihr, meine Kinder" -f- VB 1 — „und" 1 < U — „u. ord- 
net" i cinit (ucinit UA): „lernet darzubringen" ucite sja prinositi VB 1 
10 „und Opfer — sterben": „dem Herrn, damit ihr durch das Leben lebt" 
VBi — „und" vor „Opfer" < U 11 „Selig— Brot" < V — „er, der 
richtet ein ger. Gericht" B 1 12 „und" 1 < U 13 „der, welcher r. e. 
ger.Ger/'B 1 14 „den Waisen u. den Witwen" B — „u."2<U 15 „hilft": 
„den Nackenden zu bekleiden mit Gewand, dem Hungernden Brot zu 
geben" („gibt" B 1 ) -+- VB 1 — „sich" < B 1 — „wechs." primenna U: „zeit- 
lichen" vremenna B 1 16 „Selig auch" U 



90 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

wer säet die Samen der Gerechtigkeit, weil er wird sie sieben- 
fältig ernten. Und selig, in wem Wahrheit ist, daß er spricht 12 
die Wahrheit zum Nächsten. Selig ist, der in seinem Mund hat 13 
Erbarmen und Sanftmut. Selig, wer erkennt die Werke des 11 
5 Herrn, da er wird preisen das Werk um seinetwillen nnd er- 
kennen den Künstler. 

XL1II. Und siehe, meine Kinder, das Geleitete (?) auf der 
Erde habe ich bedenkend aufgeschrieben, und alle Jahre habe 
ich gezählt, und vom Jahr habe ich berechnet die Monate und 

10 vom Monat habe ich berechnet die Tage, und vom Tag habe ich 
berechnet die Stunden, und die Stunden habe ich ausgemessen 
und aufgeschrieben und allen Samen auf der Erde habe ich 
unterschieden, und jedes Maß und jede gerechte Wage habe ich 
ausgemessen und aufgeschrieben, wie mir der Herr geboten; und 

15 von allem fand ich einen Unterschied: ein Jahr ist geehrter als 2 
ein Jahr, ein Tag als ein Tag und eine Stunde ist geehrter als 

1 Sir. 7, 3. — 2 Sach. 8, 16. Eph. 4, 25. — 3 Mt. 7, 16. 20. — 4 vgl. 
Rom. 1, 20. — 15 Sir. 10, 20. 22. 24. 30. 23, 7. 

1 „weil" < Β — „auch . . ernten" U 2 „Und" < ÜB 1 — „welcher, 
in wem" Β — „daß — Wahrheit": „durch („mit") Liebe" Β 3 „wie zum 
Nächsten" V: < Bi — „Und selig" Β 4 „Erb., Wahrheit u. Sanft- 

mut" U — „Und selig" Β 5 „da — Künstler": „und wird preisen den 
Herrn Gott" B 1 — „da — erkennen": „wegen seiner Werke erkennt man" 
Tj _ ;)( j. Werk— Künstler": „den Herrn Gott" V 7 „Und" < V: es 

beginnt Μ (Tichonr. I, 20. Öten. 1910, IV, 108. 156) — „Geleitete", „Re- 
gierte" pravlemaja M, kormstvuemaja B 1 , korystvuema V: „Gewonnene" 
skorstvujaja B: „u. d. Kreis" i krai U 8 „und bed." V — „bedenkend" 
„ausmessend" prometaja MU („und" + M): „Bedachte" prometaemaja 
BV: < B 1 — „aufgeschrieben": „von dem Herrn Gott" + VB 1 — „und 
a. (< U) Jahre": „υ. d. ganze Jahr" BM: „Winter u. Sommer" VB* — 
„h. er gezeigt" B: „habe ich berechnet" MUVB 1 9 „und vom J. — 
ber. die St." Z. 11: „u. die Stunden des Tages" Μ — „ν. den Jahren" Vn 
— „habe ich ber.— vom Tag" < V 11 „und" < Uß 1 — „aus den 
Stunden" B: < B 1 12 „und" 1 < U — „und allen — geboten" Z. 14 
< VB 1 — „und" < Μ 13 „unterschieden" raznestvovach ÜB: izrov- 
novach Μ — „und" < UM 14 „aufgeschr." ispisach: „erprobt" ispy- 
tach U — „wie — als e. Stunde": „Wie nach den Jahren ein Unterschied 
des Jahres <an> Ehre ist" U — „wie— geboten" < B 1 15 „von allem" 
(auch M): „in jeder Hinsicht" vse VB 1 : „in diesen" ν sich Β (auch M) — 
„fand ich" obretech: obrete ßi 16 „und e. T. als" MV — „e. Tag— 
als er Stunde" < B 1 — „ist geehrter" < Μ 



2. 3 



Kürzere Redaktion: Cap. XLII, 11— XLIV, 4. 91 

eine Stunde; ebenso auch ist ein Mensch geehrter als ein Mensch: 
der eine wegen großen Vermögens, der andere wegen Weisheit 
des Herzens, der andere wegen Verstandes und Klugheit und 
Weisheit und Schweigens des Mundes; — aber nicht ist jemand Β 
5 größer, als der Gott fürchtet, denn die den Herrn fürchten, wer- 
den herrlich sein in Ewigkeit. 

XLIV. Der Herr hat mit seinen eigenen Händen den Men- 
schen geschaffen zur Ähnlichkeit seines Angesichts, den Kleinen | 
und den Großen hat er gemacht. Wer schmäht das Angesicht 633 

10 eines Menschen, schmäht das Angesicht des Herrn, wer verabscheut 
das Angesicht einesMenschen, verabscheut das Angesicht desHerrn; 
wer verachtet das Angesicht eines Menschen, verachtet das An- 
gesicht des Herrn. Zorn | und großes Gericht, wer speit in das An- 
gesicht einesMenschen. Selig, wer sein Herz richtet auf einen jeden 4 

15 Menschen, um zu helfen dem Gerichteten und um aufzuheben 

5 Gen. 1, 27. 2, 7. — 13 Mt. δ, 42. 

1 „ebenso— als e. Mensch" < Β — „wie auch" M, Ms nach der 
Überschr. „Von den Gott Fürchtenden" — „auch" < U 2 „die einen 
. . die andern aber" Β 1 — „Weisheit" mudrosti ÜB, premudrosti Μ : „Er- 
barmens" milosti V 3 ;;C ii e anderen" B 1 — „der and. aber" U — „u. 
Klugh. u. Weish." < Μ — „und" vor „Klugh." < U — „Klugheit" chy- 
trosti: „Milde" krotosti Β — „u. Weish." < UVB 1 4 „Schw." molca- 
nija: prostornolcanija Μ — „der Zunge u. d. Mundes" VB 1 — „d. Mun- 
des" ustnago: suetnago Β — „aber nicht" MU: „denn nicht" VB 1 ; 
„nicht" ß 5 „Gott": „den Herrn" U -- „denn" + U — „die d. H. f.": 
„der den Herrn fürchtet" B: „sie" VB 1 — „d. Herrn": „Gott" Μ — „jene 
werden" B 1 6 „in" < U 7 Ms (Öten. 1910, IV, 150) „Von der Er- 

schaffung des Menschen". „Und nach allem schuf er den Menschen 
nach seinem Bild und mit seinen eigenen Händen, den kleinen und den 
großen" 8 „und zur" U — „zur — Anges": „und hat ihn gleich („ähn- 
lich") gemacht s. Anges." V — „nach seiner Ähnlichkeit" B 1 9 „hat 
er gemacht" < VB 1 — „er": „der Herr" U — „Dies aber wisset, Kinder: 
Wer" Β 1 : Μ (Tich. 21 f. Öten. 1910, IV, 111, vgl. Ms 156). „Wer schmäht u. 
verachtet d. Ang. e. Menschen, schm. u. verachtet d. Ang. d. Herrn" Ms 
10 „wer verabsch. — verachtet d. Ang. d. Herrn" < VB 1 — „verab- 
scheuend u. verachtend" Μ — „verabscheut u. verachtet er" Μ 12 „wer 
verachtet — Menschen" < Β — »wer verachtet", „verachtend" prezrja — 
„verachtet er" prezret: „verachten sie" prezrjat Β 13 „Zorn des 

Herrn" \ r B 1 14 „Herz" < U — „richtet" upravit: „nachläßt" ostavit 
(aus „stellt" stavit?) — „e. jeden" UBM: „e. solchen" VB 1 15 „e. jeden 
Gerichteten" Β — „und" vor „um aufz." < Β 



92 Uie Bücher der Geheimnisse Heuochs. 

den Zerbrochenen und um zu geben dem Bedürftigen („Bitten- 
den"); weil am Tage des großen Gerichts jedes Maß und jede 5 
Wage und ein jedes Gewicht wie auf einer Wage dabei liegen, 
und es wird jeder erkennen sein Maß, und in jenes wird er den 
5 Lohn empfangen. 

XLV. Wer eilig ist zu bringen ein Opfer vor dem Angesicht 
des Herrn, so beeilt der Herr seine Erwerbungen. Wer mehrt 2 
den Leuchter vor dem Angesicht des Herrn, so mehrt der Herr 
seine Vorratskammern. Bedarf der Herr etwa Brot oder Licht 3 

10 oder eines Opfertiers oder eines Rindes? Sondern damit prüft 4 
der Herr das Herz des Menschen. XLVI. Denn alsdann wird 3 
der Herr senden sein großes Licht, auch in der Finsternis wird 
sein das Gericht, und wer wird sich daselbst verbergen? 

XLVII. Und jetzt, meine Kinder, setzet euren Sinn auf 

15 eure Herzen und achtet auf die Worte eures Vaters, so viel ich 
euch verkündige von dem Mund des Herrn. Und nehmet diese 2 
Bücher, die Bücher der Handschrift eures Vaters, und leset sie, 3 
und in ihnen werdet ihr kennen lernen die Werke des Herrn, 

4 vgl. Mt. 7, 2. Lk. 6, 38. — 9 Ps. 39 (40), 7. 50 (51), 18 f. Jes. 1, 11. 
Sir. 32 (35), 1—5. — 14 Hagg. 2, 15. 

1 „d. Zerbr." sokrusena: „die Zerbr." Β — „und — Erwerbungen" 
Z. 7 < VB 1 — „und — Bedürft." < Μ — „zu geben" podati: „aufzuheben" 
podüjati Β 2 „weil" < Β — „am Tage" < U — „Gerichts": „wird 
jede Tat eines Menschen durch Schrift erneuert werden. Selig, wem 
sein wird ein gerechtes Maß u. eine gerechte Wage (und) gerechte Ge- 
wichte, weil am Tag des großen Gerichts" -j- U — „und" < Β — „jede" 
< Μ 3 „wie a. e. Wage" na kupy B, na kupj (na otkup) Μ, ν kupe Ms; 
vgl. na kuponi S; „wie z. Verkauf" na kuple U (im Prolog zum 3. Dec. 
na kuponi ■=< επί τρντάνης) 4 „sie werden erkennen . ., werden sie" U 
6 „Wer — Menschen" Z. 11< Μ — „eilig ist" < U — „zu bringen" („bringt" 
TJ)« < Β — „e. Opfer" < Β 7 „beeilt" uskorit: „lenkt" upravit U — 
„seine": „ihre" VB 1 9 „Nicht bed. er Br." VB 1 — „noch Licht" VB* 
10 „Opfertiers" brava B, borova U: „Speise" brasna VB 1 — „prüft" 
iskuäaetj: istoätajat B 1 11 „der Herr" + U — „Denn — großen Ge- 

richts" S. 93, 20 < VB 1 — „Denn alsd.": „Und" Μ 12 „auch" < Μ — 
„in d. Finst." vo tmu: „in jenem" MB 13 „wer daselbst" kto tuMU: 
„fortan" ktomu Β 14 „Und — Gerichts" S. 93, 20 < Μ — „Und" < U 
15 „auf d. Worte" <B — „eures Vaters" otca vasego: „von eurem An- 
gesicht" ot lica vaSego Β 16 „Und" < U 17 „eures": „deines" Β — 
„sie und" < Β 18 „Und erkennet seine Werke" beginnt Ο (Cten. 

1910, IV, 151 Z. 1 v. u.) 



Kürzere Redaktion: Cap. XLIV, 4— IL, 2. 93 

daß nicht ist außer dem Einen Gott, der festgestellt hat das 4 
Fundament auf dem Unbekannten, ausgebreitet hat die Himmel 
auf dem Unsichtbaren, die Erde gesetzt hat . auf den Wassern 
und sie gegründet hat auf nicht Feststehendem, der die zahllose 
5 Kreatur allein gemacht hat. — Wer hat ausgezählt den Staub 5 
der Erde oder den Sand des Meers, oder wer hat gezählt die 
Tropfen der Wolken? Der die Erde und das Meer zusammen- 
gejocht hat mit unlösbaren Ketten; der die unbegreifliche Schön- 
heit der Sterne aus Feuer ausgeschnitten und den Himmel ge- 

10 schmückt hat, XLV1II. der aus dem Unsichtbaren alles Sichtbare δ 
gemacht hat, selbst unsichtbar seiend. Und gebt („verteilet") 6 
diese Bücher euren Kindern und Kindeskindern, euren Blutsver- 
wandten und in alle eure Geschlechter. Wer verständig ist, zu 7 
fürchten den Herrn, [und] werden sie aufnehmen und es wird 

15 ihnen wohlgefälliger sein als alle gute Speise, und sie werden 
sie lesen und ihnen anhangen. Aber die Unverständigen und 8 
die nicht erkennen den Herrn, werden (sie) nicht annehmen, 
sondern sie abwerfen, denn es beschwerte sie ihr Joch; und 9 
selig, | wer trägt das Joch und es anzieht, denn er wird es finden G33 v 

20 am Tag des großen Gerichts. 

IL. Denn ich schwöre euch, meine Kinder, daß, bevor der 2 
Mensch geworden, ein Ort des Gerichts ihm zuvor bereitet ward, 



1 Jes. 44, 6. 8. 45, 5. 6. 14. 18. 21 f. 46, 9.-3 Ps. 103 (104), 2. 135 (136), 
δ. 6. Jes. 40, 22. 42, 5. 44, 24. 51, 13. Sach. 12, 1. 2 Ptr. 3, 5. — 5 Sir. 1, 2. 



1 „Gott": „Herrn" U — „der" + U — „die Fundamente" U 2 „d. Un- 
bekannten" bezvestnych : „d. Raumlosen" bezmestnych" C 4 „und" < U 
5 „Wer" < ß 6 „wer h. gez." < LT 8 „Ketten" juzami: „Mund" 

ustamiB — „der ich .. ausgeschn. habe" U 9 „d. Sterne"<U 10 „zum 
Sichtbaren alles" U 11 „seiend": esendetC 12 „diese Bücher" 
< Β — „und allen euren Bl." U 13 „Welche verständig sind und 
fürchten . . und sie aufnehmen" U 15 „mehr als" U 16 „w. an- 
hangen" prilozjatsja: „wird anh." prilozitsja Β 17 „sie" < ÜB 18 „sie 
abwerfen" otvergnut ja: otvergutsja ÜB — „beschwert" U — „das Joch" U 
— „und" vor „selig" < U 19 „und" i: ich U — „es anzieht" pritjag- 
net e U: „angezogen wird" pritjagnetsja Β 21 „Denn — daß": 

„Und" Μ — „Denn ich": „Und ich nun" Β 22 „Gerichts" sudnoe: 
„wohlgefällige" ugodnoe Β ι — „zuv. bereitete" (sja <) Β — „zuvor" 
<UVBi 



94 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

und ein Maß und eine Wage, darin der Mensch geprüft werden 
wird, dort ist es zuvor bereitet. 

L. Ich aber habe niedergelegt das Werk eines jeden Men- 
schen in einer Schrift, und niemand kann sich verbergen. Jetzt 2 
5 nun, meine Kinder, in Geduld und in Sanftmut verharret die 
Zahl eurer Tage, damit ihr den endlosen zukünftigen Aeon er- 
erbet. Jeden Schlag und jede Wunde und Hitze und jedes böse 3 
Wort, wenn es auf euch kommt um des Herrn willen, so erduldet 
es; und könnend Vergeltung vergelten, vergeltet nicht dem 4 

10 Nächsten, weil der Herr der Vergeltende ist; euch aber wird 
er ein Rächer sein am Tag des großen Gerichts. Gold und 5 
Silber verderbet um des Bruders willen, damit ihr empfanget 
einen unerschöpflichen Schatz am Tag des Gerichts. LI. Der 
Waise und Witwe reichet eure Hände dar, und nach Vermögen 

15 helft dem Armen, und ihr werdet finden ein Obdach zur Zeit 
der Arbeit. Und jedes traurige und schwere Joch, wenn es auf 3 



4 Hen. 9, 5. — 5 vgl. Lk. 21, 19. — 8 Sir. 2, 4. 1 Ptr. 2, 19. Dt. 32, 35. 
Sir. 28, 1. 2 Lk. 14, 14. Rom. 12, 17. 19. (1 Th. 5, 15. 1 Ptr. 3, 9). — 11 Prov. 
19, 17. Sir. 29, 10. Lk. 6, 3S. — 13 Sir. 7, 32. 14, 13. 29, 20. 4, 4. — 16 Sir. 
2, 4. 1 Ptr. 2, 19. 3, 14. 



1 „und" <B l — „und e. Wage" < B 1 — „ein jeder Mensch" M: 
„er" Bi 2 „und dort" VB 1 3 „Und ich aber" U: „Hier aber" Β — 
„aber" < Μ — „lege n." Vßi — „die Werke" B 1 4 „in e. Schrift" ν 
pisanii U: ν pisannich Β: ν spasenija VB 1 : < Μ — „und — verbergen" 

< VB 1 — „niemand aber" U — „wird s. verb." Μ — „Jetzt — Nächsten" 
Z. 10 < Μ — „Jetzt aber" B 1 5 „und Sanftm." B, „in Sanftm " U 6 „zu- 
künftigen" < Β (ab. vgl. A) 7 „Und jeden" U — „Hitze" znoj UV: „Beule" 
gnojB: nojß 1 — „u.jedes böse" ü:„od. bÖ8e"VB': „undjedes"B 8 „wenn" 

< V — „auf euch" < ü — „Herrn": „Gottes" V — „so" < VB 1 9 „es" 

< ÜB — „könnend" mogusti: „dem der kann" mogustu Β 10 „d. 
euch Vergeltende" B 1 — „euch aber" vam ze: eze B 1 : „und" Μ 
11 „oder SUber" VB 1 12 „Bruders": „Freundes" Β — „und ihr wer- 
det empfangen" Μ 13 „unersch.": „vollen" plotno aus plüno U — 
„d. großen Gerichts" Β — „Und der" U 14 „Witwe u. Waise" BV — 
„und" < Β — „nach eurem Vermögen" Μ 15 „Armen" bednomu: 
„Gekränkten" obidimomu Β („Gläubigen" vernomu A) — „und ihr — er- 
duldet <es " S. 95, 1 < VB 1 — „und es werden gefunden werden" U — 
„jedes Obdach" Β 16 „Und" < UM — „wenn— kommt" < Μ 



Kürzere Redaktion: Cap. IL— LH, 10. 95 

euch kommt um des Herrn willen, erduldet es, so werdet ihr 
euren Lohn finden am Tag des Gerichts. — Des Morgens und 4 
des Mittags und am Abend ist es gut in den Tempel des Herrn 
zu gehen und zu preisen den Schöpfer des Alls. 
5 LH. Selig, wer auftut seinen Mund zum Lobe des Herrn; 2 

verflucht, wer auftut seinen Mund zur Schmähung und Anfein- 
dung des Nächsten. Selig, wer auftut seinen Mund und preist 5 
alle Werke des Herrn; verflucht, wer schmäht die Kreatur des 6 
Herrn. Selig, wer beobachtet die Arbeiten seiner Hände, sie 7 
10 aufzurichten; verflucht, wer späht auszutilgen fremde Arbeiten. 8 
Selig, wer bewahrt die Fundamente seiner Väter von Ur an; ver- 9 
flucht, wer vernichtet die Satzungen und Grenzen seiner Väter. 
Selig, wer pflanzt Frieden; verflucht, wer verstört die Friedfer- 10 

2 Ps. 54 (55), 18. Dan. 6, 10. — 8 Sap. 1, 11. Jak. 3, 9. — 11 Prov. 
22, 28. Hen. 99, 14. — 13 Mt. 5, 9. 



1 „und ihr erduldet" BV — „erduldet" poterpite: „löst" otresite UM 
— „und so" U — „und ihr werdet" Μ 2 „finden" obrjastete: „treffen" 
srestete V, srjastete ß 1 — „Des M. — Nächsten" Z. 7 < Μ — „u. d. Mit- 
tags" < B 1 3 „Abend": „und am Tag" + UV — „in d. Haus Gottes" 
VB 1 i „und"<U 5 „Selig" usw. Μ Cten. 1910, IV, 113. 156 f. 

„Selig wer preist alle Werke des Herrn und bewahrt die Fundamente 
(„Gesetzgebungen" Ms) der Väter von Anbeginn und pflanzt Frieden, 
und es ist ihm Friede. Verflucht („Sehr verfl." Ms) ist, wer schmäht die 
Kreatur des Herrn und späht auszutilgen fremde Arbeiten und zu zer- 
stören die Grenzen und Bestimmungen seiner Väter, und spricht: Friede, 
und es ist kein Friede in seinem Herzen usw. — Gerichts" S. 96, 4 — 
„Selig der, welcher" B 1 — „sein Herz u. seinen (<. B 1 ) Mund" VB 1 ; 
„sein Herz" U — „zum Lob u. preisend den Herrn" U 6 „wer auf- 
tuend" U — „schmäht u. auftut" Β — „auftut— und" < VB 1 — „s. Mund": 
„sein Herz" U — „Aufeindung": „Verleumdung" U: <VB 1 7 „seines 
Nächsten" B 1 — „benedeiend u. preisend den Herrn" U — „preist" < B 1 
8 „verfl., wer auftut seinen Mund zum Schwören u. zur Lästerung ins An- 
gesicht desHerrn. Selig wer preist" U 9 „w.beobachtefsogljdajaB^B 1 ): 
„w. einrichtet" skladajaU — „die Arbeit" VB 1 — „s. aufzurichten" vozdvignuti 
ja (vgl. A): „er w. s. wundern" vozdivitsja B: < VB 1 10 „wer" < Β 

11 „seiner": „der" ÜB — „v. Ur an" < B 1 12 „vernichtet", „verdirbt" 
raskaäaetUVBHvgl.S): „ausgräbt", „zerstört" raskopyvaetB 13 „pflanzt" 
sadjaj: „herabgeht u. herabführt in" suchodei i svodeivV: „ausgeht in" 
ischodaj ν Β 1 — „d. Friedfertigen" mirujustee V, mirujustichsja B 1 , 
mirnujustaja U: mnonujustaja Β 



96 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

tigen. Selig, wer spricht Friede, und es ist ihm Friede; ver- 13 14 
flucht, wer [nicht] sprechend Friede, und nicht ist Friede in 
seinem Herzen. — Alles dieses wird in Maßen und in Büchern 15 
dargetan am Tage des großen Gerichts. — Jetzt nun, meine 16 
5 Kinder, bewahrt eure Herzen vor jeder Ungerechtigkeit, damit 
ihr die Wage des Lichts ererbet in Ewigkeit. 

LlH. Saget nicht, meine Kinder: Unser Vater ist mit dem 
Herrn, und er wird uns losbitten von den Sünden. Seht, daß 2 
alle Werke | eines jeden Menschen ich aufschreibe, und niemand 3 634 

10 kann meine Handschrift vernichten, weil der Herr alles sieht. 
Und jetzt nun, meine Kinder, achtet auf alle Worte eures Vaters, 4 
so viel ich euch sage; LIV. damit sie euch werden zum Erbteil 
der Ruhe, und die Bücher, die ich euch gegeben habe, verberget 
sie nicht; allen, die wollen, zeiget sie, ob sie etwa erkennen die 

15 Werke Gottes. 

LV. Denn siehe, meine Kinder, es ist genaht der Tag 
meines Termins, und die bestimmte Zeit nötigt mich, die 
Engel, die mit mir gehen, stehen vor meinem Angesicht; 

14 (Ps. 138 [139], 14). 

1 „und — spr. Friede" < U — „und" < Β — „verflucht — Herzen" 
Z. 3 < VB 1 3 „in einem Maß in B." („und" + M) MU 4 „großen": 
„schrecklichen" gordago U: < B* — Μ (Tich. 23. Öten. 1910, IV, 117) — 
„Und jetzt" VB 1 — „nun" < Μ — „m. Kinder": „Kinder" V: < BM 
5 „vor allem Ungerechten" Β (A) 6 „Wage" stavilo: stavi Β — „Ewig- 
keit": „und sie euch sein wird zu einem Erbe der Buhe" -f- Μ (vgl. Z. 12) 
7 Μ (Tich. 23. Öten. S. 116) — „Unser" < U: „Euer" B* — „mit 
Gott" MVBi 8 „w. bitten für uns („euch" B 1 )" VB* — „von der 
Sünde" U 9 „alle": „eure" B*: < Β — „ich schreibe auf" Μ — „nie- 
mand aber" Β 10 „die Handschriften" B 1 — „vernichten" razkaziti : 
„erzählen" razkazati Β (vgl. Α), ispovedati B 1 — „sieht": „weiß" B 1 : 
es endet Μ 11 „Und" < Β — „nun" < B 1 — „a. Worte des Mundes 
e. V." VB 1 12 „so— sage" < VB» — „damit sie" da: „alles" vsja Β 
„euch" < Β 13 „geg. habe": „von Gott, v. Herrn" + VB 1 — „verb. 
. . nicht" ne potaite: ne pometaite U, napoite B, pota B 1 • 14 „ob sie 
etwa": „sprechet nicht: Werden sie" B 1 — „sie . . erkennen" uvedajut 
VB 1 : „ihr erkennt" uvedajte U: „sie . . kund tun" vozvestjat Β 15 „Got- 
tes": „des Herrn" U 16 „es naht" Β 17 „meines" < U — „und" 
< VB 1 — „bestimmte" narocnoe: „von dem Herrn Gott angesagte" na- 
recennoe ot gär ba VB 1 — „mich" < UV — „und d. Engel" U: „siehe 
d. Engel" B* — „die . . gehen" idustii Vßi; „gehen" idut ÜB 18 „st. 
mir vor dem Ang." BV: „st. vor (mir)" B 1 



Kürzere Redaktion: Cap. LH, 12— L VII, 2. 97 

und ich werde morgen hinaufgehen in den höchsten Himmel 2 
in mein ewiges Erbteil. Deshalb gebiete ich euch, meine 3 
Kinder, daß 'ihr tut alles Wohlgefällige vor dem Angesicht 
des Herrn. 

5 LVI. Es antwortete Methusalom seinem Vater Henoch und 

sprach: Was ist wohlgefällig deinen Augen, Vater, so wollen 
(„daß"?) wir Speise bereiten vor deinem Angesicht, damit du 
segnest unsere Häuser und unsere Söhne und alle deine Haus- 
kinder und du verherrlichst dein Volk, und du so alsdann hin- 

10 weggehst? — Und es antwortete Henoch seinem Sohne und 2 
sprach: Höre, Kind, von dem Tage an, an dem mich der Herr 
gesalbt mit dem Ol seiner Herrlichkeit, ward nicht Speise in 
mir, noch ist süß mir Speise, noch verlangt mich nach irdischer 
Speise; LVII. aber rufe deine Brüder und alle Kinder unseres 

15 Hauses und die Altesten des Volkes, damit ich zu ihnen rede 
und hinweggehe. Und es eilte Methusalom und rief seine Brüder 2 
Regim und Bim und Azuchan und Chermion und alle Altesten 
des Volks und brachte sie vor das Angesicht seines Vaters 
Henoch, und sie beteten ihn an, und Henoch nahm sie auf und 

20 segnete sie. Und er antwortete, zu ihnen sprechend: 

13 Hen. 91, 1. 



2 „in" < ÜB 3 „Wohlgef." blagovolenie Β (wie A): „Segen" 
blagoslovenie UVB 1 : „des Herrn" + B 1 5 „Es— "sprach" < Β , aber 

-f- „Antwort Methusalams seinem Vater Henoch" als Uberschr. — „und 
sprach" < ÜB 1 6 „wohlgef.": „oder was beliebt" + B 1 7 „deinem" 
< B 1 — „damit" < Β 8 „alle" < ßi — „unsere": „deine" U — „Haus- 
kinder" domocedca V: „Selbstherrscher" samoderzcy Β 9 „und" 1 < U 
10 „Und" < BVB 1 — „es sprach zu" VB 1 11 „mein Kind" VB 1 — „als 
mich" VB 1 — „d. Herr" < B 1 12 „Öl": „d. Salbe" VB 1 — „a, Herr- 
lichkeit" slavy svoeja: „meines Hauptes" glavy moeja U — „von da an 
ward n." VB 1 — „ward — in mir" brasno ne byst vo mne: „u. es mir 
schrecklich ward" i strasno byst mne U 13 „noch ist— Speise" < VB 1 
— „irdischen Speisen" Β 14 „unseres"; „eures" BB 1 15 „mit ihnen" 
VB 1 16 „und — eilte": „Und es ging hinweg" Β 17 „Rognim und 
Rignim" B: „Regim u. Arilin" U — „Chuzam" B, „Achazuchan" U — 
„Chermian" B, „Charimion" U — „alle Alt. d. Volks" UVB 1 ; „die Alt. 
und alles Volk" Β 18 „und" < V — „sie" < Β — „sie alle" Β * — 
19 „und — η. sie auf" < VB 1 20 „antw. . . sprechend": „sprach" 

Vßi 

T. u. U. '22: Bonwetseh. 7 



98 Die Bücher der Geheimnisse Heuochs. 

LV1II. Höret, Kinder: In den Tagen unseres Vaters Adam 
kam herab der Herr auf die Erde, sie zu besuchen und alle 
seine Kreatu^ die er selbst gemacht hatte. Und es rief der 2 
Herr alle (Haus)tiere der Erde und alle (Feld)tiere und alle 
5 fliegenden Vögel und brachte sie vor das Angesicht unseres 
Vaters Adam, damit er Namen nenne allen, die sich auf der 
Erde bewegen, und es unterwarf Gott dem Adam alles zum zweiten 
Geringersein, und er machte sie stumm zu allem. Untertansein 
und zu allem Gehorchen dem Menschen. Denn der Herr machte 
10 den Menschen zu einem Oberhaupt allem seinem Besitz. Des- 4 
halb wird kein Gericht sein jeder lebendigen Seele, sondern allein 
der des Menschen. Allen Seelen der Tiere ist in dem großen 5 
Aeon Ein Ort und Eine Hürde und Ein Gehege und (Eine) 
"Weide. Denn nicht wird eingeschlossen eine Seele eines Tiers, 

3 Gen. 1,28. 2, 19 f. 

1 „Höret" usw. Μ (Tich. I, 21. Öten. 1910, IV, 109. [156 M s ) „Dessel- 
ben Jeremias: Aber noch höret, K.: In"]. „Henoch. Von der Narnen- 
gebung der Haustiere und Tiere und Reptile. In den Tagen aber" Ο 
(Öten. 1910, IV, 149) — „meine Kinder" B 1 — „unseres": „eures" UB^S): 
„aber des erstgeschaffenen Menschen" C 2 „Herr Gott" VB^ — 
„und" vor „sie" + UM — „sie" (Plural) UOB 1 : „ihn" V: < BM — „und" 

< MBV 3 „seine" < Μ — „Und" < U — „Herr Gott" VB'O (z. Teil) 

4 „alle" < C — - „Erde": „u. alle Kreatur u. alle Vierfüßler" + ßi — 
„u. alle (Feld)tiere" < BC — „(Feld)tiere": „Reptile der Erde" ÜB 1 

5 „gefiederter* Vögel" U — „eures Vaters" U: < C 6 „Adam": „u. 
stellte sie bei ihn ft + C — „damit er N. nenne": „u. er nannte Namen" 
B 1 — „einen Namen" C — „die s. .. bewegen" < MUC: „Irdischen" Β 
7 „und": „Und Adam nannte Namen allen Haustieren u. Tieren der 
Erde u. den Vögeln u. den Reptilien u. Käfern, und" C: „Und es nannte 
Adam allen und" Μ — „es ließ sie bei ihm d. Herr u. unterwarf" U — 
„d. Herr Gott" B' — „Gott d. Adam": „ihm d. Herr" B: „(er) ihm" MUC 

— „alles": „alle" Β — „alles Seiende" VB 1 8 „er m. sie stumm" (oglusi: 
κωφενειν ?) < C 9 „allem" < UM — „dem Menschen" < M: „dem 
erstgeschaffenen Menschen Adam: die Haustiere u. die Tiere u. die 
Vögel, u. er herrschte über sie alle, u. sie gehorchten ihm" C u. endet 

— „Denn— Menschen" Z. 12 < hier M, aber + nach „Gericht" S. 99, 1 — 
„Denn" < ßi — „d. Herr Gott" B>: < Μ 10 „zu e. Oberh." < ÜB: 
„Herrn" Μ 11 „allen jeder" Β 12 „dem Menschen" ÜB — „Aber 
(„Und") den Seelen" VB 1 — „ist" < Μ — „in diesem Aeon" Μ 
13 „und" < Μ — „u. E. Gehege— Weide" < VB* — „u. Ein Gehege" 

< UM 14 „ward eingeschl." B 1 : „hat er eingeschl." V — „e. jede 
Seele" VBi. 



Kürzere Redaktion: Cap. LVIII, 1— LX, 4. 99 

welche der Herr gemacht hat, bis zum Gericht. Aber alle Seelen 
verklagen | den Menschen. Welcher böse Schändliches antut 634 v 
LIX. der Seele eines Tiers im Geheimen, bösen Frevel frevelt er 
an seiner eigenen Seele. Und welcher darbringt ein Opfer von 2 
5 reinen Tieren, es ist Heilung, er heilt seine eigene Seele; und 
welcher darbringt ein Opfer von reinen Vögeln, es ist Heilung, 
er heilt seine eigene Seele. Und alles ist euch zur Speise, bindet 
es an den vier Füßen, es ist Heilung, er heilt seine eigene Seele. 
Wer tötet ein jedes Tier ohne Fessel, es ist Frevel, er frevelt 

10 an seiner eigenen Seele. Wer tut Schändliches einem Tier im 
Geheimen, es ist Frevel, er frevelt an seiner eigenen Seele. 
LX. Wer tut Schändliches der Seele eines Menschen, er handelt 
schändlich an seiner eigenen Seele, und nicht ist ihm Heilung 
in Ewigkeit. Und wer einen Mord begeht, er tötet seine eigene 2 

15 Seele, nicht ist ihm Heilung in Ewigkeit. Wer verschließt einen 3 
Menschen in ein Netz, wird selbst in ihm gefangen werden. 
Wer verschließt einen Menschen in das Gericht, nicht wird er- 4 
mangeln sein Gericht in Ewigkeit. 



15 Ps. 7, 16. 34 (35), 8. Prov. 26, 27. 28, 10. Eccl. 10, 8. Sir. 27, 29. 



1 „bis z. Ger.": „Desselben Ausspruch. Bis zum Gericht hat der 
Herr den Menschen gesetzt zürn Herrn seinem Besitz. Daher wird 
nicht ein Gericht einer lebenden Seele, sondern allein der Menschen" 
Ms — „großen Gericht" VB 1 — „Gericht" suda: sada Β — „Aber" < Β 1 
2 ,,d. Menschen": „bis zum Gericht" U — „Und w." Μ — „böse" zle: 
zde B: <C B 1 — „Schändl. antut" dejai pakosti: „weidet" paset 
UBVB 1 3 „d. S. e. Tiers": „seiner eigenen Seele" U — „im Geh., 

bös. Fr." < UB l B 4 „Und— eig. Seele" Z. 11< Μ — „Und" < ßi 

5 „und es ist" Β — „es ist H." < VB 1 — „u. welcher — s. eig. S." Z. 8 
<! U — „und" < ß 1 6 „e. Opfer, w. von unreinen V." B 1 — „es ist 
— Menschen" Z. 12 <ßi 7 „Und — fr. a. s. e. Seele" Z.1KV 9 „Fes- 
sel" uzy („Wunde" jazvy P) — „bösen Frevel" Μ 10 „Wer — eig. 
Seele" < ßi 12 „und er handelt" Β 18 „und" < Β — „und— 
Ewigkeit" Z. 15 < Μ — „und nicht" Μ 14 „Und wer" Μ — „Und — 
Ewigkeit" < UVB 1 15 „Wer verseht— Ewigkeit" < Β — „Wer — wer- 
den" < VB 1 — „in ihm" < Μ — „gef. werden": „nicht ist ihm Heilung 
in Ewigkeit. Und" 4- U 17 „verschl.": „führt" B* — „Gericht" sudj: 
sady V 18 „Ewigkeit": „Wer verachtet und schmäht das Angesicht 
e. Menschen usw." fährt Μ fort 

7* . 



100 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

LXI. Jetzt nun, meine Kinder, bewahret eure Herzen vor 
jeder Ungerechtigkeit, welche der Herr haßt. Vielmehr aber 
vor jeder (Schädigung) einer lebenden Seele, soviel der Herr 
gemacht hat. Wie der Mensch erbittet seiner eigenen Seele 
5 vom Herrn, so soll er tun einer jeden lebenden Seele, da in 2 
dem großen Aeon viele Behausungen den Menschen bereitet sind, 
überaus gute Wohnungen und böse Wohnungen ohne Zahl. 
Selig, wer in die guten Häuser hinweggeht, denn in den bösen 3 
ist keine Wiederkehr. 

10 Und ein Mensch, wenn er setzt Worte in das Herz, zu 4 

bringen eine Gabe vor das Angesicht des Herrn, und seine Hände 
es nicht tun, dann wird der Herr abwenden die Arbeit seiner 
Hände; nicht ist Finden; und wenn er es tut, alsdann sein Herz 5 
murrt, weil aller Schmerz seines Herzens murrend ohne Aufhören. 

15 LXII. Selig, wer in seiner Geduld bringt eine Gabe vor das 

Angesicht des Herrn, denn er wird finden Vergeltung. Ein 2 
Mensch, wenn er gibt eine Zeit des Termins aus seinem Mund, 
zu bringen Gaben vor das Angesicht des Herrn, so tuend, so 

.2 c. 66, 1. Judith 5, 19. Sir. 15, 13. — 4 Mt, 7, 12. Lk. 6, 31. — 
6 Joh. 14, 2. Hen. 39, 4. 7. 8. 41, 2. — 13 Sir. 32 (35), 10 f. 2 Kor. 9, 7. 

1 „Jetzt — haßt": „O Geliebte, tut Gutes vor dem Ang. des Herrn" 
Μ — „Und jetzt n. . . bew. euch" B 1 2 „welche" eze: egda V — 

„d. Herr Gott" ßi — „aber" V 3 „soviel— hat" < MVB* 4 „Wie 
—leb. Seele" < B 1 — „s.— Herrn": „Gott" Μ — „s. eig.": „der" V 
5 „leb. Seele" Μ (Tich. 23. Cten. 1910, IV, 117, vgl. 157): „Und jetzt be- 
wahrt eure Herzen vor jeder Ungerechtigkeit, damit ihr („und" Ms) er- 
erbet die Wage des Lichts („das Licht" Ms) in Ewigkeit, und es werde 
euch zu einem Erbteil der Buhe" („wenn enden wird alle Kreatur" usw. 
wie 65, 6. 7 Ms) 6 „Behausungen" „Behältnisse" — „dem Menschen" 
U: < VB 1 — „er bereitet hat" V 7 „überaus" vor „gute Wohn." + U 

— „und" < U — „überaus böse W." Β 8 „gesegneten Häuser" U — 
„denn — o. Aufhören" < V 10 „Und— ohne Aufhören" Z. 14 < B* — 
„ein Wort" U — „in die Herzen" Β 13 „und nicht" U — „Finden", 
vgl. Α — „und" < U — „es tun seine Hände" U ; „ihr es tut" Β 
14 „u. nicht aufhört der Schmerz seines Herzens mit eifrigem (spesno) 
Murren" U — „ohne Auf hören" (vgl. A) : bezpesno Β Li „Selig der 
Mensch" („wer" <) U — . „seiner" < Β 16 „Vergeltung" „Vergebung" : 
„Vergebung der Sünden" VB* — „Und ein Mensch" U 17 „wenu er 

— empfangen" S. 101, 2 f. < Β 18 „eine Gabe" U — „und es tut" U, 
„und so es tut" B 1 



Kürzere Redaktion : Cap,. LXI, 1— LXIV, 4. 101 

wird er finden [Reue der] Vergeltung. Wenn aber vorübergeht 
die bestimmte Zeit, er zurückgibt sein Wort, wird er Reue emp- 
fangen. LXIII. Ein Mensch, wenn er bedeckt den Nackenden 
und dem Hungernden gibt Brot, wird er Vergeltung finden. 
5 Wenn aber murrt sein Herz, so hat er Vernichtung bereitet der 2 
Vergeltung des Almosens. Wenn aber, wenn er sich sättigt und 3 
hochmütig ist, so vernichtet er seine ganze Wohltat und wird 
nicht finden (Vergeltung), weil verabscheut der Herr jeden hoch- 
mütigen Mann. 

10 LXIV. Und es geschah, als gesprochen hatte Henoch zu 

seinen Söhnen und den Fürsten des Volks, hörte alles Volk und 
alle seine Nächsten, daß der Herr den Henoch ruft. Und es 
beschloß das Volk sprechend: Gehen wir und küssen wir den 
Henoch! Und es kamen herab bis zu viertausend Männer, | 2 

15 und kamen zu dem Ort Azuchans, woselbst Henoch war und 635 
seine Söhne und die Ältesten des Volks, und sie küßten 
den Henoch sprechend: Benedeit bist du dem Herrn, dem 3 
ewigen König! Und jetzt segne dein Volk und verherrliche 1 
uns vor dem Angesicht des Herrn, weil dich der Herr er- 

20 wählt hat und dich gesetzt hat zu einem, der wegnimmt unsere 
Sünden. 



3 Ezech. 18, 7 (Jes. 58, 7). — 5 Dt. 15, 10. — 20 vgl. Joh. 1, 29. 



1 „der Reue zur V."? B 1 : < U 2 „bestimmte": „gesagte" ß 1 — 
„er alsdann zurückg." B 1 — „so wird er R." B 1 — „wird— empfangen": 
„Reue ist, nicht wird er gesegnet werden, weil alle Verzögerung Ärger- 
nis bereitet" gut U 3„Und ein Mensch" U: < VB 1 4 „und" < U — 
„so wird er" B l 5 „bereitet er" ÜB 1 — „der Verg. d. Almos." < ÜB, 
aber + „und nicht wird seinFinden" wie Z.7f. 6 „Wenn — Wohltat" Z.7 
<B — „Wenn— s. sättigt": „Und der Arme, wenn sich sättigt sein 
Herz" U 8 „weil verabscheut dem Herrn jeder hochm. Mann" VB 1 : 
<B 11 „Söhnen und" < B 1 — „höret" ü: „und es hörte" V — 

„alles sein Volk" U 12 „alle" < B 1 — „Herr Gott" VB 1 — „Und" 
< U — „sie beschlossen" U: „sie beschl. alle" VB 1 14 „zweitausend" U 
15 „Azuchan" U, „Azuchons"B l — „war" bjase oder bejase: sejaäe Β — 
„und"<B Ιβ,,Μ^' + υΒ 1 17 „und sprechend" B* — „d. Herrn" <ß 
18 „König": „sprechend" + Β — „Und" < U 19 „uns vor" nas pred: 
na U 20 „und" < ÜB — „u. dich ges. hat" i postavi tja: „zum An- 
kündiger (wegzunehmen)" povedatelja (otjati) U 



102 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

Und es antwortete Henoch seinem Volk, sprechend : LXV. Höret, 
meine Kinder: Bevor, daß alle Kreatur war, hat der Herr ge- 
setzt den Aeon der Kreatur; und hernach machte er alle seine 
Kreatur, die sichtbare und die unsichtbare. Und nach dem allen 
5 schuf er den Menschen nach seinem Bild, und setzte in ihn 
Augen zu sehen und Ohren zu hören und das Herz zu sinnen 
und die Vernunft Rat zu halten. Alsdann löste der Herr den 
Aeon auf um des Menschen willen und teilte ihn in Zeiten und 
in Jahre und in Monate und Tage und in Stunden, damit der 4 
10 Mensch erwäge die Zeiten und das Ende der Zeit und den An- 
fang und das Ende der Jahre und der Monate und Tage und 
Stunden, und damit er zähle seines Lebens Tod. Wenn aber 
enden wird alle Kreatur, die der Herr gemacht, und jeder Mensch 6 

3 GeD. 1, 1. 2 ff.; vgl. oben c. 25. — 5 Gen. 1, 27. Sir. 17, 3. 6. 7. — 
10 Sap. 7, 18. 

1 „TL es sprach H. zu allem Volk" VB* — „Und" < U — „zu s. 
V. sprechend" U 2 „M. Kinder, höret" B: es beginnt Μ (Öten. 1910, 
IV, 107), Ms (Öten. 1910, IV, 155 ff.) mit d. Überschr. „Aus de n Büchern 
des gerechten Henoch, der geschrieben vor der Sintflut. Höret Brüder"; 
Gennadius (ed. Popov. Öten. 1880, III, 148 „Auch Henoch, der gerechte, 
schrieb so: Bevor" [nur Abweichungen von Μ angemerkt]) — „Bevor, 
daß alles war, bevor, daß alle Kreatur stand (osta)" U — „alle Kreatur" : 
„alles" M: < B 1 — „war" M: „stand" B: < ÜVßi — „d. Herr": „Gott" 
B'Genn — „gesetzt" postavi: ostavi B 1 3 „und" < BVß 1 — „seine" 
<M 4 „IT. nach dem (< M) allen" UM, so auch B: „Und her- 

nach VB 1 5 „nach s. Bild" U: < B 1 : „mit seinen Händen, 

den Kleinen und den Großen" + M, wie ob. S. 91, 8 — „und — R. zu 
halten" < Genn 6 „u. d. Herz zu s." < Μ 7 „Und alsdann" Genn 

— „löste d. H. auf": „teilte Gott" Genn 8 „u. teilte ihn" < Genn — 
„ihn" < U — „u. in Jahre— Tage" < U — „in Zeiten, Jahre u. Mon. 
u. St." B 1 9 „in . . in . . in" < V — „und" vor „in Mon." < Μ — 
„Tage und" + Μ — „und damit" Genn 10 „erwäge": „erkenne" Genn 
„d. Zeiten — Monate": „die Zeiten, das Ende der Zeit, den Anfang der 
Jahre u. das Ende der Monate" U — „d. Zeiten — Stunden": „der Zeiten 
(so auch B) Veränderung" M, und „Anfang u. Ende" + Μ — „u. das 
Ende u. den Anfang der Jahre u. die Enden der Tage u. Stunden" B 1 

— „u. das — Stunden" < Genn — „der Zeit" vremennyi: „die Verände- 
rungen" premeny V 11 „der Jahre": „und die Jahre" Β — „und" 1 
< V 12 „und" vor „damit" < MVB 1 — „damit er zähle" da ctet: 
dastj U — „d. Tod s. L.": „sein Leben vom Anfang bis zum Tod" A: 
„sein Leben u. den Tod" U — „Tod": „Ende" Genn — „Wenn" Μ 
(Tichonr. I, 23. Öten. 1910, IV, 118. 157): „Und wenn" Genn 13 „macht" 
U — „und — Herrn" < Genn — „und" < Μ 



Kürzere Eedaktion: Oap. LXV, 1—10. 103 

gehen wird zum großen Gericht des Herrn, alsdann werden die 7 
Zeiten vernichtet werden, und Jahre werden fortan nicht sein 
und Monate und Tage und Stunden werden fortan nicht gezäjblt 
werden, sondern es beginnt der Eine Aeon. Und alle Gerechten, 8 
5 die entrinnen werden dem großen Gericht des Herrn, werden 
gesammelt werden in dem großen Aeon und sie werden zusam- 
men versammelt werden im Aeon der Gerechten und sie werden 
ewig sein; und fortan wird unter ihnen nicht sein Arbeit, noch 9 
Schmerz, noch Leid, noch Harren, noch Not, noch Gewalttat, 

10 noch Nacht, noch Finsternis, sondern ein großes beständiges 
Licht wird ihnen sein, und der große Aeon eine unzerstörbare io 
Mauer, und das große Paradies wird ihnen Obdach und ewige 
Wohnung sein. Selig die Gerechten, die entrinnen werden 
dem großen Gericht des Herrn, weil leuchten werden (ihre) 

15 Angesichter wie die Sonne. 

9 Apok. 21, 4. — 13 Mt. 13, 43. 

1 „d. Herrn": „Tag des Herrn" B: < Μ 2 „fortan" < Μ — „nicht 
sein noch gezählt werden" VB 1 3 „noch Mon„ noch Tage, noch („und" U) 
St." ÜB 1 — „u. Mon. und" < Μ — „noch Tage" V 4 „beginnt" stauet: 
„ersteht" vüstanet Β — „Eine": „endlose" + VB 1 , aber < MUBA — 
„Und" <B 5 „die — Herrn" < VB 1 — „d. entr. w.": „werden entrinnen" 
Μ — „d. Herrn" < MGenn — „w. ges. w." prikupjatsja: prisovokupja(tsja) ß 
6 „und der Aeon der Gerechten wird gesammelt werden" usw. Μ (Genn 
endet) — „und sie — Gerechten": „sie werden zus. (kupno) vers. w." IT: 
„es w. in Ewigkeit beständig (prisno) vers. w. die Gerechten" B: „der Aeon 
der Ger. wird vers. w. und wird" VB 1 7 „i. Aeon" < ÜB — „der Ge- 
rechten" < Β 8 „ewig": „und unvergänglich" + VB 1 9 „noch" vor 
„Not" < MUV — „und n. Gewalttat" U: < VB 1 . 10 „Nacht noch" 
noäti ni: no Β — „wird i. sein, sondern" B: < MV — „ein großes — Wohn. 
sein.": „ein großes endloses und unzerstörbares Licht und das große Para- 
dies wird ihnen (< B 1 ) Obdach und („Obd. u." < B 1 ) ewige Wohnung sein" 
VB 1 11 „der gr. Aeon" < U — „e. unzerst. M. — Wohn, sein": „das 
große Paradies wird ihnen sein" Β 13 „und . . W." < Μ — „Selig 

— Sonne" < Β 15 „ihre Ang.": „sie" Μ — „Sonne": es endet M: 
VB 1 + „Aber die, welche in (< V) Frevel auf der Erde gelebt haben, 
werden fortan (< V) kein Joch (< V^ tragen. Und (< V) es wird herab- 
senden der Herr eine große Vernichtung auf die Erde, und es wird ver- 
nichtet w. der ganze Bestand der Erde. Denn ich weiß, daß dies Geschlecht 
(< V) in Verwirrung enden und vernichtet werden wird. Aber („Und" V) 
Noah, mein Bruder, wird bewahrt werden an jenem Tag unversehrt aus 
seinem Geschlecht" aus der Legende vom Priestertum Melchisedeks 3, 37 



104 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

LXVI. Jetzt nun, meine Kinder, bewahret eure Seelen vor 
jeder Ungerechtigkeit, so viel der Herr haßt. Vor dem An- 
gesicht des Herrn wandelt und ihm allein dienet, und jedes 
Opfer bringt vor das Angesicht des Herrn. Denn wenn ihr auf- 
5 schaut auf den Himmel, so ist dort der Herr, weil der Herr ge- 
macht hat die Himmel; wenn ihr schaut auf die Erde und auf 
das Meer und denket an das unter der Erde, so ist auch dort 
der - Herr, weil der Herr alles gemacht hat, und nicht wird ver- 
borgen sein jede Tat vor dem ikngesicht des Herrn. In Lang- 

10 mut und Sanftmut und in der Anfechtung eurer Leiden geht aus 
diesem schmerzvollen Aeon. 

LXVII. Als Henoch zu seinem Volk | gesprochen hatte, 635 v 
sandte der Herr Dunkelheit auf die Erde, und es ward eine' 
Finsternis und bedeckte alle Männer, die mit Henoch standen. 

15 Und es beeilten sich die Engel und nahmen den Henoch und 2 
führten ihn hinauf in den obersten Himmel. Und der Herr nahm 
ihn auf und stellte ihn vor sein Angesicht in Ewigkeit. Und 
es wich die Finsternis von der Erde, und es ward Licht. Und 
es sah alles Volk und verstand nicht, wie Henoch hin weggenommen 

20 ward. Und sie priesen Gott und gingen in ihre Häuser, welche 
solches gesehen hatten. 

2 Judith 5, 19. Sir. 15, 13. Dt. 10,12. 20. Phil. 2, 12. — 8 l.Chron. 28, 9. 
Ps. 93 (94), 11. 

1 „Und jetzt" VB* — „nun" < V 2 „d. Herr Gott" B> — „Vor 
— Aeon" Z. 11 < Vßi 5 „auf d. Himmel" < U 7 „und" vor „den- 
ket" + U 9 „des Herrn" < Β 10 „und S.": „in S." U — „eurer 
Leiden": „und in euren Leiden" U: „unserer Leiden" Β 12 „Und 

als" B 1 — „seinem" < VB 1 — „Volk": „Von der Entrückung des Henoch" 
als Überschr. in U 13 „und es sandte" U 14 „bedeckte alle" 

pokry v'se: i paki B: „die Finsternis bedeckte die" pokry tma U — „alle" 
< U 15 „beeilten sich" uskorisa: „sahen" uzriäa Β — „u. es nahmen 
die Engel d. H." U 16 „trugen i. hinauf" VB 1 — „d. Herr" < V: 

„d. Herr Gott" ßi 18 „ward" < V 19 „alles" < U — „und— Häu- 
ser" < B 1 — „nicht" < U 20 „und s. g.": „sie kamen" V — „und" 
-< U — „welche — hatten" < ÜB: „nachdem sie solche Wunder gesehen 
hatten" B 1 : „Unserem Gott sei Preis in Ewigkeit" + V 



ANHANG 



VOM PEIESTEKTUM METHUSALEMS, NIES 
UND MELCHISEDEKS 



Verzeichnis der Handschriften. 

S ■= Nr. 321 der Belgrader Volksbibliothek. 

J = Jacimirskijs Handschrift. 

U = Nr. 3 (18) der Handschriften Uvarovs. 

Β => Erste Handschrift Barsovs. 

Τ = der von Tichonravov, Denkmäler I, 28 mitgeteilte Text e. Handschr. 

d. 17. Jahrh. 
R = Nr. 238 des Rumjancev-Museuins. 



Alle Varianten der einzelnen Handschriften anzuführen, hätte den 
Apparat zu sehr belastet. 



Vom Priestertum Methusalems, Nirs und Melchisedeks. 

L Und am dritten Tage zur Abendzeit sprachen die Altesten 
des Volks zu Methusalain redend: Gehe und stehe vor dem An- 
gesicht des Herrn und vor dem Angesicht alles Volks und vor 

δ dem Angesicht des Altars des Herrn, und du wirst verherrlicht 
werden in deinem Volk. Und es antwortete Methusalam seinem 2 
Volk: Wartet, ο Männer, bis daß der Herr, der Gott meines 
Vaters Henoch, er selbst sich einen Priester erweckt über seinem 
Volk. Es verharrte aber das Volk noch eine Nacht vergebens 3 

10 daselbst an dem Ort Achuzans. Und es verweilte Methusalam * 
nahe bei dem Altar und betete zum Herrn und sprach: Einiger 
Herr der ganzen Welt, der du erwählt hast meinen Vater Henoch, 
stelle du auf einen Priester deinem Volk und mache verständig 
ihre Herzen, zu fürchten deine Herrlichkeit und zu tun alles 

15 nach deinem Willen. Und es schlief Methusalam ein, und es 5 
erschien ihm der Herr in einem Gesicht des Nachts und sprach 
zu ihm: Höre Methusalam, ich bin der Herr, der Gott deines 
Vaters Henoch, höre die Stimme deines Volks und stehe vor dem 
Angesicht meines Altars, und ich werde dich verherrlichen vor 

20 dem Angesicht alles Volks, und du wirst herrlich sein alle Tage 

3 „Gehe und" < S — „Gehe mit uns vor das" Β 4 „deines Vol- 
kes" ÜB — „und vor — bis daß" Z. 7 < U 6 „antwortete": „ihm" 
+ Β 7 „Wartet— b. daß" < Β — „meines Vaters": „deines Vaters" U 
8 „wird s. erwecken" ÜB 9 „Und es verharrte" U — „aber" < Β — 
„noch jene Nacht" B; „jene ganze Nacht" U — „vergebens" < ÜB 
10 „Azuchans" ÜB 11 „Einiger Herr" <U 12 „Herr" gi: i S: < J — 
„unseren" U 13 „stelle du auf": „offenbare du auch" U — „deinem" 
<J 14 „d.Herrl.": „dich"B 17 „dieses V." S 18 „vor ihrem Ang. 
u. vor dem Ang. m. A." ÜB 20 „vor allem Volk" J — „alles Volkes" S: 
„dieses meines (< B) Volks" ÜB — „u. du wirst herrl. s." < ÜB 



108 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

deines Lebens. Und es stand Methusalani auf von seinem Schlaf 6 
und benedeite den Herrn, der ihm erschienen war. Und am 7 
Morgen kamen die Ältesten des Volks zu Methusalam, und es 
lenkte der Herr Gott das Herz Methusalams zu hören die Stimme 
5 des Volks. Und er sprach zu ihnen: Der Herr Gott möge tun 
das seinen Augen Wohlgefällige an diesem Volk heute. Es 8 
eilten Sarsan und Charmis und Zazas, die Altesten des Volkes, 
und kleideten Methusalam in vorzügliche Kleider und setzten 
eine leuchtende Krone auf sein Haupt. Und es eilte das Volk 9 

10 und führte herzu Opfertiere und Rinder und von Vögeln alles 
Bestimmte, daß opfere Methusalam im Namen des Herrn und im 
Namen des Volks. Und es stieg Methusalam auf den Altar des 10 
Herrn, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne in der Mitte 
des Tages aufgehend, und alles Volk ging ihm folgend. Und 11 

15 Methusalam stand vor dem Altar des Herrn und alles Volk stand 
um den Opferaltar. Und die Altesten des Volks nahmen Opfer- 12 
tiere und Rinder und banden sie an den vier Füßen und legten 
sie oben auf den Altar und sprachen zu Methusalam: Nimm dies 13 
Messer und schlachte dies Bestimmte vor dem Angesicht des 

20 Herrn. Und Methusalam reckte seine Hände zum Himmel und 1+ 
rief an den Herrn also sprechend: Wehe mir, Herr, wer bin 
ich, zu stehen zu Häupten deines Opferaltars und zu Häupten 
dieses Volkes! Nun, Herr, schaue auf deinen Knecht und auf 15 
alles dieses Volk, daß jetzt alles erprobt werde, und gib Gnade 

25 deinem Knecht vor dem Angesicht alles Volks, damit sie er- 
kennen, daß du gesetzt hast einen Priester deinem Volk! — Und 16 

1 „Lebens": „und ich segne dich" -j- J — „aufgestanden" U; „es 
erwachte" Β 2 „d. Herrn" < U — „am M. kamen"? utrenevasa ÜB: 
„es eilten" uskorisa S 4 „Herr das H. zu Meth." Β 5 „euer Gott" Β 
— „möge geben das Wohlgefallen an diesem Volk vor meinen Augen 
heute" S 7 „Sarchasan u. Zazj" J, Sarsai u. Charlis Β 9 „eilte" us- 
koriäa: jadrisa Β 11 „im Namen . . im Namen": „vor dem Angesicht 
. . vor dem Angesicht" ÜB 13 „und s. Anges. 1." < ÜB — „d. Sonne 
—Tages": „der Morgenstern" ÜB 15 „vor": „bei" ÜB 16 „Opfera.": 
„Altar" U 18 „das Volk sprach" ÜB — „Erhebe das" Β 

21 „also" < ÜB — „Wehe" uvy: νίίη S, vüz J — „Herr": „du" J 

22 „und"< U 23 „dieses": „alles deines" ÜB — „Nun — dieses Volk" 
. < U — „Und nun" Β — „Herr, Herr" Β — „auf a. d. Volk": „auf das 

Haupt alles deines Volks" Β — „daß — werde": „und auf alle diese (< U) 
Erprobungen" ÜB 24 „dieses (deines B) Volks" ÜB 26 „ges hast" 
esi postavil: „geboten hast" esi poveli U 



AnhaDg: Oap. I, 5— II, 4. 109 

es geschah, als Methusalam betete, erbebte der Altar, und es er- 
hob sich das Messer vom Altar und sprang dem Methusalam in 
die Hände vor dem Angesicht alles Volkes. Und es zitterte das 
Volk und pries den Herrn. — Und es ward geehrt Methusalam 17 
5 vor dem Angesicht des Herrn und vor dem Angesicht alles 
Volks von jenem Tage an. Und es nahm Methusalam auf das 18 
Messer und schlachtete alles von dem Volk Herzugeführte. Und 
es freute sich das Volk und war fröhlich vor dem Angesicht des 
Herrn und vor dem Angesicht Methusalams an jenen Tagen. 

10 Und hernach ging das Volk hinweg in seine Häuser, ein jeder 19 
von ihnen. 

II. Methusalam fing an zu stehen am Altar vor dem An- 
gesicht des Herrn und alles Volks von jenem Tag an zehn Jahre 
hindurch, hoffend auf das ewige Erbe und das ganze Land und 

15 alles sein Volk gut ermahnend. Und nicht ward gefunden, auch 
nicht ein einziger Mensch, der sich -abgewandt zum Eitlen von 
dem Herrn alle Tage, die Methusalam lebte. Und es segnete 2 
der Herr den Methusalam und hatte Wohlgefallen an seinen 
Opfern und an seinen Gaben und an jedem Dienst, mit dem er 

20 diente vor dem Angesicht des Herrn. Und als nahte die Zeit 3 
des Heimgangs der Tage Methusalams, erschien ihm der Herr 
in einem Gesicht des Nachts und sprach zu ihm: Höre, Methu- 
salam, ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Henoch: Ich 
will, daß du weißt, daß sich vollendet haben die Tage deines 

25 Lebens und sich genaht der Tag deines Entschlafens. Eufe Nir, 4 
den zweiten Sohn deines Sohnes Lamech, der nach Noah ge- 
boren, und kleide ihn in die Kleider deines Priestertums und 

1 „und es sprang das Messer" U 3 „alles Volk" ÜB 6 „das 
Messer" < ÜB 7 „Herzug.": „Herzugekommene" U, „Dargebrachte" Β 
10 „ein j. ν. ihnen" < ÜB 12 „Meth.— ermahnend": „Und („Aber") 
Methusalom stand zu Häupten des Altars und zu Häupten alles Volks 
von jenem Tag vierhundertzweiundneunzig(„vierhundertzweiundachtzig"B) 
Jahre (< U); er durchforschte die ganze Erde und fand alle an den 
Herr Glaubenden, und die, welche sich abgewandt, ermahnte er und be- 
kehrte („und belehrte" + B) a. s. V." ÜB — „Und Meth." J 15 „auch 
n. e. einziger" < ÜB 16 „der — Herrn": „sich abwendend vom Ange- 
sicht (< B) des Herrn" ÜB 19 allem D." ÜB 20 „Und— Heimgang" 
s: „Und (< B) nach Ablauf " ÜB 21 „und es erschien" U 23 „der 
Herr"<U 24 „daß du sehest" U 26 „der n. N. geb." < ÜB 27 „ihn" 
< S — „deines" < Β 



HO Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

stelle ihn an meinen Altar und sprich zu ihm alles, so viel ihm 
sein wird an seinen Tagen, weil sich naht die Zeit des Unter- 
gangs der ganzen Erde, sowohl eines jeden Menschen wie aller 
Tiere auf der Erde. Denn in seinen Tagen wird sein eine über- 5 
5 aus große Verwirrung auf der Erde, weil ein Mensch neidet 
seinen Nächsten und Volk wider Volk sich aufbläht und Nation 
wider Nation Krieg erregt. Die ganze Erde wird voll Schmutzes 
und Blutes und allem Bösen. Und noch dazu verlassen sie ihren 6 
Schöpfer und beten an eitle Götter und was befestigt ist am 

10 Himmel und wandelt auf der Erde und den Wellen des Meers. 
Und es wird sich erheben („groß werden") der Widersacher und 
wird sich freuen über ihre Taten zu meiner großen Aufreizung. 
Und die ganze Erde wird verändern ihre Einrichtung und jeder 7 
Baum und jede Frucht wird ändern ihre Samen, erwartend die 

15 Zeit der Vernichtung, und alle Völker werden sich verändern 
auf der Erde zu meiner Bekümmernis. Alsdann werde ich dem 8 
Abgrund befehlen, daß er sich ergieße auf die Erde. Und die 
großen Schatzkammern der Gewässer des Himmels werden herab- 
kommen auf die Erde zu großer Wesenheit und nach der ersten 

20 Wesenheit; und es wird umkommen der ganze Bestand der 
Erde, und die ganze Erde wird erschüttert werden und beraubt 
werden ihrer Kräftigkeit von jenem Tage an. — Alsdann werde 10 

16 Gen. 7, 11. 

1 „und" < Β — „ihm" < Β 2 „nahen die Zeiten" U 3 „so- 
wohl— Erde" < J — „sowohl": „und" Β — „wie" < Β — „a. Tiere": 
„alles dessen, was sich bewegt" ÜB 4 „Denn —Erde" < ÜB — „über- 
aus" < U 5 „neidete" SB 6 „s. aufbläht" razgrüdeäu: „zusammen- 
stößt" sogrezjatsja U, sogrozjatsja Β 7 „erregt" vüzjat S, vozmutit U, 
vozmutjat Β — „ward voll" S — „Schmutz, und" < ÜB 8 „allem Β ": 
„böser Unordnung" ÜB — „Dazu aber noch (< U)" ÜB — „haben sie 
verlassen" S 9 „und" < U — „eitle Götter und" < ÜB 12 „und 
zu" Β — „großen" < ÜB — „Aufreizung" razdezenie J: „Bekümmernis" 
razdelenie SU: „Besorgnis" razdenie Β 13 „wird annehmen Änderun- 
gen" U — „Einrichtung — Samen": „Zeiten" J — „jeder Baum" < ÜB 
14 „j. Frucht": „und alles Kraut" + DB — „Samen": „Zeiten" ÜB — 
„denn sie erwarten" ÜB 16 „zu m. Bekümmernis" ν zalenie mit B : 

vse zelanie SU: vjsesüzezenie J — „Und alsdann" U 17 „Und" < Β 
18 „großen" < ÜB — „w. herabk.": „herabzukommen" B, „w. sich er- 
gießen" U 19 „zu — der Erde" < J — „zu gr. W. η d. erst. Wes." 
<B — „und"<U 22 „ihres Kräftigen 1 ' U — „und von" U: < Β 



Anhang: Cap. II, 4—17. 111 

ich bewahren den Sohn deines Sohnes Lamech, seinen erst- 
geborenen Sohn Noah, und von seinem Samen werde ich auf- 
richten eine andere Welt, und sein Same wird bleiben in Ewig- 
keit, bis zum zweiten Untergang, wenn ebenso sich versündigen 
δ werden die Menschen vor meinem Angesicht. 

Und es stand auf Methusalam von seinem Schlaf, und es 11 
betrübte ihn sehr sein Traum. Und er rief alle Ältesten des 
Volkes und tat ihnen alles kund, so viel der Herr zu ihm ge- 
redet hatte, und das ganze Gesicht, das ihm offenbart worden 

10 war von dem Herrn. Und das Volk ward betrübt über sein 12 
Gesicht und antwortete ihm: Der Herr ist Herrscher und er 
wird tun nach seinem Willen. Und jetzt, Methusalam, tue du 
alles wie der Herr zu dir gesprochen hat. 

Und es rief Methusalam den Nir, den Sohn Lamechs, den 13 

15 jüngeren Bruder Noahs, und kleidete ihn in die Kleider des 
Priestertums vor dem Angesicht des ganzen Volks und stellte 
ihn zu Häupten des Altars und lehrte ihn alles, so viel unter dem 
Volk zu tun. — Und es sprach Methusalam zu dem Volk: Siehe, 14 
Nir wird sein vor eurem Angesicht von dem heutigen Tage an 

20 Fürst und Führer. Und es sprach das Volk zu Methusalam: 15 
Ja, er werde es uns nach deinem Wort, und es werde das Wort 
des Herrn, wie er zu dir gesprochen. Und als Methusalam zum 16 
Volk gesprochen vor dem Altar, ward sein Geist verwirrt, und 
er beugte die Kniee und streckte seine Arme zum Himmel und 

25 betete an den Herrn. Und während er betete, ging sein Geist 
zum Herrn. Und es eilte Nir und alles Volk, und sie machten 17 
ein Grab dem Methusalam am Ort Achuzan; gut gekleidet in 

1 „s. . . Sohn" < ÜB 4 „bis— Ang" Z. 5 < ÜB, ist vidi. Zusatz 
6 „aufgestanden" ÜB — „ward sehr betrübt über s. Traum" U 7 „Und" 

< SU 9 „und" < Β — „ganze" < U 10 „alles Volk" JB 11 „und" 

< U: „das Volk" + Β — „der Herr hat Macht zu tun" ÜB 12 „dei- 
nem W." U — „Und . . Und" < U — „Meth. . . du" < ÜB 15 „jün- 
geren": „zweiten" ÜB — „Br. Noahs" < ÜB 17 „Altars des Herrn" J 
18 „zu tun" sütvoriti: „er getan" sütvori U — „Über den Heimgang 
Meth." als Überschr. in U — „Und— Volk" < J 20 „Fürst der F." U 
„und"< U — „sprach": „antwortete" ÜB 21 „uns" < J — „nach d. 
W." < ÜB — „und es werde" < U 23 „vor d. Altar" < ÜB 24 „und"* 

< U 26 „zum Herrn" < ÜB 27 „am Ort. Ach." < ÜB — „gut— 
Leuchtern": „und legten ihm Weihrauch und Bohr und viel (mnoga: „von 
anderem" inagoB) Leuchter (< V) Geweihtes (osvestenie: osvätina U)" ÜB 



\ ΫΙ Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

alle Heiligtümer, mit Leuchtern. Und es ging Nir mit viel 18 
Herrlichkeit (Preis), und das Volk hob auf den Leib des Methu- 
salam, preisend legten sie ihn in das Grab, welches sie ihm ge- 
macht hatten und bedeckten ihn und sprachen: Benedeit war 
5 Methusalam vor dem Angesicht des Herrn und vor dem An- 
gesicht alles Volks. Und sie stiegen herab von dort und gingen. 
Als sie wollten auseinandergehen in ihre (Häuser), sprach Nir 19 
zu dem Volk : Eilet heute und bringet herzu Opfertiere und Rinder 
und Turteltauben und Tauben, damit wir sie opfern vor dem 

10 Angesicht des Herrn, und freuet euch heute, und alsdann gehet 
in eure Häuser. Und es hörte das Volk auf Nir, den Priester. 20 
Und sie eilten und brachten herzu und banden sie zu Häupten 
des Altars. Und Nir nahm das Priestermesser und schlachtete 21 
alles, so viel herbeigeführt war, und opferte vor dem Angesicht 

15 des Herrn. Und es war fröhlich alles Volk vor dem Angesicht 22 
des Herrn. Und an jenem Tag priesen sie den Herrn, den Gott 
des Himmels und der Erde, des Nir. Von jenem Tage an war 
Friede und Ordnung auf der ganzen Erde, in den Tagen Nirs, 
zweihundertundzwei Jahre. — Und alsdann wandte sich das 23 

20 Volk ab von Gott, und es fing an zu eifern einer wider den 
andern und Volk erregte sich wider Volk, und Nation wider 
Nation erhob sich im Streit. Wenn sie auch Einer Sprache 24 
waren, aber die Herzen empfingen Geschiedenes, weil anfing der 25 
Teufel zum dritten Mal zu herrschen: das erste Mal vor dem 

21 Mt. 24,7. 

1 „Und" + U — „m. viel Herrl." < ÜB 2 „und hob auf" Β 

3 „preisend": „und" ÜB — „legten" polozisuS: sluzisa J 4 „bedeck- 
ten" pokryäa B: „legten hinein" polozisa U — „und das Volk sprach" ÜB 
6 „Und — gingen" < S 7 „Als — Häuser": „Und" ÜB 7 „Nir" < Β 
8 „und" vor „br." < ÜB 9 „sie" < ÜB 10 „u. freuet euch" mit B: 
„er sich freut" U: < S 12 „Und" < TJ — „sie" < J 13 „schlach- 
tete" < U 14 „alles — war" < ÜB — „und" < JU — „opfert" S, „zu 
opfern" J 15 „Und": „das Volk eilte u. tat <es>" ÜB — „Und — Ang. 
d. Herrn" < J — „alles" + S — „Volk" < U 16 „Und* < ÜB — 
„an jenem": „den ganzen" U 17 „des Himmels" nbsi: „den Heiland" 
spsa U — „ii. d. Erde" < ÜB — „des Nir": „und (< B) vor dem An- 
gesicht des Volkes" + ÜB — „Und von" U 19 „alsdann" < Β — 
„wandte — und" nach „andern" in Β 22 „erhob sich — bis zur Flut" 

S. 113, 2: „„Und es erhob sich Streit und" ÜB: am ßand in S „Von den 
Sprachen der Herzen u. von dem Königreich des Teufels 23 „d. T. 

herrschte z. dr. M." J 



Anhang: Cap. II, 17— ΠΙ, 7. 113 

Paradies, das zweite Mal im Paradies, das dritte Mal außerhalb 
des Paradieses führte er fort bis zur Flut. Und es erhob sich 26 
Streit und eine große Verwirrung. Und es hörte es der Priester 
Nir und ward überaus betrübt und sprach in seinem Herzen: 
5 In Wahrheit habe ich erkannt, daß genaht ist die Zeit und das 
Wort, das der Herr gesprochen zu Methusalam, dem Vater 
meines Vaters Lamech. 

111. Und siehe, das Weib Nirs, mit Namen Sopanima, un- 
fruchtbar seiend, hatte dem Nir niemals geboren. Und es war 2 

10 Sopanima in der Zeit ihres Alters, uud am Tage des Todes 
empfing sie in ihrem Leibe. Aber Nir, der Priester, schlief 
nicht mit ihr, noch nahte er sich ihr von dem Tage an, da ihn 
der Herr gesetzt hatte, zu dienen vor dem Angesicht des Volks. 
Als Sopanima erkannte ihre Empfängnis, schämte sie sich und 3 

15 ward beschämt und verbarg sich alle Tage bis zur Geburt, und 
niemand von dem Volk erfuhr es. Und als sich vollendet hatten 4 
zweihundertzweiundachtzig Tage und zu nahen anfing der Tag 
der Geburt, gedachte Nir an sein Weib, und er rief sie zu sich 
in sein Haus („s. Tempel"?), damit er mit ihr rede. Und es δ 

20 ging Sopanima zu Nir, ihrem Mann. Und siehe jene im Leibe 
habend, und es nahte sich der Tag des Termins der Geburt. 
Und es sah sie Nir und schämte sich überaus und sprach zu ihr: 
Was hast du getan, ο Weib, und hast mich beschämt vor dem 6 
Angesicht dieses Volks! Und nun gehe hinweg von mir, und 

25 gehe, wo du empfangen hast das Schimpfliche deines Leibes, 
damit ich nicht beflecke meine Hände an dir und mich versün- 
dige vor dem Angesicht des Herrn. Und es sprach Sopanima 7 
zu Nir, ihrem Mann, redend: Mein Herr, dies meine Zeit des 
Alters, und gekommen ist mein Tag des Todes. Ich weiß nicht, 

30 wie empfängt die Unschuld und die Unfruchtbarkeit meines 

14 vgl. Lk. 1, 24. 

5 „In Wahrheit— daß" -f- S — „die Worte" ü . 7 „Lamech" < ÜB 
8 „Von dem Weibe Nirs" als Überschr. in U — „Und" < S — „siehe" 
+ SB — „mit Namen" + S — „Sophoniina" ÜBT — „unfr. — Geburt" 
Z. 21 kürzer ÜBT 28 „Nir" + S — „dies": „siehe"? — 1. „die Zeit 
meines Alters, . . der Tag meines Todes" 29 „und — Todes" < U — 
„Ich— nicht": „Nicht ward in mir Jugend, noch weiß ich" ÜBT 30 „die • 
Unschuld" bezlobje UT, „d. Schimpfliche" bezlepie B: „Zeitlosigkeit" 
bezjletie S 

T. u. U. '22: Bonwetsch. 8 



114 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

Leibes. Und Nir glaubte nicht seinem Weibe und sagte zu ihr 8 
zum zweitenmal: Gehe hinweg von mir, daß ich nicht dich 
irgendwie schlage und mich versündige vor dem Angesicht des 
Herrn. Und es geschah, als Nir zu seinem Weibe redete, fiel 9 
5 Sopanima nieder zu den Füßen Nirs und starb. Und es ward 10 
Nir überaus betrübt und sprach in seinem Herzen: Ob etwa von 
meinem Wort dies geschah, weil mit Wort (und) Gedanken sich 
versündigen die Menschen vor dem Angesicht des Herrn. Jetzt 11 
ist mir gnädig Gott, weiß ich wahrhaftig in meinem Herzen, 

10 weil nicht ward meine Hand auf ihr; und wiederum sage ich: 
Preis dir, Herr, weil keiner von den Menschen erfahren hat 
diese Sache, die der Herr getan. Und es eilte Nir und verschloß 12 
die Türen seines Hauses und ging zu Noah, seinem Bruder, und 
tat ihm kund alles, so viel geschehen in betreff seines Weibes. 

15 Und es eilte Noah (und) sie gingen mit seinem Bruder Nir 13 
(und) gingen in das Haus Nirs um des Todes willen der Sopa- 
nima, und sie sprachen zueinander, wie ihr Mutterleib war (als) 
zur Zeit der Geburt. Und es sprach Noah zu Nir: Sei nicht 14 
traurig, mein Bruder Nir, denn der Herr hat heute bedeckt 

20 unsere Schmach, da niemand von dem Volk darum weiß. Jetzt 15 
seien wir eilends geschäftig und begraben wir sie heimlich, und 
es wird der Herr bedecken die Schande unserer Schmach. Und 16 

1 „Und" + S — „s. Weibe": „ihr" ÜB — „und s. zu ihr" < Β 
2 „daß ich— Herrn" < Τ — „daß ich η." < Β 3 „irgendwie" eda- 
kako: edinako S — „schlage" urazju: „verunehre"? uvrazju S 4 „Und" 
< S 6 „Und ob" ÜB 7 „Wort" glasa, glaB: „Herrn" ga U — 

„weil— Herrn" + S 8 „Und jetzt" ÜB 9 „ist" < S — „Gott": „d. 
Herr" ÜB — „weiß ich" vem: „der ewige" vecnyi ÜB 9 „wahrh. i. 
m. H." und „und — getan" < ÜB 12 „getan": „Und es erschien dem 
Nir der Erzengel Gabriel und sprach zu ihm: Meine nicht, daß dein 
Weib Sophanima einer Schuld halber gestorben ist, und dieses von ihr 
geborene Knäblein ist gerechte Frucht, UDd ich werde es aufnehmen 
in das Paradies, damit du nicht wirst der Gabe Gottes Vater" + U — 
„eilte— und" < R — „verschloß": „öffnete" UT 13 „und" < Β 

14 „was gesch. seinem Weibe" ÜB 15 „eilte": „kam" B: „eilte zu fol- 
gen« τ — >)U . sie— Mutterl. war": „in das Haus seines Bruders, und er 
sah das Weib seines Bruders im Tod („tot" T) und ihren Mutterleib" 
ÜBT 19 „heute" < ÜBT 20 „darum" + S 21 „s. wir . . 

geschäftig": „eilen wir" potüstimsja: postimsja U — „eilends" + S — 
„heimlich"-}- S — „weil bedeckt hat" ÜBT 22 „d. Seh. u. Schm.": 
„unsere Schande" ÜB 



Anhang: Oap. III, 7-23. 115 

sie legten die Sopanima auf das Bett und kleideten sie in 
schwarze Kleider und verschlossen sie in dem Haus fertig zum 
Begräbnis und gruben aus ein Grab im Geheimen. Und als 17 
sie herausgingen von ihrem Bett, da ging hervor ein Knabe aus 
5 der toten Sopanima und setzte sich auf dem Bett zu ihrer Rech- 
ten. Und es trat hinein Noah und Nir, zu begraben die Sopa- 
nima, und sie sahen den Knaben sitzend bei der toten Sopanima 
und abwischend seine Kleidung. Und es erschraken Noah und 18 
Nir überaus mit großer Furcht. Denn es war der Knabe voll- 

10 kommen am Leib wie ein dreijähriger, und er sprach mit seinem 
Mund und benedeiend den Herrn. Und es schauten ihn Noah 19 
und Nir, und siehe der Siegelring des Priestertums an seinen 
Fingern und herrlich an Blick. Und es sprach Noah und Nir: 20 
Siehe, Gott erneuert das Blut des Priestertums nach uns, wie 

15 er will. Und es eilte Noah und Nir, und sie wuschen den 21 
Knaben und kleideten ihn in die Kleider des Priestertums, und 
sie gaben ihm das Brot des Priestertums, und er aß, und sie 
nannten seinen Namen Melchisedek. Und es nahmen Noah und 22 
Nir den Leib der Sopanima und zogen aus von ihm die schwarzen 

20. Kleider und wuschen ihn und kleideten ihn in helle vorzügliche 
Kleider und machten .ihr ein Grabmal. Und es gingen Noah 23 

1 „Sop.": „sie" Τ — „kleideten — Türen" < Τ — „sie"< U 2 „sie 
in — Begräbnis": „die Türen" ÜB 3 „und" < SB — „Und— Bett, 
da" 1 : „Und sie gingen hinein zum Haus („Tempel") Nirs"B; „Als sie hin- 
ausgingen zu i. B." U; „Als sie hinweggingen zu i. Grab" Τ : < S 5 „und 

— Sopanima" < Β — „zu i. Rechten" + S 6 „trat hinein" vnide: 
vni U — „Nir u. Noah" Β 7 „und" < Β — „sahen" videsta: „sehend" 
vidjasta B: „erkannten" uvedisa U — „bei d t. Sop." < Τ — „Sop." < U 
8 „und" -+- S — „abw. . . Kl." obrisajust odeanie S, obrysnajusta ode- 
jania B: „seiende Kl." sustaja odenie U — „seine" < ÜB, aber „aut 
ihm" + U 9 „mit gr. Furcht" + S — „überaus vollk." Β 10 „wie e. 
dreij." + S — „und" < U 11 „benedeite" U — „Und — Blick" < Τ 

— „Und"< U 12 „Nir u. Noah" B: „überaus sprach er" + U, „u. 
siehe er sah" 4- R — „und siehe": „Siehe es ist vom Herrn, mein Bru- 
der" UT; nach „der Siegelr., das Zeichen des Priest." Β 13 „Ν. zu 
Nir" UT 14 „Dies, m. Br." ÜB — „Gott": „der Herr" ÜBT — „das Blut" 
krovj ÜBT — „das Priestertum von der Hütte (ot krova)" S — „wie er 
will" + S 15 „es eilte" uskori: umudri Β — „Nir und Noah" U — 
„es": „das Knäblein" Β 17 „sie gaben" dasta: „er gab" dastj ÜB — 
„des Priestertums": „gesegnetes Brot" ÜB — 19 „v. ihr" ÜB 20 „ihn": 
„ihren Leib" ÜB — „und vorzügliche" U 21 „e. Grab" mit UT 
(„e. sehr geschmücktes Gr." T): „e. Haus" S, „e. and. Haus" Β — „Und" < S 

8* 



116 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

und Nir und Melchisedek und begruben sie öffentlich. — Und 
Noah sprach zu seinem Bruder Nir: Bewahre dieses Knäblein 
im Verborgenen bis zu der Zeit, weil das Volk gottlos wird auf 
der ganzen Erde, und es fängt an sich abzuwenden von Gott, 
5 und irgendwie inne geworden, würden sie es töten. Und als- 
dann ging Noah hinweg an seinen Ort. 

Und es fingen an große Gottlosigkeiten sich zu vermehren 24 
auf der ganzen Erde in den Tagen Nirs. Und es fing an Nir 25 
sich überaus zu bekümmern, insbesondere über das Knäblein 

10 sprechend: Was soll ich ihm tun? Und es streckte Nir seine 
Hände aus zum Himmel und rief an den Herrn, sprechend: 
Wehe mir, ewiger Herr! In meinen Tagen haben angefangen 
alle Gottlosigkeiten sich zu mehren auf der Erde, und ich er- 
kenne, daß nahe ist unser Ende, vielmehr auch auf der ganzen 

15 Erde wegen der Gottlosigkeit des Volkes. Und jetzt, Herr, was 26 
ist der Anblick („das Schauen") dieses Knaben, und welches ist 
sein Gericht, was soll ich ihm tun, daß nicht auch er hinein- 
geworfen wird mit uns in die Vernichtung? Und es erhörte der 27 
Herr den Nir und erschien ihm in einem Gesicht des Nachts 

20 und sprach zu ihm : Nir ! Da große Gottlosigkeiten geschehen sind in 
Menge auf der Erde, werde ich fortan es nicht dulden noch er- 
tragen. Und siehe, ich will jetzt herabsenden eine große Ver- 
nichtung auf die Erde, und es wird umkommen der ganze Be- 
stand der Erde. Aber über den Knaben betrübe dich nicht, 28 

25 Nir, da ich in Bälde senden werde meinen Archistrategen 
Michael, und er wird den Knaben nehmen und ihn setzen in das 
Paradies Edems, wo Adam zuvor verweilte sieben Jahre, habend 

1 „ehrenvoll öffentlich" U 2 „Nir" < U — „das Kn." ÜB 

3 „gottlos" (astuti Sok) wurde" ÜB 4 „und— Gott" + S 5 „inne 
gew.": „gesehen habend" ÜB: < Τ — „alsdann" + S 7 „es .. ver- 

mehrten sich" B: <U — „alle Gottl." ÜBT 8 „es . . ward überaus 
bekümmert" BUT 10 „sprechend" < Β — „Was — sprechend" < S — 
„Und"<U 12 „haben sich gemehrt" ÜBT 14 „vielmehr— Vol- 

kes" + S 16 „dieses" < Β — „u. welches — nehmen u." Z. 26 < B; 

„und es sah Nir im Gesicht vom Herrn, und" R 17 „oder was" U 

18 „diese Vern." UT — „Und" < UT — „auch" < U 20 „Da— Menge": 
„Siehe, schon, ο Nir, ward ein großes Verderben" U 21 „noch er- 

tragen" + U 22 „Und" < U — „jetzt": „in Bälde" U 23 „und — 
Erde" < UT 25 „Arch. M." ST: „Erzengel Gabriel" U 26 „setzte 
ihn" Β 27 „wo — Versündigung" -+- S 



Anhang: Cap. III, 23—31. 117 

den Himmel immer offen stehend, bis zur Versündigung. Und 29 
dieser Knabe wird nicht umkommen mit den Umkommenden in 
diesem Geschlecht; denn ich habe gezeigt, daß er sein wird ein 
Priester der geweihten Priester in Ewigkeit Meichisedek. Und 
5 ich setze ihn, daß er sein wird das Haupt den Priestern, die zu- 
vor waren. — Und es erwachte Nir von seinem Schlaf und 30 
benedeite den Herrn, der ihm erschienen war, sprechend: Bene- 
deit sei der Herr, der Gott meiner Väter, welcher mir geredet 
hat, wie er gemacht einen großen Priester in meinen Tagen im 

10 Mutterleib der Sopanima, meines Weibes; weil ich nicht hatte (31) 34 
einen andern Knaben in diesem Geschlecht, daß er werde ein 
großer Priester. Aber dieser mein Sohn und dein Knecht, und 
du der große Gott, weil du zugezählt hast zu deinen Knechten 
und großen Priestern, zu Seth und Henos und ßussij und Amilam 

15 und Prasidam und Maleleel und Seroch und Arusan und Aleem 
und Henoch und Methusalam und mir, deinem Knecht Nir. Und 
dieser Meichisedek wird sein das Haupt diesen dreizehn Priestern, 
die zuvor waren. Und wiederum im letzten Geschlecht wird sein 
ein anderer Meichisedek, Anfang den zwölf Priestern. Und her- 

20 nach wird sein das Haupt allen großen Hohepriestern das Wort 



4 Ps. 109 (110), 4. 



2 „der Knabe": „er" ÜBT — „in d. Geschl." + S 3 „denn": 

„und" ÜBT — „und er wird mir" ÜBT 4 „geweihten" + S — „in Ewigk." 
vo veki: vseko S 5 „ich weihe u. setze" ÜBT — „daß — waren": „in 
das große Volk, das mich heiligt („geheiligt" T)" UT; „groß mich heili- 
gend" Β 6 „Und" < Β — „erwachte": „stand auf" U, „ging heraus" Β 
8 „meiner": „unserer" U — „welcher — weil er": „der nicht gab Läste- 
rung meinem Priestertum in dem Priestertum meiner Väter, weil dein 
Wort" ÜB 11 „einen — zugezählt hast" Z. 13: „ein Geschlecht, und es 
wird dieser Knabe an Stelle meines Geschlechts und wird mir Sohn 
sein, und du wirst ihn (< U) hinzuzählen" ÜB 14 „u. gr. Pr.":. „dei- 
nen Priestern" B: < U — „Seth usw.": „Sonth und Honoch und Busij 
und Milam und Serach und Arusan, (Ma)nael und Henoch und Methu- 
sael" U; „Seth, Henoch, Maleleel, Aamilam und Thrasidam und Maleleel 
und mit Rusiph und mit Henoch BR; „Seth und Henoth und Eussij und 
Milam und Narusan und Nael und Henoch und Methusaloni" Τ 16 „mir" 
+ S 17 „diesen — Junges" S. 119, 10: „den Priestern zu einem andern 
Geschlecht" U, „den Priestern an jenem Tage" Β 



HS Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

und die Kraft Gottes, um zu vollbringen große Wunder und 
herrlicher als alle früheren. Jener Melchisedek wird sein Priester 35 
und König an dem Ort Achuzan, das heißt in der Mitte der 
Erde, wo geschaffen ward Adam, daselbst wird sein hernach sein 
δ Grab. Und von diesem Hohepriester ist zuvor geschrieben, daß 36 (32) 
auch er begraben werden wird daselbst in der Mitte der Erde, 
wie auch Adam seinen Sohn Abel daselbst begraben hat, den 
sein Bruder Kain erschlug, weil er drei Jahre lag unbegraben, 
bis daß zu sehen einen Vogel genannt Galjuli, wie er begrub 

10 sein Junges. Denn ich weiß, daß ein großer Aufruhr gekommen 37 
ist, und in Aufruhr wird dies Geschlecht enden und alles wird 
umkommen. Nur Noah, mein Bruder, wird bewahrt werden, und 
hernach wird sein eine Anpflanzung von seinem Geschlecht, und 
es wird ein anderes Volk sein und ein anderer Melchisedek 

15 wird sein das Haupt des Priestertums unter dem Volk, herrschend 
und dem Herrn dienend. 

IV. Und als verweilt hatte der Knabe vierzig Tage im Hause 
Nirs, sprach der Herr zu Michael: Steige hernieder auf die Erde 
zu dem Priester Nir und nimm meinen Knaben Melchisedek, der 

20 mit ihm ist, und setze ihn in das Paradies Edems zur Bewah- 
rung. Denn schon naht die Zeit, und ich werde senden alle 
Wasser auf die Erde, und es wird umkommen alles, was auf 
der Erde ist, und ich werde ein anderes Geschlecht aufrichten, 2 
und Melchisedek wird das Haupt den Priestern sein in jenem 

25 Geschlecht, wie mir Seth in diesem Geschlecht war. Und es 3 
eilte Michael und stieg herab des Nachts, und Nir war schlafend 
des Nachts auf seinem Bett. Und es erschien ihm Michael und 
sprach zu ihm: So spricht der Herr, Nir. Laß den Knaben zu 



10 „ein — ist" < ÜB 13 „hern. w. s.": „zu einem andern Ge- 

schlecht" U; „seinem": „meinem" Β — „und — eine": „zu einer" ÜBT — 
„und von" ÜB 14 „wird aufstehen ein grosses Volk" ÜBT — „ein 
anderer" -4- S 15 „herrsch, u. d. H. dienend": „der Alleinherrschaft 

(„Fremdherrschaft" T), das dir Herr dient" ÜBT 17 „Und es ge- 

schah, als vollendet hatte" ÜBT — „vierzehn" Β 18 „zu dem Erz- 
engel Gabriel" U 20 „mit ihm" < U 21 „und ich — in diesem Ge- 
schlecht" Z. 25 < S 24 „jenem": „deinem" U 25 „wie — Geschl." 
+ B — „war" by: bo Β — „Und" + S 26 „Michael": „Gabriel" 

stets U — „stieg herab": „flog herab" ÜB: „mit seinen Flügeln" + B 
27 „und" < U 28 „zu Nir" U 



Anhaag: Cap. III,, 31— IV, 8. .119 

mir, welchen ich dir anvertraut habe. Und Nir erkannte nicht 1 
den zu ihm Redenden, und sein Herz ward verwirrt, und er 
sprach: Hat etwa das Volk erfahren von dem Knaben, und ihn 
genommen habend wird es ihn töten, weil verkehrt ward das Herz 
δ dieses Volkes vor dem Angesicht des Herrn. Und es sprach 
Nir zu dem Redenden: Nicht ist bei mir ein Knabe, und ich 
weiß nicht, wer du bist. Und es antwortete ihm Michael: Fürchte 5 
dich nicht, Nir, ich bin der Archistratege des Herrn. Es hat 
mich der Herr gesandt. Und siehe, ich nehme deinen Knaben 

10 heute und gehe mit ihm und setze ihn in das Paradies Edems 
und dort wird er sein in Ewigkeit. Und wenn sein wird das 6 
zwölfte Geschlecht und sein wird tausend Jahre und siebzig, 
wird in diesem Geschlecht ein gerechter Mensch geboren werden, 
und es wird sprechen zu ihm der Herr, daß er hinaufgehe auf 

15 jenen Berg, wo stehen wird die Arche Noahs, deines Bruders, 
und er wird daselbst finden, den andern Melchisedek, der da- 
selbst lebt sieben Jahre sich verbergend vor dem Volk, das den 
Götzen opfert, damit es ihn nicht umbringe. (Und) er wird (ihn) 
herausführen und er wird sein Priester und der erste König in 

20 der Stadt Salem, nach dem Bilde dieses Melchisedeks, der An- 
fang der Priester. Es werden erfüllt sein an Jahren bis zu der 
Zeit dreitausendundvierhundertundzweiunddreißig Jahre von dem 
Anfang und der Erschaffung Adams. Und von jenem Melchi- 7 
sedek werden Priester sein zwölf an der Zahl, bis zu dem 

25 großen Hegumenen, das heißt Führer, der herausführte alles 
Sichtbare und Unsichtbare. 

Und es erinnerte sich Nir an seinen ersten Traum und 8 
glaubte und antwortete dem Michael und sprach: Benedeit sei 
der Herr, der dich heute zu mir gesandt. Und jetzt segne deinen 

30 Knecht Nir, weil mir genaht ist der Weggang aus dieser Welt, 
und nimm den Knaben und tue ihm, wie zu dir der Herr ge- 



1 „dir"<B 3 „erfahrend denKhaben nehmen"U 5 „des Volkes" 
U — „Und — Bedenden": „Und er antwortete Gabriel und sprach" U; „Und 
es antwortete Nir (< B) dem Michael" BE — „Und" < S 6 „ich — 

bist": „ich keane nicht den, der mit mir redet" ÜB 7 „ihm Michael" 
michail k nemu: gljai k nme S 8 „Archistr. d. H.": „Erzengel Ga- 
briel" U 10 „und" < S 11 „und dort— Unsichtbare" Z. 26 + S 
28 „u. spr." < ÜB 29 „Herr Gott" Β 30 „weil— Welt" + S 
31 „der Herr": „Gott" Β 



120 Die Bücher der Geheimnisse Henochs. 

sagt hat. Und es nahm Michael den Knaben in jener Nacht, 9. 
in der er auch herabgestiegen war, und nahm ihn auf seine 
Flügel und setzte ihn in das Paradies Edems. — Und es 10 
stand Nir des Morgens auf und ging in das Haus und fand 
5 nicht den Knaben. Und er ward in Freude an Stelle des über- 
aus großen Kummers, da er nicht hatte einen andern Sohn als 
diesen. So endete Nir und fortan ward kein Priester unter dem 11 
Volk. Und von jener Zeit erhob sich Aufruhr auf der Erde 
überaus. « 

10 V. Und es rief der Herr den Noah auf den Berg des Ararat, 

zwischen Assyrien und Armenien, in dem Land Arabien, am 
Meere, und sprach zu ihm, daß er dort mache die Arche, „drei- 
hundert Ellen in der Länge und in der Breite fünfzig Ellen 
und in der Höhe dreißig, und zwei Fenster in der Mitte und 

15 ihre Tür zu einer Elle". Und jener dreihundert Ellen, aber 2 
unserer fünfzehntausend; und wiederum jener fünfzig, aber der 
unseren zweitausendundfünfhundert; und wiederum jener dreißig, 
aber der unsrigen neunhundert; jener Eine Elle, aber der unseren 
fünfzig. Nach der ganzen Zahl halten fest die Juden jenes Maß 3 

20 der Arche Noahs, wie ihm der Herr gesagt hatte, und machen 
immer jedes Maß und jede Wage auch bis jetzt. Der Herr Gott 4 
öffnete die Schleußen des Himmels (und) es ging der Regen 
auf die Erde hundertund fünfzig Tage, und es starb alles Fleisch. 
Noah aber war im fünfhundertsten Jahr, er zeugte drei Söhne: 5 

25 Sem, Harn, Japhet. Hundert Jahre nach der Geburt der drei 6 
Söhne ging er in die Arche, im Monat nach den Hebräern Juars, 
nach den Ägyptern Phamenoth, am achtzehnten Tag. Und es 7 
schwamm die Arche vierzig Tage, aber im ganzen waren sie in 
der Arche hundertundzwanzig Tage. Und er ging in die Arche 8 

12 Gen. 6, 15 f. — 22 vgl. Gen. 8, 3. — 29 Gen. 8, 13. 



1 „den Knaben Melchisedek" U 2 „in der— nahm ihn" -f- S 

3 „ihn" < SU — „und" < SB — „Und — Kummers": „Und es ward 
Freude und Kummer dem Nir überaus" U 6 „großen" + S — 

„Kummers Nirs" Β — „da— diesen": „da er den Knaben sich hatte 
an Sohnes statt" ÜB; Β endet. „Unserem Gott sei Preis stets und 
jetzt und immerdar und in die Ewigkeiten der Ewigkeiten. Amen" + U 
und endet. — Das Weitere in A. 



Anhang: Gap. IV, 8— V, 9. 121 

seiend sechshundert Jahre, und im sechshundertsten Jahr seines 
Lebens ging er aus der Arche, im Monat Pharmut nach den 
Ägyptern, aber nach den Hebräern Nisan, am achtundzwanzig- 
sten Tag. Nach der Sündflut lebte er dreihundertundfünfzig 9 
5 Jahre und starb, als er gelebt hatte neunhundertundfünfzig Jahre, 
in dem Herrn unserem Gott, welchem sei Ehre von Anfang und 
jetzt und bis an das Ende aller Ewigkeit. Amen. 

5 Gen. 9, 28f. 



Kegister. 

Die Zahlen bezeichnen die Kapitel und deren Teile. 



Gen. 1,1.2 c. 24,2. 4. 65,1 
1,3 ff. .25,3.26,3.27,3 



1.8 . 

1.9 f.. 
1,11. 19 

1.14. 16 

1.17 . 
1,20—26 

1.27 . 

1.28 . 
1,31 . 
2,2.3 

2.6 . 

2.7 . 
2,8—10 

2.16. 17 

2,19. 20 
2,20 . 
2,21. 22 
3,6 . 
3,17. 19 

3.19 . 

3.20 . 
3,24 . 

4.18 . 
5,3—18 
5,21—23 
6,2.4.5 
6,17 . 
7,11 . 

Exod. 34,30 
Lev. 18,5 
19,4 . 



25,3. 28,3. δ 

. 28,1 

. . 30,1 

. 30,2. 3. 5 

. . 29,1 

. . 30,7 

44,1. 65,2 

30,12. 58,2. 3 

. 30,8 

. 32,2 

. 32,1 

. 32,2. 44,1 

8,1—3. 28,1. 

30,1. 42,3 

. 30,15 

58,2. 3 

, 30,12 

. 30,17 

. 31,6 

, 31,8 

. 32,1 

. 30,17 

30,1. 42,4 

. 1,10 

. 33,10 

. 1,1 

18,4. 5 

, 34,3 

, 28,3 

, 37,2 

10,6- 



I. Schriftstellen. 

Dt. 8,19 .... 2,2 

10,12.20 . . . 66,1 

15,10 .... 63,2 

32,35 .... 50,4 
32,39 .33,8.36,1.47,3 

1 Sani. 12,20. . . 2,2 

lChron.28,9 . . 66,3 

Hiob 38,22 ... 5 

Ps.7,16 .... 60,3 

9,39(10,18) . . 42,9 

17,28 .... 63,3 

27 (28),3 . . . 52,14 

32(33),9 . . . 33,4 

34(35),8 . . . 60,3 

39(40),7 . . . 45,3 

50(51),12 . . . 45,4 

50 (51),18. 19 . . 45,3 

54(55),18 . . . 51,4 
54(55),22.61(62),5:52,14 
93 (94),11 . 53,3. 66,3 

100(101),4 . . 60,5 

100(101),5 . . 63,3 

103(104),2 . . 47,4 

103(104),9 . . 28,4 

103(104),29 . . 33,4 

118 (119),37 . . 9,1 

135 (136 ),5. 6 . . 47,4 

138 (139),8. 9 . . 66,4 

138(139),14 . . 54 

150,6 .... 51,5 

Prc-v.4,11 . . . 42,10 

6,16.17.19 . . 63,3 

8,27 25,4 

8,29 28,4 



Prov. 8,30 

19,17 

22,28 

23,17 

26,27. 28,10 
Eccles. 10,8 
Jes.1,11 . 

1,17 . . 

6,1—3 . 

14.14 . 

33.15 . 
40,13 . 
40,22. 42,5. 44,24 

51,13. . . 
44,6. 8. 45,5—22. 

46,9 .33,8.36,1.47,3 

58,7 . . 9,1.42,8.63,1 

Jer.5,22 .... 28,4 

. . 2,2 



. 30,8 

. 50,5 

. 52,9 

. 2,3 

. 60,3 

. 60,3 

. 45,3 

. 42,9 

20,1. 3. 21,1 

. 29,4 

. 9,1 

. 33,4 



47,4 



10,11 . 

16,17 . 

21,8 . . 

22,3 . . 
Ezech. 10,12 

18,7.8: 9,1 
Dan. 4,27 . 

5,6 . . 



6,10 . 

7,27 . 

10,6 . 

12,4 . 
Micha 6, 6—8 
Hagg.2,15 
Sach. 3,4.5 

7,9f. . . 



. . 66,5 
. . 30,13 
. 9,1.42,9 
. . 20,1 

42,7. 8. 63,1 
. . 45,2 
. . 1,7 
. . 51,4 
. . 45,2 
. . 1,5 
. . 35,2 
. . 45,3 
. . 47,1 
. . 22,8 

42,7.9. 51,1 



.Register. 



123 



Sach. 8,16 

12,1 . . 
Judith 5,19 
Sap. 1,1-1 

2,24 . 

7,17— 19 

11,17 
Tob. 4,16 
Sir. 1,2 

2,4 . 

4,4 . 

7,3 . 

7,32 . 

10,20-24. 

14,13 

15,13 

15,14 f. 

16,27 

17,3—7 

23,7. 

25,24 

27,29 

28,1. 2 

29,10 

29,20 

32 (35), 

32,l0f 

39,25 



61,1. 



42,12 
47,4 
66,1 
. . 52,6 
. . 31,3 
. . 65,4 

24.2. 25,1 
. . 9,1 
. . 47,5 

50.3. 51,3 
. . 51,2 
. . 42,11 
. . 51,1 

30 43,2. 3 
. . 51,1 

61.1. 66,1 
. . 30,13 
. . 47,5 

58.2. 65,2 
43,2. 3. 52, 4 

30,17 
60,3 
50,4 
51,2 
52,1 
45,3 
61,5 
61,2 



50,5. 



Sir. 42,21 



Matth. 5,8 

5,9 . 

5,34 f. 

5,42 . 

7,2 . 

7,12 . 

7,16. 20 

13,43 

14,27 

18,10 

25,34 f. 

25,41 
Luc. 1,6 

6,31 . 

6,38 . 

14,14 

14,16 

21,19 
Job.. 1,29 

14.2 . 
Rom. 1,20 

12,17. 19 

1 Kor. 13,12 

2 Kor. 9,7 . 

11.3 . . 



19,1 



33,4 



45,4 
52,11 
49,1. 2 
, 44,4 
. 44,5 
. 61,1 
. 42,14 
. 65,10 
. 1,8 
. 19,5 
23,5. 42,3 
.10,4 f. 
. 9,1 
. 61,1 
50,5 
50,4 
42,5 
50,2 
64,4 
61,2 
42,14 
50,4 
50,1 
61,5 
31,6 



46,5 



2 Kor. 11,27 

12,2. 4 
Gal. 4,26 
Epb. 1,21 

2,2 . 

4,25 . 

5,12 . 
Pbil. 2,12 
Col. 1,16 
1 Tb. 5,15 
1 Tim. 2,14 

1 Ptr. 2,19 
3,9 . 
3,14 . 

2 Ptr. 2,4 

3,5 . 
Hebr. 9,15 

11,3 . 
Jak. 3,9 
Jud. 6 . 
Apok. 1,16 

4,3 

16,5 

19,4 

19,20. 20,10 

21,4 

21,8 

22,2 



. 66,6 

8,1. 42,3 

. 55,2 

. 20,1 

. 29,5 

. 42,12 

. 34,2 

. 66,1 

. 20,1 

. 50,4 

. 30,17 

50,2. 51,2 

50,4 

51,3 

7,1 

47,4 

9,1 

48,4 

52,6 

7,1 

8,3 

20,3 

19,4 

20,3 

10,2 

. 65,9 

10,2. 4 f. 

. 8,2 



24,2 



14 f. 



IL Andere Schriften 

(außer dem äthipoischen Henoch). 

Baraab. 15,8 . . 33,1 (Ps.-)Cyprian Adv. 

18,1 30,15 lud. 2 .... 34f. 

Baruchapok. [lVE9ra4,12 . . 41,2 

6—8. .12,1.14,2.15,2 6,38 ff. . . . . 27,1 



Clem. Ecl. pr. 2 . 40,1 



Metb.de autex. 19,4 31,4 
Palaea S. 45 ff. . 16,8 



Sibyll. Π, 75. 88 


. 51,6 


UI, 24 . . . 


. 30,14 


Tbeopb. Π, 28 . 


. 31,4 


Test. Abr. A. 12 


. 10,3 


Orig. de princ. 




IV, 35 . . . 


. 40,1 



III. Namen (abgesehen vom Anhang). 



Acbuzan 64,2. 68,5 
Adam 30,14. 31,1—6. 32,1 . 

33,10. 41,1. 58,1.2 
Adoel 25,1. 2 
Aphrodite 30,3 



Arabat (Aravoth) 20,3. 
Archas 26,1. 2 [22,1 

Ares 30,3 
Ariocb 33,11 
Cbalkedren 12,1. 15,1 



Chermion 57,2 
Cherubim 19,6. 21,1. 22,2. 

29,3 
Egregoroi (Gregoroi) 18, 

1-9 



124 



Register. 



Eva 30,17. 31,6. 41,1 
Gabriel 21,3. 5. 24,1 
Gaidad 1,10. 57,2 
Henoch oft 
Henos 33,10 
Hermes 30,3 
Hermon 18,4 
Jared 33,10 
Kainan 33,10 
KroDOs 30,3 



Maleleel 33,10 
Marioch 33,11 
Methusalem 1,10. 38,2. 

56,1. 2. 57,1. 2. 6S,5 
Michael 22,6-9. 33,10 
Muzaloth 21,6 
Ophanim 20,1. 29,3 
Parioch 33,11 
Phoenixe 12,1. 15,1. 19,6 
Ragael (Rasuel) 33,6 



Regim 1,10. 57,2 
Riman (Rim) 57,2 
Samuel (Semiel) 33,6 
Satanael 18,3. 31,4 
Seraphim 21,1. 22,2. 29,3 
Seth 33,10 
Vrevoel(Pravuel) 22,11 f. 

23,3 f. 
Zeus 30,3 



DER 

RÖMERBRIEFTEXT DES ORIGENES 

NACH DEM CODEX VON DER GOLTZ 

(COD. 184 Β 64 DES ATHOSKLOSTERS LAWRA) 

UNTERSUCHT UND HERAUSGEGEBEN 

VON 

LIC. OTTO BAUERNFEIND 

PRIVATDOZENT DER THEOLOGIE IN GREIFSWALD 




LEIPZIG 

J. C. HINRICHS'schie BUCHHANDLUNG 
1923 

Ο 



TEXTE UND UNTERSUCHUNGEN 
ZUR GESCHICHTE DER ALTCHRISTLICHEN LITERATUR 

ARCHIV FÜR DIE VON DER KIRCHENVÄTER-COMMISSION 

DER PREUSSISCHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 

UNTERNOMMENE 

AUSGABE DER ÄLTEREN CHRISTLICHEN SCHRIFTSTELLER 

HERAUSGEGEBEN VON 

ADOLF VON HARNACK und CARL SCHMIDT 

^3. REIHE 14. BAND HEFT 3 
44. BAND HEFT 3 



Printed in Germany. 



Dem verehrten väterlichen Freunde 
Herrn Pfarrer 

Jacob Wolf 

in Bäretswil-Zürich 
in herzlicher Dankbarkeit 



Abkürzungen. 

Die griechischen Textzeugen des Ν. T. werden nach Tischen- 
dorf-Gregory bezeichnet, soweit nicht der Zusammenhang die von 
Sodensche Bezeichnung erfordert (S. 5—13. 18f). Die Kursivbuchstaben 
H, W und Κ bedeuten die ägyptische, die „westliche" und die 
byzantinische Textgruppe. 

Da sich für die hauptsächlich behandelte Handschrift weder die 
v. Sodensche Nummer (α 78) noch die Gregorysche (1739) eingebürgert 
hat, so wird sie nach Harnacks Vorgang (Gesch. d. altchristl. 
Literatur II, 2 S. 38 — 42) mit „Codex v. d. Goltz" bezeichnet. 

Die Versionen und die Schriftsteller tragen v. Sodens Ab- 
kürzungen („Ωρ" bedeutet ζ. B. die in griechischer Sprache erhaltenen 
Werke des Origenes, „Or" die nur lateinisch erhalteneu usw.). 

Die Zeugen des lateinischen Textes stehen meist in der 
Stellung des Exponnenten neben „lat" bzw. „vulg". Die Vulgata- 
zeugen sind dabei nach Wordsworth- White benannt (A = Amiatinus, 
D = Armachanus, F = Fuldensis, Τ = Toletanus, Ζ = Harleianus, 
dem. = Demidovianus usw.). 

Die Origenes zitate sind nach Band (römische Zahl), Seite 
und Zeile der Berliner Ausgabe angeführt — soweit sie noch nicht 
vorliegt, iu entsprechender Weise nach Lommatzsch (mit vor- 
gesetztem L). Die Römerbriefcatene wird durch vorgesetztes 
„Cat." kenntlich gemacht, die 1. Korintherbriefcateue mit „Cat. cor ", 
die Ephesercatene mit „Cat.ep 11 ". Die Catenen werden zitiert nach 
den im Journal of theological Studies erschienenen Ausgaben von 
Ramsbotham (Römerbrief, Bd. 13 u. 14), Jenkins (1. Korintherbrief, 
Bd. 9 u. 10) und Gregg (Epheserbrief, Bd. 3), und zwar unter Angabe 
der Seitenzahl, der Nummer des Abschnittes und der Zeileuzahl des 
Abschnittes. Bei der Römer- und 1. Korinthercatene tritt vor diese 
drei arabischen Ziffern noch die römische Ziffer 1 oder II, um an- 
zuzeigen, ob es sich um den 13. bzw. 9. oder um den 14. bzw. 10. 
Band des Journal of theol. Stud. handelt. Es bedeutet also ζ. B. 
„Cat. I, 224, 20, 11": Journal of theol. Stud. Bd. 13 S. 224 Abschnitt 20 
Zeile 11. Die Philokalie (ed. J. A. Robinson, Cambridge 1893) wird 
mit Φ bezeichnet; die einzelnen Handschriften der Werke des Origenes 
werden so abgekürzt, wie in den Ausgaben. 

v. d. G. = Eduard Freiherr v. d. Goltz, Eine textkritische Arbeit 
des zehnten bzw. sechsten Jahrhunderts 1899 (s. S. 1). T. U. = Texte 
und Untersuchungen zur Geschichte der altchristl. Literatur ed. Geb- 
hardt und Harnack. „Lietzmanu" bedeutet den Lietzmannscheu, „Zahn" 
den Zahnschen Römerbriefcommentar. Ις Χς = Ίησοϋς Χριστός, a = 
ante, ρ = post, 1 = loco, ου = Wortumstellung, add = addit, om = 
omittit, cplur = complures, pler == plerique, al — alii, exe = außer. 



Inhaltsverzeichnis. 

Seite 

Verzeichnis der Abkürzungen V 

I. Der Römerbrieftext des Codex v. d. Goltz .... 1—25 

A. Die bisherigen Bearbeitungen 1—18. 

1. Eduard Frhr. v. d. Goltz 1—4; 2. Peter Corssen 4—5; 
3. Hermann Frhr. v. Soden 3 — 18 (a. Die Wiedergabe 
des Textes 7; b. Die Wiedergabe der origenistischen 
Bibelzitate, das Zeichen Ωρ, die Wertung der Rufinschen 
Übersetzung 8 — 15; e. Die Einordnung und Bewertung 
des Textes, der Meinungswechsel v. Sodens 15 — 18). 

B. Die Textgestalt 18—25. 

1. DieCollationenl8 — 22; 2. Die Scholienabschriften 22 f. 
3. Berichtigungen zum v. Sodenschen Textband 24 f. 

II. Das Verhältnis des Codex v. d. Goltz zu den erhaltenen 

griechischen Römerbriefzitaten des Origenes . . . 25—52 

A. Die Reste des Rönierbriefcommentars 25—36. 

I. Übersicht 25—27; 2. Die Abweichungen 27—35 
(a. Soweit sie auf Freiheit im Zitieren usw. beruhen". 
Partikeln usw., Formveränderungen, Einfügungen und 
Auslassungen, Wortumstellung, sprichwortartige Umge- 
staltung 27 — 33; b. Ernst zu nehmende Abweichungen 
33 — 35); 3. Auffällige Übereinstimmungen und vor- 
läufiges Ergebnis 35 f. 

B. Die anderen Schriften des Origenes 36—52. 

1. Die Abweichungen 36—49; (a. Unsichere Bezeugung 
36 f.; b. Fehler 37 f.; c. Orthographie 38; d. Freiheit 
im Zitieren usw.: Zitatverquickungen, Partikeln usw., 
Formveränderungen , Wortvertauschungen , Wortum- 
stellungen, Einfügungen und Auslassungen, sprüchwort- 
artige Umgestaltungen, Gedächtnisirrungen, Schreiber- 
zitate 38—47; e. Ernst zu nehmende Abweichungen 
47 ff.); 2. Auffällige Übereinstimmungen 49 ff.; 3. Vor- 
läufiges Ei-gebnis 51 f. 



Inhaltsverzeichnis. VII 

III. Die Ν. T.-Handschriften 6, 47 und 67** in ihrem Ver- Seite 
hältnis zum Codex v. d. Goltz 53—74 

Überblick 53 ff. 

A. Die Handschrift 47: 55-62. 

1. Der Apparat 55—58; Der Text 58ff.; Ergebnis 60 ff. 

B. Die Handschrift 6 und die Correcturen der Hand- 
schrift 67 (= 67**): 62—74. 

1. Außerhalb des Römerbriefs 62—67; 2. Im Römerbrief 
68-71 (a. Die Handschrift 6: 68-71; b. Die Correc- 
turen der Handschrift 67: 71); 3. Ergebnis 71—74. 

IV. Die Unterschiede zwischen dem Text des Codex 
v. d. Goltz und dem der origenistischen Römerbrief- 
zitate in ihrem Verhältnis zu den übrigen Text- 
zeugen des Ν. Τ 74—81 

Α. Das Verhältnis zu den einzelnen Textgruppen 74—77. 
1. Die byzantinische Gruppe 74 f.; 2. Die westliche Gruppe 
75 f. 3. Die ägyptische Gruppe 76 f. 4. Einzel -Les- 
arten 77. 

B. Die Ursache der Unterschiede. Rückblick 77—81. 

V. Ergebnisse für die Textkritik des Römerbriefs . . 81—87 

A. Das Verhältnis zu den wichtigsten Ausgaben des 
N.T. 81 f. 

B. Stellen, an denen die Ausgaben voneinander ab- 
weichen 82—84. 

C. Stellen, an denen die Ausgaben gegen den Codex 
v. d. Goltz übereinstimmen 84—87. 

Versehen im Codex v. d. Goltz? 86 f. 

VI. Zusammenfassung. Schluß 87—89 

Text 90—119 



I. Der Römerbrieftext des Codex v. d. Goltz. 

Durch den Codex 184 Β 64 des Athosklosters Lawra Me- 
giste ist die neutestamentliche Textkritik vor eine Reihe von 
Fragen gestellt worden, die bis hente — 26 Jahre nach seiner 
Entdeckung — noch nicht übereinstimmend beantwortet worden 
sind. Die wichtigste von ihnen, die nach der Herkunft des in 
ihm überlieferten Römerbrieftextes, soll im folgenden von 
neuem untersucht werden. 

A. Die bisherigen Bearbeitungen. 

1. Eduard Freiherr von der Goltz. Über das Alter, 
die Herkunft und den Charakter der Athoshandschrift be- 
richtete eingehend ihr Entdecker in den Texten und Unter- 
suchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur (Neue 
Folge Bd. 2 [1899] Heft 4): Eine textkritische Arbeit des zehnten 
bzw. sechsten Jahrhunderts, herausgegeben nach einem Codex 
des Athosklosters Lawra von Lic. Eduard Freiherr v. d. Goltz. 
Das zum Verständnis des Römerbrieftextes Nötigste aus dieser 
Schrift sei hier kurz zusammengefaßt. 

Es handelt sich um eine 102 Blätter starke Minuskel 
des 10. Jahrhunderts. Sie enthält die Apostelgeschichte von 
Cap. 2, 7 an sowie die katholischen und die paulinischen Briefe. 
Der Anfang der Apostelgeschichte und ihre Unterschrift sind 
der Schere eines späteren Bearbeiters zum Opfer gefallen, 
ebenso 15 Blätter vor der Apostelgeschichte — wahrscheinlich 
eine textkritische Einleitung — , die ganze Offenbarung und 
noch einzelne kleinere Stücke. Rasuren zeigen sich vielfach. 
Was zu genauerer Durchforschung der Handschrift den Anlaß 
bot und sogleich durch Abschrift festgehalten wurde, sind die 
zahlreichen in Semiunciale geschriebenen Scholien auf dem 
ca. 5 cm breiten äußeren Rand, sie führen oft abkürzende Vor- 

T. u. U. '23: Bauernfeind. 1 



2 Bauernfeind: Der Römerb riefte xt des Origenes. 

zeichen für γραπτέον oder Ώριγένης 1 . Auch die verschiedenen 
Unterschriften und Überschriften ließen gleich auf einen be- 
sonderen Wert der Handschrift schließen und ebenso die Rand- 
notizen über den Umfang der Origenescommentar-to|jiot zu E, 
Gal. und Kol. — ,,Im Kloster konnte ich sämtliche alten 
Scholien der wichtigen Handschrift abschreiben. Mit meinem 
Kollegen [Lic. Dr. Wobbermin] zusammen kollationierte ich 
genau den Text der Acta und der katholischen Briefe; dann 
mußte ich Weiterreisen und Herr Wobbermin, der noch in der 
Lawra zurückblieb, kollationierte die paulinischen Briefe. Die 
Kürze der Zeit mit gutem Licht in den Wintertagen und die 
Menge der uns gestellten Aufgaben gestatteten nicht, so lange 
und so sorgfältig diese einzige Handschrift zu studieren, wie 
es wohl nützlich gewesen wäre. Es ist aber sowohl bei der 
Kollation wie bei der Abschrift der Scholien mit so großer 
Sorgfalt verfahren worden, als uns in der kurzen Zeit möglich 
war" (a. a. 0. S. 2). 

Wichtige Aufschlüsse über ihre Vorgeschichte gibt die 
Handschrift selbst in der Vorrede zu den paulinischen Briefen 
(s. u. S. 91). Nach ihr ist der Text von 1. Kor. bis Phihn. 
aus einer Vorlage abgeschrieben 2 , die ihrerseits den Text aus 
den Commentaren und Homilien des Origenes hergerichtet 2 
hat. Auch das Beiwerk muß wenigstens teilweise aus dieser 
alten (παλαιότατον) Vorlage stammen, die wir als Majuskel 
zu denken haben; das zeigt ein Blick auf die Unterschrift zum 
Epheserbrief : „από των εις την γρ 3 έφεσίους φερομένων τόμο^ν 
άντανέγνωσον ή επιστολή." Das sinnlose άντανέγνωσον ist 
verlesen aus άντανεγνώσθ-η, das ist nur bei einer Uncialvor- 
lage denkbar (ΟΝ-ΘΗ). Und inhaltlich muß diese Unterschrift 
deswegen älteren Ursprung haben, weil das Vorwort zu den 

1 Die Zeichen sind bei v. d. G. S. 45 und S. 15 erklärt und 
nachgebildet. Wir begnügen uns — auch in der Textwiedergabe S. 91 ff. — 
mit der Angabe der Buchstaben, aus denen die — in den Druckereien 
nicht vorrätigen — Zeichen zusammengesetzt sind, nämlich γρ für 
γραπτέον und ωργ für Ώριγένης. 

2 Abgeschrieben: . • • γεγράφθ -ac άπδ αντιγράφου παλαιότατου . . .; 
hergerichtet: . . . έπιτετεογμένου έκ των . . . ώριγένους τόμων ή ομιλιών . . . 
(vgl. Ρ. Corssen, GGA 1899, S. 668; Th. Zahn, Th. Litblt. 1899, Sp. 179). 

3 Vgl. Anm. 1. 



I. Der Römerbrieftext des Codex v. d. Goltz. 3 

paulinischen Briefen schon dasselbe hat sagen wollen, weil sie 
in der vorliegenden, mit dem Vorwort ausgestatteten Sammlung 
der Paulusbriefe daher überflüssig und nur als übernommener 
Rest aus einer Handschrift ohne derartige Vorrede verständlich 
ist. Zu beachten ist das Wort άντανεγνώσθ-η — „wurde ver- 
glichen" — das von dem Verfasser der Vorbemerkung nicht 
ganz zutreffend mit έπιτετευγμένου — „abgeschrieben" — wieder- 
gegeben wird (a. a. 0. S. 11). — Einzelne Teile des Römer- 
briefs entstammen jedenfalls der gleichen Vorlage, wie 1. Kor. 
bis Philm., nämlich die Abschnitte, die im Origenescommentar 
unseres Abschreibers fehlten 1 (9, 1—10, 1 (?); 12, 16—14, 10; 
jedenfalls auch das Persönliche und die Grüße Kap. 16, 1 — 23; 
vgl. a. a. 0. S. 93 f.). Für alle übrigen Römerbriefabschnitte 
aber ist nach Angabe der Vorrede keine Bibelhandschrift als 
Vorlage benutzt worden, sondern nur der peinlich genau 2 be- 
obachtete Text des Origenescommentars. — Die Frage nach 
dem Recht dieser Angabe ist von erheblicher Bedeutung für 
unsere Kenntnis des origenistischen Bibeltextes, besitzen wir 
doch diesen Text sonst meist nur in Zitaten ziemlich freier 
Art und in Übersetzungen von wechselnder Zuverlässigkeit, tritt 
doch bei den anderen griechischen Handschriften des Neuen 
Testaments — und durchweg auch im sonstigen Text der Athos- 
handschrift — nur mittelbare, niemals so unmittelbare Ver- 
wandtschaft mit Origenes zutage. Eine gesonderte Unter- 
suchung gerade über den Römerbrieftext des Origenes ist so- 
mit gerechtfertigt und geboten. — 

Eine Sonderstellung des Römerbriefes ist auch in der 
Apostoloskleinschrift 47 (Oxford, Bodl. Roe 16, bei v. Soden 
Nr. Ο π 103 ) zu beachten. Randscholien in Semiunciale, dieser 

1 Diese Abschnitte werden in dieser Untersuchung nur hin und 
wieder vergleichsweise herangezogen, die geplante Textwiedergabe 
und Erläuterung mußte gestrichen werden. 

2 Dreimal (1,7; 5,17; 15,14) wird der Text des von Origenes 
den Erörterungen vorangestellten ,,ρητόν" von dem der Erörterungen 
selbst (έξήγησις) unterschieden. 

5, 17 und 15, 14 wird dabei nicht der Wortlaut des ρητόν, sondern 
der εξήγηση bevorzugt. Nicht ganz zutreffend Turner (Dict. of the 
Bible ed. James-Hastings. Extr. Vol. S. 492) : „he copied bis text . . . 
from the lemmata . . ." Zur Zählung der τόμοι vgl. v. d. Goltz, S. 93f. 

1* 



4 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

Handschrift sonst ganz fremd, treten im Römerbrief auf, vier- 
mal im Wortlaut denen der Athoshandschrift fast gleich. Die 
Texte selbst zeigen in allen anderen Teilen des Apostolos nur 
entferntere Verwandtschaft und viele Unterschiede; Ε 1 — 12 treten 
dagegen die Abweichungen auffallend zurück und zahlreiche 
Sonderlesarten sind beiden gemeinsam. Diese Erscheinungen 
durch mittelbare oder unmittelbare Abhängkeit der Oxforder 
von der Athoshandschrift zu erklären, liegt nahe, zumal wenn 
man in beiden Handschriften die Scholien zu 8, 24 vergleicht 
(vgl. u. S. 55). Das Original auf dem Athos spricht von seiner 
Uncialvorlage: (το δε πάλαιαν το έμόν), der andere Schreiber 
hat die Uncialvorlage nicht vor Augen, er kann nur sagen: 
το δε παλαιών. — Die allgemeinere Verwandtschaft, die 47 zur 
Athoshandschrift ausserhalb des Römerbriefes zeigt, teilen 
auch die Minuskeln 17 und 67** sowie alle Handschriften der 
Gruppe, die in den Texten und Untersuchungen zur altchristlichen 
Literatur Bd. 11 von Bousset besprochen wird. 

Ein Abdruck der ganzen Collation sowie eine noch ein- 
gehendere Untersuchung verbot sich damals; von der Berliner 
Ausgabe der Werke des Origines lag noch kein Band vor, und 
es war Rücksicht zu nehmen auf das bevorstehende Erscheinen 
der großen Arbeit Hermann Frhr. v. Sodens. Ein Auftrag von 
Sodens hatte zur Durchsuchung der Athosbibliotheken den Anlaß 
und die Möglichkeit gegeben; ihm sollte auch die abschließende 
Verwertung des wichtigen Materials vorbehalten bleiben. 

2. Peter Corssen. Schon ehe v. Soden sich äußerte, 
mußte indessen ein derartiger Fund zu vielerlei Erwägungen 1 
Anlaß bieten. Hervorzuheben ist vor allem Peter Corssens Be- 
sprechung in den Göttingischen gelehrten Anzeigen (Bd. 1899 
S. 665 — 680), C. stellte eine neue Auffassung von dem Ver- 
hältnis des Athoscodex zu seiner Vorlage auf. Die Unterschrift 



1 Vgl. Theodor Zahn im Theol. Literaturblatt 1899 Sp. 177/181; 
Jacques Simon: Revue d'histoire et de literature religieuses 1899 
S. 176ff.; Alfred Loisy: Revue critique d'histoire et de literature 
1899 1. Sem. S. 277 f.; Ph. Meyer: Deutsche Literaturzeitung 1899 
S. 1024f. ; Eb. Nestle: Neue Philologische Rundschau 1899 S. 338f.; 
W. Bousset: Theologische Literaturzeitung 1900 Sp. 610—613; 
J. H. Ropes: The biblical World 1903 S. 140 f. 



I. Der Römerbrieftext des Codex v. d. Goltz. 5 

des Epheserbriefs paßt nach ihm sehr wohl zu der Vorrede der 
paulinischen Briefe und stammt aus der gleichen Feder, wie 
sie. Wer sich von der Abstammung („έπιτετευγμένου") des 
παλαιότατον aus Origenes überzeugt hatte (ου πεϊραν έλάβομεν), 
der mußte es zu diesem Zweck seinerseits mit den Werken des 
Origenes vergleichen (από των . . . τόμων άντανεγνώσίτη) und 
konnte das sehr wohl am Schluß der einzelnen Briefe ver- 
merken. Der doch wirklich gelehrte Verfasser der Vorrede 
wird damit von der dilettantischen Verwechslung des Aus- 
sehreibens mit dem λ 7 " ergleichen entlastet (s. o. S. 3; v. d. G. 
S. 11). Auch der sinnlose Fehler άντανέγνωσον 1 άντανεγνώσθ-η 
kann nicht auf ihn zurückgehen, zu seiner Erklärung ist viel- 
mehr anzunehmen, daß nach der Ausstattung des übernommenen 
alten Textes mit Scholien noch ein handwerksmäßiger Ab- 
schreiber 1 tätig gewesen ist. Der Fehler ist ihm gerade in dem 
einen Fall untergelaufen, in dem er die Sclüußnotiz (από των . . . 
άντανεγνώσ9•η ή επιστολή) überhaupt wiedergab, hinter allen 
anderen Briefen ■ — wo sie jedenfalls auch stand — ließ er 
sie als überflüssig weg. Das Werk dieses Abschreibers ist der 
heutige Athoscodex: er ist also die dritte Stufe nach zwei an- 
deren: 1. παλαιότατον, wahrscheinlich ohne Scholien, 2. mit text- 
kritischem Apparat ausgestattete Abschrift des παλαιότατον. — 
Nach dieser Auffassung stünde somit zwischen dem im Athos- 
codex vorliegenden Römerbrieftext und dem Origenes -Com- 
mentar noch eine Zwischenstufe. Damit ist dann die Möglich- 
keit gegeben, daß die Verwandtschaft mit der Handschrift 47 
irgendwie durch diesen verlorenen Text vermittelt ist. Im Blick 
auf die heutige Gestalt der beiden Verwandten bezweifelt Corssen, 
daß „eine Handschrift aus der andern abgeschrieben" sei. 

3. Hermann Freiherr von Soden. Von Soden be- 
spricht unseren Text in der dritten Abteilung seines ersten 
Bandes (Hermann Freiherr von Soden, die Schriften des 
Neuen Testaments in ihrer ältesten erreichbaren Textgestalt 
hergestellt auf Grund ihrer Textgeschichte. I. Teil: Unter- 
suchungen. III. Abteilung Berlin 1910), besonders S. 19321., 

1 C. begründete diese Annahme außerdem noch mit zwei an- 
geblichen Schreibfehlern d. Athostextes, die sich später als Fehler 
der Abschrift herausstellten. Vgl. auch S. 22. 



6 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origeues. 

aber auch sonst in dem Abschnitt über die paulinische Brief- 
sammlung S. 1898 — 2042. v. Soden stand noch eine zweite 
Collation und eine zweite Scholienabschrift zur Verfügung, die 
beide im Jahr 1902 durch Πολύκαρπος Θώμας 1 hergestellt 
worden waren. Auch diesmal hatte nicht viel Zeit zur Unter- 
suchung der Handschrift zur Verfügung gestanden, die geplante 
Entzifferung ausradierter Scholien war unterblieben. Wir be- 
nennen diese Collation und Scholienabschrift mit II im Gegen- 
satz zu der S. lf. genannten ersten (I) Collation und Scholien- 
abschrift. 

Wer nun bei v. Soden nach endgültigen Ergebnissen über 
die einst mit so viel Hoffnungen begrüßte Athoshandschrift 
(bei v. S. heißt sie α 78) sucht, wird schwerlich befriedigt 
werden, namentlich nicht in betreff des Römerbrieftextes. 
Neben den zahlreichen neuen Stoffen und neuen Forschungs- 
wegen blieb für die wenigen Römerbriefkapitel der einen 
Handschrift doch nicht soviel Raum und Aufmerksamkeit, 
wie der gerade hierfür interessierte Leser wünscht. H. Lietz- 
mann berichtet in der Zeitschrift für neutestam entliche Wissen- 
schaft Bd. 15 S. 330: „Ich wollte an der Hand des Codex α 78, 
der als Quelle für den Origenestext von höchstem Wert ist, 
mich in die Typengruppierung (gemeint sind die Typen J\ 
<7" b , J c der von v. Soden angenommenen palästinensischen 
Textrezension J) einarbeiten. S. 1933 handelt v. Soden über 
ihn und sagt: ,der durch die folgenden [Paulustext-] Listen 
als solcher sichergestellte J h -Zeuge 78 beanspruche ein be- 
sonderes Interesse' und auf derselben Seite heißt es: ,der Text 
dieses Codex J h 78 ist nun aber der Hauptsache nach genau 
unser -7 b -Texf und in den folgenden Listen der Sonderlesarten 
im Paulustext dieser Gruppe tritt der Codex dementsprechend 
auf. Als ich nun seine Lesarten aus dem kritischen Apparat 
herausarbeiten wollte, fand ich ihn nicht unter J und bemerkte 
endlich, daß er jetzt unter Η (Η ist das Zeichen für die 
ägyptische Rezension) figuriert. Hier zählt ihn auch das Lese- 
zeichen auf und die Liste S. XV des Textbandes notiert ihn 
als R- Zeugen ,für Paulus (in Acta Cath. J h y ohne weitere 
Bemerkung! Und das kann bei einem der bedeutsamsten 

1 Jetzt Bischof von Nauplia. 



I. Der Römerbrieftext des Codex v. d. Goltz. 7 

— freilich auch sonst nicht genügend gewürdigten — Zeugen 
für die Textgeschichte passieren!" Fünf Jahre später, in der 
zweiten Auflage seines Römerbriefcommentars S. 7, äußert 
Lietzmann den Wunsch nach einer vollständigen, am besten 
photographischen Ausgabe der ganzen Athoshandschrift und 
bedauert dabei, daß man so wenig von ihrem Text wisse: 
„leider muß man sich mit den dort (bei Ed. Frhr. v. d. Goltz) 
gegebenen Notizen begnügen und ist im übrigen auf die ge- 
legentlichen Notate von Sodens angewiesen". Sowohl gegen 
die Eingruppierung und Bewertung wie auch gegen die Text- 
wiedergabe werden wohl die meisten anderen Leser gleich- 
falls Einspruch erheben; hätte Lietzmann das Einarbeiten an 
dieser Stelle nicht abgebrochen, so würde ihm außerdem noch 
ein drittes Bedenken gekommen sein : die in den Apparat auf- 
genommenen — zur Beurteilung von α 78 notwendigen — 
Bibelzitate aus den übrigen Schriften des Origenes sind un- 
zuverlässig. Wir nehmen zu jedem dieser drei anfechtbaren 
Punkte Stellung. 

a) Die Wiedergabe des Textes. Die Einführung in 
den Textband (S. XXV C 3a Abs. 2) läßt keinen Zweifel, daß 
der Apparat den ganzen Text unserer Handschrift und nicht 
nur „gelegentliche Notate" geben will 1 . Eine Nachprüfung- 
mittelst der Collationen ergibt, daß das auch wirklich meistens 
geschieht. Die von Lietzmann angedeutete Ausstellung — „ge- 
legentliche Notate" — müßte sich also mehr gegen die An- 
ordnung des Apparats, als gegen die Behandlung gerade dieser 
einen Handschrift richten. 

Lietzmann hat offensichtlich von den allgemeinen Bezeichnungen 
Κ und Η nicht recht glauben können, daß sie wirklich die Lesart 
unserer Handschrift in allen Fällen, in denen die Zahl 78 nicht aus- 
drücklich genannt ist, genau wiedergeben, und man muß fragen: 
Wie soll ein weniger sachkundiger Leser zu einem Urteil über unseren 
Text kommen, wenn es Lietzmann nicht möglich war! 

Sieht man von diesem Bedenken ab, so sind einige Fehler 
zu beachten und ist vor allem zu beanstanden, daß die mit 
vieler Mühe beschaffte Collation II fast ganz unberücksichtigt 
geblieben ist. 

1 Als „minderwertigen" Zeugen, der nicht immer notiert zu 
werden brauchte, wird v. Soden unseren Codex ja nicht ansehen. 



8 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

b) Die Wiedergabe der Origeneszitate. Wer den 
Textband mit Tischendorf vergleicht, der mag zunächst die 
verstärkte Ausschöpfung der griechischen Schriften des Origenes 
begrüßen. Das Zeichen Ωρ — mit Nachdruck 1 als Kennzeichen 
der griechischen Origeneszitate eingeführt im Gegensatz zum 
nur lateinisch erhaltenen „Or" — begegnet ihm verhältnismäßig 
oft. Da Stellenangaben bei Väterzitaten grundsätzlich nicht 
erfolgen, so wird manch einer vielleicht mühsam nach dem 
Fundort suchen, bis ihm zufällig im I. Band die gleiche Lesart 
mit dem Siglum „Or" begegnet, diesmal in Übereinstimmung 
mit Tischendorf. v. Soden gibt zwar im Widmungsvorwort 
und in der Einführung den Angaben des Textbandes unbedingt 
den Vorzug vor denen des Untersuchungsbandes 2 , aber tat- 
sächlich kommt doch auf 6 Anwendungen des Zeichens Ωρ im 
Textband wenigstens ein Fall, der durch eine widersprechende, 
mit Tischendorf übereinstimmende und richtige Angabe des 
I. Bandes widerlegt wird. Gleich zu 1,1 behauptet der Text- 
band, daß sich in griechischen Origenestexten viermal die Wort- 
stellung Χρίστου Ίησοϋ und einmal Ίησοϋ Χρίστου finde (Χϋ 
Ιϋ Ωρ 4:1 ). Die irrtümliche Angabe einer fünffachen Zitierung 
dieser Stelle in den uns erhaltenen Origenesschriften wird auch 
schon im I.Band S. 1922, 49 vertreten, nur daß dort eine andere 
Verteilung genannt ist: zweimal Χϋ Ιϋ und dreimal Ιϋ Χϋ. Da- 
gegen heißt es Bd.I S.2002, 35 ganz richtig 3 , daß der griechische 

1 Vgl. die Siglentafel Bd. II S. XXIII. — Die nach allgemeinem 
Urteil doch sorgfältige Unterscheidung Tischendorfs zwischen dem 
griechischen Or und dem lateinischen Or int wird Bd. I S. 1995, 22 
als „völlig verwirrend" verworfen. 

2 S. Bd. II S. V. XXII Anm. 1. Manchmal findet auch wirklich 
eine Verbesserung statt, z. B. liest Bd. II richtig R 5, 17 om της 
δικαιοσύνης Ωρ i = 2 [einmal gegen zwei andere Fälle] statt Bd. I 
S. 2004, 3: 2p 1:1; ebenso R 13, 8 δφείλοντες 1 -ετε Ωρ 1:1 statt Ι, 2002, 45 
Ωρ 2 :Οΐ'' 2 ; R 13, 9 add ob ψευδομαρτυρήσεις ρ ob κλέψεις Or : Ωρ [= 1, 1996,10] 
statt Ι, 1925, 48 f. Ωρ l:2 ; das Zeichen Ωρ wird mit Recht weggelassen: 
R 13, 1 om τοΰ a θεοΰ [gegen I, 1972, 46 om τοδ θ-εοδ Ωρ] ; R 15, 4 
έγράφη 1 προεγράφη [gegen Ι, 2013, 32]; R 15, 32 ^ν- έλθ-ών έν χαρφ [gegen 
Ι, 1925, 50]; R 16,19 και θέλω 1 θέλω δε [gegen Ι, 2020,34] u. a. 

3 Daß genauer gesagt würde Ωρ 2 : Or 3 , braucht man an dieser 
Stelle wohl nicht zu erwarten. Vielleicht ist ein handschriftliches 
Ω ρ 2 :Ογ 3 die Quelle gewesen für den Fehler auf S. 1922,49 (Ωρ 2:3). 



I. Der Römerbrieftext des Codex v. d. Goltz. 9 

Origenes — von der Athoshandschrift ist ja natürlich vorläufig 
abzusehen — Χϋ Ιϋ sagt, die lateinische Übersetzung stets Jesu 
Christi. Nach dem Textband kennen wir weiter ein griechisches 
Origeneszitat, das R 1, 29 das Wort πορνεία vor πονηρία aus- 
ließe (Bd. I, S. 2019, 47 ebenso): tatsächlich besitzen wir an 
dieser Stelle nur die lateinische Übersetzung, diese läßt wirklich, 
wie es Bd. I S. 1999, 46 steht, — in einem Falle wenigstens — 
fornicatione aus. In folgenden weiteren Fällen verhält es sich 
ebenso (die vorangestellte Angabe ist die im Apparat des Text- 
bandes) : 

3,28 γαρ 1 οδν Ωρ; Ι, 1998,16.42 richtig Or; 4,15 οέ 
Ιγάρ 2 Ωρ Or 4:1 ; 1,2000,6 Or 4:1 ; 4,19 om ήδη Ωρ, ebenso 
Ι, 1960, 47 u. 2019, 35: weniger falsch Ι, 2011, 13 Or 1:1 ; richtig 
1,2002,36 Or 1:2 ; add ου a κατενόησεν Ωρ; Ι, 1999, 3 Or 2:1 ; 
8, 11 ~ εκ νεκρών 2 ρ Χυ Ωρ, ebenso Ι, 1950, 6; Ι, 2000, 15 
richtig Or; 10,5 ~ ό'τι a. την 1 Ωρ: Ι, 2000,24 οο ότι a την 
Or 4 ; αύτη 1 αύτοΐς Ωρ unter Berufung auf Ι, 1976 u. 2005: 
aber Ι, 1976 ist lediglich Or angegeben und Ωρ nur vermutet; 
10,8 add ή γραφή ρ λέγει Ωρ 6:1 ; Ι, 2010,43 Ωρ 4 Or 2 ; 12,2 
om υμών ρ νοός Ωρ 1:2 , ebenso Ι, 1925, 47; Ι, 2005, 11 ΩριΟι• 1 ); 
14, 11 -^ έξομολογήσεται a πάσα Or Ωρ, ähnlich Ι, 2019, 24 Ωρ; 
Ι, 2002,46 Or 3 ; 14,18 τούτω 1 τούτοις Ωρ: Ι, 2000,42 Or; 
14, 22 add ήν a έχεις Ωρ Or; Ι, 2005, 18 Or gg lat; 15, 2 υμών 
1 ημών Ωρ; Ι, 1998,20 Or 1:1 ; 15,14 άλλους 1 αλλήλους Ωρ; 
Ι, 1999, 5 Or: 15, 15 om αδελφοί Ωρ; Ι, 2000, 46 Or: 15,29 om 
τοΰ ευαγγελίου του a Χϋ Ωρ: Ι, 1993,39 Or: 15,31 om ίνα 
ρ και Ωρ; Ι, 2000,49 Or. 

In einem Werk wie dem v. Sodenschen ist nicht nur die 
Tatsache dieses wiederholten Fehlgriffs 2 von Interesse, sondern 
auch seine Ursache. Sie tritt im I. Band zutage, in dem v. Soden 
seine Unsicherheit in der Verwendung der Zeichen Ωρ und Or 



1 Ganz richtig müßte es heißen ßp 3 :OrP ler ; außer der von 
Tischendorf genannten Stelle kommen noch L IV, 135, 16 und 
Cat. er I, 240, 11, 13 in Betracht. 

2 An drei Stellen ist er bei der Durchsicht bemerkt und Bd. II 
S. 906 abgeändert -worden: R 5, 8 wird das Zeichen Ωρ 1:1 nach <**> ό 
θ-εός εις ήμας beseitigt und Αδ Ir dafür eingesetzt. Noch richtiger 
wäre es freilich geweseD, aus 1,1996,25 „ür:2p" zuzufügen. R 5, 9 



10 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

selbst ausdrücklich zugibt. Die Lesart τφ άγαθ-φ έργω . . . κακω 
1 των αγαθών έργων . . . κακών 13, 3 nennt er S. 1993, 36 f.: 
„Or . . . nicht sicher Ωρ" (im Textband Ωρ). S. 1940, 3 erhebt 
er nach Erwähnung einer Reihe von Ωρ -Lesarten den Einwurf: 
,.oder ist es nur der lat. Or?" Zweimal, S. 1955, 26 und 1971,42 
erscheint sogar das Siglum „Ωρ lat." Ein solches Schwanken 
ist unverständlich bei Lesarten, die in griechischer Sprache 
schwarz auf weiß vorliegen, sehr begreiflich dagegen wird es, 
wenn eine Übersetzung in Frage steht, deren Zuverlässigkeit be- 
zweifelt wird. Demnach hat v. Soden das Zeichen Ωρ nicht 
nur nach dem vorhin genannten, von ihm selbst § 509 Zeile 
1 — 14 ausgesprochenen Grundsatz verwenden wollen (s. o. S. 8), 
sondern auch nach einem naheliegenden zweiten, der zwar nicht 
ausgesprochen, aber in den auf Zeile 1—14 unmittelbar folgen- 
den Sätzen angedeutet wird: Eine bestimmte Auswahl von 
Lesarten aus den lateinischen Origenesübersetzungen 
entspricht wahrscheinlich genau denen der griechischen Vor- 
lage und erhält gleichfalls das Zeichen Ωρ. Die Auswahl 
wird nach folgenden Richtlinien getroffen: 1. die betreffende 
Lesart muß im Widerspruch stehen mit dem sonstigen lateini- 
schen Paulustext 1 , 2. sie muß von griechischen Textzeugen be- 
gleitet sein, die latinismusfrei sind ; 3. aus verschiedenen Gründen 
ist eine Reihe fraglicher Einzelfälle auszuscheiden, die sogleich 
S. 1995 f. aufgeführt werden. — Die Siglierung der auf voriger Seite 
aufgeführten Lesarten ist offenbar nach diesem Gesichtspunkte 
— wenn auch mit einigen Conzessionen — durchgeführt. Ist 
dieser zweite Grundsatz erst einmal erkannt, so wäre eine er- 
folgreiche Benutzung der Ωρ -Lesarten des Textbandes ganz wohl 
denkbar 2 , — wenn nicht noch ein weiterer Umstand Berück- 



om οΰν Ωρ wird gleichfalls durch om ούν Αδ lr ersetzt: im gleichen 
Verse wird auch nach om νΰν das Zeichen Ωρ durch Αδ verbessert. 
Starke Unstimmigkeiten in v. Sodens Angaben über Evangelien- 
lesarten weist A. Pott nach in der Zeitschrift Mneraosyne N. F. Bd. 48, 
1920, S. 367-309; 339—365. 

1 So glaube ich v. S. richtig zu verstellen. Das AVort „diese" 
S. 1995 Zeile 28 ist nicht eindeutig. 

2 Mau hätte freilich — zumal im Blick auf die S.8 Anm.l berichtete 
Xatsache — ein besonderes Zeichen für diese zweite Reibe gewünscht- 
„Ωρ lat." hätte sich wohl geeignet. 



I. Der Römerbrieftext des Codex v. d. Goltz. H 

sichtigung erforderte: das Zeichen Ωρ rindet sich im Textband 
manchmal in einer Verwendung, die auch dem eben ausgeführten 
zweiten Grundsatz zuwiderläuft, es steht selbst bei solchen Les- 
arten, die I S. 1995 f. ausdrücklich als nur Or entstammend 
und zu Rückschlüssen auf Ωρ Ungeeignet bezeichnet sind: 

3,9 κατέχομεν περισσόν 1 προεχόμεθ'α od πάντως (1996, 22); 
5, 2 Olli τ^ πίστει (1996,26); 9, 6 Ίσραηλίται 1 Ισραήλ 2 (1996, 8); 
9, 23 om και (1995, 35) 1 ; 10, 5 om αυτά ρ ποιήσας (1995, 37): 
14, 16 ημών 1 υμών (1996, 30); 15, 20 φιλοτιμούμαι 1 -μενον 
(1996,31); 15,32 έλθ-ών 1 ελθ-ω (1996,32); 16,8 Άμπλίατον 
1 Άμπλίαν (1996, 33). 

So gewiß die Aufstellung• einer Reihe zuverlässiger lateini- 
scher Origeneszitate geplant war, so gewiß scheint sie also 
später wieder aufgegeben worden zu sein. Das Ergebnis war dann 
wohl eine gewisse Verwirrung zwischen den beiden unfertigen 
Listen 2 . — Als Grundlage zur Weiterarbeit sind die Ωρ- Angaben 
des Textbandes nicht verwertbar. 



1 Vielleicht hat v. S. in der Zeit zwischen dem Erscheinen des 
Untersuchungsbaudes nnd des Textbandes seine Ansicht über den 
Wert des Athosscholions zu dieser Stelle geändert. Vgl. v. d. Goltz 
S. 59. 

2 Es will scheinen, als wäre zuletzt in Erkenntnis dieser Lage 
die eigene neue Collation der Väterzitate ganz beiseite gelassen und 
aus Tischendorf Rat geholt worden. Die schwankende Lesart — θ-εοδ 
oder Χριστοί» — bei Origenes I, 53 R 8, 35 (s. S. 37) hatte v. Soden 
dazu geführt, in Bd. I S. 1996, 7 die Lesart θ-εοδ auf Or zu beschränken 
gegen 2p 3 (nämlich I, 53; L III, 309 und L XII, 106). Aber bei der 
Bearbeitung von ίίΒ (I, 1927) und von Cyrill von Jerusalem (I, 1952) 
hatte er umgekehrt θ-εοΰ als Origenes-Lesart verwertet. Der Wider- 
spruch wurde dann wohl bemerkt. Nun gibt Tischendorf folgendes 
an: „. . . toü χριστού Or 1,316 (ed Delar) et 2,631 et 3,640, dagegen Or 1,816 
(edd ante Delar) . . . τοο θ-εοΰ . . ." ν. Südens Textband sagt: θ-εοΰ 
1 Χρίστου 2p i':3. Jedenfalls ist doch dieser Irrtum auf die flüchtige 
Kontrolle eines Mitarbeiters an Tischendorf zurückzuführen, der die 
Notiz über die Ausgaben übersah. Woher sollte sonst die Angabe 
einer vierfachen Zitierung durch Origenes kommen? Auch 5,12 kann 
die falsche Notierung, Origenes lasse δ θάνατος 2 einmal aus, nur 
durch Tischendorf — und zwar «inen Druckfehler Tischendorfs — 
erklärt werden; Tischendorf schreibt nämlich an dieser Stelle 
;; Or 4, 544 semei" statt des allein möglichen „Or int ^,544 semei«. Daß 
Origenes R 8, 28 als Zeuge für add τδ a αγαθόν genannt wird, ist 



12 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

Aber mag v. Soden von seiner Methode im Laufe der Arbeit 
auch wieder abgekommen sein und schließlich nur Nachteile 
von ihr gehabt haben, es bleibt doch zu erwägen, ob sie nicht 
die richtige war. Gerade für den Römerbrieftext fragt es sich, 
ob nicht die aus dem Anfang des 5. Jahrhunderts stammende 
Übersetzung Rufins den Bibeltext des griechischen Römerbrief- 
commentars etwa zuverlässiger bewahrt hat, als die erhaltenen 
griechischen Schriften des Origenes über andere Stoffe, als die 
secundäre Überlieferung der Catenen- und Philokalie-Fragmente 
oder auch die aus dem 10. Jahrhundert stammende Athoshand- 
schrift. Westcott 1 hat diese Frage mit Entschiedenheit verneint, 
aber v. Sodens Widerspruch wird vielleicht manchen zu er- 
neuter Beschäftigung mit ihr anregen. Abschließendes wird 
sich erst nach dem Erscheinen einer kritischen Ausgabe der 
Rufinschen Übersetzung sagen lassen, vorläufig aber kann West- 
cotts Warnung vor ihrer Verwertung für den Origenestext nur 
wiederholt und bestätigt werden. 

Nur ganz selten stößt man bei Rufin auf eine Sonderlesart, die 
nachweislich origenistisch ist: 

1. Statt des 6,5 gebräuchlichen Wortes complantati braucht Rufin 
einmal (LVI, 379,1) das nach 8,29 gehörende Wort conformes. Die 
Vertauschung dieser beiden Synonyma ist sonst nur aus Origenes 



gleichfalls nur durch Tischendorfs „OrM63 semei« begreiflich; die 
eigene neue Collatiou muß doch aus Robinsons damals längst er- 
schienener Ausgabe der Philokalie die Erkenntnis übernommen haben, 
daß das το ganz schwach bezeugt ist, (Cod. C, ed. Rob. p. 227, 9). 
R 9, 18 ist die Lesart Sv αν θ-έλη als von Origenes einmal bezeugt 
dem fünfmal bezeugten ov θέλει gegenübergestellt, unzweifelhaft nach 
Tischendorf: Or cat 34i (gegen OrMU. 115. 123. 132 et 2,116). Aber seit 
Robinson weiß man, daß Or cat341 und OrM 15 nicht als zwei ver- 
schiedene Fundstellen gelten können. Schließlich ist wohl auch 
R 9,11 eine ältere Angabe verwertet worden, wenn es dort heißt: 
μήτε 1 μηδέ Ωρ i:2 ; die neue Collatiou, die ja nach Bd. I, S. 1510,34 
auch den 4. Band der Berliner Ausgabe schon berücksichtigt hat, 
wird „2p 1:1 " enthalten haben (vgl. Bd. 4 S. 89). 

1 Α dictionary of Christian biography ed. by William Smith 
and Henry Wace, Vol. IV (1887) S. Hoff. Natürlich hat Westcott 
damals den Athostext noch nicht gekannt; aber Westcotts Gedanken- 
gang behält auch nach der Entdeckung des Athoscodex sein Recht. 
Er erklärt den Text Rufins als den eines Graeco-Latinus, der mit 
unserem G eine gewisse Ähnlichkeit gehabt haben mag. 



Γ. Der Römerbrieftext des Codex v. d. Goltz. 13 

bekannt (σύμμορφοιΐ σύμφυτοι IV, 15, 12;' 91, 5; 361,28; Catcor 1,370,29,13; 
II, 46, 84, 17), Rufin wird sie also aus seiner Vorlage entnommen haben 
(s. u. S. 44). 

2. Zu 3,2 ist schon wiederholt beobachtet worden, daß in der 
Auslegung Rufins die sonst nur 1 durch Origenes bezeugte Lesart 
πρώτοι γαρ έπιστεύθ-ησαν 1 πρώτον μεν γάρ δτι έπιστεύθ-ησαν durchschimmert: 

primis enim illis credita sunt eloquia dei L VII, 240, 20. 
vgl. πρώτοι γάρ εκείνοι έπιστεύθ-ησαν τά λόγια τοΰ θεού III, 116,25. 
Ähnlich: primis illis credita sunt eloquia dei L VI, 217,8; credita 
sunt ergo primis illis . . L VI, 151, 3; primis iis . . L VI, 146, 22; 147, 2; 
vgl. 147,8; 149,4. 

3) In der Schlußdoxologie hat bei Ruiin v. 26 a einmal — L Vif, 
394, 5 entsprechend dem griechischen Text V, 305,6 — folgende Form : 
manifestata autein nunc per scripturas propheticas et adventum 
φανερω9•έντος δε νυν διά τε γραφών προφητικών καΐ της επιφανείας 

domini et salvatoris nostri Jesu Christi; 
τοϋ κυρίου καΐ σωτηρος ημών Ίησοΰ Χρίστου; 

Vgl. dazu (Ohne καΐ σωτηρος) 1,255,18; IV, 111,26; 241,1; 273,8; iu 
freierer Form Ι, 131,1; L XII, 351,6 und eine lateinische Anspielung 
LVII,453,18ff. a 

In allen anderen Fällen, in denen scheinbar auffällige Über- 
einstimmungen zwischen Rufin und Origenes vorliegen, muß Westcotts 
Einwurf beachtet werden: Rufin folgt hier wahrscheinlich einfach 
dem ihm geläufigen lateinischen Text und nur durch dessen Vermitte- 
lung kommt die scheinbare Verwandtschaft zustande; fast alle in Frage 
kommenden Übereinstimmungen lassen sich durch andere altlateinische 
Texte — oder Vulgatahandschriften — belegen 3 . Damit fällt der 
wichtigste Anhaltspunkt für jede weitere Auswertung Rufins fort. 

Verzichtet man auf übereinstimmende Sonderlesarten als Beweis- 
mittel, nimmt man (s. o. S. 10) denDissensus zwischen Rufin einerseits 

1 Und durch etliche von ihm abhängige Zeugen. S. Apparat. 

2 Vgl. Zahn S. 587 Anm. 4. — Zu 5, 17 την δωρεάν 1 της δωρεάς 
vgl. u. S. 72. 

3 Das gilt selbst für folgende, an sich recht auffällige Über- 
einstimmungen: R 8,29 nam quos 1 quia quos a praescivit (L VII, 
119, 14) bzw. quos ergo 1 quia quos (L VII, 131, 8) = ους γάρ 1 δτι 
ους in der Philokalie ed. Robinson S. 227, 22 und in Minuskel 270 — 
jedoch es gehen die meisten Vulgatahandschriften mit, außerdem 
handelt es sich in der Philokalie wohl gar nicht um eine wirkliche 
Variante. R 9, 7 qui 1 quia a sunt seinen (de la Rue IV, 612 txt) 
entspricht etwa dem freien Zitat L XIII, 219, 11 ου γάρ δσοι 1 οΰδ' δτι 
a σπέρμα του. Jedoch es wird mit der Bezeugung dieses — nur im 
vorangestellten Textwort vorkommenden — qui schwach bestellt sein, 
da Lommatzsch (L VII, 159, 2) es in quia verändert. Außerdem gehen 
auch hier Vulgatahandschriften mit. 



14 Bauer nf ei n d: Der Römerbrieftext des Origenes. 

und der gesamten lateinischen Überlieferung andererseits zum Aus- 
gangspunkt, so ergeben sich neue Schwierigkeiten. R 2, 8 ζ. B. fährt 
Rufin nach diffidunt mit quidem fort (L VI, 83, 19; 89,8; 91,18; 97,14; 
144, 15) und stellt damit im Gegensatz zu allen anderen Lateinern und 
in Übereinstimmung mit fast allen Griechen. Aber gerade Origenes, 
den man als Grundlage dieser Eigentümlichkeit ansehen müßte, ließ 
(Philokalia ed. Robinson S. 156, 27)', in Übereinstimmung mit der 
Athoshandschrift, das μεν aus, begleitet nur von BDG*, Theophilus v. 
Antiochien und Eusebius! Dies Beispiel 2 zeigt am deutlichsten, wie 
aussichtslos es auch unter diesem Gesichtspunkt ist, bei Rufin eine 
feste Grundlage 3 zu suchen. Rufins Bedeutung wird sich darauf 
beschränken, daß er gelegentlich eine ohnehin gefaßte Vermutung 
über den Text des Origenes bestätigen kann. Nur in den 20 Aus- 
nahmefällen ist ihm eine volle Stimme zuzubilligen, in denen er aus- 
drücklich 4 auf den griechischen Text verweist: 

1,4 destinatus vgl. όρ^σθ-είς (L VI, 23, 18); 2,8 nou obediunt vgl. 
άπειθ-οΰσι (L VI, 92, 13); 3,4 hat vgl. γενέσθ-ω oder γενηθ-ήτω (L VI, 152, 20; 
s. u. S. 30); 3,5 adversus homines vgl. κατά των άνθ-ρώπων; secundum 
hominem vgl. κατά άνθ-ρωπον (L VI, 163, 10— 17; 167,23—25); 3,12 in 
graecis autem paene omnibus non amplius in decimo tertio psalmo 
quam usque ad illum versiculum, ubi scriptum est: non est qui faciat 
bonum, non est usque ad ununi (L VI, 173, 9 — 13); 3, 19 obnoxius vgl. 
υπόδικος (L VI, 193, 3); 3,25 propitiator, propitiatorium, propitiatio, 
exoratio: apud graecos semper uno eodemque verbo profertur (L VI, 
214,14—17); 6,11 cogitate vgl. λογίζεσθ-ε (L VI, 412,11); 7,6 mortui 1 
mortis ρ a lege vgl. άποθ-ανόντες 1 τοδ θ-ανάτου (L VII, 39, 14 „verius 
et rectius"); 7,13 peccator vgl. αμαρτωλός (L VII, 50, 7— 13); 8,3 pro 
peccato vgl. περί αμαρτίας (L VII, 69,4); 12,2 bona et beneplacita et 
perfecta vgl. άγαθ-όν και εύάρεστον και τέλειον (L VII, 286, 12f.; 290, 1—10); 
12,3 omni qui est in vobis vgl. παντί τψ δντ& εν υμϊν (L VII, 291,10); 
sobrietas, temperantia vgl. σωφροσύνη (L VII, 296,8); 12,6 mensura 
vgl. αναλογία (L VII, 301, 4) ; 12,11 domino vgl. κυρίω (als Zeugen für 

1 Niemand wird ja Koetschaus an dieser Stelle absurder Text- 
herstellung (V, 203, 16) folgen; sie stellt die Verhältnisse auf den 
Kopf. 

2 Wer die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit anerkennt, findet 
noch eine Reihe ähnlicher Beispiele, z. B. R 4, 19 add iam a emor- 
tuum und R 11, 25 apud vosmet ipsos 1 vobis ipsis (s. Apparat). 

3 Je weniger Rufins Lesarten für die Kritik des griechischen 
Bibeltextes in Frage kommen, desto wichtiger werden sie für den 
lateinischen. Das hat schon Westcott ausgesprochen (a. a. 0. S. 117 
„an old Latin copy of the highest value"); G. Bardy hat es neuer- 
dings etwas weiter ausgeführt (Le texte de l'epitre aux Romains dans 
le commentaire d'Origene-Rufm ; Revue biblique 1920 S. 229—241). 

4 AVestcott a. a. 0. S. 116. 



I. Der Römerbrieftext des Codex v. d. Goltz. 15 

tempori werden mir Lateiner genannt VII, 314, 6); 12, 13 usibus vgl. 
χρείαις (als Zeugen für memoriis werden nur Lateiner genannt VII,315,1); 
15, 16 sacrificans evangelium dei vgl. ίερουργοΰντα τό εύαγγέλιον τοδ %-εοϋ 
(L VII, 409, 13); 15,30 συναγωνίσασθ-αί μ ο ι έν ταϊς προσευχαΐς υπέρ εμού" 
προς τον θ-εόν (wörtlich L VII, 426, 4); 16, 5 primitiae vgl. απαρχή 
(L VII, 432,2) ι . 

Ein Vergleich der Commentarfragmente in Catene und Philokalie 
mit den entsprechenden Abschnitten Rufins 2 , das Selbstzeugnis Ruflns 
in der Vorrede an Heraclius 3 , alles kann nur Westcotts Auffassung 
bestätigen, v. Soden dagegen erwähnt kaum, was für Westeott spricht, 
Westeotts Name wird in diesem Zusammenhange überhaupt nicht 
genannt. 

c) Die Einordnung und Bewertung des Textes. 
Was sich gegen Rufin sagen läßt, hat von Soden vielleicht 



1 Jedoch hier wird Rufin schwerlich einen griechischen Origenes- 
text als Vorlage besessen haben, vgl. d. Apparat zu R 16,1. 

2 Vgl. den Apparat Ramsbotharns (Journal of theol. Studies 
Bd. 13 u. 14). 

3 Vgl. L VII, S. Vif.: . . . Super omnes autem difficultates est, 
quod interpolati sunt ipsi libri. Desunt enim fere apud omnium 
bibliothecas — incertum saue quo casu — aliquanta ex ipso corpore 
volumina . . ." ein der Vorlage des Athoscodex fehlten τόμος ΙΑ' 
und ΙΔ') . . . ut onrne hoc quindecim voluminum corpus, quod Graecus 
sermo ad quadraginta fere aut eo amplius millia versuum produxit, 
abbreviem, et ad media, si fieri potest, spatia coarctem ..." — Nicht 
bei allen Übersetzungen der Schriften des Origenes ist so verfahren 
worden, wie beim Römerbriefcommentar; anderwärts mag v. Soden 
auf weite Strecken Recht behalten. Doch sind auch dort noch Vor- 
arbeiten nötig, um Fehlerquellen bei der Zitatverwertung zu vermeiden. 
Als verhältnismäßig zuverlässig gilt Rufins Übersetzung der Bibel- 
zitate in 'de principiis' (vgl. die Berliner Ausgabe S. CXXXVf. und 
G. Bardy: Les citations bibliques d'Origene dans de principiis, Revue 
biblique 1919 S. 106—135), aber, sie im folgenden mitzuverwerten, 
habe ich mich nicht entschließen können. Rufin zeigt zu R 3, 19 
(de principiis ed. Koetschau S. 229, 15) und R 9, 17 (S. 220, 30), in der 
rätselhaften Anspielung au R 7,18 (S. 235, 20 ff.) und vor allem in 
dem Zitat R 8, 35 (S. 215, 21) doch zu viel Selbständigkeit gegenüber 
dem griechischen Text. Namentlich im letztgenannten Fall ist das 
nicht gleichgültig; man würde geneigt sein, die auf Paralleleinwirkung 
von v. 39 beruhende Lesart της αγάπης τοδ θ•εοϋ της έν Χριστφ Ίησοΰ 
dem Origenes an dieser Stelle — trotz der Unterscheidung I, 53, 74 — 
selbst zuzuschreiben, wenn wir nicht aus dem gerade hier erhaltenen 
griechischen Text wüßten, daß das ganze Zitat Rufins Zutat, also die 
Lesart wohl altlateinischen Ursprungs ist. 



16 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origeaes. 

im stillen inutatis mutandis auch gegen den Cod. v. d. Goltz 
eingewendet: Wo Rufin Zeuge für Origenes zu sein scheint, 
da soll er in Wirklichkeit durch altlateinische Eigentümlich- 
keiten bestimmt sein oder durch Einflüsse eines griechischen 
Textes, der mit Origenes gar nichts zu tun hatte — wo um- 
gekehrt der Cod. v. d. G. den Origenestext bieten will, da 
bringt er in Wirklichkeit — so dürfen wir v. Sodens nur an- 
gedeutete Meinung zum Ausdruck bringen — einen auf nach- 
origenistische Rezensionstätigkeit zurückgehenden Text mit einer 
ganzen Reihe lateinischer Eindringlinge! Unter den bekannten 
Codices ist, abgesehen von BDFG, keiner so sehr lateinischen 
Einflüssen zugänglich wie α 78 (vgl. § 511 Abschnitt 4 und 
S. 1987,42.47; 1988, 40ff.)! Wäre dieser Einwand über die 
bloße Andeutung hinausgekommen, hätte von Soden wirklich 
gezeigt, daß der Athoscodex mehr Latinismen enthält, als die 
Zitate des Origenes, dann stünde allerdings der Behauptung 
in der Vorrede zu den paulinischen Briefen ein wichtiges 
Bedenken entgegen; die Frage, ob unser Römerbrief text der 
Text des Origenes ist, wäre wahrscheinlich zu verneinen. Aber 
stellt von Soden diese Frage überhaupt? 

Er geht in seiner Untersuchung nicht von Origenes aus, 
sondern (s. o. S. 6) von dem mit J b bezeichneten Zweig der 
vielbesprochenen Textrezension J, die nach von Soden als 
dritte (palästinensische) Hauptrezension neben Η (Hesychius, 
Ägypten) und Κ (Κοινή, Konstantinopel) um das Jahr 300 
entstand. Zu diesem Zweig gehört die Handschrift α 78 
— der Römerbrief wird keineswegs ausgenommen — „der 
Hauptsache nach genau" (I S. 19331). Daß im J b -Text 
Origenes „stärker [als in J°] herangezogen worden ist", hat 
v. S. schon § 486 erklärt. Aber immerhin sind doch J h und 
Ωρ nicht identische Größen. Wo Codex α 78 von J h abweicht, 
nimmt er nach v. S. eine Origeneslesart auf — falls es sich 
nicht um eine Abweichung zum byzantinischen Text oder um 
eine der wenigen gleichgenannten anderen Ausnahmen (3, 3. 
8.9.31; 4,1; 12, 16f.; 14,12; 16,25) handelt. Man möchte 
fast fragen, ob vielleicht α 78 im Römerbrief so oft von dem 
ohnehin schon mit Ωρ durchsetzten Typ J h abweicht, daß 
schließlich nichts mehr von J b , sondern nur noch Ωρ übrig- 



I. Der Römerbrieftext des Codex v. d. Goltz. 17 

bleibt? Von dieser umständlichen Möglichkeit wird aber nichts 
gesagt, sie trifft also nach v. S. auch nicht zu. Im Gegenteil, 
manchmal weisen andere Codices Ωρ- Lesarten auf, die sich 
in α 78 nicht finden. Daß es sich dabei um Fälle handele, 
in denen Origenes selbst verschiedene Lesarten verwendete, in 
denen also α 78 nicht gerade gegen Origenes zu gehen brauchte, 
ist wieder nicht gesagt, also wohl gleichfalls nicht v. Sodens 
Meinung. Und schließlich heißt es: „Selten oder nie bietet 
nur J h7S die betreffende Ωρ- Lesart. Mehrfach stehen dabei 
aus dem J-Gebiet Jb. 8 365 1) oder auch Ο π103 , sowie besonders 
12c , ebenso häufig J a - Codices, darunter besonders häufig 
ja io26 ff t. (_ DEFG), zuweilen auch ein J c -Codex und in gleicher 
Zahl ff-Codd., endlich auch sy h oder sy p neben J rb78 ". Die 
Tatsache des „selten oder nie" ist, selbst für den Römerbrief, 
zuzugeben, ein unbedeutendes άρ 5 1. άρα ist die einzige Lesart, 
die wir ausschließlich nur bei Origenes und der Athoshand- 
schrift nachweisen können. Aber was will die Mitteilung jener 
Tatsache an dieser Stelle besagen? Doch wohl dasselbe, was 
die anderen berichteten Aussagen schon andeuteten, nämlich 
daß man sich von der Verwandtschaft zwischen J b78 und 
Origenes keine übertriebene Vorstellung machen soll; andere 
Handschriften sind mit Origenes ebenso verwandt und dabei 
haben sie — anders kann man v. S. doch nicht verstehen — 
außer J b356 nicht einmal direkte Beziehungen zu J h7S . 

Zwischen dem Erscheinen des Untersuchungsbandes und des 
Textbandes hat v. Soden nun das Problem der Athoshandschrift 
bei sich weiter verarbeitet und neue Ergebnisse gewonnen: α 78 
ist eine der fünf Apostoloshandschriften, die im Textband still- 
schweigend einen neuen Platz bekommen (s. o. S. 6). Sie 
gehört, wie δ 356 — wenigstens in den paulinischen Briefen — 
nicht mehr zur J b , sondern 2 zu ff, nicht mehr neben die Klein- 

1 Muß heißen Jb δ 356, diese Handschrift ist die Nr. 6 der gewöhn- 
lichen Zählung. Auf die große Ähnlichkeit zwischen 6 und dem Athos- 
codex hat v. Soden als erster aufmerksam gemacht. Ο n ^ 3 entspricht 47 
der gewöhnlichen Zählung, 12 entspricht 67, O^c demnach 67**. 

2 Der Bd. II S. 899 ff. tätige Corrector — jedenfalls nicht 
v. Soden selbst — hat den Unterschied zwischen J b 78 und JT 78 be- 
merkt, auf einen Druckfehler zurückgeführt und 7J 78 als Correctur 
für J" b78 angegeben. Freilich beschränkt er sich dabei auf den 

T. u. U. "23: Bauernfeind. 2 



18 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

Schriften 9, 18, 35, 221, 253, 271 u. a., sondern neben unsere 
besten Uncialcodices KABCWHM u. a. Die Gründe, die v. S. 
zu dieser Umstellung veranlaßt haben, bleiben unbekannt und 
können darum nicht mehr direkt fruchtbar gemacht werden, 
aber daß gerade er sie doch vorgenommen hat, obgleich er 
sich schon in hohem Grade festgelegt hatte, darin sehen wir 
einen Fingerzeig von Bedeutung. Diese Tatsache wird mit all 
ihren Imponderabilien auch für die weitere Erforschung der 
Athoshandschrift gewiß eine starke Anregung bleiben. 

Aber schon v. Sodens Axiom, daß es sich um einen 
„rezensierten" Text handeln müsse, wird in Frage zu stellen 
sein, und die durch v. S. unterdrückte Frage, ob es sich nicht 
einfach um den Origenestext handele, muß wieder aufgeworfen 
werden. In den unter a, b und c genannten Einzelgebieten 
müssen wir über v. Sodens Ergebnisse hinauskommen. Falls 
das im Folgenden gelingt, so habe ich dafür besonders Herrn 
Professor D. Freiherr v. d. Goltz zu danken, der mir durch 
Überlassung seines gesamten Materials die Arbeit möglich ge- 
macht und mich stets durch die mannigfachsten Auskünfte 
beraten hat. Auch Herrn Prof. D. Hans Freiherr v. Soden 
bin ich zu Dank verpflichtet für die Übersendung der Collation II 
aus dem Nachlaß seines Vaters. 

B. Die Textgestalt 1 . 

1. Die Collationen. Zur Collation I ist ein Vordruck 
benutzt worden von der Art, die v. Soden Bd. I S. 2106 be- 
schreibt. Die Aufmerksamkeit wurde von vornherein durch 
textkritische Zeichen auf solche Stellen gelenkt, an denen tfABC 
auseinandergehen und besonders — durch interlineare Notizen — 
auf die Stellen, an denen die „Klassen" I (etwa = H), II 
(etwa = J), III (etwa = K) voneinander abweichen. Zur 
Collation II wurde ein durchschossenes Stuttgarter Neues 



27 Zeilen langen Abschnitt § 511, 4. Die anderen in Frage kommenden 
50 Paragraphen bleiben unberührt. 

1 Lietzmanns berechtigter Wunsch nach einer photographischen 
Ausgabe des ganzen Codex (a. a. 0. S. 7), die die folgenden Seiten 
überflüssig machen würde, dürfte in absehbarer Zeit schwerlich er- 
füllt werden. 



I. Der Römerbrieftext des Codex v. d. Goltz. 19 

Testament (1. Aufl.) verwendet. Widersprüche zwischen beiden 
Collationen zeigen sich — von ν έφελκυστικόν und ς in ούτως 
abgesehen, s. u. S. 71 Anm. 3 — an 50 Stellen. Wer Recht 
hat, ist meistens einfach zu entscheiden. Denn fast immer 
steht an der betreffenden Stelle in einer Collation der unver- 
änderte Vordruck, in der anderen dagegen eine handschrift- 
liche Bemerkung. Diese ist selbstverständlich vorzuziehen. In 
26 Fällen trifft das bei I zu. Da in diesen Fällen die Lesart I 
im Text S. 91 ff steht, so braucht hier nur die widersprechende 
Lesart der andern Collation genannt zu werden: 

1, 24 αύτοΐς 1 έαυτοϊς; 3, 2 πρώτον 1 -τοι; add δ'τι ρ γαρ; 
3, 7 δε 1 γάρ ; 3, 9 add πάντας ρ Έλληνας (zugleich auch ρ άμαρτίαν) ; 
3, 12 ήχρεώθ-ησαν 1 ήχρείω-; 4, 11 περιτομης 1 -ήν; 5. 6 add ετι 2 
a κατά; 6, 14 f. άλλα 1 αλλ'; 7, 20 αλλά 1 αλλ 5 ; 8, 20 εφ' 1 έπ'; 
8, 35 χωρίσε: 1 -η; 9, 16 έλεώντος 1 -οΰντος; 9, 29 έγκατέλιπεν 1 
-λειπ-; 10, 5 om τουρ εκ; 11,4 κατέλιπονί-λειπ-; 11,15 πρόσλημψις 
1 -ληψ-; 11, 17 συνκοονωνός 1 συγκ-; 1 1, 20 όψηλά φρονεί; 11, 33 
άνεξεραύνητα 1 -ερευν-; 13,7 "Ο φόρον τέλος; 13, 14 αλλά 1 αλλ'; 

14, 3 δ δε 1 και δ; 15, 33 add αμήν; 16, 2 *> και εμοΰ αύτου; 
16,20 om Χϋ ρ Ιύ. 

Durch das Facsimile bei ν. d. Goltz S. 118 f. wird für 9, 16 
und 9, 29 die Richtigkeit der Collation I bestätigt. 

In 19 Fällen ist die Collation II vorzuziehen, weil nur sie 
ein handschriftliches Vermerk bietet. Die abweichenden Les- 
arten des Vordrucks I an den betreffenden Stellen sind: 

4, 11 add την a δικαιοσύνην; 5, 7 adcl a) γάρ ρ υπέρ 2 ; 5, 14 
και έπί τους μη άμαρτήσαντας; 6, 16 ω 1 ού; add είς θάνατον 
ρ αμαρτίας; 7, 3 άρα 1 άρ'; 8, 11 add εκ νεκρών ρ Ίησοΰν; 8, 12 
äpa 1 άρ 5 ; 8, 15 αλλά 1 αλλ 5 ; 8, 28 δε 1 γάρ; 14,23 δ 1 τό; 

15, 15 έγραψα υμϊν; 15, 24 δίαπορευόμενος 1 πορευόμενος; 15,27 
"ν^εισίν αυτών; 16,17 add τά a σκάνδαλα; 16,26 υπακοήν 1 υπο- 
ταγήν; 1,3; 4,6; 11,9 Δαυείδ 1 Δαυίδ. 

1 Daß liier keine Verwechselung vorliegt, wird durch Min. 62 
bestätigt, die mit Coli. II in der Auslassung des γάρ^ übereinstimmt. 
Sie zeigt in dem Abschnitt 5,7—14 noch zwei weitere auffällige 
Übereinstimmungen mit Origenes: 5,13 add ή a αμαρτία und 5,14 
om μή a άμαρτήσαντας. Zu letzterer Stelle bemerkt Griesbach 
(Symbol. Grit. S. 162): „Mirum igitur hancce lectionem deprehendi in 
codice alias fere semper cum recentissimis conspirante". 

2* 



20 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origeues. 

Die Collation II leistet, wie diese Übersicht zeigt, wesent- 
liche Dienste. Sie bestätigt die Vermutung bei v. d. Goltz 
(S. 55), daß 5, 14 das μή entgegen der Collation I fehle: 6, 16 
bietet nur sie den Text, den die Glosse εις θ-άνατον- — die 
auch Scholienabschrift I mitteilt — voraussetzt. Das άρ' 1 άρα 7, 3, 
die einzige sonst nur aus Origenes belegbare Lesart unserer 
Handschrift, ist gleichfalls nur durch sie überliefert. Obschon 
bei ihrer Anfertigung keine textkritische Voreingenommenheit 
in Frage kam — nicht einmal die v. d. Goltzsche Veröffentlichung 
war zur Stelle — sind doch durch sie die Lesarten 6, 16 ου 
1 ω, 8,11 om εκ νεκρών 1 und 8, 28 γαρ 1 δε bemerkt worden, 
die alle drei Kennzeichen der Minuskel 47 und weniger anderer 
Textzeugen sind. v. Soden zieht diese Collation nur in einem 
Fall vor, indem er 16, 8 Άμπλίατον nicht nach Collation I 
mit 78 sondern nach II mit 78* notiert. — II berichtet nämlich, 
daß die Buchstaben τον ausradiert seien. 

Dreimal weichen die Vordrucke voneinander ab, ohne daß 
eine der Collationen ein Vermerk böte: 

5, 14 steht Vordruck I mit αλλ' a έβασίλευσεν gegen II 
mit άλλα. Da I durch Einfügung von „(Β αλλά)" die Aufmerk- 
samkeit auf die andere Form lenkt, nehmen wir an, daß diese 
Hülfe benutzt worden ist und die Collation I mit ihrem Schweigen 
Recht hat. 

8, 27. Ι: ερευνών (κ-αυ-); Π: έραυνών. Coli. Ι wird aus 
dem gleichen Grunde vorzuziehen sein. 

11,9. Vordruck I: ... εις παγίδα και εις σκάνδαλον. 

., Π: . . . εις παγίδα και εις θή ρ αν και εις 
σκάνδαλον. 
Unzweifelhaft ist ja in Ι durch den Sprung von και bis και 
der Fehler entstanden; die Aufmerksamkeit wird in keiner Weise 
auf diese Stelle gelenkt, also wird man annehmen, daß der Text 
der Handschrift den gewöhnlichen Wortlaut hat, den auch Vor- 
druck II bietet. Aber es gibt Texte, in denen durch den gleichen 
Fehler oder durch Correctur an dem Zitat και εις 9-ήραν fehlt; Tischen- 
dorf nennt 73 und syP, v. Soden 6,285,149 syP. Es fragt sich, ob 
v. Soden das Fehlen der drei Worte in der Handschrift 6 durch eine 
ausdrückliche Notiz der Collation bekannt geworden ist oder ob er es 
nur aus dem — genau wie in unserem Fall — fehlerhaften und un- 
berührten Vordruck geschlossen hat. Im erstereu Fall könnte man 



I. Der Rörnerbrieftext des Codex v. d. Goltz. 21 

angesichts der Verwandtschaft zwischen dem Codex v. d. G. und 6 daran 
denken, daß auch hier die Lücke vorliegt und von der Collation II 
übersehen worden ist; aber der andere Fall, daß Coli. II Recht hat, ist 
ebenso wahrscheinlich, die Notiz über 6 würde dann vermutlich durch 
den Fehler des Vordrucks zu erklären sein (vgl. L VII, 237, 9). 

Schließlich sind noch zwei weitere schwer entscheidbare Fälle 
zu nennen: 1, 27 berichten beide Collationen von der Correctur 
des Wortes' άρσεσ'.ν in άρρεσιν, aber sie differieren über die 
beiden vorangehenden Nominative des gleichen Stammes. Nach 
Coli. I stand ursprünglich da: άρρενες-άρσενες, daraus wurde 
ν erbessert 1 : άρρενες -άρρενες; nach Coli. II stand ursprünglich 
da άρσενες-άρσενες und die Correktur ergab: άρρενες- άρσενες. 
Aus der Orthographie dieser Wörter dürfen also keine Schlüsse 
gezogen werden, da eine Entscheidung nicht möglich ist. v. Soden 
folgt im Textband der Collation I, im Untersuchungsband 
S. 1999, 2 der Collation II; S. 1364 erwähnt er unsern Codex 
gar nicht. — 5, 15 müßte man an sich derCollation II entsprechend 
die Wortstellung Χρήστου Ίησοϋ lesen, da sie handschriftlich 
angemerkt' ist. Jedoch in der Nestleschen Ausgabe steht ein 
Ίησου Χρίστου ν. 17, das nur von Β und Origenes umgestellt 
wird, genau unter dem fraglichen Χρίστου ν. 15. Beidemal 
stehen kurz vorher die Worte του ενός. Aber zwischen den 
beiden Stellen liegen 8 Zeilen und in ihnen Collationsbemerkungen 
— haben die wohl das Zurückirren des Auges verhindert? 
Handelt es sich um v. 15, so liegt ein Widerspruch zu Origenes 
(IV, 384, 30) vor, handelt es sich um v. 17, so ist, wie gesagt, 
eine auffällige Übereinstimmung mit Origenes zu buchen. Da 
auch hier Sicherheit vorläufig nicht zu erreichen ist, wird im 
folgenden keine der beiden Möglichkeiten berücksichtigt. 

Beide Collationen übergehen die von v. d. Goltz S. 56 be- 
merkte Tatsache, daß R 7, 8 das δε hinter <kyop\xi\v über- 
geschrieben ist. 

Auf das ν έφελκυστικόν, ς bei ούτως, Accente und Inter- 
punction ist nur bei der zweiten Vergleichung geachtet worden. 
Wo Nestle das ν vor einem Vokal bringt, ist es fast überall 
gestrichen, ούτως wird einmal, 15, 20, in ούτω verändert. Ac- 



1 Nicht: Randlesart, wie v. d. G. S. 53 versehentlich an- 
gegeben wird. 



22 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

cente werden an 6 Stellen verbessert: 2, 16 κρίνει 1 κρίνει; 
4, 19 έκονταέτης που 1 έκονταετής που; 8, 34 κατακρίνων 1 κατα- 
κρινών; 11, 22 ιδέ 1 ϊδε; 13, 4 διάκονος εστί σοι 1 διάκονος έστι 
σοί; 16, 5 Έπαινετόν 1 Έπαίνετον. Die einzige Interpunctions- 
änderung ist die Streichung des Gedankenstrichs am Schluß 
von 5, 12. In unserer Textwiedergabe sind diese Dinge genau 
der Collation II entsprechend wiedergegeben. 

Rasuren werden nur durch v. d. Goltz übermittelt, es sind 
im Römerbrief 6. Drei von ihnen bezogen sich jedenfalls auf 
die Stellung der Schlußdoxologie und auf Aussprüche des Origenes 
darüber: 14,23; 16,1; 16,25. Zwei andere werden eigen- 
tümlichen Lesarten gewidmet gewesen sein: am Rande von 
3, 1 jedenfalls bezüglich auf πρώτοι γαρ έπιστεύθησαν 3, 2 und 
am Rande von 9, 17 f vielleicht bezüglich auf 9,20 (vgl. v. d. 
Goltz S. 53, 58, 60). Zu 5, 20 s. S. 23. 

2. Die Scholienabschriften. Abschrift I ist abgedruckt 
bei v. d. Goltz ; in II sind die Scholien teils am Rande oder auf 
den freien Seiten der durchschossenen Nestleschen Ausgabe, 
teils auf besonderen Blättern abgeschrieben. An folgenden 
Stellen finden sich Abweichungen: 

1. In der Vorbemerkung zu den paulinischen Briefen 
(s. Text S. 91) 

I. (v. d. G. S. 8): . . . έξηγήσεσι* δ άνήρ εν οίς . . . 

Π. ... έξηγήσεσι ό άνήρ - εν οις . . . 

Eine im Besitz des Herrn Professor v. d. Goltz befind- 
liche Photographie der Doppelseite, auf der die Vorbemerkung 
steht, bestätigt II. Der Irrtum v. d. G. S. 8 ist dadurch entstanden, 
daß die ursprüngliche Abschrift an dieser Stelle das Interpunctions- 
zeichen ausgelassen hatte und später wohl ein Spiritus aus der nächst- 
tieferen Zeile für ein Interpunctionszeichen angesehen wurde. Die 
Interpunction I war für Corssen mitbestimmend zu seiner oben S. 5 
besprochenen Auffassung von einer durch einen handwerksmäßigen 
Abschreiber hergestellten Abschrift. 

2. Das Vorzeichen vor κατά avöv im Text 3, 5 und vor 
der Randglosse κατά των άνων hat nach I etwa die Gestalt 
eines Schlußsigmas : ς, nach II dagegen ist es '/■ oder '/'• Die 
Unstimmigkeit ist nicht zu erklären; dem selteneren Zeichen 
der Abschrift I ist wohl der Vorzug zu geben. 



I. Der Römerbrieftext des Codex v. d. Goltz. 23 

3. Zu 5, 7 notiert II am Rande der Zeile (τις άποθ-ανεΐ- 
ται . . . τολμά άποΰ-α) das Zeichen ωργ. Es wird nicht erfunden 
sein und bezieht sich jedenfalls auf das fehlende γαρ 2 . 

4. Zu 5, 14 bemerkt nur I — gewiß mit Recht — hinter 
μωσέως das Zeichen ς, vgl. 3, 5. Ebenso wird mit 1 vor das 
Scholion das Doppelzeichen -i- ωργ zu setzen sein. Das Scholion 
selbst wird von II als bestimmt von späterer Hand stammend 
bezeichnet, I mutmaßt dasselbe. Deshalb ist die Abschrift I 
auch zunächst an diesem Scholion vorübergegangen und hat 
es erst nachträglich in einem engen Zwischenraum zwischen 
zwei andere Bemerkungen eingefügt. Dabei konnte es dann 
geschehen, daß das καΐ vor επί τους μή άμαρτήσαντας verloren 
ging. Da II es bezeugt, steht es sicher da. 

5. Im Scholion zu 5, 20 liest Ι: δντινες oöv δ'που (ν. d. G. S. 55) 

Π: δντιν' εστίν δπου 
In der Urabschrift I zeigen verschiedene Verbesserungen, 

daß auf die Stelle besondere Sorgfalt verwendet worden ist. 
Hoffentlich gelingt es später einmal, die folgenden radierten 

8 Zeilen zu entziffern und dabei auch Klarheit über diese Stelle 

zu gewinnen. 

6. Die Glosse εις θάνατον zu 6, 16 führt I auf eine spätere 
Hand zurück, II hält die erste Hand für wahrscheinlicher. 

7. In dem Scholion zu 7, 4 ist es I zweimal gelungen, 
Buchstaben zu entziffern, die II — mangels einer geeigneten 
Lupe — beiseite ließ. Es ist mit I zu lesen πρώτηι vor πληγηι 
und ήτοι nach τέθ-νηκεν. I wird auch mit der Abkürzung „του 
αγ' Βασίλ' σχο λ " Recht haben gegen das ausgeschriebene „τοΰ 
αγίου Βασιλείου σχόλιον" der Abschrift IL Unsicher bleibt es 
dagegen, ob mit I gegen II die Artikel τη ι vor πρώτηι und την 
vor άλλην zu setzen sind; Η läßt beide fort. Ob das Wort vor 
δ νόμος τούτω ι (Ι) oder τούτου (II) heißt, läßt sich gleichfalls 
nicht entscheiden. 

8. Das 7,8 von I jedenfalls mit Recht bezeugte Randzeichen 
ωργ übergeht II (s. oben 3. 4.). 

9. Das erste Wort des Scholions zu 8, 24 — υπομένει — 
läßt II mit Unrecht aus. 

10. Im Scholion zu 9, 22 lesen II und Originalabschrift I 
άποδεδοσθαι gegen v. d. G. άποδιδόσθαι. 



24 Bauernfeind: Der Roinerbrieftext des Origenes. 

11. Zu 9, 33 nennt nur II als Correctur zweiter Hand: 
πας ρ και. 

12- Einmal — vor dem Scholion zu 11,8 — schreibt II 
ώριγ. statt des durch I bezeugten Siglums für Origenes. 

13. Die τόμος -Zahlen hat II fast immer übergangen, dafür 
werden aber die Capitelzahlen angegeben, die v. d. G. S. 4 
unten bespricht. Nach v. Soden I S. 461 sind es die Zahlen 
der Tageslectionen. 

3. Berichtigungen zum v. Sodenschen Textband. 
Wer zum Studium der Athoshandschrift den v. Sodenschen Text- 
band benutzen will, wird, entsprechend den soeben gewonnenen 
Ergebnissen, eine Keihe von Verbesserungen vornehmen müssen. 
Außerdem sind noch einige Fehler bei v. Soden zu berück- 
sichtigen, die nicht von seiner Bevorzugung der Collation I ab- 
hängen. Sie sind im folgenden mit aufgezählt und durch * vor 
der Capitelzahl kenntlich gemacht. 

1. *11, 31 ist im Text das vöv nach αυτοί zu tilgen und 
nach ouzoi einzufügen; in den Varianten, die der Apparat II 
zu diesem Verse bietet, muß „ούτοι (31 b )" durch „αυτοί (31 a )" 
ersetzt werden; vgl. Lietzmann S. 101. 

2. *8, 35 ist die übergangene Form γωρίαη 1 χωρίσει a άπο 
in den Apparat 1 einzufügen, bezeugt durch #34 78 je 1 551 Qpi:3; 

3. Da v. Soden zwischen verschiedenen Randbemerkungen 
zu der gleichen Stelle nicht durch Zeichen wie m \ m2 oder dergl. 
unterscheidet, muß man sich im Bewußtsein halten, daß das 
Scholion zu *8, 24 nicht etwa — wie nach Apparat III zu 
dieser Stelle anzunehmen wäre — lautet: „δ γαρ βλέπει τις 
υπομένει;" 

4—35. Die weiteren einfacheren Fälle seien gleich in der 
Form der „Nachträge und Berichtigungen" aufgeführt, die von 
Soden selbst Teil II S. 899 ff. gibt, nötigenfalls mit * vor der 
Capitelzahl. Es werden selbstverständlich nur für die Hand- 
schrift α 78 Verbesserungen genannt. Wo neue Varianten zu 
bilden sind, werden sie allemal dem Apparat III zugewiesen. 

1, 3 S. 661 II Z. 1 nach H: exc78 ; *2, 8 S. 663 II Z. 3 v. u. 
78 statt 70 ; *3, 4 S. 665 Z. 4: νικήσης 1 νικήσ -fl; *3, 5 S. 665 

1 Die Übereinstimmung des v. Sodenschen Textes mit Collation II 
ist natürlich Zufall. 



II. Das Verhältnis des Codex v. d. Goltz usw. 25 

III Z.7 nach „sy p /": των ανθρώπων 1 άνθ-ρωπον 78 m ; 4,6 S.667 

II Ζ. 2 nach Η: exc78 ; 4, 11 S. 667 III Ζ. 6 ν. u. nach *> c : 78 ; 
5, 7 S. 669 III Z. 1 nach γάρ 2 : Η 18 : 5, 14 S. 669 II Z. 3 nach 
μη: # 78 *; III Z. 13 nach „(cf. 1374)": om xod a επί 1 £Γ 78 *; 
5, 15 S. 669 III Z. 16 nach r om τοϋ 3 1»'«*": oo Xö Ιΰ Η 78 
(doch s. o. S. 21): *6, 11 S. 670 II Z. 1 v. u. nach 8 1 : ™; 6, 16 
S. 671 III Z. 5 nach §6 : 78. nach ε ; ς θάνατον: i? 78 *; 7, 3 S. 671 

III Z. 5 v. u. nach der Verszahl 3: άρ' 1 άρα Η 78 : 7, 8 S. 672 
III Z. 6 nach δε: H 7S *: *8, 11 S. 674 II Z. 4 nach δ 4 : 78. ni Z. 4 
nach der Verszahl 11: om ex νεκρών 1 Η 18 : 8,12 S. 674 III 
Z. 5 nach der Verszahl 12: άρ' 1 άρα # 78 ; 8, 15 S. 674 III Z. 8 
tilge 78 ; 8,28 S. 675 III Z. 8 vor F 171 : H 78 ; *8,32 S. 675 II 
Z. 9 tilge 78 ; *8, 34 S. 675 II Z. 4 v. u. nach 7i : 78 ; 11, 9 S. 681 
III Z. 2 vor 5356 vielleicht 78 (s. o. S. 20); *11, 22 S. 681 II Z. 1 
v. u. tilge 78 *; *14, lOf. S. 686 III Z..6 vor der Verszahl 11: 
om γαρ Η 78 ; tilge nach „II om γάρ^: Η 78 - 14,23 S. 687 III 
Ζ. 4 ν. u. nach 3 : 78 ; 15, 15 S. 688 III Z. 1 v. u. nach δ 4 : ~ υμΐν 
έγραψα Η 78 : 15, 24 S. 689 III Ζ. 7 nach δ 4 : 78 ; 15, 27 S. 689 
II Ζ. 1 v.u. vor δ' 856 : 78 ; 16,17 S. 691 III Z. 5 v. u. nach „ 1026ff •/": 
om τα a σκάνδαλα Ä 78 ; *16, 18 S. 691 II Z. 2 v. u. tilge 78 ; 
16, 26 S. 692 III Z. 2 v. u. vor ,,/27": 5ποταγήν 1 δπακοήν -ff 78 . 

II. Das Verhältnis des Codex v. d. Goltz zu den 
erhaltenen griechischen Römerbriefzitaten des 

Origenes. 
A. Die Reste des ßömerbriefcommentars. 

1. Übersicht. Im Jahre 1912 gab A. Ramsbotham 
im 13. und 14. Band des Journal of theological Studies (13, 209ff. ; 
357fi\ ; 14, 10 ff.) die Catenen- und Philokalie-Abschnitte her- 
aus, die dem Römerbriefcommentar des Origenes zugehören 1 . 

1 Die Wiedergabe der Catenenabsclmitte berücksichtigt den 
von Cramer (Catenae graecorum patrum in Novurn Testameutum ed. 
J. A. Cramer tom. IV. Oxford 1844) nicht benutzten Codex Vaticao. 
Gr. 762, der ein Vorfahr von Cramers Cod. Bodleian. Auct. Ε II, 20 
ist. Vgl. Karo-Lietzmann NGW. phil.-hist. Klasse 1902 S. 595 f. 

Die Auszüge aus der Philokalie sind abgedruckt aus Robinsons 
Ausgabe von 1893; doch sind im Apparat die Zeugen außer dem 



26 Bauernfeind: Der Rörnerbrieftext des Origenes. 

Sie mögen zusammen kaum mehr als den dreißigsten 1 Teil 
des ursprünglichen Werkes ausmachen, trotzdem wird es für 
die Beurteilung des Cod. v. d. Goltz natürlich wichtig sein, zu 
wissen, wie sich der dort wiedergegebene oder vorausgesetzte 
Text zu dem seinigen verhält; es empfiehlt sich, diese Bruch- 
stücke gesondert zuerst zu untersuchen. Da nahe Beziehungen 
zwischen dem Cod. v. d. Goltz und Origenes unzweifelhaft vor- 
liegen, so wird nicht ihre Existenz noch einmal zu beweisen 
und in den Mittelpunkt zu stellen sein, sondern bei den Ab- 
weichungen der Commentarfragmente von der Athoshandschrift 
wie auch bei den auffälligen Übereinstimmungen beider stellen 
wir gleich die eng gefaßte Frage, ob sich gegen die Vorstellung 
einer direkten Entnahme des Athostextes aus dem Origenes- 
commentar Bedenken erheben. Zunächst sind die Abweichungen 
der Catenenbruchstücke vom Cod. v. d. G. zu untersuchen. Jede 
Abweichung wird daraufhin zu prüfen sein, ob sie nicht auf 
falschem Schein beruht und schließlich doch auf einen dem 
Cod. v. d. G. entsprechenden Bibeltext zurückgeführt werden 
kann, ob sie etwa an die Möglichkeit denken läßt, daß Origenes 
verschiedenen Lesarten derselben Stelle gefolgt ist — vgl. die 
Scholien zu 5, 17 und 15, 14 — oder ob sie ein Überein- 
stimmen des Cod. v. d. G. mit dem Commentartext tatsächlich 
unwahrscheiiüich macht. Hier wie überhaupt im folgenden 
sind selbstverständlich die üblichen „Vorsichtsmaßregeln" zu 
beachten, die für die Verwertung von Origeneszitaten gelten 2 . 
Lange Zitate haben den Vorzug, Wort für Wort aus einer 
Bibelhandschrift abgeschrieben zu sein — aber vielleicht aus 
der des Schreibers und nicht der des Meisters. Kurze Zitate 
und Anspielungen gehen auf Origenes selbst zurück, aber dessen 
„virtuose Kunst, Schriftstellen zu combinieren" 3 und überhaupt 

Cod. Mon. weggelassen. Wir zitieren die Pliilokalie nach Robinson 
(mit dem "Vorzeichen Φ). 

1 Rufins Übersetzung ist rund fünfzehumal so laug, wie der 
erhaltene Rest des griechischen Commentars, sie war aber nur etwa 
halb so lang, wie der griechische Commentar selbst.. (S. 15 Anm. 3 
uod Turner in Hastings dictionary of the Bible, Extr. Vol. S. 491). 

2 Vgl. besonders A. Rahlfs, Septuaginta-Studien. 1. Heft. 
Studien zu den Königsbüchern. Göttingen 1904. S. 48—54. 

3 Harnack, Text und Untersuchungen Bd. 38 Heft 3 S. 46 Anm. 2. 



IL Das Verhältnis des Codex v. d. Goltz usw. 27 

in seine Gedankenreihen einzufügen, kann in sehr vielen Fällen 
auf falsche Wege führen und Gedächtnisirrungen sind auch 
möglich. Daß in fraglichen Fällen Zitate auch aus sonstigen 
Schriften des Origenes zum Vergleich herangezogen werden, 
bedarf keiner besonderen Rechtfertigung. Trotzdem ist es nicht 
immer möglich, bei der Entscheidung über eine Abweichung 
das subjective Element ganz auszuschalten. 

Folgende Verse werden in den Commentarfragmenten in 
ganzem Umfang zitiert: 1, 14; 2, 14; 3, 10 f. 14—18. 21—23; 
6, 11. 14. 20; 7, 2. 9. 11 ; 8, 7. 28 ff. Dazu kommen folgende 
teilweise zitierte Verse: 1, 13; 2, 15; 3, 1 ff. 12 f. 19. 24; 4, 3 f. 
9.14—16.24; 5, 3. 13. 20 f.; 6, 4 ff. 8 ff. 12. 23; 7, 8. 12 f. 16. 
23 ff.; 8,6.26.38. Schließlich wird angespielt auf die Verse: 
1,1. 18; 2,12. 16. 25. 28 f.; 3, 4. 20. 27. 30 f.; 4,11. 17 ff. 23; 
5, 8. 12; 6, 21 f.; 7, 6 f. 14. 22; 8, 2 ff. 13. 24. 31. 33; 11, 33; 
12, 6. 20. — Es wird nötig sein, auch die Kleinigkeiten in 
diesen Versen genau zu beachten, nicht um die längst bekannte 
Freiheit des Origenes bei der Verknüpfung von Bibelworten 
mit eigenen Ausführungen noch einmal hervorzuheben, sondern 
um die Stellen herauszusichten, an denen die betreffende kleine 
Veränderung nicht auf einer stilistischen Umformung, sondern 
auf einer Textvariante beruht. Diesem Zweck entsprechend 
sind im folgenden die nach dem Urteil des Vf. weniger belang- 
reichen Abweichungen vorangestellt. Das Zeichen „Cat." wird 
in diesem Abschnitt weggelassen, vgl. im übrigen das Verzeich- 
nis der Abkürzungen. 

2. Die Abweichungen, a) Soweit sie auf der freien 
Gestaltung der Anspielungen bzw. Zitate beruhen. 

Φ 56, 28 wird R 3, 21 um ein μεν nach χωρίς und ein δε 
nach μαρτυρουμένη vermehrt. Daß hier keine Sonderlesart 
vorliegt, zeigt Φ 57, 2 f., wo die beiden Hälften des Verses in 
genauem, durch „εν τω" eingeführtem Zitat ohne μεν — δε er- 
scheinen. Wenn umgekehrt das sonst allgemein bezeugte δε 
nach νυν: I, 221, 15, 6 ausgelassen wird, so ist das gleichfalls 
bedeutungslos; Φ 57, 1 steht es. 

II, 14, 39, 12 wird R 7, 9 in freier Weise folgendermaßen 
wiedergegeben : 



28 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

έλθΌύσης της εντολής ή μεν αμαρτία άναζη,ή δέψυχή άποθ-νήσκει. 

Ι, 256, 25 f. dagegen steht der gewöhnliche Text: 
έλθ-ούσης δε της εντολής ή αμαρτία άνέζησε, εγώ δε άπέθ-ανον. 
Jedenfalls wird der Cod. ν. d. G. diesen Text mit Recht als 
den des Origenes bezeugen, obschon das μεν vor αμαρτία auch 
IV, 71, 19 eingefügt wird, es ist als Anpassung an das nach- 
folgende δε ausreichend erklärt. Ähnlich ist die Auslassung 
des δε nach αμαρτία 5, 13 zu erklären, die man Φ 56, 10 in 
einem sonst genauen, mit „εν τω" eingeleiteten Zitat beobachtet; 
finden wir im Johannescommentar an dieser Stelle zuweilen 
(IV, 71, 22; 381, 7) ein γαρ statt des δε, so ist auch diese Ab- 
weichung von der Athoshandschrift aus stilistischen Gründen 
erklärbar. — Der Anfang von 3, 23 heißt I, 363, 29, 8: πάντες 
δε 1 ήμαρτον statt πάντες γαρ ήμαρτον; obgleich es sich auch 
hier nicht um eine Anspielung, sondern, wie das και τα έξης 
am Schlüsse zeigt, um ein wirkliches Zitat handelt. Die Ur- 
sache liegt einfach darin, daß der Satz hier nicht begründen, 
sondern den Gedanken weiterführen soll. IV, 377, 6f. steht 
der gewöhnliche Text. 

Γαρ statt δε finden wir II, 15, 40, 2 bei der Wiedergabe 
von 7,9 nach έλθούσης. Eine Auslassung dieses δε beobachteten 
wir soeben schon II, 14, 39, 12 (s. o.). Daß Origenes auch 
hier an keinen anderen Text als an den gewöhnlichen dachte, 
zeigten oben schon I, 256, 25f. und ΙΎ, 71, 18. Der Spruch 
soll hier nicht so sehr weiterführen wie begründen. Auch der 
Anfang von 8, 29 wird Φ 227, 22 statt mit δ'τι ους mit ους γαρ 
wiedergegeben, weil das Zitat — richtiger die Anspielung, 
trotz des φησι — sich so dem Satzbau des Origenes leichter 
anpaßt 2 . Kurz vorher — Φ 227, 10 — und kurz nachher — 
Φ 229, 5 — steht richtig δτι ους. — Wenn 8, 7 vor φρόνημα 
1,365, 31, 4 ein γαρ eingefügt wird (ebenso L VIII, 62, 6), so 
handelt es sich um einen Ersatz für das des Satzbaus wegen 
ausgelassene διότι am Anfang. — Schließlich ist hier noch die 
Auslassung des γαρ nach χωρίς 7, 8 — I, 366, 31, 40, ebenso 
IV, 71, 17 — und vor αμαρτία 7, 11 — an der unsicheren 
Stelle 11,15,39,26 — zu nennen, das γαρ fällt weg, weil 
Origenes die Sprüche nicht als begründende Sätze verwendet. 

1 Cod. Β.: δή 1 δέ. 2 Vgl. S. 13 Anm. 3. 



II. Das Verhältnis des Codex v. d. Goltz usw. 29 

Auch Pronomina und Adverbia weiden bisweilen in ab- 
geänderter Form gebraucht. Wenn Origenes 6, 14 einmal 
ουκέτι statt ού setzt — I, 366, 31, 43 — so könnte wegen des 
einführenden φησιν und des sonst genau zutreffenden Wort- 
lautes des Zitats eine auf Paralleleinwirkung von v. 9 be- 
ruhende Sonderlesart in Frage kommen, aber wenige Zeilen 
später findet sich zweimal das gebräuchliche ού und beweist, 
daß Origenes doch keinen anderen Text im Sinne hatte, als 
den des Cod. v. d. Goltz. Nicht anders wird es sich 5, 20 
verhalten, wo es I, 367, 31, 53 αλλ' όπου έπλεόνασεν statt ου 
δε έπλεόνασεν heißt. Hier kann man freilich keine Belegstelle 
mehr dafür beibringen, daß Origenes — gemäß dem Cod. 
v. d. G. — den gewöhnlichen Text im Auge hatte, aber das 
δπου kommt in dem jedenfalls auf Origenes zurückgehenden 
Scholion 1 der Handschrift zu unserer Stelle vor; demnach war 
die Aufmerksamkeit unseres Schreibers auf dieses in der έξή- 
γησις vorkommende otzqm gelenkt und wir können sicher sein, 
er wird das ου nicht ohne Bedacht in den Text aufgenommen 
haben. — Schließlich werden wir auch Π, 15, 39, 27 nicht an 
eine Sonderlesart denken, wenn dort statt des δι αύτης aus 
7, 11 — bezüglich auf die εντολή ■ — δια τοΰτο gesagt wird. 

In einer Anspielung auf 3, 27 wird I, 222, 17, 1 statt 
έξεκλε/σθ-η das schwächere άπεκλείσθ-η gebraucht. Aber der 
Zusammenhang zeigt, daß Origenes, um eine Steigerung zu 
schaffen, hier absichtlich nicht das dem Text entsprechende 
έκκλείειν verwendet hat, gleich nachher gebraucht er es zwei- 
mal (Zeile 4 f.), wenn auch in anderer Verbalform. II, 18, 48, 
1 — 6 finden wir statt des nach der Athoshandschrift zu er- 
wartenden συναντιλαμβάνεσθ-αι aus 8, 26 dreimal — wahr- 
scheinlich aus keinem anderen Grunde als dem der Einfachheit — 
das kürzere άντιλαμ|3άνεσθ-αι. Es sei in diesem Zusammen- 
hang auch auf die Verbalform ποιώσιν hingewiesen, die der 
Cod. v. d. Goltz — übereinstimmend mit Φ 56, 2; L IV, 121, 24; 
L V11I 63, 3 — 2, 14 bezeugt. Die Form könnte durch das 
sonst genaue Zitat I, 217, 10, 8 in Frage gestellt werden, dessen 
Zeugen zwischen ποι-7] (V) und ποιεί (Β) schwanken. Aber es 



1 v. d. Goltz macht S. 56 darauf aufmerksam. 



30 Baueriifeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

handelt sich um das letzte Wort des Zitats, und das ist schon 
beim Diktieren des ursprünglichen Textes leicht Veränderungen 
ausgesetzt, weil die Gedanken bereits bei dem nächsten Satz 
sind; außerdem weist ja die Spaltung der Handschriften auf 
spätere Verderbnis hin. 

Überraschend ist I, 219, 12, 1 der Imperativ γενη^-ήτο) 
statt γινέσθ-ω 3, 4. Die Catene bringt an dieser Stelle nur 
einen kurzen Satz des Origenes: „το ουν γενηθ-ήτω εφηται αντί 
εοκτικοΰ, ως το εϊη το δνομά σου ευλογημένον εις τους αιώνας." 
Ramsbotham, mit Bemerkungen zur neutestamentlichen Text- 
kritik sonst zurückhaltend, betont in seinem Apparat ausdrück- 
lich, daß Origenes γενηθ-ήτω und nicht γίνέσθ-ω gelesen habe 
— offensichtlich, weil er γενηθ-ήτω hier als exegetisch gesichert 
ansieht. Jedoch das von R. selbst gegebene Beispiel — „as 
in Lords Prayer" — führt zu Bedenken gegen γενηθ-ήτω und 
zu der Annahme, daß Origenes nicht so las. 

Die Ähnlichkeit mit der dritten Bitte wird nämlich dadurch 
verdächtig, daß auch Rufin sie betont, von Rufin ist R. jedenfalls 
beeinflußt. Rufin ist an dieser Stelle besonders zu berücksichtigen, 
da er sich für das Wort „fiat" auf den griechischen Text beruft („ita 
enim in graecis exemplaribus habetur. Nani latini „sit" pro „hat" 
legunt, s. o. S. 14), aber hat kann sowohl für γενη9•ήτω (Mt. 6, 10; 8, 18; 
9,29; 15,28; 26,42; Act 1,20; R 11, 9) wie für γινέσθω oder γενέσθω 
(Luc. 22,26,42; Act 21, 14 vgl. 1K 14,26,40) gebraucht werden. Für 
die Vorlage Rufins geht daraus nur das hervor, daß sie nicht — wie 
FG — Ιστω las. Da nur von einer und nicht von mehreren griechi- 
schen Formen die Rede ist, möchte man auch annehmen, daß sich 
in Rufins Vorlage Text und Commentar nicht widersprochen haben. 
Weiteres läßt sich auch aus den beiden biblischen Beispielen nicht 
entnehmen, die Rufin für die in ,.fiat" ausgedrückte Art des „optare" 
oder „pronuntiare" beibringt; das erste Beispiel „fiat voluntas tua 
sicut in coelo et in terra" Mt. 6, 10 geht auf γενηθ-ήτω, das zweite „fiat 
pax in virtute tua" ψ 122, 7 auf γίνέσθα) oder γενέσθω zurück. Sehr 
bezeichnend und lehrreich ist es dagegen, daß Rufin das in der Catene 
genannte Beispiel, das bei Origenes jedenfalls das erste 1 gewesen ist, 
übergeht. Der Grund dazu ist durchsichtig; dieser Spruch ψ 113, 2 
wird damals schon wie heute im Lateinischen gelautet haben: sit 
nomen Domini benedictum, nicht fiat . . er hätte also nichts bewiesen. 
Rufin hat also dies Beispiel jedenfalls ganz nach eigenem Ermessen 
ausgelassen. Dann ist es aber sehr wohl glaubhaft, daß er die beiden 

1 Das ουν vor γενηθ-ήτω kann nicht von einem ersten zu einem 
zweiten Beispiel überleiten. 



II. Das Verhältvis des Codex v. d. Goltz usw. 31 

Beispiele ψ 113, 2 und Mt. 6,10 — ebenso nach eigenem Ermessen — 
eingefügt hat. Es wäre ja kaum glaublich, daß die Catene gerade 
Mt. 6,10 unterdrückt haben sollte! Es hat also bei Origenes gefehlt, 
und zwar nicht deshalb, weil es ihm nicht einfiel, sondern weil es in 
seinem Zusammenhang nicht paßte. Es hätte aber gepaßt, wenn er 
γενηθ-ήτω gelesen hätte. In diesem Fall wäre der ganze Tatbestand 
rätselhaft. Dagegen ist auf der Grundlage des Textes γινέσθ•ω alles 
zu -verstehen. Ein bekanntes Beispiel eines εϋκτικον mit γινέσθ-ω als 
Prädikat fand Origenes im Augenblick nicht, eines mit γενηθ-ήτω wollte 
er nicht nehmen, weil der Unterschied des Tempus zum AViderspruch 
gereizt hätte: Die Schrift kenne nur γενηθ-ήτω, nicht aber γινέσθ-ω als 
ευκτικών. Eine längere Ausführung darüber wollte er vermeiden, darum 
wählte er die ferner liegende Parallele ψ 113,2, die vielleicht keinen 
so augenfälligen Beweis bot, wie ein ευκτικόν mit demselben Verbum, 
aber anderseits keinen Anlaß zu Einwänden bedeutete. Das γενηθ-ήτω 
kann in die Catene leicht durch einen Abschreiber gekommen sein, 
dem Mt. 6, 10 oder 26,42 im Ohre lag. Ja, auch Origenes selbst, dem 
bei der Arbeit die verschiedenen Stellen durch den Sinn gegangen 
waren, mag beim Diktieren schließlich an dieser einen Stelle das 
falsche Wort verwendet haben; aber daß er γενηθ-ήτω als den richtigen 
Text angesehen habe, ist völlig unwahrscheinlich. R ist durch Rufin 
auf einen Irrweg geführt worden. 

Neben diesen Veränderungen an Verbalformen ist eine 
Stelle zu nennen, an der man eine Casusänderung vermuten 
könnte: 1,358,24,1 spricht zu 4,11 von dem σημειον περ^- 
τομης gegen die Lesart „σημεϊον έλαβε περιτομήν" des Cod. 
ν. d. Goltz. Aber es handelt sich hier um eine so leise An- 
spielung, daß sonst nie zwei im Spruch aufeinanderfolgende 
Worte zusammenstehen, also kann sehr wohl der Genitiv 
περιτομής als Text vorausgesetzt sein 1 . 

Auch Freiheiten im Gebrauch des Artikels werden nie- 
manden überraschen. Φ 56, 29 wird in der schon oben (S. 27) 
erwähnten erweiternden Ausführung von 3, 21 der Artikel vor 
νόμου weggelassen, aber er ist durch den angefügten Genitiv 
Μωσέως ersetzt. Es wäre ein grobes Mißverständnis, w r enn 
man hier eine Sonderlesart „μαρτυρουμένη υπό νόμου" finden 
wollte, das geht aus dem sonstigen Gebrauch des Origenes, 
aus seiner gerade hier betonten Unterscheidung des „διττόν 
σημοανόμενον του νόμου" hervor 2 , außerdem steht fünf Zeilen 

1 Wetstein nennt für περιτομήν ein nicht näher bezeichnetes 
Scholion des Origenes; vgl. zur Stelle auch Zahn S. 223 Anm. 51. 

2 Vgl. Rufin L VI, 201, 12 ff. 



32 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

später „μαρτυρουμένη υπό τοϋ νόμου". Wenn umgekehrt II, 15, 
40, 9 das sonst artikellos überlieferte Wort 9-άνατον in freier 
Anspielung an 7, 13 mit dem Artikel genannt wird, so wird 
das ebensowenig zu bedeuten haben. 

Andere kleine Einfügungen und Auslassungen finden sich 
an folgenden Stellen: I, 367,31, 53 tritt in dem ohnehin (s. o. 
S. 29) nicht ganz genau zitierten Vers 5, 20 ein εκεί vor 
αμαρτία und im selben Abschnitt Zeile 40 steht die Copula 
ην vor νεκρά im letzten Teil von 7, 8. Die zweite Stelle wird 
IV, 71, 18 ohne ην zitiert. Die Auslassung des με 7, 11 werden 
wir deswegen nicht bewerten, weil uns an ihrem schwach 
bezeugten Fundort II, 15, 39, 27 schon mehrere Ungenauigkeiten 
begegneten (S. 28 f.). Der Anfang von 7, 7 wird in der Philo- 
kalie S. 54,13 einmal ohne έροϋμεν zitiert, also in der Form: 
„τί οΰν; ο νόμος αμαρτία;" jedoch es handelt sich um die 
Überschrift des Abschnittes, um die Angabe der Stelle, zu 
der der folgende Auszug aus dem 9. τόμος des Origenes - 
commentars gehöre, und daß diesen redactionellen Zugaben 
der Philokalie der Origenestext zugrunde liegt, ist kaum an- 
zunehmen. Eher könnte man schon eine Auslassung des από 
vor της αγάπης 8, 39 für beabsichtigt ansehen : denn die Fund- 
stelle II, 22, 52, 39 steht in auffälliger Übereinstimmung mit 
einem Bruchstück des Korinthercommentars (Cat. cor I, 233, 2, 37); 
jedoch die 40. Zeile des Römercatenen- Abschnitts 52 zeigt, 
daß Origenes das από kannte und doch wohl auch für die 
richtige Lesart hielt; auch I, 53, 3 ff. spricht gegen eine Ab- 
weichung von dem Cod. v. d. Goltz 1 . 

Eine bedeutungslose Wortumstellung ist jedenfalls II, 15, 40, 2 
festzustellen, es heißt dort zu 7, 9: oo άνέζησεν ή αμαρτία; nach 
Ι, 256, 26 und IV, 71, 18f. las Origenes wie der Cod. v. d. Goltz 
ή αμαρτία άνέζησεν 2 . 



1 Nur der Vollständigkeit wegeü sei die Lesart add τό a αγαθόν 
R 8,28 in der Handschrift C der Philokalie (S. 229,11) genannt. Sie 
ist entweder direkt aus 13,4 oder durch fremde Einflüsse — 30 N. T.- 
Handschriften vertreten sie — liier eingedrungen. Ohne τό steht der 
Spruch Φ 227,9; 229,3; IV, 357, 16 und Comm. in Ps. 4,5 (Φ 237,17). 

2 Daß I, 221, 15,6 nicht auf eine geänderte Wortfolge in R 3,21 
schließen läßt, ist selbstverständlich. 



II. Das Verhältnis des Codex v. d. Goltz usw. 33 

6, 12 a war dem Origenes jedenfalls in folgender Form ge- 
läufig: ,,μγ] oüv βασιλευέτω ή αμαρτία εν τω θ-νητψ ημών σώματι" 
(II, 357, 22f., III, 5, 23f.; vgl. Π, 358, 29), auch im Kömerbrief- 
commentar erscheint diese Form zweimal I, 365, 31, 3. 13. 
Aber es wird sich hier um eine jener volkstümlichen Umge- 
staltungen \ wie sie zu allen Zeiten gebräuchlich sind, handeln, 
nicht um eine wirkliche Sonderlesart des Origenes. Origenes 
hat vielmehr als Bibeltext sicher das allein in den Zusammen- 
hang passende υμών angesehen; 1,365,31,2 bringt den Be- 
weis dafür. — Da, wie gesagt, das subjective Ermessen bei diesen 
Erwägungen nicht ganz zurückgedrängt werden kann, so wird 
in Manchem vielleicht die Frage aufkommen, ob nicht doch 
ein Gegensatz zwischen dem Cod. v. d. Goltz und den Frag- 
menten bestehe. Es folgen jetzt Fälle, in denen ein solcher 
Gegensatz jedenfalls unverkennbar ist. 

b) Ernst zu nehmende Abweichungen. 8,28 handelt 
es sich um die Frage δε oder γαρ. Die Commentarfragmente 
bieten dreimal, und zwar in regelrechten Zitaten, als Satz- 
anfang den sonst fast durchweg bezeugten Text: οϊδαμεν δέ 
οτι (Φ 227,8; 229,2.11). An der ersten Stelle bezeugt die 
Patmoshandschrift der Philokalie nur: οϊδαμεν ό'τι; der Cod. 
v. d. Goltz liest: οϊδαμεν γαρ δτι. Die Spaltung der Über- 
lieferung in der Philokalie läßt ja Besonderheiten vermuten, 
aber daß an den beiden einheitlich überlieferten Stellen das 
δέ nachträglich für ein ursprüngliches γαρ eingesetzt sei, ist 
kaum annehmbar. An eine Ausfüllung der von Origenes nur 
angedeuteten Schriftstelle durch den Schreiber wird man wegen 
der Kürze namentlich der letzten beiden Zitate auch nicht 
denken. Wir können nur feststellen, daß Origenes vielleicht 
nicht immer δέ, jedenfalls aber auch nicht ausschließlich das 
γαρ des Cod. v. d. Goltz las. Mag im Commentar einmal 
oder öfter γαρ gestanden haben — vielleicht sogar im ρητόν — 
auf jeden Fall ist dann der Athosschreiber in diesem inhalt- 
lich belanglosen Fall nicht mit der gleichen Genauigkeit ver- 
fahren, wie etwa 5, 17 oder 15, 14; es bleibt wahrscheinlich, 
daß Origenes der sonst fast allein bezeugten Lesart δέ doch 

1 Vgl. Preuschen in der Vorrede zum IV. Band der Berliner 
Ausgabe, S. XCIXff. 

T. u. U. '23: Bauernfeind. 3 



34 Bauern feind: Der* Römerbrieftext des Origenes. 

den Vorzug gab. Zu 3, 3 ist gleichfalls ein Gegensatz fest- 
zustellen. Man wird dort die Wortstellung ~ τήν πίστιν του 
%-εοΰ als die des Origenes ansehen. Sie wird im Commentar- 
fragment I, 218,11 in drei Anspielungen (Zeile 20f., 25f.) 
bezeugt und ist sonst allein gebräuchlich. Die abweichende 
AVortstellung des Athostextes oo την τοΰ %•εοΰ πίστιν sieht dem- 
gegenüber doch zu sehr nach einem einmaligen Versehen aus, 
gleichgültig ob dies Versehen nur unserem ausschreibenden 
Gewährsmann oder schon einer Stelle des Origenescommentars 

— vielleicht dem £ητόν? — zuzuschreiben ist. 

3, 19 wechselt der Codex v. d. Goltz — sowie die besten 
und meisten anderen Zeugen — zwischen den Synonymen 
λέγειν und λαλεϊν, während an je einer Stelle unserer Commentar- 
fragmente — I, 359, 2ö, 9 — und des Johannescommentars 

— IV, 301, 17f. — λαλεϊν doppelt gebraucht wird: „. . . οτι 
οσα δ νόμος λαλεί, τοις εν νόμψ λαλεί." Da dieser Gebrauch 
aber auch bei den übrigen neutestamentlichen Handschriften 
nicht gleichmäßig ist und da nur eine Stelle der Kömerbrief- 
commentarfragmente gegen den Athostext spricht, wird die 
Entscheidung weniger sicher sein, als in den beiden vorigen 
Fällen, man wird vielmehr die Möglichkeit offen lassen, daß 
Origenes früher das doppelte λαλεϊν brauchte und später zu 
der Überzeugung kam, der Wechsel sei das Ursprüngliche. Daß 
ihm dann doch wieder einmal beim Diktieren des Commentars 
die altgewohnte Form auf die Zunge kam, wäre nicht zu ver- 
wundern. An diese gleiche Möglichkeit wird man auch in 
folgenden Fällen denken: 4, 9 c\d ή πίστις τφ 'Αβραάμ Ι, 357, 
21, 15; 6, 11 οο νεκρούς μεν είναι Ι, 366, 31, 19; 7, 14 σαρκι- 
κός 1 σάρκινος in Anspielungen Π, 16, 41, 9 und IV, 176, 33; 
8, 26 προσευξόμεθ-α 1 προσευξώμεθ-α Π, 18, 48, 6 Cod. V; Π, 
332, 21 1 ; 8, 39 om τις a κτίσις Π, 22, 52, 39f. gegen Ι, 53, 13. 
An allen diesen Stellen handelt es sich um wirkliche Zitate 
(außer 7, 14) und um nur einmalige Erwähnung in der Catene, 
an allen Stellen würde auch das Verhältnis zu den übrigen neu- 



1 Warum Koetschau hier, dem Anonymus in Readings Ausgabe 
folgend, προσευξώμεθ-α setzt, obschon er selbst als Quelle dieser Ab- 
weichung von der handschriftlichen Grundlage lediglich den gebräuch- 
lichen Bibeltext angibt, habe ich nicht verstanden. 



II. Das Verhältnis des Codex v. d. Goltz usw. 35 

testamentlichen Textzeugen ähnlich liegen, wie 3, 19: Origenes 
hätte früher die nach unserem heutigen Urteil schlechter be- 
zeugte, bei der Abfassung des Commentars die nach unserem 
Urteil besser bezeugte Lesart bevorzugt. — Wichtiger als die 
nach der Sichtung doch nicht mehr erhebliche Menge der Ab- 
weichungen sind die Stellen, an denen von auffälligen Über- 
einstimmungen zwischen dem Athostext und den Commentar- 
fragmenten gesprochen werden kann. 

3. Auffällige Übereinstimmungen. Vorläufiges Er- 
gebnis. Oben S. 29 wurde bereits die schon von v. d. Goltz 
S. 55 f. erwähnte Tatsache gestreift, daß das Wort δπου im 
Scholion zu 5, 20 dem Fragment I, 367, 31, 53 entspricht. Das 
Scholion zu 3, 16 klingt noch deutlicher an die Catene — 
1, 220, 13, 21 f. — an. Der Commentar sagt: „το δε σύντριμμα 
και ταλαιπωρία εν ταΐς δδοΐς αυτών μέχρι του δεΰρο ουκ οϊδα 
ποΰ άνεγνηκώς", das Scholion : „ωργ τούτο ούχ ευρηται ποϋ κείται" 3 . 
Das Scholion zu 8, 24 enthält das sonst nur 4 mal bezeugte 
υπομένει 1 ελπίζει, das auch durch die Vatikanische Handschrift 
der Catene überliefert wird (II, 18, 47, 1). Leider ist auch die 
Vatikanische Handschrift von der Verderbnis, der an dieser 
Stelle alle Catenenhandschriften zum Opfer gefallen sind, nicht 
völlig verschont geblieben; wäre nicht wenigstens eine Zeile 
der Vorlage ausgefallen, so würden wir hier wahrscheinlich 
noch Wichtiges erfahren 2 . — Die Anspielungen des Commentar- 
fragments I, 218, 11 bestätigen Zeile lOf. u. 18 den eigentüm- 
lichen Text der Athoshandschrift „πρώτοι γαρ έπιστεύίτησαν" 
3, 2 3 und schließlich erfahren wir I, 219, 13 10 ff. genau, wie 
Paulus nach der Meinung des Origenes bei der Zusammen- 
stellung alttestamentlicher Worte 3, 10 — 18 dazu gekommen sei, 
v. 12 das zweite ουκ εστίν Ps 14, 3 auszulassen; die Auslassung, 

1 Rufins Zusammenziehung des nicht aufgefundenen Verses 16 
und des bei einem Propheten vermuteten v. 17 a steht dem griechi- 
schen Commentar demnach ferner als das Scholion (s. L VI, 174, 19ff.; 
v. d. Goltz S. 54; Zahn S. 165 Anrn. 25). 

2 Turners im Apparat zu dieser Stelle gegebene Ergänzung ist 
— jedenfalls durch ein Versehen — um ein τ: zu lang; da er sich 
auf v. d. Goltz S. 57 beruft, wollte er doch sicher ergänzen: (καΐ 
ελπίζει, ο γαρ βλέπει τις και). 

3 Weiteres zu dieser Stelle s. Apparat. 

3* 



36 Bauernfeind:: Der Römerbrieftext des Origenes. 

die Origenes hier voraussetzt, findet sich außer in der Athos- 
handschrift nur bei ganz wenigen Textzeugen 1 . 

Vorstehender Überblick über die Abweichungen und die 
auffälligen Übereinstimmungen gibt zur Skepsis gegen die Vor- 
rede der paulinischen Briefe in unserem Codex wohl keinen 
besonderen Anlaß. Der Tatbestand läßt sich unter der Voraus- 
setzung einer direkten Entnahme unseres Römerbrieftextes aus 
dem Origenescommentar sehr wohl erklären. Die Möglichkeit, 
daß der entnehmende Gelehrte wohl in vereinzelten Fällen ein- 
mal eine im Fluß der Darstellung veränderte Textform in seine 
Handschrift aufnahm, statt der von Origenes eigentlich zugrunde 
gelegten, ergab die Untersuchung der ernst zu nehmenden Ab- 
weichungen; vielleicht handelt es sich dann um Veränderungen, 
die schon bei der Abfassung des Commentars versehentlich in 
das £ητόν eingedrungen waren. Daß er umgekehrt nicht jede 
im Commentar begegnende Umbiegung des Textes am Rande 
notieren konnte, versteht sich bei einer Schrift des Origenes 
von selbst, er hob nur die ihm wichtig erscheinenden Unter- 
schiede hervor. Aber vor jeder weiteren Erörterung dieser 
Möglichkeiten sind natürlich erst die Römerbriefzitate aus den 
übrigen Schriften des Origenes zu berücksichtigen. 

B. Die anderen Schriften des Origenes 2 . 

1. Die Abweichungen, a) Diejenigen Abweichungen 
origenistischer Römerbrief zitate vom Athostext, die nur durch 
einzelne Origenes-Handschriften 3 bezeugt und in den Text 
der Berliner Ausgabe oder der Philokalieausgabe Robinsons nicht 
aufgenommen worden sind, können übergangen werden, nämlich: 
1, 20 oo δύναμις αύτοϋ Ι, 244, 6 Α gegen Π, 73, 3; 2, 4 om και 
της άνοχης V, 213, 11 Cat. gegen Ι, 341, 25; V, 203, 10; L ΠΙ, 



1 Diese hoclibedeutsarae Erläuterung der Catene ist merkwürdiger- 
weise niemals textkritisch verwertet worden, obschon sie durch Cramers 
Catene (S. 18) doch längst bekannt ist; vielleicht meint Tregelles sie 
mit dem rätselhaften „Or IV" zu R 3, 12, jedoch müßte er sich dann 
auf sehr flüchtige Lektüre beschränkt haben. Vgl. u. S. 83f. 

2 Vgl. auch hierzu die Vorbemerkungen S. 26 f. 

3 Die Handschriften behalten im folgenden die Bezeichnungen 
der Berliner bzw. der Robinsonschen Ausgabe. 



II. Das Verhältuis des Codex v. d. Goltz usw. 37 

350, I; L VIII, 314, 2 (= Φ 25$, 3Q) 1 ; 2, 5 διά 1 κατά L VIII, 
314, 4 (= Φ 253, 2 Cod. C) gegen I, 341, 27; IV, 526, 3; V, 
203, 12; 213, 13; Cat. I, 214, V, 6; Ooin'm. in prov. (Tischdf . 93, 3: 
Mai 20, 21); 2, 5 om σου a καί V, 213, 13 CD gegen I, 341, 
27 ; IV, 526, 3 ; V, 203, 12 ; L VIII, 314, 4 (= Φ 253, 2), Cat. I, 
214, 5, 6; Comm. in prov. (Tischdf. 93, 3; Mai 20, 21); 2, 5 δι- 
καιοσύνης 1 δικαιοκρισίας L VIII, 314, 6 (= Φ 253, 4 C) gegen 
I, 341, 29; III, 183, 15; V, 203, 14; 214, 1: Comm. in prov. 
(Tischdf. 93, 3; Mai 20, 22); Comm. in apocal. (T. U. 38 Heft 3, 
Schol. 37, 5); 2, 5 om τοΰ a θ-εοϋ V, 214, 1 Pat Η; Comm. in 
prov. (Mai 20, 22) gegen I, 341. 29; III, 183, 15; V, 203, 14; 
L VIII, 314, 6 (= Φ 253, 4); 2, 8 om τη a άληθεία V, 204, 
IC; 2, 8 add μεν ρ άπέΐθ-οϋσι Φ 156, 27 Α mar s C (zu V, 
203, 16, s. S. 14 Anm. 1): 2, 9 add και a θ-λΐψις V, 204, 
1 CDH; 2, 9 add επί ρ άνΟ-ρώπου V, 204, 2 Pat.: 2, 10 om και 
τιμή V, 204, 3 C; 8, 7 ού γαρ 1 ουδέ γαρ III, 248. 16 c ; ουδέ 
1 ούοέ γκρ ΠΙ, 248, 16 °; 8, 14 οο εισίν υιοί θ-εοΰ Ι, 368, 22 CD; 
οο θ-εοΰ υιοί είσιν Ι, 368, 22 EH, d. anderen Varianten s. u. 
S. 48 u. 75 Anm. 2: 8, 21 του έχθροϋ 1 της φθ-ορας Ι, 14, 1 Μ 
gegen Ι, 9, 13; II, 14, 22; 214,28; 215, 4; IV, 32, 6; 8, 35 
^εου 1 Χρίστου Ι, 53, 6 AM gegen 1, 53, 3; L III. 309, 7; L XII, 
106, 8; 12, I add καθ-αράν ρ ^υσίαν; κυρίω 1 θ-εω III, 203, 2° 
16, 25 έσιγημένου 1 σεσιγημένου 1, 255, 18 Α gegen IV, 111, 26; 
273, 8; V, 305, 6; L XII, 351, 6 (= Φ 35, 19); 16, 26 om τε 
a γραφών V, 305, 6 Bas. D. gegen Ι, 255,18; IV, 111,27; 241,2; 
273, 8: L XII, 351, 7 (= Φ 35, 20). 

Da eine eingehende Untersuchung des Sprichwörtercommen- 
tars noch fehlt, soll von seinen Abweichungen gegen die Athos- 
handsehrift im folgenden nur die eine berücksichtigt werden, die 
an allen Stellen von Tischendorf und Mai bevorzugt wird: 2, 13 
add του a νόμου 2 (s. S. 48 u. 74), alle anderen Abweichungen 
bleiben unberücksichtigt. 

b) Offensichtliche Fehler sind natürlich außer acht zu 
lassen, auch dann, wenn ihre Bezeugung gut ist: 1, 3 ist ein- 

1 AVo ein Stück sowohl in direkter wie auch in indirekter 
(Philokalie) Überlieferung vorliegt, ist die indirekte in allen den 
Fällen ruitangegeben, in denen die direkte in der Berliner Ausgabe 
noch fehlt. 



38 Baueinfeind: Der Römerbriei'text des Origenes. 

mal γεννωμένου aus γενομένου verschrieben 1 (II, 148, 13; vgl. 
auch die meisten Zeugen in der Johannescatene Bruchstück LVIII 
Bd. IV, 531, 15); γενομένου ist gesichert durch IV, 64, 16; 
175, 33; 304, 20. 8, 19 steht es vielleicht ebenso mit τον υίων 
bzw. τον υίον statt τών υιών IV, 32, 7 V; die richtige Form 
findet sich II, 14, 19; 215, 2. 10, 7 schließlich werden III, 153. 
19f. acht Worte durch Homoioteleuton wiederholt. 

c) Auch die orthographischen Eigentümlichkeiten 
der Origeneszitate können nicht immer als Anhaltspunkte für 
uns dienen: 1, 3 wird der Name David bald durch Δαβίδ (IV, 
64, 16; 175, 34: 304, 21; 531, 15; L III, 113, 10), bald durch 
Δαυίδ (1, 32, 20; 87, 2 ; II, 148, 13 ; L XIII, 219, 6) wiedergegeben ; 
es läßt sich also nichts darüber sagen, als daß die Form Δαυείδ, 
nach v. Soden 2 an dieser Stelle in der if-Recension durchweg 
gebraucht, weder in den uns bekannten Origeneszitaten von 
ß 1, 3 noch im Cod. v. d. G. vorkommt. Zur Orthographie des 
Namens Moses vgl. v. Soden I, 1374. 1, 27 können aus der 
Behandlung des Stammes άρρεν keine Schlüsse gezogen werden, 
da hier der Athostext nicht feststeht (s. o. S. 21). 1, 21 schließ- 
lich ist der Wechsel des Augments wohl auf Rechnung der 
Schreiber zu setzen (v. Soden I, 1396). ευχαρίστησαν bezeugen: 
I, 244, 1.8; 300, 28; II, 73, 4 APat. und die Athoshandschrift, 
ευχαρίστησαν II, 73, 4 BCDEH; 198, 31. 

d) Abweichungen, die auf freier Gestaltung der 
Anspielungen bzw. Zitate beruhen. Wie in den Com- 
mentarfragmenten, so zeigt auch in den anderen Schriften des 
Origenes oft ein Blick auf den Zusammenhang, in dem die 
Zitate stehen, daß eine Gegeuinstanz gegen den Athostext nicht 
festgestellt werden darf. 

Zunächst sei ein Fall genannt, in dem zwei Zitate ver- 
quickt sind. Manche Ausgaben des neuen Testaments schließen 
aus II, 378, 12, Origenes bezeuge zu 14, 10 die Lesart . . . πα- 
ραστησόμεθ-α τω βήματι του Χρίστου 1 θ-εοϋ wie Polycarp, 
Marcion, N C CLP gue r vulg w und die Masse der späteren Minuskeln. 
Die Stelle lautet aber . . . δτε πάντες παραστησόμεθ-α τω βήματι 
τοΰ Χρίστου, ίνα κομίσηται έκαστος τα δια του σώματος, προς 

1 Vgl. ν. Soden Ι, 1365, 8 ff. 

2 Vgl. auch ν. Soden Τ, 1375, 8 ff. 



II. Das Verhältnis des Codex v. d. Goltz usw. 39 

α έπραξεν, είτε άγαθ-όν είτε φαϋλον; vom ersten τοΰ an stimmt 
dieser Satz genau zu 2 Κ 5, 10, darum wird man, Koetschau 
folgend, dort den Beginn des zweiten Zitates sehen und jeden- 
falls nicht entscheiden können, daß Origenes hier zu R 14, 10 
die Lesart Χρίστου 1 θ-εοΰ im Sinne gehabt habe. — Eine andere 
Verquickung vermutet Lietzmann S. 53 im fünften Abschnitt 
des Prooemiums zu contra Celsum (I, 54, 34), und zwar zwischen 
4, 19 und 14, 1. Die Stelle lautet: ... ή τοις, ώς δ απόστολος 
ώνόμασεν, άσίτενουσιν εν τίζ] πίστει . είπε δ'οϋτως ' „τον 
δ' άσθ-ενοΰντα τγ) πίστει προσλαμβάνεστε". Das mit είπε δ' 
ούτως eingeleitete Zitat entspricht — abgesehen von δ 5 statt δε 
— genau dem gewöhnlichen Text von 14, 1, also könnte das, 
was vorangeht, eine Anspielung an 4, 19 sein: „καί μή άσθ-ε- 
νήσας εν rft πίστει κατενόησεν . . . Das έν vor τγ) πίστει würde 
mit DFGdfg vulg DFL * T übereinstimmen, nur diese Zeugen lesen 
es 4, 19. Aber in den Zusammenhang paßt nur 14, 1 und 
nicht 4, 19: Der Schwache soll Entgegenkommen finden und 
nicht als Folie zur Beschreibung eines Starken — wie Abraham 
- dienen. Also hat Origenes wohl von vornherein nur 14, 1 
im Sinne gehabt und diesen Spruch schon vor der wörtlichen 
Wiedergabe anklingen lassen. Das έν könnte eine Erinnerung 
an eine heute nur bei Lateinern vorkommende Lesart sein, 
höchst wahrscheinlich aber ist es doch nur aus dem freien 
Gebrauch der Worte zu erklären. 

In den meisten anderen Fällen ist die Entscheidung über 
die Bedeutung einer etwaigen Abweichung noch einfacher, 
namentlich wenn es sich um den freien Gebrauch von Partikeln 
handelt. Daß 7, 12 gelegentlich ohne μεν 1 zitiert wird (L III, 
105, 16), ist begreiflich, wenn der Gedanke nicht bis zu dem 
Gegensatz in v. 13, der αμαρτία, weitergeführt wird; Cat. 1, 
217, 10, 7 und II, 172, 21 bringen den gewöhnlichen Text. Um- 



1 R 7, 14 hat Origenes vielleicht οϊδα μεν γαρ statt οϊδαμεν γαρ 
abgeteilt, ebenso wie möglicherweise Hieronymus c. Jovin. I, 37 (vgl. 
Zahn S. 347 Anm. 90); wenigstens führt die Anspielung IV, 153,4 
— ffiti [seil ό Παΰλος] γαρ οτι δ νόμος πνευματικός έστιν — zu dieser 
Möglichkeit. Dann würde in dieser Anspielung das μεν aus demselbem 
Grunde fehlen wie 7, 12 L III, 105, 16. Bezeugt wird es durch II, 172, 20; 
Φ 55,28; L III, 105,15. 



40 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

gekehrt wird 6,10 b einmal ohne δε zitiert — IV, 15, 12 — weil 
der in der ersten Vershälfte vorangehende Gegensatz nicht mit- 
genannt wird. Wo der ganze Vers zitiert wird (IV, 233, 2), 
bleibt das δε stehen. Ebenso findet sich 8,8 zweimal (II, 188,32; 
L VIII, 62. 7) ohne δε. Dieser Vers wird sogar einmal (IV, 283,2) 
mit μεν γαρ statt δε zitiert, aber nur aus dem naheliegenden 
Grunde, daß eine vorangehende Aussage begründet und auf 
einen kommenden Gegensatz hingewiesen werden soll. Der 
gewöhnliche Text wird L III, 214, 20 geboten. . Häufig muß ein 
γαρ wegbleiben, weil der Hauptsatz, den es einleitet, bei Ori- 
genes zu einem mit ό'τι, έπε! oder διόπερ eingeleiteten Neben- 
satz wird: 

1, 18:11, 72, 25; 1, 19: I, 300, 27 gegen I, 244, 3; II, 72, 20; 
73,1; 1,20: 1,244,5: II, 188,2; VI, 333, 26 gegen II, 73,1; 
130,2; 198, 15; 5,15: IV, 384, 28; 6,10: L IV, 18, 3 gegen 
I, 190, 14; IV, 233. 4; Cat. I, 364, 30, 9; auch gegen IV, 15, 10 
(hier steht das γαρ 2 Worte zurück); 8, 14: 1, 368,21; II, 139,27; 
8, 19: II, 215, 1 gegen II, 14, 18; 8, 20: II, 215, 2 gegen II, 14, 20; 
200.30; zu IV, 21,23 s. u. S. 45. 

Umgekehrt werden Partikeln eingeschoben, wenn Origenes 
aus einem Nebensatz einen Hauptsatz macht. Daß der Spruch 
6, 9 I, 146, 13 mit einem δε und IV, 233, 3 mit einem γαρ nach 
Χριστός ganz dem Zusammenhang bei Origenes angepaßt werden 
kann, beruht eben auf dieser Veränderung des Satzgebildes durch 
die Weglassung der beiden ersten Worte „εκδότες οτι". Auch 
in der Mitte des Satzes folgt einmal auf ^ θάνατος ein γαρ 
(L 111, 135, 24), diesmal, weil aus dem δτι -Satz ein Eelativsatz 
wurde. Das γαρ fehlt, entsprechend dem Athostext: I, 146, 13; 
IV, 233, 3; Cat. I, 364, 30, 1. 16; 366, 31, 45. 

Manchmal fällt ein γαρ weg, weil der betreffende Satz 
bei Origenes nicht — wie in seinem ursprünglichen Zusammen- 
hang — eine Begründung bringen soll: 8, 13: II, 203, 3; 10, 4: 
IV, 530, 16 gegen ΠΙ, 277, 13; 10, 10: L XII, 46, 1 gegen I, 7,8. 

Oder ein γαρ wird eingefügt, weil der Satz, entgegen seiner 
ursprünglichen logischen Stellung, einen Grund angibt: 11, 11: 
1,200,12; 111,103,9; IV, 403, 27 gegen 111,24,9 und auch 
III, 254,12; 12,14: L XIII, 49, 20. — Wenn bei entsprechendem 
Anlaß ein γαρ aus 10, 13 durch δε ersetzt wird (I, 25, 1 gegen 



II. Das Verhältnis des Codex v. d. Goltz usw. 41 

L XII, 356, 21 ; L XIII, 62, 2) oder ein δε aus 14, 23 durch γαρ 
(L III, 99, 15; 106, 4; om δε Cat. cor l, 358, 19, 42), so ist das 
nicht anders zu beurteilen. 

Zweimal wird statt des Pronomens das Nomen genannt, 
auf das es sich bezieht : 1, 20 του θ-εοΰ 1 αύτοΰ ρ αόρατα in den 
Zitaten 1, 244, 5 und Π, 188, 3 sowie in den Anspielungen 

II, 198, 15 und VI, 333, 26 gegen II, 73, 1 ; 130, 2; 11, 11 αύτης 
και 'Ισραήλ 1 αυτών (es war vorher von Jerusalem die Rede) 

III, 254, 12 in freiem Zitat gegen das genaue, mit λέγει ein- 
geführte Zitat III, 24, 9. In verschiedenen freien Zitaten dieses 
Verses wird das Subjekt mit εκείνων wieder aufgenommen: 
I, 200, 12; III, 103, 9: IV, 403, 27. Dieselben freien Zitate er- 
gänzen auch — jedes in anderer Weise — das fehlende Verbum 
in der zweiten Vershälfte: add γεγένηται ρ εθ-νεσιν 1, 200,13; 
add ημών γέγονεν ρ σωτηρία III, 103, 10; add γέγονεν ρ παρα- 
πτώματι III, 254, 12; σωτηρία γέγονεν τοις εθνεσιν 1 ή σωτηρία 
τοις εθ-νεσιν IV, 403, 27. Daß Origenes wirklich einen Text 
gekannt hätte, der hier ein Verbum einfügte, darf man indessen 
aus diesen Ergänzungen nicht schließen; das mit λέγει einge- 
führte Zitat III, 24, 9 folgt genau dem gewöhnlichen Text. — 
Freiheiten im Gebrauch von Verben und Verbalformen finden 
sich überhaupt öfter. II, 199, 9 werden die Worte οιτινες μετ- 
ήλλαξαν 1, 25 durch άνθ•' ων άντήλλαξαν ersetzt ; da das ge- 
nauere — wenn auch nicht als solches bezeichnete — Zitat 
gewiß erst mit dem nächsten Wort anfängt, hat weder die Con- 
structionsänderung noch der Wechsel des Compositums etwas 
zu bedeuten. Ähnlich steht es mit dem Wechsel von Activum 
und Medium 1, 23 im ersten Wort des Zitates II, 199, 3, die 
dort gebrauchte Form ήλλάξαντο ist keine Gegeninstanz gegen 
das in wortgetreuen Zitaten reichlich belegte ήλλαξαν I, 265, 11; 
300,30; 11,73,7; 386,29. — Zuweilen ließ sich die leichte 
Einfügung eines Spruches in den grammatischen Zusammen- 
hang bei Origenes nur dadurch erreichen, daß eine Partizipial- 
construction geschaffen wurde: 10,2 έχοντες 1 έ'χουσιν L XIII, 
86,20; 12,2 μεταμορφούμενοι 1 μεταμορφούμεθ-α L IV, 135, 16; 
vgl. dazu auch 13, 12 έκδυσαμένοις — ένδυσαμένοις 1 άποθ-ώ- 
μεθα — ένδυσώμεθ-α L III, 192, 4L Niemand wird bei diesen 
alltäglichen Veränderungen an eine Textvariante denken. Auch 



42 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

die Vertauschung von Synonymen an der letzten dieser Stellen 
— έκδύσασθαι 1 άποθέσθαι — werden wir außer Acht lassen, 
da es sich nur um eine Anspielung handelt. Das ist außer 
an dieser Stelle noch der Fall: 

2, 15 βούλημα 1 έργον Ι, 58, 13 gegen Φ 56, 14: L IV, 122, 1; 
L VIII, 77, 22; 8, 8 ζώντες 1 οντες L VIII, 62, 8 gegen II, 188, 32 ; 

IV, 283, 2: L III, 215, 10 1 ; 11, 17 κοινωνήσαντες 1 κοινωνούς 
L III, 383, 10; 13,2 οι άνθεστηκότες 1 ό άντιτασσόμενος Π, 281,8. 
Daß IV, 377, 16 „ο μηδέ την αρχήν το πνεύμα της υιοθεσίας 
λαβών" nicht nur an 8, 15, sondern auch an 8, 23 „την απαρχή ν 
του πνεύματος" anklingt, wird höchstens als Wortspiel, wahr- 
scheinlich aber als Zufall zu erklären sein. Schließlich ist noch 

V, 93, 19 mit τέκνων statt υιών 8, 19 zu nennen — gegen 11, 
14,19; 215,2; IV, 32, 7 (s. o. S. 38) — , hier hat offenbar 
v. 21 eingewirkt. Auf die „πάθη ατιμίας" 1,26 wird einmal 
hingewiesen mit „τα πάθη της ατιμίας" — III, 255, 20 gegen II, 
34,4; 387.1; L XIII, 24,12 — und auf „πνεύμα υιοθεσίας" 
8,15 mit „τό πνεύμα της υιοθεσίας" — IV, 377, 17 gegen Ι, 
108, 12; Π, 347, 9; IV, 372, 17 — , diese Zufügung der Artikel 
hat aber textkritisch ebensowenig zu sagen wie die Auslassung 
beider Artikel aus der Formel „κατά τήν άναλογίαν της πίστεως" 
12,6 — κατ' άναλογίαν πίστεως IV, 493, 25 gegen IV, 145,4; 
vgl. II, 377, 10 und Cat. Ι, 359, 25, 18 — : in allen drei Fällen 
handelt es sich nur um Anspielungen, die sich auf drei bis vier 
Worte beschränken. 

L III, 115, 23 findet sich die Wortstellung „τό κατ' έκλογήν 
λεΐμμα" und L IV, 6, 3 „τω κατ' έκλογήν λείμματι" statt λεΐμμα 
κατ' έκλογήν χάριτος 11,5; es handelt sich jedoch beidemal 
nur um Anspielungen, das Zitat III, 35, 4 bietet die gewöhn- 
liche Wortstellung. Eine Anspielung an 11, 36 im 5. Scholion 
des Apokalypsencommentars — T. U. 38, 3 S. 22 — könnte 
auf eine Lesart oo „εις αυτόν και οι' αύτοΰ" schließen lassen; 
aber II, 135, 14 wird ausdrücklich die gewöhnliche Stellung 
„δι' αύτοΰ και εις αυτόν" bezeugt. Daß das erste Glied „εξ 
αύτοϋ" nicht etwa gefehlt hat, zeigt die gleiche Stelle. Auch 
die Wortumstellungen τοϋ θεοΰ του άφθαρτου Π, 389, 27 zu 



1 Vgl. auch Klemens AI. Beil. Ausg. II, 230, 30 zu R 8, 5. 



II. Das Verhältnis des Codex v. d. Goltz usw. 43 

1, 23 und έτι όντων αμαρτωλών ημών III, 115, 21 zu 5, 8 werden 
bedeutungslos sein. 

Zu 7, 2 wird L III, 135, 2 δ νόμος parenthetisch nach δ άνήρ 
eingefügt; daß kein abweichender Text zugrunde liegt, zeigen 
die mehrfachen vorangehenden Parenthesen. Der Zusatz fehlt 
in dem bald nachher folgenden Zitat L III, 135, 25 sowie 
IV, 232, 15 ff. und Cat. II, 10, 35, 4. — 8, 30 fällt L XII, 347, 11 
in einem kurzen Zitat das Wort τούτους nach έκάλεσεν 2 weg. 
Zweifellos ist der Einfluß von v. 29 a die Ursache, der un- 
mittelbar vorher unter Überspringung des Stückes συμμόρφους 
— έκάλεσεν 1 angeführt wird: „ους προέγνω", φησι „και προ- 
ώρισε και ους έκάλεσε, και έδικαίωσε". Mit τούτους steht der 
Vers Π, 310, 22 und Φ 227, 13. Durch einen Paralleleinfluß 
aus Mt. 5,44 a ist wohl L XIII, 49, 20 in 12,14 τους εχθρούς 
ημών statt τους διώκοντας eingedrungen 1 ; vgl. Rufin L VII, 
316, 15 inimicis. — An sonstigen belanglosen Einfügungen 
und Auslassungen — nur in ganz freien Zitaten — sind noch 
zu nennen: 

1,3 add το a κατά σάρκα Ι, 87,3; L XIII, 219,6 gegen 
I, 32, 20 f.; 11,148,13; IV, 64, 16; 175,34; 304,21; 531,15: 
L III, 113, 10; 8, 29 add και ρ ους L III, 259, 24 gegen 
Φ 227, 10; 229, 6; add έσομένους a συμμόρφους L III, 259, 24 
gegen Φ 227, 10. 22; 229,6; 10, 4 add και προφητών ρ νόμου 
111,277,13 gegen IV, 530, 16; 10,6 om εν τη καρδία σου 
111,153,17 gegen IV, 47,32; 72,23: bl2, 6; 12,1 om ζώσαν 
ρ θυσίαν ΠΙ, 203, 2 (Handschriftenvariante καθ-αράν 1 ζώσαν 
Cod. Ottob. gr. 452); 15,19 om κύκλω 1,116,10; Cat. cor Ι, 
244, 15, 11 gegen IV, 101, 23 vgl. II, 173, 11. 

Ähnlich wie aus R 6, 12 (s. o-. S. 33), so ist offenbar auch 
aus 8, 11 eine im Kultus oder Volksmund geläufige Abwandlung 
entstanden; statt „ζωοποιήσει [καΐ] τα θ-νητά σώματα υμών" 
heißt es L III, 277, 10; L XI, 391, 14; L IV, 146, 11 Cod. R: 
„τα θ- νη τα ημών σώματα". Wenn Origenes sich daran erinnert, 
daß die Römer angeredet sind, wird daraus: „τα θνητά υμών 
σώματα L XI, 387, 21 ; L IV, 146, 11 exc Cod • R •. 8, 29 „της εικόνος 
του υίοΰ αύτοΰ" scheint Origenes oft sprüchwortartig mit „της 

1 Einen Paralleleinfluß aus Μ 5, 44 b auf diesen Vers glauben wir 
bei den meisten Textzeugen zu beobachten, vgl. S. 83. 



44 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

δόξης των τέκνων του θ-εοΰ" aus 8,21 verschmolzen zuhaben: 
„της εικόνος της δόξης του υ:οΰ" Π, 310,21; „της εικόνος της 
δόξης αύτου" L III, 1 77, 1 ; „της δόξης του Χρίστου" L III, 259, 25. 
Der gewöhnliche Text dagegen wird dreimal in der Philokalie 
bezeugt: 227, lOf. 23; 229,6. 8,26 heißt es statt der Lesart 
des Cod. v. d. G. „υπερεντυγχάνει στεναγμοις άλαλήτοις" vier- 
mal 1 „στεναγμοΐς άλαλήτοις υπερεντυγχάνει τω Φεω", II, 301, 8. 
13.26; 332,22. Ferner sind zwei der schon oben S. 13 ge- 
nannten Textabwandlungen zu nennen: 6, δ σύμμορφοι (aus 8, 29) 
1 σύμφυτοι IV, 15, 12; 91,5; 361,28; Cat. cor 1,370,29,13; 
11,46,84,17; Kufin L VI, 379, 1 gegen Cat. 1 "" 1 1,363,29,3 
und 16, 26 der Zusatz „και της επιφανείας του κυρίου (και 
αωτΨΐρος V, 305) ημών Ίησοΰ Χρίστου" Ι, 255, 19: IV, 111, 27; 
241, 2; 273, 9; V, 305, 7: in freierer Form 1, 131, 2; LXII, 351, 8; 
bei Rufin L VII, 394, 6 (wie V, 305, 7): vgl. L VII, 453, 20; 
Hieronymus ed Vall. VII, 592 (aus Origenes). Da das erste 
Wort dieses Zusatzes (και) eine als nötig empfundene Ergänzung 
zu dem vorangehenden τε bildet, das sonst allein steht, so 
kann man auch mit Zahn S. 587 hier ein ursprüngliches Stück 
der Schlußdoxologie vermuten; aber bis sich weitere Aufschlüsse 
über die Entstehung und die überraschend schnelle Ausbreitung 
der Doxologie bieten, bleibt es wohl am besten bei der Er- 
klärung durch Kultus oder Volksmund. In diesem Zusammen- 
hang sei noch darauf hingewiesen, daß auch der Schluß von 
11,25 und der Anfang von RH, 26 oft in einen Hauptsatz 
zusammengezogen worden sind (III, 29,30; 31,27; 34,21.29; 
35, 8: 254, 14; L III, 314, 15; L IV, 93. 19: ό'ταν . . . τότε), 
jedoch hier ist es wohl nicht zu einer ganz einheitlichen Ge- 
staltung gekommen. Alle diese dem Origenes sicher besonders 
geläufigen Formen beziehen sich mehr oder weniger auf die 
„letzten Dinge". Das gilt auch von der noch zu nennenden 
letzten, die besonders häufig vorkommt: Im Zusammenhang 
mit συνετάφημεν 6,4 erscheint — auf verschiedene Art an- 
gegliedert — der Zusatz: „και συνανέστημεν αύτω" Ι, 190, 19; 
111,15,7; 172,25: IV, 34, 1; 210,9; 211,34; 361,27. Der 

1 Obsclion die vier Stellen nicht weit voneinander entfernt 
liegen, werden wir hier doch das Empfinden haben, einen geläufigen 
Spruch zu hören. 



II. Das Verhältnis des Codex v. d. Goltz usw. 45 

Zusatz ist entstanden aus den Worten „άλλα και [seil σύμφυτοι] 
της αναστάσεως έσόμεθ-α" ν. 5, die in dieser Form nur einmal, 
Cat. I, 363, 29, 11, erwähnt werden. Origenes war, wenn er 
keinen Text vor sich hatte, fest überzeugt, daß die ihm ge- 
läufige Form in der Bibel stünde: „συνετάφημεν γαρ φησι τω 
Χριστώ ό Παΰλος, και ώσπερεί εν τινι άρραβώνι αναστάσεως 
γενόμενος λέγε: το συνανέστημεν αύτω. έπεί εν καινότητι ζωής 
τινι περιπατεί IV, 210, 7 ff. 

Gedächtnisirrungen sind, wie das letztgenannte Beispiel 
zeigt, jedenfalls vorgekommen. Für eine ganze Reihe von 
Abweichungen scheinen sie die Ursache gewesen zu sein. 
Man wird namentlich dann zu dieser Erklärung greifen, wenn 
andere Zitate der betreffenden Stelle dem gewöhnlichen bzw. 
dem Athostext entsprechen: 

2, 15 μαρτυρουμένης 1 συμμαρτυρούσης L VIII, 77, 23 gegen 
L IV, 122, 2; Φ 56,4; 2,2$ om του νόμου ρ παραβάσεως 
Π, 228, 6, aber drei Zeilen später wird τοΰ νόμου bezeugt und 
ebenso 11,273,14; 111,38,12; 97,24; 6,12 αυτής 1 αύτοΰ ρ 
έπιθ-υμίας Π, 357,24 gegen L III, 277, 3; 7, 25 οο Χρίστου 
Ίησου Ι, 5, 1 gegen L XII, 33,13; Cat. II, 16,44,4; 8,18 
άποκαλύπτεσθ-αι 1 άποκαλυφθήναι (vgl. 1. Petr. 5, 1) Ι, 4, 4 gegen 
1,32,8; Cat. e P h 239,28; 10,8 om εστίν ρ ρήμα III, 153,21: 
IV, 312, 9 gegen εστίν σφόδρα 11,356,29; IV, 48, 3; 72,26; 
vgl. auch die beiden Anspielungen III, 153, 22 f.; 15,19 θ-εοΰ 
1 Χρίστου Cat. cor 1,244,15,12 gegen 1,116,11; 16,26 και 
νυν φανερωθ-έντος 1 φανερωθ-έντος δε νυν IV, 273, 8 gegen 
Ι, 255, 18; IV, 111, 26; V, 305, 6; vgl. Ι, 131, 2; L XII, 351, 5: 
Φ 35, 18. 

8, 20 dürfte IV, 21, 23 f. durch Gedächtnisfehler verändert 
sein, das γαρ fehlt (s. o. S. 40) und an Stelle von έπ' έλπίδι 
findet sich die sonst unbekannte Variante τή έλπίδι. Daß 
Origenes sonst γαρ las, zeigen II, 14, 20 und 200, 30; έπ' wird, 
bezeugt: I, 9, 12; II, 14, 13. 21; 215, 4 f. Vielleicht steht τή 
a έλπίδι IV, 21, 23 f. und die einmal bezeugte Umstellung οο έπ* 
έλπίδι ύποτάξαντα Π, 14, 13 mit der Auslegung des Origenes 
in Zusammenhang, daß Gott der υποτάξας έπ 5 ελπίδι ist. 

Aber auch da, wo anderweitige Bezeugung bei Origenes 
fehlt, liegt es bisweilen nahe, an Gedächtnisfehler zu denken. 



46 Bauernfeind: Der Röraerbrieftext des Origenes. 

I, 11 ... 'ουδέν ούτως υποστηρίξει τον δίκαιον, ώς χάρισμα πνευ- 

ματικόν ' ,,ΐνα (om τι) μεταδώ υμίν χάρισμα πνευματικόν 
(statt tv> χάρισμα 6μΐν πνευματικόν) εις τό στηριχθήναι 
υμάς" φησιν δ απόστολος 5 L XII, 149, 2 ff. Wahrscheinlich 
glaubte Origenes im Augenblick, das Wort ,, χάρισμα 
πνευματικόν" stünde R 1, 11 genau so, wie er es eben 
genannt hat. Daß bei dem ganz veränderten Satzrhythmus 
τι wegfällt, ist nicht anders zu erwarten. 
5, 8. 7 ... 'Χριστιανοί' οι διδαχ-θ-έντες, δτι συνίστησι την έαυτοΰ 
άγάπην εις ήμας δ θ-εός, δτι έτι αμαρτωλών δντων ημών 
Χριστός υπέρ ημών άπέθ-ανε. καίτοι γε μόγις τις όπερ τοϋ 
δικαίου άποθανεΐται. υπέρ γαρ του άγαθ-οΰ . / 1,297,210. 
Der Cod. ν. d. G. liest dagegen mit allen anderen Zeugen 
(von der Form μόγις 1 μόλις abgesehen): „μόγις γαρ υπέρ 
δικαίου τις. Vielleicht wollte Origenes aber R 5, 7 gar nicht 
genau zitieren. 

II, 5 'δ απόστολος φησιν „αρ ουν και εν τω νΰν καιρώ λεΐμμα 

κατ 1 έκλογήν χάριτος γέγονεν' III, 35, 3 f. Alle sonstigen 
Zeugen, einschließlich der Athoshandschrift, lesen ούτως 
statt αρ. 

Ein seit der Entdeckung des Cod. v. d. G. oft genanntes 
Problem bringen die Worte εν 'Ρώμγ] 1, 7. Sie fehlen nach dem 
Scholion der Athoshandschrift bei Origenes ganz, auch Rufin 
scheint einen Text ohne die beiden Worte vor sich gehabt zu 
haben. „Gegen dieses Zeugnis kann eine vollständige An- 
führung von R 1, 1 — 7 ... in Tom. 19, 5 in Joh. . . . nicht auf- 
kommen" (Zahn S. 616 Excurs 1). Die Länge des Zitates stellt 
die Zuverlässigkeit in Frage, Origenes überließ es „gewiß seinem 
Schreiber". Wir werden, Zahn u. a. folgend, die betreffende 
Stelle — IV, 304, 25 — nicht als Gegeninstanz gegen das 
Scholion verwerten können. — Ein seit Griesbach (opusc. acad. 
I, 282) noch mehr verhandeltes Beispiel bietet 5, 14 mit „και 
επί τους μη άμαρτήσαντας" IV, 381, 9 und „έπι τους άμαρτή- 
σαντας" IV, 384, 22. Auch hier wird das erste — längere — 
Zitat eine Schreiberleistung sein. Wahrscheinlich dürfen wir 
auch die Varianten καθ-άπερ 1 καθ-ώς und πασαν 1 δλην 8, 36 
(Ι, 53, 7 f.) ähnlich beurteilen, nur daß der Schreiber, der in 
diesem Abschnitt die Zitate aus R 8 auszufüllen hatte, nicht 



II. Das Verhältnis des Codex v. d. Goltz usw. 47 

einen kirchlichen, sondern einen verwilderten Text benutzte. 
Möglich ist hier aber natürlich auch ein Gedächtnisfehler bei 
Origenes selbst, äußerst unwahrscheinlich dagegen wäre es, 
daß Origenes an eine den LXX zuwiderlaufende Sonderlesart 
gedacht hätte. 

e) Ernst zu nehmende Abweichungen. An 41 Stellen 
weicht der in Zitaten vertretene Text zweifellos von dem der 
Athoshandschrift ab. 7 mal handelt es sich dabei um den 
Gebrauch von Partikeln. 

δε steht statt eines γάρ d. Athoscodex: 
2, 14 L TV, 121, 23 (ausgelassen 1 wird die Partikel L VIII, 63, 2); 
in den Erläuterungen des Commentars dagegen wird γάρ 
bezeugt Φ 56, 1; Cat. I, 217, 10, 8. 

7, 14 II, 172, 20 gegen IV, 153, 4; L III, 105, 15; Φ 55, 28. 

8, 38 Cat. cor I, 233, 2, 36 gegen I, 53, 11. — 

Die 4 andern Partikaiabweichungen sind: 

1, 27 om οέ II, 387, 2. 

8, 32 γε 1 δε L III, 225, 15; L Χ, 381, 25. 

6, 4 γάρ 1 oöv Ι, 190, 19; L III, 376, 7; IV, 210, 7 ; an der letzten 

Stelle sind vielleicht stilistische Gründe maßgebend. 
5, 7 add γάρ a του άγαθ-οΰ I, 297, 24. 
2 mal sind Pronomina verändert: 

2, 14 οι τοιούτοι 1 ούτοι L IV, 121, 24 gegen Φ 56, 2. 

3, 25 αύτοΰ 1 έαυτοϋ L III, 167, 7; auch IV, 27, 30, hier jedoch 

in der Umstellung ^ αϊματι αύτοΰ. 
Eine Präposition wird vertauscht: 

2, 16 εν Χριστώ Ίησοΰ 1 διά Ίησου Χρίστου IV, 104, 26. 

Verbalformen weichen in folgenden Fällen ab: 

3, 31 ίστάνομεν 1 ισταμεν IV, 242, 7. 

5, 3 καυχώμενοι 1 καυχώμεθ-α Ι, 39, 2; L XII, 93, 10. 

8, 26 προσευξόμεθ-α 1 προσευξώμε^α Π, 332, 21; Cat. Π, 18, 

48, 6 (s. ο. S. 34). 
8,35 χωρίσει 1 χωρίσ^ Ι, 53, 5; L III, 309, 7; L XII, 106, 8 

gegen L III, 264, 7. 
11,4 κατέλιπον 1 κατέλειπον ΠΙ, 35, 1; V, 318^2. 
8, 22 στενάζει 1 συστενάζει IV, 21, 22; Comm. in prov. (Tischdf. 

96, 19). 

1 Jedoch nur aus stilistischen Gründen. 



48 Bauernfeind: Der Rönierbrieftext des Origenes. 

2 Vertäu schlingen von Synonymen sind zu nennen: 

7, 25 χάρις τω θ-εώ 1 ευχαριστώ τω θ-εώ Ι, 5, 1 gegen L XII, 

33,13: Cat.II, 16,44,4. 

8, 13 της σαρκός 1 τοΰ σώματος III, 55, 16; L VIII, 51, 18 (doch 

vgl. Lommatzsch ζ. Stelle) gegen 11,156,7; 188,28; 
203, 4; 328, 10; ΠΙ, 188, 29; L XIV, 27, 26; Cat. I, 361, 
26,17; Cat. C01> I, 237, 8, 29 f. 

3 mal ist der Gebrauch des Artikels verschieden: 

2, 13 add τοΰ a νόμου 2 Comm. in prov. (Tischdf. 80, 3: 106, 9; 

Mai 37). 

3, 30 om ό a θ-εός IV, 242, 5 (doch vgl. Preuschens Apparat). 
5, 13 add ή a αμαρτία IV, 381, 7 1 . 

Eine andere Wortstellung als der Athoscodex bieten: 
1, 1 csd Χρίστου Ίησοϋ IV, 64, 13; 304, 18. 

1, 19 ό θεός γαρ Ι, 244, 3; II, 72, 201, 73, 1 (Ι, 300, 27 beweist 

nichts). 
(Zu R 2, 16 Χριστώ Ιησού 1 ' Ιησού Χρίστου s. Seite 47.) 
[5, 15 οο Ίησοϋ Χρίστου 1 Χρίστου Ίησοϋ, siehe jedoch ο. S. 21.] 
8, 14 οο υιοί είσιν θ-εοΰ 1 υιοί θ-εοΰ είσίν Ι, 368, 22 Α und die 
Anspielungen Ι, 108, 5. 7 gegen Π, 139, 27; 1,368,21 Pat. Β. 
(Die anderen Varianten sind belanglos, s. S. 37 u. 75 Anm. 2). 

An sonstigen kleinen Veränderungen liegen vor: 
8, 15 άλλα 1 άλλ' Π, 347, 9 gegen Ι, 108, 11. 
14,21 κρέα 1 κρέας Π, 244,7. 
14, 23 8 1 το L III, 99, 5. 

Schließlich kommt eine ganze Eeihe von Einfügungen und 
Auslassungen in Betracht: 

2, 1 add κρίματι ρ γαρ L XIV, 204, 13. 

2, 5 om και a δικαιοκρισίας Ι, 341, 29; V, 203, 13 Pat; 214, 1 
Pat Η; Φ 253, 4 Α; Comm. in prov. (Tischdf. 93); Comm. 
in apoc. (T. IL 38, 40, 31) gegen ΠΙ, 183, 15 und die 
übrigen Handschriften aus V, 203, 13; 214, 1 sowie aus 
Φ 253,4 (vgl. L VIII, 314,6). 

5, 17 om της δωρεάς IV, 381, 12. 19 gegen IV, 384, 34; 

om της δικαιοσύνης IV, 381, 34 gegen IV, 381, 12. 19. 

1 Man wäre geneigt, liier einen zweiten Fehler des Schreibers 
,vgl. o. S. 46) zu suchen, wenn nicht die Handschrift 62 das ή gleich- 
falls läse, obschon sie 5, 14 kein μή bietet (vgl. o. S. 19 Anm. 1). 



Ι Γ, Das Verhältnis des Codex ν. d. Goltz usw. 49 

7, 3 add ή γυνή ρ χρηματίσει L III, 321, 11 gegen L III, 135, 27 ; 

329,1.9; IV, 232,20. 

8, 11 add και a τα L III, 277, 10; L XI, 391, 14 gegen L IV, 

146,11; LXI, 387,21. 
8, 15 ora πάλιν II, 347, 8; IV, 36, 29; 370, 27; Cat. p i' h 237, 19 

gegen I, 108,11; IV, 443, 5 Κ 
8, 28 add ό θ•εός ρ εις άγαθ-όν Φ 237, 17 (vgl. L XI, 447, 17); 

vgl. Π, 393, 2f.; IV, 357, 10 gegen Φ 227, 9; 229, 3. 11. 

10, 8 add ή γραφή ρ λέγει III, 153, 20; IV, 48, 2; 312, 9 gegen 

IV, 72,25 Μ 2 . 
10,8 om σφόδρα III, 153, 21 ff. gegen II, 356, 29; IV, 48, 3; 72,26; 
312,9. 

11.21 scheint dem Origenes zwischen έφείσατο und ουδέ σου 
das nicht ganz seltene μήπως geläufig gewesen zu sein; 
so oft er darauf anspielt, ergänzt er dort etwas: πόσω 
πλέον 111,26,11; 28,14; πόσω μάλλον 111,193,18; da 
eine eigenmächtige Ergänzung sich hier nicht so von selbst 
ergibt, wie Κ 11, 11 (s. o. S. 41), so muß man annehmen, 
daß έφείσατο und ουδέ in seinem gewohnten Text nicht 
ohne Verbindung nebeneinander standen. 

11.22 om θ-εοΰ^ ρ χρηστότης III, 156,29. 

1 1, 26 add και a αποστρέψει (Jes. 59, 20) L XII, 357, 16. 
16,25 om και το κήρυγμα Χρίστου Ίησοΰ IV, 111,25. 

Bei 17 von diesen 41 Abweichungen zeigt es sich, daß 
Origenes neben der abweichenden Lesart doch auch die des 
Cod. v. d. G. kannte: 2, 5. 14; 7, 3. 14. 25; 8, 11. 13f. 15 bis . 
28. 35. 38; 10, 8 bis und auch 5, 17 bis , jedoch hier läßt sich 
nur beweisen, daß Origenes της δωρεάς und της δικαιοσύνης 
gekannt hat, nicht aber, daß er einen Text kannte, der beide 
Genitive aneinanderfügte. Äußerst wahrscheinlich ist dies aber. 
— Es bleiben also 24 Fälle, in denen zunächst nur der Gegen- 
satz festgestellt werden kann. 

2. Auffällige Übereinstimmungen. Mit dem Athos- 
text stimmen folgende Schriftzitate des Origenes überein: 



1 L III, 258,20 fehlt πάλιν nur aus stilistischen Gründen. 

2 Die Rasur in Μ sollte natürlich Platz schaffen für die Worte 
η γραφή, die dort also ursprünglich nicht gestanden haben. 

Τ. Ώ. U. "23: Banernfeind. 4 



50 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

3, 2 (s. o. S. 13. 35). „πρώτοι γάρ εκείνοι έπιστεύθ-ησαν τά λόγια 
του θεοΰ" III, 116, 25; „. . . τά λόγια του θ•εοϋ, α πρώτον 1 
Ιουδαίοι έπιστεύθησαν". L III, 19, 17; „και γαρ πρώτοι 
Ιπιστεύθ-ησαν τά λόγια του θ-εοΰ" L IV, 102, 7 f., vgl. auch 
„. . . τους πρώτους πιστευθ-έντας τά λόγια του θ-εοΰ" 
L IV, 105, 25 f. und „αϊ γραφαί εκείνων ήσαν πρώται . έπιστεύ- 
θησαν τά λόγια του ■θ-εοϋ L XIII, 86, 23 ff. ; an allen diesen 
Stellen liegt die Textform der Athoshandschrift zugrunde: 
„πρώτοι γάρ έπιστεύθ-ησαν ..." Wörtlich genau findet sich 
diese Lesart sonst nirgends außer Ευσ., ähnliche Formen 
stehen in drei anderen Handschriften: „πρώτοι μεν γάρ 
έπιστεύθησαν" 6; „πρώτοι γάρ οτι έπιστεύθ-ησαν" 47 mg ; 
πρώτον γάρ έπιστεύθ'ησαν""67**. 

5, 7 μόγις 1 μόλις Ι, 297, 23 = Κ*. 

5,14 επί τους άμαρτήσαντας (om και a επί, om μή ρ τους) IV, 
384, 22 (gegen IV, 381, 9) == Rufins Übersetzung L Vi, 
339 ff. u. ö.; 67** d* codd *p Aug. Ambrstr. (nennt Tert, 
Vict. Af., Cypr.). 

5, 17 εν ενός 1 τω τοϋ ενός IV, 381, 10. 18 = 47 u. 14 Vul- 
gatahandschriften. 

5, 17 λαβόντες 1 λαμβάνοντες IV, 381, 20 (gegen IV, 381, 12; 
384, 35) entspricht dem Scholion der Athoshandschrift zu 
dieser Stelle = Q6 m s. 76. 256. 336. 477 vgl. λαμβόντες FG. 

7, 3 άρ 5 1 άρα IV, 232 19; L III, 135, 27; 136, 4. 

8, 11 om και ρ ζωοποιήσει L XI, 387, 21 (gegen L III, 277, 10; 

L XI, 391, 14) = tf Α 39. 47. 352. Μεθ- Επιφ. 

8, 35 χωρίση 1 χωρίσει L III, 264, 7 (gegen Ι, 53, 5; L III, 309, 7 ; 
L XII, 106, 7 s. ο. S. 47) — Α 272. 

10, 8 add σφόδρα a εν II, 356, 30; IV, 48, 3; 72, 26; 312, 9 
(gegen III, 153, 21 ff., doch s. ο. S. 45. 49) = 6. 47. 

14, 10 der Ausfall des γάρ in der Athoshandschrift spricht dafür, 
daß dieser Vers aus dem Origenescommentar, und zwar 
— wie die Notiz am Rande besagt — gerade aus dem 
ersten Satz eines neuen τόμος stammt. Origenes würde einen 

1 Dies zeitliche πρώτον hat mit dem an dieser Stelle gebräuch- 
lichen aufzählenden uichts zu tun; vielleicht zeigt es, daß dem 
Origenes auch die andere Form im Ohr lag. 



II. Das Verhältnis des Codex v. d. Goltz usw. 51 

Satz mit γαρ nicht an solche Stelle gerückt haben. Ob 
er es als störend selbst wegließ, oder ob er einen Text 
ohne γάρ schon vorfand, ist nicht zu entscheiden. Auch 
bei Rufin fehlt nam einmal (L VII, 358, 5). Sonst bezeugen 
nur 47 m - und 67 ** die Auslassung (Origenes II, 378, llf. 
beweist nichts). 

3. Vorläufiges Ergebnis. Man kann nicht sagen, daß 
der Überblick über das Verhältnis der Zitate zum Cod. v. d. G., 
so wie er sich bis jetzt darstellt, die Seite 36 aufgestellte Mög- 
lichkeit sehr stützt, vielleicht muß er sogar zu größerer Skepsis 
stimmen: die Unterschiede, wenn auch inhaltlich größtenteils be- 
langlos, gewinnen doch durch ihre Zahl einiges Gewicht; vor 
allem muß es auffallen, daß eine an Besonderheiten reiche 
Handschrift im ganzen Römerbrief nicht mehr als eine einzige 
— obendrein ganz gleichgültige — Lesart aufweist, die außer 
ihr lediglich Origenes bezeugt (7, 3). Auch der von einer ge- 
ringen Zahl anderer Codices begleiteten Gemeinsamkeiten sind 
nicht eben viele ! — Freilich treten diesen Erwägungen gleich 
wieder andere gegenüber: Daß die alttestamentlichen Zitate des 
Origenes längst nicht immer hexaplarischen Text bieten, ist all- 
gemein bekannt; warum sollte Origenes dann das Neue Testament 
gerade immer nur nach „seinem" Text zitieren? Die Zitate 
stammen ja zudem fast alle aus der Zeit, als Origenes den 
Römerbrief noch nicht commentiert und sich mit seinem Text 
noch nicht so eingehend beschäftigt hatte. Die hohe Zahl der 
Abweichungen darf also doch nicht so sehr überraschen. Und die 
Einzigartigkeiten unserer Handschrift liegen zum guten Teil 
gerade in den Kapiteln, deren Text nicht aus dem Römerbrief- 
commentar des Origenes entnommen ist (12, 16 f.; 13, 7, 9; 16, 17. 
18. 21 bis ), die anderen aber finden sich meist gerade an solchen 
Stellen, die von uns nicht mitOrigeneszitaten belegt werden können 
(3, 8f. ; 5, 18: 8, 1. IIA 12. 34 b ; 12, 2; 15, 7. 15). Schließlich 
hängt die geringe Zahl von „auffälligen" Übereinstimmungen 
damit zusammen, daß sowohl der Athostext wie die Zitate viele 
Lesarten enthalten, die als Urtext in Frage kommen oder als 
Urtext gelten müssen, obschon sie von nur wenigen Zeugen 
begleitet werden. AlsBeispiele seien genannt :R 11,22 άποτομία 2 
. . χρηστότης 2 1 άποτομίαν . . χρηστότητα III, 156, 28f. — NABCP 

4* 



ö 



52 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

6. 67 **. 258. 437. arm 1 ; R 12, 2 om υμών ρ νοός Η, 349, 3; 
L IV, 135, 16 = ABD * FG 47. 67 ** 505. Κλ af; R 14, 21 om 
ή σκανδαλίζεται ή άσθ-ενει Π, 244, 8; Rufin L VII, 378. 380; 
= N*AC6.67**. 285.437. rbo sy ρ Dam. Aug. Diese von wenigen, 
aber um so wertvolleren Codices begleiteten Lesarten sprechen 
sehr für den Wert sowohl der Zitate wie des Athostextes, aber 
als Beweismittel in unserer Frage kommen sie, eben weil sie 
wahrscheinlich ihre Grundlage im Urtext haben, kaum in Be- 
tracht, jedenfalls nicht entfernt so, wie die „falschen" Lesarten 
πρώτοι γαρ έπιστεύθ-ησαν 3, 2 uud μόγις 1 μόλις 5, 7. 

Wären alle Möglichkeiten der Untersuchung jetzt erschöpft, 
so müßte es gegenüber der Vorrede zu den paulinischen Briefen in 
unserer Handschrift mit einer wohlwollenden Neutralität sein Be- 
wenden haben. Aber es ist bisher noch nicht das Verhältnis 
berücksichtigt worden, in dem die aufgeführten Unterschiede 
zu den sonstigen neutestamentlichen Textzeugen stehen; von 
hier aus sind weitere Aufschlüsse sehr wohl möglich. Es bleibt 
die Möglichkeit zu erwägen, daß ein anderer Textzeuge die 
Abweichungen unserer Handschrift von Origenes nicht oder nur 
in geringerem Maße teilt und somit dem Origenes näher steht, 
oder aber daß sich Spuren eines dem Origenes näher stehenden 
Archetypus durch ihn finden ließen. Und es ist zweitens zu 
fragen, ob nicht die Abweichungen unserer Handschrift von den 
Zitaten durch Beziehungen zu einem bekannten Text oder einer 
bekannten Textgruppe erklärt werden können. Die Untersuchung 
der ersten Möglichkeit ist voranzustellen. Dazu sind besonders 
die Handschriften heranzuziehen, die nach v. Soden dem Cod. 
v. d. G. sehr ähnlich sind: 6, 47 und 67**. Für 47 hatte ja 
Corssen schon die Möglichkeit angedeutet, daß sie auf eine 
Zwischenstufe zwischen dem Origenescommentar und dem 
Cod. v. d. G. zurückgehen könnte: mit ähnlichen Verhältnissen 
scheint v. Soden für 6 zu rechnen, und 67 ** anders anzusehen, 
als diese beiden Handschriften, ist kein Anlaß. 



Statt χρηστότης steht bei Ν der Schreibfehler χρηστότατος. 



III. Die Ν. Τ.- Handschriften 6,47 und 67** usw. 53 

HL Die N. T.-Handschriften 6,47 und 67** in 
ihrem Verhältnis zum Codex v. d. Goltz. 

Überblick. Um einen vorläufigen Überblick über die 
Verwandtschaftsverhältnisse zu ermöglichen, sei im folgenden 
eine Liste derjenigen Lesarten aufgestellt, die der Cod. v. d. G. 
in den für uns in Frage kommenden Kapiteln mit nur ganz 
wenigen anderen Textzeugen teilt. Origenes ist dabei, wie 
bei v. Soden, mit „Ωρ" bzw. „Or" bezeichnet (vgl. auch v. d. G. 
S. 25. 32f.) 

3,2 πρώτοι γάρ έπιστεύ9•ησαν (vgl. Ωρ S. 35. 50); πρώτον γάρ έπίστεό- 
θησαν 67**; πρώτοι γάρ ότι έπιστεόθ-ησαν 47 ra g; πρώτοι, μεν γάρ έπιστεύ- 
■9•ησαν 6. Vgl. Ευσ. Αθ•.; 3, 8 οο ήμας τίνες 47 lat exc S Au ^- ; 3, 9 οο δφ' 
άμαρτίαν πάντας 47; 3, 12 om ούκ έ'στ:ν- Ωρ Β 6. 67**; 3, 25 έαυτοΰ 1 αΰτοΰ 1 
Β 47. 76: 3,31 ϊσταμεν 1 Εστάνομεν 6. 47 txt Apostoloslectionar 261; 4,1 
Olli ευρηκέναι Β 6. 47 txtl); 5,7 μόγις 1 μόλις Ωρ i$*; om γάρ 2 ρ υπέρ 
L 2. 32. 62. 18 lect arm; 5,14 έπ'ι τους άμαρτήσαντας (om καΐ ιι. επί) Ωρ 
67** d Or codd ap Aug. Ambrstr.; 5, 17 έν ενός 1 τω τοϋ" ενός 2ρ 47 
vtllg cpl^r.; 6, 16 οδ 1 ω a υπακούετε Ψ 47. 67** 469; om είς θ-άνατον Dd r 3 
vulg AG sa S y Ρ Or; 7, 3 άρ' 1 αρα Ωρ; 7, 25 add μου ρ νοί 47; 8, 1 Olli 
τοις a έν 67** g Praedestinatus lib 3,14; 8,11 om έκ νεκρών 1 47.67** 
d Tert (res 46) Μεθ•. (res 62,7); om και a τά θνητά Ωρ Κ Α 39. 352. 47. 
Μεθ•. Επιφ ; 8,24 τις και 1 τις τί και Ν* 47 txt J20 (vgl. τίς 1 τις τί και, 
Β* 47 mg u. das παλαιόν); υπομένει 1 ελπίζει ^ *Α 47 mg 120 c . Ωρ u. 
das Scholion des Cod. v. d. Goltz; 8,28 γάρ 1 δε 6. 9. 47. 48. 67**; 
8.32 δέίγε 47. 366; 8,35 χωρίαη 1 χωρίσει Ωρ Α 272; 10,8 add σφόδρα 
a έν 1 Ωρ 6. 47; 11,25 om παρ' FGW 47. 67** lat exc °f; 12,2 om κα'ι 
47 txt 67** d* (+ d' 2 ) gue gotll Χρ Κλ; 12,3 έμέτρησεν 1 έμέρισεν 47* (?) 
252. (?) 253; 12,14 om υμάς Β 47. 67** Κλ vulg AQ*H* ; 14,10 om γάρ 
47mg 67**; 14,21 κρέας 1 κρέα D*> 37. 469; 16,25 οο Χρίστου Ίησοΰ Β. 

Die Handschrift 6 (Paris Nat. Gr. 112) stammt nach 
Gregory und v. Soden aus dem 13., nach J. Ρ. P. Martin, der 
bisher die genaueste Beschreibung 2 gab, aus dem 11. Jahr- 
hundert. Sie wurde benutzt von Estienne 1550 (unter dem 
Zeichen ε') und von v. Soden (unter dem Zeichen δ 356). 
Estienne gibt nur wenige Varianten, aber auch v. Soden hat 
leider nur eine „cursorische" Collation anfertigen lassen (vgl. 
Textband S. XIV), d. h. im allgemeinen werden nur die Stellen 



1 Nicht Chrysostomus s. Zahn S. 213 Anm. 28. 

2 Description technique des manuscripts grecs relatifs au Ν. T. 
oonserves dans les bibliotheques de Paris. Paris 1884 S. 20. 



54 Bauernfeind: Der Röinerbrieftext des Origenes. 

genau beobachtet worden sein, die in v. Sodens Vordruck 
(s. o. S. 18) durch interlineare Notizen kenntlich gemacht 
sind. Wahrscheinlich würde diese Handschrift auf der Liste 
vor. Seite häufiger vorkommen, wenn alle Eigentümlichkeiten 
notiert worden wären. Estiennes spärliche Notierungen stehen 
nur in wenigen gleich zu nennenden Fällen in Widerspruch 
zu v. Soden: 

3, 27 führt v. Soden als einzigen Zeugen für om ουν die 
Handschrift J"b2§356 an . i m Untersuchungsband gehört die 
Handschrift δ 356 — wie α 78 — der Gruppe J h an, die 
irreführende Bezeichnung könnte dort ihren Grund haben, es 
wäre dann hier — so wie jedenfalls 5, 17 — .£Γδ356 gemeint. 
Da aber Estienne schweigt, nehmen wir an, es sei J" c2365 ge- 
meint. 8, 28 schreibt Estienne dieser Handschrift die Lesart 
add Χρίστου ρ ήμας zu. ν. Soden nennt δ 356 nicht, sondern 
statt dessen δ 453 (= 5 = Estiennes δ'). Estienne, der nur 
einen Zeugen nennt, wird ε ' und δ ' verwechselt haben. 1 0, 5 
fehlt nach Estienne αυτά nach ποιήσας, nach v. Soden nicht. 
Eine Entscheidung ist unmöglich. 

Die Handschrift 47 (Oxford, Bodl. Roe 16, bei v. Soden 
Ο π103 ) stammt aus dem 11. Jahrhundert. Ihr Text ist aus 
Tregelles Ausgabe des Ν. T. zu ersehen. Die Abschrift des 
Apparates (v. d. G. S. 31 Anm. 1) durch Lake liegt mir vor, 
außerdem ist der Apparat großenteils durch Tregelles und 
stückweise auch durch Griesbach, Symb. crit. II, 155 ff., mit- 
geteilt 1 . Im übrigen vgl. S. 3f. 

Die Handschrift 67 (Wien, Kaiserliche Bibliothek, Graeci 
Theologi 302) ist zwischen 1064 und 1068 geschrieben (Gregory), 
auch die für uns wichtigen Correcturen (67**) gelten als alt. 
Die Lesarten der Handschrift wie der Correcturen sind voll- 
zählig aufgeführt bei Franciscus Carolus Alter: Novum Testa- 
mentum ad Codicem Vindobonensem graece expressumvarietatem 
lectionis addidit . . . Wien 1786, Bd. 2, S. 465 ff. Westcott-Hort 
heben 67** sowie auch 47 aus der Masse der Minuskeln 
besonders hervor. 

47 besitzt im Römerbrief einen Apparat von auffallender 
Ähnlichkeit mit dem des Cod. v. d. G., 6 und 67** dagegen 

1 Corssen hat (a. a. 0. S. 678) diese Angaben wohl übersehen. 



III. Die Ν. T.-Handschriften 6,47 und 67** usw. 55 

besitzen keinen solchen Apparat und zeigen auch in ihrem 
Text nicht eine Spur von Verwandtschaft mit dem Apparat 
der Athoshandschrift. 47 zeigt außerhalb des Römerbriefs weder 
im Text noch im Apparat ein besonders nahes 1 Verhältnis 
zur Athoshandschrift, 6 und 67** gehen auch anderwärts oft 
mit ihr allein. 47 stellt demnach seine besonderen Aufgaben, 
namentlich durch den Apparat. 

A. Die Handschrift 47. 

1. Der Apparat. Vier Randbemerkungen stimmen fast 
genau mit denen der Athoshandschrift überein (vgl. v. d. G. 
S. 81. 53. 57. 59): 

47: Codex v. d. Goltz: 

I, 7 το εν £ώμη ούτε έν τη εξηγήσει τοΰ" έν ρώμηι ούτε εν τη εξηγήσει 

ούτε έν τω £ητψ μνημονεύει. ούτε έν τφ έητώ μνημονεύει. 

8, 24 \zJ υπομένει υπομένει 

το δε πα το δε έμδν το παλαιόν 

λαιδν oö ούτως έχει ■ δ γαρ 

τως έχει βλέπει τις ελπίζει, 

δ yoip βλέ 
πει τίς 
ελπίζει. 

9, 23 γρ χωρίς τοΰ καΐ γ έν τώι προειρημένωι τρίτωι στρω- 

ματεΐ δίχατοΰ καΙπαρέθετοτό|5ητόν. 

II, 8 πού" γέγραπται αύταϊς λέξεσιν ωργ που γέγραπται το έγκείμενον 

ούχ ευρηται. ρητδν έγώ μεν αύταΐς λέξεσιν ούχ 

ευρον ' δ δέ έμοδ έπιμελέστερον 
έντυγχανων εΐ εοροι δηλωσάτω. 

Achtmal entspricht eine Randbemerkung der Oxforder Hand- 
schrift (47 mg ) dem Text des Cod. v. d. Goltz (die wichtigsten 
Begleitzeugen sind mitgenannt, Κ bedeutet — wie bei v. Soden — 
die Masse der späteren Minuskeln): 

2, 13 47 txt add τοΰ a νόμου 1 MpJT, 47 m s γρ νδμου tfABDG; 2, 14 47 txt 
ποιη a ούτοι Κ, 47 m s γρ ποιώσι fc<AB 67** Ωρ u. a.; 2, 29 47 txt έν πνεύματι 
ob γράμματι 2 -*- (om ου-θ-εοΰ) Xp, 47 m S add οδ δ έπαινος ουκ έξ ανθρώπων 
αλλ' έκ τοΰ θ-εοΰ Ωρ u. alle anderen Zeugen; 3, 2 47 txt % πρώτον μέν γάρ 



1 Man erkennt das, wenn man die Angaben bei v. d. Goltz 
S. 25—31 nach v. Sodens Apparat ergänzt; nur Phil. 4, 23; Kol. 1,18 
und Hebr. 9, 3 ist beiden Handschriften eine seltene Lesart gemeinsam. 

2 Lake schreibt — gewiß aus Versehen — γράμμασι. 



56 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

δτι έπιστεύθ-ησαν mit den meisten Zeugen, 47 m % Χ πρώτοι γάρ δχι έπιστεύ- 
θ-ησαν entspricht, von dem ein geschobenen δτι abgesehen, dem Athostext; 
8,6 47 txt το δε φρόνημα ohne Nebenzeugen, 47 m S γρ τό γάρ φρόνημα 
mit allen andern Zeugen; 11,27 47 txt τάς ανομίας αυτών (vgl. iuiquitates 
Η iL tr XI), 47 m s αμαρτίας mit allen anderen. Dazu kommen noch zwei 
nur von Tregelles notierte, vielleicht also nicht in Semiunciale, sondern 
in Miuuskelschrift geschriebene Glossen: 

9,20 47txt πλάσματα 1 πλάσαντι (Schreibfehler ohne sonstige Be- 
zeugung), 47 m £ oder c - πλάσαντι mit allen andern Zeugen; 14,10 47 txt 
τον άδελφόν σου (om πάντες — θ-εοΰ) ohne Nebenzeugen, 47 m S add πάντες 
(om γάρ) παραστησόμεθ-α τω βήματι τοΰ θ-εοΰ = 67 **. Nahe Verwandtschaft 
zur Athoshandschrift ist nur 3, 2 und 14, 10 festzustellen, daß auch 
an den anderen Stellen ein Zusammenhang mit dem Cod. v. d. G. 
besteht, ist aber immerhin möglich. 

In vollem Gegensatz zur Athoshandschrift jedoch stehen: 

8,1 sowohl der Text wie die Randbemerkung: 47 txt ουδέν 
άρα vöv κατάκριμα τοις εν Χριστψ Ίησοΰ" == i<*BCD*FG 67** 177 d*g 
sa Αθ• Ku Or Aug [Cod. v. d. G. om τοις], 47 m s γρ ουδέν άρα (om νδν) 
κατάκριμα τοις iv Χριστώ Ίησοΰ μη κατά σάρκα περιπατοΰσιν άλλα κατά 
πνεδμα ohne Nebenzeugen 1 ; 9,28 liegt es ebenso, falls Lake richtig 
abgeschrieben hat: 47 txt λόγον γάρ άποτελών και άποτέμνων (om έν — 
άποτετμημένον) ποιήσει κύριος έπ'ι της γης ohne Nebenzeugen, 47 m S γρ . . . 
και άποτέμνων έν δικαιοσύνη δτι λόγον άποτετμημένον ποιήσει ν.ύριος επί της 
γης ohne Nebenzeugen. Ist dagegen Tregelles im Recht, der das 
einzigartige άπο- überall durch das gewohnte συν- ersetzt, so entspricht 
47^t der Athoshandschrift und RA Β 6. 67** 329. 377 syPEtw. Aug., 
47 m s dem byzantinischen Text. 

Die übrigen Glossen stellen sich sämtlich in Gegensatz 
zu einer dem Cod. v. d. G. entsprechenden Lesart des Textes 
von 47: 

3,22 47 txt πάντας τους πιστεύοντας tf*ABCPW 6. 67** al 9 Ωρ in 
freiem Zitat L XII, 64, 8 u. a., 47 m s add καΐ έπ'ι πάντας Κ (von Lake 
nicht abgeschrieben, also vielleicht in Minuskelschrift); 3,30 47 txt 
εΐπερ K*ABCDc 5. 6. 31. 80. 137. 190. 252. 259. 285. 424. 437. 1319. 2127 
Κλ Διδ Κυ, 47 m s έπείπερ Κ; 3, 31 47 txt ϊσταμεν 6 Ap.-Lect. 261, 47 m e γρ 
ϊστωμεν Κ (Ωρ IV, 242, 7 ίστάνομεν); 4,1 47 txt om εύρηκέναι Β 6, 47 m & 
γρ ευρηκέναι Κ; 5,17 47 txt έν Ινός a παραπτώματι Ωρ IV, 381, 10. 18 vulg 
cplur ? 47 m S γρ et γάρ τψ τοΰ Ινός παραπτώματι Κ (έν ένί AFGfg; έν τφ 
ένί D); 6, 11 47 txt ούτως και ύμεΐς Ωρ Cat. Ι, 366, 31, 19 und alle anderen 
Zeugen, 47 m s γρ οοτως ούν και ύμεϊς ohne Nebenzeugeu; 6,11 47 txt 
έν Χριστψ Ίησοΰ (ohne Zusatz) ABDFG 177. 179. 437. lat &™ omn sy h 



1 D. h. kein anderer Zeuge teilt gleichzeitig die Auslassung 
des vöv und den Zusatz: μη κατά κτλ. 



III. Die Ν. Τ. -Handschriften 6,47 und 67** usw. 57 

Tert Βασ θδτ Κυ, 47 m S γρ τφ κυρίφ ημών i^c J{ ; 6, 16 47 txt οδ υπακούετε 
Φ 67**469, 47 m s γρ φ υπακούετε alle anderen Zeugen; 8,27 47 txt 
έντυγχάνει υπέρ αγίων Ωρ II, 332, 24; IV, 229, 16 und fast alle anderen 
Zeugen, 47 m & γρ έντυγχάνει υπέρ ήμίδν 17. 32. 238. 252. 2143; 9,20 
47 txt ~ ώ άνθρωπε μενοΰνγε tf*AB (οηι γε) 9. 37. 116. 258. 285. 437; 
nach d. Scholion d. Athoshandschrift auch Origenes in den Stromateis 
und das παλαιόν, 47 m S γρ μενοΰνγε ώ άνθ-ρωπε Ωρ V, 206, 3; 235, 13; 239, 9; 
240, 4 Κ; 9, 82 47 txt άλλ' ώς εξ έργων προσέκοψαν τφ λίθω tf*ABFG 6 g 
vulg cplur ? 47 m S αλλ' ώς έξ έργων νόμου ■ προσέκοψαν γάρ τφ λίθ-φ Κ', 

10.1 47 tx * υπέρ αυτών tf*ABDFG 6. 71. 74. 136. 190. 259. 338. 1319. 
2127. 12 lect dfgDam., 47 m s γρ υπέρ του 'Ισραήλ εστίν Κ; 10,3 47 txt και 
τήν Ιδίαν ζητοΰντες στήσαι ABD 9. 178. 285. 437. 8l<?ct, 47 m S γρ δικαιοσύνην 
iiFGX; 10,15 47 txt πόδες των εύαγγελ-.ζομένων αγαθά Ωρ IV, 14,6 
Χ ABC al, 47 m n γρ τών ευαγγελισμένων είρήνην τών ευαγγελισμένων τά 
άγαθ•ά Κ; 10,17 47 txt δια ρήματος Χρίστου fc**BC6. 67** 9. 23. 31. 49. 
57. 285. 437 lat arm, 47 m 8' θεού APA': 11, β f 47 ω ή χάρις ούκέτι 
γίνεται χάρις Χ τί ούν tf*ACDFGP 285. 336. 437 lat arm al, 47 m s * εί 
δέ έξ έργων ουκ έστιν χάρις, έπεί το έργον ουκ έστιν 'έργον (so Lake) ohne 
.Nebenzeugen (nach Tregelles ούκέτι 1 ού, entsprechend Κ. Diese 
Glosse ist nach LaUe in Minuskelschrift geschrieben) ; 11,21 47 txt ουδέ 
σοΰ φείσεται «ABC 6. 67**. 80. 259. 285. 338. 424. 437. 1319. 2127, 47 m §: 
γρ μήπως ουδέ σου φείσεται ΰΡβΨ Κ (vgl. Origenes III, 26,11; 28,15; 
193,18); 12,1 47 ίχί λογικήν mit allen andern Zeugen, 47^καλήν ohne 
Nebenzeugen (nur von Tregelles notiert, also wohl in Minuskelschrift); 

12.2 47 txt μή συσχηματίζεσθ-ε 67** Xpd*(+d 2 ) gue goth. 47 m & γρ κα'ι 
μή mit allen andern Zeugen; 12,5 47 txt τό δέ καθ•' είς tf*ABD*FGP6. 
259. 285. 437. 1319, 47 ™ζ δ δέ. Zwei nur von Lake notierte Glossen 
geben Zitate an: zu R 3, 4 „ψαλ Ν" und zu R 10,5 „b£uxepovo\iiou και 
εζηκιελ"; schließlich meldet Tregelles noch eine auslegende Glosse 
zu R 14,14 (κοινόν δι αύτοΰ) „τουτέστιν τοΰ θ•εοΰ'\ 

Zwei der Glossen dieser letzten Gruppe sind einzig- 
artig (6, ll a ; 12, 1), eine schwach bezeugt (8, 27), alle 
anderen dagegen entsprechen dem späteren kirchlichen 
Text bzw. sind fast durchgehend bezeugt! Übereinstimmung 
mit Origeneszitaten ist nur zweimal festzustellen (9, 20; 
1-1, 21), und zwar beidemal unter Beistimmung von K. — 67** 
stimmt mit keiner dieser vom Athostext abweichenden 
Glossen überein, 6 nur mit einer Anzahl 1 und nur unter Zu- 
stimmung von K. Der Gedanke, daß von diesem Tatbestand 



1 Immer dann, wenn nicht das Gegenteil gesagt wird. Doch 
steht ja die Lesart 6 wegen der nur cursorischen Vergleichung häufig 
nicht fest. 



58 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

aus Rückschlüsse auf einen vielleicht existierenden Vorfahren 
des Athoscodex gezogen werden könnten, fällt völlig hin 1 . 

2. Der Text. 47 txt steht dem Athoscodex weit näher, 
als die Glossen; in den ersten 12 Kapiteln finden sich nur 
63 Abweichungen (in Kap. 13 — 16 ebenso viele). 

In folgenden Fällen lassen sich die Abweichungen durch 
Origeneszitate belegen : 

2,13 add τοΰ a νόμου 2 Comm. in prov. (Tischdf. 80,3; 106,9; 
Mai 37); 6,11 ~ νεκρούς μεν είναι Cat. Ι, 366,31,19; 8,26 προσευξόμεθ•α 
1 -ώμεθα II, 332,21; Cat. II, 18,48,6 Cod. V; 8,35 χωρίσει 1 χωρίσ -fl 
Ι, 53,5; L III, 309,7; L XII, 106,8 gegen L III, 264,7; 11,4 κατέλιπον 
1 -λειπον III, 53, 4; V, 318, 2; 13, 14 add Χριστόν ρ Ίησοΰν Cat. eph. 
570,33,4; 14, 9 ~ και νεκρών και ζώντων Ι, 187,22; IV, 144,23; 361,32; 
14, 21 κρέα 1 κρέας Π, 244, 7. (Zu 2, 14 ποιη 1 ποιώσιν Cat. Ι, 217, 10, 8, 
Cod. V s. ο. S. 29.) 

An allen diesen Stellen handelt es sich um eine Lesart, 
die entweder überall verbreitet ist, also nur zu einer schwach 
bezeugten Sonderlesart in Gegensatz steht, oder um eine Eigen- 
tümlichkeit der -ST-Recension (11, 4 verteilen sich die ÜT-Zeugen 
ziemlich gleichmäßig auf beide Formen). Daß 47 txt irgend- 
welche besonderen Beziehungen zu Origenes aufwiese — ab- 
gesehen von denen, die auch der Athoscodex hat, — läßt sich 
aus diesen Stellen ganz gewiß nicht entnehmen. Es ist im 
Gegenteil eine recht erhebliche Anzahl von Stellen zu ver- 
zeichnen, an denen 47 sowohl von dem Athoscodex wie auch 
von dem Text der uns erhaltenen Origeneszitate abweicht: 

1,16 add τοδ Χρίστου ρ εΰαγγέλιον Κ; 1,18 om θ-εοΰ ρ οργή, sonst 
nur bei Marcion, hier wohl Versehen ; 2, 7 add γαρ ρ μεν ohne weitere 
Zeugen; 2,8 add μεν ρ απειθ-οΰσι Κ; 3,25 add έν τω νΰν αίώνι ρ πάρεσιν 
(vgl. έν τω νυν καφω ρ δικαιοσύνης αΰτοΰ 505, beides aus 3, 26); 3, 12 add 
ούκ έστιν 2 mit fast allen Zeugen; 5, 7 μόλις 1 μόγις mit fast allen Zeugen; 
5,14 κα'ι έπί τους μη άμαρτήσαντας mit fast allen Zeugen S. 0. S. 46; 
5, 17 βασιλεύουσι 1 -σουσι Ρ 1. 6. 17. 131. 136. 211. 221. 279. 315. 
366. 377. Χρ.; 7,3 αρα a oöv mit allen anderen Zeugen; 7, 12 
θ-αυμαστή 1 άγαθ•ή ohne Nebenzeugen; 8, 21 om από a της ebenso 

1 Aus welchem if-Zeugen 47 die Lesarten entnommen hat, kann 
hier nicht untersucht werden, v. Soden I, 695,6 denkt an Chrysostomus. 
Jedoch einige der Eandlesarten sind nicht aus Chrysostomus zu be- 
legen: 2,13 om τοΰ a νόμου 1 ; 2,14 ποιώσι 1 ποιη; 6,11 add οΰν ρ ούτως; 
8, 27 ημών 1 αγίων; 9, 28 άποτελών . . . άποτέμνων 1 συντελών . . . συντέμνουν; 
12, 1 καλήν 1 λογικήν. 



III. Die Ν. T.-Handschriften 6,47 und 67** usw. 59 

ohne Nebenzeugen; 9,14 ora ούν ρ, τι ebenso; 11,22 άποτομίαν 2 
• • • χρηστότητα 2 ] άποτομία 2 . . . χρηστότης 2 Κ; 18,1 add εξουσία-. 
ρ ούσαι Κ; add τοΰ a θεοϋ Κ; 13, 7 »ν. φόρον . . . τέλος mit 
allen anderen Zeugen; 13,8 co αγαπάν αλλήλους LW 17. 360; 13,9 add 
ob φονεύσεις ρ μοιχεύσεις mit fast allen anderen Zeugen; ~ τούτω τφ 
λόγω Κ; εαυτόν 1 σεαυτάν FGLW 1Γ 11:13 ; 13,12 και ένδυσώμεθα 1 
ένδυσώμεθ-α δέ Κ; 14, 1 λογισμών 1 διαλογισμών 37. 190 U. ca. 20 Minuskeln : 
14,9 "">- καΐ άπέθανεν και ανέστη καΐ έζησεν Κ; 14,21 add ή σκανδαλί- 
ζεται ή άσθ-ενεΐ ρ προσκόπτει Κ; 16, 25 add κήρυγμα Ίησοΰ Χρίστου mit 
allen anderen Zeugen (Β: Χριστοί) Ίησοΰ); 16,27 add αμήν mit fast 
allen anderen Zeugen. 

Hierzu kommt nocli die Stellung der Doxologie, die in der Ox- 
torder Handschrift schon auf 14, 23 folgt, ferner sind die Abweichungen 
zu nennen, die am Rande durch die Lesarten der Athoshandschrift 
ersetzt werden, s. o. S. 55 f. 

Die übrigen Abweichungen, deren Text nicht aus Origenes- 
zitaten zu belegen ist, sind, ganz wie die bisher genannten, 
meist K- oder Sonderlesarten. 

Der ÜT-Recension oder aber einer noch umfassenderen 
Zeugenmenge entsprechen : 

1,8 υπέρ 1 περί; 1,29 add πορνεία a πονηρία; 1,31 add άσπονδους 
ρ άστοργους; 2,17 εί δέ 1 "ίδε (nach Tregelles: 47 2 ); 3,3* «>o την πίστιν 
τοΰ θεοΰ; 3,25 add της a πίστεως: 4,2 add τοΰ a θεοΰ; 4, 8 φ 1 ου; 
4,19 add ου a κατενόησεν; 5,11 add Χρίστου ρ Ίησοΰ; 5,21 βασιλεύσει 
1 βασιλεύση; 7,13 γέγονεν 1 έγένετο (nach Wetstein nicht); 8,1 add τοις 
a iv; 8, 2 με 1 σε; 8, 34* add έστιν εν δεξιφ τοΰ θ-εοΰ δς; 9, 15 Μωυαη 
1 Μωσεΐ; 9,29 έγκατέλιπεν 1 Ιγκατέλειπεν (d. iT-Zeugen sind hier geteilt); 
10,5 'ν* δτι ρ νόμου; 10,14 πιστεύσουσιν 1 πιστεϋσωσιν; 10,15 κηρύξουσιν 
1 κηρύξωσιν; 10,19 Μωυσής 1 Μωσής; επί 1 έπ°; 11,23 έπιμενωσιν; 12,16* 
το αυτό 1 τα αυτά; 12,17* αποδίδοντες 1 άνταποδίδοντες, — (nach Wet- 
stein auch add των a ανθρώπων); 12,2) εάν ούν 1 άλλ'έάν; 13,3 των 
αγαθών έργων . . . κακών 1 τω άγαθφ etc.; 13,11 'ν. ημάς ήδη; 14,4 
add έστιν ρ δυνατός; 14,6 add κα'ι δ μη φρονών etc. ρ φρονεί; 14,8 
άποθνήσκομεν 1 άποθνήσκωμεν 1 u. 2 ; 14,12 add ούν ρ άρα; add in fine τφ 
θεφ; 14,13 είς 1 ή: 14,15 δέ 1 γαρ; 14,18 τούτοις 1 τούτω; 15,3 add 
ό a Χριστός; 15, 4 προεγράφη 1 έγράφη; 15,7 ημάς 1 υμάς (die Ιί -Zeugen 
sind geteilt); *om την a δόξαν; 15,8 add Ίησοΰν ρΧριστόν; γεγενήσ9-αι 
1 γενέσθαι ; 15, 14 add μου ρ αδελφοί; om της a γνώσεως; 15, 15* «"ν> έγραψα 
ύμίν; add αδελφοί ρ υμίν; 15,24 έάν 1 αν; διαπορευόμενος 1 πορευόμενος; 
15, 32 έλθω 1 έλθών, add κα'ι ρ θεοΰ; 15, 33 add in fine αμήν; 16, δ 'Αχαίας 
1 Ασίας; 16,6 Μαρίαμ 1 Μαρίαν ; 16,7 γεγόνασιν 1 γέγοναν; 16,8 Άμπλίαν 
1 Άμπλίατον (= der Correctur der Athoshandschrift); 16,14 Έρμάν 1 
Έρμήν; 16, 16 om πάσαι ρ έκκλησίαι; 16, 17* add τά a σκάνδαλα; έκκλίνατε 
Ι έκκλίνετε; 16, 18* τφ κυρίφ ημών Ίησοΰ Χριστφ 1 τφ Χριστφ ημών; 16, 21* 



60 Β auerufe in d: Der Römerbrieftext des Origenes. 

ασπάζονται, 1 ασπάζεται; συνεργός μου ] συνεργών; 16,23 •ν< εκκλησίας όλης; 
16, 24 ist vorhanden, während in der Athoshand schritt v. 25 an v. 23 
anschließt; 16,26* ύπακοήν 1 υποταγήν. 

* An den mit * bezeichneten Stellen liegt eine Einzigartigkeit 
der Atliosliandschrift vor. — 

Einzigartigkeiten der Oxforder Handschrift sind: 

3,3 καταργεί 1 καταργήσει; 4,16 OUl τφ a έκ πίστεως; 6,14 αλλά 

υπο 
κατά 1 άλλ' ΰπό; 9,27 ύποκατάλειμμα 1 κατάλειμμα; 14,10 τις ε! δ κρίνων 
1 τί κρίνεις; 14,13 μη ετι 1 μηκέτΐ; 16,21 om κα'ι 'Ιάσων. 

Was schließlicli an Abweichungen vom Cod. v. d. G. noch 
übrig bleibt, sind Lesarten von auffälliger, aber recht ver- 
schiedenartiger Bezeugung: 

3,1 ora ή ωφέλεια N*G 5. 35. 190. 272. 336. 425; 3, 29 μόνων 1 μόνον 
Β 2. 35. 126. 221. 270. 271. 362. 377. ΚλΑθ-ΚυΧρ; 4,11 βίς δικαιοσυνην 
1 την δικαιοσυνην Α 32. 114. 124. 273. 1319 Κυ; 6,8 συνζήσομεν 1 συζή- 
σωμεν tf*AB*DL 17. 31. 37. 39. 46. 71. 74 u. a.: 8,26 add υπέρ ή>ων 
a ΰπερεντυγχάνει entspricht Rufius Übersetzung des Römerbriefcoramen- 
tars L Vir, 113,8, aber nicht L VII, 114,18; 115,17; 119,16; 132,16; 
137,12; 11,10 σύγκαψον 1 σύγκαμψον 7. 26. 32. 39. 44. 63 * * 72. 114. 
115. 116. 251. 252; 13,11 ύπνους 1 ύπνου FG; 14,6 om και a δ έσθ-ίων 
120. 190; 14,11 κυρίω 1 θ-εφ 446. 469 vulg K*EWcdem syr harcl text ; 
14,18 κυρίφ 1 Χριστψ 252. 2143; 16,1 add και ρ ουσαν tf c BC* 285. 302. 

Die Übereinstimmung mit Rufin (8,26) darf nicht zu über- 
eilter Annahme eines Zusammenhangs verleiten, sie ist die ein- 
zige ihrer Art und trifft nur das vorangestellte Textwort bei 
Rufin. Die übrigen Lesarten lassen erst recht keinerlei Rück- 
schlüsse auf Origenes zu. Daß dasselbe von allen vorher ge- 
nannten Abweichungen gilt, hat die Untersuchung ergeben, wir 
müssen also vom ganzen Römerbrief der Oxforder Handschrift 
feststellen, daß die seit lange beobachtete Verwandtschaft mit 
Origenes der des Cod. v. d. Goltz unterlegen ist. 

3. Ergebnis. Es fragt' sich, ob irgend etwas gegen die 
Annahme unmittelbarer Abhängigkeit der Oxforder Handschrift 
vom Cod. v. d. G. spricht. Corssen nannte die Stellung der 
Doxologie. Sie zeigt aber nur, daß die Athoshandschrift für 
47 nicht die einzige Vorlage war — das steht jedoch ohnehin 
fest. Daß auch die dem Cod. v. d. G. fremden Marginalien 
größtenteils in seiner Semiunciale geschrieben sind, ist natürlich 
auffällig, aber doch erklärlich als Nachahmung der Form ohne 
gleichen Inhalt. 



II Γ. Die Ν. T.-Haodscliriften 6,47 und 67** usw. 61 

Der Cod. v. d. G. wurde demnach — wenigstens in den 
3 2 ersten Kapiteln — offenbar als Hauptvorlage benutzt, aber 
nach dem sonst vorliegenden Material — bald ausdrücklich am 
Rande, bald stillschweigend im Text — verbessert. Da die 
Hauptvorlage ihre Schoben in Semiunciale bietet, wird für die 
übernommenen wie für die neugeschaffenen Randbemerkungen 
die gleiche Schriftart verwendet, anscheinend R 11, 27 zum 
letzten Male. — Für die Bevorzugung des Athostextes gerade 
in den ersten 12 Kapiteln des Römerbriefs wird man eine Er- 
klärung suchen. Vielleicht gab das Interesse an dem echten 
Origenestext den Ausschlag. Man muß dann annehmen, daß 
der Schreiber seinen Lesern den Namen des verketzerten Meisters 
absichtlich fernhielt, um ihnen den guten Origenestext zukommen 
zu lassen. Mochten sie bei dem geheimnisvollen Scholion 1,7 
denken, was sie wollten. Daß er sich trotz seiner Verehrung 
für Origenes manchmal Verbesserungen erlaubte, ist durchaus 
verständlich. Aber warum wartete er am Schluß mit dem 
IVechsel der Hauptvorlage nicht bis Kap. 16, 1? Erst hier 
scheint doch die Athoshandschrift den Origenescommentar end- 
gültig zu verlassen ! Und warum ist die Zahl der Abweichungen 
in Kap. 9 nicht größer? Hier sprach ja nicht Origenes, sondern 
das sonst verschmähte παλαιόν! Daß die τόμος -Zahlen nicht 
gelesen oder nicht begriffen worden seien, ist nicht anzunehmen. 
Es drängt sich darum eine andere Möglichkeit auf: In der Vor- 
lage, die 47 für die Paulusbriefe hauptsächlich benutzen wollte, 
waren die ersten, den Römerbrief enthaltenden Blätter abge- 
rissen oder unleserlich, es mußte also, wenigstens bis R 12, 
einfach aus Not eine andere Handschrift zugrunde gelegt werden, 
als solche bot sich der Cod. v. d. G. Dann hätte sich bei der 
Übernahme des Athostextes wiederholt, was nach Turners Ver- 
mutung (a. a. 0. S. 492) schon bei seiner Herstellung dem Römer- 
brief eine Sonderstellung verschafft hat. Nur hätte der Schreiber 
von 47 es nicht entfernt so wie sein Vorgänger verstanden, 
aus der Not eine Tugend zu machen, er schrieb Schoben ab, 
die den Leser über das Wesen des παλαιόν und die Autorität 
von 1,7 völlig im unklaren ließen. — Die Gründe, die v. d. Goltz 
für die Priorität der Athoshandschrift geltend gemacht hat, sind 
oben S. 3 schon genannt: ihnen ist noch die Beobachtung an- 



62 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

zufügen, daß 9, 27 das Wort υποκατάλειμμα der Handschrift 47 
doch sicher aus unmittelbarer Abhängigkeit von der Correctur 

δπο 

κατάλειμμα der Athoshandschrift (s. d. Facsimile bei v. d. Goltz) 
zu erklären ist; stichhaltige Gegengründe aber sind nicht vor- 
handen. Die Handschrift 47 spielt eine Rolle in der 
späteren 1 Geschichte des Codex v. d. Goltz, nicht aber 
in seiner Vorgeschichte. 

B. Die Handschrift 6 und die Gorrecturen der 
Handschrift 67 (— 67**). 

1. Außerhalb des Römerbriefs. Da die Verwandt- 
schaft des Cod. v. d. Goltz mit 6 und 67** sich über alle Briefe 
und die Apostelgeschichte erstreckt, kann sie erschöpfend nur 
in einem viel weiteren Rahmen behandelt werden, als es hier 
möglich ist; die Frage nach HP aul und M> aul wäre mit einzu- 
beziehen, es müßte überhaupt die ganze Grundlage der von 
Sodenschen Recension J im Apostolos neu geprüft werden. Das 
wichtigste Material über die Verwandtschaftsverhältnisse der 
Athoshandschrift zeigen die Listen, die v. d. Goltz S. 17 — 31 
aufstellt. Für unsere Zwecke ist nur eine Ergänzung zu ihnen 
nötig, der Hinweis darauf, daß 6 und 67** der Athoshandschrift 

1 Welcher Art war das außer dem Athoscodex benutzte Material? 
Man könnte auch liier an Chrysostomus denken. Auffällig ist es ja, 
daß nur er mit 47 das Fehlen der letzten 10 Worte R 2,29 teilt 
(freilich nur in seinem vorangestellten Textwort, vgl. S. Gifford: Pauli 
epistulas qua forma legerit Johannes Chrysostomus S. 7). Aber von 
den 126 Stellen, die 47 txt von dem Athostext scheiden, sind 26 
(1,16. 18 Ws 29; 2,7; 3,1.3.25. 29; 6,14; 7,12; 8,21; 9,14.20; 11,10.23; 
13, 8. 11 ; 14, 6. 10 f. 13. 18; 15, 7; 16, 1. 21) aus Chrysostomus nicht zu 
belegen, auch solche nicht, an denen 47 mit Κ übereinstimmt: 1,16 
add του Χρίστου ρ εοαγγέλιον; 1, 29 add πορνεία a πονηρή; 5, 21 βασιλεύσει 
1 βασίλευα^. Vielleicht handelt es sich doch um dasselbe Material, 
das den anderen paulinischen Briefen zugrunde liegt; man kann nicht 
sagen, daß mit 1. Kor. 1 ein wesentlich anderer Text einsetzt. Was 
mit 1. Kor. 1 beginnt, ist vielmehr nur der Apparat des Ökumenius- 
commentars. Ihn auch in den 1. Kor. 1 vorangehenden Kapiteln zu 
benutzen, schien dem Schreiber wohl unangemessen, nachdem für R 
einmal Marginalien im Stil des Semiuncialapparates der Athoshand- 
schrift begonnen waren. 



III. Die Ν. T.-Handscliriften 6,47 und 67** usw. 63 

näher 1 stehen, als alle die anderen dort genannten Zeugen, 
abgesehen vielleicht von Η und M. — Der Römerbrief soll im 
folgenden zunächst beiseite gelassen werden. 

In einzelnen Fällen gehen 6, 67** und die Athoshandschrift 
jede einen Sonderweg für sich. Bezeichnend dafür — und auch 
für das Verhältnis zu den übrigen Zeugen — ist die Behandlung 
der fünf δε 1. Kor. 12, 10. Alle fünf werden ausgelassen 2 von 
D*, den Lateinern und Marcion, 1 — 4 von Clemens Alexandrinus 
und FG, 2—4 von Β und dem Cod. v. d. Goltz, 3—5 von 67**, 
4 und 5 von 6, und sonst je ein δε von N*P 109. 119 und dem 
Codex K. — Für 2. Kor. 11, 23 hebt die Athoshandschrift mit 
dem Zeichen ωργ eine sonst nur bei Origenes (Φ 230, 31) be- 
zeugte Lesart (1) hervor, 6 bringt eine zweite (2), 67** eine 
dritte (3) Sonderlesart: 

ω 

1. Iv κόποι; περισσοτέροις, εν φύλακα!; περισσευόντων, έν πληγαϊ; 

υπερβάλλοντα);; 

2. έν κόποι; περισσότερα);, έν πληγαϊ; υπερβάλλοντα);, έν φυλακαΐς 

περισσευόντως: 

3. έν κόποι; περισσότερα);, έν πληγαϊ; υπερβάλλοντα);, έν φυλακή 

περισσοτέρω;. 

Häufig aber schließt sich 67** entweder an die Athoshand- 
schrift oder an 6 näher an. 1. Kor, 11, 5 bringt der Codex 
v. d. Goltz die Sonderlesart άκατακάλυφος statt des sonst all- 
gemein bezeugten άκατακαλύπτω ; 67** liest άκατακάλυπτος. 
1. Kor. 11,9 liest die Athoshandschrift, nur von 71 begleitet, 
αλλ' ή γυνή statt άλλα γυνή, 67** άλλα ή γυνή. 1. Kor. 10, 23 
ergänzt 6, durch 1. Kor. 6, 10 veranlaßt, vor εξεστιν ein μοί, 
aber nur vor dem zweiten (wie goth), 67** ergänzt es nur vor 
dem ersten — wie C 3 . C 3 gibt damit dieser Stelle dieselbe 
Gestalt, die C* schon 6, 10 gegeben hatte, 67** dagegen hatte 
in 67 kein solches Vorbild, verändert also jedenfalls nach einer 
6 entsprechenden Vorlage. 1. Tim. 4, 6 ist in 6 und 17. 74. 



1 Wenigstens im Corpus Paulinum. In den anderen Teilen des 
Apostolos scheint ein so nahes Verhältnis nicht vorzuliegen. Diese 
Tatsache — die natürlich sehr verschiedene Erklärungen zuläßt — 
soll hier nicht weiter untersucht werden. 

2 Der bequemeren Übersicht wegen sind hier nur die griechischen 
und lateinischen Zeugen genannt. 



64 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

80. 93. 270. 421 syP"^ durch Paralleleinflnß von v. 13 aus επεχε 
ein πρόσεχε 'geworden, 67** liest πρόσχε. 1. Kor. 4,6 schwanken 
die Zeugen zwischen ο γέγραπται und α γέγραπται, 6 allein 
vereinigt beides: ο α γέγραπται — vielleicht veranlaßt durch 
Origenes Cat. cor I, 357, 19, 8. 10, wo beide Formen sehr nahe 
aufeinander folgen — ; 67** schreibt ου γέγραπται und scheint 
durch diesen Lesefehler direkte Abhängigkeit von 6 zu beweisen. 
Eine genaue Prüfung dieser Abhängigkeit ist indessen dadurch 
erschwert, daß 6 nur cursorisch collationiert ist und daß 67** 
seine Correcturen nur sehr mit Auswahl anbringt, er läßt vieles 
stehen, was schwerlich 1 seiner Vorlage entsprach. Auch sind 
die Correcturen nicht immer mit der Sorgfalt erfolgt, die wir 
aus dem Athoscodex kennen. 1. Kor. 15, 39 c ζ. B. lautet der 
gewöhnliche Text „προς έντροπήν υμΓν λαλώ". Der Athostext 
und 13 andere Minuskeln lesen υμών (6 ist unbekannt). 67 hat 
den einzigartigen Schreibfehler ήμΐν und 67** macht daraus 
nicht υμών — wie es doch gewiß seiner Vorlage entsprach — , 
sondern er verbessert nur die letzte Silbe, so daß ημών entsteht. 
2. Kor. 1, 17 tilgt 67** das zweite oö, aber nicht das zweite 
ναι: auch Hebr. 13,3 liegt ein Versehen vor, wenn aus μιμ- 
νήσκεσθ-ε μημνήσκεσΟ-ε gemacht wird. Vor allem ist Gal.4, 28 
bezeichnend. Dort wird der gewöhnliche Text: „ημείς δε . . . 
τέκνα έσμέν" von Origenes, der Athoshandschrift, BDFG 6 und 
verschiedenen anderen Zeugen in die zweite Person umgewandelt: 
„ύμείς δε . . . τέκνα Ιστέ". 67** verbessert nur halb: „ήμεΐς 
δε . . . τέκνα έστέ. 

Wie es mit dem näheren Verhältnis zwischen 6 und 67** 
auch stehen mag, jedenfalls treffen sie wiederholt gegen den 
Athoscodex zusammen, manchmal als alleinige Vertreter ihrer 
Lesart, z. B. 1. Kor. 14, 31 καθ- 5 ενα έκαστοι (καθ•' ενα έκαστοι 
πάντες Cod. ν. d. G. und 38.72 und eine Reihe von i£-Zeugen; 

1 Natürlich kann man das nur vermuten. Solche Stellen, die 
der Corrector stehen läßt und die doch in einer dem Athostext ähn- 
lichen Vorlage wahrscheinlich nicht gestanden haben, wären: 1,24 
add και ρ διό (ΡΨ 39 IQ; 3,26 om την a Ινδειξιν (Κ); 3,30 επείπερ 1 
είπερ (Κ); 4, 2 add του a θ•εοΰ (Κ); 4, 1 add ευρηκέναι a κατά (Κ, S. S. 69) 
u. a. Auf jeden Fall wäre eine Gleichsetzung des corrigierten Codex 67 
mit der Vorlage seines Correctors erst dann erlaubt, wenn dieser be- 
gründete Verdacht behoben würde. 



III. Die Ν. T.-Handschriften 6,47 und 67** usw. 65 

sonst καθ• 5 ενα πάντες); Gal. 5, 1 τη ελευθερία, ή Χριστός ήμας 
ήλευθ-έρωσεν, στήκετε οΰν (der Cod. ν. d. G. läßt η aus: der 
Vers ist sehr variantenreich); und Hebr. 6, 10 om καί 1 . 

Manchmal werden 6 und 67** in ihrem Gegensatz gegen 
den Athoscodex von einzelnen anderen Zeugen begleitet: 

1. Kor. 1, 6 κήρυγμα 1 μαρτύριον 12 (Tischendorf irrtümlich 
67** "w); 2. Kor. 11,4 μικρόν τι της αφροσύνης FG 285. 338. 
352. 360; (sonst ohne της); Kol. 2,2 του μυστηρίου του •θ•εοΰ 
(om πατρός του Χρίστου) Ρ 37. 71. 80. 116 (Athostext: τοΰ 
μυστηρίου του Χρίστου). 

Diese Übereinstimmungen zwischen 6 und 67** sind 
häufiger, als die zwischen 6 und dem Cod. v. d. G. ; diese 
beiden stimmen gegen 67** ohne Nebenzeugen gar nicht, mit 
einer kleinen Anzahl von Nebenzeugen nur selten zusammen: 
2. Kor. 4, 6 oo Χρίστου Ίησοΰ DFG 74. 270. 505 lat.; Phil. 3, 8 
om και 1 tf 80. 126. bo vulg Ωρ Κυ; Kol. 1, 16 om τα 2 ' 3 tf *BP 17 
vulg Ωρ Tert Κυ. 

Was für das Urteil über den Eömerbrief weit wichtiger 
ist und auch weit mehr als die genannten Einzelfälle in den 
Vordergrund tritt, ist die häufige Übereinstimmung des Con- 
sensus von 6 und 67** mit dem Cod. v. d. G. 

1. Kor. 1, 25 εσται 1 εστίν; 2. Thess. 1, 4 add και ρ υμΐν; 
1. Tim. 5, 15 fällt ganz weg; Kol. 4, 13 αγώνα 1 πόνον — in 
diesen Fällen geht kein weiterer Zeuge mit — , dazu kommen 
noch: 

1. Kor. 1, 14 om τω θ-εω **B Xp Dam.; 1. Kor. 6, 14 έξή- 
γειρεν 1 έξεγερεΐ Β r Ωρ Xp und einige Vulgatahandschriften; 
1. Kor. 7, 37 om ιδία a καρδία (Euthal. cod. Tischendorf); 
l.Kor. 7, 38 ποιήσει 1 ποιεί Β 37 Βασ; 2. Kor. 8, 19 add αυτήν 
a του κυρίου Ρ 43. 74. 270. 2143; Eph. 4, 28 om ταις ίδίαις 
χερσίν Ρ 17 m Κλ; Eph. 5, 19 add εν a ψαλμοΐς BP 17. 37. 116. 
118. vulg; Phil. 2, 13 ήμΐν 1 υμΐν 2 Ωρ; Phil. 4,23 om αμήν 
BFG f g 47 sa Vict. Xp; Kol. 1, 18 add ή a αρχή Β 31. 47; 
Kol. 2, 2 παν πλούτος 1 πάντα πλοΰτον Κ*Β Κλ (nach dem Con- 
sensus der neuesten Ausgaben des Ν. T. ursprünglicher Text!); 
Kol. 4, 15 αυτής 1 αυτοϋ Β sy htext ; 1. Tim. 3, 14 om προς σε 
FG (gegen fg) 137. 302. 338. 

T. u. U. '23: Bauemfeind. 5 



QQ Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

Außerdem gibt es noch eine bemerkenswerte Anzahl von 
Übereinstimmungen zwischen 67** und dem Athoscodex. In 
13 Fällen bieten nur diese beiden Zeugen die betreffende Lesart: 

1. Kor. 15, 31 om ημών; 2• Kor. 4, 4 om εις; 2. Kor. 5, 8 
om δέ; 2. Kor. 5, 9 om y.ac; 2. Kor. 5,12 om υμίν 1 ; 2. Kor. 
5, 19 om ώς χ) ; 2. Kor. 6, 1 om δέ; 2. Kor. 8, 4 om ημών; 2. Kor. 
10, 10 εξουθενωμένος; Gal. 6, 14 μου 1 ημών; Eph. 6, 8 om Sti; 
2. Tim. 3, 13 επί πλείον 1 επί το χείρον; Tit. 1, 12 om εξ. 

In 21 weiteren Fällen stehen einzelne andere Zeugen da- 
neben (die Lesart der Handschrift 6 ist nur in den wenigen 
Fällen bekannt, in denen sie angegeben ist): 

1. Kor. 11,19 add και ρ ίνα BD* 17. 37. 131 vulg sa; 1. Kor. 
16, 10 έγώ (om καί) 1 κάγώ BM [6:κάγώ]; 1. Kor. 1,11 εν κολλφ προσώπψ 
FGM 131g Xp; 2. Kor. 3,3 καί γεγραμμένη 74. 270 c • f vulg; 2. Kor. 4,6 
λάμψει 1 λάμψαι tf*ABD*KX [6: λάμψαι]: 2. Kor. 8,2 χάριτος 1 χαράς 29 
(in der Athoshandschrift Correctur von erster Hand); 2. Kor. 12,5 
om μου BD* 17. 109. 427 bo; 2. Kor. 12,9 om μου 3 Β 71 syb arm Ir; 
Gal. 1,11 om αδελφοί Ρ 11δ. 128. 131. 178. 270. 315; Gal. 1,15 om και 
καλέσας διά της χάριτος αΰτοΰ Ωρ (Φ 226,11); Gal. 3,8 προευηγγέλισται D*; 
Gal. 3,19 έπηγγείλατο 1 έπήγγελται 270; Eph. 3,9 om πάντας £<Α Κυ 
Hil. Aug.; Eph. 3,21 om αμήν 57. 431; Kol. 3, 15 om §νί Β sa; 2. Thess. 
3,16 om τήν Α 469; Hebr. 1,3 om αδτοϋ 1 Μ; Hebr. 9,23 καθ-αρίζεται 
1 καθ•αρίζεσθ•αι D*; Hebr. 11,11 add ή στείρα ρ 2άρρα D^ 37. 93. 116. 
285. 420 u. a. [6 add στείρα] ; Tit. 3, 10 om καί δευτέραν lateinische Väter. 

Kein anderes Zeugenpaar zeigt so starke auffällige Über- 
einstimmung mit unserem Codex, wie 6 und 67**, kein anderer 
einzelner Zeuge — auch Β nicht — so wie 67**. Im Zu- 
sammenhang mit dieser Beobachtung muß die andere bewertet 
werden, daß weder 6 noch 67** Spuren einer Bekanntschaft 
mit den Randbemerkungen der Athoshandschrift zeigen: 
1. Kor. 7, 34 empfiehlt das Scholion der Athoshandschrift ein- 
gehend die Textlesart: ή γυνή ή άγαμος καί ή παρθένος 
ή άγαμος. Trotzdem weichen 6 und 67** ab, 6 bietet 
bezeichnenderweise 2 eine Sonderlesart für sich: „ή γυνή 

1 ν. Soden fügt die Vulgata als weiteren Zeugen für die Aus- 
lassung von ώς an, jedoch die beiden lateinischen Worte quoniam 
quidem setzen doch wohl zwei Worte in der griechischen Vorlage 
voraus. 

2 Nämlich auf Grund eines — diesmal freilich schwer be- 
greiflichen — Mißverständnisses (vgl. 1. Kor. 4, 6 S. 64 und R 3, 21 S. 68). 



III. Die Ν. T.-Handschriften 6, 47 und 67 ** usw. 67 

ή άγαμος και ή παρθένος και ή άγαμος", 67 behält, ohne 
daß der Corrector einschreitet, seine i£-Lesart: ή γυνή 

και ή παρθ-ένος ή άγαμος". 

1. Kor. 14,38 wird die Lesart „ε: τις αγνοεί αγνοείται" aus- 

drücklich als die stets von Origenes gebrauchte genannt, 
trotzdem lesen 6 und 67 (letztere ohne Correctur) άγνοείτω. 

2. Kor. 11, 23 hindert, wie sich schon S. 63 zeigte, das Zeichen 

ωργ gleichfalls die Nachbarhandschriften nicht, Sonder- 
lesarten zu bieten. 

Ähnlich steht es bei manchen anderen Schollen und bei 
den sonstigen textkritischen Zeichen, auch der sogenannten 
Diple, s. v. d. Goltz S. 100 — 108. Daß die in einem Scholion 
betonte Lesart nicht gerade immer Veränderungen unterlag 
(ζ. B. nicht 2. Tim. 3, 13), ist nicht zu verwundern. 

Es ist kein voreiliger Schluß, wenn wir feststellen, daß 
in der Vorlage — oder den Vorlagen — von 6 und 67** ein 
dem Athoscodex ähnlicher Text, aber nicht — oder doch nur 
in geringem Umfang — ein entsprechender Apparat enthalten 
war. 6 und 67** können also entweder auf eine Abschrift 
unseres Codex ohne Scholien zurückgehen oder auf seine alte 
Vorlage, die ja gleichfalls die Scholien entweder gar nicht 1 
oder doch nur zum geringsten Teil enthielt. Die erste An- 
nahme rechnet mit einer unbekannten, die zweite mit einer 
bekannten Größe, also ist sie vorzuziehen. Das παλαιόν selbst 
mag ja die Entstehungszeit der Athoshandschrift nicht lange 
überdauert und eine weitere Abschrift nicht mehr erlebt haben, 
aber wir brauchen uns nicht auf dies eine Exemplar zu ver- 
steifen ; auch wenn wir etwa einen scholienlosen bzw. scholien- 
armen Nachkommen oder Verwandten des παλαιόν als Grund- 
lage für 6 und 67** in Betracht ziehen, so bleiben wir auf 
bekanntem Gebiet: daß es solche Verwandte gab, zeigen H paul 
und M paul . Für die Untersuchung des Römerbrieftextes unserer 
beiden Zeugen ist also von vornherein mit der Möglichkeit zu 
rechnen, daß die Verwandtschaft mit Origenes ebenfalls durch 
das παλαιόν oder seinesgleichen und nicht durch den Römer- 
brieftext des heute bestehenden Athoscodex vermittelt ist. 

1 Nach P. Corssen, s. o. S. 5. 



68 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

2. Im Römerbrief, a) Die Handschrift 6. Annähernd 
100 Unterschiede zwischen 6 und dem Cod. v. d. Goltz weist 
die cursorische Collation von Sodens auf, es mögen im ganzen 
also mehr vorhanden sein, als zwischen 47 und dem Cod. 
v. d. Goltz. 

9 dieser Abweichungen lassen sich aus Origeneszitaten 
belegen: 

1,19 ~ δ θ-εός γαρ Ι, 244.3: II, 72,20: 73,1 (vgl. Ι, 300,27); 
6,11 csd νεκρούς μέν είναι Cat. Ι, 366. 31,19; 8,11 add και ρ ζωοποιήσεί 
L III, 277,10; L XI, 391,14 gegen L IV, 146, 11: L XI. 387,21; 8,82 
γε 1 δε L III, 225, 15: L Χ, 381, 25; 9,19 οο οδν μοι L VIII, 309, 6; 
V, 206, 1 CDH gegen V, 235, 11; 9,20 ~ μενοονγε ώ άνθ-ρωπε V, 206,3; 
235,13: 239,9; 240,4; 11,4 κατέλιπον 1 κατέλειπον III, 35,4; V, 318,2; 
11, 22 χρηστότης 1 χρηστότης 9-εοΰ III. 156, 29; 11, 26 add κα'ι a άποστρέψΗ'. 
L XII, 357, 16. 

Außer 1,19; 11,4 und 11,22 werden die Abweichungen 
von der Reeension Κ oder außer von ihr auch noch von den 
meisten anderen Zeugen geteilt, R 11, 4 sind die K- Zeugen 
gespalten, R 1, 19 geht fast alles, was nicht Κ ist, mit 6, 
R 11,22 nur 67**. 

Außerdem muß noch darauf hingewiesen werden, daß das 
Medium ήλλάξαντο 1, 23 bei Origenes vorkommt (II, 199, 3 
gegen 1,265,11: 300,30: Π, 73, 7; 386.29 s.o. S. 41), das 
von 6, von vielen iT-Zeugen und 16 nicht zu Κ gehörenden 
Minuskeln geboten wird. Auch die 6 und Κ gemeinsame 
Wortstellung 8, 14 ^ εισιν υίο! θ-εοΰ wird von einigen Hand- 
schriften Origenes I, 368, 21 geboten. Eine weitere Überein- 
stimmung ist vielleicht 3, 21 zu suchen, wo 6 „μαρτυρου- 
μένη ύπο νόμου" liest, statt — wie alle anderen Zeugen — 
„μαρτυρουμένη υπό του νόμου". Das oben S. 31 angedeutete 
Mißverständnis ist hier möglicherweise von Einfluß gewesen: 
falls wir S. 64 die Entstehung der Lesart „το μή υπέρ δ α 
γέγραπτα:" richtig durchschaut haben (1 . Kor. 4, 6), sind dem 
Schreiber von 6 solche Irrwege zuzutrauen. Schließlich liegt 
noch 12, 3 ein eigenartiger Fall vor. Die letzten Worte 
dieses Verses lauten bei 6: „έκάστω ως ό θεός έμέρ^σεν μέτρον 
χάριτος". 67 bietet die sonst ausschließlich bezeugte Form 
πίστεως, von 67** ist aber χάριτος übergeschrieben. Es fehlen 
hier allerdings die Punkte über πίστεως, die sonst meistens 



III. Die Ν. T.-IIandschrifteu 6,47 und 67** usw. 69 

als Zeichen, daß die Lesart 67 unrichtig sei, gebraucht werden; 
vielleicht ist das ein Zeichen, daß der Corrector nicht sicher 
entscheiden wollte, aber für wertvoll muß doch auch er die 
Form χάριτος gehalten haben. Woher stammt diese Eigen- 
tümlichkeit der beiden Zeugen? Der an sich naheliegende 
Gedanke einer Angleichung von πίστις und χάρις an dieser 
Stelle ist bei Ökumenius, Theodoret und Rufin zu finden. Öku- 
menius (Migne I 118, 565): „. . . 'μέτρον πίστεως', έκαστος 
εις αυτό φησιν, έμμενέτω, καϊ μήτε ζηλούτίο, μήτε υπεραιρέσθ-ω. 
πίστεως δε φησιν, ήγουν χαρίσματος". Theodoret (Migne ΐ 82, 
188 Β): „την χάριν ένταΰ^α πίστιν έκάλεσεν". Rufin in der 
Übersetzung des Römerbriefcommentars L VII, 296, 19: „post 
haec ait c unicuique sicut divisit deus mensuram fidei', hoc 
est, ut sciat unusquisque et intelligat, quae in eo sit mensura 
gratiae dei, quam consequi meruit per ficlem' - . . .; L "VII 297, 5: 
..haec ergo singula divisit unicuique deus secundum mensuram 
fidei. Sed si is, qui accepit gratiam, ut de uno aliquo horum 
saperet, non intelligat mensuram gratiae sibi datae . . .". 
Ökumenius und Theoderet mögen im allgemeinen die neu- 
testamentlichen Texte viel stärker beeinflußt haben als Rufin 
und seine griechische Vorlage, im vorliegenden Fall aber wird 
man annehmen müssen, daß Rufin den richtigen Weg weist; 
er wird an den beiden Stellen ziemlich wortgetreu übersetzt 
haben, was bei Origenes stand, und aus Origenes haben 6 
und 67** die Lesart. Daß die beiden Zeugen gerade aus 
dem Römerbriefconnnentar eine Lesart entnommen haben, die 
im Athoscodex nicht angedeutet ist und auch nicht einmal 
als Ursache einer Correctur oder Rasur vermutet werden 
kann, ist natürlich auffällig. 

Wie schon bei 47, so ist auch bei 6 eine ganze Anzahl 
von Abweichungen vom Athoscodex zu nennen, die zugleich 
auch zu dem Text der Zitate in Widerspruch stehen. 

1, 2 add δούναι a δια 9. 18. 35. 221. 253. 271. 315. 336. 357 gegen 
IV, 64,15'; 304,19; 1,16 add Χρίστου ρ ευαγγέλ'.ον 261 (του Χρ'.σχοϋ Κ) 
gegen L XIII, 77, 7 ; 1, 24 αυτοΐς 1 έαυτοΐς mit den meisten Zeugen 
außer Κ gegen II, 386,33; 387, 12 1 : 3,4 νικήσεις 1 νικήσ^ — die 
Zeugen, auch die der ίΓ -Recension, sind geteilt — gegen III, 127, 3 2 ; 

1 Falls hier nicht αϋτοΐς zu lesen ist. 

2 Hier ist jedoch nur von Ps. 50, 6, nicht von R 3, 4 die Rede. 



70 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

5, 17 τφ του ενός 1 εν ενός mit den meisten Zeugen gegen IV. 381, 10. 18; 
την δωρεάν 1 της δωρεάς 10. 31. 76. 93. 431 c. 67**, Or (L VI, 356 ff. 
362) gegen IV, (381, 12. 19); 384,34 l ; βασιλεύουσι Ι -σουσι Ρ 1. 6. 17. 131. 
136. 211. 221. 279. 315. 366. 377. gegen IV, 381; 384; 8, 26 
(ν έντυγχάνει υπέρ ημών στεναγμοΐς άλαλήτοις — die Zeugen, auch der 
Κ - Recension, sind gespalten - gegen II, 301. 8. 13. 26: 332, 22: 
8,38 ~ ούτε δυνάμεις a ούτε ενεστώτα Κ gegen Cat. II, 21,52, 23 und 

I, 53; 9,3 εύχόμην 1 ηΰχόμην Κ gegen Cat. cor II, 35, 51, 25; 10,15 add 
των εϋαγγελιζομένων είρήνην ρ πόδες Κ gegen IV, 14,6; add τά a άγαθ-ά 
ίί*ΡΨ Κ gegen IV, 14,6; 11,3 add καΐ a τά Κ gegen III, 122,7; 12,2 
συσχηματΐζεθ-αι . . . μεταμορφοΰσΦαι 1 -σθ-ε . . . -σθ-ε — die Zeugen, 
auch Ε, sind gespalten — gegen L IV, 135, 16; add υμών ρ νοός Κ gegen 

II, 349,3; L IV, 135,16: Cat, cor T ? 240, 11, 13; 14,9 και άπέθ-ανεν και 
ανέστη και "έζησεν Κ gegen Ι, 187, 21; IV, 144, 22; 361, 32; die Doxologie 
steht auch in 6 hinter 14,23. 

Die übrigen Abweichungen, deren* Text nicht aus Origeiies- 
zitaten zu belegen ist, stehen größtenteils mit Gruppen von K, 
der ganzen Recension Κ oder einem noch weiteren Zeugen- 
kreis in Übereinstimmung: 

3,28 oöv 1 γαρ; 'ν* πίστει δικαιοΰσθ•αι; 3,29 add δέ }) ουχί; 4, 8 φ 
1 οδ; 4,9 add δτι ρ γάρ; 4,11 add καΐ a αύτοϊς; 4,12 ^ της πίστεως 
της εν; 4,13 add του a κόσμου; 6,15 άμαρτήσομεν 1 -ωμεν; 7,13 γέγονεν 
1 έγένετο; 7,25* om μου ρ νοί; 8,1 add μη κατά σάρκα περιπατοϋσι άλλα 
κατά πνεΰμα; 8, 2 με 1 σε; 8,10 διά 1 δι'; 8,11 om τον a Ίησοΰν; 'ν- τόν 
Χριστόν εκ νεκρών; 8,23 ~ και ημείς; 8,26 ταΐς άσ3•ενείαις 1 τη άσθ-ενεία; 
8,38 , v J ούτε δυνάμεις a οΰτε ενεστώτα; 9, 15 Μώση 1 Μώσεί; ~^ γάρ Μώση; 
10,5 Μώυσης 1 Μώσης; 10,15 κηρύξουσι 1 κηρύξωσι; 10,19 ~ ουκ εγνω 
'Ισραήλ; έπί 1 έπ' 2 ; 11,3 add και a τά; 11, 6 add in fine εΐ δέ έξ έργων 
. . . Ιρ*(0Ί•. 11,13 γάρ 1 δέ; 11,23 -"ν. και εκείνοι 1 κ'ακεϊνοι; επιμείνωσιν 1 
έπιμένωσιν: ^ ό θεός έστιν; 12,20 έάν οΰν 1 άλλ' έάν; 13, 11 ->~ ημάς ήδη: 
14,8 άποθύνωμεν 1 άποθ-νήσκωμεν: 14,12 add ούν ρ άρα; add in fine τψ 
θ-εφ; 14,14 αοτοΰ 1 έαυτοϋ; 15,3 add ό a Χριστός; έπέπεσον 1 έπέπεσαν; 
15,8 add Ίησοΰν ρ Χριστόν; γεγενήσθ-αι 1 γενέσθ-αΐ: 15,14 add μου ρ 
αδελφοί; 15, 15 add αδελφοί ρ υμΐν; 15, 16 οο'Ιησοΰ Χρίστου; 15, 18 &ο λαλεϊν 
τι; 15, 19 θ-εοΰ 1 άγιου; 15, 24 έάν Ι άν; add έλεϋσομαι προς υμάς ρ Σπανίαν; 
15.31 ο-- γένηται τοις άγίοις; 16,7 γεγόνασιν 1 γέγοναν; 16,18* τω κυρί(;> 
ημών Χριστώ 1 τω Χριστώ ημών; 16,21 ασπάζονται 1 ασπάζεται: 16.23 <-*> 
της εκκλησίας δλης; 16,24 ist vorhanden. 

An den mit * bezeichneten Stellen vertritt der Athoscodex eine 
Sonderlesart. 

An anderweitigen Abweichungen sind noch zu nennen: 

1, 32 add του a θ-ανάτου ohne Nebenzeugen; 4, 1 προπάτορα 1 πατέρα 
K*ABC*W 5. 10. 21. 31. 137. 190. 360. 437 syP Κυ; 6,2 ζήσωμεν 1 ζή- 



1 Vgl. jedoch unten S. 72. 



III. Die Ν. T.-Handschriften 6,47 und 67** usw. 71 

σομεν CFGL und die meisten Zeugen der v. Sodenschen Recension J-, 
8,34 add Ίησοϋς ρ Χριστός mit den meisten Zeugen außer K; 14,4 
δυνατεΐ 1 δυνατός tfABCD*FG; 15,15 ~ Ίησοϋν Χριστόν tfAC*FP 37 vulg 
u. 12 Minuskeln. 

b) Die Correcturen der Handschrift 67 stimmen 
nur zweimal gegen den Athoscodex mit Origeneszitaten über- 
ein, in den beiden schon genannten Fällen, in denen nur 6 
mitgeht: 11,22 χρηστότης 1 χρηστότης θ-εου und 12,3 μέτρον 
χάριτος 1 μέτρον πίστεως. 

6 Abweichungen dagegen gehen zugleich auch gegen die 
Origeneszitate : 

1, 16 πρώτφ 1 πρώτον 21. 23 (om πρώτον Marcion BGg) gegen 
L XIII, 77,7; 5,17 την δωρεάν 1 της δωρεάς 6. 10. 31. 76. 93. 431°. 
Or (L VI, 356 ff. 362) gegen IV, 384, 34 J ; 8,20 φθορ? 1 ματαιότητα vgl. 
corruptioni Oros., sonst ohne Nebenzeugen 2 , gegen II, 14,20; 200,30; 
215 ; 2; IV, 21,23: 9,8 om του a *εοδ FG 37. 70. 114. 120. 211* gegen 
i, 35,29; V, 332,9: 334,4; 9,22 om εΐ δε ohne Nebenzeugen gegen 
L VIII, 314,8 (= Φ 253,7); 16,20 συντρίψαι 1 συντρίψει Α 80. 1319 
latcpiur gegen L XI, 349,20 (jedoch σοντρΐψαι comm. in Job Gallandi 
bibl. vet. patr. Bd. XIV App. p. 52). 

An solchen Stellen, die Origenes nicht zitiert, liegen 
folgende Abweichungen vor: 

1, 10 om πάντοτε 41* 44 Xp: 4, 11 add τη a άκροβυστία Κ; 4,14 om 
και lat excfgOrAug*; 6, 1 έπιμείνωμεν L 93. 124. 252; 8,34 add Ίησοΰς 
ρ Χριστός NACFGLPW it exc d2 e vulg ex c D und 19 Minuskeln; 9,10 
add ή ρ 'Ρεβέκκα ohne Nebenzeugen : 10, 1 έπιθ-υμία 1 ευδοκία vgl. vo- 
luntas lat, sonst ohne Nebenzeugen 2 ; 12,4 om έν a Ivi ohne Neben- 
zeugen; 12,7 τό κήρυγμα Ι διακονϊαν ohne Nebenzeugen 2 ; 13,13 Ιρι« 
καΐ ζήλψ af; 14, 16 ή πίστις 1 τά άγαθ-όν ohne Nebenzeugen 2 ; 15, 4 έγράφη 
1 προεγράφη Β lat c P lur arm; 15,5 εΙρήνης 1 υπομονής ohne Nebenzeugen; 
16,21 ό συνεργός (om μου) Β: 16,22 ασπάζεται, 1 ασπάζομαι, om έγώ ohne 
Neben zeugen (om έγώ auch 37); add και a γράψας ohne Nebenzeugeu. 

Die übrigen 57 Correcturen der Handschrift 67 stimmen 
mit dem Cod. v. d. Goltz überein 3 . 

3. Ergebnis. 6 und 67** stehen im Römerbrief, das 
zeigt der vorstehende Überblick, zueinander und zum Cod. 
v. d. Goltz in einem sranz ähnlichen Verhältnis wie in den 



1 Vgl. jedoch unten S. 72. 

2 Aber auch hier fehlen, wie 12, 3, die Punkte. 

3 Abgesehen vom ν έφελκυστικόν, das vom Corrector — wenigstens 
manchmal — mit berücksichtigt wird und nicht immer nach den- 
selben Grundsätzen gesetzt wird, wie im Athoscodex. 



72 Bauernfeind: Der Rönierbrieftext des Ori genes. 

anderen paulinischen Briefen. Oft stimmen alle drei überein, 
manchmal geht die eine oder die andere ihren besonderen 
Weg 1 , manchmal stehen 6 und 67** zusammen in einer Sonder- 
lesart gegen den Athostext. Wird damit unsere Vermutung 
bestätigt, daß 6 und 67** in erster Linie dem παλαιόν bzw. 
einem Verwandten des παλαιόν nahe stehen? Daß sie somit zum 
Römerbrieftext des Cod. v. d. Goltz keine direkten Beziehungen 
haben? Die Entscheidung hängt von der Beurteilung der beiden 
Stellen ab, an denen 6 und 67** mit einer ausgesprochenen 
Origenes-Lesart im Gegensatz zur Athoshandschrift stehen: 

11, 22 χρηστότης 1 χρηστότης %-εοΰ und 12, 3 χάριτος 1 πίστεως. 
Als dritte derartige Lesart wäre noch 5, 17 der Akkusativ 
την δωρεάν zu nennen. Zwar setzt Origenes IV, 384, 33 den 
Genitiv, aber da Rufin den Akkusativ — im Gegensatz zu allen 
anderen lateinischen Zeugen — beharrlich wiederholt (L VI, 356,19; 
357, 4; 358, 1. 19; 359, 17; 362, 23), so muß man mit der Mög- 
lichkeit rechnen, daß er — wenn auch nicht ausschließlich, so 
doch wiederholt — im Commentar des Origenes vorgekommen 
ist. Zwar ist diese Lesart nicht ganz auf Origenes beschränkt 
— 10. 31. 76. 93. 431° gehen mit — , aber bei Origenes mag 
sie ihren Ursprung haben. Diese drei Stellen (5, 17; 11, 22; 

12, 3) sind es auch gerade, an denen allein 6 u. 67 ** zu- 
sammen eine vom Cod. v. d. Goltz abweichende Sonderlesart 
bieten. Darf man — trotz der zum Römerbrief commentar 
des Origenes führenden Spuren — annehmen, daß die drei Les- 
arten aus dem παλαιόν oder einer ihm ähnlichen Handschrift 
stammen? Ja; denn das παλαιόν ging ja auch auf Origenes 
zurück und hatte außerdem unzweifelhaft eine Vorliebe für 
eigentümliche Sonderlesarten 2 . Das παλαιόν kann sehr wohl 
11, 22 die Lesart ohne θ-εοΰ aus dem Klageliedercommentar 
enthalten haben, während Origenes bei der Abfassung des Römer- 
briefcommentars seine Meinung wahrscheinlich berichtigt und 
das früher weggelassene θ*εοο wieder eingefügt hat. Das παλαιόν 



1 Vgl. besonders R 3,2. 

2 12, 16 τά αυτά 1 το αυτό; 12, 17 άνταποδίδοντες 1 αποδίδοντες; 13, 7 
~ τέλος Ws φόρον bis; 13, 9 oni oö φονεύσεις; 15, 15 ~ υμϊν έγραψα; 
16, 17 om τά a σκάνδαλα; 16, 18 τω Χριστψ ημών 1 τφ κύρίφ ημών Χριστψ; 
16, 21 συνεργών 1 συνεργός μου. 



III. Die Ν. T.-Handschriften 6,47 und 67** usw. 73 

kann auch sehr wohl 12, 3 die Lesart χάριτος als etwas Be- 
sonderes aus der Exegese des Römerbriefcommentars entnommen 
haben, während der gelehrte Schöpfer unseres Codex richtig 
erkannte, daß es sich hier gar nicht um eine wirkliche Lesart, 
sondern nur um eine Verquickung des Bibelwortes mit den 
Worten des Origenes handelte, die zu einer textkritischen Rand- 
notiz — geschweige denn zu einer Textänderung — keinen 
Anlaß bot. Genau so steht es mit 5, 17. Dem παλαιόν ist 
das Wohlgefallen gerade an diesen den Schein des Altertums 
vortäuschenden Formen viel mehr zuzutrauen, als dem kritischen 
Schreiber des Codex v. d. Goltz. Der umgekehrten Annahme 
— daß 6 u. 67 ** auf eine verlorene Zwischenstufe zwischen 
dem Origenescommentar und dem Athostext zurückgehen — 
fehlt es also an Grund, auch bleibt für sie die völlige Gleich- 
gültigkeit der beiden Handschriften gegen die Athos-Scholien 
ein Rätsel. Es bleibt dabei: Mit der Vorgeschichte des 
Römerbrieftextes im Cod. v. d. Goltz haben 6 u. 67 ** 
nichts zu tun. 

Eine Folgerung freilich müßte sich ergeben, wenn 6 und 67** 
dem παλαιόν näher stehen als dem Commentartext: Ihre Verwandt- 
schaft zum heutigen Römerbrieftext des Athoscodex müßte in den- 
jenigen Stücken am größten sein, die dem παλαιόν entnommen sind. 
Die Kontrolle darüber ist indessen schwierig wegen der lückenhaften 
Collation der Handschrift 6 und weil es sich 67** nicht um eine 
Handschrift von gleichmäßigem Text, sondern nur um verstreute 
Oorrecturen handelt. Immerhin ist doch festzustellen, daß in dem 
ganz aus dem παλαιόν stammenden 13. Kapitel für 6 (Vers 11) und 
für 67** (Vers 13) nur je eine Abweichung bekannt ist. Sieht man 
von dem überhaupt an Sonderlesarten reichen Kap. 16 ab, so kann 
man auch von den anderen Abschnitten (9,1—10,1; 12, 16—21; 14,1—10) 
sagen, daß die Abweichungen sich in mäßigen Grenzen halten, daß 
ulso Bedenken gegen unsere Auffassung des Verwandtschaftsverhält- 
nisses von hier aus nicht erwachsen. 

Der Gedanke an eine verloren gegangene Zwischenstufe 
zwischen dem Origenescommentar und dem Codex v. d. Goltz 
hat also keine Stütze gefunden und darf darum nicht in Rechnung 
gestellt werden 1 , wir nehmen an, daß der Athostext direkt aus 



1 Daß nicht etwa Β dieser Zwischenstufe entspricht, braucht 
nicht eingehend nachgewiesen zu werden, der Apparat (S. 91 ff.), der 
alle Unterschiede zwischen Β und dem Athostext angibt, zeigt zur 



74 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

einem Exemplar des Origenescommentars entnommen worden 
ist. Aber dies Exemplar, das im 10. Jahrhundert benutzt wurde, 
kann natürlich einen Text besessen haben, der von dem ur- 
sprünglichen sehr verschieden war. Die zahlreichen Unter- 
schiede zwischen dem Text des Cod. v. d. Goltz und den Römer- 
briefzitaten des Origenes lassen ja durchaus an diese Möglichkeit 
denken. Etwas Näheres darüber wird sich aber nur dann 
ausmachen lassen, wenn die festgestellten Unterschiede (S. 47 ff.) 
auf ihr Verhältnis zu den großen Textgruppen der N.T.-Zeugen 
hin untersucht worden sind. 



IV. Die Unterschiede zwischen dem Text des 

Cod. v. d. Goltz und dem der origenistischen 

Römerbriefzitate in ihrem Verhältnis zu den 

übrigen Textzeugen des N.T. 

A. Das Verhältnis zu den einzelnen Textgruppen. 

1. Daß der Cod. v. d. Goltz eine ausgesprochene Ä-Lesart 
enthält gegen das einstimmige Zeugnis mehrerer Zitate, beob- 
achten wir nur in einem Fall: 1, 19 oo δ γαρ θ*εός 1 δ θ-εός γαρ. 
11, 4 ist die Recension Κ zwischen κατέλειπον — Athoscodex — 
und κατέλιπον — Origenes III, 35, 1: V, 318, 2 — gespalten. 
Ebenso schwankt sie 1 ? 27 zwichen ομοίως δε και, ομοίως τε 
και und ομοίως και, es kann also nicht als ÜT-Einwirkung an- 
gesehen werden, wenn der Athostext die erste dieser Formen 
bezeugt gegen II, 386, 33 ομοίως καΐ. Die isT-Lesarten 2,5 add 
και a δικαιοκρισίας und 7, 25 ευχαριστώ 1 χάρις schließlich hat 
Origenes nachweislich selbst in früheren Schriften verwendet. 
Das Exemplar, aus dem unser Gewährsmann seinen Text ent- 
nahm, ist also den sonst durchdringendsten und verhängnis- 
vollsten Einflüssen, denen der -ff-Recension, jedenfalls so gut 
wie gar nicht ausgesetzt gewesen. Ja, in zwei Fällen, in denen 
die Origeneszitate dem nachmals byzantinischen Text entsprechen, 
wird in ihm die Lesart der nicht byzantinischen Zeugen überliefert, 
es liest 2, 13 61 ποιηταϊ νόμου statt mit Κ und dem Spruch- 
Genüge, wie stark der Abstand ist, namentlich auch im Ver- 
hältnis zu W. 



IV. Die Unterschiede . . . und die übrigen Textzeugen des Ν. T. 75 

wörtercommentar οί ποιηταί του νόμου; 11, 26 ... δ ρυόμενος 
αποστρέψει statt mit Κ und der Psalmenauslegung ο ρυόμενος 
καί αποστρέψει. 

2. So oft auch unser Codex Lesarten überliefert, die mit 
DFG lat usw. übereinstimmen, so geschieht dies doch gegen 
das Zeugnis eines Origeneszitates auch wieder nur in beschei- 
denstem Maß, nämlich in 2 Fällen, deren TF-Charakter 1 
überdies sehr blaß ist: 14, 21 κρέας 1 κρέα D b 37. 469. und 
14, 23 τδ 1 δ ρ δε 2 D*P 37. 71. 1319. 2127. Es ist auffällig, 
daß diese beiden einzigen derartigen Fälle so nahe beiein- 
ander liegen. Ist unser Gewährsmann hier fremden Einflüssen 
erlegen? Zu dem ersten Fall ist zu beachten, daß κρέα; 
1. Kor. 8, 13 nicht durch D b 37, sondern durch N* vertreten wird, 
zum zweiten, daß das betreffende Zitat (L III, 99, 5) noch nicht 
in der Berliner Ausgabe vorliegt. Man kann in diesem Zu- 
sammenhang auch die anderwärts nur durch 366 (und 47) be- 
zeugte Lesart 8, 32 δς δε του ιδίου υιού ουκ έφείσατο nennen, 
sie erinnert an die TF-Lesart δς ουδέ του ιδίου υίοϋ (bzw. υίοΰ 
ιδίου FG) D*FGd*fg, sofern das sonst (auch D c ) fast allgemein 
bezeugte γε durch δε ersetzt ist; jedoch weit wahrscheinlicher 
als das Eindringen einer so verstümmelten IF- Lesart ist es, 
daß hier unserem sorgfältigen Gewährsmann doch einmal ein 
Schreibfehler unterlaufen ist. Für die Annahme von Verderb- 
nissen unseres Textes durch die TF-Gruppe haben wir also gleich- 
falls keinen ernsthaften Anhaltspunkt (vgl. v. Sodens An- 
deutungen o. S. 16). In einer ganzen Reihe von Fällen dagegen 
bietet das Exemplar unseres Autors einen von W unberührten 
Text, während der Text der entsprechenden Zitate in seiner 
sonstigen Bezeugung auf die TF-Gruppe weist. So fanden wir 
in den Zitaten vertreten: 2, 14 δε 1 γαρ G arm (g: „enim" vel 
„autem"); 5, 17 om της δωρεάς Ir. Aug. B. 49. Xp; 7, 14 δε 
1 γαρ D Ambr. Aug. vulgö sy 1 ' mg AL 120. 124; 8, 13 της σαρκός 
1 τοΰ σώματος DFG lat. Tert. Cypr. Did. Ephr. ; 8, 14 oo υιοί 
είσιν &εοΰ FGfg vulgi' w Hil. Pel. Aug. sy? B 2 ); 8, 38 δε 1 γαρ 

1 Das Wort „westlich"' (w) ist natürlich in dem heute gebräuch- 
lichen, nicht in dein ursprünglichen geographischen Siune gemeint. 

2 Freilich kommt auch die Lesart des Cod. v. d. G. oft bei 

TF-Zeugen vor: oo υιοί θ-εοΰ είσίν Ddm vulc;. dfhü Hieron., hier stehen 



76 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

Hier I; 870; 10, 8 add ή γραφή ρ λέγει Dd vulg ABDFemgKLoucvwzc 
Or. HU. Pel. Sed. 5. 17. 31. 39. 71. 80. 93. 121. 130. 136. 149. 
190. 259. 338. 424. 470. 1319. 2127 (darunter kein X-Zeuge). 
In diesen 7 Fällen stimmen die verschiedenen Zitate der ein- 
zelnen Bibelstellen nicht miteinander überein (s. o. S. 47 ff.), 
es ist überall ersichtlich, daß Origenes neben der TT- Lesart 
auch die im Cod. v. d. Goltz vorliegende Lesart — und zwar 
auch außerhalb des Römerbriefcommentars — verwendet hat. 
An anderen Stellen fehlen solche Beweise: 1, 1 oo Χρίστου Ίησου 
vn lg excßoeiAMTvwz dem Ambr. Ambrstr. Aug. Β 285. 425.^ 10 ; 2,14 oE 
τοιούτοι 1 οδτοι G lat. exc Hil - Ambrs t*• A *s• Hier. or. 3 ? 19 χ α χ εϊ ι } χ|γ ει ι 

(S. 0. S. 34) lat. excgAug.Pacian tf* bo; 3^ 35 ^ α ?μ ατι α 5 τοΰ l a t. 

exc fg 37_ 1319, (D er Athoscodex liest hier εαυτού αί'ματι mit Β, 
das lateinische Pronomen ipsius ist indifferent); 3, 30 om ό a 
%•εός D* ; 6, 4 γαρ 1 ουν lat. exc df ° m Tert Pacian - Au - sy ρ ; 8, 22 στενάζει 
1 συστενάζει lat. exc fccDFö*(?)L0T A mT>r. or. Pei. Aug. 29. 33. 35. 469. 

Noch drei weitere Zitatlesarten seien in diesem Zusammen- 
hang genannt ; 8, 26 προσευξόμεθ-α 1 προσευξώμεθ•α mit D und allen 
griechischen Zeugen außer Ν ABC 6, Xp und 15 Minuskeln (FG 
προσευχόμεθα); 8, 26 άλλα 1 αλλ' II, 332, 21 DFGNLP1F17 und 
ein Teil von K: 11, 21 add μήπω: (s. o. S. 49) DFG lat. exc 0r Α °ε• 
und alle griechischen Zeugen außer NABCP 6. 67** u. 8 anderen. 
Geht die Bezeugung dieser drei Zitatlesarten auch weit über 
die W- Gruppe hinaus, so ist doch zu beachten, daß in diesen 
Fällen alle W- Zeugen gegen den Cod. v. d. Goltz stehen. 

3. In den drei letzten Fällen wie auch an den unter 1 
genannten Stellen 2, 13 und 11, 2 stehen neben der Athos- 
lesart außer einigen Minuskeln und Vätern vor allem die 
ägyptischen Hauptcodices. Zuweilen tauchen auch Sonder- 
lesarten ägyptischer Handschriften auf. Wir fanden unter 2 
schon 3,2δ έαυτοΰ 1 αύτοϋ Β. Dazu kommt noch 8,11 om 
και a τα N S A 39 (47) 352 Μεθ\ Επιφ. und 8, 35 χωρίσ^ 
1 χωρίσει Α 272. Diese beiden Varianten sind auch durch 
anderweitige Zitate bezeugt. 



aber daneben tf AC 5. 39. 80. 98. Außerdem kommen noch in einzelnen 
Handschriften contra Celsum vor: oo είσΐν ufol θ-εοδ Κ und co θ -soö 
υίοί είσιν 437 (vgl. I, 368, 22 und oben S. 37 u. 48). 



IV. Die Unterschiede . . . und die übrigen Textzeugen des Ν. T. 77 

Mehrfach aber wird auch eine ägyptische Sonderlesart 
abgelehnt, die die Zitate bieten: 

5, 3 καυχώμενοι 1 καυχώμεθα BC 80. 259. 302. 1319. 2127. 
Tert. Ephr. ; δ, 17 om της δικαιοσύνης C 70*; 7,3 add ή γυνή 
ρ χρηματίσει Α bo Χρ.; 8, 15 άλλα 1 αλλ' a έλάβετε KABC 57 
8, 28 add ό θ-εός ρ άγαθ-όν vgl. AB. 

4. Nur ganz wenige Zeugen bieten mit der Athoshand- 
schrift gegen die Origeneszitate folgende Lesarten: 

3,31 ϊσταμεν 6. 47. Apostoloslectionar 261; 5,7 om γαρ 2 
L 2. 32. 62. 18 lect arm; 10,8 add σφόδρα a εν 6. 47; 16,25 
om και το κήρυγμα Ίησοΰ Χρίστου ohne Nebenzeugen. 

Andrerseits werden folgende in Zitaten vorkommende 
Sonderlesarten im Cod. v. d. G. durch den gebräuchlichen 
Text ersetzt: 

2, 1 add κρίματι ρ γαρ (Mt. 7, 2) C* 21. 31. 37. 73. 80. 
93. 137. 179. 230. 259. 260. 277. 424. 1319. 2127. A3-. Hier; 
2, 16 εν Χριστώ Ίησοΰ 1 δια Ίησοΰ Χρίστου; 5, 13 add 
ή a αμαρτία 19 lect 38. 62. 190. Θφλ.; 8,15 om πάλιν Ψ 17. 
39. 54. 190*. 253; 11,22 χρηστότης 2 (om θ-εοΰ) 6. 67**. 

Β. Die Ursache der Unterschiede. 

Fraglos besteht das wichtigste Ergebnis dieser Unter- 
suchung in der Erkenntnis des eigentümlichen Verhältnisses 
zum TV-Text. Alles andere, Sonderlesarten, Κ und Η treten 
demgegenüber zunächst ganz zurück. Die Unterschiede 
zwischen den Zitaten und dem Cod. v. d. Goltz stehen 
wirklich in Beziehung zu einem fixierbaren Text, 
freilich — umgekehrt wie man es erwarten müßte — nur 
in dem negativen Sinne, daß der Cod. v. d. Goltz 
— und somit auch das in Frage stehende Exemplar des 
Commentars — viel weniger TV-Eigentümlichkeiten auf- 
weist, als die Zitate. 

Können wir feststellen, woher diese Veränderung der Text- 
gestalt kommt? Es fragt sich, ob sie unabsichtlich oder ab- 
sichtlich entstanden ist und ob sie der Überlieferungsgeschichte 
des Commentars oder dem Origenes selbst zuzuschreiben ist. 
Gegen unabsichtlich eingedrungene Abweichungen während der 
Überlieferungsgeschichte des Commentars bietet der Schreiber 



78 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

unserer Handschrift einige Sicherheit. Solche Veränderungen 
im Text würden doch wahrscheinlich oft mit den auf den 
ursprünglichen Text berechneten Erläuterungen des Commentars 
in direktem Widerspruch 1 stehen, und der Gelehrte, der den 
Auszug herstellte — mochte er auch nicht jede Abweichung 
der έξήγησις vom ρητόν anmerken können — würde eine 
regelrechte Unstimmigkeit sicher gemerkt und notiert haben. 
Auch würde man bei unbewußt entstandenen Änderungen immer 
einen erheblichen Prozentsatz ausgesprochen byzantinischer 
Lesarten erwarten müssen. Es muß sich um eine bewußte 
Abwendung von dem Text der Zitate handeln. Wer 
hat sie vollzogen? Zur Beantwortung dieser Frage geben die 
unter Α 1, 3 und 4 zusammengestellten Varianten einen Finger- 
zeig. Wer die Textumgestaltung vornahm, das zeigen diese 
Zusammenstellungen, der scheute sich nicht vor Sonderlesarten 
(3,31; 5,7; 10,8; 16,25), trug aber andrerseits auch kein 
Bedenken, solche zu beseitigen (2, 1. 16; 5, 13; 8, 15; 11, 22). 
Im übrigen band er sich in erstaunlich geringem Maße an 
bestimmte Traditionen, er entnahm oder verwarf aus Κ und 
H. was ihm gut schien. Hat irgendein späterer Gelehrter den 
Commentar in dieser von Traditionen freien Weise bearbeitet? 
Man fragt vergeblich, wer. Viel näher, als die Annahme eines 
unbekannten Verbesserers dieser Art liegt doch die Auskunft, 
daß Origenes selbst im Commentar einen etwas anderen 
Text benutzte, als sonst — d. h. in den Zitateu — und 
daß die Vorrede zu den paulinischen Briefen in der 
Athoshandschrif t völlig im Recht ist. Alle von uns 
beobachteten Tatsachen erklären sich unter dieser Voraus- 
setzung am ungezwungensten. Daß Origenes die W fremden 
Lesarten der Athoshandschrift gekannt und gelegentlich ver- 
wendet, gelegentlich aber auch verworfen hat, konnten wir ja 

1 Ganz frei von Widersprüchen ist der Commentar natürlich 
nie gewesen, in einer Schrift des Origenes kann es immer leicht ge- 
schehen, daß mehrere Lesarten derselben Stelle miteinander wechseln, 
und wir rechnen ja praktisch auch damit, daß es im Romerbrief- 
commentar so war; aber solange Origenes selbst hinter dem Ganzen 
stand, war dafür gesorgt, daß es bei kleinen Mißhelligkeiten blieb. 
Ganz anders dagegen mußte der AViderstreit werden, wenn eine un- 
bewußte Umgestaltung an den Bibelsprüchen im Commentar einsetzte! 



IV. Die Unterschiede . . . und die übrigen Textzeugen des N.T. 79 

in vielen Fällen nachweisen; als er den Text für seinen Com- 
mentar festlegte, ist die Abwendung vom IF-Text eben gründ- 
licher und einheitlicher erfolgt. — Die Basis von nur 41 Ab- 
weichungen, auf der dieser Schluß ruht, ist freilich sehr schmal, 
aber sie reicht aus, um die Unwahrscheinlichkeit aller anderen 
Auffassungen darzutun. 

Rückblick. Dieses Ergebnis wird bestätigt durch die 
Beobachtungen, die wir oben S. 34 an verschiedenen Lesarten 
des Römerbriefcommentars machten. Es war uns dort wahr- 
scheinlich geworden, daß Origenes, alter Gewohnheit folgend, 
manchmal eine der jetzt eigentlich von ihm verworfenen Les- 
arten im Flusse des Dictats doch wieder gebraucht hat. Nur 
an einer der dort beobachteten Stellen, nur 7, 14 (σάρκινος 
1 σαρκικός) stehen dabei die ΤΓ -Zeugen auf Seiten des Cod. 
v. d. G., aber sie fallen nicht ins Gewicht, da N*BC 31. 136. 
149. 285. 437. 1319 mitgehen. In den anderen fünf Fällen 
liegt es genau so, wie es bei den meisten vom Cod. v. d. Goltz 
abweichenden Zitaten festgestellt wurde: 6,11 *>w νεκρούς μεν 
είναι ist die Lesart von fg vulg excFL und außerdem der meisten 
Minuskeln; 3,19 λαλεί 1 1 λέγει 1 wird von lat exc * Au s• Paeian 
N*bo bezeugt; 4, 9 "^ ή πίστις τω 'Αβραάμ von d*vulg c 252; 
8,39 om τις a κτίσις von DFG lat exc 0r ffler - syP Tert. 114. 
219*. 469; 8, 26 schließlich wird die Lesart προσευξώμεθ-α 
des Cod. v. d. G. von keinem griechischen TP r -Zeugen geteilt. 
Da diese sechs kurzen Zitate wohl alle nicht von Schreibern 
stammen werden, sondern als Gedächtniszitate des Origenes 
anzusehen sind, so ergibt sich eine sehr bezeichnende Feststellung: 
Daß Origenes manche Römerbriefsprüche gewissermaßen noch 
einmal umlernte, daß er Wendungen, die aus seinem Gedächtnis 
und aus seiner Sprechweise nicht mehr ganz weichen wollten, 
von dem im Commentar zugrunde gelegten Text doch geflissent- 
lich fernhielt, ist nicht zu bezweifeln und es geschah fast stets 
im Widerspruch gegen den von uns heute mit W bezeichneten 
Lesartencomplex 1 . — Bleibt die Basis dieser Erwägungen auch 

1 Auch die Correctur 7, 8 ist in diesem Zusammenhang zu 
nennen. Dort stand im Athostext ursprünglich άφορμψ λαβοϋσα — D*. 
Wahrscheinlich kam diese Lesart (falls sie so genannt werden darf) 
in der Erklärung vor und das Auge des Schreibers ruhte auf dieser 



80 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

schmal, sie führt doch bis auf die Eigenarten einer bestimmten 
Persönlichkeit, in der wir Origenes erkennen dürfen. Damit 
wird das, was S. 36 u. 51 eine Möglichkeit blieb, zur größten 
Wahrscheinlichkeit. 

Neue Aufschlüsse über die Art, wie die TF-Lesarten damals 
im Umlauf waren, erhalten wir aus unserem Text und aus 
den sonstigen Schriften des Origenes nicht. Man wird aber 
nicht fehlgehen mit der Annahme, daß seine der TF-Gruppe 
nahestehenden Ν. T.- Handschriften verhältnismäßig neu waren 
und sich zum täglichen Gebrauch für ihn und seine Gehilfen 
daher besser eigneten, als alte, wertvolle, schonungsbedürftige 
Codices, daß aber ein Commentar als Grundlage nicht den 
handlichsten, sondern den besten Text erhielt. Ob ein vor- 
handener unverändert benutzt wurde oder ob eine διόρθ-ωσι; 
dieses Textes voranging — wie Griesbach op. acad. I p. 241 
es für möglich hält — läßt sich nicht sicher entscheiden ; 
wahrscheinlich ist doch wohl das letztere 1 . Die Grundsätze, 
nach denen die διόρθωσις vorgenommen (bzw. die Wahl des 
maßgebenden Textes getroffen) wurde, sind nirgends mitgeteilt. 
Spielte dabei dogmatische oder exegetische Voreingenommen- 
heit 2 eine wichtige Rolle? Wenn Origenes 2, 14 ol τοιούτοι 
durch ούτοι und 3, 19 das erste λαλεί durch λέγει ersetzt, wenn 
er 4, 9 die Wortstellung ändert in ~ τω Άβαάμ ή πίστις und 
8, 39 die Wortfolge ούτε κτίσις durch ein τις trennt, obschon ihm 
diese Lesarten geläufig (s. o.) geworden waren, so kann schwerlich 
spiritualisierende Schriftauslegung — oder was es sonst sei — 
dahinter stehen. Sind etwa gerade die TF-Lesarten der orige- 
nistischen Exegese gegenüber besonders spröde, so daß in 
erster Linie sie den allegorischen Interessen geopfert werden 
mußten? Viel wahrscheinlicher ist es doch, daß Origenes in 
der Hauptsache einfach als Philolog den ältesten, besten Text 

vereinzelten W-Remiuiscenz statt auf dem im ρητόν und wohl aucii 
sonst bezeugten Text. Als er den Fehler merkte, schrieb er das δέ 
über und setzte an den Rand das Zeichen ωργ. Vgl. auch die S. 86 
aufgestellten Vermutungen. 

1 Vgl. ζ. Β. E. Hautsch: Die Evangelienzitate des Origenes 
T. U. Bd. 34 Heft 2» S. 4. 

2 Vgl. Lietzmann S. 17 . . . 0. . . . schaltet nach seinem, von 
unserem heutigen kritischen Urteil sehr verschiedenen Gutdünken. 



V. Ergebnisse für die Textkritik des Röinerbriefs. 81 

wiederherzustellen (bzw. auszuwählen) suchte und den anderen 
Rücksichten nur gelegentlich nachgab, daß er namentlich dem 
einmal gefaßten Mißtrauen gegen die W-Gruppe, die ihm in 
gewissem Grade schon als faßbare Größe gegenüberstand, ohne 
Nebengedanken nachging. 

V. Ergebnisse für die Textkritik des Römerbriefs. 

Daß es durch den Cod. v. d. Goltz zu einschneidenden oder 
überraschenden Neuerungen auf dem Gebiet der Römerbrief- 
textkritik kommen würde, konnte von vornherein niemand an- 
nehmen, dazu stehen ihre Ergebnisse schon zu fest, außerdem 
ist die Zahl wichtiger Varianten im Römerbrief ja gering. Immer- 
hin ist für eine ganze Reihe von Einzelfragen ein neuer Gesichts- 
punkt gegeben. 

Da sich der Abdruck einer eingehenderen Untersuchung 
darüber verbietet, gebe ich nur eine kurze Übersicht. 

A. Das Verhältnis zu den wichtigsten Ausgaben des Ν, T. 

Die Ausgaben von Tischendorf, Westcott-Hort, B. Weiß und 
von Soden weichen im Römerbrief an 155 Stellen 3 unterein- 
ander ab. Sehen wir von diesen Stellen zunächst ab und stellen 
wir den übereinstimmenden Text aller übrigen Stellen als Maß- 
stab auf, so ergibt sich folgendes Verhältnis der wichtigsten 
Textzeugen: ν weicht von dem übereinstimmenden Text 28 mal 
ab, Β 35 mal, (C 29 mal, doch ist dieser Codex wegen seiner 
Lücken zur Vergleichung nicht geeignet), Α 55 mal, der Athos- 
codex 43 mal. Es erscheinen also nur Ν und Β als dem Cod. 
v. d. G. überlegene Zeugen. — Ist Origenes imstande gewesen, 
einen so vorzüglichen 2 Text herzustellen (bzw. auszuwählen), 

1 Dazu kommen noch 29 Unterschiede betreifend die Assimilation 
von έν und σον, die Elision und kleine orthographische Einzelheiten. 
Die Zahlen — die natürlich auch etwas anders berechnet Verden 
können — beziehen sich nur auf den Teil des Römerbriefs, der im 
Athoscodex aus Origenes entnommen ist, also nicht auf Kap. 9, 
12, 16-14, 10 und 16, 1—24. Die Alternativlesarten von Westcott-Hort 
sind meist mitgerechnet. 

2 Würden orthographische Eigentümlichkeiten mitberücksichtigt, 
so müßte man den Athoscodex fraglos an die erste Stelle rücken. 

T. u. U. '23: Bauernfeind . 6 



82 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

so wird man ihm auch eine Strecke weit über das gesicherte 
Gebiet hinaus folgen dürfen. Andererseits wird man aber auch 
manches bisher angeblich sichere Ergebnis als durch seine 
Autorität erschüttert ansehen müssen. 

B. Stellen, an denen die Ausgaben voneinander abweichen. 

Oft hängt das Urteil über eine Lesart davon ab, wie man 
über ihre Vertretung durch den TF-Text denkt. Die Sichtung 
der TF- Lesarten aber ist gerade der Teil der origenistischen 
Arbeit am Text, der, wie wir mit einigem Recht anuehmen, 
vorwiegend durch rein sachliche Gesichtspunkte bestimmt war 
und der von Origenes unter ganz ungleich günstigeren Bedingungen, 
mit weit besseren Aussichten auf Erfolg, unternommen werden 
konnte, als von irgendeinem Forscher nach ihm. 

Man wird gewiß das Richtige treffen, wenn man mit Origenes 
folgende TF- Lesarten ablehnt: 

1,1 oc Χρίστου Ίησοΰ; 2, 13 dm τω a θ•εω; 4, 5 άσεβη 
1 άσεβήν; 4, 22 om και 1 ; 5, 2 om τη πίστει; 5, 6. είς τι 1 ετι 
γαρ; 6, 21 add μεν a γάρ: 7, 6 om ήμας; 7, 25 om μεν; 8, 21 
διότι 1 δ'τι; 10, 20 add εν 1 und εν 2 ; 11, 21 add μήτκος a ουδέ; 

14, 12 αποδώσει 1 δώσει; 14, 21 add ή σκανδαλίζεται ή άσ-θ-ενεΐ; 

15, 15 add αδελφοί; 15, 17 add την a καύχησιν; 15,20 φιλο- 
τιμούμαι 1 -μενον; 15, 24 αφ' 1 υφ'; 15, 31 δωροφορία 1 διακονία; 
έν 1 είς a Ιερουσαλήμ. 

Die Art und Zahl der TF-Zeugen ist aus dem Apparat unter dem 
Text S. 91 ff. zu ersehen. 

Wo andererseits Origenes — d. h. der Athostext — ent- 
gegen dem so oft beobachteten Brauch einer Lesart folgt, die 
uns als TF-Lesart entgegentritt, da wird er meist seine guten 
Gründe gehabt haben, die betreffende Lesart wird ihm dann 
auch in seinen besten Texten begegnet sein. Folgen wir ihm 
— unter der oben Zeile 6 genannten Voraussetzung — auch 
darin," so sind folgende, von den neueren Ausgaben nicht ein- 
hellig beurteilte Lesarten anzunehmen: 

2, 8 om μεν; 4, 9 om δτι; 4, 19 om ήδη a νενεκρα>μένου; 
6, 11 om τω κυρίω ημών; 8, 2 σε 1 με; 10, 3 om δικαιοσύνην; 
10, 5 οο δ'τι την δικαιοσύνην; 11, 6 om ει δέ εξ έργων, ούκέτι εστίν 
χάρις, έπεί το Ι'ργον ούκέτι εστίν έργον; 11, 20 ύψηλοφρόνει 1 υψηλά 



V. Ergebnisse für die Textkritik des Römerbriefs. 83 

φρονεί; 11, 22 έπιμένίβς 1 έπιμείνης (in d. Athoshandschrift ist 
έπιμέν^ς Correctur 1. Hand, also wohl Verbesserung einer von 
falscher Stelle abgeschriebenen Form; vgl. o. S. 79 Anm. 1); 

11, 23 έπιμένωσιν 1 έπιμείνο^σιν; 11, 25 om παρ bzw. εν a έαυτοΐς; 

12, 2 om υμών ρ νοός; 12, 14 om υμάς ρ διώκοντας (das ομάς 
erklärt sich wohl aus Paralleleinfluß von Mt 5, 44: προσεύχεσθ-ε 
υπέρ τών διωκόντων υμάς 1 ; vgl. S. 43 Anm. 1); 12, 15 om και; 
14, 12 om οΰν ρ άρα; om τω θ-εώ ρ δώσει; 15, 8 γενέσθ-αι 
1 γεγενησθ-αι : 15, 23 πολλών 1 ικανών; 15, 33 om αμήν. 

Zur Bezeugung der einzelnen Lesarten s. Apparat S. 91 tf. 

Sollte Origenes nicht zur διόρ9•ωσι- eines Textes geschritten sein, 
so kann natürlich von einer Einzel-Sichtung der W-Lesarten nicht 
die Rede sein; zu einem Exemplar des Textes, das seinen Ansprüchen 
an eine Commentargrundlage genügte, würde mau aber beinah 
ebensoviel Vertrauen haben, wie zu seinem eigenen textkiitischeu 
Können. Was ihm in bewußter Arbeit gelingen konnte, war dem 
Schreiber dieses Textes wahrscheinlich noch ohne viel gelehrte 
Forschung möglich. 

Aus den übrigen der heute umstrittenen Lesarten sei nur 
eine hervorgehoben: die Auslassung des zweiten ουκ εστίν 
3, 12. Sie müßte nämlich unbedingt auch dann als ursprüng- 
licher Text gelten, wenn sie von keiner einzigen weiteren Text- 
handschrift bezeugt wäre. Dieses zweite ουκ εστίν kann nur 
durch das Übersehen der dafür entscheidenden Origenes-Aus- 
legung in der Catene in die Ausgaben von Tischendorf, Westcott- 
Hort und v. Soden eingedrungen sein. Cat. I, 219, 13, lüff. 
heißt es: „και το 'ουκ εστί δίκαιος ουδέ εις' νομίζο) γεγονέναι 
εκ τοϋ 'ούκ εστί ποιών χρηστότητα, ουκ εστίν εως ενός' ώστε 
tq δυνάμει δις αυτόν τε^εικέναι, άπαξ μεν μεταποιήσαντα, άπαξ 
δε λέξεσι ταΐς αύταϊς χρησάμενον, και παραλιπόντα τό δεύτερον 
εφημένον Όύκ έστιν'." ,,Ούκ εστίν δίκαιος ουδέ εις α ist dem- 
nach eine Änderung aus ,,ούκ εστίν δ ποιών χρηστότητα, ουκ 
εστίν εως ενός". Aber Paulus hat sich nach der Meinung des 
Origenes nicht damit begnügt, dies Wort in der veränderten 
(μεταποιήσαντα), an die Spitze gestellten Form zum Ausdruck 
zu bringen, sondern er schreibt es dann noch einmal λέξεσι 
ταΐς αύταΐς, aber, da ja der Sinn schon ausgesprochen war, 

1 Auffälligerweise wird die erste Hälfte von R 12, 14 von FG 

ausgelassen, von D hinter die zweite gerückt. 

6* 



84 Bauernfeind: Der Römerbrief text des Origenes. 

so verkürzt er es etwas, er läßt das zweite ούκ εστίν weg. — 
Origenes kannte, wie sich aus dieser Erklärung mit Sicherheit 
ergibt, 1. keine alttestam entliehe Lesart dieser Stelle ohne 
zweites ούκ εστίν, 2. keine neutestamentliche Lesart mit dem 
zweiten ούκ εστίν. Zahns 1 Vermutung, daß ούκ εστίν εως 
ενός Ps. 14, 1 LXX eine Interpolation aus unserer Stelle sei, 
wird durch 1 widerlegt; es ist undenkbar, daß diese Inter- 
polation bis zur Zeit des Origenes eine solche Verbreitung ge- 
funden haben sollte, daß er sie als selbstverständlich hinnahm. 
Dann ist es aber 2 erst recht unmöglich, daß ein LXX-Zitat 
im Römerbrief so schnell und so allgemein gegen den Wortlaut 
des LXX-Textes verändert worden wäre, daß schon Origenes 
die wortgetreue Form nicht mehr kannte. Das heute fast 
überall bezeugte zweite ούκ εστίν ist vielmehr erst in späterer 
Zeit durch den Einfluß der LXX entstanden. Die richtige 
Lesart bieten außer dem Athoscodex nur noch Β 6. 67**. 

Origenes ist weit davon entfernt, dies Zitat einfach dem 
LXX- Wortlaut anzupassen, er gibt sich vielmehr Mühe, die 
Ungenauigkeit psychologisch zu erklären. Das muß berück- 
sichtigt werden, auch dort, wo Origenes ein Zitat in einer den 
LXX näheren Gestalt bringt, ζ. B. R 10, 8, wo er allein (mit 47) 
mit Dt. 30, 14 σφόδρα liest. Hier wird er wohl, die Wahl 
gehabt haben zwischen Handschriften mit und ohne σφόδρα. 
Daß er dann — entgegen unserer heutigen Arbeitsweise — 
das „richtige" Zitat vorzog, wird man gerne glauben, nicht 
aber, daß er selbst Zitate nach seinem Gutdünken umgestaltete. 

€. Stellen, an denen die Ausgaben gegen den Cod. v. d. Goltz 
übereinstimmen. 

An einigen von diesen 43 Stellen (s. o. S. 81) kommt die 
Lesart unserer Handschrift als ursprünglicher Text in Frage. 

Über 1, 7 erfahren wir aus dem Scholion leider nur, 
daß „εν Τώμηι" fehlte, der Athosschreiber trägt diese beiden 
Worte aus dem παλαιόν oder aus den ihm sonst bekannten 
Texten nach. Ob das bei den auf εν 'Ρώμηι folgenden Worten 
ebenso ist, oder ob hier schon wieder der Origenescommentar 

1 a. a. 0. S. 164 Anni. 22. 



V. Ergebnisse für die Textkritik des Römerbriefs. 85 

spricht, ist nicht gesagt. G und g lassen εν Τώμγ] gleichfalls 
weg, sie allerdings außerdem auch 1, 15. Die Frage nach 
dem Wert dieser Lesart bespricht Zahn S. 615 bejahend, Lietz- 
mann S. 25 verneinend. Jedenfalls hat Origenes hier als ein- 
ziger griechischer Zeuge neben G eine Lesart aufbewahrt, die 
als Urtext durchaus in Erwägung zu ziehen ist. 

3, 8 ist der Athoscodex (mit 47) der einzige griechische 
Zeuge für eine Lesart, die im lateinischen Text fast überall 
erhalten ist: "y ή μας τίνες = nos quidam. Die umgekehrte 
Wortstellung quidam nos bezeugen unter den von Wordsworth- 
White benutzten Lateinern nur g und Augustin, außerdem die 
Sixtinische und Clementinische Vulgataausgabe. Die glattere 
Lesart ist die gebräuchliche griechische: „καθ-ώς φασίν τίνες 
ήμας λέγειν, δτι ποιήσωμεν τά κακά . . ., φασίν und τινές ge- 
hören zusammen. Die andere wird als lectio difficilior dem- 
nach den Vorzug haben; vielleicht ist sie so zu erklären, 
daß Paulus zunächst nur das Wort „φασίν" geplant hatte: „wie 
man von uns sagt". Aber dann, als das folgende ήμας schon 
seinen Platz hatte, ergab sich doch die Notwendigkeit, das 
allgemeine „man" durch ein nun etwas zu spät angehängtes 
τινές zu mildern. — Auch 15, 3 om δ a Χριστός und 15, 14 om 
μου ρ αδελφοί sind hier zu nennen. Schließlich können die Halb- 
verse 6, 16 b und 8, 1* in der Form, die sie in unserer Hand- 
schrift haben, ganz gut als Grundlage einer verwickelten Text- 
geschichte und somit als ursprünglicher Text verstanden werden 
{. . . boüloi έστε, ου υπακούετε, ήτοι αμαρτίας ή υπακοής εις 
δικαιοσύνην und ουδέν άρα νυν κατάκριμα έν Χριστώ Ίησοΰ). 
Für den ursprünglichen Text kommen nicht in Frage: 
1, 19 <v> 6 γαρ θ-εός; 2, 17 ιδε 1 ει δέ (Erleichterungs- 
variante); 3, 2 πρώτοι γαρ 1 πρώτον μέν γαρ δτι (Erleichterungs- 
variante); 3, 3 οο τήν του -θ-εοΰ πίστιν; 3, 9 co υφ' άμαρτίαν 
πάντας; 3, 25 έαυτοΰ 1 αύτοΰ; 3, 31 ί'σταμεν 1 ίστάνομεν; 4, 1 
πατέρα 1 προπάτορα; 5, 7 μόγις 1 μόλις; om γαρ 2 ; 5, 14 έπι 
τους άμαρτήσαντας 1 και επί τους μή άμαρτήσαντας (alte Er- 
leichterungsvariante, vgl. Zahn und Lietzmann z. Stelle); 5, 15 
co Χρίστου Ίησου (doch s. S. 21); 5, 18 άρ' 1 άρα; 6, 16 ου 1 ω; 
7,3 άρ' 1 άρα; 7, 25 add μου ρ νοί; 8, 12 άρ' 1 άρα; 8, 17 συμ- 
πάσχωμεν 1 συμπάσχομεν; 8, 26 αλλ' 1 αλλά; 8, 28 γαρ 1 δέ; 



86 Bauernfeind: Der Romerbrieftext des Origenes. 

8, 32 δε 1 γε; 8, 34 om δς καί έστιν εν δεξιά του θ-εοΟ (Sprung, 
durch doppeltes δ'ς veranlaßt, der einzige derartige Fehler unseres 
Textes); add και ρ δέ; 10, 8 add σφόδρα ρ έστιν; 10, 14 έπι- 
καλέσονται 1 -ωνται; 12, 2 om και a μη συ σχηματίζεστε τφ 
αιώνι τούτω; 14, 10 om γαρ; (durch den Anfang eines neuen 
τό[ΐοζ zu erklären, s. o. S. 50); 14, 21 κρέας 1 κρέα; 14, 23 το 1 δ a 
ούκ 2 ; 15, 7 add την a δόξαν; 15, 15 οο υμιν έγραψα; 15, 24 
πορευόμενος 1 διαπορευόμενος; 15, 27 οο αυτών εισιν; 16, 25 
οο Χρίστου Ίησοΰ; 16, 26 ύποταγήν 1 υπακοήν; 16, 27 om 
αμήν. Schließlich ist auch 8, 11 om εκ νεκρών 1 zu nennen. 
Man könnte freilich denken, daß diese Worte ursprünglich ge- 
fehlt hätten und aus dem nächsten Satzteil eingedrungen seien, 
aber es ist wohl wahrscheinlicher, daß die feierliche, etwas 
schwerfällig klingende Wiederholung zur Auslassung des ersten 
εκ νεκρών lockte. 

Aber im Anschluß an die Aufzählung dieser 37 als 
Urtext unmöglichen Abweichungen vom Consensus sei noch 
einmal an die selbstverständliche Tatsache erinnert, daß der 
Schreiber des Cod. v. d. Goltz trotz seines textkritischeii 
Geschicks vor Irrtümern nicht sicher war. Bei der Revision 
von 7, 8 merkte er es, daß das δέ — wahrscheinlich wegen 
einer in der έξήγησις vorkommenden W- Variante l — weg- 
gelassen war; anderwärts mag ein derartiger Fehler manchmal 
unbemerkt geblieben sein und es ist nicht Willkür, wenn wir 
gerade unter diesen 37 Stellen nach solchen Versehen suchen. 
Eines liegt ja auf jeden Fall vor; denn niemand wird glauben, 
daß Origenes 8, 34 den Satz δς καί έστιν εν δεξιά του θ-εοΰ 
weggelassen hätte. Hier muß unser Gewährsmann ein wenig 
unaufmerksam gewesen sein. Daß 6 Verse vorher das γαρ 
schwerlich die eigentliche Lesart des Origenes war, daß er 
vielmehr δέ bevorzugt haben muß, ergab sich uns schon oben 
S. 33, also zwei Fehler innerhalb von 6 Versen! Damit kommt 
natürlich dieser ganze Abschnitt unter Verdacht, und wenn wir 
hier weitere merkwürdige Abweichungen finden, so ist es sehr 
fraglich, ob nicht auch da der eigentliche Text des Origenes 
entstellt worden ist. Tatsächlich liegt nun ja auch gleich in 



1 Vgl. hierzu S. 79 Anm. 1 und zu 11, 22 S. 83. 



VI. Zusammenfassung. Schluß. 87 

v. 34 noch eine zweite Abweichung vom Consensus vor: add 
και ρ δε. Sollte es sich hier nicht auch um eine gelegentlich 
in der Exegese des Origenes vorkommende W- (and üT-jLesart 
handeln, die zu Unrecht in den Textauszug kam? Und sollte 
nicht die S. 75 erwogene Möglichkeit, daß das δε 1 γε 8, 32 
ein bloßer Schreibfehler ist, an den anderen Beobachtungen 
eine starke Stütze finden? 

Es finden sich noch zwei andere Fälle, in denen verdäch- 
tige Eigentümlichkeiten nahe beieinander stehen: 14, 21 — 23 
und 3, 3 — 9. κρέας 1 κρέα 14, 21 und το 1 δ a ου 2 14, 23 
fielen uns schon oben S. 75 auf; es kann sein, daß unser Ge- 
währsmann auch hier von vereinzelten TT- Anklängen in der Aus- 
legung des Origenes beeinflußt war, vielleicht ist hier aber 
überhaupt die Vorlage aus irgendeinem Grunde verlassen und 
ein fremder Text herangezogen worden; das ausradierte Scholion 
zu 14, 23 gab vielleicht nicht nur über die Stellung der Doxologie, 
sondern auch hierüber Auskunft. Jedenfalls möchte ich beide 
Varianten nicht ohne weiteres dem Origenes selbst zusprechen. 
Dasselbe gilt schließlich auch von den singulären Wortum- 
stellungen 3, 3 und 3, 9. Will man eine Vermutung über deren 
Entstehung wagen, so mag man annehmen, daß vor dem Schreiben 
von 3, 1 — 9 die drei darin enthaltenen ungewöhnlichen Wort- 
stellungen der Gegenstand bewußter Überlegung gewesen sind. 
3, 8 co ημάς τίνες stand jedenfalls als Lesart des Commentars 
fest, 3, 3 την του θεού πίστιν und 3, 9 οο ύφ' άμαρτίαν πάντας kamen 
wohl auch darin vor, sollten vielleicht ursprünglich am Rande 
der Handschrift notiert werden. Aber, statt daß dies geschehen 
wäre, kamen sie in einer schwachen Minute beide mit in den 
Text. — Wird durch die Erkenntnis solcher Fehler der prak- 
tische Wert unserer Handschrift etwas beeinträchtigt, so hebt 
sich dafür desto mehr der Wert des eigentlichen Origenestextes. 

Vi. Zusammenfassung. Schluß. 

Im Zusammenhang mit Hermann Frhr. v. Sodens großem 
textkritischen Unternehmen ist der bedeutungsvolle Athoscodex 
Lawra Megiste 184 Β 64 ans Licht gekommen, aber sein wich- 
tigster Bestandteil, der nach einer praescriptio aus dem Origenes- 



88 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

commentar ausgezogene Rom erbrief text ist durch v. Soden selbst 
gleich wieder in die Vergessenheit gedrängt worden. Es sind 
zwei grundsätzliche Bedenken gegen v. Sodens Behandlung dieses 
Textes zu erheben : 1 . er hat Rufins Übersetzung des origenistischen 
Römerbrief commentars in viel zu hohem Grade als Zeugen für 
den griechischen Bibeltext seiner Vorlage herangezogen, 2. er 
hat die Möglichkeit, daß es sich wirklich um einen vor den 
Recensionen liegenden Text handeln könnte, überhaupt nicht 
aufgestellt und statt dessen die Recensionen als feste Ausgangs- 
punkte zur Bestimmung auch dieser Textform verwendet. Dem 
gegenüber muß festgestellt werden, daß als einziger einiger- 
maßen fester Ausgangspunkt nur die Römerbriefzitate in den 
erhaltenen griechischen Schriften des Origenes in Frage kommen 
können. Diese Zitate zeigen nun, mit dem Athostext verglichen, 
weitgehende Übereinstimmung, aber doch auch manche Unter- 
schiede. Zu deren Erklärung müssen weitere Zeugen vernommen 
werden. Diese geben jedoch keinerlei Hinweis auf irgendwelche 
fremden Einflüsse, unter denen die Abweichungen entstanden 
sein möchten, weder während einer etwaigen Überlieferungs- 
geschichte nach der Herstellung des Textauszuges, noch vorher 
während der Überlieferungsgeschichte des ganzen Commentars. 
Also wird Origenes selbst der Urheber der Abweichungen sein, 
er wird seinem Commentar einen Text zugrunde gelegt haben, 
der nicht ganz den ihm geläufigen, sonst von ihm gebrauchten 
Textformen entsprach. Wir besitzen demnach nicht nur — in 
dem Cod. v. d. Goltz — den Text des Origenes, sondern wir 
gewinnen zugleich einen — wenn auch bescheidenen — Ein- 
blick in seine textkritische Arbeitsweise. Es ergibt sich nämlich, 
daß er vor allem diejenigen Lesarten stark gesichtet hat, die 
wir heute als W- Lesarten bezeichnen. Sie — und damit die 
Handschriften, die sie vertraten — werden ihm also im All- 
gemeinen verdächtig gewesen sein ; wo er trotzdem dem TT-Text 
folgte, wird er besondere Gründe gehabt haben. Diese Gründe 
mögen wohl in manchen Fällen von anderer Art gewesen sein, 
als sie bei einem heutigen Textkritiker sein würden, aber nicht 
immer. Da er den ältesten ΤΓ -Zeugen zeitlich noch nahe stand, 
wird sein Urteil über den ΤΓ -Text vielfach auch für uns maß- 
gebend sein. Aber auch an solchen Stellen, wo nicht W die 



VI. Zusammenfassung. Schluß. 89 

Fragestellung beherrscht, ist der Rom erbrief text unserer Hand- 
schrift als vorzüglich 1 und „neutral", d. h. den Recensionen 
vorangehend, zu beurteilen. 

Vielleicht wird unser Text auch für die Untersuchung anderer 
neutestamentlicher Schriften von Wert sein. Auf dem Gebiet 
des Römerbriefs war die textkritische Arbeit schon sehr weit 
vorgeschritten, als er bekannt wurde, dort dagegen ist noch 
manche wichtige Streitfrage in der Schwebe, die durch Beob- 
achtungen nach der Art der unsrigen geklärt werden könnte. 
Zwei Richtlinien können dafür aufgestellt werden: 1. Die ein- 
zelnen Origeneszitate, auch die exegetisch gesicherten, sind mit 
größter Zurückhaltung zu betrachten, sobald sie mit dem ΤΓ -Text 
übereinstimmen; sie stehen immer in dem Verdacht, nicht den 
besten, sondern den praktischsten Textexemplaren des Origenes 
— - oder gar seiner Gehilfen — zu entstammen. 2. Von den 
eigentlichen, den Commentaren zugrunde gelegten Texten wird 
man erwarten, daß sie den besten anderweitigen Zeugen eben- 
bürtig sind, daß sie namentlich zur Sichtung der W- Lesarten 
den besten Maßstab enthalten. — Diese Richtlinien werden vor 
allem dann zu beachten sein, wenn wir einmal eine kritische 
Ausgabe des Matthäuscommentars besitzen. Verhält es sich 
mit dem origenistischen Matthäustext so, wie wir es nach unseren 
Beobachtungen am Römerbrief text erwarten dürfen, so ist damit 
für das synoptische TT 7 - Problem, für die wichtigste aller un- 
gelösten Fragen der neutestamentlichen Textkritik, ein fester 
Punkt von erheblicher Bedeutung gefunden. 

Bischof Westcott hat die Veröffentlichung des Freiherrn 
v. d. Goltz im Jahre 1899 noch erlebt. Nach seinem Urteil 
kann sich unter den Entdeckungen zur neutestamentlichen 
Textkritik aus dem letzten halben Jahrhundert nur die des 
syr sin mit der unserer Handschrift messen. 

1 Hätte unser Text schon Tischendorf, Westcott-Hort und 
B. Weiß vorgelegen, so würde er jedenfalls auf ihre Ausgaben 
einigen Einfluß gehabt haben, iu diesem Fall würde er, am 
Consensus gemessen, wohl kaum hinter fr* und Β zurückstehen. Je 
mehr man heutzutage aber von der einseitigen Schätzung dieser 
beiden Codices zurückkommt, desto höher wird man die Stimme des 
Athostextes werten. 



Text. 

Die Angaben im Apparat unter dem Text sollen anzeigen 

1. wo jeder einzelne Vers des Römerbriefs in den Schriften des Ori- 
genes augeführt wird. Im Text sind die betreffenden Verse oder 
Versteile unterstrichen, im Apparat die Fundorte der Zitate 
— oder der für die Textherstellung iu Frage kommenden An- 
spielungen [diese mit „vgl."] — gleich hinter der Versziffer ge- 
nannt. Längere Zitate sind dabei freilich auseinandergerissen, eine 
ausreichende Übersicht über sie gewährt aber auch heute noch die 
Griesbachsche Zusammenstellung (Symbolae criticae t. Π 1793, 
S. 468—494). — Eine Arbeit von der Art, wie sie Mordaunt Barnard 
für die Evangelien- und Apostelgeschichtszitate des Clemens 
Alexandrinus geliefert hat (Texts and Studies Vol. δ Nr. 5), ist für 
unser Gebiet vor der Vollendung der Berliner Ausgabe noch nicht 
am Platze. 

2. welche Scholien und Randnotizen der Cod. v. d. G. enthält. Diese 
Augaben sind durch die vorangestellten Worte „am Rande" be- 
sonders kenntlich gemacht. Hierfür einen besondereu Apparat ein- 
zurichten, empfahl sich nicht, weil die gleich unter 3. und 4. zu 
nennenden Angaben von diesen nicht getrennt werden sollten. 

3. wo der Cod. v. d. G. und die Zitate voneinander abweichen. Die 
eingeklammerten Seitenzahlen hinter diesen Angaben verweisen 
auf die betreffende Seite der Untersuchungen. Wo es sich nur um 
stilistische u. ä. Veränderungen der Zitate und Anspielungen handelt, 
die nicht auf einer Textvariante beruhen, ist lediglich diese Seiten- 
zahl genannt, und zwar gleich hinter der Angabe des Fundortes. 

4. welche Stellung der Cod. v. d. G. zu den wichtigsten sonstigen 
Zeugengruppen des Ν. T. einnimmt, Diese Angaben sind auf ein 
geringes Maß beschränkt. Für die Fundorte der Zitate anderer 
Väter ist im allgemeinen auf Tischendorf zu verweisen, für die 
Scholien auf von der Goltz. Andrerseits sind manchmal längere 
Zeugen- (namentlich Minuskel-)Reihen angegeben, aber nur dann, 
wenn die Reihe in keiner der Ausgaben leicht in ihrer Bedeutung 
erkannt werden kann. Auf die dem Origenes nahestehende, aber 
doch auch oft von ihm abgehende ägyptische Gruppe ist besonders 
häufig verwiesen worden; die Abweichungen ihres wichtigsten und 
dem Origenes nächststehenden Vertreters Β sind ausnahmslos ge- 
nannt. 47 wird als direkt abhängig fast gar nicht erwähnt, 6 und 
67** bisweilen. 



Text: 1,1—9. 91 

Ίστέον τάς ΙΔ τοΰ αποστόλου έπιστολάς γεγράφθ-αι από 
αντιγράφου παλαιότατου ου πεΐραν έλάβομεν ώς έπιτετευγμένου 
εκ των εις ήμας ελθ-όντων ώριγένους τόμων ή ομιλιών εις τον 
άπόστολον εύρηκότες αυτό συμφωνούν οις μνημονεύει ρητοις 
εν ταΐς είτε εις τον άπόστολον είτε εις άλλην γραφήν έξηγήσεσι 
ό άνήρ. 

Έν οις ούν παραλλάττει ρητοΐς προς τα νυν αποστολικά 
διπλήν την λεγομένην παρεθ•ήκαμεν εξωθ-εν ϊνα μή νομισθ-η κατά 
προσθ-ήκην ή λεΐψιν ήμαρτήσίται τουτί τό άποστολικόν' την δέ 
προς ρωμαίους εκ των εις αυτήν φερομένων τόμων μεταγραψά- 
μενοι ούκ έχρησάμεί>α τη διπλή ήτις εστίν αύτη > 

Παύλου αποστόλου έπιστολαί. 
Προς Τωμαίους. 

Παΰλος οοϋλος Ίησοϋ Χρίστου, κλητός απόστολος άφω- 1 
ρισμένος εις εύαγγέλιον θ-εοΰ, δ προεπηγγείλατο διά των προ- 2 
φητών αύτοΰ έν γραφαΓς άγίαις ' περί του υίοΰ αύτοΰ του γενομέ- 3 
νου εκ σπέρματος Δαυίδ κατά σάρκα, τοΰ ορισθέντος υίοΰ θ-εοΰ έν 4 
δυνάμει κατά πνεύμα άγιωσύνης εξ αναστάσεως νεκρών, 'Ιη- 
σού Χρίστου τοΰ κυρίου ημών, δι 5 ου έλάβομεν χάριν και 5 
άποστολήν εις υπακοήν πίστεως έν πασι τοις έ•9-νεσιν 6πέρ 
τοΰ ονόματος αύτοΰ, έν οϊς έστε και ύμείς κλητοί Ίησοΰ 6 
Χρίστου, πασι τοις οΰσιν έν 'Ρώμη άγαπητοίς θ-εοΰ, κλητοΐς 7 
άγίοις' χάρις ύμΐν και ειρήνη από ■ο-εοΰ πατρός ημών και κυ- 
ρίου Ίησοΰ Χρίστου. 

Πρώτον μεν ευχαριστώ τω θ-εώ μου διά Ίησοΰ Χρίστου 8 
περί πάντων υμών, δτι ή πίστις υμών καταγγέλλεται έν δλω 
τφ κόσμω. μάρτυς γάρ μού έστιν ό 0-εός, ω λατρεύω έν τφ 9 
πνεύματί μου έν τφ εύαγγελίφ τοΰ υίοΰ α,ύτοϋ, ώς αδιαλείπτως 

1,1 IV, 64, 13; 304,18; vgl. Φ 226.8; 230,13; Cat. 1,210, 
1, 11 ff. ' Am Rande: τόμος Α'. ' <x> Χρίστου Ίησοΰ IV, 64, 13: 304,18 
und Β 285. 42δ. ψο vulg acdfhl*oru arm Ambr. Ambrstr. Aug. (S. 48. 
76. 82). 2 IV, 64, 14; 304, 19. 3 I, 32, 20: II, 148, 13 (S. 38); IV, 64, 15 
175,33; 304,20; 531,15 (S. 38); vgl. 1,87,2 (S. 43); L III, 113, 10 
L XIII, 219, 6 (S. 43). ' Zur Orthographie von Δαυίδ s. S. 38. 4 IV, 64, 16 
304, 21; vgl. IV, 176, 1; L III, 113, 11. 5 IV, 64, 18. 22; 304, 23. 
β IV, 304,24. 7 IV, 304,25 (S. 46). ' Am Rande: τοΰ έν ρώμηι ούτε 
έν τγμ εξηγήσει, οΰτε έν τώι (5ητώι μνημονεύει (vgl. S. 84). ' om έν ρώμη Gg. 
8 L II Γ, 250, 9. ' Am Rande: τόμος Β'. 



92 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

10 μνείαν υμών ποιούμαι ' πάντοτε επί των προσευχών μου, οεόμε- 
νος ει πως ήδη ποτέ εύοδωθ-ήσομαι εν τω θ-ελν^ματι του θ-εοΰ 

11 έλθ-είν προς ύμας. έπιποθ-ώ γαρ ίδεΐν υμάς, ί'να τι μεταδώ 

12 χάρισμα ύμΐν πνευματικόν εις το στηριχθ-ηναι ομάς, τοΰτο δε 
έστι συμπαρακληθ-ηναι εν υμΐν δια της εν άλλήλοις πίστεως 

13 υμών τε και έμοο. ου θέλω δε υμάς άγνοεΐν, αδελφοί, δτι 
πολλάκις προεθ-έμην έλθ-εΐν προς υμάς, και έκωλύθ-ην άχρι του 
δεΰρο, ί'να τινά καρπδν σχώ και εν υμΐν καθ-ώς και εν τοις 

14 λοιποΐς έθ-νεσιν. Έλλησί τε και βαρβάροις, σοφοϊς τε και άνοή- 

15 τοις οφειλέτης ειμί' ούτως τό κατ' έμέ πρόθ-υμον και ύμΐν τοις 

16 εν Τώμη εύαγγελίσασθ-αι. ου γαρ έπαισχύνομαι το εύαγγέλιον " 
δύναμις γαρ θ-εοΰ έστιν εις σωτηρίαν παντί τψ πιστεύοντι, Ίου- 

17 δαίω τε πρώτον και Έλληνι. δικαιοσύνη γαρ θ-εοΰ εν αύτώ 
αποκαλύπτεται εκ πίστεως εις πίστιν, καθ-ώς γέγραπται" δ δε 
δίκαιος εκ πίστεως ζήσεται. 

18 'Αποκαλύπτεται γαρ οργή θ-εοΰ απ' ουρανού έπι πασαν 
άσέβειαν και άδικίαν άνθ-ρώπων τών την άλήθ-ειαν εν αδικία 

19 κατεχόντων, διότι το γνωστόν τοΰ θ-εοΰ φανερόν έστιν εν αύτοΐς ' 

20 ° γάρ θ-εάς αύτοΐς εφανερωσεν. τα γαρ αόρατα αύτοΰ από 
κτίσεως κόσμου τοις ποιήμασι νοούμενα καθ-οραται, ή τε άΐ'διος 
αυτού δύναμις και θ-ειότης, εις το είναι αυτούς αναπολόγητους, 

21 διότι γνόντες τον θ-εόν ουχ ως θ-εδν έδόξασαν ή ηύχαρίστησαν, 
αλλ' έματαιώθ-ησαν έν τοις διαλογισμοΐς αυτών, και έσκοτίσθ-η 

22 ή ασύνετος αυτών καρδία, φάσκοντες είναι σοφοί έμωράνθ-η- 

23 σαν, και ήλλαξαν την δόξαν τοΰ άφθαρτου θ-εοΰ έν όμοιώματι 

Π L XII, 149, 3 (S. 46). 13 Cat. Ι, 214, 4, 4, aber unter der 
Überschrift Ώριγένους και Σηυηριάνου, nur durch Cod. V überliefert. 
14 L 111,340,10; Cat. I, 214,4,9. 6 (vgl. jedoch v. 13!); Cat. cor 1,514,43,46; 
vgl. I, 143, 7; 249, 19; L XV, 435, 11. 15 om τοις έν ρώμη Gg. 

16 L XIII, 77, 7. ' om πρώτον BGg: om τε πρώτον Mp; πρώτο} 1 πρώ- 
τον 21. 23. 67**. 17 L XIII, 37, 16. 18 Π, 72, 25 (S. 40); vgl. 
II, 198, 21. 25: Cat. I, 214, 5, lff. 19 I, 244, 3; II, 72, 27: vgl. I, 300, 27 
(S. 40); 11,72,20; 198,21. ' oo δ θ-εός γάρ 1,244,3; 11,72,20; 73,1 und 
KABCD*GW 6. 17. 37. 39. 71. 285. 437 Ευσ. u. a.; co ο γάρ θ-εός Ρ 31 Κ 
(S. 48. 74. 85). 20 Ι, 244, 5 (S. 36. 401); II, 73, 1; 130, 2; 188, 2 (S. 401); 
VI, 333, 26 (S. 401); vgl. II, 198, 15. 19. 26 (S. 41). 21 Ι, 243, 29; 

244,7; 300,28; 11,73,4 (S. 38); 198,30 (S. 38); ' ευχαρίστησαν 1 ηοχ — 
II, 73,4; 198,31 und BGP Κ (S. 38). άλλα 1 άλλ' Β. 22 Ι, 265, 10; 
300,29; II, 73,6; 199,1; 38R, 28. 23 Ι, 265,11; 300, 29; II, 73,6; 

199,3 (S. 41); 386,29; vgl. II, 74,1; 389,26 (S. 421). 



Text: 1, 10—32; 2, 1—3. 93 

εικόνος φθαρτού ανθρώπου και πετεινών και τετραπόδων και 
ερπετών. Διό παρέδωκεν αυτούς δ θ-εδς εν ταΐς έπιθ-υμίαις των 24 
καρδιών αυτών εις άκαθ-αρσίαν του άτιμάζεσθ-αι τα σώματα 
αυτών εν έαυτοίς, οϊτινες μετήλλαξαν την άλήθειαν του θ-εοΰ εν 25 
τώ ψεύδει, και έσεβάσθ-ησαν και έλάτρευσαν τη κτίσει παρά τον 
κτίσαντα, ό'ς έστιν εύλογητός εις τους αιώνας" αμήν. δια τοΰτο 26 
παρέδο)κεν οίύτούς ο 9-εος εις πάθ-η ατιμίας* αί' τε γαρ θ-ήλειαι 
αυτών μετήλλαξαν την φυσικήν χρησιν εις την παρά φύσιν, δμούος 27 
δε και οι άρρενες (?) αφέντες την' φυσικήν χρησιν της θ-ηλεία; 
έξεκαύθ-ησαν εν τη όρεξει αυτών εις αλλήλους, άρσ^ενες (?) εν 
άρρεσιν τήν άσχημοσύνην κατεργαζόμενοι και την άντιμισθΊ'αν 
ην έδει της πλάνης αυτών εν έαυτοΐς απολαμβάνοντες. Και κα$'ώς 28 
ουκ έδοκίμασαν τόν θ-εόν εχειν εν έπιγνώσει, παρέδωκεν αυτούς 
ό θ-εός εις άδόκιμον νουν, ποιεΐν τά μη καθήκοντα, πεπληρωμέ- 29 
νους πάση αδικία πονηρία πλεονεξία κακία, μεστούς φθόνου φόνου 
έριδος δόλου κακοηθ-είας, ψιθ'υριστάς, ' καταλάλους, 9-εοστυγείς, 30 
ύβριστάς, υπερήφανους, αλαζόνας, έφευρετάς κακών, γονεΰσιν 
άπει9•εΓς, ' ασύνετους, άσυνθ-έτους, άστοργους, άνελεή μονάς" οιτινες g.> 
το δικαίωμα του θ-εοΰ έπιγνόντες, δτι οι τά τοιαύτα πράσσοντες 
άξιοι θ-ανάτου είσίν, ού μόνον αυτά ποιοΰσιν, αλλά και συνευδο- 
κοΰσιν τοις πράσσουσιν. 

Διό αναπολόγητος ει, ώ άνθ-ρωπε πας ό κρίνων" έν ω γάρ 2 
κρίνεις τόν έτερον, σεαυτον κατακρίνεις - τά γάρ αυτά πράσσεις 
ό κρίνων, οϊδαμεν δε δτι το κρίμα του •9•εοΰ έστι κατά άλή-8-ειαν 2 
έπι τους τά τοιαύτα πράσσοντας. λογίζη δε τοΰτο, ώ άνίτρο^πε 3 

24 11,34,4: 199,7; 386,31: 387,10; 389,29. 25 11,74,5; 

199,9 (S. 41); vgl. Ιί. 214,27; 215,9. 26 II, 386,33; L XIII, 24,11; 

vgl. 11, 34, 4; "387, 13; III, 255,20 (S. 42); L XV, 468,7. ' Am Rande: 
τόμος Γ'. 27 II, 200,17; 387,2. ' om δέ Π, 387.2, ferner C bo arm 
sowie eine Reihe von IC-Zeugen (S. 47. 74); τε 1 δέ ^BL u. a.; δέ lesen 
außer cl. Athostext AD : GPW u. gleichfalls eine Reihe von Λ' -Zeugen; 
αΰτοΐς 1 έαυτοΐς Β 35 Κ. ' άρσενες 1 II, 387, 2; άρρενες 2 έν άρρεσιν II, 200, 17. 
(Zu der Correctur s. S. 21). 28 II, 387,4. 13; vgl. II, 34,4; 199,31; 
391,22; L XV, 468,7. 32 ποιοΰντες . . . συνευδοκοΰντες Β und, wie 

sich aus dem noch allgemein vertretenen Einschub „non intellexerunt" 
ergibt, eine Stufe der lateinischen Textgeschichte. Vgl. auch 
Κλτ Με9• Επιφ Or (L VI, 61, 10). 

2, 1 L XIV 204, 13. ' add κρίματι ρ γάρ L XIV, 204, 13 und C* 21. 
31. 37. 73. 80. 93. 137. 179. 230. 259. 260. 277. 424. 1319. 2127 Αθ• Hier. 
(S. 48. 77). 



y4 Bauernfeind: Der Röinerbrieftext des Origenes. 

ό κρίνων τους τά τοιαύτα πράσσοντας και ποιών αυτά, ό'τι συ 

4 έκφεύξη τό κρίμα του ί^εοΰ; ή τοϋ πλούτου της χρηστότητος αύτοΰ 
και της ανοχής και της μακροιΚ>μίας καταφρονείς, άγνοών οτι 

5 το χρηστόν του •θ-εοΰ εις μετάνοιάν σε άγει; κατά δε την σκλη- 
ρότητα σου και άμετανόητον καρδίαν θησαυρίζεις σεαυτώ όργήν 
εν ήμερα οργής κα! άποκαλύψεως καΐ δικαιοκρισίας τοΟ θεοΰ, 

-τ δς αποδώσει έκάστω κατά τά έργα αύτοΰ' τοις μεν καί)•' υπο- 
μονήν έργου άγαθ-οΰ δόξαν και τιμήν και άφ^αρσίαν ζητοΰσι 

8 ζωήν αιώνιον τοις δε εξ έριθείας και άπειθ-οΰσι τη άληθ-εία πειθ-ο- 

9 μένοις δε τη αδικία, οργή και θ-υμός. θ-λίψις και στενοχώρια 
επί πασαν ψυχήν άνθ-ρώπου τοϋ κατεργαζομένου τό κακόν, Ίου- 

10 δαίου τε πρώτον και Έλληνος" δόξα |δέ και τιμή και ειρήνη 
παντι τω έγραζομένω τό άγα-θ-όν, Ίουδαίω τε πρώτον και Έλληνι. 

ri oö γάρ έστι προσωποληψία παρά τω ■θ-εώ. "Οσοι γαρ άνόμως 
ήμαρτον, άνόμίϋς και άπολοΰνται' και δσοι εν νόμω ήμαρτον, δια 

13 νόμου κριθ-ήσονται' ου γάρ οι άκροαταί νόμου δίκαιοι παρά τω 

14 θεώ, αλλ 5 οι ποιηταί νόμου δικαιο^-ήσονται. όταν γάρ εθ-νη τά 
μή νόμον έχοντα φύσει τά τοΰ νόμου ποιώσιν, ούτοι νόμον μη 

15 έχοντες έαυτοΐς εισι νόμος' οί'τινες ενδείκνυνται το έργον τοΰ νόμου 

4 Ι 341,25; ΠΙ, 183, 12; V, 203,9; 213,11 (S. 36); Φ 252,30 (ent- 
spricht L VIII, 314,1); L III, 350, 1; vgl. ΙΙΓ, 26,18. 5 1 341,27; 
III, 183, 14: IV, 526,3; V, 203, 12; 213, 13 (S. 37): Φ 253,2 (S. 37 f. ent- 
spricht L VIII, 314,4); Cat. Ι, 214,5.6; Gomm. in prov. (ed. Tschdf. 
93, 3; ed. Mai 20, 18); Conini. in apocal. (Texte und Unters. Bd. 38 Heft 3, 
Schol. 37,3t'.); vgl. L III. 350,3. ' oin και. a δικαιοκρισίας I 341,29; 
V, 203, 13 Pat; 214, 1 Pat. H.; Coinin. in prov. (Tschdf. 93,4); Comm. 
in apoc. (T. U. 38 Heft 3, Schol. 37, 3 f.) und N*BÜG 32. 35. 279. 
285. 296. 302. lat; dem Athostext entsprechend lesen και III, 183,15; 
Φ 253, 4 (vgl. L VIII, 314, 6), die übrigen Handschriften zu 
V, 203, 13; 214, 1 und die Mehrzahl der späteren Minuskeln (S. 48. 74). 
6 V, 203,14; Φ 253,5. 7 V, 203,15. 8 V, 203,16. ' ein μεν a τ?/ 
άληθ-εία außer hier NBD*G* lat bo syP Θεοφ Ευσ. (S. 82: zu dem μεν im 
Zitat V, 203, 16 s. S. 14 Anm. 1 u. S. 37). 9 V, 204, 1 (S. 37). 
10 V, 204, 3 (S. 37). 12 Vgl. Cat. 1, 216, 8, 3ff. ' Am Räude; τόμος Δ'. 
13 Comm. iu prov. (Tischdf. 80, 3; 106, 9; Mai 37, 18 s. S. 37). ' add τοϋ 
a νόμου 2 Comm. in prov. und Κ (S. 48. 74). ' om τψ a 8-εφ BD* 252 (S. 82; 
vgl. Comm. in prov. Tischdf. 106). 14 L IV, 121,23; L VIII, 63,2 
(S. 47); Φ 56,1; Cat. 1, 217,10, 8 (S. 29); Cat. 1Ϊ, 11, 36, 37; vgl. 
L VIII, 77,20; ' δε 1 γάρ L IV, 121,23 und G arm (S. 47. 75); ' οί τοιού- 
το: 1 ούτοι L IV, 121, 24 G lat exe Hil. Ambrstr. Hier Aug. (S. 47. 76). 

15 III, 142,18; L III, 351,21; L IV, 122,1; L VIII, 77, 21 (S. 45); 



Text: 2,4-29; 3,1-2. 95 

γραπτάν εν ταΐς καρδίαις αυτών, συμμαρτυρούσης αυτών της συνει- 
δήσεως και μεταξύ αλλήλων τών λογισμών κατηγορούντων ή και 
άπολογουμένων, εν ήμερα δτε κρίνει ό θεάς τα κρυπτά τών αν- 16 
θρώπων κατά το εύαγγέλιόν μου δια Ίησοΰ Χρίστου. "Ιδε συ 17 
'Ιουδαίος επονομάζω και έπαναπαύη νόμω καΐ καυχάσαι εν θεώ ' 
καΐ γινώσκεις το θέλημα και δοκιμάζεις τά διαφέροντα κατή- 18 
γού\ιενος εκ του νόμου, πέποιθάς τε σεαυτόν όδηγον είναι τυφλών, 19 
φώς τών εν σκότει, ' παιδευτήν αφρόνων, διδάσκαλον νηπίων, 20 
έχοντα την μόρφωσιν της γνώσεως και της αληθείας εν τω νόμω' 
δ οϋν διδάσκων έτερον σεαυτδν ου διδάσκεις; ό κηρύσσων μη 21 
κλέπτειν κλέπτεις; 6 λέγων μη μοιχεύειν μοιχεύεις; ό βδελυσσό- 22 
μένος τά είδωλα ίεροσυλεΐς; ' δς εν νόμω καυχάσαι, διά της 23 
παραβάσεως τοΰ νόμου τον θεόν ατιμάζεις; τά γάρ όνομα τοΰ 24 
θεοΰ δι' ύμας βλασφημείται εν τοις έθνεσιν, καθώς γέγραπται. 
περιτομή μεν γάρ ωφελεί εάν νόμον πράσσης' εάν δε παραβάτης 25 
νόμου ^ς, ή περιτομή σου άκροβυστία γέγονεν. εάν ούν ή άκρο- 26 
βυστία τά δικαιώματα του νόμου φυλάσσγ), ουχί ή άκροβυστία 
αύτοΰ εις περιτομήν λογισθήσεται: και κρίνει ή εκ φύσεως άκρο- 27 
βυστία τον νόμον τελούσα σε τον διά γράμματος και περιτομής 
παραβάτην νόμου, ου γάρ ό εν τω φανερψ Ιουδαίος εστίν, ουδέ 28 
ή εν τφ φανερώ εν σαρκί περιτομή' άλλ' εν τω κρύπτω Ίου- 29 
δαίος, και περιτομή καρδίας εν πνεύματι ού γράμματι, ου ο έπαι- 
νος ούκ εξ ανθρώπων άλλ' εκ τοΰ θεοΰ. Τί ούν το περισσδν ^ 
τοΰ Ιουδαίου, ή τίς ή ωφέλεια της περιτομής: ' πολύ κατά πάντα 2 

Φ 56,3: vgl. Ι 58,13 (S. 42); 59,7: L III, 108, 14; Cat. Ι, 220, 14,9. 

16 Vgl. IV, 9,13; 18,14; 104,26; L III, 351,22: Cat. 1, 216, 9,1; 
Cat. eph 242, 23. ' εν Χριατω Ίησοδ ρ μου IV, 104, 26, sonst nie (S. 47. 77); 
δια Χρίστου Μρ; οία Χρίστου Ίησοδ Β 473 (u. Ν*, aber ohne διά); διά 
Ίησοΰ Χρίστου d. meisten Zeugen. ' έν η ημέρα 1 iv ήμερα δτε Β. 

17 εί δε 1 ΐδε KABD*<P6 u . a.; ϊδε Κ (S. 85). 21 III, 208,10; L XV, 
450,10. 23 II, 228,5 (S. 45); III, 38,11: 97,24; vgl. II, 273,13. 
24 Vgl. IV. 475, 9. 25 Cat. Ι, 217, 10, 3. 20. 26 Vgl. L III, 98, 13. ' 
οϋχ 1 ουχί KB 44. 437. 28 III, 99,25; V, 332,11; vgl. Cat. II, 17, 
46, 11 ff. 29 V, 332,12; L V, 92,33; vgl. Cat. I, 223,19,15. ' αλλά 
Ι άλλ'- Β Ευσ. 

3, 1 VgL Cat. Ι, 218,11,7. ' Am Rande: kleine Rasur. 2 Vgl. 
III, 116.25; L III, 19,17; L IV, 102,7; 105,26: L XIII, 86,24; Cat. I, 
281,11,1.11.18. ' Die Lesart πρώτο: γάρ έπ:στεόθ•ησαν, die allen diesen 
Stellen zugrunde liegt (S. 35. 50), findet sich außer im Cod. v. d. Goltz 
nur noch — jedenfalls in direkter Abhängigkeit von Origenes — bei 



96 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

3 τρόπον, πρώτοι γαρ έπιστεύθ-ησαν τα λόγια του %-εοΰ. ' τί γαρ : 
ει ήπίστησάν τίνες, μή ή απιστία αυτών την τοΰ θ-εοϋ πίστιν κα- 



4 ταργήσει; μή γένοιτο* γινέσθ -oj δε δ -θ-εός άληθ-ής, πας δε άνθρω- 
πος ψεύστης, καθ-ώς γέγραπται" 

όπως αν δικαιωθ-ης εν τοις λόγοις σου 
και νικήσης εν τψ κρίνεσ^αί σε. 



5 ει οέ ή αδικία ημών Φεοΰ δικαιοσύνην συνίστησιν, τί έροΰ- 

μεν; μή άδικος ό ■δ-εός δ έπιφέρων τήν οργήν; ς κατά άνθφωπον 

ί? λέγω. ' μή γένοιτο* έπε! πώς κρίνει ο θεός τον κόσμον; ει γαρ 
ή άλήθ-εια τοΰ %-εοΰ εν τω εμώ ψεύσματι έπερίσσευσεν εις την 

8 δόξαν αύτοΰ, τί έτι κάγώ ως αμαρτωλός κρίνομαι: και μή καθ-ώς 
(3λασφημούμε9'α και καΌ-ώς φασιν ήμας τίνες λέγειν ότι ποιή- 

Eusebius (dem. evang. 9, 9, 4) und Athanasius (in Ps. 118, 162). Ver- 
mischungen von dieser und der kirchlichen Form liegen vor in den 
Minuskeln 6, 47 m s und 67** (s. S. 53). In Rufins Übersetzung ist 
diese Lesart kenntlich: L VII, 240,20: L VI, 217,8; 151,3 und 146,22; 
147,2; 147,8; 149,4 (s. S. 13). Sonst vgl. S. 19. 35. 50. 55. 72. 85. Die 
übrigen Zeugen lesen πρώτον μέν γαρ δτι oder πρώτων μεν δτι (so Β). 
3 Vgl. Cat. Ι, 218, 11, 20. ff. ' . ~ τήν τοΰ 9-εοΰ πίστιν nur liier, sonst, 
-' auch Cat. 1,218,11,20: τήν πίστιν τοδ θ-εου (S. 34. 87). 4 Vgl. Cat. 
1, 219, 12, 1 (III, 127, 3 LXX). ' γενηθ-ήτω 1 γινέσθ-ω Cat. I, 219, 12, l 
ohne sonstige Bezeugung (vgl. jedoch S. 30!); Μστω FG; sit Ambr. u. 
„latini" bei Or L VI, 152 (dort auch hat); esto neben est g; alle 
anderen Lateiner est (nach AVordsworth -White vielleicht aus esto 
verdorben), alle andern Griechen γινέσθ-ω oder γενέσθ-ω. 5 Am Rande : 
τόμος Ε'. Das Randscholion n S κατά των άνθ-ρώπων" entspricht zweifellos 
der ersten der beiden von Rufin z. St. erörterten Lesarten, nämlich 
„qui iram hominibus inferat" (L VI, 162, 8) — bzw. „adversum ho- 
mines" (L VI, 162, 14 f.; 163,11; 167,23). Demnach ist im Scholion 
— wie bei Rufin (und außerdem bei Philastrius v. Brescia ed. Marx 
41, 18, im Apostoloslectionarium 261 und in aeth) — ein Text ohne 
λέγω gemeint. Rufin hat seine andere Lesart „secundum hominem 
dico" (L VI, 167, 23 u. a.), die der Textlesart unserer Handschrift 
sowie allen übrigen heute bekannten Zeugen entspricht, bevorzugt 
(„velut nos habemus"), aber an zweiter Stelle vorgetragen. Die Be- 
vorzugung — und überhaupt die Erwähnung lateinischer Texte an der- 
selben Stelle — wird Rufins Urteil sein, die Reihenfolge dagegen auf 
Origenes zurückgehen; Origenes hat also jedenfalls die erste Lesart 
bevorzugt. Vgl. Zahn S. 617 f., v. d. Goltz S. 54. Es steht demnach 
hier, genau wie 5, 17 u. 15, 14, die Lesart der έξήγησις im Text, die 
des ρητόν am Rande. 8 ^ ήμας τίνες sonst nur 47 lat exe g Aug. 

(S. 51. 85. 87). ' om και Β u. einige andere. 



Text: 3, 3-23. 97 

σωμεν τά κακά ί'να ελθ-η τα άγα&•ά; ών το κρίμα ενοικόν εστίν. 
Τί οδν; προεχόμεθ-α; ου πάντως* προητιασάμεθ-α γαρ 'Ιουδαίους 9 
τε και Έλληνας ύφ' άμαρτίαν πάντας είναι, καθ-ώς γέγραπται οτι 10 
ούκ εστί δίκαιος ουδέ εις, 

ούκ εστίν δ συνιών, ούκ εστίν δ εκζητών τον θεο'ν 11 

πάντες έξέκλιναν, άμα ήχρειώθ-ησαν* 12 

ούκ εστί ποιών χρηστότητα εως ενός. 
τάφος άνεωγμένος δ λάρυγξ αυτών, 13 

ταΐς γλώσσαις αυτών έδολιοΰσαν, 
ιός ασπίδων υπό τα χείλη αυτών 

ών τό στόμα άρας και πικρίας γέμει* 14 

οξείς οι πόδες αυτών έκχέαι αίμα, 15 

σύντριμμα και ταλαιπωρία εν ταΐς δδοις αυτών, 16 

και δδόν ειρήνης ούκ έγνωσαν. Π 

ούκ έ'στιν φόβος θ-εοΰ απέναντι τών οφθαλμών αυτών. 18 

οιδαμεν δε δτι ό'σα δ νόμος λέγει τοις εν τω νόμω λαλεί, ί'να 19 
παν στόμα φραγή και υπόδικος γένηται πας δ κόσμος τω θ-εψ' 
διότι εξ έργων νόμου ού δικαιωθήσεται πάσα σαρξ ενώπιον 20 
αύτοΰ' δια γαρ νόμου έπίγνωσις αμαρτίας. 

Νυνί δε χωρίς νόμου δικαιοσύνη ίτεοΰ πεφανέρωται, μαρτυ- 21 
ρουμένη υπό του νόμου και τών προφητών, δικαιοσύνη δε ■Θ-εοΰ 22 
δια πίστεως Ίησοΰ Χρίστου, εις πάντας τους πιστεύοντας' ού γάρ 
έστι διαστολή" πάντες γάρ ήμαρτον και ύστεροΰνται της δόξης 23 

9 c*> ύφ' άμαρτίαν πάντας sonst nur 47 (S. 53. 85. 87). ' δπό 1 ύφ' Β. 
10 Cat. Ι, 219, 13, 2. J0. 11 Cat. Ι, 219, 13, 3. 5 f. 10. ' Die Über- 

einstimmung des Cod. Β mit der geringwertigen Catenenhandsclirift Β 
in der Lesart ζητών 1 έκζητών darf nicht auf Origenes zurückgeführt 
werden, (v. Soden nennt Act 17,27 als Fehlerquelle.) ' om δ 1 u 2 BG 
(ψ 13, 2 LXX). 12 Cat. I, 219, 13, 11 ff. ' om ουκ έστι 2 Cat. I, 219, 

13, 11 ff., sonst nur Β 6. 67** (S. 35. 83). ' ήχρεώθ-ησαν 1 ήχρεαόθ-ησαν 
i*ABD*G*. ' add δ a ποιων tf*D 39. 285. 424 lat. 13 Cat. I, 219, 13, 15. 
14 Cat. I, 219,13, 16 f. ' add αυτών ρ στόμα Β 17 af. 1δ Cat. Ι, 219, 
13,18. 16 Cat. Ι, 220, 13,21f. entspricht dem Rand-Scholion „ωργ 
τοϋτο ούχ ευρηται που κείται'' (vgl. S. 35). 17 Cat. Ι, 220, 13, 22 f. 

18 Cat. Ι, 219, 13,23f. 19 IV, 301, 17; Cat. Ι, 359,25,9; vgl. Cat. I, 
220, 14, 13—16. ' λαλεί 1 λέγει IV, 301, 17; Cat, Ι, 359, 25,9 und N*bo 
latexcgAug.Pacian (s. 34. 76. 80). 20 Vgl. Cat. I, 220 f., 14, 17—25. 

21 Φ 57, 1. 3; vgl. Φ 56, 28 (S. 27. 31); Cat. I, 221, 15, 6 (S. 27). ' om του 
a νόμου2 6 (vgl. S. 68). 22 vgl. L XII, 64,8. ' om Ίησοϋ MpB. 

23 IV, 377, 6; Cat. I, 363, 29, 8 (S. 28). 

T. u. U. '23: Bauernfeind. 7 



98 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

24 τοΰ θ•εου, δικαιούμενοι δωρεάν τη αύτοΰ χάριτι δια της άπολυ- 

25 τρώσεως της εν Χριστφ Ίησοΰ' δν προέθετο ό θ-εος ίλαστήριον 
δια πίστεως εν τω έαυτοΰ αϊματι, εις ενδειξιν της δικαιοσύνης 

26 αύτοΰ δια την πάρεσιν των προγεγονότων αμαρτημάτων ' εν τη 
άνοχη τοΰ θ-εοΰ, πρδς την ενδειξιν της δικαιοσύνης αύτοΰ εν τω 
νΰν καιρώ, εις τδ είναι αυτόν δίκαιον και δικαιοΰντα τον εκ 

27 πίστεως Ίησοΰ. Ποΰ ούν ή καύχησις; έξεκλείσθ-η. δια ποίου 

28 νόμου: των έργων; ουχί, άλλα δια νόμου πίστεως. ' λογιζόμενα 

29 γαρ δικαιοΰσ&αι πίστει άνθ-ρωπον χωρίς εργ(ον νόμου, ή Ιουδαίων 

30 δ %-εος μόνον: ουχί και έθ-νών; ναι και έθ-νών, ' είπε ρ εις ό θ-εός 
δς δικαιώσει περιτομήν εκ πίστεως και άκροβυστίαν δια της 

31 πίστεως, νόμον ούν καταργοΰμεν δια της πίστεως; μη γένοιτο, 
άλλα νόμον ί'σταμεν. 

4 Τί ούν εροΰ\χεν 'Αβραάμ τον πατέρα ημών κατά σάρκα; 

2 ει γάρ 'Αβραάμ εξ έργων έδικαιώθ-η, έχει καύχημα* άλλ' ού προς 

3 θ-εόν. ' τί γάρ ή" γραφή λέγει; έπίστευσεν δε 'Αβραάμ τψ •θ•εω, 

4 και έλογίσΌ-η αύτω εις δικαιοσύνην. τψ δε έργαζομενω ό μισ-9-ός 

5 ού λογίζεται κατά χάριν άλλα κατά όφείλημα* τψ δε μη έργα- 
ζομενω, πιστεύοντι δε επί τον δικαιοΰντα τον άσεβη, λογίζεται 

6 ή πίστις αύτοΰ εις δικαιοσύνην, καθ-άπερ και Δαυίδ λέγει τον 
μακαρισμον τοΰ άνθρωπου ω ό θεός λογίζεται δικαιοσύνην χιορίς 
έργων' 

24 Vgl. Cat. Γ, 363, 29, 8. 25 IV, 27, 29; IV, 43, 3; L III, 167, 6. ' 
έαυτοΰ αϊματι sonst nur Β 47. 76; «ν* αύτοΰ αϊματι L III, 167,6 und die 
meisten anderen Zeugen; ~ αΐματι αύτοΰ IV, 27, 30 und 37. 1319 lat 
excfg. (S. 47. 76). 26 Vgl. IV, 27, 81. 27 Vgl. Cat. I, 222, 27, 1—5 
(S. 29). 28 oöv 1 γάρ BC 17. 37 u. a. 29 Vgl. IV, 242, 4. ' μόνων 
1 μόνον Β. Κλ (Berl. Ausg. II, 338,13; 417,15). 30 IV, 242,5 vgl. 
Cat. I, 223, 19, lff. ' om 6 a θ-εός IV, 242, 5 und D* (S. 48. 76). 31 Vgl. 
IV, 242,6; Cat. 1,223, 20, lff. ' ίστάνομεν IV, 242, 7 und tf*ABCDFG 31. 
80. 131. 136. 261. 285 Κλ; ΐστωμεν Ε; ί'σταμεν 6. 47 u. d. Apostolos- 
lectionar 261 (S. 47. 77). 

4, 1 ain Bande: τόμος ς' ' om ευρηκέναι sonst nur Β 6. 47 txt ; Xp.: 
Zahn S. 213); add ευρηκέναι ρ ημών Ρ 17. 31. 35. 37. 360 Ε; add ευρηκέναι 
ρ ίροΰμε^ alle anderen. ' προπάτορα 1 πατέρα ί$*ΑΒ0Ψ 6 u. a.; πατέρα 
DFG lat Ε (S. 85). 3 Cat. I, 218,11,22; Cat. I, 357,2i,12ff. (hier 
werden die Namen Άβράμ — 'Αβραάμ besprochen, s. Turners Bemerkung 
bei Ramsbotham); IV, 301, 29 (Ges. 15, 6); 337, 16. 4 Vgl. Cat. I, 
357, 22,6. 5 Vgl. L XII, 64, 9f. (Ges. 15, 6). ' άσεβήν 1 άσεβη KDFG 285 
(S. 82). 



Text: 3, 24—81; 4, 1—20. 99 

μακάριοι ών αφέθησαν αί άνομίαι και ών έπεκαλύφθησαν 7 
αί άμαρτίαι ' 

μακάριος άνήρ ού ού μη λογίσηται κύριος άμαρτίαν. 8 

ο μακαρισμός ούν ούτος επί τήν περιτομήν ή και επί τήν άκρο- 9 
βυστίαν; λέγομεν γάρ* έλογίσθη τψ 'Αβραάμ ή πίστις εις δι- 
καιοσύνην. πώς ούν έλογίσθη; εν περιτομή δντι ή εν άκροβυστία; 10 
ουκ εν περιτομή αλλ' εν άκροβυστία' ' και ση μείον έ'λαβεν 11 
περιτομήν σφραγίδα της δικαιοσύνης της πίστεως της Ιν τη 
άκροβυστία, εις το είναι αυτόν πατέρα πάντων των πιστευόντων 
δι' άκροβυστίας, εις το λογισθήναι αύτοΐς δικαιοσύνη ν, ' και πατέρα 12 
περιτομής τοίς ούκ εκ περιτομης μόνον άλλα και τοις στοιχοΰσι 
τοις ί'χνεσι της εν άκροβυστία πίστεως του πατρός ημών 'Αβραάμ. 
Ού γάρ δια νόμου ή επαγγελία τω 'Αβραάμ ή τω σπέρματι 13 
αύτοΰ, το κληρονόμον αυτόν είναι κόσμου, άλλα διά δικαιοσύνης 
πίστεως, ει γάρ οί εκ νόμου κληρονόμοι, κεκένωται ή πίστις 14 
και κατήργηται ή επαγγελία' δ γάρ νόμος όργήν κατεργάζεται* 15 
ού γάρ ούκ εστί νόμος, ουδέ παράβασις. Διά τούτο εκ πίστεως, 16 
ίνα κατά χάριν, εις τό είναι βεβαίαν τήν επαγγελίαν παντί τφ 
σπέρματι, ού τω εκ του νόμου μόνον άλλα και τφ εκ πίστεως 
'Αβραάμ, δς έστι πατήρ πάντων ημών, καθ'ώς γέγραπται ό'τι 17 
πατέρα πολλών εθνών τέθεικά σε, κατέναντι ού έπίστευσεν θεοΰ 
του ζωοποιοϋντος τους νεκρούς και καλούντος τα μή όντα ως 
όντα' ος παρ' ελπίδα έπ' έλπίδι έπίστευσεν, εις τό γενέσθαι 18 
αυτόν πατέρα πολλών εθνών κατά τό είρημένον' ούτως έ'σται τό 
σπέρμα σου* και μή άσθενήσας τη πίστει κατενόησε τό εαυτού 19 
σώμα νενεκρωμένον, εκατονταετής που υπάρχων, και τήν νέκρωσιν 
της μήτρας Σάρρας' εις δε τήν επαγγελίαν τοΰ θεοΰ ού διεκρίθη 20 

9 Cat. Ι, 357, 21, 15. ' ~ ή πίστις τφ 'Αβραάμ Cat. Ι, 357, 21, 15 
und 252 d* vulgc Sed. (S. 34. 79). ' om δτ: auch «BD* 47. 420 
(S. 82). 11 Vgl. Cat. I, 358, 24, 1 f. (S. 31). ' περιτομήν sonst nur 

AC :: 6. 9. 36. 37 ™g c 47. 6 7. 77. 123. 437 Xp. Ko. Dam. Or; om τήν 
a δικαιοσόνψ sonst nur $0Φ* 80. 115. 131. 259. 273. 424 arm Ku.; 
add τήν BC*D C FGLP 6 und die meisten anderen, εις 1 τήν Α 32. 47. 
114. 124. 270. 273. 1319; είς τήν 67* ,: . 14 Cat. Ι, 359,25,17. 15 Vgl. 
Cat. Ι, 3ή9, 25, 6. 9. ' δέ 1 γάρ 2 tf*ABCbo u. a. 16 Vgl. Cat. I, 359, 
25, 25 ff., 45. 17 Vgl. IV, 69, 6; Cat. I, 360t'., 25, 49 ff. 18 Vgl. 
Cat. I, 361, 26, 1. 19 Vgl. Cat. I, 361, 26, 10; vgl. auch I, 54, 34 (S.39). 
' om ήδη a νενεκρωμένον auch BFG 9. 47. 213 Or (L VIII, 225, 20) Xp. 
Επιφ. lat exe iß Or (L vi, 269,7; 274,1; vgl. iöi,i8) j u i. Ambrstr. CS. 14. 82). 
20 άλλα 1 αλλ' Β 437. 

7* 



100 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

21 χή άπισχία, αλλ' ένεδυναμώθη χή πίσχει, δοΰς δόξαν χω 9-εφ ' και 

22 πληροφορηθ-είς οτί δ έπήγγελχαι δυναχός εστί και ποιήσαι. διό 

23 και έλογίσθ-η αυτω εις δικαιοσύνη ν. 05κ έγράφη δε δι' αυτόν 

24 μόνον δχι έλογίσθ-η αυτω, άλλα και δι' ήμας, οις μέλλει λογί- 
ζεσΦαι, χοΐς πιστεύουσιν έπι τον έγείραντα Ίησοΰν τον κύριον 

25 ημών εκ νεκρών, δς παρεδόθ-η δια τα παραπτώματα ημών και 
ήγέρθ-η δια την δικαίωσιν ημών. 

5 Δικαιωθ-έντες οδν εκ πίστεως ειρήνην έχωμεν προς τον θ-εόν 

2 δια του κυρίου ημών Ίησοΰ Χρίστου, δι' οδ και την προσαγωγήν 
έσχήκαμεν τη πίστει εις την χάριν ταύτην εν η έστήκαμεν, και 

3 καυχώμεθ-α έπ' έλπίδι της δόξης τοΰ θεοΰ. ου μόνον δε, αλλά 
και καυχώμεθ-α εν ταΤς θ-λίψεσιν, ειδότες δτι ή θ-λίψις Όπομοντ^ 

4 κατεργάζεται, ή δε υπομοτΐ] δοκιμήν, ή δε δοκιμή ελπίδα' ή δε 

5 έλπίς ού καταισχύνει, δτι ή αγάπη τοΰ θ-εοΰ έκκέχυται έν ταΐς 

6 καρδίαις ημών δια πνεύματος αγίου του δοθ-έντος ήμΐν. ετι γαρ 
Χριστός δντων ημών ασθενών κατά καιρόν υπέρ ασεβών άπέ- 

7 θ-ανεν. ' μόγις γάρ υπέρ δικαίου τις άποθ-ανειται' υπέρ τοΰ 

8 άγαθοΰ τάχα τις και τολμά άποθ-ανεΓν συνίστησι δέ την έαυτοΰ 
άγάπην εις ήμας δ θ-εός δτι έτι αμαρτωλών δντων ημών Χριστός 

9 υπέρ ημών άπέθανεν. πολλω ουν μάλλον δικαιωθ-έντες νΰν έν 
ΐΟ χψ αί'μαχι αύχοΰ σωθησόμεθ-α δι' αύχοΰ από χής οργής, ει γάρ 

έχθ-ροι δνχες καχηλλάγημεν χψ θεώ δια χοΰ θανάχου χοΰ υίοΰ 

22 om και 1 BDFG dfg vulg flm bo syP (S. 82). 23 Vgl. Cat. I, 
362, 27,1 ff. 24 Vgl. Cat. 1, 362, 27,1 ff. 

5, 1 Über das ω in εχωμεν ist ein ο geschrieben — jedenfalls 
von späterer Hand. 2 Vgl. IV, 32,33. ' om τ?ι πίστει BDFG dfg Or 

(L VI, 288,18; vgl. 289,10; 294,10; s. S. 82). 3 I, 39,2; IV 33,1; 
L XII, 93, 10; 417, 6; L XIII, 92, 13; vgl. Φ 231. 4. ' καυχώμενοι 1 καυχώμεθ -cc 
Ι, 39,2; L XII, 93,10 und BC 80. 259. 302. 1319. 2127 Tert. Ephr. 
(S. 47. 77). 4 1, 3^,3; IV, 33,1; L XII, 417,6; L XIII, 92,13. 

5 IV, 33,2; L XII, 417,7; L XIII, 92, 14; vgl. I, 39,4; III, 221,11; 
L XV, 466,15. 6 Vgl. IV, 166,2. ' εις τι ] ετι γάρ D*>FG lat Pl«' ; 

ε! γε 1 ετι γάρ Β vulg F * L * Aug bo (S. 82). ' add ετι a κατά καιρόν 
KABCD*FG u. a. 7 I, 297, 23 (S 46). Am Rande der Zeile τις 

άποθ-ανεΐται — τολμφ άποθ-α — steht das Zeichen ωργ, jedenfalls um 
anzuzeigen, daß γάρ ρ υπέρ bei Origenes häufig fehle. Heute fehlt es 
nur bei L 2. 32. 62. lect 18 arm; bei Origenes I, 297,24 dagegen steht 
es (S. 23. 47. 77. 85). ' μόγις 1 μόλις sonst nur I, 297, 23 und K* (S. 50. 
85). 8 I, 297, 21; III, 115, 21 (S. 43); vgl. Cat. 1, 362, 2S, 9. 13. ' Am 

Rande: „τόμος Ζ'". ' om b θ-εός Β. 



Text: 4,21-25; 5, 1-17. ]01 

αύτοΰ, πολλω μάλλον καταλλαγέντες σωθ-ησόμεθ-α έν τη ζωη 
αύτοΰ' ού μόνον δε, άλλα και καυχώμενοι έν τω θ-εώ δια του 11 
κυρίου ημών Ίησοΰ St' ου νυν την καταλλαγήν έλάβομεν. 

Διά τοΰτο ωσπερ δι' ενός ανθρώπου ή αμαρτία είς τον 12 
κόσμον εισήλθε και δίά της αμαρτίας ο θάνατος, καΐ οϋτως εις 
πάντας ανθρώπους 6 θάνατος διηλθεν, εφ 5 φ πάντες ήμαρτον 
άχρι γαρ νόμου αμαρτία ήν έν κόσμω, αμαρτία δε ουκ έλλογεΐται 13 
μη οντος νόμου* αλλ' έβασίλευσεν ό -θ-άνατος από 'Αδάμ μέχρι 14 
Μωσέως* έπί τους άμαρτήσαντας έπί τω ομοιώματι της παρα- 
βάσεως 'Αδάμ, δ'ς έστιν τύπος του μέλλοντος' Άλλ 3 ούχ ως το 15 
παράπτωμα, ούτως και το χάρισμα" ει γάρ τω του ενός παραπ- 
τώματι οι πολλοί άπέθ•ανον, πολλω μάλλον ή χάρις τοΰ θ-εοΰ και 
ή δωρεά έν χάριτι τη του ένος ανθρώπου Χρίστου Ίησοΰ εις 
τους πολλούς έπερίσσευσεν. και ούχ ως δι' ένδς άμαρτήσαντος 16 
το δώρημα' το μεν γάρ κρίμα έξ ενός είς κατάριμα, το δε χά- 
ρισμα έκ πολλών παραπτωμάτων είς δικαίωμα, ει γάρ έν ενός 17 

12 IV, 381,3; 384,19; vgl. Cat. Ι, 366,31. 34. 13 IV, 71,23; 

381,6; Φ 56, 10 (S. 28). ' add ή a αμαρτία IV, 381, 7 und 19-iefet 38. 
62. 190. Theophylact. (S. 48. 77). 14 IV 381,8 (S. 46); IV, 384,22; 
vgl. I, 313,21. ' Am Rande von zweiter Hand: -s- ωργ και έπί τους 
μη άμαρτήσαντας. ' έπί τους άμαρτήσαντας (= IV, 384, 22) sonst nur 67** 
d* codd. ap. Aug. II, 551: X, 9; Ambrstr. (nennt Tert.Vict. Pictav. Cypr.) 
Or (L VI, 316, 12; 322, 7; 339, 3: 340, 22; 342, 9; 344, 2ff.; 348, 5; 355, 1 ; 
vgl. 352, 7 ; S. 50. 85) ; add και a έπί (aber ohne μή ρ τους) 62. 63. 
18iect. ; %άά καϊ, a έπί u. μή ρ τους alle übrigen. ' Die Orthographie 
von Μωσης ist für uns bedeutungslos (v. Sod. I, 1374). ' έν 1 έπί 2 Β 
259. 338. 469. 2127; vgl. lat. ' άλλα 1 άλλ' Β. 15 IV, 384, 27 (S. 40). 
Zu der nur durch Collation II bezeugten Umstellung co Χρίστου Ίησοΰ 
s. S. 21. ' om και 1 BbosyP. 16 Vgl. IV, 384,32. Am Rande: 

τόμος Η'. 17 IV, 381,10; 384,34; vgl. IV, 381,18. ' Am Rande: 

το ρητόν του υπομνήματος 'λαβόντες' έχει" ομοίως και τά πολλά τών 
παλαβών αντιγράφων αυτός δέ δι δλης σχεδόν της έξηγήσεως λαμβάνοντες 
μέμνηται. — λαβόντες schreibt Origenes IV, 381, 20 und 66 m S 76. 256. 
336. 477; vgl. λαμβόντες FG (S. 50). ' έν ενός 1 τψ τοΰ ενός sonst nur 
IV, 381, 10.18; Min. 47 und vulg P^r (S.50). ' om της δωρεάς IV, 381,12.19 
und Β 49 Xp Iren. Aug. (nicht IV, 384, 34): om της δικαιοσύνης 
IV, 384, 34 (nicht IV, 381, 12. 19) und C 70* (S. 48. 75. 77). Ein Ori- 
genes-Zitat, das, wie der Atbostext, beide Geuitive enthielte, ist nicht 
nachzuweisen, τήν δωρεάν 1 της δωρεάς Or (L VI, 356, 19; 357, 4; 
358,1. 19; 359,17; 362,23) und 6. 67**. 10. 31. 76. 93. 431 c Theophy- 
lact. (S. 72). ' Zu der Wortstellung Χρίστου Ίησοΰ IV, 381,13. 20 und 
Β s. S. 21. 



102 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

παραπτώματι 6 θάνατος έβασίλευσεν δια τοΰ ενός, πολλω μάλλον 
οι τήν περισσείαν της χάριτος και της δωρεάς της δικαιοσύνης 
λαμβάνοντες εν ζωη βασιλεύσουσι δια τοΰ ενός Ίησοΰ Χρίστου. 

18 "Αρ' οόν ώς δι' ενός παραπτώματος είς πάντας άνθ-ρώπους εις 
κατάκριμα, ούτως και δι' ενός δικαιώματος εις πάντας άνθρώ- 

19 πους εις δικαίωσιν ζωής' ώσπερ γαρ δια της παρακοής τοΰ ενός 
άνθρωπου αμαρτωλοί κατεστάλησαν οι πολλοί, ούτως και δια 

20 της (>πιχ%0Ί]ς τοΰ ενός δίκαιοι κατασταθήσονται οι πολλοί, νόμος 
δε παρεισήλθεν ί'να πλεονάση το παράπτωμα' ου δε επλεόνασεν 

21 ή αμαρτία, ύπερεπερίσσευσεν ή χάρις, ίνα ώσπερ έβασίλευσεν ή 
αμαρτία εν τ φ θανάτω, ούτως και ή χάρις βασιλεύση δια δικαιο- 
σύνης εις ζωήν αιώνιον δια Ίησοΰ Χρίστου τοΰ κυρίου ημών. 

6 Τί οΰν έροΰμεν; έπιμένομεν τη αμαρτία, ίνα ή χάρις πλε- 

2 ονάση; ' μη γένοιτο, οίτινες άπεθάνομεν τη αμαρτία, πώς έτι 

3 ζήσομεν εν αύτη: ή αγνοείτε δ'τι ο'σοι έβαπτίσθημεν είς Χριστόν 

4 Ίησοΰν, είς τον θάνατον αύτοΰ έβαπτίσθημεν; συνετάφημεν ούν 
αύτφ δια τοΰ βαπτίσματος εις τον θάνατον, ίνα ώσπερ ήγέρθη 
Χριστός εκ νεκρών δια της δόξης τοΰ πατρός, ούτως και ήμεΐς 

5 εν καινότητι ζωής περιπατήσωμεν. ει γαρ σύμφυτοι γεγόναμεν 
τφ έμοιώματι τοΰ θανάτου αύτοΰ, άλλα και της αναστάσεως 

6 έσόμεθα" τοΰχο γινώσκοντες, δ'τι ο παλαιός ημών άνθρωπος συν- 
εσταυρώθη, ίνα καταργηθη το σώμα της αμαρτίας, τοΰ μηκέτι 

7 δουλεύειν ήμας τη αμαρτία - ο γαρ αποθανών δεδικαίωται από 

18 αρ 1 άρα nur hier (S. 51. 85). 20 Vgl. Cat. I, 367, 31, 52 
(S. 32). ' Am Rande: σχο^ ού μόνον έπερίσσευσε αλλά και υπερεπερίσσευσεν 
ή χάρις• δπου γέγονεν πλεονασμός αμαρτίας (Λ>σπερ και έπ! τήν τοις 
δάκρυσιν νίψασαν τους πόδας ιϋ. κ αϊ ζητητέον ει επί πανθ•* όν τίνες ουν 
όπου περισσεύει, ή άμα . . . νικώσα ή τοΰ θ-εοΰ χάρις . . . (Rasur, ά. 
Scliolion war etwa doppelt so lang). ' όπου 1 oö im Scholion und 
Cat. I, 367, 31. 53 (S. 29. 35). 21 Vgl. Cat. I, 365, 31,1. ' oo Χρίστου 
Ίησοΰ Β vulg Θ • 

6, Ι έπιμένωμεν 1 έπιμένομεν ABCDFG U. a.; έπιμένομεν ΚΡΚ 3 om 
Ίησοΰν Β u. a. 4 Ι, 190,19; L Ηί, 376,7; vgl. III, 15,6; 172,25; 

IV, 34,1: 210,7; 211, 34; 361,27; 510, 29; L III, 229, 11: Cat. Ι, 362, 
27,13f.; Cat. cor ι, 370,29,13. ' γάρ 1 oöv Ι, 190, 19; IV, 210, 7; L III, 
376,7 Κυ und syP lat exc df s m Tert • Pacian. Aug. (S. 47. 76). ' Sprichwort- 
artige Veränderung s. S. 41. 5 Cat. I, 363,29, 3 f. 11 f.; vgl. IV, 
15,12; 91,5; 361,28; Cat.«>r I, 370,29, 13; II, 46, 84, 17. ' Sprichwort- 
artige Veränderung s. S. 12 f. 44. 6 Vgl. Cat. II, 10, 36, 3. ' add 
και a χοΰτο Β. 



Text: 5, 18— 21; 6, 1—21. 103 

της αμαρτίας, ει δε άπεθ-άνομεν συν Χριστώ, πιστεύομεν δτι 8 
και συζήσομεν αύτώ, είδότες δτι Χριστός έγερ-8-είς εκ νεκρών 9 
ούκέτι αποθνήσκει, θ-άνατος αύτοΰ ούκέτι κυριεύει, δ γαρ απέ- 10 
■Ο-ανε, τη αμαρτία άπέθ•ανεν εφάπαξ* 8 δε ζή, ζή τω ί^εώ. ούτως 11 
και υμείς λογίζεσθ-ε εαυτούς είναι νεκρούς μεν τή αμαρτία ζώντας 
δε τψ θ-εώ εν Χριστώ Ίησοΰ. μη ούν βασιλευέτω ή αμαρτία 12 
εν τώ θ-νητώ υμών σώματι εις το ύπακούειν ταΐς έπιθ-υμίαις 
αύτοϋ, μηδέ παριστάνετε τα μέλη υμών δπλα αδικίας τη αμαρτία, 13 
άλλα παραστήσατε εαυτούς τω θ-εω ώσεί εκ νεκρών ζώντας και 
τα μέλη υμών δπλα δικαιοσύνης τώ θ-εώ, ' αμαρτία γαρ υμών 14 
ού κυριεύσει, ού γάρ έστε υπό νόμον αλλ' υπό χάριν. Τί ούν; 15 
άμαρτήσίομεν, δτι ούκ έσμέν ύπό νόμον αλλ' υπό χάριν; μη 
γένοιτο. ούκ οΐ'δατε δτι ω παριστάνετε εαυτούς δούλους εις 16 
ύπακοήν, δοΰλοί έστε ού υπακούετε, ήτοι αμαρτίας ή υπακοής 
εις δικαιοσύνην; χάρις δε τω θ-εω δτι ήτε δούλοι της αμαρτίας, 17 
ύπηκούσατε δε εκ καρδίας εις δν παρεδόθ-ητε τύπον διδαχής, 
έλευθ-ερωθ-έντες δε από της αμαρτίας έδουλώ-θ-ητε τη δικαιοσύνη. 18 
άνθ-ρώπινον λέγω δια την άσθ-ένειαν τής σαρκός υμών. ώσπερ 19 
γάρ παρεστήσατε τά μέλη υμών δούλα τή ακαθαρσία και τή 
ανομία εις τήν άνομίαν, ούτω νυν παραστήσατε τά μέλη υμών 
δοΰλα τή δικαιοσύνη εις άγιασμόν. δ'τε γάρ δοΰλοι ήτε τής 20 
αμαρτίας, έλεύθ-εροι ήτε τή δικαιοσύνη, τίνα ούν καρπόν εϊχετε 21 

8 Vgl. Cat. 1, 362, 27, 11; 364, 30, 8. 9 Ι, 146, 13 (S. 40); 

IV, 233,2 (S. 40); L III, 135,23 (S. 40); vgl. Cat. 1, 364, 30, 1.16; 
366, 31, 45. 10 Ι, 190, 14; IV, 15, 10 (S. 40); 233, 4; Cat. Ι, 

364, 30,9; vgl. L IV, 18,3 (S. 40); Cat. I, 362, 27,12. 11 Cat. I, 

366, 31, 19. ' ~ νεκρούς μεν είναι Cat. Ι, 366, 31, 19 und fg vulg e*c FL χ. 
om είναι ADFG 17. 178. 302 SyP Tert; ~ είναι νεκρούς μεν außer dem 
Athostext N*BC 31. 136. 149. 285. 437. 1319 u. a., aber kein TF-Zeuge 
(S. 34. 79). ' om τψ κυρίψ ημών auch ABDFG 47. 177. 179. 437 latexcMw 
θι• Ambrstr. sy h T er t. Βασ. Θδτ. Ku. (S. 82). 12 II, 357,22 (S. 45); 

358,30; III, 5,23; Cat. I, 365, 31,2. 13; vgl. L III, 277,2. ' Sprichwört- 
liche Veränderung s. S. 33. 14 Cat. I, 366, 31,43. 46f. (S. 29); vgl. 
L XV, 13, 27. v. 14f. άλλα 1 αλλ' NBCFG. 16 Am Rande: τόμος θ' 
und die Glosse είς Μνατον (S. 23). ' είς θάνατον fehlt heute bei Ddr 3 
sah syP Or (L Vll, 9; 10,18; 11,8; 17,9), hat nach W-W auch 
ursprünglich in der Vulgata gefehlt, jetzt nur noch bei den vulg.- 
Zeugen Α und G. ' ώ 1 οδ a υπακούετε alle Zeugen außer Ψ 47. 67**. 
469 (S. 85). 19 om είς τήν άνομίαν Β 71 syP Tert. Sedul. 20 Vgl. 
Cat. I, 367, 32,3. 21 Vgl. Cat, I, 367, 33, 2 ff. ' add μεν a γάρ 



104 Bauernfeind: Der Röraerbrieftext des Origenes. 

τότε; εφ' οϊς νυν έπαισχύνεσθε' το γαρ τέλος εκείνων θάνατος. 

22 νυνί δε έλευθερωθέντες από της αμαρτίας δουλο^θέντες δε τφ 
θεφ, έχετε τον καρπόν υμών εις άγιασμόν, το δε τέλος ζωήν 

23 αίώνιον. τα γαρ οψώνια της αμαρτίας θάνατος, το δε χάρισμα 
τοΰ θεού ζωή αιώνιος έν Χριστώ Ίησοΰ τω κυρίω ημών. 

7 Ή αγνοείτε, αδελφοί, γινώσκουσι γαρ νόμον λαλώ, δτι δ 

2 νόμος κυριεύει τοΰ ανθρώπου εφ' δσον χρόνον ζη: ή γαρ υπανδρος 
γυνή τφ ζώντι άνδρ'ι δέδεται νόμω' εάν δε άποθάνη δ άνήρ, 

3 κατήργηται από τοΰ νόμου τοΰ ανδρός, άρ' οΰν ζώντος τοΰ αν- 
δρός μοιχαλίς χρηματίσει εάν γένηται άνδρι έτέρω' εάν δέ άπο- 
θάνη δ άνήρ, ελευθέρα εστίν από τοΰ νόμου, τοΰ μη είναι αυτήν 

4 μοιχαλίδα γενομένην άνδρι έτέρω. ώστε, αδελφοί μου, και υμεϊς 
έθανατώθητε ;τώ νόμω διά τοΰ σώματος τοΰ Χρίστου, εις το 
γενέσθαι υμάς έτέρω, τω εκ νεκρών έγερθέντι, ινα καρποφορή- 

5 σωμεν τω θεώ. δτε γάρ ή μεν έν τη σαρκί, τα παθήματα τών 
αμαρτιών τά διά τοΰ νόμου ένηργεΐτο έν τοις μέλεσιν ημών εις 

6 τά καρποφορήσαι τω θανάτω' νυνί δέ κατηργήθημεν από τοΰ 
νόμου, αποθανόντες έν ω κατειχόμεθα, ώστε δουλεύειν ήμας έν 
καινότητι πνεύματος και ού παλαιότητι γράμματος. 

7 Τί οΰν έροΰμεν; δ νόμος αμαρτία; μη γένοιτο' αλλά την 
άμαρτίαν ουκ εγνων ει μη διά νόμου' τήν τε γάρ έπιθυμίαν ούκ 

8 ήδειν ει μη δ νόμος έλεγεν ούκ επιθυμήσεις" άφορμήν δέ λαβοΰσα 
ή αμαρτία διά της εντολής κατειργάσατο έν έμοί πασαν έπιθυ- 

tfcßDFG 17. 73. 149. 425. 446. 469. δΟδ sy* Κλ. Θδτ (S. 82). 22 Vgl. 
Cat. Ι, 368, 33, 15 ί. 23 Cat. Ι, 358, 22, 10; vgl. Cat. Ι. 368, 34, lff. 

7,1 IV, 232,12; L ΠΙ, 134, 20. 23; L IV, 159,4. 2 IV, 232, 15; 
L III, 134, 21. 25 (S. 43); 135 ; 25; Cat. II, 10, 35, 4. 3 IV, 232, 19; 
L III, 135,27; 136,4; 323,19 vgl. L III, 321,11. ' äp' 1 άρα nur hier 
und IV, 232, 19; L III, 135, 27 ; 136, 4 (S.50f. 85). ' add ή γυνή ρ χρηματίσει 
L III, 321, 11 und Α bo Xp. (S. 49. 77). 4 IV, 232.26. ' Am Rande: 
τοΰ άγ' Βασιλ'. σχο^ τοΰ νόμου έπεξιένα; τοις άδικοδσιν ή πλήττουσιν επι- 
τρέποντος — κατά τό εύαγγέλιον έπ'ι τηι πρώτηι πληγήι και τήι αφαιρέσει 
τοδ χιτωνος μακροθ-υμήσας τέθνηκε τώι νόμωι κα'ι τέθ-νηκεν ήτοι κατήργηται 
τούτω; ο νόμος" προσθ-είς δέ κα'ι τό ίμάτιον κα'ι τήν άλλην στρέψας σ;αγόνα 
έν καινότητι ζωής περιπατεί. 6 Vgl. Cat. II, 10, 35, 1; 10, 36, 1. ' om 
ημάς BFG (S. 32). 7 Φ 54, 13 (S. 82); 56, 11; Cat. II, 13, 38, 5. 8 Vgl. 
IV, 71, 17 (S. 28); Cat. I, 366,31,40 (S. 28. 32); II, 13, 37,3; 13,38,4; 
14, 39, 20. ' Am Rande : Das Zeielien ωργ, jedenfalls mit Beziehung 
auf das übergeschriebene δέ (S. 79 Anm. 1 u. S. 86). ' om δέ D*d*. ' 
κατηργάσατο 1 κατειργάσατο B*DP U. a.* 



Text: 6, 22-23; 7, 1—24. 105 

μίαν χωρίς γαρ νόμου αμαρτία νεκρά, εγώ δε εζων χωρίς 
νόμου ποτέ' έλθούσης δε της εντολής ή αμαρτία άνέζησεν, εγώ 9 
δε άπέθανον, και ευρέθη μοι ή εντολή ή εις ζωήν, αΰτη εις 
θάνατον" ή γαρ αμαρτία άφορμήν λαβουσα δια της εντολής 11 
έξηπάτησέ με και δι' αυτής άπέκτεινεν. ώστε ό μεν νόμος άγιος, 12 
και ή εντολή αγία και δικαία και αγαθή. Το οΰν αγαθόν έμοί 13 
έγένετο θάνατος; μή γένοιτο" αλλ' ή αμαρτία, ίνα φανή αμαρτία, 
δια του άγαθοΰ μοι κατεργαζομενη θάνατον, ίνα γένηται καθ' 
ύπερβολήν αμαρτωλός ή αμαρτία δια της εντολής, οίδαμεν γαρ 14 
δτι ό νόμος πνευματικός έστιν εγώ δε σάρκινος είμι, πεπραμένος 
υπό την άμαρτίαν. δ γαρ κατεργάζομαι ου γινώσκω' ου γαρ 15 
ο θέλω τοϋτο πράσσω, αλλ' ο μισώ τοϊ>το ποιώ. εί δε δ ού 16 
θέλω τούτο ποιώ, σύμφημι τώ νόμω δτι καλός, νυν'ι δε ούκέτι 17 
εγώ κατεργάζομαι αυτό αλλ' ή οίκοΰσα έν έμοί αμαρτία, οιδα 18 
γαρ δτι ουκ οικεί έν έμοί, τοΰτ' έστιν έν τη σαρκί μου, αγαθόν' 
το γαρ 9-έλειν παράκειταί μοι, το δε κατεργάζεσθαι το καλόν 
ου' ού γαρ ο θέλω ποιώ αγαθόν, αλλ' δ ού θέλω κακόν τοΰτο 19 
πράσσω. εί δε δ ού θέλω έγώ τοΰτο ποιώ, ούκέτι εγώ κατερ- 20 
γάζομαι αυτά αλλ' ή οίκοΰσα έν έμοί αμαρτία, ευρίσκω άρα 21 
τον νόμον τώ θέλοντι έμοί ποιεΐν το καλόν, δτι έμοί το κακόν 
παράκειταί' συνήδομαι γαρ τώ νόμψ του θεοΰ κατά τόν έσο3 22 
άνθρωπον, βλέπω δε έτερον νόμον έν τοις μέλεσίν μου άντιστρα- 23 
τευόμενον τώ νόμψ του νοός μου και αίχμαλωτίζοντά με τώ 
νόμο) της αμαρτίας τω όντι έν τοις μέλεσί μου. Ταλαίπωρος 24 

9 Ι, 256, 25; IV, 71, 18 (S. 27}; Cat. II, 15,40, 2 (S. 28. 32); vgl. Cat. 
Ι, 220, 14, 11: II, 14, 39, 2. 12 (S. 27). ' έζην 1 εζων Β. 10 Ι, 256, 26. 
11 Cat. II, 15, 39, 26 (S. 28f. 32). 12 II, 172,21; L III, 105, 16 (S. 39); 
Cat. I, 217, 10, 6. 13 Vgl. Cat. II, 15, 40, lff. (S. 32). 14 II, 172,20; 
L III, 105,15; Φ 55, 28; Cat.epii 236,25 vgl. IV, 153, 4; 176,33: Cat. II, 
16,41,8. ' δέ 1 γάρ II, 172,20 und ADL 120. 124 vulg^sy h mg Ambi\ 
Aug. Or Θδτ. Βασ. (S. 47. 75). ' σαρκικός 1 σάρκινος Cat. II, 16, 41, 9 (vgl. 
IV, 176, 33) und Ε (S. 34- 79). ' Zu den ersten Worten des Verses vgl. 
S. 39 Aum. 1. 15 IV, 177,3. 16 Vgl. Cat. II, 16,42,5. 17 αλλά 
1 άλλ' BD*FG. ' ένοικοΰσα 1 οίκοΰσα ΝΒΜεθ•. 19 άλλα 1 άλλ' RBD* 470. 
20 άλλα 1 άλλ' tfBD*. ' om έγώ ρ θέλω BCDFG u. a. 22 11,64,4; 
Cat. Ι, 359,25, 13; vgl. Cat- Π, 14, 39, 14. ' νοος 1 θ-εοϋ Β (aus ν. 23). 
23 Cat. Ι, 359, 25, 13; vgl. L III, 134, 12: 136, 10: Cat. II, 16, 43, 3. ' om 
έν ρ με sonst noch CL 31 u. a ; add έν tf BDFG u. a. 24 I, 4, 25 ff.; 
II, 201, 10; 271, 3; III, 187, 19; IV, 382, 18; L III, 350, 22; 385, 19; L XII, 
32,22; 33,11; 252,14; L XIII, 73.21; Cat. II, 16,44,2. 



106 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

εγώ άνθ-ρωπος' τίς με ρύσεται Ιν. τοΰ σώματος τοΰ θ-ανάτου 
2δ τούτου; ευχαριστώ τψθ-εψ δια Ίησοΰ Χρίστου του κυρίουήμών. 'Αρα 

ουν αυτός εγώ τω μεν νοί μου δουλεύω νόμω θ-εοΰ, τη δε σαρκί 
8 νόμφ αμαρτίας, ουδέν άρα νυν κατάκριμα εν Χριστψ Ίησοΰ. 

2 ό γαρ νόμος τοΰ πνεύματος της ζωής εν Χριστώ Ίησοΰ ήλευ- 

3 ίτέρωσέν σε από τοΰ νόμου της αμαρτίας και τοΰ θανάτου, το 
γαρ αδύνατον τοΰ νόμου, εν ω ήσ9•ένει δια της σαρκός, ό χΗεός 
τον έαυτοΰ υίδν πέμψας εν όμοιώματι σαρκός αμαρτίας και περί 

4 αμαρτίας κατέκρινεν την άμαρτίαν έν τη σαρκί, Ινα το δικαίωμα 
τοΰ νόμου πληρωθ-η έν ήμίν τοις μη κατά σάρκα περιπατοΰσιν 

5 άλλα κατά πνεΰμα. οι γάρ κατά σάρκα δντες τά της σοίρ-αος 

6 φρονοΰσιν, οι δέ κατά πνεΰμα τά τοΰ πνεύματος, τά γάρ φρό- 
νημα της σαρκός θ-άνατος, τό δέ φρόνημα τοΰ πνεύματος ζωή 

7 και ειρήνη, διότι τό φρόνημ α της σαρκός εχθ-ρα εις θ•εόν τω 

8 γάρ νόμφ τοΰ ιτεοΰ ούχ υποτάσσεται, ουδέ γάρ δύναται' οί δέ 

9 έν σαρκί δντες θ-εψ άρέσαι ού δύνανται, ΰμεΐς δέ ούκ έστέ έν 
σαρκί αλλ' έν πνεύματι, εϊπερ πνεΰμα θ-εοΰ οί κει έν υμΐν. ει 

10 §έ τις πνεΰμα Χρίστου ούκ έχει, ούτος ούκ εστίν αύτοΰ. ει δέ 
Χριστός έν ύμίν, τό μεν σώμα νεκρόν δι' άμαρτίαν, τό δέ πνεΰμα 

11 ζωή διά δικαιοσύνην. ει δέ τό πνεΰμα τοΰ έγείραντος τον Ίησοΰν 

25 Ι, δ, 1 (S. 45); L XII, 33,13: Cat. II, 16, 44,4. ' χάρις 1 ευχαρι- 
στώ Ι, 5, 1 und Β sa Μεθ•. (res II, 8,3). Hier. (Ι, 865; S. 48. 74.); 
häufiger: χάρις δέ. ' τω μεν νοί μου sonst nur 47; τω νοί μου 10. 
37** m S arm; τφ νοί N*FG 136 lat (S. 82); τω μεν νοί BCDLP Κ. 

8, 1 om τοις a έν sonst nur 67** g; Praedestinatus lib 3,14 — 
Migne 1 Bd. 53, S. 654 C — wäre hier zu nennen, wenn dieser Text 
nicht als ganz verwildert anzusehen wäre (S. 51. 85). 2 Vgl. II, 
218, 15; Cat. II, 17, 45, 1. ' σε 1 με auch tfßFG 31 fgni vulg D Tert. 
PeL Aug. (S. 82). 3 Vgl. III, 54, 27; IV, 83,10; L 111,283,24; Cat. 
I, 362, 28, 3; 365, 30, 26; II, 17, 45, 1. 6 f. 4 Vgl. Cat, II, 17, 45. 6 Vgl. 
il, 156,6; 174,1; 239,18; 240,13.21; III. 248, 13; Cat. I, 365, 31, 4; Cat. 
cor I, 364, 24, 13. 7 III, 248, 16 (S. 37); L VIII, 62, 6 (S. 28); Cat. I, 
365, 31, 4 (S. 28); vgl. zu „φρόνημα της σαρκός•' auch die ν. 6 angegebenen 
Stellen. 8 II, 188, 32 (S. 40); IV, 283, 2 (S. 40); L III, 214, 20; L VIII, 
62, 7 (S. 40). II, 196, 12; L III, 215, 1. ' Am Räude: τόμος Γ ' 

αλλά 1 αλλ' KBD*. 10 οιά 1 δν ABCFG Λ'. 11 L 111,277,10; L IV, 
146, 11 ; L XI, 387, 21 ; 391, 14 (zu allen Stelleu s. S. 43). ' om εκ νεκρών 1 
sonst nur 47. 67** Tert. (res 46) Μεθ•οδ (Bomv. I 187,12; S. 51. 53. 86). 
^ έκ νεκρών 2 a ζωοποιήσει BDFGLP Ε. ' Olli "Ιησοΰν ρ Χριστόν BD C FG 
u. a. ' om και ρ ζωοποιήσει sonst nur L IV, 146, 11 ; L XI. 387, 21 und 
NA 39. 47. 352 Μεί>οδ. Επιφ. (S. 49 f. 76). ' δ'.ά τοΰ ένοικοΰντος αύτοϋ 



Text: 7, 25; 8, 1-22. 107 

οικεί εν ύμΐν, δ έγείρας εκ νεκρών Χριστδν Ίησουν ζωοποιήσει 
τά θ•νητά σώματα υμών δια το ένοικοΰν αυτοΰ πνεΰμα εν υμΐν. 

"Αρ' οδν, αδελφοί, οφείλεται έσμέν, ου τη σαρκί του κατά 12 
σάρκα ζην. ει γαρ κατά σάρκα ζητε, μέλλετε άποί^νήσκειν 13 
ει δε πνεύματι τάς πράξεις του σώματος 9'ανατοΰτε, ζήσεσ-9-ε. 
δσοι γάρ πνεύματι θ-εοΰ άγονται, ούτοι υιοί θ-εοΰ είσιν' ού γάρ lf 
έλάβετε πνεΰμα δουλείας πάλιν εις φόβον, αλλ' έλάβετε πνεΰμα 
υιοθεσίας, εν ω κράζομεν' Άββά ό πατήρ, αυτό το πνεΰμα 16 
συμμαρτυρεΐ τω πνεύματι ημών δτι έσμέν τέκνα ί)•εοΰ. ει δε 17 
τέκνα, και κληρονόμοι' κληρονόμοι μεν •8•εοΰ, συγκληρονόμοι δε 
Χρίστου, εί'περ συμπάσχωμεν ί'να και συνδοξασΙΙ'ώμεν. Λογίζομαι 18 
γάρ δτι ούκ άξια τά παθήματα τοΰ νΰν καιροΰ προς την μέλλουσαν 
δόξαν άποκαλυφ-Θ-ηναι εις ήμας. ή γάρ άποκαραδοκία της κτίσεως 19 
την άποκάλυψιν τών υιών τοΰ θ-εοΰ άπεκδέχεται. τη γάρ ματαιό- 20 
τητι ή κτίσις ύπετάγη, ούχ έκοΰσα, άλλα διά τον υποτάξαντα, 
επ έλπίδι ' δτι και αύτη ή κτίσις έλευθεροοθήσεται άπο της 21 
δουλείας της φθοράς εις την ελευθερίαν της δόξης τών τέκνων 
τοΰ θεοΰ. οίδαμεν γάρ ότι πάσα ή κτίσις συστενάζει και συνο> 22 

πνεύματος 1 διά το ένοικοΰν αϋτοΰ πνεΰμα ΝΑ u. ν. a. 12 άρ' 1 άρα 

a οδν nur hier (S. 51). 13 11,203,3 (S. 40); L ΧΙλ Τ , 27,26; vgl. ΙΓ, 
156,7: 188,28; 328,10: 111,55,15; 188,29: L VIII, 51, 18; Cat. I, 361, 
26, 17; Cat. cor I, 237, 8, 29. ' της σαρκός 1 τοΰ σώματος III, 55, 16; L VIII, 
51, 18 und DFG Λιδ. Εφρ. lat Tert. Cypr. (S. 48. 75). 14 I, 368, 21 
(S. 40); II, 139,27 (S. 40); vgl. I, 108,5.7. ' oo υιοί slow *εοο I, 368,22 
Cod. A; vgl. auch I, 108,5.7 und BFG fg vulg P ler Hil. Pel. Aug. syi 1 
(S. 48. 75; die übrigen Varianten der Wortstellung s. S. 37. 75 Anm. 2). 

15 I, 108, 11; Π, 347, 8; vgl. IV, 36, 29; 370, 27: 372, 17: 377, 16 (S. 42); 
413,5; L III, 258,20; Cat, eph 237,19. ' om πάλιν 11,347,8 (IV, 36,29; 
370, 27; L III, 258, 20) Cat. eph 237,19 und Ψ 17. 39. 54. 190*. 253 
(S. 49. 77). ' άλλα 1 άλλ' II, 347, 9 und Ν ABC 57 Apg. 235 (S. 48. 77). 

16 L III, 211, 25; vgl. II, 348, 11. 17 Cat. cor I, 234, 3, 4; vgl. II, 348, 12- 
' συμπάσχομεν 1 συμπάσχωμεν alle Zeugen außer AP 17. 37. 39. 47. 271: 
compatiamur af vulg dh@co*z* ^mbr Ambrstr. Pel. (S. 85). 18 I, 4, 3 
(S. 45); 32,7; Cat. epb. 239,28. 19 11,14,18; 215,1 (S. 40); IV, 32, 7 
(S. 38); vgl. V, 93, 18 (S. 42). 20 ΙΓ, 14, 20: 200, 30; 215, 2 
(S. 40); IV, 21,23 (S. 45); vgl. 1,9,12; II, 14,12; 215,5 (S. 45). ' έφ' 
] έπ• tf*BDFG. 21 1,9,12: 14,1 (S. 37); Π, 14,21; 214,27: IV, 32,5: 
vgl. 11,215,4. ' διότι 1 δτι tfD*FG (S. 82). 22 IV, 21,22; Comm. in 
prov. Tschdf. 96, 19. ' στενάζει 1 συστενάζει in diesen beiden Zitaten 
und den Minuskeln 29. 33. 35. 469, sowie lat exc fc c df0l*o* τ Ambr. Pel. 

Aug. Or (L VJI, 93. 98. 102 {. u. ü.) (g. 4.7 7g)_ 



108 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

23 δίνει άχρι του νυν ου μόνον δέ, άλλα και αυτοί την άπαρχήν 
του πνεύματος έχοντες ήμεΓς και αυτοί εν έαυτοίς στενάζομεν 
υίοθ-εσίαν άπεκδεχόμενοι, την άπολύτρωσιν του σώματος ημών. 

24 τη γαρ έλπίδι έσώ•9•ημεν* έλπίς δέ βλεπομενη ουκ έστιν έλπίς' 

25 δ γαρ βλέπει τίς και ελπίζει; ει δέ δ ου βλέπομεν έλπίζομεν, 

26 δι' υπομονής άπεκδεχόμεθ-α. ωσαύτως δέ και το πνεύμα συναντι- 



λαμβάνεται τη άσθ-ενεία ημών το γαρ τί προσευξώμεθ-α καθ-ό 
δει ούκ οϊδαμεν, αλλ' αυτό το πνεύμα υπερεντυγχάνει στεναγμοΐς 

27 άλαλήτοις' δ δέ ερευνών τάς καρδίας οίδεν τί το φρόνημα του 

28 πνεύματος, δτι κατά θ-εόν έντυγχάνει υπέρ αγίων, οί'δαμεν γάρ 
δτι τοις άγαπώσι τον θ-εόν πάντα συνεργεί εις άγαθ-όν, τοις κατά 

29 πρόθ•εσιν κλητοΐς οόσιν. δτι ους προεγνο), και προώρισε συμμόρ- 
φους της εικόνος του υίοΰ αύτοΰ, εις το είναι αυτόν πρωτότοκον 

30 εν πολλοίς άδελφοΐς" ους δέ προώρισε, τούτους και έκάλεσε' και 
ους έκάλεσε, τούτους και έδικαίωσεν ους δέ έδικαίιοσε τούτους 

23 Vgl. IV, 377, 16 (S. 42). ' έχοντες ήμεΤς και αυτοί sonst nur 
KAC 5. 9. 39. 47. 80. 190. 213. 285. 437. 470: έχοντες ήμεΐς αυτοί 
Φ 116. d*g Ambrstr.; έχοντες αυτοί DFG 31 vulg L sy Ρ Pel. Ambr.; 
έχοντες και αυτοί Β 31. 73. 93. 136. 425 lat Ρ 1 « 1 "; έχοντες και ήμεΐς 
αυτοί LP 6. 17 etc. Κ. 24 Vgl. Cat. II, 18, 47, 1 Anra. (S. 35). ' Am 
Rande: υπομένει | το δε έμόν τδ παλαιόν | ούτως έχει; δ γάρ | βλέπει τίς 
ελπίζει. ' Text und Scholion entsprechen genau der Minuskel 47, nur 
daß dort das Wort έμδν fehlt. Außerdem lesen: δ γάρ βλέπε: τίς και 
ελπίζει 120*; δ γάρ βλέπει τίς και υπομένει Ν* 120 <•■; δ γάρ βλέπει τις τί 
και υπομένει Α; δ γάρ βλέπει τίς έλπιζε: Β; δ γάρ βλέπει τις τί έλπιζε: 
DFG lat syP; die gebräuchliche Form dagegen ist: S γάρ βλέπει τ:ς 
τί και ελπίζει (s. S. 55). 26 II, 301,8 (S. 44): 332, 21 (S. 44); vgl. 

II, 299,10; 301, 13. 17 f. 21. 26; Cat. II, 18, 48, 4 (S. 29). ' προσευξόμεθα 
] προσευξώμεθ-α II, 332, 21; Cat. II, 18, 48,6 und DLPW Κ; προσευχό- 
μεθ-α FG ::: 377: oremus lat (S. 34. 47. 76. 79). ' άλλα 1 άλλ' II, 332,21 
(die anderen Belegstellen kommen nicht in Frage) und NDFGLP'F 
17 u. a.; Κ ist geteilt: άλλ' lesen ABC u. a. (S. 76. 85). ' add υπέρ 
ημών a ύπερεντυγχάνε: in zufälligem Zusammentreffen 47 und Or 
(L VII, 113, 8 gegen 114, 18; 115, 17; 119, 16; 132, 16; 137, 12). 
27 II, 301,8; 332, 22. 28 IV, 357, 10; L XI, 447, 16 (= Φ 237, 16); 
Φ 227,8; 229,2.10 (S. 32 Anm. 1); vgl. II, 393,2. ' γάρ 1 δέ sonst nur 
6. 9. 47. 48. 67**; om δέ Φ 227, 8 Cod. Α; 270 und eine spätere Hand 
in d (d 3 ); δέ bei allen übrigen Zeugen, auch Φ 227,8; 229, 2. 10 
(S. 33. 85 f.). ' add ό θεός ρ αγαθόν L XI, 447,17 (= Φ 237, 17); vgl. 
II, 393, 2f.; IV, 357, 8ff. und AB (S. 49. 77). 29 Φ 227,10.22 

(S 28); 229, 5: vgl. II, 310, 20 (S. 44); L III, 177, 1 (S. 44); L III, 259, 24 
(S 43 f.) ; L XII, 347,10. 30 II, 310,21; Φ 227, 12; L XII, 347, 10 (S. 43). 



Text: 8, 23-39; 10, 1—3. 109 

και έδόξασεν. Τί ουν έροΰμεν προς χαοτα; ει δ θεός υπέρ ημών, 31 
τίς καθ-' ημών; δς δε τοΰ ιδίου υίοΰ ουκ έφείσατο, αλλ' υπέρ 32 
ημών πάντων παρέδωκεν αυτόν, πώς ουχί και συν αύτώ τα πάντα 
ήμΐν χαρίσεται; τίς εγκαλέσει κατά εκλεκτών θ-εοΰ; θεός ό δίκαιων" 33 
1 τίς δ κατακρίνουν; Χριστός δ άποθ-ανών, μάλλον δε και έγερθ-είς, 34 
δς και έντυγχάνει υπέρ ημών- τίς ήμας χωρίση από της αγάπης 35 
του Χρίστου; $•λίψις ή στενοχώρια ή διωγμός ή λιμός η γυμνότης 
ή κίνδυνος ή μάχαιρα; καθ•ώς γέγραπται δτι 36 

ένεκεν σου ίτανατούμεθ-α δλην την ήμέραν, 
έλογίσθ-ημεν ως πρόβατα σφαγής. 



αλλ' εν τούτοις πασιν υπερνικώμεν δια τοΰ άγαπήσαντος ήμας. 37 
πέπεισμαι γαρ δτι οϋτε θ-άνατος ούτε ζωή ούτε άγγελοι ούτε 38 
άρχαί ούτε ενεστώτα οΰτε μέλλοντα οΰτε δυνάμεις ' ούτε ΰψωμα 39 
οΰτε βάθος οΰτε τις κτίσις έτερα δυνήσεται ημάς χωρίσαι από 
της αγάπης τοΰ θεοΰ της εν Χριστώ Ίησοΰ τω κυρίω ημών. 

'Αδελφοί, ή μεν ευδοκία της εμης καρδίας και ή δέησις 10 
προς τον θεόν υπέρ αυτών εις σί,οτηρίαν. μαρτυρώ γάρ αύτοΐς δτι 2 
ζηλον θεοΰ έχουσιν, αλλ' od κατ' έπίγνωσιν' άγνοοΰντες γάρ την 3 

31 Vgl. IV, 84, 18; Cat. Π, 19, 49, 6. 32 L Πί, 225,15; 229, 1 ; 
L Χ, 381, 25; vgl. Ν, 258, 8; L XVII, 26, 9. ' γε 1 δε L III, 225,15; 
L Χ, 381, 25 und alle anderen Zeugen außer 47. 366 (S. 47. 75. 86f.). ' άλλα 
1 αλλ' tfBD*FG. 33 Vgl. L XII, 351,20; Cat. II, 49, 50, 211'. 34 Vgl 
L XII, 351, 20. ' add και a έγερθ-είς auch DFGW lat exe ah*m or hü. Aug.^x 
(S. 86 f.). ' om δς έστιν εν δεξι£ τοΰ θεοΰ — durch Homoioteleuton — 
nur hier (S. 51. 86). 35 I, 53,5 (S. 37): L III, 264, 7; 309, 7; L XII, 

106,7. ' χωρίσει 1 χωρίσ Ή Ι, 53,5; L 111,309,7: L XII, 106, 8 und fast 
sämtliche anderen Zeugen. Mit dem Athoscodex geht nur Α 272 
(S. 47. 50. 76). ' θ•εοΰ 1 Χρίστου tfB u. a. 36 I, 53, 7 (S.46). 37 1,53, 8. 18; 
Π, 301, 22. 38 I, 53, 11. 21: Cat. cor T, 233, 2, 36; vgl. Cat. II, 20ff., 52 
(vgl. dort die Anmerkung zu Zeile 33). ' δε 1 γάρ Cat. c °r τ, 233,2,36; 
Hier. I, 877 (S. 47. 75). 39 I, 53, 12. 20. 23; Cat. cor i ? 233, 2, 37; vgl. 
Cat. II, 20ff., 52 (S. 32). ' om τις a κτίσις II, 22,52,39f. und DFG 114. 
219*. 469; vgl. lat exe or Hier. syP Tert, (S. 34. 79). 

9 ist nicht aus dem Originescommentar entnommen, am Rande 
ist zu IX, 1 bemerkt: τόμος ΙΑ' δς ου φέρεται. 

10, 1 Daß hier τόμος ΙΒ' begann und wieder der Origenes- 
commentar benutzt wird, ist nicht ausdrücklich gesagt; v. d. Goltz 
nimmt es aber (S. 93) im Blick auf Rufin L VII, 191 mit gutem 
Grund an. 2 Vgl. L XIII, 86,20 (S. 41). 3 om δικαιοσύνην ρ Ιδίαν 
auch ABD 47. 178. 285. 437. 8 lect i a t exe d*fg Tert, Iren. Aug. Or 
(L VII, 191,10; 197,17; 319,14) Κλ. Βασ. Xp (S. 82). 



HO Bauernfeind: Der Römefbrieftext des Origenes. 

του %-ζου δικαιοσύνην, και την Εδίαν ζητοΰντες στήσαι, τη δικαιο- 

4 σύνη του θ-εοΰ ούχ ύπετάγησαν. τέλος γάρ νόμου Χρίστος εις 

5 δικαιοσύνην παντί τω πιστεύοντι. Μωσής γάρ γράφει δτι την 
δικαιοσύνην την εκ του νόμου δ ποιήσας άνθρωπος ζήσεται εν 

β αύτη. ή οέ εκ πίστεως δικαιοσύνη οοτως λέγει* μη ε'ίπης εν 
τη καρδία σου - τίς άναβήσεται εις τον ούρανόν; τοΰτ' εστίν Χρισ- 

7 τον καταγαγειν' ' ή" τίς καταβήσεται εις την άβυσσον; τοΰτ' 

8 εστίν Χριστόν εκ νεκρών άναγαγεΐν. άλλα τί λέγει; εγγύς σου 
το ρήμα εστίν σφόδρα εν τφ στόματί σου και εν τη καρδία σου - 

9 τοΰτ' έ'στι το ρήμα της πίστεως δ κηρύσσομεν. δτι εάν ό\ιολο- 
γήσης εν τω στόματί σου κύριον Ίησοΰν, και πιστεύσης εν τη 
καρδία σου δτι ο θ-εδς αυτόν ήγειρεν εκ νεκρών, σωθ-ήση' 

10 καρδία γάρ πιστεύεται εις δικαιοσύνην, στόματί δε ομολογείται 

11 εις σωτηρία ν. λέγει γάρ ή γραφή' πάς δ πιστεύων έπ' αύτψ ού 

12 καταισχυν ζήσεται. ού γάρ έστιν διαστολή Ιουδαίου τε και Έλ- 
ληνος* δ γάρ αυτός κύριος πάντων, πλούτων εις πάντας τους 

13 επικαλούμενους αυτόν πας γάρ 8ς αν έπικαλέσηται το δνομοί 

14 κυρίου σο>θ-ήσεται. Πώς οόν έπικαλέσονται εις δν ούκ έπίστευ- 
σαν; πώς δε πιστεύσωσιν ού ούκ ήκουσαν; πώς δε άκούσονται 

15 χωρίς κηρύσσοντος; πώς δε κηρύξωσιν εάν μή άποσταλώσιν; 
καθ-ώς γέγραπταΓ ως ωραίοι οι πόδες τών εύαγγελιζομένων άγα^ά. 

16 αλλ' ού πάντες ύπήκουσαν τω εύαγγελίω. Ησαΐας γάρ λέγει" 

17 κύριε, τίς επίστευσεν τη ακοή ημών; ' άρα ή πίστις εξ ακοής, 

4 Vgl. III, 277, 13 (S. 43); IV, 530, 16 (S. 40). δ οο δτι την δικαιοσύνην 
auch 8*ΑΌΨ 6. 17. 67**. 285. 437 vulgexcDL* (S. 82). add δτι ρ νόμου 
^cßD c FG it Κ. ' om του a νόμου **BW 281. add αυτά ρ ποιήσας BFG Κ. 
6 111,153,17 (S. 43); IV, 47,31; 72,22; 312,6. 7 III, 153, 18 (S. 38); IV, 48,1; 
72,24; 312,7. 8 III, 153,20; IV, 48,2; 72,25; 312,9 (S. 45); vgl. 

II, 356, 29 (hier aber wohl nur Dt. 30, 14). ' add ή γραφή ρ λέγει 

III, 153,20; IV, 48,2; 312,9 und D 5. 17. 31. 39. 71. 80. 93. 121. 130. 
136. 149. 190. 259. 338. 366. 424, 470. 1319. 2127 d. vulg. ABDFemg 
kloucvwz arm Κυ Θδτ Hil. Pel. Sed. Or (L VII, 197, 1) (S. 49. 76). ' 
om σφόδρα a εν III, 153. 21 ff. und alle Zeugen außer 6. 47 (S. 45. 49f. 
77. 84. 86). 9 add το ρήμα a έν 1 Β 71 Κλ. ' οτι κύριος Ίησοΰς 1 κύριον 
Ίησοΰν Β 285. 437 u. a. 10 Ι 7, 8; L XII, 46, 1 (S. 40); vgl. II, 348, 15; 
L III, 171, 15; 277, 14. 13 Ι, 25, 1 (S. 40); L XII, 356,21; L XIII, 
62,2. 14 έπικαλέσονται Ψ Κλ Ζ; έπικαλέσωνται NABDFG u. a. (S. 86). ' 
πιστεύσωσιν (1 -σουσιν) auch NBDFGP W u. a. ' άκούσονται auch N*DFGP 
und 22 Minuskeln; άκούσωσιν ^cAcß u. a. 15 Vgl. IV, 14, 6 (Jes. 52, 7) 
1 καθ-άπερ 1 καθ-ώς Β 285. 



Text: 10,4—21; 11, 1—8. 11 i 

ή δε ακοή δια ρήματος Χρίστου, αλλά λέγω, μη ούκ ήκουσαν; 18 
μενοΰνγε ' 

εις πασαν τήν γήν έξηλ&εν δ φθ-όγγος αυτών, 

και εις τα πέρατα της οικουμένης τα ρήματα αυτών. 
άλλα λέγω, μη 'Ισραήλ ούκ εγνο); τζρωτος Μωσής λέγει" 19 

εγώ παραζηλώσα) ύμας έπ' ούκ εθ-νει, 
έπ' έθ-νει άσυνέτω παροργιώ υμάς. 
Ησαΐας δε αποτολμά και λέγει' 20 

εύρεθ-ην τοις έμέ μή ζητοΰσιν, 

εμφανής έγενόμην τοις έμέ μή έπερωτώσιν. 
προς δε τόν 'Ισραήλ λέγει' δ'λην τήν ήμέραν έξεπέτασα τάς χει- 21 
ράς μου προς λαόν άπειθ-οΰντα και άντιλέγοντα. 

Λέγω ούν, μή άπώσατο δ θ-εάς τόν λαδν αύτοΰ; μή γένοιτο' 11 
και γάρ εγώ Ισραηλίτης ειμί, εκ σπέρματος Αβραάμ, φυλής 
Βενιαμίν, ούκ άπώσατο δ -θ-εός τόν λαόν αύτοϋ δν προέγνοο. ή 2 
ούκ οΐδατε εν Ηλία τί λέγει ή γραφή, ως έντυγχάνει τω θ-εώ 
κατά τοΰ Ισραήλ; κύριε, τους προφήτας σου άπέκτειναν, τά 3 
θ-υσιαστήριά σου κατέσκαψαν, κάγώ ύπελείφθ'ην μόνος και ζητοΰσι 
τήν ψυχήν μου. άλλα τί λέγει αύτώ δ χρηματισμός; κατέλειπον 4 
έμαυτώ έπτακισχιλίους άνδρας, οϊτινες ούκ έκαμψαν γόνυ τη Βάαλ. 
ούτως ούν και εν τφ νυν καιρώ λείμμα κατ 1 έκλογήν χάριτος Γ> 
γέγονεν εί δε χάριτι, ούκέτι εξ έργων, έπεί ή χάρις ούκέτι γίνεται 6 
χάρις. Τί ούν; δ επιζητεί 'Ισραήλ, τούτο ούκ έπέτυχεν, ή δε 7 
εκλογή έπέτυχεν ol δε λοιποί έπωρώθ-ησαν, ' καθ-ώς γέγραπται" 8 
έδωκεν αύτοΐς δ %-εος πνεύμα κατανύξεως, όφθ-αλμούς τοΰ μή 

18 Ι, 114, 26 (Ps. 18, 5). 20 Vgl. IV, 147, 24 zu Jes. 65, 1. 

1 add έν a τοις 1 BD*FGfg; add έν a τοις 2 BD*; vgl. d. Anibrstr. (S. 82). 

11, 1 L XIII, 114,14. 2 Vgl. III, 35,1. 3 Vgl. III, 122, 7ff. 
zu 1. Reg. 19,14. 4 III, 35,1; V, 318,2. ' κατέλιπον 1 κατέλειπον 

III, 35, 1 ; V, 318, 2 und «BD u. a., Κ ist gespalten (S. 47. 74). 

5 III. 35,3 (S. 46); vgl. L III, 115,23 (S. 42); L IV, 6, 3 (S. 42). ' 
λίμμα 1 λείμμα NAB*CD*FG 93. 437. 473 u. d. Apostoloslectionar 261. 

6 Vgl. Cat. e P h • 413,22. ' add in fine sl δέ έξ έργων, ούκέτι χάρις, έπεί, τό 
έργον ούκέτι έστιν χάρις Β; ähnlich die meisten anderen; ohne Zusatz 
nur KACDFGP 47. 285. 338. 437 lat arm (S. 82). 8 Am Rande das 
Zeichen ωργ und das Scholion: ποϋ γέγραπται τό έγκείμενον (δητόν έγώ μεν 
αύταΐς λέξεσιν ουχ sbpo^' δ δέ έμοΰ έπιμελέστερον έντυγχάνων ει εύροι 
δηλωσάτω. Vgl. dazu Rufin (L VII, 236): si quis vero diligentius quam 
nos intendit, in scriptum divinis si inveniat, manifestet. ' καθ-άπερ 
1 καθ-ώς «Β 285. 



112 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

9 βλέπειν και ώτα του μή άκούειν, εως της σήμερον ημέρας, καΐ 
Δαυίδ λέγει* 

γενηθ-ήτω ή τράπεζα αυτών εις παγίδα και εις θήραν 
και εις σκάνδαλο ν καΐ εις άνταπόδομα αυτοΐς, 

10 σκοτισθ-ήτωσαν οι οφθαλμοί αυτών τοΰ μη βλέπειν, 

και τον νώτον αυτών δια παντός σύγκαμψον. 

11 Λέγω ουν, μη έπταισαν ίνα πέσωσιν; μη γένοιτο* αλλά τω 
αυτών παραπτώματι ή σωτηρία τοις έθ-νεσιν, εις το παραζηλώσαι 

12 αυτούς, ει δε το παράπτωμα αυτών πλούτος κόσμου και το 
ήττημα αυτών πλούτος εθνών, πόσω μάλλον το πλήρωμα αυτών. 

13 ΎμΤν δε λέγω τοις εθ-νεσιν. εφ' όσον μέν ειμί εγώ έθ-νών 

14 απόστολος, την διακονίαν μου δοξάζω, εϊ πως παραζηλώσω μου 

15 την σάρκα και σώσω τινάς εξ αυτών, ει γαρ ή αποβολή αυτών 

16 καταλλαγή κόσμου, τίς ή πρόσληψις ει μή ζωή εκ νεκρών; ει 
δε ή απαρχή αγία, και το φύραμα' και ει ή ρίζα αγία, και οι 

17 κλάδοι. Ει δέ τίνες των κλάδων έξεκλάσθησαν, συ δε άγριέλαιος 
ων ένεκεντρίσθ-ης εν αυτοΐς καΐ συγκοινωνός της ρίζης και της 

18 πιότητος της έλαίας έγένου, ' μή κατακαυχώ τών κλάδων ει 
δέ κατακαυχασαι, ού συ την ρίζαν βαστάζεις αλλ' ή ρίζα σε. 

~ij ερεΐς οΰν έξεκλάσθ-ησαν κλάδοι ίνα εγώ έγκεντρισθ-ώ. ' καλώς* 
τη απιστία έξεκλάσθ-ησαν, συ δέ τη πίστει έ'στηκας. μή υψηλο- 

21 φρόνει, άλλα ψοβοΰ" ' ει γαρ ό Ό-εός τών κατά φύσιν κλάδων 

22 ούκ έφείσατο, ουδέ σου φείσεται. ίδέ οΰν χρηστότητα και άπο- 
τομίαν θεοΰ' επί μέν τους πεσόντας άποτομία, επί δέ σέ χρηστό- 

έπιμένης 

της θ-εοϋ, εάν έπιμείνης τή χρηστότητι, έπεί και συ έκκοπήση. 

9 om καί βίς θ-ήραν? (S. 20). 11 III, 24,9; vgl. Ι, 200, 12; 

III, 34, 26: 103, 9; 254, 12; IV, 403, 27 (zu deu 5 letzten Stellen 
s. S. 41 f.). 12 II, 152,5. 13 Vgl. Cat. cor. I, 245, 15, 42. ' 

Am Rande: τόμος 1Γ' ' add ουν ρ μέν «ABCP 31. 285. 17 Vgl. 

L III, 383, 10 (S. 42). ' om και ρ ρίζης «*BC 190. 360 bo. 18 άλλα 

1 αλλ' «BD*. 20 III, 193,17. ' έκλάσθ-ησαν 1 έξεκλάσθ-ησαν BDFGlat. ' 
υψηλά φρόνει 1 ύψηλοφρόνει «AB 285. 505 Ambr. (S. 82). 21 III, 193, 18; 
vgl. III, 26, 11; 28, 13. Alle drei Stellen scheinen auf ein μήπως 
ρ έφείσατο hinzudeuten, wie es sämtliche Zeugen lesen außer Ν ABCP 6. 
42. 47. 67**. 73. 80. 259. 285. 338. 424. 437. 1319. 2127 Aug. Or 
(S. 49. 76. 82). 22 III, 156, 27. ' άποτομία, έπί δέ σέ χρηστότης θ-εοΰ 

außer hier nur ABCP 285. 437 arm Dam. (K irrtümlich χρηστότητος; 
S. 51); άποτομία, έπί δέ σέ χρηστότης (om θ-εοΰ) III, 156,29 und 6. 67**; 
sonst stehen meist beide Substantive im Akkusativ (S. 49. 77). ' 



Text: 11,9-35. 113 

κάκε'ινοι δέ, έάν μη έπιμένωσι τη απιστία. έγκεντρισθήσονται* 23 
δυνατός γάρ έστιν ό θεός πάλιν έγκεντρίσαι αυτούς, εΐ γαρ σύ 24 
έκ της κατά φύσιν έξεκόπης άγριελαίου και παρά φύσιν ένεκεν- 
τρίσθης ε?ς καλλιέλαιον, ποσω μάλλον ούτοι οί κατά φύσιν 
έγκεντρισθήσονται τη ιδία έλαια. Ου γαρ θέλω υμάς άγνοείν, 25 
αδελφοί, το μυστήριον τούτο, ί'να μη ήτε έαυτοΐς φρόνιμοι, οτι 
πώρωσις από μέρους τψ 'Ισραήλ γέγονεν άχρις ού τδ πλήρωμα 
των εθνών είσέλθη, και ούτιο πάς 'Ισραήλ σο)θήσεται, καθώς 26 
γέγραπται' 

ήξει έκ Σιών ό ρυόμενος, 

αποστρέψει ασεβείας άπδ 'Ιακώβ, 
καΐ αυτή αύτοΐς ή παρ' έμοΰ διαθήκη, 27 

όταν άφέλωμαι τάς αμαρτίας αυτών. 
κατά μέν τδ εύαγγέλιον εχθροί δι' υμάς, κατά δέ τήν έκλογήν 28 
αγαπητοί διά τους πατέρας' άμεταμέλητα γάρ τα χαρίσματα 29 
και ή κλήσις του θεού. ώσπερ γάρ ύμεΐς ποτέ ήπειθήσατε τψ 30 
θεώ, vöv δέ ήλεήθητε τη τούτων άπειθ-εία, ' ούτως και ούτοι 31 
νυν ήπείθησαν τώ ύμετέρω έλέει ίνα και αύτο: έλεηθώσιν. 
συνέκλεισεν γάρ ό θ-εος τους πάντας εις άπείθειαν ίνα τους 32 
πάντα ς έλεήση. 

*Ω βάθος πλούτου και σοφίας και γνώσεως θεού" ώς άνεξε- 33 
ρεύνητα τά κρίματα αύτοΰ και ανεξιχνίαστοι αί όδοι αύτοΰ. 

τίς γάρ.εγνω νουν κυρίου: ή τίς σύμβουλος αύτοΰ έγένετο; 34 

ή τίς προεδωκεν αύτφ, και άνταποδοθήσεται αύτώ; 3δ 

add τοΰ a θ-εοΰ Β. ' έπιμέμ^ς — übergeschrieben von erster Hand — 
sonst nur {<BD*W285 (S. 83). 23 επιμένωσιν 1 Ιπιμείνωσιν sonst nur 

K*BD*<T 131*. 285 (S. 83). 24 Vgl. L III, 383, 16. 25 Vgl. Ii, 152, 7; 
III, 29,30; 31,26; 34,20.27; 35,8; 254,13: IV, 287,33; L III, 314,14: 
387,11; L IV, 5,26: 72,12; 93,19 (S. 44). ' om παρ' a εαυτοί; sonst 
nur FG*F47. 67** und alle Lateiner außer Rufin (L VII, 266,12), der 
also als einziger bekannter Lateiner von Origenes abweicht (S. 83, 
vgl. auch S. 14 Anm. 2). tv 1 παρ' AB 437. ' άχρ: Β 446. 469. 26 L XII. 
357, 16 (Jes. 59,20). Vgl. II, 152, 7 u. d. meisten der zu v. 25 genannten 
Stellen. ' add καΐ ρ ρυόμενο; L XII, 357, 16 (wo Origenes jedenfalls 
nicht nur die LXX. sondern auch diese Römerbrief stelle im Auge 
hatte) und 1* 6 Ε (S. 49. 75). 29 Vgl. III. 278, 12. 30 vuvi 1 vuv 
Β Xo. 31 add νδν a ελεω^ώσιν nBD :: 4** u. 9. 33 IV, 53,9; vgl. 
Texte u. Unters. Bd. 38 Heft 3, Schob 27,5; Cat. I 221, 15,5. ' 
άνεςεραύντ,-α 1 ανεξερεύνητα tfAB* 261. 

Τ. u. U. '23: Bauernfeind. 8 



litt Bauerufeiud: Der RÖmerbileftext des Origenes. 

36 οτι ες αύτοΰ και δ:' αύτου και εις αυτόν τά πάντα' αύτω ή δόξα 

εις τους αίώνας' αμήν. 
12 Παρακαλώ ούν υμάς, αδελφοί, δια των οΐκτιρμών του θ-εοϋ 

παραστήσαι τα σώματα υμών θ-υσίαν ζώσαν άγίαν εύάρεστον 

2 τώ θ-εώ, τήν λογική ν λατρείαν υμών μή συσχηματίζεσθ•ε τώ 
αιώνι τούτω, άλλα μεταμορφοΰσθ•ε τή άνακαινώσει του νοός, εις 
το δοκιμάζειν υμάς τί το θ-έλημα του -θ-εοϋ, τδ άγαθον καί 
εύάρεστον και τέλέιον- 

3 Λέγω γαρ δια της χάριτος της δοθ-είσης μοι -αντί τφ οντι 

εν ύμίν, μή υπερφρονεΐν παρ' δ δει φρονεΐν, άλλα φρονειν εις το 

έμέτρησε 

4 σωφρονεΐν, έκάστω ως δ ι)-εός έμέρισε μέτρον πίστεως' καθ•άπερ 

γαρ έν έν! σώματι μέλη πολλά έ'χομεν, τά δε μέλη πάντα ού 

5 τήν αυτήν έχει πραςιν, ' οϋτως οί πολλοί εν σώμα έσμεν έν 

6 Χριστώ, το δε καθ•' εις αλλήλων μέλη. έχοντες δε χαρίσματα 
κατά τήν χάριν τήν δοθ-εΐσαν ήμίν διάφορα, εϊ'τε προφητείαν, 

7 κατά τήν άναλογίαν της πίστεως' ' είτε διακονίαν, έν τη δια- 

8 κονία* εϊτε δ διδάσκων, έν τη διδασκαλία* εί'τε δ παρακαλών, 
έν τη παρακλήσει" δ μεταδιδούς έν άπλότητι, δ τζροϊατάμενοζ 

9 έν σπουδή, δ ελεών έν ίλαρότητι. ή αγάπη ανυπόκριτος, άποστυ- 

10 γουντες το πονηρόν, κολλώμενοι τω άγαθ-ω" τη φιλαδελφία εις 

11 αλλήλους φιλόστοργοι, τη τιμή αλλήλους προηγούμενοι, ' τη σπουδή 

12 μή οκνηροί, τω πνεύματι ζέοντες, τω κυρίω δουλεύοντες, ' τη 
έλπίδι χαίροντες, τη θλίψει υπομένοντες, τη προσευχή προσκαρ- 

13 τεροΰντες,•' ταΤς χρείαις των αγίων κοινωνοΰντες, τήν φιλοξενίαν 

36 II, 135, 14; vgl. Texte u. Untersuchungen Bd. 38 Heft 3 
Scliol. 5 Zeile 6 (S. 42). 

12, 1 Vgl. III, 203,2 (S. 37. 43); IV, 249.4. 2 Vgl. II, 349,3; 

L IV, 135,16 (S. 41): Cat.cor. ζ 240, 11, 13. ' om και a μή sonst nur 
47*. 67** d* gue gotll Xp Κλ (II, 134; S. 53. 86). ' συσχηματίξεσθαι 
. . . μεταμορφοΟσθ•αι 1 -σθ-ε AB 3 DFGW 6 ll. a. ' Olli υμών ρ νοός sonst 
nur ABD*FG 47. 67* ::: . 505 bo Κλ (II, 134), Cypr. (S. 52. 83). 

3 έμέτρησε (vou erster Hand übergeschrieben, durch μίτρον veran- 
laßt, — aber ob wirklich aus Ωρ?) sonst nur 253. 252? 47°? έμέτρισεν. 
1 χάριτος 1 πίστεως 6. 67 ::: * Or (L VII, 296,19; 297,5 S. 68 73). 

4 'ν, μέλη πολλά ALP Κ; rsy πολλά μέλη KBDFG ll. a. 5 Vgl. 
Φ 53,30: 54,5 (= ΧΙΠ, 304,12.20). 6 Vgl. II, 337,10: IV, 145,4: 
493,25 (S. 42); Cat. I, 359, 25,18. 8 Vgl. L XIII, 56. 17. 11 L XII, 
114,23; vgl. L XU, 66,11; Cat.cor. I, 233, 2,16. 



Text: 11, 36; 12, 1—15; 14, 10—22. 115 

διώκοντες. ευλογείτε τους διώκοντας, ευλογείτε και μή κατά- 14 
ρασθ-ε. χαίρειν μετά χαιρόντων, κλαίειν μετά κλαιόντων. Ιό 

πάντες παραστησόμε9•α τω βήματι του -9-εοϋ. γέγραπται γαρ" 14 

^ω εγω, λέγει κύριος, οτι εμοι κάμψει παν γονυ, lt 

και πασά γλώσσα έξομολογήσεται τω θ-εω. 
άρα έκαστος ημών περί έαυτοΰ λόγον δώσει. 12 

Μηκέτι ουν αλλήλους κρίνωμεν ' άλλα χοΰτο κρίνατε μάλλον, 13 
το μή τιθ-έναι πρόσκομμα τω άοελφω ή σκάνδαλον. ο!δα και 14 
πέπεισμαι έν κυρίω Ίησοΰ οτι ουδέν κοινον δι' έαυτοΰ' ει μή 
τω λογιζόμενο) τι κοινον είναι, εκείνο) κοινον. ει γάρ διά βρώμα 15 
δ αδελφός σου λυπεΐται, ούκέτι κατά άγάπην περιπατείς, μή 
τω |3ρώματί σου εκείνον άπόλλυε, 6πέρ ου Χριστός άπέθ-ανεν. 
μή βλασφημείσΟ'ω ουν υμών το άγαθ-όν. ού γάρ έστιν ή βασιλεία ]7 
του θ-εοΰ βρώσις και πόσις, αλλά δικαιοσύνη και ειρήνη και χαρά 
έν πνεύματι άγίω. δ γάρ έν τούτω δουλεύων τω Χριστώ εύάρε- 18 
στος τω θ-εώ και δόκιμος τοις άνθρωποι;, άρα οδν τά της ειρήνης 19 
διώκωμεν και τά της οικοδομής της εις αλλήλους, μή ένεκεν 20 
βρώματος κατάλυε το έργον του θ-εοΰ. πάντα μεν καθ-αρά, αλλά 
κακόν τω άνΟ'ρώπω τω διά προσκόμματος έσθίοντι. καλόν το 21 
μή φαγείν κρέας μηδέ πιεΐν οινον μηδέ εν ω δ αδελφός σου 
προσκόπτει, συ πίστιν έχεις: κατά σεαυτδν εχε ενώπιον του 22 

14 Vgl. II, 253, 7; 256,3: L XIII, 49,20 (S. 40. 43). ' om ύμας ρ 
διώκοντας sonst nur Β 47. 67**, in der Vulgata nach Wordsvvorth- White 
ursprünglich, jetzt nur noch AG*H' : ; Κλ Ambr. (S. 83). 15 Vgl. 
III, 236,24. ' om και a κλαίε« sonst nur «BDFG 47. 67. 296 lat exe Tert. 
Ambrstr. (S. 83). 1β Am Rande: τόμος ΙΔ' δς ού φέρεται; vgl. zu 9, 1. 

14, 10 Vgl. II, 378,11 (S. 38). ' Am Rande: τόμος IE', om γαρ 
sonst nur 47 m s. 67** Or (L VII, 358, 5) (S. 53. 86). 11 ^ έξομολογήσεται 
πασά γλώσσα BDFG it vulg dor Or (L VII, 354,3: 359,19). 12 om 

ουν ρ άρα sonst nur BP* 67** lat syl' (S. 83). ' αποδώσει 1 δώσει 
BDFG 39. 329. latexcCypi• χ ρ (S. 82). ' om τώ θ-εφ ρ δώσει sonst nur 
BFG 54. 67** f g.r Tert, Cypr. Aug. (S. 83). 13 om πρόσκομμα ... ή 
Β arm. 15 II, 244,8: vgl. Cat. cor I, öOO, 33,10. 18 δοκίμοις 

1 δόκιμος BG* (nicht g), vgl. 77. 10 διώκομεν 1 διώκωμεν KABFGLP 
u. a. 21 II, 244,7. ' κρέας sonst nur D^ 37. 469; κρέα II, 244,7 u. 
alle anderen Zeugen (S. 48. 75. 86t.). ' om ή σκανδαλίζεται•?; άσθ-ενεΐ ρ προσ- 
κόπτει auch II, 244,8 u. Or (L VII, 378,2; 380,4.16), sonst nur 
N*A0 6. 67**. 285. 437 r bo sy p Aug.; add ή σκανδαλίζεται ή άσθ-ενεΐ 
BDFG lat Κ (S. 52. 82). 22 add ην ρ πίστιν KÄßC 228. 470 r 

vulg cCDÖ mg τ u Aug. Or Pel. 

8* 



116 Bauernfeind: Der Römerbrieftext des Origenes. 

23 θεοϋ. μακάριος ό μη κρίνων εαυτόν έν φ δοκιμάζει, ό δε 
διακρινόμενος έάν φάγη κατακέκριται, 6'τι ουκ έκ πίστεως ' παν 

15 δε το ουκ έκ πίστεως αμαρτία εστίν. Όφείλομεν δέ ήμεΐς οί 
δυνατοί τα άσθενήματα των αδυνάτων βαστάζειν, και μη έαυτοις 

2 άρέσκειν. έ'καστος ημών τίρ πλησίον άρεσκέτω εις το αγαθόν 

3 προς οΙν.οοομτ^' και γαρ Χριστός ούχ έαυτω ήρεσεν άλλα καθώς 
γέγραπται' οί όνειδισμοι των δνειδιζόντων σε έπέπεσαν ϊπ έμέ. 

4 όσα γαρ προεγράφη, εις την ήμετέραν όιδασκαλίαν έγράφη, Ι'να 
δια της br:o\xoTi^ και δια της παρακλήσειος των γραφών την 

δ ελπίδα έχωμεν. 6 δέ θεός της υπομονής και της παρακλήσεως 

6 δψη υμΐν το αυτό φρονείν έν άλλήλοις κατά Χριστόν Ίησοον, ί'να 
ομοθυμαδόν έν ένΐ στόματι δοξάζητε τόν θεόν και πατέρα του 
κυρίου ημών Ίησοΰ Χρίστου. 

7 Διό προσλαμβάνεστε αλλήλους, καθώς και ό Χριστός προσ- 

8 ελά ( 3ετο υμάς εις την δόξαν του θεοϋ. λέγω γαρ Χριστόν 
διάκονον γενέσθαι περιτομης υπέρ αληθείας θεού, εις τό βε- 

9 βαιώσαι τάς επαγγελίας τών πατέρων, τά δέ έθνη υπέρ ελέους 
δοξάσαι τον θεόν, καθώς γέγραπται. διά το^το έξομολογήσομαί 

10 σοι έν έθνεσιν και τω όνόματί σου ψαλώ. και πάλιν λέγει" 

11 εύφράνθητε, έθνη, μετά του λαοϋ αύτου. και πάλιν ' 

αινείτε, πάντα τά έθνη, τόν κύριον, 

και έπαινεσάτωσαν αυτόν πάντες οί λαοί. 

12 και πάλιν Ησαΐας λέγει' 

έσται ή £ίζα του Ίεσσαί, 
και δ άνιστάμενος άρχειν εθνών' 
έπ' αύτώ έθνη έλπιοΰσιν. 

13 Ό δέ θεός της ελπίδος πληρώσαι υμάς πάσης χαράς και ειρήνης 

23 L ΪΠ, 99, 15; 106,4; Cat.cor Ι, 358, 19, 42 (zu allen Stellen 
s. S. 41). ' Am Rande: Das Zeichen ωργ und eine Rasur (S. 22. 87). 
1 &v 1 έάν a φάγη Β. ' ö 1 τό ρ δέ 3 L 11 1, 99, 5 und alle anderen Zeugen 
außer D*P 37. 71. 1319. 2127 (S. 48. 75. 86 f.). 

15, 3 ora δ a Χριστό; sonst nur D*FG 285 (S. 85). 4 έγράφη 
1 προεγράφη Β 67** lat excguerAug. ' a dd πάντα ρ Kpoeypa^ ΒΡΦ 14. 
17. 37. 131; vgl. Κλ. ' add τής παρακλήσεως ρ εχωμεν Β vulg L* Κλ. 
7 add τήν a δόξαν nur hier (S. 51. 86). ' ήμά; 1 ύμας BD*Pd*r vulgDH 
n. a. 8 γενέσθ-αι 1 γεγενήσθ-αι ρ διάκονον auch BC*D*FG*F 32. 272 Αθ• 
(S. 83). 11 add λέγει ρ πάλιν Β DFG 1. 446. 469. 505 it sy. 

13 πληροφορήσαι 1 πληρώσαι BFG (== m'r vulg F ?;. ' πάση χαρ£ και ειρήνη 



Text: Η, 22; 15, 1-22. 117 

έν τω πιστεύειν, εις τό περισσεύειν υμάς εν τη έλπίδι έν δυνάμει 
πνεύματος άγιου. 

Πέπεισμαι δε, αδελφοί και αυτός εγώ περί υμών, δ'τι και 14 
αύτοι μεστοί έστε άγαθ•ωσύνης, πεπληρωμένοι πάσης της γνώσεως, 
δυνάμενοι και αλλήλους νουιτετεΐν. τολμηρότερον δέ ομιν έγραψα 1δ 
άπο μέρους, ώς επαναμιμνήσκων υμάς δια την χάριν την δο- 
θ-εισάν μοι υπό τοΰ θ-εοΰ ' εις τό είναί με λειτουργδν Χρίστου 16 
Ίησου εις τα έ9•νη, ίερουργοϋντα τό εύαγγέλιον του θ-εοΰ, ί'να 
γένηται ή προσφορά τών έθ-νών ευπρόσδεκτος, ήγιασμένη έν 
πνεύματι άγίω. έχω ούν καύχησιν έν Χριστώ Ίησοΰ τα προς 17 
τον θ-εόν ου γαρ τολμήσω τι λαλείν ών ού κατειργάσατο Χριστός 18 
δι' έμου εις υπακοήν εθνών, λόγω και έργω, ' έν δυνάμει σημείων 19 
και τεράτων, έν δυνάμει πνεύματος αγίου" ώστε με από Ιερου- 
σαλήμ και κύκλω μέχρι τοΰ 'Ιλλυρικού πεπληρωκέναι τό εύαγ- 
γέλιον του Χρίστου, ούτω δέ φιλοτιμούμενον εύαγγελίζεσθ-αι ούχ 20 
όπου ώνομάσίτη Χριστός, ι'να μη έπ' άλλότριον θ-εμέλιον οίν.οδομω, 
άλλα καθ-ώς γέγραπται* 21 

οϊς οϋκ άνηγγέλη περί αύτοΰ οψονται 

και οί ούκ άκηκόασι συνήσουσι 
διό και ένεκοπτόμην τα πολλά του έλθ-εΐν προς υμάς• 22 

1 πάσης ... ης FG ; έν πάση χαρά και ειρήνη Β. ' 01)1 είς τό περιτσβύειν 
Β 57. 302. 366. e. 14 Am Räude das Zeichen ωργ und die Worte 

„iv τήι εξηγήσει". "Wahrscheinlich bezieht sich die Glosse nicht auf 
die Zeile, an deren Rand sie steht (καΐ αυτοί . . . πάσης της), soudern 
auf das Wort αλλήλους in der folgenden Zeile. Rufin gebraucht in 
der Exegese einmal invieem, im Text und sonst dagegen alios (L Vif, 
405,13; 407,8). Das mag im griechischen Römerbrief commentar 
ähnlich gewesen sein, unser Gewährsmann hat aber richtig erkauut, 
daß nicht die Ji-Lesart άλλους, sondern αλλήλους — wenn auch nur 
in der έξήγηαις verwendet — der von Origenes gebilligte Text ist. ' 
om μου ρ αδελφοί sonst nur D *FG dfg m vulg D Or Aug. Ambrstr. Θδτ 
(S. 85). 15 τολμηροτέρως 1 τολμηρότερον AB. ' <v υμΐν έγραψα nur 

hier (S. 61. 86). ' add αδελφοί ρ έγραψα tfcDFGLP lat sy Κ (S. 82). ' 
άναμιμνήσκων 1 επαναμιμνήσκων Β 71. ' άπο 1 υπό J^BF 211. 16 om εις 
τά £θ•νη Β. ' γ£νηθ•η 1 γένηται Β. 17 add την a καύχησιν BC ? .DFG 5. 

37. 131. 190. 259. 285. 302. 338. 437. 1319. 2127 (S. 82). 18 τολμώ 

1 τολμήσω tf c B lat pxcm syP'. ' ad λόγων ρ έμοΰ Β. ' άκοήν 1 υπακοήν Β. 
19 Ι, 116,10; IV, 101,23; Cat. cor Ι, 244, 15,11 (S. 43. 45); vgl. II. 
173, 11; Cat. cor ι. 360, 20,22. 20 Cat. cor ι, 244, 15, 12: vgl. Ι, 116, 11: 
Cat. cor Γ, 360, 20, 22. ' φιλοτιμούμαι 1 φιλοτιμούμενον BD*FGP (S. 82). 
21 <x, olfe . . . οψονται β 37. 22 πολλάκις 1 τά πολλά BDFG 131. 



118 Baue ruf ei η d: Der Römerbrief text des Origenes. 

23 νυν: δε μηκέτι τόπον έχων εν τοΓς κλίμασι τούτοις, έπιποίΚαν δε 

24 έ'χων τοΰ έλθ-εΐν προ: ύμας από πολλών ετών, ως αν πορεύοψαι εις 
τήν Σπανίαν ελπίζω γάρ πορευόμενος 9•εάσασθ•α: υμάς καΐ υφ' 
όμών προπεμφθ-ήνα: εκεί, εάν υμών πρώτον από μέρους έμπλησθ-ώ. 

25 — νυν: δέ πορεύομα: ε:ς Ιερουσαλήμ διακόνων τοΐς άγίοις. 

26 ευδόκησαν γαρ Μακεδονία κα: 'Αχαία κοινωνίαν τινά πο:ήσασθ•αι 

27 εις τους πτωχούς των αγίων τών εν 'Ιερουσαλήμ, ευδόκησαν γάρ, 
κα: οφείλεται αυτών είσιν ει γάρ τοΓς πνευματικοίς αυτών έκο:- 
νώνησαν τά εθ•νη, όφείλουσι κα! εν τοις σαρκικοΐς λειτούργησα: 

28 αύτοίς. τούτο ουν έπιτελέσας, κα: σφραγισάμενος αύτοις τόν 

29 καρπόν τοΰτον, άπελεύσομα: δ:' υμών εις Σπανίαν' ο:δα δέ ό'τ: 
ερχόμενος τζρος ύμας εν πληρώματ: ευλογίας \ρ'.στοΰ έλεύσομα:. 

30 Παρακαλώ δέ ύμας, αδελφοί, δια τοΰ κυρίου ημών ΊησοΟ Χρίστου 
και διά της αγάπης τοΰ πνεύματος, συναγωνίσασ&'αί μοι εν ταϊς 

31 προσευχαίς υπέρ έμοΰ προς τον θ-εόν, ι να ρυσθ•ώ άπό τών άπει- 
ü -ούντιον έν τη Ιουδαία και ή διακονία μου ή εις 'Ιερουσαλήμ 

32 ευπρόσδεκτος τοΐς άγίο:ς γένητα:, ί'να έν χαρά έλθ•ών προς υμάς 

33 διά θελήματος θ-εοΰ συναναπαύσωμα: ύμΐν. δ δέ 9εδς της ειρήνης 
μετά πάντων υμών. 

23 πολλών 1 ικανών a ετών auclnSADFG Κ (S. 83). 24 από 1 ύφ" Β; 
αφ' 1 υφ' DFG 47. 131. 133. 211. 329. 336 u. a. (S. 82). ' πορεοόμενος 
1 διαπορευόμενος nur Α 62. 329. 437 (S. 86). 26 f ηϋδο'κησαν 1 εό- 

KDFG 37 u. a.; außerdem in ν. 26 Β* und in ν. 27 Α. 27 <x> εΐσίν 
αυτών KABCDP u. a. lat Ρ 1 «' (S. 86). 28 om αΰτοΐ; Β 76. 108 

vulg f ° rC . 30 om αδελφοί Β 76 Χρ. 31 δωροφορία 1 διακονία 

BD*FG lat «c d»fgpROr (L VII, 425,4) (S. 82). ' έν 1 εις a 'Ιερουσαλήμ 
BD*FG 213. 446. 469, ebenso (aber ohne ή) 66 Xp (S. 82). 32 Ιλ&ω 
1 έλ9-ών NcßDFGLP Κ. ' κυρίου Ίησοϋ 1 θ-εου Β: Ίησοΰ Χρίστου Ν !: "; 
Χρίστου Ίησοΰ DFG. om κα'ι συναναπαύσωμαι ύμΐν Β. 33 om αμήν 

sonst nur AFG 80. 109. 178 fg vulgO* (S. 83). ' Am Rande v. 16,1 
Rasur (S. 22). 

16, 1 Daß XVI, 1—24 im Origenescommentar fehlten und dem- 
nach im Atlioscodex einer anderen Vorlage entstammen — jedenfalls 
dem παλαιόν — wird man mit v. d. Goltz S. 94 entsprechend den 
Athosscholien zu Phil. 4, 1 u. Kol. 4, 12 anzunehmen haben. Daß 
Origenes andererseits XVI, 25—27 bearbeitet hat, ist nach Rufin 
L VII, 453 so gut wie sicher. Eine etwaige spätere Entzifferung der 
Scholien zu 14,23 und 16,25 wird vielleicht volle Klarheit bringen. 
Wir nehmen an, daß diese drei Verse des Cod. v. d. Goltz aus dem 
Origenescommentar stammen. 



Text: 15,23-33: 16,25-27. 119 

Τ ψ δέ δυναμένψ 6μας στηρίξαι κατά το ευαγγέλιόν μου και 16 
το κήρυγμα Χρίστου Ίησου, κατά αποκάλυψαν μυστηρίου χρόνοις ^° 
αϋωνίοις σεσιγημένου, φανερωΙ)•έντος δέ νΰν διά τε γραφών προ- 26 
φητικών κατ' έπιταγήν του αιωνίου θ-εοΰ ει; ύποταγήν πίστεως 
ει; πάντα τα έ'ίΐνη γνωρισθ•έντος, ' μόνω σοφω θ•εώ, δ:ά Ίησοϋ 27 
Χριττοϋ, ω ή δόξα εις τους αιώνας. 

25 Ι, 255,17 (S. 37); IV, 111,24; 273,7 (S. 45); V, 305,5; L XII, 
351,5 (= Φ 35,18); vgl. Ι, 131,1; Cat. eph 242,23. ' Am Rande eine 
kleine Rasur (S. 22) und das Zeichen ωργ. ' om καΐ τό κήρυγμα Χρίστου 
Ίησοα IV, 111,25 (S. 49. 77). ' ^ Xp.o-ov "Ιησού nur hier und Β (S. 86). 

26 1,255,18; IV, 111, ϊ6; 273,8 (S. 45); V, 305, 6 (S. 37); vgl. IV, 241, 1 ; 
L XII, 351,6 (Φ 35,19) und I, 131,2. ' add ρ προφητικών: και τής 
επιφανείας του κυρίου και σωτήρος ημών "Ιηαοϋ" Χρίστου V, 305, 7; Or 
(L VII, 394, 6); ähnlich (ohne καΐ αωτνμος) Ι, 255, 19: IV, 111, 27: 
241,2; 273,9; in freier Form Ι, 131,2; L XII, 351, 8 (= Φ 35, 21) und 
Or (L VII, 453, 20 f.; S. 13. 44). ' ύποταγήν 1 ύπακοήν nur hier (S. 86). 

27 Vgl. II, 402, 34 [Hebr. 13, 21?] ' om φ a ή δόξα Β f syP Or (L VII, 453, 1). 
om αμήν in fine auch 49. 63. 338 lat A0R Hil • Ali s- (S86). 



Julius Abel, Θ. m. b. H., 6reifswald 



NEUE 
STUDIEN ZU MARCION 



VON 



RDOLF VON HRRNRCK 



\M'& 



LEIPZIG 

J. C. HINRICHS'sche BUCHHANDLUNG 
1923 



TEXTE UND UNTERSUCHUNGEN 

ZUR GESCHICHTE DER ALTCHRISTLICHEN LITERATUR 

ARCHIV FÜR DIE VON DER KIRCHENVÄTER-COMMISSION 

DER PREUSSISCHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 

UNTERNOMMENE 

AUSGABE DER ÄLTEREN CHRISTLICHEN SCHRIFTSTELLER 

HERAUSGEGEBEN VON 

ADOLF VON HARNACK und CARL SCHMIDT 

3. REIHE 14. BAND HEFT 4 
44. BAND HEFT 4 



Printed in Germany. 



eingehende Kritiken meiner Monographie über Marcion 1 
sowie Nachträge und Berichtigungen, die ich selbst zu geben 
vermag, fordern es, zu dem Thema zurückzukehren. Durch 

1 Lietzmann i. d. „Ztschr. f. d. N.-Tliclie Wissensch." 1921, 
S. 94f. — Jülicher, Marcion, i. d. „Christi. Welt" 1921 Nr. 18. — 
Eißfeldt, Christent. u. A. T., i. d. „Kartell-Zeitung des Eisenacher 
Kartells Akad. Theol. Vereine", 1921 Nr. 7. — K. L. Schmidt, Mar- 
cion und wir, ebendort. — v. Soden, in der „Deutschen Lit. -Ztg." 

1921 Nr. 49; derselbe, i. d. „Ztschr. f. K.-Gesch." Bd. LX (N. F. III) 

1922 S. 193 ff. — Krüger im „Lit. Zentr.-Blatt" 1921 Nr. 19. — Koch 
i. d. „Theol. Lit.-Ztg." 1921 Kol. 313ff. —R.Harris, Marcions Book 
of Contradict•, im „Bull, of the John Rylands Libr.", Manchester, 
Vol. VI Nr. 3, 1921 p. 289ff. — Windisch, im „Museum" (Leiden) 
August 1921; van den Bergh van Eysinga, in der Nieuw Theol. 
Tijdschr." 1921 III p. 218fr*. (das zögernde und übelwollende Rück- 
zugsgefecht eines radikalen Kritikers, dem die Felle weggeschwommen 
sind). — de Bruyne, in der „Rev. Bened. 1921 Octob. (p. 13ff.) — 
Lagrange, in der „Rev. Biblique" 1921 Octob. — Weinel i. d. 
„Deutsch. Allg. Ztg." 1921, 24. Dez. — Lowther Clarke i. d. Ztschr. 
„Theology", Α monthly „Journ. of Historie Christianity" 1921 Nr. 17 
p. 297 ff. — Wikenhauser, im „Oberrheinisch. Pastoralblatt 1921, 
15. August. — Grützmacher i. der „Theologie der Gegenwart", 
XV. Jahrg., 1921, Heft 4 S. 124 ff. — A. Th. J., i. d. „Theol. Tidsschr." 
Kopenhagen 1921, 27. Nov., S. 18. — Walter Köhler i. d. „Neuen 
Züricher Ztg." 1921 Nr. 668 (7. Mai). — Moffat, im Hibbert Journ. 
1921, Juli, p. 772 ff. — Behm, im „Theol. Lit.-Bl." 1922 Nr. 12, 
S. 183 f. — Stalker, im „Expositor" 1922 Vol. XXIII April, p. 241 ff. 

— d'Ales, Marcion, la Reforme ehret, au IL siecle in den „Recherch. 
de Science Relig." 1922 Vol. XIII, Mai bis Aug., p. 137 ff. — Hein, 
Moderner Marcionitismus, in den „Theol. Blättern" 1922 Nr. 6 u. 7. 

— Vogels, in der „Theol. Revue" 1922 Nr. 3/4. — Jordan, im 
„Theol. Lit.-Bericht" 1922 Nr. 3. — E. Vis eher, im Kirchenbl. f. d. 
Reform. Schweiz 1922 Nr. 28. — Höh, in der „Lit. Beilage z. Augsb. 
Postztg." 1922Nr.ll.— Grejdanus, Marcion Paulinist in zijne Gnaden- 

T. U. '23: v. Harnack. 1 



2 Α. ν. Harnack: 

die Kritiken sind folgende Hauptfragen wieder kontrovers 
geworden : 

I. Was ist der Ausgangspunkt und deshalb auch der 
Grundgedanke im Christentum Marcions? Ist es wirklich der 
Gegensatz von Gut und Gerecht, Evangelium und Gesetz? Steht 
er dem Apostel Paulus in Wahrheit nicht viel ferner, als es 
zunächst den Anschein hat? Ist seine Lehre nicht doch nur eine, 
wenn auch besonders merkwürdige, Spielart des gnostischen 
Dualismus mit nachträglicher paulinischer Färbung? Ist er 
nicht massiver, naiver, minder evangelisch und minder eigen- 
tümlich, als er in meiner Darstellung erscheint? Ist er nicht 
von außerchristlichen Einflüssen sehr stark abhängig? 

II. Ist seine Bedeutung für die Entwicklung des Christen- 
tums zur katholischen Kirche nicht von mir überschätzt; darf 
man ihn ζ. B. wirklich den Schöpfer des Neuen Testaments 
nennen? 

III. Hat er der Gegenwart noch etwas zu sagen oder geht 
seine Bedeutung ganz in seiner Zeit auf? 

IV. Hat sein Bibeltext Einfluß auf die katholischen Texte 
ausgeübt oder sind diese Texte nicht vielmehr ganz frei von 
einem solchen? 

I 

Meine Kritiker haben sämtlich, soweit sie auf die Frage 
eingegangen sind, es gebilligt, daß ich die Boussetsche These, 
der Marcionitismus sei eine Spielart des persischen Dualismus, 
abgelehnt habe; allein v. Soden und Walter Bauer machen 
starke Vorbehalte (indirekt auch Grejdanus), die besonders 
bei Bauer dazu führen, daß er zu einer Auffassung der christ- 
lichen Lehre Marcions gelangt, die die von mir vorgetragene 
ablehnt und zur älteren Auffassung (Marcion ein Gnostiker) 
zurückkehrt. 

v. Soden stimmt zunächst in weitem Umfang meiner Auf- 
fassung Marcions zu 1 : „M. ist in allen wesentlichen Punkten 

leer? i. der „Gereform. Theol. Tijdschr." 1923 Januar, Aflevering 9, 
p. 337 ff. — Aniann, M. et Marcionisme, in der Rev. des Sciences 
Relig. (Univ. de Straßbourg) 1923 Nr. 1, p. 111 ff. — Walter Bauer, 
i. d. Gott. Gel.-Anz. 1923 S. 1—14. 

1 Die folgenden Sperrungen sind von mir. 



Neue Studien zu Marcion. 3 

geradezu der polare Gegensatz zum Gnostizismus. Er ist nicht 
Enthusiast, sondern Biblizist, nicht Prophet, sondern 
Reformator, nicht metaphysisch, sondern ethisch be- 
stimmt, nicht systematisch, sondern dogmatisch geartet. 
Daß er keine Äonenspekulation hat, ist für die Beurteilung 
seines Verhältnisses zum Gnostizismus in der Tat von ent- 
scheidender Wichtigkeit. Vor allem ist hier auf die Christo- 
logie zu achten: unterscheidet man bei dieser die Neutrali- 
sierung der geschichtlichen Erlöserpersönlichkeit durch ihre 
Zerlegung in Äonen und ihre Einordnung in ein System von 
solchen als das eine Ende der Typenreihe und die modalistische 
Verabsolutierung derselben als das andere, so stellen M. und 
die Gnostiker auch hier die polaren Gegensätze dar, 
zwischen denen die gemäßigte und eingeschränkte Äonenlehre 
der kirchlichen Hypostasenchristologie vermittelt. Μ. E. ist 
M.s Zweigötterlehre überhaupt nichts anderes als die 
Potenzierung seiner modalistischen Christologie, und 
mit dieser ist er im Sinne der die Entwicklung bestimmenden 
Tendenzen mehr reaktionär als radikal" 1 . Aber dann 
erhebt v. Soden eine Reihe aufsteigender Bedenken ; ich fasse 
sie also zusammen: 

1. Harnack erkennt zwar den synkretistischen und vulgär- 
dualistischen Einschlag und damit gewisse Berührungen mit 
dem Gnostizismus bei M. an, aber es darf hier eine wurzel- 
hafte Gemeinschaft nicht verkannt werden. 

2. Daß M.s gerechter Gott immer wieder zum bösen Gott 
hinschillert und leicht in ihn umschlägt — wie vor allem auch 
die spätere Entwicklung der Marcionitischen Kirche beweist — , 
ist nicht gebührend gewürdigt. 



1 Die Formulierung ist ausgezeichnet. M. vertritt hier dieselbe 
Reaktion wie die modalistische Hälfte der Montanisten und vor allem 
wie Papst Zephyrin mit seiner öffentlich zur Nachachtung promul- 
gierten Formel: Έγώ οίόα ένα Q -εον Χριοτον Ίηαονν, και πλην αυτόν 
έτερον ονόένα, γεννητον καϊ παθ-ητόν. Vgl. auch Orig., Comm. II § 29 
in Joh.: "Ετεροι ol μηδέν ειόότες, εΐ μη Ίηοονν Χριατον εαταυρωμένον 
(s. Apelles). Und auch er bemerkt dazu: τοιούτον όέ εστί το πλη&ος 
των πεπιατενκεναι νομιζομένων. M.s Modalismus war nur den Theo- 
logen anstößig, nicht der großen Menge der Laien. 

1* 



4 Α. ν. Harnack: 

3. Harnack zieht zuweilen sehr sublime Consequenzen 
in bezug auf M.s Lehre, die sich aus der Überlieferung nicht 
erweisen lassen. „Er argumentiert etwa (bei der Lehre von 
der doppelten „Gutheit" oder bei der Reconstruction der Es- 
chatologie M.s) mit Paulusstellen, die M. stehen ließ, von denen 
wir aber nicht wissen, wie weit er sie besser verstanden und 
gewertet hat als der Katholizismus, der sie auch las." 

4. Harnack „substituiert, M. betreffend, den Paulinisch- 
Lutherischen Gegensatz von Gesetz und Gnade, Glauben und 
Werken und berücksichtigt nicht, daß dieser Gegensatz bei ihm 
entleert und entgeistigt wird, indem er von ihm zu dem der 
zwei Götter hypostasiert und mythologisiert und in der Askese 
ein neues Gesetz aufgerichtet wird ... Es bedeutet eine 
Idealisierung, wenn Harnack Marcion meinen läßt, daß die 
verstorbenen Gerechten des Schöpfergotts nicht erlöst werden 
können, weil sie den Mangel ihrer Gerechtigkeit nicht erkennen, 
während die Heiden und Sünder mit der vergebenden Gnade 
die Erlösung ergreifen . . . Bei der Bilanzziehung wird die 
von Harnack anerkannte Tatsache, daß M. den Paulus 
gründlich mißverstanden und unerhört vergewaltigt hat, nicht 
voll zur Geltung gebracht ... M. ist dem Schuldgedanken 
(und damit einem eigentlichen Sündenbewußtsein) völlig ver- 
schlossen. Er ist an diesem Punkte nicht mehr, sondern 
weniger feinfühlig als mancher unter den Gnostikern ... Die 
exclusive soteriologische Einstellung, die Harnack 
immer wieder an M. rühmt, ist doch zum guten Teil (keines- 
wegs ganz) nicht die religiöse Antithese gegen eine religions- 
philosophische Kosmologie, sondern die barbarische Ver- 
kennung der hier seinerzeit gestellten Probleme und die will- 
kürliche Verleugnung von Consequenzen aus den eigenen Vor- 
aussetzungen, also mehr theologischer Dilettantismus 
als religiöse Vertiefung." 

Grejdanus bestreitet, daß M. in seiner Gnadenlehre 
Pauliner war im Gegensatz zu meiner Darstellung, in der er 
als consequenter Pauliner erscheine; M. kenne in Wahrheit 
die Gnade nicht: diese sei bei Paulus etwas viel Tieferes, 
nämlich die schuldvergebende Liebe; des Menschen Sünde 
ist bei M. nicht Sünde gegen Gott; also ist auch bei M. 



Neue Studien zu Marcion. δ 

die Gnade nicht eigentlich Vergebung; seine Auffassung 
schließt es aus, daß der Mensch sich selbst verdorben und 
ins Elend gebracht hat. Daß ich diesen Unterschied zwischen 
Paulus und M. nicht eingesehen habe, liege an meiner mangel- 
haften christlichen Erkenntnis, wie ich sie im „Wesen des 
Christentums" bekundet habe. 

Bauer beginnt in seiner Kritik damit, daß ich fremde 
Einflüsse bei M. unterschätze und den Einfluß des Paulus 
überschätze. Ein ähnliches Erlebnis wie das des Paulus, bzw. 
die Erkenntnis des entscheidenden Gegensatzes von Gesetz 
und Gnade, sei bei dem Heidenchristen M. überhaupt und als 
Ausgangspunkt undenkbar; sein Widerspruch beziehe sich 
gar nicht auf das Gesetz als solches (so daß das Mosaische 
nur ein Typus desselben wäre), sondern ausschließlich 
auf das A.-Tliche Gesetz (die Askese, welche eine Er- 
tötung des Menschtums fordere, zeige, daß M. doch unter einem 
fordernden Gott stehe); er verrate auch nichts von einem 
durch das Gesetz nach vergeblichen Anstrengungen erregten 
Sünden- und Schuldbewußtsein, sondern kennt nur eine Er- 
lösung von Elend, wobei er mit dem Gott der Liebe nicht 
Ernst mache, indem er sich mit der Erlösung einer kleineren 
Anzahl von Menschen begnüge. M. hat das Α. T. als Ganzes 
verabscheut und in und mit ihm auch das Gesetz; um- 
gekehrt hat er nicht aus einem Erlebnis den Glauben an einen 
Gott, der ausschließlich Liebe und Güte ist, gewonnen, sondern 
dieser ist ihm lediglich als Antithese zum A. -Tuchen Gott 
entstanden. Da sich ferner die doketische Christologie, die 
überasketischen Neigungen u. a. nicht aus dem bewegenden 
Gegensatz von Gerecht und Gut ableiten lassen, so ist zu 
fragen, ob diesem Gegensatz die beherrschende Stellung bei 
M. zukommt und ob er seine Gedanken, die nichts weniger 
als Paulinisch sind, überhaupt in den Paulusbriefen gefunden, 
ob er sie nicht vielmehr an diese nur herangebracht hat. Der 
wahre Sachverhalt stellt sich so dar, daß der Widerwille gegen 
das Judentum und die zum Ekel gewordene Abneigung gegen 
die materielle fleischliche Welt bei ihm in der heftigen Feind- 
schaft gegen den Judengott, der zugleich Weltschöpfer ist, 
zusammengeflossen sind. Von dieser Doppel - Voraussetzung 



6 Α. ν. Harnack: 

des Hasses aus waren ihm das Evangelium und Paulus will- 
kommen und bereicherten und bestimmten nun seine Gedanken- 
welt; von hier aus erklären sich alle Hauptpunkte seiner 
Lehre — unter gewichtigen Anregungen von außen (s. u.) — 
befriedigend. 

Die Annahme, die Erfahrung Gottes als der Gnade sei 
der Ausgangspunkt für M., verbiete sich auch durch die Be- 
obachtung, daß das positive Gebot der Liebe keineswegs den 
Mittelpunkt der Frömmigkeit M.s bilde, ferner auch durch die 
andere Beobachtung, daß er zwar enthusiastisch den absoluten 
Wert des Evangeliums verglichen mit dem Α. T. preise und 
umgekehrt ebenso ergriffen den Abscheu vor dem „Fleisch" 
zum Ausdruck bringe, aber ein Erlebnis der Gnade niemals 
in heiliger Begeisterung zum Ausdruck gebracht habe. Endlich 
zeigen auch die beiden von ihm als Devisen bevorzugten 
evangelischen Sprüche (vom neuen Wein und den alten 
Schläuchen; vom bösen und guten Baum) nicht den gnädigen 
Gott, der das Gesetz abtut, sondern den Gegensatz des un- 
bedingt vollkommenen und des schlechthin verdorbenen Gottes. 

Von hier aus bedarf die Ansicht Harnacks vom ge- 
rechten Gott, wie ihn M. sich vorgestellt, eine gründliche 
Kevision: Er ist in demselben Sinn schlecht, wie der 
Vater Jesu Christi gut ist, und auch seine Gerechtigkeit 
ist eben nur schlechte Strafgerechtigkeit. Es bereitete, 
so darf man vermuten, „M. eine innere Genugtuung, ein Wort, 
das sonst etwas Gutes bezeichnet, durch Einschließung in 
Anführungszeichen zu einem Schimpf für den Demiurgen zu 
machen. Ich verspüre etwas wie ätzenden Hohn in der immer 
wiederkehrenden Rede vom gerechten' Gott" . . . „Marcion 
redet vom gerechten' Gott, wie wir von einem ,sauberen' 
Herrn und einem ,netten' Menschen sprechen. Wohl hat man 
den giftigen Spott M.s schon früh nicht mehr verstanden" . . . 
„Marcions , Gerechtigkeit' gehört in das Register der Sünden 
des Weltschöpfers hinein und will denselben ebenso zum 
Schlechten stempeln, wie die anderen Prädikate, die 
ihm beigelegt werden." Die Kirchenväter haben, so scheint 
es, richtig empfunden, wenn sie den Demiurgen im Sinne M.s 
direkt als schlecht ausgeben. 



Neue Studien zu Marcion. 7 

Allerdings geht Bousset zu weit mit seiner Identifizierung 
des Marcionitischen und Persischen Dualismus — Marcion hat 
neben dem Weltschöpfer die schlechte Materie, identifiziert ihn 
nicht mit dem Teufel und kennt den Dualismus von Licht und 
Finsternis nicht — ; aber diese Zugeständnisse geben 
dem A. -Tuchen Gott keinen Auftrieb, der ihn über 
das Niveau des Schlechten erheben. Die Materie entlastet 
ihn nicht und auch der Teufel nicht, weil die ganze schlechte 
Schöpfung schließlich doch auf ihm sitzen bleibt (die Materie 
ist eingeführt, um dem Weltschöpfer nicht die Kraft zuzuschreiben, 
aus dem Nichts schaffen zu können, und der Teufel mußte aus 
dem Ν. T. übernommen werden). 

Die hier gegebene Betrachtung wird von der späteren 
Entwicklung des Marcionitismus bestätigt ; sie nötigt aber auch, 
M. in einen größeren religionsgeschichtlichen Zusammenhang 
zu stellen, woraus sich die erheblichste Einschränkung seiner 
Originalität ergibt. Trotz unleugbarer Unterschiede tritt eine 
starke Abhängigkeit M.s vom Gnostizismus hervor: die Vor- 
stellung von den beiden Göttern (der eine als untergeordneter 
Demiurg) ist übernommen; der „fremde" Gott gehört doch zum 
„unbekannten" Gott und scheint keine ganz originelle Schöpfung 
zu sein (Reitzenstein); die antijüdische Orientierung hat in 
jenem Zeitalter, sowohl in der Großkirche, als auch vor allem 
bei den Gnostikern, verschiedene Vertreter (besonders bei den 
Mandäern, Reitzenstein), und zeigt M. weniger im Bann des 
Paulus als von einer Zeitströmung• ergriffen, auf die auch der 
duali